Inhaltsverzeichnis
WABAG
Beilage 4/4
für das Geschäftsjahr 2024/2025
VA TECH WABAG GmbH
B
sustainable solutions. for a better life.
GLIEDERUNG
1 Grundlagen des Unternehmens...................................................................................... 3 1.1 Allgemeines & Geschäftsmodell ..................................................................................... 3 1.2 Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen............................ 4 1.2.1 Globales Umfeld – Wasserknappheit & Klimawandel .............................................. 4 1.2.2 UN - SDG, neue EU-Gesetzesvorgaben ................................................................. 4 1.4 Forschung und Entwicklung ........................................................................................... 5 2 Wirtschaftsbericht........................................................................................................... 7 2.1 Geschäftsverlauf und Lage............................................................................................. 7 2.2 Ertragslage..................................................................................................................... 7 2.3 Finanzlage...................................................................................................................... 7 2.4 Vermögenslage .............................................................................................................. 7 2.5 Gesamtaussage ............................................................................................................. 8 3 Bericht Tochtergesellschaften / Niederlassungen / Beteiligungsgesellschaften .............. 9 3.1 Tochtergesellschaftsbericht – WABAG Türkei ................................................................ 9 3.2 Tochtergesellschaftsbericht – WABAG Tunesien ........................................................... 9 3.3 Tochtergesellschaftsbericht – WABAG Deutschland .....................................................10 3.4 Beteiligungsgesellschaften ............................................................................................10 3.5 Niederlassung – WABAG Algerien ................................................................................10 3.6 Niederlassung – WABAG Ägypten ................................................................................10 3.7 Niederlassung – WABAG Libyen...................................................................................11 3.8 Niederlassung – WABAG Saudi-Arabien.......................................................................11 3.9 Niederlassung – WABAG Iran .......................................................................................12 3.10Verkauf Tochtergesellschaften ......................................................................................12 4 Chancen – und Risikobericht.........................................................................................12 5 Ausblick.........................................................................................................................13
1 Grundlagen des Unternehmens
1.1 Allgemeines & Geschäftsmodell
Die VA TECH WABAG GmbH mit Sitz in Wien („WABAG Wien“) ist ein international tätiges Unternehmen im Bereich der Wasser- und Abwassertechnik. Es bietet maßgeschneiderte Komplettlösungen für Kommunen und Industrie – von der Planung über die Lieferung und Errichtung bis hin zu Betrieb und Wartung von Anlagen.
Das Leistungsportfolio deckt den gesamten Wasserzyklus ab und umfasst insbesondere:
- - - - - - Trink- und Industriewasseraufbereitung Kommunale und industrielle Abwasserreinigung Wasser-Recycling und –wiederverwendung (Water Reuse) Meer- und Brackwasserentsalzung Schlammbehandlung & Energiegewinnung (Green Energy) Betriebsführung und Wartung.
Neben Großprojekten für Städte und Industriezentren realisiert WABAG auch technologisch fokussierte Anlagen für spezifische Anforderungen, z.B. zur Entfernung von Mikroverunreinigungen im Abwasser (4. Reinigungsstufe), für ein nachhaltiges Wasser-Recycling oder zur Vollentsalzung in der Industrie.
Die Projektumsetzung erfolgt jeweils in enger Zusammenarbeit mit lokalen Einheiten. Üblicherweise bestehen die Verträge aus einem Lokal- und einem Exportanteil, wobei Letzterer in Devisen abgerechnet wird.
Seit über 100 Jahren ist WABAG im Bereich Wassertechnologie tätig und verfügt über umfassende internationale Erfahrung. Die kontinuierliche Entwicklung innovativer Lösungen zur Bewältigung aktueller und künftiger Herausforderungen erfolgt auf Basis eigener Forschung und Entwicklung.
Kundenstruktur
Zu den Kunden zählen öffentliche Auftraggeber (Städte, Gemeinden, Versorger) sowie Industrieunternehmen aus Bereichen wie Petrochemie, Energie, Chemie, Stahl, Lebensmittel und Getränke.
Konzernzugehörigkeit
WABAG Wien ist Teil der internationalen VA TECH WABAG Gruppe mit Hauptsitz in Chennai, Indien, und verantwortet innerhalb des Konzerns den Europa-Cluster. Die Gesellschaft unterhält eigene Tochtergesellschaften und Niederlassungen in:
Tunis (Tunesien, Tochtergesellschaft) Tripolis (Libyen, Niederlassung) Kairo (Ägypten, Niederlassung) Istanbul (Türkei, Tochtergesellschaft und Niederlassung) Windhoek (Namibia, Beteiligungen) Deutschland (Tochtergesellschaft)
Riyad (Saudi-Arabien, Niederlassung).
Konzernweite Zusammenarbeit:
Durch die enge Kooperation zwischen den Clustern Europa, Indien und Naher Osten/Afrika entstehen Synergien, z. B. bei Marktbearbeitung und Projektentwicklung, Forschung & Entwicklung, Entsalzungstechnologien, Kapazitätsausgleich und Ressourcenmanagement.
Die Kombination aus europäischer Spitzentechnologie und lokaler Projektabwicklung verschafft WABAG eine starke Marktposition und einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.
Der Mutterkonzern
Die VA TECH WABAG Ltd. mit Sitz in Chennai, Indien, ist – ebenso wie WABAG Wien – ein international tätiger Systemanbieter für Wasser-, Abwasser- und Schlammbehandlung, Meer- und Brackwasserentsalzung sowie für nachhaltige Wasserrecycling-Lösungen.
Mit rund 2.000 MitarbeiterInnen weltweit und Unternehmen bzw. Niederlassungen in mehr als 20 Ländern auf drei Kontinenten zählt die WABAG-Gruppe zu den führenden Akteuren der Branche.
Laut Global Water Intelligence (GWI, Dezember 2024) belegt WABAG weltweit Rang 3 unter den „Top 50 Private Water Operators“ und versorgt über 95 Millionen Menschen mit sauberem Trinkwasser und sanitären Dienstleistungen. Auch im Bereich Meer- und Brackwasserentsalzung gehört WABAG zur Weltspitze und liegt laut GWI (November 2024) auf Platz 3 der „Top Desalination Plant Suppliers“.
Aktuelle Kennzahlen und Entwicklungen der WABAG-Gruppe sind unter:www.wabag.com/investorsoverview verfügbar.
1.2 Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen
1.2.1 Globales Umfeld – Wasserknappheit & Klimawandel
Wasser ist eine unverzichtbare Ressource und ein anerkanntes Menschenrecht. Der weltweite Wasserverbrauch nimmt seit Jahrzehnten jährlich um rund 1 % zu – ein Trend, der laut dem Weltwasserbericht der Vereinten Nationen (2023) bis 2050 anhalten wird.
Gleichzeitig verschärft sich die globale Wasserkrise: Rund 2 Milliarden Menschen leben in wasserarmen Regionen, 2,2 Milliarden haben keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser, und 3,5 Milliarden verfügen über keine angemessene sanitäre Versorgung (UN, 2025). Die UN prognostiziert, dass die weltweite Wassernachfrage bis 2040 das verfügbare Angebot um bis zu 40 % übersteigen könnte.
Diese Entwicklung ist auf Faktoren wie Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, industrielle Nutzung, Grundwasserübernutzung, Wasserverschmutzung und den Klimawandel zurückzuführen.
Angesichts dieser Herausforderungen steigt der Bedarf an Technologien zur Wasser- und Abwasserbehandlung sowie an Systemen zur Wasserwiederverwendung weltweit deutlich an. Für WABAG ergeben sich daraus wesentliche Marktchancen in kommunalen wie industriellen Anwendungen – insbesondere in wasserarmen Regionen und Wachstumsmärkten.
1.2.2 UN - SDG, neue EU-Gesetzesvorgaben
Die Vereinten Nationen haben mit SDG 6 im Rahmen der Agenda 2030 das Ziel definiert, allen Menschen Zugang zu sauberem Wasser und sanitärer Versorgung zu ermöglichen und die nachhaltige Nutzung von Wasserressourcen (u. a. Water Reuse) zu fördern. Die Mitgliedsstaaten setzen vermehrt Projekte um, die essenziell für Gesundheit und Entwicklung sind.
Auch auf EU-Ebene wurden weitere rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen:
Die EU-Verordnung 2020/741 zur Wasserwiederverwendung ist seit Juni 2023 wirksam und fördert die Nutzung aufbereiteten Abwassers für landwirtschaftliche Zwecke.
Mit der am 1. Januar 2025 in Kraft getretenen EU-Richtlinie 2024/3019 über kommunale Abwasserbehandlung werden neue Standards für Umwelt- und Gesundheitsschutz gesetzt, darunter die Einführung einer vierten Reinigungsstufe sowie die Zielsetzung zur Energieneutralität kommunaler Kläranlagen bis 2045.
Diese Entwicklungen erhöhen die Nachfrage nach innovativen Wasser- und Abwasserlösungen erheblich. Als führendes Unternehmen bei Water Reuse, fortschrittlicher Abwasserreinigung und der 4. Reinigungsstufe ist WABAG gut positioniert, um von diesen Rahmenbedingungen zu profitieren.
1.4
Forschung und Entwicklung
WABAG verfügt über eine breite Palette an innovativen Technologien. In den F&E Zentren in Wien und Chennai (Indien) werden laufend neue, Zukunftsgerichtete Verfahren – in der Regel in Zusammenarbeit mit renommierten Universitäten – entwickelt bzw. weiterentwickelt. Aktuelle Projekte konzentrieren sich u.a. auf Verfahren zur Entfernung/Inaktivierung von antibiotikaresistenten Bakterien und Genen („Antimicrobial Resistance“), Deammonifikation (DAMOPUR®), Wiederverwendung von aufbereitetem Abwasser als Trinkwasser („Potable Water Reuse“) sowie fortschrittliche Membranprozesse (z.B. mit keramischen und biomimetischen Membranen; CERAMOPUR®, CERAMOZONE®, Aquaporin) durch gruppenweite Technologieprogramme.
Im Bereich der Mikroverunreinigungen (Mikroschadstoffe) in Kläranlagenabläufen (Klarwasser) hat WABAG über Jahre hinweg unterschiedliche Prozesse (BIOZONE®, PACOPUR®, CARBOPUR®) getestet und mittlerweile wirtschaftlich erfolgreich in mehr als zehn Kundenanlagen vor allem in der Schweiz eingesetzt, aber auch in einer der weltweit bekanntesten Wasserwieder-verwendungsanlagen, der „Goreangab Water Reclamation Plant“ in Windhoek, Namibia, in der seit dem Jahr 2002 u. a. Mikroschadstoffe (Arzneimittelrückstände, Rückstände aus Körperpflegeprodukten und Haushaltschemikalien, PFAS, etc.) mit BIOZONE® und CARBOPUR® (in einem Multibarrieren System für „Potable Water Reuse“) vollständig entfernt werden. Publikation: Windhoek/Goreangab Direct Potable Water Reuse, Case Study Namibia; Kapitel 63 des „Handbook of Water and Used Water Purification“ edited by Josef Lahnsteiner; Springer Nature; das E-Book (1342 Seiten) wurde im März 2024 (https://doi.org/10.1007/978-3-319-78000-9) und die Print Version (zwei Bände, 1342 Seiten) im April 2024 veröffentlicht. Desweitern wurde darüber ein Vortrag auf der 14th IWA International Conference on Water Reclamation and Reuse in Kapstadt, Südafrika, im März 2025 gehalten: „Direct Potable Reuse – Securing Resilient Water Supply for more than 5 Decades in Windhoek“.
Schlüsselaktivitäten im Geschäftsjahr 2024/25 waren:
Membran Destillation mit kontinuierlicher Kristallisation („Membrane Crystallization“, ZEROPUR®): Erteilung eines Patents im November 2021 in Österreich; Anmeldung von Patenten in der EU und Indien im GJ 2022/23; im GJ 2024/25 wurden wesentliche Fortschritte im Patentierungsprozess (in der EU und in Indien) erzielt. Kooperation mit der Johannes Kepler Universität (JKU), Linz; diese neue Technologie hat das Potential eines echten „Game Changers“ im Bereich Zero Liquid Discharge (ZLD); im GJ 2023/24 wurde eine „Bench Scale Anlage“ mit horizontaler Anordnung der Membran betrieben. Es wurden dabei zufriedenstelle Ergebnisse mit diversen Abwässern erzielt. Publikation: “Seeded Membrane Distillation Crystallization for Hypersaline Brine Treatment“ im renommierten IWA Journal of Water Reuse im Februar 2024: https://doi.org/10.2166/wrd.2024.086. Im GJ 2024/25 wurde die Bench Scale Anlage auf eine vertikale Anordnung der Membran umgebaut und die Versuchsergebnisse konnten dadurch verbessert werden. Auf der 14th IWA International Conference on Water Reclamation and Reuse in Kapstadt, Südafrika, im März 2025 wurde das Paper „Water and Resource Recovery from Lithium-Ion Battery Recycling with Membrane Distillation Crystallization“ präsentiert. Ein weiterer Vortrag wurde auf der EUROMEMBRANE 2024 Conference in Prag im September 2024 gehalten: “Impact of Heterogenous Seeding Particles on Membrane Distillation Crystallization”). Zwecks Upscaling des ZEROPUR® Prozesses wurde
im GJ 2024/25 die Planung einer Pilotanlage inklusive einer umfangreichen Membran Recherche durchgeführt.
Basierend auf einer Studie, warnt die WHO, dass bis zum Jahr 2050 mehr als 39 Millionen Menschen an antibiotikaresistenten Keimen sterben könnten. Zur Entfernung von antibiotikaresistenten Bakterien und Genen (“Antimicrobial Resistance”) wurde, wie bereits berichtet, in Windhoek auf der Goreangab Potable Water Reuse Facility ein erfolgreiches Projekt durchgeführt (Veröffentlichung gemeinsam mit TU Wien: “Fate and persistence of antibiotic-resistant bacteria and genes through a multi barrier treatment facility for direct potable reuse” im IWA Journal of Water Reuse, 2021: https://doi.org/10.2166/wrd.2021.097). Das Projekt wird mit verbesserten (empfindlicheren) molekular-biologischen Analysenmethoden im GJ 2025/26 wiederholt/fortgesetzt werden. Im GJ 2024/25 wurde die Entfernung von antibiotikaresistenten Bakterien und Genen in der großtechnischen Koyambedu Water Reclamation Plant (Multibarrieren System für „Industrial Water Reuse“) und in Pilotversuchen auf dieser Anlage in Chennai, Indien untersucht und getestet. Ziel der Pilotversuche ist es “Antimicrobial Resistance” mit dem BIOZONE®-Verfahren (FLUOPUR® - Ozonierung - FLUOPUR®) aus Umkehrosmosekonzentrat zu entfernen (siehe auch Mikroverunreinigungen). Die Ergebnisse zeigten, dass antibiotikaresistente Bakterien und Gene vollständig entfernt werden können.
Entfernung von Mikroverunreinigungen (Arzneimittelrückstände, Rückstände aus Körperpflegeprodukten und Haushaltschemikalien, PFAS, etc.) aus Kläranlagenabläufen (Klarwasser) mit in erster Linie Ozon und Aktivkohle (BIOZONE® und CARBOPUR®) – WABAG hat in der Schweiz, in Namibia und in Österreich erfolgreiche Pilot- und Kundenprojekte durchgeführt und hat nun auch in Indien im Rahmen der industriellen Wasserwiederverwendung begonnen Pilotversuche durchzuführen.
Im GJ 2023/24 wurde die Planung für die Entfernung von biologisch schwer abbaubarem CSB („Hard COD“) und Mikroschadstoffen in der Koyambedu Water Reclamation Plant (Multibarrieren System für „Industrial Water Reuse“) in Chennai, Indien durchgeführt (großtechnisch und Pilotierung). Die Pilotanlage (BIOZONE®-Verfahren: FLUOPUR® - Ozonierung - FLUOPUR®) wurde im GJ 2024/25 unter Variation verschiedener Verfahrensparameter (z.B. der Ozonmenge) betrieben und die dabei erzielten Ergebnisse (hinsichtlich der Entfernung von „Hard COD“ und Mikroverunreinigungen wie z.B. dem schmerzstillenden und entzündungshemmenden Arzneimittel Diclofenac aus Umkehrosmosekonzentrat) waren zufriedenstellend, der Versuchsbetrieb muss jedoch noch optimiert werden.
2
2.1 Geschäftsverlauf und Lage
Basierend auf dem Umsatz iHv 19.578 TEUR konnte ein positives Jahresergebnis nach Steuern in Höhe von 9.814 TEUR erreicht werden. Der gewinnbringende Verkauf der Tochtergesellschaft sowie die Dividendenausschüttung der WABAG Water Services SRL, Bukarest, Rumänien wirkt sich positiv im Finanzergebnis aus.
Die Kooperation der einzelnen Standorte wurde intensiviert und läuft sehr effizient. Die Matrixstruktur ermöglicht einen effizienteren Einsatz von Personalressourcen im Verwaltungsbereich als auch für Engineering. Verfügbare Kapazitäten werden zentral abgerufen, um Auslastungsspitzen effektiv abzufedern.
2.2 Ertragslage
| Ergebnisquellen | Geschäftsjahr Geschäftsjahr | |
|---|---|---|
| 2024/25 2023/24 | ||
| T€ | T€ | |
| Betriebsergebnis | -161 | -4.749 |
| Finanzergebnis | 9.976 | 4.651 |
| Ergebnis vor Steuern | 9.815 | -98 |
| Ergebnis nach Steuern | 9.814 | 76 |
2.3 Finanzlage
Die Eigenkapitalquote ist aufgrund der Reduktion von kurzfristigen Verbindlichkeiten einerseits, und langfristigen Forderungen andererseits, auf 58,83 % (Vj. 42,61%) gestiegen.
2.4 Vermögenslage
| wesentliche Bilanzposten | Geschäftsjahr Geschäftsjahr | |
|---|---|---|
| 2024/25 | 2023/24 | |
| T€ | T€ | |
| Aktiva | ||
| Anlagevermögen | 1.629 | 1.728 |
| liquide Mittel | 5.136 | 5.198 |
| Passiva | ||
| Eigenkapital | 28.671 | 19.858 |
| langfristige Verbindlichkeiten | ||
| Bilanzsumme | 48.733 | 46.602 |
Finanzielle Leistungsindikatoren / Übersicht über die Finanzkennzahlen
Bei den finanziellen Leistungsindikatoren liegt unser Fokus auf:
· Umsatzentwicklung und · Betriebsergebnis.
| in MIO€ | 1.4.2024 – | 1.4.2023 – | |
|---|---|---|---|
| 31.3.2025 | 31.3.2024 | ||
| Auftragseingang | 121,8 | 20,8 | |
| Umsatzerlöse | Realisierter Umsatz | 19,6 | 3,7 |
| EBIT | 10,01 | 0,02 | |
| Umsatzrendite | EBIT/ Umsatzerlöse | 51,12% | 0,62% |
| Gesamtvermögen | 48,7 | 46,6 | |
| Eigenkapital | 28,7 | 19,8 | |
| Summe Eigenkapital / | |||
| Eigenkapitalquote | Gesamtvermögen | 58,83% | 42,61% |
| Eigenkapitalrendite | EBIT / Summe Eigenkapital | 34,91% | 0,12% |
| Kapitalrendite | EBIT / Gesamtvermögen | 20,54% | 0,05% |
| Operational Cashflow | -7,1 | -3,9 | |
| Investitionstätigkeit | 7,0 | 4,8 | |
| Financial Cashflow | 0,0 | 0,0 |
2.5 Gesamtaussage
Die Umsatzentwicklung im Geschäftsjahr 2024/25 war insgesamt positiv. Wesentlich dazu beigetragen hat die Endabrechnung eines Projekts in Ägypten. Darüber hinaus konnten die O&M-Verträge planmäßig umgesetzt werden.
Das Betriebsergebnis ist um die Rückstellung des endabgerechneten Projektes in Ägypten vermindert, da zu Beginn der Garantiephase rd. EUR 950k geplant wurden.
Der Auftragseingang in Ägypten erweist sich als stabil. Zudem wurde im letzten Quartal des Geschäftsjahres 2024/25 ein Auftragseingang in Libyen in Höhe von rund 110 MEUR verzeichnet. Die gut gefüllte Projektpipeline bildet eine solide Grundlage und stimmt zuversichtlich für die zukünftige Geschäftsentwicklung.
Andererseits hat die Dividendenausschüttung aus Rumänien von ~8,5 MEUR im ersten Quartal des Geschäftsjahres 24/25 einen positiven Beitrag zur Liquidität des Unternehmens geleistet.
3
Bericht Tochtergesellschaften / Niederlassungen / Beteiligungsgesellschaften
Der Nahe/Mittlere Osten und Nordafrika (MENA) bleiben für WABAG Österreich eine Schlüsselregion – nicht nur wegen langjähriger Geschäftsbeziehungen, sondern vor allem aufgrund des großen Marktpotenzials. Die Region leidet unter erheblichem Wassermangel, der durch den Klimawandel mit anhaltenden Dürreperioden weiter verschärft wird. Daher besteht ein dringender Bedarf an modernen Technologien zur Wasseraufbereitung und Abwasserreinigung.
WABAG hat seine Aktivitäten über Nordafrika hinaus auf Ost- und Subsahara-Afrika ausgeweitet. Dort werden Projekte überwiegend von internationalen Kreditinstituten und Projektentwicklern finanziert. Die erforderlichen personellen und strukturellen Kapazitäten wurden schrittweise aufgebaut.
Die Geschäftstätigkeit wird zudem wesentlich von den geopolitischen Rahmenbedingungen in der Region beeinflusst.
WABAG verfügt neben dem Hauptsitz in Wien über 3 Tochtergesellschaften und 2 Minderheitsbeteiligungen im Ausland:
- WABAG Türkei - WABAG Deutschland - WABAG Tunesien - Ujams WTC, Namibia (JV, Minderheitsgesellschafterin) - Windhoek Goreangab Operating Company, Namibia (JV, Minderheitsgesellschafterin)
Des Weiteren verfügt WABAG Wien über 8 Niederlassungen im Ausland:
- WABAG Algerien - WABAG Bosnien & Herzegowina (nicht operativ) - WABAG Saudi-Arabien - WABAG Ägypten - WABAG Libyen - WABAG Iran - WABAG Türkei
3.1 Tochtergesellschaftsbericht – WABAG Türkei
VA TECH WABAG SU Teknolojisi Ve Tic A.S. (WABAG Türkei) in Istanbul hat sich in den letzten Jahren als Engineering-Hub etabliert und konzentriert sich auf Engineeringleistungen für Angebots- und Projektabwicklung. Ein qualifiziertes Team erbringt komplexe Leistungen zu wettbewerbsfähigen Preisen und arbeitet eng mit allen WABAG-Standorten zusammen. Trotz eines herausfordernden Marktumfelds verfolgt WABAG in der Türkei finanziell solide Projekte, überwiegend mit starken Partnern und internationaler Finanzierung.
3.2 Tochtergesellschaftsbericht – WABAG Tunesien
VA TECH WABAG Tunisie S.A.R.L. (WABAG Tunesien) verzeichnet ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2024/25.
Die Großprojekte Meerwasserentsalzung ZARAT und die Trinkwasseraufbereitungsanlage KASSEB sind erfolgreich in Betrieb. Die von der deutschen KfW finanzierte Kasseb-Anlage wurde im Oktober 2024 in Betrieb genommen; die anschließende Betriebsführung endete im April 2025. Die weiteren Projekte im Auftragsbestand verlaufen planmäßig.
Im Mai 2024 erhielt WABAG Tunesien im Konsortium mit EGMS von der staatlichen ONAS den Auftrag für Engineering, Lieferung und einjährige Betriebsführung der Kläranlage Sousse Hamdoun II (36.000 m³/Tag). Das Projekt mit einem Gesamtwert von rund 34 Mio. Euro wird von AFD, EIB und EU finanziert und soll 2026 in Betrieb gehen.
Im März 2025 folgte der Auftrag der staatlichen SONEDE für eine 34.500 m³/Tag Trinkwasseranlage in Tabarka (Nordwesten) im Konsortium mit lokaler Baufirma. Das 16-Mio.-Euro-Projekt wird von der Kuwaiti Bank finanziert und soll Ende 2026 fertiggestellt sein. WABAG übernimmt sechs Monate Betriebsführung.
Die Fertigstellung der Projekte Zarat SWRO, Kasseb WTP sowie der Water Reuse-Anlagen Thibar und Takelsa zusammen mit den neuen Aufträgen stärkt die führende Marktposition von WABAG Tunesien. Weitere Projekte in Meerwasserentsalzung, Trinkwasser- und Kläranlagen sowie nachhaltige Water Reuse-Lösungen sind in Planung
Dank langjähriger Präsenz, europäischer Spitzentechnologie und verlässlicher Projektabwicklung genießt WABAG Tunesien das Vertrauen seiner Kunden und behauptet eine starke Position in einem von wenigen staatlichen Akteuren geprägten Markt.
3.3 Tochtergesellschaftsbericht – WABAG Deutschland
Die VA TECH WABAG Deutschland GmbH hat keine nennenswerten Aktivitäten entfaltet.
3.4 Beteiligungsgesellschaften
WABAG Österreich hält 33 % an der Windhoek Goreangab Operating Company (WINGOC) in Namibia. Diese betreibt die weltweit erste „Direct Potable Reuse“-Anlage New Goreangab in Windhoek, die aus gereinigtem kommunalem Abwasser direkt Trinkwasser für das Versorgungsnetz herstellt. Die 2001 von WABAG errichtete und seither störungsfrei laufende Anlage deckt rund 30 % des Wasserbedarfs der Stadt. Der Betriebsführungsvertrag wurde bis August 2027 verlängert.
Die Stadt Windhoek plant den Bau einer weiteren „Direct Potable Reuse“-Anlage und die Erweiterung der Kläranlage Gammams, die das Rohwasser liefert. WABAG pflegt eine gute Kundenbeziehung und ist zuversichtlich, bei diesen Projekten mit seinem Know-how unterstützen zu können. Die Beauftragung des Consultants für das neue Projekt durch Stadt und KfW wird bis Ende 2025 erwartet.
WABAG Wien hält in Windhoek, Namibia, 8,4 % an der Ujams Wastewater Treatment Company (Pty.) Limited, Betreiberin der Industriekläranlage Ujams Industrial Park im Rahmen eines 21-jährigen BOOT- Projekts. Die von WABAG geplante und gebaute Anlage ist seit Herbst 2014 in Betrieb.
Als trockenstes Land südlich der Sahara steht Namibia wegen des Klimawandels vor großen Herausforderungen. Besonders Windhoek leidet unter längeren Trockenzeiten, weniger Niederschlägen und sinkenden Grundwasserspiegeln. Projekte zur Wasserversorgungssicherung sind daher unverzichtbar.
3.5 Niederlassung – WABAG Algerien
In Algerien wurden sämtliche Projekte abgeschlossen. WABAG Wien hat aufgrund des Baus von 19 Anlagen zwischen 2000 und 2015 eine ausgezeichnete Reputation erlangt. Bei interessanten Projekten für Industriebetriebe wird ein Wiedereinstieg evaluiert.
3.6 Niederlassung – WABAG Ägypten
WABAG Wien ist in Ägypten ein geschätzter Partner der öffentlichen Hand im Wasser- und Abwasserbereich. Die ägyptische Wirtschaft hat sich stabilisiert. Der IWF prognostiziert für 2025 ein Wachstum von 3,8 %, das sich 2026 auf 4,1 % beschleunigen soll.
Im Rahmen des staatlichen „Seawater Desalination Program“ ist WABAG Wien gemeinsam mit AEW, GAMA und SOGEX in der „Kategorie A“ präqualifiziert und kann als EP-Contractor somit an allen Ausschreibungen jeder Anlagengröße teilnehmen. Ägypten plant bis 2050 eine Entsalzungskapazität von 8,85 Mio. m³/Tag.
Im Geschäftsjahr 2024/25 sicherte WABAG die Verlängerung der Betriebsführung für die Kläranlagen Madinaty Stage I & II (je 40.000 m³/d) bis Herbst 2026. Für die neue NOOR Smart City errichtet WABAG
zusammen mit der Alexandria Construction Company eine Kläranlage (10.000 m³/d) mit fortschrittlicher dreistufiger Aufbereitung zur Wasserwiederverwendung (Gesamtwert: 17,1 Mio. Euro; WABAG-Anteil ca. 8,7 Mio. Euro). Zudem liefert WABAG eine Kläranlage für Kafr Maghraby (rund 3 Mio. Euro).
Die Großanlage Ismailia (Trinkwasseraufbereitung, 180.000 m³/d) für die Suez Canal Authority startete Anfang 2025 in die Inbetriebnahme und konnte erfolgreich den Betrieb aufnehmen. Bis 2026 sollen 11 kommunale Kläranlagen in Betrieb gehen; drei davon – Komesyon Sharq, Al Hamoly und Taha El Besha – wurden 2024 fertiggestellt.
WABAG konzentriert sich bei der Angebotserstellung auf international finanzierte Großprojekte und ist inzwischen für mehrere davon präqualifiziert – darunter auch die Kläranlage Gabal El Asfar, die mit einer Kapazität von 1.000.000 m³/Tag eine der größten Kläranlagen weltweit sein wird. Das entsprechende Angebot wurde bereits eingereicht und befindet sich derzeit in der Evaluierungsphase.
WABAG Wien nimmt hier an Ausschreibungen teil, bei welchen die Lieferung der technischen Ausrüstung in EURO durch internationale Finanzinstitutionen abgesichert sind. Andere Kunden, wie etwa die Suez Canal Authority haben Zugang zu Devisen, die Talaat Mostafa Group ist eines der größten Konglomerate.
3.7 Niederlassung – WABAG Libyen
Die Situation in Libyen bleibt aufgrund der anhaltenden geopolitischen Instabilität und der allgemeinen Sicherheitslage weiterhin herausfordernd. Durch die anhaltenden innerpolitischen Verwerfungen zwischen Ost- und Westlibyen konnten wir keine essentiellen Fortschritte in den anderen Projekten verzeichnen.
Eine positive Entwicklung konnten wir bei der Kläranlage Al Quafia verzeichnen. Die Gemeinde Benghazi hat das Projekt Kläranlage Al Quafia wieder an die zentrale HIB (Housing & Infrastructure Board) übergeben, da die Einheitsregierung ein Budget für den Bau zur Verfügung gestellt hat. Im Rahmen dieses Projekts hat WABAG Österreich die Vertragserrichtungssteuer entrichtet und das Grundstück übernommen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte der vereinbarte Pauschalpreis einvernehmlich aufgrund gestiegener Kosten für Personal und Komponenten erhöht werden. Das lokale Akkreditiv wurde eröffnet. WABAG erwartet die Eröffnung des EURO Akkreditivs im Geschäftsjahr 2025/26, womit das Unternehmen mit der physischen Umsetzung des Projektes beginnen kann, nachdem die Planungs- und Mobilisierungs-Vorbereitungen bereits angearbeitet sind.
Aufgrund von Sicherheitsbedenken setzt WABAG weiterhin nur wenige Auslandsmitarbeiter in Libyen ein. In Antizipation der Abwicklung von Großprojekten hat WABAG das lokale Team in Libyen erweitert. Bei der Umsetzung der libyschen Projekte sind angemessene Preise und abgesicherte Zahlungen von entscheidender Bedeutung, auch wenn sich die Projektumsetzung durch die Preisanpassungen verzögern sollte.
3.8 Niederlassung – WABAG Saudi-Arabien
Saudi-Arabien zählt aktuell zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften – nicht nur im Ölsektor, sondern zunehmend auch in anderen Branchen. Im Rahmen der auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Vision 2030 werden zahlreiche Großprojekte umgesetzt oder befinden sich in Planung. Der saudi-arabische Markt bietet erhebliches Wachstumspotenzial im Bereich Wasser- und Abwasseraufbereitung. WABAG Wien hat gemeinsam mit WABAG Indien im Rahmen eines Joint Ventures im vergangenen Geschäftsjahr mehrere Angebote für Großprojekte im Bereich Meerwasserentsalzung abgegeben. Eines der herausragenden Projekte ist die Yanbu SWRO-Anlage mit einer geplanten Kapazität von 180.000 m³/Tag.
Darüber hinaus richtet WABAG Wien den Fokus verstärkt auf industrielle Wasseraufbereitungsanlagen (z. B. „Produced Water“) sowie auf kommunale Kläranlagen. In beiden Segmenten sehen wir signifikante Marktchancen, insbesondere im Hinblick auf langfristige Betriebsführungsmodelle, die wir im neuen Geschäftsjahr aktiv anbieten und weiterentwickeln werden.
Im April 2024 wurde unsere Niederlassung in Saudi-Arabien als Klasse-1-Auftragnehmer für EPC- Projekte im Bereich Wasser- und Abwasserbehandlung zertifiziert. Damit kann sich WABAG direkt an Ausschreibungen staatlicher und halbstaatlicher Auftraggeber wie SWCC, NWC, NHC, MODON und weiteren beteiligen.
3.9 Niederlassung – WABAG Iran
Der letzte Großauftrag im Iran, das Projekt in Shiraz, befindet sich in der finalen Betreuungsphase. WABAG setzt weiterhin gezielte Maßnahmen, um die vollständige Übergabe des Projekts abzuschließen. Das Taking-Over-Zertifikat wurde bereits im Jahr 2020 ausgestellt.
Die vertraglich vereinbarten Sicherheiten konnten seither weiter reduziert werden. Aufgrund der aktuellen geopolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind derzeit keine weiteren Geschäftsaktivitäten im Iran geplant. In diesem Zusammenhang wurde auch das lokale Personal deutlich reduziert.
3.10 Verkauf Tochtergesellschaften
Der gewinnbringende Verkauf der Tochtergesellschaft Rumänien wurde im vorliegenden Geschäftsjahr realisiert.
4
Chancen – und Risikobericht
Als international tätiges Unternehmen ist WABAG verschiedenen allgemeinen, branchenspezifischen und länderspezifischen Risiken ausgesetzt – etwa im Zusammenhang mit Projekten, Kunden sowie politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Rahmenbedingungen. Zur Risikominimierung setzt WABAG auf umfassende Kontroll- und Managementsysteme.
Zahlungs-, Währungs-, Inflations- und Kalkulationsrisken
Das Zahlungsrisikomanagement ist zentral für die erfolgreiche Umsetzung von WABAG-Projekten. Durch die Nutzung der österreichischen Exportgarantie (ÖKB) und sorgfältig verhandelte Zahlungskonditionen bei neuen Aufträgen wird eine möglichst geringe Vorfinanzierung sichergestellt. Zur Absicherung dienen vorrangig Akkreditive, die das Risiko von Zahlungsausfällen deutlich senken. WABAGs Kunden gelten als strukturell solvent – der öffentliche Sektor mit niedriger Ausfallwahrscheinlichkeit, die Industriekunden als international finanzstarke Unternehmen.
Fremdwährungsrisiken werden über einen Projektmix in lokalen Währungen sowie in EUR gesteuert.
Dieses Verhältnis wird laufend überprüft und bei Bedarf durch gezielte Währungsabsicherung ergänzt. Der gesamte Exportanteil wird – primär über Akkreditive – meistens in EUR abgewickelt.
Belastet durch den Ukraine-Krieg und inflationsbedingte Unsicherheiten wurden Risikoabschätzungen für langfristige Projekte erschwert – mittlerweile ist eine gewisse Stabilisierung eingetreten. Strukturell nicht auskömmliche Pauschalpreise befinden sich nicht in WABAGs Auftragsportfolio. Der Anteil an Cost-Plus-Verträgen, wie etwa für ägyptische Aufträge gelebt, reduziert das Inflationsrisiko deutlich, da Preissteigerungen in der Umsetzung an die Kunden weitergegeben werden, ohne Nachträge stellen zu müssen.
Risikominimierung durch strategische Entscheidungen
Im vergangenen Wirtschaftsjahr hat das Management die implementierten Maßnahmen zur Risikostreuung und -minimierung weiterhin strikt verfolgt, indem es auf geografische Diversifikation und eine Kombination aus Lieferaufträgen und Generalunternehmer-Projekten (EP/C) setzte. Diese Strategie wurde im Geschäftsjahr 2024/25 konsequent fortgesetzt. Zudem verfolgt das Management entschlossen die Strategie, errichtete Anlagen zu betreiben oder die Betriebsführung zu überwachen.
Dadurch kann nicht nur die hohe Qualität der neuen Anlagen sichergestellt, sondern auch nach Inbetriebnahme durch professionelles Betriebsmanagement ein regelmäßiger Cashflow generiert werden.
Projektrisken
WABAG Wien unternimmt die Minimierung der typischen Projektrisiken eines EPC-Vertrags im Anlagenbau für Wassertechnikprojekte. Schnittstellenprobleme mit lokalen Behörden oder Zulieferern lassen sich durch lokale Teams adressieren, unvorhergesehene Baugrundverhältnisse sind üblicherweise nicht Risiko der Werkunternehmerin, technische Änderungen lassen sich durch eine sorgfältige Vorplanung reduzieren. Währungs- und Preisrisiken bei internationalen Beschaffungen lassen sich dadurch reduzieren, dass der lokale Teil und der importierte Teil eines Anlagenbauvertrages getrennt werden.
Liquiditätsrisiko
Die Verschiebungen der prognostizierten Auftragseingänge führten zur Prüfung der bestehenden Cashflow-Planung, um etwaige daraus resultierende Liquiditätsengpässe rechtzeitig erkennen zu können. Das Ergebnis der Prüfung ist, dass die Verschiebungen der Auftragseingänge keine maßgebliche Auswirkung auf die Cash Situation des Unternehmens hat.
Die Liquidität des Unternehmens ist stabil aus zweierlei Gründen. Einerseits forciert das Unternehmen weiterhin eine strikte „back-to-back“ Zahlungsphilosophie in den Verträgen mit den Unterlieferanten des Unternehmens, d.h. es werden auf Projektebene nur Zahlungen durchgeführt, welche das Unternehmen auch von dem seinem Kunden erhält.
5 Ausblick
Synergien
Durch enge Abstimmung zwischen WABAG Österreich und WABAG Türkei konnte eine äußerst kosteneffiziente Struktur etabliert werden, die im globalen Wettbewerb erfolgreich besteht. Die Konzentration der Projektabwicklung in kosteneffiziente Niederlassungen war erfolgreich und wurde weiter ausgebaut. Mit identen Strukturen im Qualitätsmanagement von WABAG Wien und WABAG Türkei ist ein hohes Qualitätsniveau bei Angebotsausarbeitung und Abwicklung gewährleistet. Die intensive Kooperation mit der Muttergesellschaft in Indien ermöglicht es WABAG Wien, an Großprojekten wie Yanbu SWRO (180.000m³/Tag) in Saudi-Arabien teilzunehmen.
Wettbewerb
WABAG Wien richtet den Fokus auf Projekte, die den Einsatz moderner und innovativer Technologien erfordern, mit dem Ziel, qualitative Wettbewerbsvorteile geltend zu machen.
Die generelle Notwendigkeit, sich auch über Referenzen qualifizieren zu müssen, stellt für Wettbewerber eine Eintrittsbarriere dar.
Markt
In Europa sowie Nordafrika und dem Nahen/Mittleren Osten wächst der Druck zur Modernisierung und zum Ausbau wassertechnischer Infrastruktur – getrieben durch Wasserknappheit, strengere Umweltauflagen und den Klimawandel. Besonders Water Reuse gewinnt an Bedeutung, um Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit zu stärken. Auch Industrieunternehmen investieren
zunehmend in Wasseraufbereitung und Wiederverwendung, um Betriebskosten zu senken, Versorgung zu sichern und ESG-Vorgaben zu erfüllen. Der Markt wächst dynamisch, vor allem in wasserarmen Regionen und bei multinationale Konzernen mit Nachhaltigkeitszielen.
Die Strategie, gelieferte Anlagen selbst zu betreiben oder ihren Betrieb zu überwachen, soll künftig zu stabileren Einnahmen führen. Gleichzeitig entsteht dabei wichtiges Fachwissen – etwa zur Optimierung von Strom- und Chemikalienverbrauch –, das den Umweltschutz in der Praxis verbessert.
WABAG Wien sieht die Grundlage für zukünftigen Auftragseingang zunehmend auch in Projekten innerhalb Europas. Insbesondere die Erweiterung der Produktionskapazitäten in der Halbleiterindustrie (Semi-Conductor Segment) sowie in der Pharmaindustrie eröffnen neue, technologisch anspruchsvolle Projektmöglichkeiten. In diesen Branchen besteht hoher Bedarf an innovativen Lösungen zur Reinstwassererzeugung und Abwasserbehandlung, die zu den Kernkompetenzen von WABAG zählen. Gleichzeitig rückt auch Afrika verstärkt in den Fokus. Der Kontinent weist einen enormen infrastrukturellen Aufholbedarf auf – sowohl im Bereich kommunaler Kläranlagen als auch bei der Trinkwasserversorgung. Besonders die Errichtung von Meerwasserentsalzungsanlagen wird dabei eine zentrale Rolle spielen, um eine zuverlässige Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser sicherzustellen. In diesen Regionen erwarten wir größere Investitionsvorhaben, die für WABAG Wien erhebliche Geschäftschancen bieten.
Ein Fokus des Unternehmens liegt auf Projekten mit einer gesicherten Finanzierung, wie beispielsweise durch die Weltbank, die Europäische Investitionsbank (EIB) oder österreichische Softloans. Ausschlaggebend ist die Sicherung der Projektfinanzierung, gemeinsam mit einer Zahlungsgarantie, wie zB in Form eines Akkreditivs. Mit neuen Finanzierungspartnern wurden neue Vereinbarungen über Bankgarantierahmen abgeschlossen. WABAG Wien verfügt derzeit über beträchtlich mehr Avalkredit Rahmen, als sie aktuell nutzt. Mit Einsatz des ebenfalls starken Referenzportfolios erlaubt dies die Teilnahme an Ausschreibungen für Großprojekte, welche vielen Wettbewerbern verschlossen bleiben.
Der Schwerpunkt der Geschäftsführung im Geschäftsjahr 2025/26 liegt auf dem Auftragseingang. Wichtiges Kriterium ist ein indexangepasster Preis oder ein auskömmliches Preisniveau.
Umwelt
Das Geschäft von WABAG basiert auf Umweltschutz und Versorgungssicherheit. Mit Anlagen zur Wasseraufbereitung und Abwasserbehandlung leistet WABAG einen wesentlichen Beitrag zur Wassersicherheit und zum Schutz von Gewässern.
Angesichts zunehmender Wasserknappheit wächst die Nachfrage nach Wasserwiederverwendung. WABAG ist Pionier in diesem Bereich – im kommunalen wie im industriellen Sektor – und wurde mehrfach international ausgezeichnet (u. a. Energy Globe Award 2022 für Madinaty, World Energy Globe Award 2023 für Jubail). Auch die Entfernung von Mikroverunreinigungen sowie antibiotikaresistenten Keimen in Trink- und Abwasser gewinnt an Bedeutung.
Ein weiterer Fokus liegt auf energieoptimierten Lösungen – etwa durch nachhaltige Schlammbehandlung mit Energierückgewinnung aus Biogas – und damit auf aktivem Klimaschutz. Lokale Beschaffung und kurze Transportwege verbessern zusätzlich die CO₂-Bilanz und fördern die wirtschaftliche Entwicklung vor Ort.
Gesellschaft
Die Unternehmenskultur von WABAG integriert soziale Verantwortung als festen Bestandteil. Offene Kommunikation, Sicherheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter*innen haben höchste Priorität. Ausund Weiterbildung sind zentrale Elemente der HR-Strategie und werden durch individuelle Programme und regelmäßige Mitarbeitergespräche unterstützt.
WABAG steht für Vielfalt, Chancengleichheit und gelebte Gleichbehandlung – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Religion. Die Arbeitnehmerrechte sind gewährleistet, der Betriebsrat stärkt den Dialog zwischen Belegschaft und Geschäftsführung.
Auch bei Lieferanten legt WABAG Wert auf soziale Verantwortung: Audits prüfen neben technischer und kommerzieller Leistung auch Kriterien wie Menschenrechte, Arbeitspraktiken, Gleichbehandlung und den Ausschluss von Kinderarbeit.
Wien, 10.07.2025 Mahmut Gedek, Geschäftsführung