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Lagebericht 2024

Quester Baustoffhandel GmbH

Original-PDF

Stichtag 31. Dez. 2024 · Eingereicht am 23. Sep. 2025

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Der österreichische Baustoffhandel beliefert vorrangig Unternehmen und im eingeschränkten Ausmaß Privatkunden mit Materialien und Werkzeugen für die Errichtung und Renovierung von Bauwerken im Hoch- und Tiefbau. Die Marktleistung umfasst Sortimentsbildung, Lagerhaltung und Logistikleistungen. Das Marktvolumen des österreichischen Baustoffhandels in dieser Form wird auf rund EUR 3-4 Milliarden geschätzt.

Nach der Erholung der Bauwirtschaft nach der Pandemie und positiven Wachstumsraten, getragen von Aufholeffekten, waren die letzten beiden Jahre durch einen massiven Nachfragerückgang gekennzeichnet. Ursachen waren neben den Zinsanstiegen auch der Anstieg der Energiepreise und der allgemeinen Inflation sowie die hohen Kollektivvertragsabschlüsse. Neben dem Volumensrückgang verschärften Preisrückgänge die Umsatzsituation zusätzlich. Für 2025 sollte aber die Talsohle erreicht sein und sanfte Aufwärtstrends werden für 2026 und 2027 erwartet.

(Quelle WIFO).

Quester Baustoffhandel GmbH betreibt zum Stichtag 20 Verkaufsstandorte in vier Bundesländern Osterreichs. In Wien wird aktuell ein neuer Fliesenschauraum als Flagshipstore nahe dem Hauptsitz in der Heiligenstädter Straße eröffnet, der einen veralteten Standort in der Heiligenstädter Lände ablöst.

Geschäftsverlauf, Ergebnis und Lage des Unternehmens

Im Jahr 2024 erwirtschaftete Quester einen Umsatz von EUR 131,3 m (VJ: EUR 168,0 m). Das entspricht einer Änderung von EUR -36,6 m bzw. -21,8 % gegenüber 2023. Wesentliche Faktoren waren Volumensrückgänge, aber auch signifikante Preisrückgänge in relevanten Produktkategorien. Das Ergebnis vor Steuern weist daher einen Verlust von EUR -15,0 m (VJ ein Verlust von EUR -7,1m) auf. Die strukturellen Maßnahmen, um auch bei rückläufigen Umsätzen das Unternehmen in der Gewinnzone zu halten, wurden 2024 massiv verstärkt, vor allem durch eine Filialschließung und darüberhinausgehenden Personalabbau. Sie reichen aber derzeit nicht aus, um das Unternehmen wieder in die Gewinnzone zu bringen.

Zum Zeitpunkt der Bilanzerstellung 2024 sehen wir uns nach wie vor mit einem stagnierenden Umsatzvolumen im Jahr 2025 konfrontiert. Für die Folgejahr 2026 und 2027 ist nur mit sanften Zuwachsraten zu rechnen. Daher wurde eine weitere Filialschließung im ersten Quartal 2025 vollzogen und mit dem Ansatz des zero-base-budgeting alle Kostenpositionen kritisch auf Senkung oder Streichung geprüft. Erste Verbesserungen in der Ertragskraft sind spürbar.

Details zu den Maßnahmen werden im Absatz Prognosebericht erläutert.

Vermögens- und Finanzlage

Bedingt durch den Verlust im Berichtsjahr beträgt das Eigenkapital zum Bilanzstichtag EUR 0,6m (VJ: EUR 15,6m). Die Eigenmittelquote beträgt zum Bilanzstichtag 1,4 % (VJ: 32,4 %).

Weitere Kennzahlen zur Vermögens- und Finanzlage:

- - - - die durchschnittliche Außenstandsdauer der Kundenforderungen beträgt im Jahresdurchschnitt 47,2 Tage (VJ: 39,1 Tage). Im Jahr 2025 konnte eine renommierte österreichische Bank als Factor-Partner gewonnen werden, was nicht nur die Liquidität sicherstellt, sondern auch das durchschnittliche Zahlungsziel massiv verringert. die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen werden im Jahresdurchschnitt nach 29,6 Tagen (VJ: 29,1 Tage) bezahlt. das Lager dreht sich im Durchschnitt 3,6-mal pro Jahr (VJ: 4,1) die Vorräte betragen 35,0 % der Bilanzsumme (VJ: 31,9 %).

Personalbericht

Die Zahl der Arbeitnehmer (FTE) hat sich im Laufe des Jahres 2024 von 363 auf 308 (jeweils zum Stichtag) weiter massiv verringert. Die Investitionen in die Personalentwicklung und in die laufende Schulung der Mitarbeiter wurden damit einhergehend ebenso reduziert. Am Ende des Jahres 2024 waren 10 Lehrlinge (VJ: 11) in Ausbildung. Im Jahr 2024 gab es 3 (VJ: 3) Arbeitsunfälle.

Umweltbericht

Quester legt großen Wert darauf, die Lagerung und den Transport der Produkte zum Kunden unter Bedachtnahme auf die Gesundheit der Mitarbeiter, die Schonung der Umwelt, eine sparsame Verwendung von Ressourcen und Rücksichtnahme auf Anrainer und Einrichtungen des öffentlichen und sozialen Lebens abzuwickeln. Quester verpflichtet sich weiterhin zu den ESG-Vorgaben der BME-Gruppe und liefert Kennzahlen, die die Fortschritte belegen.

Forschung und Entwicklung

Die Gesellschaft betrieb im Geschäftsjahr 2024 keine Forschung und Entwicklung.

Prognosebericht

Wie im Anhang bereits erwähnt, erfolgte mit Closing am 26. Juni 2025 ein Gesellschafterwechsel und die Gesellschaft ist aus dem Konzernverbund der BME Group Holding B.V. ausgeschieden. Neue Gesellschafterin ist die Callista Holding GmbH und Co. KG mit Sitz in München.

Im Share Purchase Agreement ist festgehalten, dass die erwerbende Gesellschaft auch die Forderungen aus Finanzierungsdarlehen, die der vormalige Gesellschafter gegenüber Quester hat, erwirbt. Es ist geplant, diese Finanzierungsverbindlichkeiten zum Bilanzstichtag am 31.12.2025 in Eigenkapital umzuwandeln, wodurch sich zum nächsten Bilanzstichtag wieder ein Eigenkapital von rund 30 % darstellen lässt, die prognostizierten Verluste des Jahres 2025 schon mit eingerechnet.

Gemeinsam mit dem neuen Gesellschafter wurde darüber hinaus eine Fortbestehensprognose erstellt, die sich an den Bestimmungen IDW S6 vom deutschen Institut der Wirtschaftsprüfer orientiert, und damit auch dem Leitfaden Fortbestehensprognose für Osterreich aus dem Jahr 2016 entspricht.

Darin können wir in einer Primärprognose darstellen, dass die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit über die nächsten 18 Monate gewährleistet ist, und können wir in einer Sekundärprognose glaubhaft machen, dass im Jahr 2027 der Turnaround erwartet werden kann.

Die dazu führenden Maßnahmen sind in der Fortbestehensprognose detailliert dargestellt nach ihren Zielrichtungen in vier Handlungsströme unterteilt:

- Vertrieb & Ertragssteigerung - Liquiditätsverbesserung (Factoring und andere Maßnahmen) - Kostensenkung und Profitabilitätssteigerung - Strukturmaßnahmen

Die Finanzierung der Gesellschaft erfolgte bisher ausschließlich konzernintern. Die daraus resultierenden Intercompany-Darlehensverbindlichkeiten werden plangemäß im Geschäftsjahr 2025 in Eigenkapital umgewandelt.

Durch das nunmehr umgesetzte Factoring ist die Liquidität höchstwahrscheinlich gesichert.

Von den insgesamt 48 Maßnahmen sind zum Zeitpunkt dieses Lageberichts bereits 30 in Implementierung oder konnte der Effekt sogar schon realisiert werden, wie zB beim erwähnten Factoring. Quester hat außerdem den Antrag auf Mitgliedschaft bei einer Einkaufsgemeinschaft gestellt.

Für jede dieser Maßnahmen sind der Ausgangspunkt und das Ziel definiert, und welche Schritte es im Detail benötigt, um dieses Ziel zu erreichen. Sie sind für einen sachkundigen Dritten nachvollziehbar und entsprechen der betriebswirtschaftlichen Praxis. In einem eigens eingerichteten Projektmanagement Office werden die Fortschritte im Wochenabstand getrackt und die Maßnahmen bei Bedarf geschärft.

Der Geschäftsführung, dem Managementteam bei Quester und allen Führungskräften an den Standorten und in den zentralen Bereichen ist die Dringlichkeit der Maßnahmen bekannt.

Insofern sind die Geschäftsführung und die Gesellschafter überzeugt, dass die Anwendbarkeit der Going Concern Prämisse mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angemessen ist.

Risikobericht / Finanzierungsinstrumente

Quester ist als überregional tätiger Baustoffhandelsbetrieb im Rahmen der unternehmerischen Tätigkeit mit Risiken konfrontiert. Das Risikomanagement zielt darauf ab, die Geschäftsrisiken zu identifizieren und zu überwachen.

Die gesamtwirtschaftlichen Konjunkturentwicklungen und vor allem die Baukonjunktur beeinflussen unsere Umsatz- und Ergebnisentwicklung maßgeblich. Im Zuge der Planung werden diese makroökonomischen Einflüsse quantifiziert und durch detaillierte Gegenmaßnahmen kompensiert, deren Effekte in die Jahreszielsetzung eingepflegt und unterjährig deren Erreichung entsprechend gesteuert wird.

Unter Bedacht auf den steigenden Wettbewerbsdruck und die damit einhergehende wirtschaftliche Anspannung in unserer Kundenstruktur wird das Kreditrisikomanagement ständig weiter geschärft. Ein Debitorenüberwachungssystem gewährleistet für diesen Bereich Risikominimierung. Dies erfolgt durch Installierung und laufende Überwachung von Kreditlimits je Kunde mit dokumentierten Genehmigungsverfahren. Zusätzlich zu diesem Kreditrisikomanagement werden die namhaften Forderungen zum Großteil mittels Kreditschutzversicherung versichert. Der Ansatz für Forderungen und die sonstigen Vermögensgegenstände erfolgte zum Nominalwert. Für erkennbare Risiken werden Wertberichtigungen gebildet.

Dem Lieferantenrisiko begegnen wir durch unsere breit gefächerte Lieferantenstruktur, die in jedem Sortimentsbereich auf mehrere Quellen setzt und vorrangig auf bonitätsstarke Zulieferer ausgerichtet ist. Preis- oder Versorgungsrisiken in volatilen Produkt- und Rohstoffbereichen mildern wir durch eine möglichst geringe Lagerhaltung sowie durch Ausgestaltung der Offerte, die eine Anpassung der Verkaufspreise an Einkaufspreisschwankungen vorsieht. Währungsrisiken sind aufgrund unserer Finanzierungsund Beschaffungsstruktur ein untergeordnetes Thema, das kaum merkbare Auswirkungen erzeugen kann.

Die Finanzierung wurde in diesem Lagebericht schon ausreichend dargelegt, ist aber auch von der Entwicklung in der Zukunft abhängig. Die Fortbestehensprognose ist von Annahmen getragen, die durch klar definierte Maßnahmen bestärkt werden. Sollten die sich nicht, oder nicht in der angenommenen Weise, bewahrheiten, sind weitere Kostensenkungsmaßnahmen, v.a. struktureller Art, vorgesehen. Außerdem steht ein Betriebsstandort im unbelasteten Eigentum des Unternehmens, der durch eine Sale and Leaseback-Konstruktion zusätzliche flüssige Mittel freisetzen könnte. Für den Fall, dass die Planungsannahmen nicht eintreten bzw. die erforderlichen Maßnahmen nicht im geplanten Ausmaß umgesetzt werden können, könnten damit einhergehende Liquiditätsengpässe erhebliche Zweifel am Fortbestand des Unternehmens aufwerfen und das Unternehmen möglicherweise nicht in der Lage sein, seine im Jahresabschluss zum 31. Dezember 2024 ausgewiesenen Vermögenswerte und Schulden im normalen Geschäftsverlauf zu realisieren bzw. zu tilgen.

An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass keine derivativen Finanzierungsinstrumente eingesetzt werden.

Rechtliche Risiken entstehen aus verschiedenen Gerichtsprozessen, in die Quester involviert ist. Wir erwarten aus diesen Prozessen, die ausschließlich im Zusammenhang mit der Betreibung von ausstehenden Forderungen stehen, jedoch keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf die wirtschaftliche und finanzielle Lage des Unternehmens.

Wien, am 5. September 2025

Quester Baustoffhandel GmbH

ChristophrGasser

Klaus Pollhammer-Zellinger

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