Inhaltsverzeichnis
1. Geschäftsverlauf und wirtschaftliche Lage des Unternehmens
1.1. Wirtschaftliches Umfeld
Die weltweite wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2024 war insgesamt gesehen resilient, vor allem durch USA und China. Der Trend zu immer weiteren Handelsrestriktionen verstärkt die negative Entwicklung der Weltwirtschaft. Die Konjunktur bremste sich nun auch außerhalb Europas merklich ein und die Wachstumsprognosen für die Folgejahre wurden nach unten angepasst. Die Rahmenbedingungen für die produzierende Industrie speziell in Deutschland und Österreich haben sich hinsichtlich der Energiepreise zwar moderat verbessert, die hohen Lohnabschlüsse lassen das Pendel allerdings in die gegensätzliche Richtung ausschlagen. Insgesamt hat sich die globale Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Unternehmen nicht maßgeblich verbessert. Zusammenfassend bedeutet dies, dass 2024 ein weltweites BIP von 3,2% erreicht wurde, was auf dem Vorjahresniveau liegt. Europa verzeichnet eine leichte Erholung. Die Eurozone stieg leicht auf +0,7% (VJ +0,5%). Deutschland verzeichnet zwar noch immer kein Wirtschaftswachstum, und sank daher leicht auf -0,2% (VJ -0,1%). Die USA verzeichnete einen leichten Anstieg und lag bei +2,8% (VJ +2,5%), und auch in China sank das Wirtschaftswachstum auf +5,0% (Vorjahr +5,2%). Somit waren die wirtschaftlichen Bedingungen im Geschäftsjahr 2024/25 regional gesehen sehr unterschiedlich und dementsprechend schwierig bzw. unsicher. (source: OECD Economic Outlook, Interim Report March 2025)
1.2. Geschäftsverlauf
Bereits im Laufe des vorangegangenen Geschäftsjahres 2023/24 war bei allen Produktgruppen eine starke Eintrübung zu spüren, die sich im Verlauf des Geschäftsjahres 2024/25 nicht verbesserte und letztlich in einem merklichen Nachfragerückgang mündete. Im ersten Quartal im Geschäftsjahr 2024/25 konnte trotz der weiter sinkenden Auftragsstände noch ein halbwegs gutes Ergebnis erzielt werden. In weiterer Folge reduzierten sich die Absatzmengen auf das Niveau der stark rückläufigen Nachfragesituation. Letztlich konnte im Geschäftsjahr 2024/25 ein Jahresumsatz von insgesamt MEUR 177,8 erzielt werden. Dies bedeutet einen Rückgang zum Vorjahr von MEUR -44,3 (rund -20%). Die Exporterlöse betragen MEUR 161,7 (Vorjahr: MEUR 202,2) und stellen eine Exportquote von 91% (Vorjahr: 91%) dar. Der Umsatzrückgang ist auf die weiterhin konjunkturell bedingte Abschwächung der Absatzmärkte etlicher Branchen zurückzuführen. Weiters ist auch die aktuelle instabile weltpolitische Lage ein weiterer Grund für die rückläufige Konjunktur.
1.3. Finanzielle Leistungsindikatoren
Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (Betriebserfolg, EBIT) im GJ 2024/25 beträgt TEUR -768,2 und liegt damit sehr deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (TEUR 11.513,9). Die negative EBIT-Marge liegt mit -0,4% ebenfalls deutlich unter jener des Vorjahres (5,2%). Die Basis für die deutliche Ergebnisverschlechterung liegt schwerpunktmäßig im verstärkten Rückgang der Absatzmengen. Gestiegene Kosten, vor allem im Bereich Energie und Vormaterial (getrieben durch hohe Energie- und Legierungszuschläge), sowie überdurchschnittliche Personalkostenerhöhungen aus den hohen KV-Abschlüssen der letzten beiden Jahre drücken zusätzlich auf die Ergebnislage.
Die Eigenkapitalquote liegt mit 32,2 % um 2 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahr. Die Nettofinanzverschuldung beträgt im Abschlussjahr TEUR 89.991,3 (Vorjahr: TEUR 85.740) und ist damit über dem Niveau des Vorjahres. Der Cashflow aus dem operativen Bereich beträgt TEUR 11.977,3 (Vorjahr: TEUR 40.555). Der Cashflow aus der Investitionstätigkeit beträgt TEUR -11.649,9 (Vorjahr: TEUR -14.802). Der Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit beträgt TEUR -342,6 (Vorjahr: TEUR -25.752).
1.3.1.
Beschaffungsbereich
Im zweiten Halbjahr des Geschäftsjahre 2024/25 waren die Stahlpreisindikatoren leicht rückläufig. Die Legierungszuschläge befinden sich bei den meisten für die Gesellschaft relevanten Stahlgüten auf stabilem, aber relativ hohem Niveau. Die Spotpreise für Energie und die Energiezuschläge der Vormateriallieferanten sind immer noch belastende Kostenfaktoren. Die Energiezuschläge sind seit November wieder leicht steigend.
1.3.2.
Produktions- und Leistungsbereich
Die Produktionskapazität wurde aufgrund der eingetrübten Nachfragesituation auf entsprechendes Niveau reduziert. Die Maßnahmen zur Anpassung der Produktionsmengen wurden laufend evaluiert. Die Versorgung mit Warmbandvormaterial im Geschäftsjahr 2024/25 war gut und stabil, auch die Versorgung mit HSS-Draht war problemlos.
Wie bereits in den vergangenen Jahren wurden und werden Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung und Kostenoptimierung weiter konsequent umgesetzt. Die Abwicklung und Verfolgung dieser Maßnahmen erfolgt im Rahmen eines KVP‘s (Kontinuierliches Verbesserungsprogramm).
1.3.3.
Investitionsbereich
Die Zugänge ins Anlagevermögen betragen im abgelaufenen Geschäftsjahr TEUR 9.890,8 davon TEUR 0,70 in immaterielle Wirtschaftsgüter, TEUR 9.890,1 in das Sachanlagevermögen (Maschinen, maschinelle Anlagen sowie Grundstücke und Bauten). Der einzige Abgang im Finanzanlagevermögen betrifft die Wertpapiere des Anlagevermögens.
1.4. Nichtfinanzielle Leistungsindikatoren
Das Unternehmen sieht sich als Qualitätsführer in seinen Produktbereichen und betreibt aus dieser Position ein umfassendes Qualitätsmanagement. Das Unternehmen ist gem. ISO 9001:2015 zertifiziert. Im Zuge der Umsetzung der Umweltstrategie hat das Unternehmen bereits ein Umweltschutzmanagementsystem implementiert, welches gem. ISO 14001:2015 zertifiziert ist. Seit April 2016 ist auch ein Energiemanagementsystem im Unternehmen implementiert, das aktuell nach ISO 50001:2018 zertifiziert ist.
Die Gesellschaft beschäftigt im GJ 2024/25 im Jahresdurchschnitt 875 Mitarbeiter (569 Arbeiter, 222 Angestellte und 84 Lehrlinge). Das Unternehmen arbeitet laufend an der Erhaltung bzw. Verbesserung der Arbeitssicherheit. Zum Zweck der Standardisierung von Sicherheits- und Arbeitsschutzaktivitäten betreibt das Unternehmen ein Arbeitsschutzsystem, welches nach ISO 45001:2018 zertifiziert ist.
1.5. Forschung und Entwicklung
Das F&E-Programm der voestalpine Precision Strip GmbH basiert auf der strategischen Planung und beinhaltet sowohl Produkt- als auch Prozessentwicklungen. Die Aktivitäten werden in enger Zusammenarbeit im Forschungsverbund der voestalpine-Gruppe, den Universitäten und diversen Forschungszentren durchgeführt.
1.6. Zweigniederlassungen
Die Gesellschaft betreibt keine Zweigniederlassungen.
2. Risiken und voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens
2.1. Risikomanagement
Das implementierte Risikomanagement basiert auf einem revolvierenden Prozess, der mindestens einmal jährlich durchlaufen wird und bei dem potenzielle Risiken identifiziert und dokumentiert werden. Für die identifizierten Risiken werden entsprechende Maßnahmen definiert, die nach einem festgelegten Zeitplan abgearbeitet werden. Dokumentiert werden unter anderem Betriebs-, Markt-, Umwelt- Technologie-, IT- sowie finanzielle Risiken. Forderungen aus Lieferungen werden weitgehend durch eine Warenkreditversicherung bzw. sonstige Sicherstellungen abgesichert. Die Liquidität und die Rentabilität werden durch entsprechende Finanz- und Controllinginstrumente, wie beispielsweise Finanzplan, Liquiditätsstatus sowie monatlichen Produktergebnisrechnungen, verfolgt.
Um die Gasversorgung (insbesondere an den österreichischen Standorten) sicherzustellen, hat sich der voestalpine-Konzern mit Mai 2022 eigene Gasspeicher vertraglich gesichert. Mit einer bestehenden Reserve von 1,5 TWh Gas kann im Ernstfall bei völligem Ausfall der externen Versorgung drei Monate lang der Vollbetrieb bzw. in Abhängigkeit von der jeweiligen Produktionsfahrweise ein Teilbetrieb über einen entsprechend längeren Zeitraum aufrechterhalten werden. Weiters wurde und wird mit bestehenden als auch neuen Lieferant:innen an der Ausweitung der Gasbezugsquellen gearbeitet.
Gemäß Vorstandsbeschluss wurde seit Februar 2025 mit der Ausspeisung vom Erdgasspeicher begonnen. Dieser soll bis März 2026 auf die Hälfte abgebaut werden, was bei der aktuellen Geschäftslage einer Reichweite von rund zwei Monaten entspricht.
2.2. Finanzinstrumente
Die derivativen Finanzinstrumente dienen ausschließlich der Absicherung von Währungsrisiken aus zu Grunde liegenden Liefer- und Leistungsgeschäften und den damit verbundenen Bilanzpositionen sowie der Absicherung budgetierter Umsätze oder anderer Cashflows. Die derivativen Finanzgeschäfte sind laufenden Risikokontrollen unterworfen und werden unter strikter Funktionstrennung in Handel, Abwicklung, Dokumentation und Kontrolle bei der voestalpine AG, Linz durchgeführt.
Zu den eingesetzten Sicherungsgeschäften gehören insbesondere Devisentermingeschäfte. Es werden keine Derivate zu Handels- oder Spekulationszwecken verwendet.
2.3. Voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens (Prognosebericht/Ausblick)
Das weltweite BIP war im Jahr 2024 mit +3,2% auf dem Niveau vom Vorjahr und wird sich laut Einschätzung der OECD 2025 voraussichtlich auf +3,1% und 2026 auf +3,0% abschwächen. Grundlage dieser Prognose sind die ausgedehnten höheren Handelsbarrieren und geopolitische Unsicherheiten. Eine weitere Zersplitterung der globalen Wirtschaft stellt ein essenzielles Risiko dar und hätte direkte Auswirkungen auf Wachstum und Inflation. Die Wirtschaftsforscher rechnen derzeit mit einem leichten Anstieg des Wachstums von +1,0% für die Eurozone für 2025. Das von der deutschen Regierung angekündigte Infrastruktur- und Rüstungspaket hat die Wachstumsprognosen für Deutschland verbessert. Für 2025 werden +0,4% und für 2026 +1,1% prognostiziert. Obwohl das Ausgangsniveau für USA und China deutlich höher liegt als in Europa, zeigen die Prognosen eine Verschlechterung des Wachstums für diese beiden Länder. Aktuell liegen die Prognosen für USA bei +2,2% und China bei +4,8%.
Eine sichere und stabile Energieversorgung wird auch weiterhin ein wesentlicher Aspekt für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens sein. Hier wurde mit dem im voestalpine Konzern angelegten Gasspeicher ein wichtiger Schritt zur Risikominimierung gemacht.
Der Ausblick für die Nachfrage nach Bandstahlprodukten zeigt, basierend auf den aktuellen Auftragseingängen, bei allen Produktgruppen ein reduziertes, aber stabiles Niveau. Die Kunden haben im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024/25 weiterhin vorsichtig bestellt und ihre Lagerplanung angepasst. Zum Zeitpunkt der Berichterstellung wird daher für die weitere Geschäftsentwicklung der voestalpine Precision Strip GmbH im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 ein stabiler Umsatz auf aktuellem Niveau und im zweiten Halbjahr ein moderater Anstieg der Mengen prognostiziert.
Böhlerwerk, 6. Mai 2025
Die Geschäftsführung
Dipl.-Ing. Dr. Stefan Punz
Di (FH) Erik Berger
Mag. Kar Wegerer, MBA