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Lagebericht 2023/24

AGRANA Beteiligungs-Aktiengesellschaft

Original-PDF

Stichtag 29. Feb. 2024 · Eingereicht am 30. Okt. 2024

Inhaltsverzeichnis

G RA

INHALTSVERZEICHNIS

Überblick 3 5 Geschäftsverlauf und wirtschaftliche Lage der AGRANA Beteiligungs- Aktiengesellschaft Beteiligungen der AGRANA Beteiligungs-Aktiengesellschaft 8 13 Umwelt und Nachhaltigkeit 14 Forschung und Entwicklung Personal- und Sozialbericht 14 Risikomanagement und internes Kontrollsystem 16 Berichterstattung gemäß §243a Abs 2 UGB 23 24 Kapital-, Anteils-, Stimm- und Kontrollrechte 25 Corporate Governance Bericht 25 Zweigniederlassungen 25 Ereignisse nach dem Bilanzstichtag Prognosebericht 25

Überblick

Die AGRANA BeteiligungsͲAktiengesellschaft ist als international ausgerichtetes österreichisches Industrieunternehmen in ihrer Konzerntätigkeit in den Segmenten Zucker und Stärke hauptsächlich in Europa und im Segment Frucht weltweit tätig und strebt in diesen Märkten eine führende Position in der industriellen Veredelung von agrarischen Rohstoffen an. Die AGRANA BeteiligungsͲAktiengesellschaft bildet die HoldingͲGesellschaft der AGRANAͲGruppe („AGRANA“).

Der Konzern verfolgt einen an den jeweiligen lokalen Marktgegebenheiten ausgerichteten Wachstumskurs. Langfristige und stabile KundenͲund Lieferantenbeziehungen, respektvolles Verhalten gegenüber den Stakeholdern sowie die kontinuierliche Steigerung des Unternehmenswertes sind wichtige Eckpfeiler, die an den Grundsätzen nachhaltigen Wirtschaftens ausgerichteten Unternehmensstrategie.

Ziel von AGRANA ist es, sowohl global agierenden als auch regional tätigen Kunden weltweit hohe Produktqualität, optimalen Service sowie innovative Ideen und KnowͲhow in der Produktentwicklung zu bieten.

Die strategischen Ziele der Konzernsegmente, die sich in der AGRANA BeteiligungsͲAktiengesellschaft in den Beteiligungsverhältnissen widerspiegeln, stehen in einer synergetischen Wechselwirkung:

Frucht

Strategisches Ziel: Kunden- und markt- , globales

Kapitalmarkt

Strategisches Ziel:

Eine langfristig global ausgerichtete Partnerschaft mit den Aktionärinnen und Aktionären

Synergien Nutzung segmentübergreifender Synergien, um für immer volatiler werdende Rahmenbedingungen in den Geschäftssegmenten optimal positio niert zu seir Zucker Strategisches Ziel: Kunden- und marktorientiertes Wachstum in Zentral-, Ost- und Su ste europa

Stärke

Strategisches Ziel: Organisches Wachstum und Schaffung von Mehrwert in kundenspezifischen Produkten

AGRANA kontrolliert und steuert die produktbezogene Wertschöpfungskette vom Einkauf der agrarischen Rohstoffe bis zu den daraus gewonnenen industriellen Vorprodukten, im Segment Zucker auch bis zum Endprodukt für den Konsumenten. Das Unternehmen nutzt das konzerneigene strategische KnowͲhow über die Segmente hinweg. Dies betrifft v.a. die landwirtschaftliche Kontraktwirtschaft und Rohstoffbeschaffung, Kenntnisse von Kundenbedürfnissen und Märkten, die Möglichkeiten segmentübergreifender Produktentwicklungen sowie Synergien in der Logistik, im Einkauf, Verkauf und im Finanzbereich. Damit wird die Basis für eine solide Marktstellung gegenüber den Mitbewerbern in allen Produktgruppen sowie die nötige Innovationskraft und die Wettbewerbsfähigkeit von AGRANA geschaffen.

Das Segment Frucht umfasst für Kunden individuell konzipierte und produzierte Fruchtzubereitungen und Fruchtsaftkonzentrate. AGRANA ist der weltweit führende Hersteller von Fruchtzubereitungen für die MolkereiͲ, BackwarenͲ, EiscremeͲund Food ServiceͲIndustrie. Die in Zubereitungen verarbeiteten Früchte werden größtenteils in tiefgefrorener oder aseptischer Form von Erstverarbeitern bezogen. In einigen Ländern betreibt AGRANA auch eigene Anlagen der ersten Verarbeitungsstufe, in denen frische Früchte teilweise von Vertragsanbauern übernommen und für die Verarbeitung in Fruchtzubereitungen vorbereitet werden. Im Bereich Fruchtsaftkonzentrate werden v.a. an europäischen Produktionsstandorten ApfelͲund Beerensaftkonzentrate ebenso wie Direktsäfte und Fruchtweine sowie Getränkegrundstoffe und Aromen hergestellt. AGRANA legt Wert auf eine möglichst nachhaltige, vollständige Verwertung der eingesetzten agrarischen Rohstoffe. Während in der Herstellung von Fruchtzubereitungen kaum Reststoffe anfallen, werden die bei der Produktion von Apfelsaftkonzentrat verbleibenden Presskuchen, sogenannte (ApfelͲ)Trester, von der Pektinindustrie und als Futtermittel genutzt.

Im Segment Stärke verarbeitet und veredelt AGRANA sowohl aus Vertragslandwirtschaft stammende als auch über den Handel bezogene Rohstoffe (primär Mais, Weizen und Kartoffeln) zu hochwertigen Stärkeprodukten. Die erzeugten Produkte werden an die NahrungsͲund Genussmittelindustrie und auch an die PapierͲ, TextilͲ, KosmetikͲ, Baustoffindustrie sowie andere technische Industriezweige geliefert. Im Rahmen der Stärkegewinnung werden auch DüngeͲund hochwertige Futtermittel erzeugt. Die Produktion von Bioethanol, das als klimaschonende Komponente Benzin beigemischt wird, ist ebenfalls Teil des Segmentes Stärke.

AGRANA verarbeitet im Segment Zucker Zuckerrüben aus Vertragslandwirtschaft und raffiniert weltweit bezogenen RohrͲ Rohzucker. Die Produkte werden an weiterverarbeitende Industrien z.B. für Süßwaren, alkoholfreie Getränke und Pharmaanwendungen geliefert. Zudem vertreibt AGRANA unter länderspezifischen Marken auch eine breite Palette an Kristallzucker und Zuckerspezialprodukten über den Lebensmittelhandel an Endkonsumenten. Daneben produziert AGRANA im Sinne einer möglichst vollständigen Verwertung der eingesetzten agrarischen Rohstoffe eine Vielzahl an DüngeͲund Futtermitteln zum Einsatz in der Landwirtschaft und Nutztierhaltung. Diese leisten nicht nur einen Beitrag zum ökonomischen Erfolg, sondern schließen durch die Rückführung von NährͲund Mineralstoffen in die Natur auch den ökologischen Kreislauf.

Rund 8.900 Mitarbeiter (FTEs)1 an 55 Produktionsstandorten auf allen Kontinenten erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2023|24 einen Konzernumsatz von rund 3,8 Mrd. €. AGRANA wurde 1988 gegründet und notiert seit 1991 an der Wiener Börse.

Geschäftsverlauf und wirtschaftliche Lage der AGRANA Beteiligungs-Aktiengesellschaft

basierend auf dem Jahresabschluss nach UGB zum 29. Februar 2024

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 5
Geschäftsentwicklung2023|242022|23Veränderung
TEURTEUR%
Umsatzerlöse50.83146.7278,8%
Sonstige betriebliche Erträge23919125,2%
Betriebsleistung51.07046.9188,9%
Operatives Ergebnis (Betriebserfolg)-19.005-6.830-178,2%
Operative Marge1-37,2%-14,6%
Beteiligungserträge60.42269.824-13,5%
Finanzerfolg81.05176.2666,3%
Ergebnis vor Steuern62.04669.436-10,6%
Jahresüberschuss59.56765.903-9,6%
Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte31.126228.575-86,4%

¹ Operative Marge = Operatives Ergebnis / Betriebsleistung

Umsatzerlöse

Die Umsatzerlöse der AGRANA lagen im Geschäftsjahr 2023 | 24 mit 50.831 Tsd. € insgesamt über dem Vorjahresniveau (+4.104 Tsd. € bzw +8,8%). Bei den Erträgen aus Lizenzeinnahmen verzeichnete man einen Anstieg (+1.022 Tsd. € bzw +4,68%). Eine ebenfalls positive Entwicklung zeigten die Erträge aus Konzernverrechnungen (+3.055 Tsd. € bzw +12,49%).

Ertragslage

Der Betriebserfolg (operatives Ergebnis) reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr um -12.175 Tsd. € (bzw. -178,2%) auf –19.005 Tsd. €. Diese Veränderung resultiert trotz des Anstiegs der Umsatzerlöse vor allem aus erhöhten Personalaufwendungen (+6.904 Tsd. € bzw. +31,6%) und gestiegenen sonstigen betrieblichen Aufwendungen (+9.400 bzw. +30,0%). Die erhöhten Personalaufwendungen sind größtenteils auf ein neues Vorstandsvergütungssystem, individuelle und kollektivvertragliche Erhöhungen im Geschäftsjahr 2023 | 24, sowie auf neue Altersvorsorgeverträge zurückzuführen.

Der Anstieg der sonstigen betrieblichen Aufwendungen ist im Wesentlichen auf Mehraufwendungen bei den Rechts- und Beratungskosten für strategische Konzepte und Projekte (+3.530 Tsd €) als auch erhöhte Ausgaben im IT-Bereich (+3.921 Tsd €) zurückzuführen.

Die Beteiligungserträge haben sich im Geschäftsjahr 2023 | 24 um -9.402 Tsd. € bzw -13,5% reduziert. Dies ist vor allem bedingt durch die Dividendenausschüttung der AGRANA Zucker GmbH.

Vermögens- und Finanzlage

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 6
Bilanzkennzahlen2023|242022|23Veränderung
TEURTEUR6
Bilanzsumme1.339.6891.260.8446,3%
Grundkapital113.531113.5310,0%
Immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen1.4491.12029,3%
Anteile an verbundenen Unternehmen423.625417.0251,6%
Andere Finanzanlagen479.259449.2596,7%
Eigenkapital764.037760.7100,4%
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten509.000449.00013,4%
Eigenkapitalquote157,0%60,3%-3,3 pp
Haftungsverhältnisse184.628365.865-49,5%

¹ Eigenkapitalquote = Eigenkapital / Gesamtkapital

Die immateriellen Vermögensgegenstände und Sachanlagen erhöhen sich im Vergleich zum Vorjahr um 329 Tsd. €. Den Investitionen in Höhe von 1.126 Tsd. € stehen Abschreibungen in Höhe von 701 Tsd. € gegenüber. Die wesentliche Veränderung betrifft den Zugang bei der EDV-Software.

Die Anteile an verbundenen Unternehmen enthalten eine Zuschreibung in Höhe von 6.600 Tsd. € in der AGRANA Group- Service GmbH.

Andere Finanzanlagen beinhalten Ausleihungen an verbundenen Unternehmen und erhöhten sich im Geschäftsjahr 2023 |24 um 30.000 Tsd. €.

Die Eigenkapitalquote von 57,0 % ist im Vergleich zum Vorjahr (60,3 %) gesunken, und zeigt weiterhin eine solide Eigenkapitalausstattung und Bilanzstruktur der Gesellschaft.

Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten haben sich im Geschäftsjahr um 60.000 Tsd. € aufgrund von Darlehensaufnahmen erhöht.

Cashflow

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 7
2023|242022|23Veränderung
TEURTEUR%
Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit-6.316-21.33270,4%
Cashflow aus Investitionstätigkeit58.783-152.097138,6%
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit-11.460131.050-108,7%
Cashflow aus flüssigen Mitteln41.007-42.380196,8%
Bestand an flüssigen Mitteln1336.000294.99313,9%

¹ einschließlich Forderungen gegenüber dem Konzern-Cash-Pooling mit AGRANA Group-Services GmbH 29.02.2024:

335.996 Tsd. €; 28.02.2023: 294.991 Tsd. €.

Die Gliederung des Cashflow erfolgt gemäß AFRAC-Stellungnahme 36 Geldflussrechnung (UGB).

Der Cashflow aus der Investitionstätigkeit beträgt 58.783 Tsd. €. Im Geschäftsjahr 2023 |24 standen Auszahlungen für Ausleihungen und sonstige Investitionen, Einzahlungen aus Beteiligungserträgen in Höhe von 89.671 Tsd. € gegenüber. Der Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit in Höhe von -11.460 Tsd. € resultiert aus der Dividendenauszahlung von -56.240 Tsd. € (im Vorjahr: -48.867 Tsd. €) und der Aufnahme von Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten in Höhe von 60.000 Tsd. € und Auszahlungen für Zinsen und ähnliche Aufwendungen in Höhe von -15.220 Tsd. €.

Beteiligungen der AGRANA Beteiligungs-Aktiengesellschaft

Die Segmente der AGRANA-Gruppe spiegeln sich in der AGRANA Beteiligungs-Aktiengesellschaft im Finanzanlagevermögen unter den Beteiligungen wider.

Die weiteren Beteiligungen der AGRANA-Beteiligungs-Aktiengesellschaft werden bis auf die INSTANTINA Nahrungsmittel Entwicklungs- und Produktions Gesellschaft m.b.H. zu 100 % gehalten. Die restlichen Anteile auf 100 % (33,33 %) der INSTANTINA Nahrungsmittel Entwicklungs- und Produktions Gesellschaft m.b.H werden von der KRÜGER Gesellschaft m.b.H. & Co. KG, Deutschland gehalten.

Die restlichen Anteile auf 100 % der „Segment-Gesellschaften“ Stärke und Frucht werden von der Tochtergesellschaft AGRANA Sales & Marketing GmbH (ehem. AGRANA Marketing- und Vertriebsservice Gesellschaft m.b.H.) gehalten.

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 8
AGRANA
Beteiligungs-AG
on Center
Wien
Wien
100,00%98,91%98,91%AGRANA
100%
SEGMENTSEGMENTSEGMENTGroup-Services GmbH
Wien
ZUCKERSTÄRKEFRUCHT
AGRANA AGRANAAGRANAAGRANA
Sales & ZuckerInternationale
Marketing SmbH WienStärke GmbHVerwaltungs- und Asset
GmbHWienManagement GmbH
WienWien

AGRANA Zucker GmbH

Die AGRANA Sales & Marketing GmbH ist die Dachgesellschaft für die Zuckerverkaufsaktivitäten des Konzerns und fungiert gleichzeitig als Holding für die Zucker-Beteiligungen in Ungarn, Tschechien, der Slowakei, in Rumänien, Bulgarien sowie Bosnien und Herzegowina. Die AGRANA Zucker GmbH ist jene Gesellschaft, die das Vermögen der beiden österreichischen Zuckerfabriken besitzt und diese lenkt. Dem Segment Zucker werden weiters die INSTANTINA Nahrungsmittel Entwicklungs- und Produktions Gesellschaft m.b.H., Wien, die AGRANA Research & Innovation Center GmbH, Wien, die Osterreichische Rübensamenzucht Gesellschaft m.b.H., Wien, sowie die AGRANA Beteiligungs-AG, Wien, als Gruppen- Holding zugerechnet. Die Gemeinschaftsunternehmen der AGRANA-STUDEN-Gruppe und der Beta Pura GmbH, Wien, werden nach der Equity-Methode in den Konzernabschluss einbezogen.

Geschäftsentwicklung

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 9
Segment Zucker2023|242022 |23Veränderung
%/pp
Umsatzerlöse (brutto)te1.102.740884.60724,7%
Umsätze zwischen den Segmentente-31.470-22.911-37,4%
Umsatzerlösente1.071.270861.69624,3%
EBITDA1te71.30465.9338,1%
Operatives Ergebniste43.18338.02413,6%
Ergebnisanteil von Gemeinschaftsunternehmen, die nach der
Equity-Methode bilanziert werdente-4617.636-106,0%
Ergebnis aus Sondereinflüssente-2.344901-360,2%
Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT)te40.37846.561-13,3%
EBIT-Marge%3,85,4-1,6 pp
Investitionen2te34.33634.2520,2%
Mitarbeiter (FTEs)31.9861.9064,2%

¹ Operatives Ergebnis vor operativen Abschreibungen

² In Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte, ausgenommen Geschäfts-/Firmenwerte 3 Durchschnittlich im Geschäftsjahr beschäftigte Vollzeitäquivalente (FTEs – Full-time equivalents)

Der Absatz stieg im Geschäftsjahr 2023|24 insgesamt um knapp 3 %, wobei es bei den Hauptprodukten (Zucker) ein deutlicher Mengenrückgang verzeichnet wurde. Bei den Nebenprodukten gab es auch dank der Subkategorie „sonstige Produkte” einen markanten Absatzanstieg. Die AGRANA-Zuckermärkte wurden v.a. durch den enormen Wettbewerb aus der Ukraine speziell in den Defizitländern negativ beeinflusst. Aufgrund deutlich geringerer Absatzmengen in den Heimmärkten wurde mit Exportaktivitäten intensiv gegengesteuert.

Sowohl im Retailgeschäft als auch im Industriebereich lagen die Verkaufspreise im Geschäftsjahr 2023 | 24 deutlich bzw. sehr deutlich über dem Durchschnittswert des Vorjahres.

Das operative Ergebnis im Segment Zucker lag trotz gestiegener Rübenkosten und Belastungen durch die hohen Zuckerimporte aus der Ukraine zwar deutlich über dem Vorjahreswert. Negative Veränderungen beim Ergebnisanteil von Gemeinschaftsunternehmen sowie beim Ergebnis aus Sondereinflüssen führten allerdings zu einem EBIT-Rückgang von rund 13 % auf 40,4 Mio. €.

Der Ergebnisbeitrag der AGRANA-STUDEN-Gruppe wirkte sich auch 2023|24 positiv auf das EBIT des Segmentes Zucker aus (1,7 Mio. €), war aber um rund 83 % niedriger als der historisch beste im Vorjahr (9,9 Mio. €). Der Rückgang beim AGRANA- STUDEN-Ergebnis war im Wesentlichen auf Absatzausfälle sowie eine niedrigere Auslastung der Raffinerie am Westbalkan zurückzuführen. Das zweite Zucker-Joint Venture, die Beta Pura GmbH, Wien, wirkte sich mit –2,2 Mio. € (Vorjahr: –2,3 Mio. €) negativ auf das Ergebnis von Gemeinschaftsunternehmen aus.

AGRANA Stärke GmbH

Das Segment Stärke umfasst die vollkonsolidierten Gesellschaften AGRANA Stärke GmbH, Wien, mit den drei österreichischen Fabriken in Aschach (Maisstärke), Gmünd (Kartoffelstärke) und Pischelsdorf (integrierte Weizenstärkeund Bioethanolanlage), die AGRANA TANDAREI S.r.l. mit einem Werk in Rumänien (Maisverarbeitung) sowie die Marroquin Organic International, Inc., Santa Cruz |Kalifornien | USA, ein auf Bio-Produkte spezialisiertes Handelshaus. Zudem führt und koordiniert die AGRANA Stärke GmbH, gemeinsam mit dem Joint Venture-Partner Archer Daniels Midland Company, Chicago |Illinois |USA, die Gemeinschaftsunternehmen der HUNGRANA-Gruppe (mit einem Werk in Ungarn; Herstellung von Stärke- und Verzuckerungsprodukten sowie Bioethanol), die nach der Equity-Methode in den Konzernabschluss einbezogen werden.

Geschäftsentwicklung

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 10
Segment Stärke2023|242022|23Veränderung
%/pp
Umsatzerlöse (brutto)te1.163.6471.306.594-10,9%
Umsätze zwischen den Segmentente-14.895-12.779-16,6%
Umsatzerlösente1.148.7521.293.815-11,2%
EBITDA1te94.062116.750-19,4%
Operatives Ergebniste48.53369.168-29,8%
Ergebnisanteil von Gemeinschaftsunternehmen, die nach der
Equity-Methode bilanziert werdente1.85311.021-83,2%
Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT)te50.38680.189-37,2%
EBIT-Marge%4,46,2-1,8 pp
Investitionen2te42.11030.98535,9%
Mitarbeiter (FTEs)31.1701.1472,0%

¹ Operatives Ergebnis vor operativen Abschreibungen

² In Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte, ausgenommen Geschäfts-/Firmenwerte 3 Durchschnittlich im Geschäftsjahr beschäftigte Vollzeitäquivalente (FTEs – Full-time equivalents)

Das Geschäftsjahr 2023 | 24 war im Segment Stärke von reduzierter Nachfrage und zunehmendem Preisdruck geprägt. Die inflationsbedingte Kaufzurückhaltung sowie der Lagerabbau bei den Kunden führten in den AGRANA-Hauptmärkten zu einer schwachen Absatzentwicklung. Zu Beginn des Geschäftsjahres 2023 |24 lagen die Rohstoffpreise auf einem sehr hohen Niveau, fielen dann aber mit der neuen Ernte 2023 und der sich abzeichnenden Nachfrageschwäche massiv, was in der Folge auch zu deutlichen Verkaufspreisrückgängen führte.

Die Umsatzerlöse des Segmentes sanken nach dem historischen Höchstwert des Vorjahres von 1.293,8 Mio. € auf 1.148,8 Mio. €. Der Rückgang war jeweils rund zur Hälfte auf Preis- und Mengeneffekte zurückzuführen. Bei Ethanol sind die Umsätze am deutlichsten gesunken, nachdem im Laufe des Jahres die Platts-Notierungen aufgrund großer Importmengen deutlich fielen und damit auch die Verkaufspreise für Ethanol sanken.

Die Herstellungskosten waren durch die gesunkenen Rohstoffkosten zwar rückläufig. Die Einkaufspreise sanken aber nur bedingt parallel zu den Verkaufspreisen und Verzögerungen im Anpassungsprozess belasteten somit die Margen. Ergebnisbelastend wirkten sich auch die mit den hohen Inflationsraten gestiegenen Personalkosten aus. Im Berichtsjahr wurde ein EBITDA von 94,1 Mio. € erzielt, das somit deutlich unter dem Vorjahreswert lag. Das operative Ergebnis sank ebenso deutlich auf 48,5 Mio. €.

Im Geschäftsjahr 2023 |24 sank der Umsatz der ungarischen HUNGRANA-Gruppe um rund 27 % auf 336,2 Mio.€. Neben gesunkenen Verkaufspreisen war v.a. die deutlich geringere Maisvermahlungsleistung die Hauptursache für den Umsatzrückgang. Die deutlich gesunkenen Verkaufspreise, die Kapazitätsauslastungsprobleme sowie schwache Ethanolmargen waren auch die Hauptgründe für den EBIT-Rückgang bei der HUNGRANA-Gruppe auf 12,5 Mio. € (Vorjahr: 41,5 Mio. €) aus. Das PAT betrug 3,8 Mio. € (Vorjahr: 22,0 Mio. €), womit der Ergebnisbeitrag für das Segment Stärke auf 1,9 Mio.€ (Vorjahr: 11,0 Mio. €) sank.

AGRANA Internationale Verwaltungs- und Asset-Management GmbH

Die AGRANA Internationale Verwaltungs- und Asset-Management GmbH, Wien, ist die Dachgesellschaft für das Segment Frucht. Koordination und operative Führung für den Geschäftsbereich Fruchtzubereitungen erfolgen durch die Holdinggesellschaft AGRANA Fruit S.A.S. mit Firmensitz in Mitry-Mory | Frankreich. Im Bereich Fruchtsaftkonzentrate operiert die AUSTRIA JUICE GmbH mit Sitz in Kröllendorf/Allhartsberg |Österreich als operative Holding. Insgesamt sind dem Segment zum Bilanzstichtag 26 Produktionsstandorte in 20 Ländern für Fruchtzubereitungen und 14 Werke in sieben Ländern für die Herstellung von Apfel- und Beerensaftkonzentraten zuzurechnen.

Geschäftsentwicklung

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 11
Segment Frucht2023|242022|23Veränderung
%/pp
Umsatzerlöse (brutto)te1.567.9401.482.8955,7%
Umsätze zwischen den Segmentente-1.086-964-12,7%
Umsatzerlösente1.566.8541.481.9315,7%
EBITDA1te125.71294.46033,1%
Operatives Ergebniste84.94651.24165,8%
Ergebnis aus Sondereinflüssente-24.699-89.73172,5%
Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT)te60.247-38.490256,5%
EBIT-Marge63,8-2,66,4 pp
Investitionen2te50.88237.67934,9%
Mitarbeiter (FTEs)35.7205.6770,8%

¹ Operatives Ergebnis vor operativen Abschreibungen

² In Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte, ausgenommen Geschäfts-/Firmenwerte 3 Durchschnittlich im Geschäftsjahr beschäftigte Vollzeitäquivalente (FTEs – Full-time equivalents)

Der Umsatz im Geschäftsbereich Fruchtzubereitungen wuchs um rund 8 %, was primär auf Preissteigerungen aber auch auf erhöhte Verkaufsvolumina zurückzuführen war. Umsatzsteigerungen wurden v.a. in den Regionen Europa (inklusive Ukraine), Mexiko und Russland verzeichnet. Einen signifikanten Umsatzrückgang gab es in Argentinien, welcher bei leicht gestiegenen Mengen aber ausschließlich auf die Währungsumrechnung zurückzuführen war. Eine Analyse der Absatzentwicklung nach Produktkategorien zeigte gestiegene Verkaufsmengen im strategisch bedeutenden Geschäftsbereich „Beyond“ (Eiscreme und Food Service), während die Mengen im Kerngeschäftsbereich Produkte für die Molkereiindustrie (rund 80 % der verkauften Fruchtzubereitungsmengen) stabil blieben.

Das operative Ergebnis im Bereich Fruchtzubereitungen lag sehr deutlich über dem Vorjahresergebnis. Die Ergebnisverbesserung kam v.a. aus den Regionen Europa inklusive Ukraine (aus geringeren Rohstoff- und Energiekosten), Nordamerika (geringere Kosten, gute Margen) und Russland (gute Mengen und Margen). Ein Ergebnis aus Sondereinflüssen in Höhe von –20,8 Mio. €, primär aufgrund einer Wertminderung von Anlagevermögen in Asien, wirkte sich negativ auf das EBIT im Bereich Fruchtzubereitungen aus. Dieses Impairment war auf die weiter angespannte Geschäftsentwicklung in Asien zurückzuführen. Im Vorjahr wurde eine vergleichsweise viel größere Wertminderung verbucht, als v.a. rasant gestiegene Kapitalkosten eine Werthaltigkeitsprüfung für die Cash Generating Unit Frucht im zweiten Quartal 2022 | 23 auslösten. Dabei wurden zahlungsunwirksame Wertminderungen auf Goodwill (-88,3 Mio. €) und auf Assets (-2,8 Mio. €) verbucht.

Die Umsatzerlöse im Geschäftsbereich Fruchtsaftkonzentrate lagen mengenbedingt geringfügig unter dem Vorjahreswert. Aufgrund der Auslieferung der Apfelsaftkonzentrate aus der Ernte 2022 mit historisch hohen Deckungsbeiträgen konnte das bereits sehr hohe operative Ergebnis aus dem Vorjahr sogar leicht übertroffen werden. Auch der Added Value-Bereich (Getränkegrundstoffe, Aromen etc.) entwickelte sich sehr positiv. Ein Ergebnis aus Sondereinflüssen in Höhe von –3,9 Mio. € wirkte sich negativ auf das EBIT im Bereich Fruchtsaftkonzentrate aus. Einerseits löste die schwierige ökonomische Lage in China eine Wertminderung auf die Assets des dortigen Juice-Standortes aus (-3,2 Mio. €), andererseits wurde das Karottenverarbeitungswerk in Ungarn nach der Ernte 2023 stillgelegt und eine Teilabschreibung in Höhe von 1,4 Mio. € verbucht, nachdem sich die Rohwarensituation für Karottensaftkonzentrat massiv verschlechtert hatte. Positiv auf das Ergebnis aus Sondereinflüssen (+0,7 Mio. €) wirkte sich die Auflösung einer kriegsbedingten Wertberichtigung auf Umsatzsteuerforderungen aus, nachdem diese beglichen wurden.

INSTANTINA Nahrungsmittel Entwicklungs- und Produktions Gesellschaft m.b.H.

Die INSTANTINA Nahrungsmittel Entwicklungs- und Produktions Gesellschaft m.b.H. ist auf die Entwicklung und Produktion von Instantprodukten spezialisiert und ist dem Segment Zucker zugeordnet.

AGRANA Research & Innovation Center GmbH

Bei der AGRANA Research & Innovation Center GmbH, Wien werden schwerpunktmäßig die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten für Zucker und Stärke der AGRANA-Gruppe gebündelt.

AGRANA Group-Services GmbH

Die AGRANA Group-Services GmbH erfüllt im Konzern die Finanzierungsfunktion und betreibt das Cash-Pooling. Sie ist, wie die Holding, dem Segment Zucker zugeordnet.

Umwelt und Nachhaltigkeit

AGRANAs Nachhaltigkeitsverständnis

Unter Nachhaltigkeit versteht AGRANA, als industrieller Veredler agrarischer Rohstoffe, die Balance zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit. Folgende drei Leitsätze, die dem Management und allen Mitarbeitenden als praktische und leicht verständliche Anleitung für ein tägliches nachhaltiges Handeln dienen, fassen AGRANAs Nachhaltigkeitsverständnis zusammen:

• Verwertung von annähernd 100 % der eingesetzten Rohstoffe und Nutzung emissionsarmer Technologien, um Auswirkungen auf die Umwelt zu vermindern oder zu vermeiden. • Achtung aller Stakeholder und der Gemeinschaften, in denen das Unternehmen direkt und indirekt tätig ist. • Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden in langfristigen Partnerschaften, um gemeinsam klimawandelresiliente Geschäftsmodelle zu fördern.AGRANA entwickelte ihr Nachhaltigkeitsverständnis auf Basis der regelmäßigen Interaktion mit ihren Stakeholder-Gruppen.

AGRANA Nachhaltigkeitsaktivitäten im Geschäftsjahr 2023 |24 und Ziele

Auf Basis ihrer Geschäftstätigkeit hat AGRANA fünf Handlungsfelder der Nachhaltigkeit entlang ihrer Produktwertschöpfungskette identifiziert:

• Rohstoffbeschaffung und die in der vorgelagerten Wertschöpfungskette ausgelösten Emissionen • Energieeinsatz innerhalb und außerhalb der Organisation und dadurch ausgelöste Emissionen • Unsere Mitarbeitenden • Weitere höchst relevante Aspekte umfassen Themen rund um Wasserentnahme (vor allem an Risikostandorten hinsichtlich Wasserstress), Biodiversität (Auswirkungen von Aktivitäten und Produkten auf die biologische Vielfalt) und Produktverantwortung

Die SAI Platform bietet industriellen Veredlern landwirtschaftlicher Rohstoffe, wie AGRANA, mehrere hilfreiche Instrumente v.a. zur Evaluierung und Dokumentation der Einhaltung guter Umwelt- und Sozialkriterien in der agrarischen Lieferkette bzw. zum Vergleich der Wertigkeit unterschiedlicher Nachweise bzw. internationaler Zertifizierungen an.

Das Basisinstrument stellt dabei immer das von der SAI Platform erstellte Farm Sustainability Assessment (FSA) dar. Dieses wird mithilfe eines Fragebogens, welcher aus 109 Fragen zu allen für die Nachhaltigkeit relevanten Themenschwerpunkten, wie Betriebsführung, Arbeitsbedingungen (inklusive Fragen zu Kinder- und Zwangsarbeit), Bodenund Nährstoffmanagement oder Pflanzenschutz, besteht, durchgeführt. Je nach Erfüllung der unterschiedlichen Kriterien erhält der Anbaubetrieb eine Nachhaltigkeitsbewertung mit dem Status Gold, Silber oder Bronze. AGRANA hat sich zum Ziel gesetzt, dass jene Kontraktlandwirte, welche die FSA-Systematik anwenden, zumindest FSA-Silber-Status erreichen sollen.

Im Geschäftsjahr 2023 |24 waren rund 86 % der von AGRANA verarbeiteten Rohstoffmenge im SAI FSA-System direkt oder indirekt erfasst.

Externe Zertifizierungen im Lebensmittel- und Futtermittelbereich

Die Prinzipien der internationalen Norm für Qualitätsmanagementsysteme ISO 9001 bilden die Basis des AGRANA- Qualitätsmanagementsystems. Ergänzt wird das System durch zahlreiche Zertifizierungen für Lebens- und Futtermittelsicherheit und Produktschutz. Je nach Land oder Region sowie Kundennachfrage werden noch zusätzliche Zertifizierungen wie Bio, gentechnikfrei, Koscher (nach jüdischen Speisegesetzen) und Halal (nach islamischen Speisegesetzen) angeboten. Insgesamt verfügten im Geschäftsjahr 2023 | 24 100 % der Produktionsstandorte über mindestens eine dieser bzw. der jeweils lokal relevanten internationalen Zertifizierungen.

Die AGRANA Beteiligungs-AG ist seit 2009 Mitglied bei der Supplier Ethical Data Exchange (SEDEX). Das SEDEX-Assessment und Audit zielt vor allem auf Arbeitsbedingungen, -sicherheit und Menschenrechte (inklusive Fragen zu Kinder- und Zwangsarbeit) ab, enthält aber auch einige Fragen zu Umweltaspekten.

Seit 2010 ist die AGRANA Beteiligungs-Aktiengesellschaft Mitglied des Vereins ARGE Gentechnik-frei, welcher das Ziel hat, verlässliche Rahmenbedingungen für Produktion, Kennzeichnung und Kontrolle von Gentechnik-freien Lebensmitteln zu schaffen.

Forschung und Entwicklung

In einem hochkompetitiven Marktumfeld ist es für AGRANA von zentraler Bedeutung, Markttrends frühzeitig zu erkennen, durch Produktinnovationen die Bedürfnisse der Märkte zu erfüllen und maßgeschneiderte Kundenlösungen zu entwickeln. In enger Partnerschaft mit ihren Kunden arbeitet AGRANAs Forschung und Entwicklung (F&E) laufend an neuen Technologien, Spezialprodukten und innovativen Anwendungsmöglichkeiten bestehender Produkte und unterstützt somit die auf langfristigen Erfolg ausgelegte Konzernstrategie.

Das AGRANA Research & Innovation Center (ARIC) in Tulln |Österreich ist neben 18 lokalen Frucht-NPD1-Centern der zentrale Forschungs- und Entwicklungs-Hub des Konzerns für die Bereiche Frucht, Stärke und Zucker. Das ARIC ist als eigenständiges Unternehmen in der AGRANA-Gruppe organisiert und eine 100 %-Tochter der AGRANA Beteiligungs-AG, deren Ziel es ist, innovative Produkte aus den Rohstoffen Zuckerrübe, Kartoffel, Mais, Wachsmais, Weizen und aus diversen Früchten zu entwickeln. Das ARIC ist national und international als Inhouse-F&E-Dienstleister und Serviceanbieter in den Bereichen Zuckertechnologie, Landwirtschaft, Lebensmitteltechnologie, Stärketechnologie, Mikrobiologie, Biotechnologie und Fruchtzubereitungen tätig.

Die Zusammenarbeit von F&E-Spezialisten aus unterschiedlichen Bereichen (Frucht, Stärke und Zucker) unter einem Dach ermöglicht nicht nur verwaltungstechnische Synergieeffekte, sondern fördert v.a. den Austausch unterschiedlicher Forschergruppen und Disziplinen, insbesondere zu bereichsübergreifenden Themen. Durch die sich ergänzenden Erfahrungen ergeben sich Vorteile bei segmentübergreifenden Forschungsschwerpunkten, z.B. bei Technologien, Verdickungs- und Süßungslösungen sowie Aromen, Mikrobiologie, Produktqualität und -sicherheit sowie Bio-Produkten.

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 14
F&E-Kennzahlen2023|242022|23
F&E-Aufwendungen (Intern und extern)Mio. €26,023,1
F&E-Quote2%0,690,64
Mitarbeiter in F&E (Köpfe)333324

Personal- und Sozialbericht

Die gesamte AGRANA-Gruppe beschäftigte im Geschäftsjahr 2023 | 24 durchschnittlich 9.047 Mitarbeitende (Köpfe) (Vorjahr: 8.932 Mitarbeitende), davon 2.558 (Vorjahr: 2.486) in Osterreich und 6.489 (Vorjahr: 6.446) international. Im Geschäftsjahr 2023 |24 waren in der AGRANA-Gruppe durchschnittlich 8.876 FTEs (Vorjahr: 8.730 FTEs) beschäftigt. Im Segment Frucht erhöhte sich die Personalanzahl aufgrund neuer strategischer Zielsetzungen, einer längeren Saison und der Übernahme von Leiharbeitskräften. Der Personalanstieg im Segment Stärke ist auf eine geschäftsbedingte Erhöhung der FTEs v.a. für die Umsetzung von strategischen Initiativen & Projekten zurückzuführen. Ebenfalls zeigten die verstärkten Recruiting-Aktivitäten aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr Wirkung. Im Segment Zucker haben ein erhöhtes Produktionsvolumen zusammen mit einer längeren Kampagne sowie die Besetzung von vakanten Stellen und neuen Positionen zu einem Personalzuwachs geführt.

Im Geschäftsjahr 2023 |24 wurden die Funktionalitäten des globalen Personalmanagementsystems weiter ausgebaut und stabilisiert sowie neue Module erfolgreich implementiert. Durch das Personalmanagementsystem werden die Effizienz der Personalprozesse professionalisiert, die Qualitätssicherheit unterstützt, Transparenz geschaffen sowie die Datensicherheit erhöht. In den folgenden Jahren ist geplant, die Funktionalitäten des Systems sukzessive weiterzuentwickeln und an die sich laufend ändernden Anforderungen anzupassen.

Die Förderung und Anerkennung von Leistung ist ein wichtiger Bestandteil der AGRANA-Personalstrategie und stellt einen wesentlichen Beitrag zum Unternehmenserfolg dar. Ein Projekt zur Evaluierung eines potenziellen Gender Pay Gaps soll zukünftig eine faire Bezahlung von Mitarbeiterinnen sicherstellen. Die AGRANA-Vergütungspolitik orientiert sich an den jeweiligen Rollen und Marktgegebenheiten und soll AGRANA als interessanten Arbeitgeber positionieren.

Um die strategischen und operativen Ziele des Unternehmens zu erreichen, kommt bei AGRANA für das Management ein konzernweit implementiertes PerformanceͲManagementͲSystem zum Einsatz. Neben FinanzͲund Ertragszielen umfasst die variable Vergütung auch individuelle Zielvereinbarungen, um herausragende individuelle Leistungen zu honorieren und zu fördern. Im Geschäftsjahr 2023|24 unterlagen 10,4 % (Vorjahr: 10,7 %) aller Beschäftigten diesem erfolgsorientierten Entlohnungssystem.

Ein wichtiger Hebel in jeglicher Organisationsentwicklung sind Führungskräfte. Ein wichtiger Schritt ist es daher, Führungskräften die nötige Unterstützung zu bieten und Werkzeuge an die Hand zu geben, um die erste Ansprechperson im Thema Personalentwicklung der Mitarbeitenden zu sein. Die AGRANAͲGeschäftsbereiche legten daher dieses Geschäftsjahr umso mehr Fokus auf Leadership Development Initiativen.

AGRANA hat im Geschäftsjahr 2023|24 durchschnittlich 103 Lehrlinge (davon weiblich: 23 bzw. 22,3 %) ausgebildet. In Österreich waren durchschnittlich 75 Lehrlinge (davon weiblich: 11 bzw. 14,7 %) beschäftigt, in Deutschland, Frankreich, Algerien, Brasilien, Tschechien und der Slowakei, welche ein mit Österreich vergleichbares duales System haben, waren es durchschnittlich 28 Lehrlinge (davon weiblich: 12 bzw. 42,9 %). Die Ausbildung erfolgte u.a. in den Bereichen Chemieverfahrenstechnik, Elektrotechnik, Industrielehre, Informationstechnologie, Labortechnik (Chemie), Lebensmitteltechnik, Logistik, Maschinenbautechnik, Mechatronik, Metalltechnik, Technisches Zeichnen, Einkauf, Personaldienstleistung sowie Bürokaufmann/Ͳfrau.

Um die Attraktivität, unter anderem von Lehrberufen, zu steigern und um Schülerinnen und Schülern sowie jungen Menschen allgemeine Berufschancen in technischen und kaufmännischen Berufen aufzuzeigen, wurden an diversen Standorten zahlreiche Maßnahmen gesetzt, um durch die Kooperation mit Ausbildungsinstituten näher mit potenziellen Lehrlingen und jungen Mitarbeitenden in Kontakt zu treten. Daneben nahmen Standorte sowohl digital als auch vermehrt in Präsenz an spezifischen Veranstaltungen zur Vorstellung von (Lehr)ͲBerufen teil, zusätzlich wurden bestimmte Werke von Besuchern und Besucherinnen aus Bildungseinrichtungen besichtigt. Zudem wurden Lehrlingen Workshops und Trainings zu verschiedenen Themenbereichen angeboten. Weiters wurde die Präsenz in den sozialen Medien und auch in den klassischen PrintͲMedien intensiviert.

Die konzernweiten externen AusͲund Weiterbildungskosten beliefen sich im Geschäftsjahr 2023|24 auf rund 3,5 Mio. € (Vorjahr: 2,1 Mio. €), was 1,1 % (Vorjahr: 0,7 %) der LohnͲund Gehaltssumme entsprach.

Arbeitssicherheit und Gesundheit

Das Arbeitssicherheitsmanagement von AGRANA ist organisatorisch bei den für die Produktion verantwortlichen Geschäftsführern der AGRANAͲSegmente bzw. Geschäftsbereiche, den Werksleitern der AGRANAͲProduktionsstandorte sowie den Arbeitssicherheitsbeauftragten der Standorte angesiedelt. Die Arbeitssicherheitsbeauftragten bzw. Sicherheitsfachkräfte tragen die Verantwortung für die Einhaltung aller gesetzlich vorgeschriebenen bzw. vom Unternehmen veranlassten ArbeitssicherheitsͲmaßnahmen. Dies sind z.B. die regelmäßige und anlassbezogene Gefahrenidentifikation und Risikobewertung, die Ableitung von VerbesserungsͲmaßnahmen, die Organisation von Arbeitssicherheitsschulungen sowie die Analyse, Dokumentation (gemeinsam mit Human Resources) und Kommunikation von tatsächlichen Arbeitsunfällen und Beinaheunfällen.

In allen 25 Ländern, in denen AGRANA über Produktionsstandorte verfügt, besteht eine – wenn auch unterschiedlich ausgestaltete – gesetzliche Verpflichtung der Arbeitsplatzevaluierung durch den Arbeitgeber. Diese wird durch die Sicherheitsfachkräfte, teilweise in Zusammenarbeit mit externen Beraterinnen und Beratern, durchgeführt und ist arbeitsplatzbezogen für die Mitarbeitenden zugänglich zu dokumentieren. Sie ist in regelmäßigen Abständen zu überprüfen bzw. anlassbezogen bei AnlagenͲoder Verfahrensänderungen oder nach Unfällen zu überarbeiten. Mitarbeitende sind verpflichtet, festgestellte Gefahrenquellen z.B. über die Dokumentation im Schichtbuch, im betrieblichen Vorschlagswesen oder im Rahmen von periodischen Sicherheitsrundgängen zu melden. Im global tätigen Geschäftsbereich Fruchtzubereitungen ist diese Meldeverpflichtung aus kulturellen Gründen an manchen Standorten auch anonym möglich.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist im Hinblick auf das soziale Bewusstsein ein bedeutender Bestandteil der Personalstrategie von AGRANA. Aus diesem Grund ist AGRANA bereits im Frühjahr 2016 dem vom Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend initiierten österreichischen Netzwerk „Unternehmen für Familien“ beigetreten. Konzernweit spiegelt sich dies in zahlreichen Initiativen und Angeboten für die Mitarbeitenden wider. Dazu zählen beispielsweise die Möglichkeit von HomeͲOffice, die Förderung bzw. auch das Angebot von Kinderbetreuung an einzelnen Standorten (inklusive spezieller Angebote in den Ferien) sowie variable Arbeitszeiten.

Risikomanagement und Internes Kontrollsystem

Der Vorstand der AGRANAͲGruppe ist sich der Bedeutung eines aktiven und funktionsfähigen Risikomanagements bewusst. Dieses verfolgt das grundsätzliche Ziel, ChancenͲund Risikopotenziale ehestmöglich zu erkennen und geeignete Maßnahmen zur Erhaltung der Ertragskraft sowie zur Sicherung des Fortbestandes der Unternehmensgruppe zu setzen.

Die AGRANAͲGruppe bedient sich integrierter KontrollͲund Berichtssysteme, die eine regelmäßige, konzernweite Einschätzung der Risikosituation ermöglichen. Im Rahmen der Früherkennung und Überwachung von konzernrelevanten Risiken wurden zwei einander ergänzende Steuerungsinstrumente implementiert:

ƒ Ein konzernweites operatives PlanungsͲund Berichtssystem bildet die Basis für die monatliche Berichterstattung an die zuständigen Entscheidungsträger. Im Rahmen dieses ReportingͲProzesses wird für die Gruppe und für jedes Segment ein separater Risikobericht erstellt. Der Fokus liegt dabei auf der Ermittlung von Sensitivitäten in Bezug auf sich verändernde Marktpreise für das gegenwärtige und das folgende Geschäftsjahr. Die einzelnen Risikoparameter werden laufend der aktuellen Planung bzw. dem aktuellen Forecast gegenübergestellt, um die Auswirkungen auf das operative Ergebnis berechnen zu können. Neben der laufenden Berichterstattung diskutieren die Verantwortlichen aus den Geschäftsbereichen regelmäßig direkt mit dem Vorstand über die wirtschaftliche Situation sowie den Einsatz risikoreduzierender Maßnahmen. ƒ Das Risikomanagement verfolgt die Zielsetzung, wesentliche Einzelrisiken hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf das ChancenͲund Risikopotenzial zu identifizieren und zu bewerten. Zweimal jährlich werden die Risiken über den finanziellen Planungshorizont von fünf Jahren in den einzelnen Geschäftsbereichen durch ein definiertes RisikomanagementͲTeam in Kooperation mit dem zentralen Risikomanagement analysiert. Der Prozess beinhaltet die Risikoidentifikation und deren Bewertung nach Eintrittswahrscheinlichkeit und möglichem RisikoͲ/Chancenpotenzial, die Definition von Frühwarnindikatoren sowie Maßnahmen zur Gegensteuerung. Zudem wird für das laufende Geschäftsjahr die aggregierte Risikoposition der AGRANAͲGruppe mittels einer im Risikomanagement üblichen Berechnung, der „MonteͲCarloͲSimulation“, ermittelt. So kann beurteilt werden, ob ein Zusammenwirken oder die Kumulation von Einzelrisiken ein bestandsgefährdendes Risiko darstellen könnten. Darüber hinaus dienen die Ergebnisse aus der „MonteͲCarloͲSimulation“ als Basis einer liquiditätsbasierten Analyse der Risikotragfähigkeit. Die Ergebnisse werden an den Vorstand sowie den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates berichtet.

Für die Segmente der AGRANAͲGruppe wurden RisikomanagementͲVerantwortliche definiert, die in Abstimmung mit dem Vorstand im Bedarfsfall Maßnahmen zur Schadensminimierung einleiten sollen.

Die Funktionsfähigkeit des Risikomanagements gemäß Regel 83 des Österreichischen Corporate Governance Kodex (ÖCGK) wird jährlich vom Wirtschaftsprüfer geprüft und als Ergebnis der Beurteilung wird ein abschließender Bericht über die Funktionsfähigkeit des unternehmensweiten Risikomanagements erstellt.

Risikopolitik

AGRANA sieht im verantwortungsvollen Umgang mit Chancen und Risiken eine wesentliche Grundlage für eine zielͲund wertorientierte sowie nachhaltige Unternehmensführung. Die Risikopolitik der Unternehmensgruppe zielt auf risikobewusstes Verhalten ab und sieht klare Verantwortlichkeiten, eine Unabhängigkeit im Risikomanagement und die Durchführung interner Kontrollen vor.

Risiken dürfen konzernweit nur dann eingegangen werden, wenn sie sich aus dem Kerngeschäft der AGRANAͲGruppe ergeben und nicht ökonomisch sinnvoll vermieden oder abgesichert werden können. Sie sind möglichst zu minimieren, wobei auf ein ausgewogenes Verhältnis von Risiko und Chance Bedacht zu nehmen ist. Das Eingehen von Risiken außerhalb des operativen Geschäftes ist ohne Ausnahmen verboten.

Die AGRANA BeteiligungsͲAG ist für die konzernweite Koordinierung und Umsetzung der vom Vorstand festgelegten Maßnahmen zum Risikomanagement verantwortlich. Der Einsatz von HedgeͲInstrumenten ist nur zur Absicherung von operativen Grundgeschäften und Finanzierungstätigkeiten, nicht jedoch zu Spekulationszwecken außerhalb der Kerngeschäftstätigkeit der AGRANAͲGruppe erlaubt. Über den Bestand und die Werthaltigkeit von HedgeͲKontrakten wird regelmäßig an den Vorstand berichtet.

Wesentliche Risiken und Ungewissheiten

Die Unternehmensgruppe ist Risiken ausgesetzt, die sich sowohl aus dem operativen Geschäft als auch aus nationalen und internationalen Rahmenbedingungen ableiten.

Der Vorstand bezieht bei der Entwicklung und Umsetzung der Unternehmensstrategie Aspekte der Nachhaltigkeit und der damit verbundenen Chancen und Risiken in Bezug auf Klimawandel, Umwelt, soziale Belange und Corporate Governance mit ein.

Operative Risiken

Beschaffungsrisiken

AGRANA ist auf ausreichende Verfügbarkeit agrarischer Rohmaterialien in der benötigten Qualität angewiesen. Neben einer möglichen Unterversorgung mit geeigneten Rohstoffen stellen deren Preisschwankungen, wenn sie nicht oder nicht ausreichend an die Abnehmer weitergegeben werden können, ein Risiko dar. Wesentliche Treiber für Verfügbarkeit, Qualität und Preis sind wetterbedingte Gegebenheiten in den Anbaugebieten, die Wettbewerbssituation, regulatorische und gesetzliche Regelungen sowie die Veränderung der Wechselkurse relevanter Währungen.

Produktqualität undͲsicherheit

AGRANA sieht in der Produktion und im Vertrieb von qualitativ hochwertigen und sicheren Produkten eine

Grundvoraussetzung für langfristig wirtschaftlichen Erfolg. Das Unternehmen verfügt über ein streng ausgelegtes und laufend weiterentwickeltes Qualitätsmanagement, das den Anforderungen der relevanten lebensmittelrechtlichen Standards und den kundenseitig festgelegten Kriterien entspricht und den gesamten Prozess, von der Rohstoffbeschaffung über die Produktion bis zur Auslieferung der gefertigten Waren, umfasst. Die Einhaltung der Qualitätsstandards wird regelmäßig durch interne und externe Audits verifiziert. Darüber hinaus sollen abgeschlossene Produkthaftpflichtversicherungen allfällige Restrisiken abdecken.

MarktͲund Wettbewerbsrisiken

AGRANA steht im Rahmen ihrer globalen Tätigkeit im intensiven Wettbewerb mit regionalen wie auch überregionalen Mitbewerbern. Der Eintritt neuer Mitbewerber bzw. die Schaffung zusätzlicher Produktionskapazitäten bestehender Konkurrenten können die Wettbewerbsintensität in Zukunft verstärken.

AGRANA ist bestrebt, sich kontinuierlich an die Marktentwicklungen anzupassen und eine führende Position in Bezug auf relative Wettbewerbsfähigkeit einzunehmen. Mittelfristige Strategien im Rahmen der strategischen Ziele zielen auf die Stärkung der Marktposition und das Streben nach operativer Exzellenz ab.

AGRANA verfolgt zur Stärkung ihres Kerngeschäfts und dem Ausbau bestehender Marktpositionen umfangreiche

Maßnahmen, um die bestehenden Volatilitäten abzufangen und eine stabile Ertragslage zu erzielen.

ITͲRisiken

AGRANA ist auf die Funktionstüchtigkeit einer komplexen ITͲTechnologie angewiesen. Die Nichtverfügbarkeit, Datenverlust oder Datenmanipulation und die Verletzung der Vertraulichkeit bei kritischen ITͲSystemen können beträchtliche Auswirkungen auf betriebliche Teilbereiche haben. Die allgemeine Entwicklung in Bezug auf externe Angriffe auf ITͲ Systeme verdeutlicht das Risiko, dass die AGRANAͲGruppe in Zukunft auch zunehmend solchen Risiken ausgesetzt ist/sein kann. Die Aufrechterhaltung der ITͲSicherheit wird durch qualifizierte interne und externe Expertinnen und Experten sowie durch entsprechende organisatorische und technische Maßnahmen gewährleistet. Dazu zählen redundant ausgelegte ITͲ Systeme und Security Tools, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen. Zusammen mit externen Partnern wurden Vorkehrungen getroffen, um möglichen Bedrohungen zu begegnen und potenziellen Schaden abzuwenden.

Regulatorische Risiken

Marktordnungsrisiken für Zucker

Im Rahmen des Risikomanagements werden bereits im Vorfeld mögliche Szenarien und ihre Auswirkungen analysiert und bewertet. Die gemeinsame Agrarpolitik für den Zeitraum 2023Ͳ2027 trat am 1. Januar 2023 in Kraft und beinhaltet einen ehrgeizigen „grünen Ansatz“ für die EUͲLandwirtschaft, eine kurze Lieferkette „vom Feld bis auf den Tisch" und die Einführung neuer und strenger Regeln für den Umweltschutz sowie die Reduzierung des CO2ͲFußabdrucks.

Die Unterstützung für die EUͲLandwirtschaft durch die Politik ist immer noch hoch, doch die Inflation könnte die Effizienz dieser Ausgaben untergraben und zusätzliche Unterstützung erforderlich machen. Die von der Lebensmittelindustrie und

den Endverbrauchern so sehr geforderte nachhaltige Bewirtschaftung und Verarbeitung ist mit viel höheren Kosten verbunden als ursprünglich geplant und birgt die Gefahr, dass die Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten verloren geht.

Im Jahr 2024 steht der EU ein Wahljahr bevor, sodass das Jahr 2024 zu einer entscheidenden Änderung der politischen Agenda des Parlamentes und des Rates führen könnte. Politische Veränderungen könnten wiederum dazu führen, dass die Prioritäten beispielhaft beim Green Deal neu gesetzt werden.

Freihandelsabkommen: Angesichts zu befürchtender Wettbewerbsnachteile für europäische Unternehmen hat sich die früher zurückhaltende Position der EU zu bilateralen Freihandelsabkommen geändert. Die EU verhandelt mit zahlreichen Staaten über Freihandelsabkommen. Zukünftige Abkommen der EU könnten wirtschaftliche Auswirkungen auf AGRANA haben. AGRANA verfolgt die oft Jahre andauernden Verhandlungen bzw. Abschlüsse und analysiert und bewertet die einzelnen Ergebnisse.

Die EU und die MercosurͲStaaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) erzielten im Juni 2019 eine grundsätzliche, politische Einigung über ein umfassendes Handelsabkommen. Derzeit laufen jedoch weiterführende Gespräche zur Stärkung von Nachhaltigkeitsaspekten. Nach einer Einigung ist die Vorlage zur Zustimmung an den Rat der Europäischen Union und dem Europäischen Parlament vorgesehen. Die entsprechende Zustimmung ist die Basis für den nachfolgenden Prozess der Ratifizierung und Befürwortung der nationalen Parlamente.

Des Weiteren können nationale SteuerͲund Zollvorschriften sowie deren Auslegung durch die lokalen Behörden zu weiteren Risiken im regulatorischen Umfeld führen.

EU Green Deal: Im Dezember 2019 hat die EUͲKommission ihren Fahrplan zum Klimaschutz, den Green Deal, vorgelegt. Um die klimaͲund umweltbedingten Herausforderungen zu bewältigen, sollen innerhalb der nächsten drei Jahrzehnte die Industriesektoren und alle Wertschöpfungsketten umgestaltet werden. Maßgebend ist das Ziel innerhalb der EU bis 2050 keine NettoͲTreibhausgasemissionen (THG) mehr freizusetzen. Ein im Dezember 2020 beschlossenes EUͲZwischenziel ist die Reduktion von THGͲEmissionen um 55 % bis 2030 im Vergleich zu 1990.

Aufgrund derzeit vieler noch nicht finalisierter Definitionen der regulatorischen Bestimmungen aus dem EU Green Deal, können momentan noch keine konkreten Aussagen über die Auswirkungen getroffen werden. Die Entwicklungen werden laufend verfolgt und evaluiert.

EUͲRichtlinie für erneuerbare Energien

Am 31. Oktober 2023 wurde die Änderung der ErneuerbareͲEnergienͲRichtlinie (Renewable Energy Directive III oder RED III) im Amtsblatt veröffentlicht. Die EU gibt damit vor, wie die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden sollen.

RED III nimmt bei der Verwirklichung der Ziele des Green Deal, Klimaneutralität bis 2050 und Verringerung der Nettotreibhausgasemissionen bis 2030 eine wesentliche Rolle ein. Mit RED III werden nicht nur die EUͲZiele für den Anteil erneuerbarer Energien angehoben. Außerdem sollen Genehmigungsverfahren für den Ausbau von erneuerbaren Energieerzeugungsanlagen, Netzen und Energiespeichern verkürzt werden. Damit werden zum Teil auch die Ende 2022 mit der EUͲNotfallverordnung temporär beschlossenen Beschleunigungsvorgaben für Genehmigungsverfahren dauerhaft ins europäische Recht übergeführt.

RED III trat am 20. November 2023 in Kraft. Die Mitgliedstaaten müssen die meisten Vorgaben der Richtlinie bis 21. Mai 2025 national in den Bereichen Verkehr, Industrie, Gebäude sowie WärmeͲund Kälteversorgung umsetzen.

Im Jahr 2023 wurde in Österreich E10 schrittweise eingeführt, um einen wesentlichen Beitrag zum THGͲMinderungsziel zu leisten.

Die EUͲEntscheidung vom Oktober 2022 über das Ende von Verbrennungsmotoren in neu zugelassenen Fahrzeugen ab 2035 wurde von AGRANA verfolgt, stellt nach aktueller Einschätzung aber kein relevantes Risiko für die Bioethanolproduktion dar. Einerseits ist Bioethanol nur ein Produkt im Rahmen des Kreislaufwirtschaftskonzeptes der Bioraffinerie in Pischelsdorf|Österreich, andererseits wird Bioethanol im Rahmen des Ausstiegs aus fossilen Produkten Verwendungsmöglichkeiten abseits des Einsatzes in Treibstoffen finden.

Rechtliche Risiken

AGRANA verfolgt Änderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen, die eines ihrer Geschäftsfelder oder deren Mitarbeitende betreffen und allenfalls zu einer Risikosituation führen könnten, kontinuierlich und trifft gegebenenfalls notwendige Maßnahmen. Die unter besonderer Aufmerksamkeit stehenden Rechtsbereiche sind KartellͲ, LebensmittelͲ und Umweltrecht, neben Datenschutz, Geldwäschebestimmungen und Terrorismusfinanzierung. AGRANA hat für die Bereiche Compliance, Personalrecht und allgemeine Rechtsbereiche eigene Stabsstellen eingerichtet und bildet die betroffenen Mitarbeitenden regelmäßig fort.

Es bestehen keine gerichtsanhängigen oder angedrohten zivilrechtlichen Klagen gegen Unternehmen der AGRANAͲGruppe, die eine materielle Auswirkung auf die ErtragsͲ, FinanzͲund Vermögenslage haben könnten.

Finanzielle Risiken

AGRANA ist Risiken aus der Veränderung von Wechselkursen, Zinssätzen und Produktpreisen ausgesetzt. Darüber hinaus bestehen Risiken, die für den Konzern notwendigen Refinanzierungen zur Verfügung gestellt zu bekommen. Die Finanzierungssteuerung der Unternehmensgruppe erfolgt zentral durch die TreasuryͲAbteilung, die dem Vorstand laufend über die Entwicklung und Struktur der zur Verfügung stehenden Kreditrahmen, die Nettofinanzschulden des Konzerns, die finanziellen Risiken und über den Umfang und das Ergebnis der getätigten Sicherungsgeschäfte berichtet.

Die AGRANAͲGruppe ist weltweit tätig und hat unterschiedliche Steuergesetzgebungen, Abgabenregularien sowie devisenrechtliche Bestimmungen zu beachten. Veränderungen dieser Bestimmungen durch die gesetzgebenden Instanzen und die Auslegung durch lokale Behörden können einen Einfluss auf den finanziellen Erfolg einzelner Konzerngesellschaften und in weiterer Folge auch auf den Konzern haben.

Zinsänderungsrisiken

Zinsänderungsrisiken ergeben sich durch Wertschwankungen von fix verzinsten Finanzinstrumenten infolge einer Änderung des Marktzinssatzes (zinsbedingtes Kursrisiko). Variabel verzinsliche Anlagen oder Kreditaufnahmen unterliegen dagegen keinem Wertrisiko, da der Zinssatz zeitnah der Marktzinslage angepasst wird.

Durch die Schwankung des Marktzinsniveaus ergibt sich außerdem ein Risiko hinsichtlich der künftigen Zinszahlungen (zinsbedingtes Zahlungsstromrisiko). Dabei versucht AGRANA, Zinssicherungsinstrumente dem Finanzierungsbedarf und der Fristigkeit entsprechend einzusetzen. Im Rahmen der Umsetzung von IFRS 7 werden die bestehenden Zinsrisiken durch Berechnung des „Cash Flow at Risk“ bzw. der „Modified Duration“ ermittelt und im Konzernanhang detailliert dargestellt.

Währungsrisiken

Währungsrisiken können aus dem Einkauf von Waren und Verkauf von Produkten in Fremdwährungen sowie aufgrund von Finanzierungen, die nicht in der lokalen Währung erfolgen, entstehen.

Im Rahmen des Währungsmanagements ermittelt AGRANA monatlich pro Konzerngesellschaft das NettoͲ Fremdwährungsexposure, welches sich aus den EinkaufsͲ, VerkaufsͲund Finanzmittelpositionen inklusive der im Bestand befindlichen Sicherungsgeschäfte ergibt. Zudem werden bereits kontrahierte, jedoch noch nicht erfüllte EinkaufsͲund Verkaufskontrakte in Fremdwährungen berücksichtigt. Als Sicherungsinstrument setzt AGRANA vorrangig Devisentermingeschäfte ein, mit denen die in Fremdwährung anfallenden Zahlungsströme gegen Kursschwankungen abgesichert werden. In Ländern mit volatilen Währungen werden diese Risiken zusätzlich durch eine Verkürzung von Zahlungsfristen, eine Indizierung der Verkaufspreise zum Euro oder USͲDollar und analoge Sicherungsmechanismen weiter reduziert.

Das Währungsrisiko wird durch den „Value at Risk“ͲAnsatz ermittelt und im Konzernanhang dargestellt.

Liquiditätsrisiken

Das Bestreben der AGRANAͲGruppe ist darauf ausgerichtet, über ausreichend liquide Mittel zu verfügen, um jederzeit den fälligen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Liquiditätsrisiken auf EinzelgesellschaftsͲoder Länderebene werden durch das einheitliche Berichtswesen frühzeitig erkannt, wodurch Gegenmaßnahmen rechtzeitig eingeleitet werden können. Die Liquidität der AGRANAͲGruppe ist durch bilaterale und syndizierte Kreditlinien langfristig und ausreichend abgesichert.

KontrahentenͲund Bankenrisiken

Aufgrund der internationalen Aufstellung der AGRANAͲGruppe bestehen Bankguthaben und Finanzanlagen global verteilt bei verschiedenen Bankpartnern. Das hierbei bestehende Risiko von Zahlungsausfällen wird in der AGRANAͲGruppe genau und regelmäßig überwacht. Im Rahmen der internen Richtlinien dürfen nur Geschäftsbeziehungen zu erstklassigen Banken mit einem definierten Mindestrating eingegangen werden. In Fällen, in denen das Mindestrating nicht erfüllt werden kann, sind Obergrenzen für Guthaben vorgegeben und strikt einzuhalten.

Risiken aus Forderungsausfällen

Risiken aus Forderungsausfällen werden durch die bestehenden Warenkreditversicherungen, strikte Kreditlimits und laufende Überprüfungen der Kundenbonität minimiert. Das verbleibende Risiko wird durch Vorsorgen in angemessener Höhe abgedeckt.

Krieg in der Ukraine

AGRANA ist mit Produktionsstätten in der Ukraine und in Russland vertreten. Der kriegerische Konflikt erforderte eine Anpassung des Produktionsbetriebes in der Ukraine. Aus Sicherheitsgründen wurde die Produktion nach Kriegsausbruch kurzfristig stillgelegt. Nach kurzer Zeit konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden und wurde mit Anpassungen an die aktuelle Sicherheitslage weitergeführt. Rund 5 % der ukrainischen Mitarbeitenden sind in der Zwischenzeit aus der Kriegsregion geflohen oder wurden zum Militärdienst einberufen.

Die Produktion von Fruchtzubereitungen in der Ukraine war im Geschäftsjahr 2022|23 auf ein Niveau von rund 50 % vor Kriegsausbruch gesunken. Der Rückgang war v.a. auf den Wegfall der Exportmärkte sowie einen Rückgang des Binnenkonsums zurückzuführen. Im Berichtsjahr 2023|24 wuchs das Geschäft auf ca. 70 % des Vorkrisenniveaus – hauptsächlich durch die Wiederaufnahme des Food ServiceͲGeschäftes, aber auch durch erhöhte Nachfrage bei den ukrainischen Molkereikunden. Die Verarbeitung von frischen Früchten lag nach einer sehr guten Ernte 2022 im Jahr 2023 etwas unter dem Vorkriegsniveau, was weniger auf den Krieg als auf allgemeine Schwankungen des Marktes zurückzuführen war. Das Geschäft der landwirtschaftlichen Farm in Luka lief in ähnlichem Ausmaß wie vor dem Krieg weiter. Auf der Kundenseite bleibt das Risiko von Zahlungsausfällen weiterhin erhöht und ist auch über entsprechende Rückstellungen abgebildet. Bisher gab es nur kleinere Zahlungsausfälle.

Die Produktion von Fruchtsaftkonzentraten in der Ukraine verlief trotz schwieriger Rahmenbedingungen erfreulich und die produzierten Mengen des Vorjahres sowie die geplanten Mengen konnten übertroffen werden. Die gesamte Produktion aus der Ernte 2023|24 wurde intern an die AUSTRIA JUICE GmbH, Kröllendorf/Allhartsberg|Österreich, verkauft und in der Folge von Österreich aus vermarktet und ausgeliefert.

In Russland bewirkt der UkraineͲKrieg maßgebliche Verschiebungen des Marktumfeldes. Während globale Marken Absatzrückgänge verzeichnen bzw. westliche Unternehmen das Land verlassen haben, profitieren lokale Unternehmen von dieser Entwicklung, weil sie dieses Geschäft, z.B. als neue Eigentümer, übernehmen. Auch bei AGRANAs größten Kunden waren in dieser Hinsicht im letzten Geschäftsjahr massive Veränderungen zu beobachten.

Aufgrund der implementierten Sanktionen gestaltet sich die Belieferung des russischen Werkes mit Importgütern zunehmend herausfordernd. Die Warenströme haben sich einkaufsseitig weg von Europa hin Richtung Asien bewegt.

Davon betroffen waren neben Früchten auch Stabilisatoren, Verpackungsmaterialien und maschinelle Ersatzteile.

Es ist derzeit schwer einzuschätzen, ob in Zukunft weitere Bewertungsmaßnahmen für Vermögenswerte in der Ukraine und in Russland vorgenommen werden müssen.

Der Krieg in der Ukraine bringt auch im Bereich der ITͲSicherheit ein erhöhtes Risiko durch CyberͲund Sabotageattacken mit sich.

Klimawandelrisiken und andere ESGͲRisiken

Im Geschäftsjahr 2023|24 hat sich AGRANA weiter mit der Analyse der nichtͲfinanziellen bzw. nicht primär finanziellen Risiken beschäftigt. Für die Betrachtungen wurden einerseits die Vorgaben des österreichischen NachhaltigkeitsͲund Diversitätsgesetzes bzw. des § 267a UGB und der Global Reporting Initiative (GRI) sowie andererseits auch die ReportingͲ Empfehlungen zu klimabezogenen Risiken und Chancen der Task Force on ClimateͲrelated Financial Disclosures (TCFD) herangezogen.

Während die gesetzlichen und GRIͲAnforderungen ihren Fokus auf die von Unternehmen ausgelösten nichtͲfinanziellen Risiken bzw. tatsächlichen Auswirkungen richten, verpflichtet die EUͲTaxonomie und die ab dem nächsten Geschäftsjahr

anzuwendende CSRͲD analog zu den Empfehlungen der TCFD zur verstärkten Darstellung der durch den Klimawandel auf Unternehmen wirkenden Risiken.

Das AGRANAͲRisikomanagement beschäftigt sich mit den auf AGRANA wirkenden Risiken und deckt die im Rahmen der AGRANAͲGeschäftstätigkeit auf die Gruppe wirkenden physischen Risiken (v.a. operative Risiken im Rahmen der Rohstoffbeschaffung) ab. Der Betrachtungszeitraum für die genannten Risiken entspricht im Rahmen des AGRANAͲ Risikomanagementsystems und des konzernweit einheitlich implementierten PlanungsͲund Berichtssystems fünf Jahre. Die gemäß den Anforderungen der EUͲTaxonomie im Geschäftsjahr 2022|23 durchgeführte Klimawandelszenarioanalyse für 53 Produktionsstandorte wurde im Berichtsjahr 2023|24 einer näheren Detailanalyse unterzogen.

Für die AGRANAͲGruppe wurden folgende akute „climate hazards“ als relevant eingestuft: Hitzewellen, Tornados/Stürme, WaldͲund Flächenbrände, Dürren sowie Überflutungen. Zudem wurden Wasserknappheit und der Anstieg des Meeresspiegels als relevante „chronische“ Gefährdungen definiert. Zur Anwendung kamen die vom Weltklimarat, dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), empfohlenen Szenarien SSP1Ͳ2.6 und SSP5Ͳ8.5, betrachtet wurden die aktuellen Verhältnisse und jeweils ein optimistisches sowie ein pessimistisches Szenario bis 2040 und 2060. Gemäß den Ergebnissen stellen vor allem Wasserknappheit1 und/oder Dürre und/oder Hitzewellen potenziell relevante Risiken für die Produktionsstandorte dar. Die Ergebnisse der nachgelagerten Detailanalyse zeigten, dass sich die überwiegende Anzahl an Standorten im mittleren Risikobereich befinden, auch hier sind die Faktoren Dürre und oder Hitzewellen wie auch Wasserknappheit die häufigsten Risikoursachen. Nach der Detailanalyse blieb nur ein Risikostandort mit hoher Einstufung erhalten, wobei die Detailanalyse in den drei kriegsbetroffenen ukrainischen Standorten 2023|24 nicht durchgeführt wurde. Auf dieser Basis werden nun Adaptionsmaßnahmen geplant.

Als Ergänzung zur KlimawandelͲSzenarioanalyse für die Produktionsstandorte der AGRANAͲGruppe wurde im Geschäftsjahr 2023|24 mit der Analyse von Klimarisiken entlang der agrarischen Wertschöpfungsketten begonnen.

Dazu wurde ein spezifisches Risikomodell für die Gruppe entwickelt, mit dem sich Klimarisiken systematisch bestimmen und im nächsten Schritt auch quantifizieren lassen. Im ersten Schritt wurde zunächst das physische Klimarisiko für die Zuckerrübe anhand ausgewählter Indikatoren ermittelt und es wurden erste mögliche Auswirkungen auf die Erträge untersucht. Zudem wurden potenzielle Resilienzmaßnahmen erarbeitet.

Zur Anwendung kamen die vom Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), dem so genannten Weltklimarat, empfohlenen Szenarien SSP1Ͳ2.6 und SSP5Ͳ8.5. Betrachtet wurden die aktuellen Verhältnisse und jeweils ein optimistisches sowie ein pessimistisches Szenario bis 2029 sowie 2040 und 2060. Die Analyse orientiert sich an den Empfehlungen der Task Force on ClimateͲrelated Financial Disclosures (TCFD) in den relevanten Bereichen. Auf dieser Grundlage werden die nächsten Schritte abgeleitet.

Als energieintensiver industrieller Veredler, v.a. in den Segmenten Stärke und Zucker, unterliegt AGRANA mit dem Großteil ihrer Produktionsstandorte dieser Segmente dem EUͲEmissionshandelssystem. Daher beschäftigt sich das Unternehmen seit jeher auch intensiv mit potenziellen regulatorischen (transitorischen) Risiken im Bereich der Energiegesetzgebung. Politische Lenkungsmaßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel werden durch das Pariser Klimaabkommen 2015 und den darauf basierenden EU Green Deal in den nächsten Jahren vermehrte regulatorische Risiken im Rahmen der Transformation zu einer emissionsarmen Gesellschaft für AGRANA begründen (siehe dazu Abschnitt Regulatorische Risiken).

AGRANA übt ihre Geschäftstätigkeit auf ökologisch und ethisch nachhaltige und legale Art und Weise aus. Soziale, ökonomische und ökologische Verantwortung stehen bei AGRANA im Mittelpunkt. AGRANA ist der Initiative UN Global Compact beigetreten und ist somit verpflichtet, deren Anforderungen umzusetzen. Die grundlegenden Werte wie die Achtung der Menschenrechte sind in AGRANAs Verhaltenskodex verankert. Die Einhaltung des Verhaltenskodex ist für Mitarbeitende, Führungskräfte und Geschäftspartner verpflichtend. Der AGRANAͲKonzern führt laufend Risikobewertungen und Due DiligenceͲProzesse, auch hinsichtlich sozialer Aspekte, durch.

AGRANA hat sowohl im Bereich der auf sie wirkenden als auch im Bereich der von ihr ausgelösten Risiken angemessene Maßnahmen gesetzt, um nachteiligen Effekten aus nichtͲfinanziellen Risiken aus der strategischen und operativen Geschäftsgebarung entgegenzuwirken. Die Maßnahmen betreffen UmweltͲ, ArbeitnehmerͲund Sozialbelange und stehen im Einklang mit nationalen und internationalen Standards zur Wahrung der QualitätsͲund Reputationsansprüche im Interesse der AGRANAͲGruppe.

Gesamtrisiko

Die derzeitige Gesamtrisikoposition des Konzerns ist weiterhin durch hohe Volatilitäten in den EinkaufsͲund Verkaufsmärkten und durch konjunkturbedingte Nachfrageschwächen gekennzeichnet. Weiters können sich die geopolitische Situation und mögliche Eskalationen besonders für Europa negativ auswirken.

Im Bereich Bioethanol ist der wirtschaftliche Erfolg wesentlich durch die zukünftige Entwicklung der Absatzpreise bestimmt. Da sich die Preise für die verwendeten Rohstoffe Mais und Weizen unabhängig von den Ethanolpreisen entwickeln können, wird die Einschätzung der Ergebnisentwicklung bei Bioethanol zusätzlich erschwert.

Der Zustrom von landwirtschaftlichen Produkten aus der Ukraine, besonders Zucker und Getreide, übersteigt die als Unterstützung der Ukraine gedachten, zugelassenen Mengen. Die Auswirkung auf die Märkte sind sinkende Preise insbesondere in den an die Ukraine angrenzenden Ländern.

Aufgrund der volatilen Rahmenbedingungen liegt die Gesamtrisikoposition des Konzerns über dem Durchschnitt der Vorjahre. Sie ist jedoch durch eine hohe bilanzielle Eigenkapitalausstattung gedeckt und die AGRANAͲGruppe kann durch die Diversifikation in drei Geschäftsbereichen risikoausgleichend agieren.

Für die AGRANAͲGruppe bestehen nach wie vor keine bestandsgefährdenden Risiken bzw. sind solche auch gegenwärtig nicht erkennbar.

Berichterstattung gemäß § 243a Abs. 2 UGB

Der Vorstand der AGRANA verantwortet die Einrichtung und Ausgestaltung eines Internen Kontrollsystems (IKS) und Risikomanagementsystems (RMS) im Hinblick auf den Rechnungslegungsprozess sowie die Einhaltung der maßgeblichen gesetzlichen Vorschriften. Das IKS, konzernweit geltende BilanzierungsͲund Bewertungsrichtlinien sowie die Vorschriften zur Rechnungslegung nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) sichern sowohl die Einheitlichkeit der Rechnungslegung als auch die Verlässlichkeit der Finanzberichterstattung und der extern publizierten Abschlüsse.

Der überwiegende Anteil der Konzerngesellschaften verwendet SAP als führendes ERP1ͲSystem. Sämtliche AGRANAͲ Gesellschaften übergeben die Werte der Einzelabschlüsse in das zentrale SAPͲKonsolidierungsmodul. Es kann somit sichergestellt werden, dass das Berichtswesen auf einer einheitlichen Datenbasis beruht. Die Erstellung des Konzernabschlusses erfolgt durch das Konzernrechnungswesen. Es zeichnet für die Betreuung der Meldedatenübernahme der lokalen Gesellschaften, die Durchführung der Konsolidierungsmaßnahmen und für die analytische Aufbereitung und Erstellung von Finanzberichten verantwortlich. Die Kontrolle und Abstimmung des internen und externen Berichtswesens werden monatlich durch das Controlling und Konzernrechnungswesen durchgeführt.

Das wesentliche Steuerungsinstrument für das Management von AGRANA ist das konzernweit implementierte einheitliche PlanungsͲund Berichtssystem. Es umfasst eine Mittelfristplanung mit einem Planungshorizont von fünf Jahren, eine Budgetplanung (für das folgende Geschäftsjahr), Monatsberichte inklusive eines eigenen Risikoberichtes sowie dreimal bis viermal jährlich eine Vorschaurechnung des laufenden Geschäftsjahres, in der die wesentlichen wirtschaftlichen Entwicklungen berücksichtigt werden. Im Falle von wesentlichen Änderungen der Planungsprämissen wird dieses System durch AdͲhocͲPlanungen ergänzt.

Die vom Controlling erstellte monatliche Finanzberichterstattung zeigt die Entwicklung aller Konzerngesellschaften. Der Inhalt dieses Berichtes ist konzernweit vereinheitlicht und umfasst neben detaillierten Verkaufsdaten Bilanz, GewinnͲund Verlustrechnung, die daraus ableitbaren Kennzahlen und auch eine Analyse der wesentlichen Abweichungen. Teil dieses Monatsberichtes ist auch ein eigener Risikobericht, sowohl für jedes Segment als auch für die gesamte AGRANAͲGruppe, in dem unter Annahme von aktuellen Marktpreisen noch nicht fixierter Mengen bei wesentlichen Ergebnisfaktoren im Vergleich zu geplanten Preisen das Risikopotenzial für das laufende und das nachfolgende Geschäftsjahr errechnet wird.

Ein konzernweites Risikomanagementsystem, sowohl auf operativer als auch strategischer Ebene, in dessen Rahmen alle für das Unternehmen relevanten Risikofelder wie regulatorische und rechtliche Rahmenbedingungen, Rohstoffbeschaffung, WettbewerbsͲund Marktrisiken sowie Finanzierung auf Chancen und Risiken analysiert werden, ermöglicht es dem Management, frühzeitig Veränderungen im Unternehmensumfeld zu erkennen und rechtzeitig Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Die Interne Revision überwacht sämtliche BetriebsͲund Geschäftsabläufe in der Gruppe im Hinblick auf die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen und interner Richtlinien sowie auf Wirksamkeit des Risikomanagements und der internen Kontrollsysteme. Grundlage der Prüfungshandlungen ist ein vom Vorstand beschlossener jährlicher Revisionsplan auf Basis einer konzernweiten Risikobewertung. Auf Veranlassung des Managements werden AdͲhocͲPrüfungen durchgeführt, die auf aktuelle und zukünftige Risiken abzielen. Die Ergebnisse der Prüfungshandlungen werden regelmäßig an den AGRANAͲ Vorstand und an das verantwortliche Management sowie an den Aufsichtsrat (Prüfungsausschuss) berichtet. Die Umsetzung der von der Revision vorgeschlagenen Maßnahmen wird durch Folgekontrollen überprüft.

Eine interne Risikoanalyse ist auch Bestandteil des AGRANA ComplianceͲManagementsystems. Sie basiert auf allgemein anerkannten Indizes, die die ComplianceͲRisiken länderͲund unternehmensspezifisch bewerten. Zusätzlich werden konkrete Maßnahmen zur Risikominimierung getroffen. Die Risikoanalyse wird zwischen dem KonzernͲRisikomanagement und dem ComplianceͲOffice abgestimmt. Das Compliance Management System der AGRANA BeteiligungsͲAG ist seit 2022 nach ISO 37301 und ISO 37001 zertifiziert.

Im Rahmen der Abschlussprüfung beurteilt der Wirtschaftsprüfer jährlich das Interne Kontrollsystem des Rechnungslegungsprozesses und der ITͲSysteme. Die Ergebnisse der Prüfungshandlungen werden dem Prüfungsausschuss im Aufsichtsrat berichtet.

KapitalͲ, AnteilsͲ, StimmͲund Kontrollrechte

(Angaben gemäß § 243a Abs. 1 UGB)

Das Grundkapital der AGRANA BeteiligungsͲAG zum Stichtag 29. Februar 2024 betrug 113,5 Mio. € (28. Februar 2023: 113,5 Mio. €) und war in 62.488.976 (28. Februar 2023: 62.488.976) auf Inhaber lautende Stückaktien (Stammaktien mit Stimmrecht) geteilt. Weitere Aktiengattungen bestehen nicht.

Die AGRANA Zucker, Stärke und Frucht Holding AG (AZSF) mit Sitz in Wien hält als Mehrheitsaktionär direkt 78,34 % des Grundkapitals der AGRANA BeteiligungsͲAG. An der AZSF sind die ZuckerͲBeteiligungsgesellschaft m.b.H. (ZBG), Wien, mit 50 % abzüglich einer Aktie, die von der AGRANA Zucker GmbH, einer Tochter der AGRANA BeteiligungsͲAG, gehalten wird, sowie die Südzucker AG (Südzucker), Mannheim|Deutschland, mit 50 % beteiligt. An der ZBG halten die „ALMARA“ Holding GmbH, eine Tochtergesellschaft der RAIFFEISENͲHOLDING NIEDERÖSTERREICHͲWIEN registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung, die Marchfelder Zuckerfabriken Gesellschaft m.b.H., die Rübenproduzenten Beteiligungs GesmbH und die LeipnikͲLundenburger Invest Beteiligungs AG, jeweils Wien, Beteiligungen. Aufgrund eines zwischen der Südzucker und der ZBG abgeschlossenen Syndikatsvertrages sind die Stimmrechte der Syndikatspartner in der AZSF gebündelt und es bestehen u.a. Übertragungsbeschränkungen der Aktien und bestimmte Nominierungsrechte der Syndikatspartner für die Organe der AGRANA BeteiligungsͲAG und der Südzucker. So war zum Bilanzstichtag Mag. Stephan Büttner von der ZBG als Vorstandsmitglied der Südzucker AG und Dkfm. Thomas Kölbl seitens Südzucker als Vorstandsmitglied der AGRANA BeteiligungsͲAG nominiert und bestellt.

Es gibt keine Inhaberinnen und Inhaber von Aktien, die über besondere Kontrollrechte verfügen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auch Aktionärinnen und Aktionäre der AGRANA BeteiligungsͲAG sind, üben ihre Stimmrechte individuell aus.

Der Vorstand verfügt über keine über die unmittelbaren gesetzlichen Regelungen hinausgehenden Befugnisse, Aktien auszugeben oder zurückzukaufen.

In den Verträgen betreffend Schuldscheindarlehen und Kreditlinien („Syndicated Loans“) sind Change of ControlͲKlauseln enthalten, die den Darlehensgebern ein außerordentliches Kündigungsrecht einräumen.

Darüber hinaus bestehen keine bedeutenden Vereinbarungen, die bei einem Kontrollwechsel infolge eines

Übernahmeangebotes wirksam werden, sich wesentlich ändern oder enden. Entschädigungsvereinbarungen zwischen der Gesellschaft und ihren Organen oder Mitarbeitenden im Falle eines öffentlichen Übernahmeangebotes bestehen nicht.

Corporate GovernanceͲBericht

AGRANA bekennt sich zu den Regelungen des ÖCGK. Im Geschäftsjahr 2023|24 hat AGRANA den ÖCGK in der Fassung vom Jänner 2023 zur Anwendung gebracht. Der Aufsichtsrat der AGRANA BeteiligungsͲAG hat sich in seinen Sitzungen am 8. November 2023 und 15. Februar 2024 mit Fragen der Corporate Governance befasst und einstimmig der Erklärung über die Einhaltung des Kodex zugestimmt.

Gemäß Regel 62 des ÖCGK ist die Umsetzung und die Einhaltung der einzelnen Regeln des Kodex regelmäßig, zumindest alle drei Jahre, einer externen Evaluierung zu unterziehen. Diese erfolgte für das Geschäftsjahr 2023|24 durch die KPMG Austria GmbH WirtschaftsprüfungsͲund Steuerberatungsgesellschaft, Wien, auf Basis des Fragebogens zur Evaluierung der Einhaltung des ÖCGK, herausgegeben vom Österreichischen Arbeitskreis für Corporate Governance (Fassung Jänner 2023). Der Bericht über diese externe Evaluierung ist unter www.agrana.com/ir/corporateͲgovernance abrufbar. Im Geschäftsjahr 2026|27 wird eine neuerliche externe Evaluierung zur Einhaltung der Regeln des Kodex erfolgen.

Zweigniederlassungen

Die AGRANA BeteiligungsͲAktiengesellschaft hatte 2023|24 keine Zweigniederlassungen.

Ereignisse nach dem Bilanzstichtag

Nach dem Bilanzstichtag am 29. Februar 2024 sind keine Vorgänge von besonderer Bedeutung eingetreten, die einen wesentlichen Einfluss auf die ErtragsͲ, FinanzͲund Vermögenslage der AGRANA hatten.

Prognosebericht

AGRANA sieht sich aufgrund des diversifizierten Geschäftsmodelles und einer soliden Bilanzstruktur für die Zukunft gut aufgestellt.

Der seit dem Geschäftsjahresbeginn 2022|23 bis heute andauernde UkraineͲKrieg führte zu einer grundsätzlichen Verstärkung der bereits bestehenden hohen Volatilitäten auf den Absatzmärkten und Preissteigerungen auf den Beschaffungsmärkten, insbesondere in den Bereichen Rohstoffe und Energie. Darüber hinaus können sich in der EU durch den gewährten bevorzugten Zugang von Agrarimporten aus der Ukraine weitere Marktverwerfungen ergeben. Trotz der momentan reduzierten Volatilität sind die wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen, die Versorgungssicherheit sowie die Dauer dieser temporären Ausnahmesituation – mit Blick auf das Geschäftsjahr 2024|25 – nur schwer abschätzbar.

Auf Gruppenebene wird für das Geschäftsjahr 2024|25 mit einem deutlichen Rückgang beim Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT) gerechnet. Beim Konzernumsatz wird von einem leichten Rückgang ausgegangen.

Das Investitionsvolumen in den drei Segmenten soll in Summe mit rund 120 Mio. € moderat unter dem Wert von 2023|24 und somit nur noch auf Abschreibungsniveau (rund 120 Mio. €) liegen. Etwa 12 % davon werden auf Emissionsreduktionsmaßnahmen in der eigenen Produktion im Rahmen der AGRANAͲKlimastrategie entfallen.

Nachhaltigkeitsausblick 2024 | 25

Nach Validierung von AGRANAs wissenschaftsbasierten Klimazielen durch die Science Based Targets Initiative (SBTi) im September 2023 wird das Geschäftsjahr 2024 |25 im Zeichen der konkreten Umsetzungsplanung von Emissionsreduktionsprojekten im Bereich der eigenen Produktion (Scope 1+2) und – nach Veröffentlichung des überarbeiteten Greenhousegas Protocols sowie der für den landwirtschaftlichen Sektor relevanten Land Sector and Removals Guidance – im Bereich der vorgelagerten Lieferkette (Scope 3) stehen. Basis für die Reduktionsmaßnahmenerarbeitung im Bereich Agrarprodukte wird die schrittweise Einführung einer Primärdatenerfassung für die Berechnung von Emissionsfaktoren bei den Lieferanten sein.

Daneben wird sich AGRANA im Geschäftsjahr 2024 | 25 intensiv auf die steigenden Reportinganforderungen durch die Einführung der Corporate Sustainability Reporting Directive für das Berichtsjahr 2024 |25 sowie weitere gesetzliche Anforderungen aus dem Umfeld des EU Green Deals vorbereiten.

Aus Sicht der Einzelgesellschaft, der AGRANA Beteiligungs-Aktiengesellschaft, wird für das kommende Geschäftsjahr 2024 |25 mit einer stabilen Umsatzentwicklung und einem Ergebnis vor Steuern auf aktuellem Niveau gerechnet.

Wien, am 26. April 2024

Der Vorstand:

Mag. Stephan Büttner-

Dipl.-Ing. Dr. Norbert Harringer

Dr. Stephan Meeder

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