Inhaltsverzeichnis
1. Geschäftsverlauf, Geschäftsergebnis und Lage des Unternehmens
1.1 Geschäft und Rahmenbedingungen
Die Hendrickson Austria GmbH ist ein Joint Venture Unternehmen und ist zum Bilanzstichtag zu 50% im Besitz der Hendrickson Commercial Vehicle Systems Europe GmbH und zu 50% im Besitz der BPW Finans A/S. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Produktion von Parabellenkern und Parabelfedern für die Nutzfahrzeugindustrie.
Die Wirtschaftslage im Jahr 2025 gestaltete sich sehr schwierig. Die Kapazitätsauslastung ist auf 74 % gesunken, was auf eine schwache Nachfrage und ungenutzte Produktionspotenziale hinweist.
Die Geschäftsführung der Gesellschaft bestand während des gesamten Jahres aus einem Mitglied. Des Weiteren ist ein Prokurist eingetragen.
Allgemeine Marktsituation
Im Jahr 2025 verringerte sich der Umsatz der Hendrickson Austria GmbH um 6 % gegenüber dem Vorjahr, die Absatzmenge verringerte sich um 10 %.
Die Auftragslage für 2025 entsprach am Beginn des Jahres im Wesentlichen den Planungen, allerdings blieb die wirtschaftliche Erholung aus, sodass im Laufe des Jahres die Mengen unterhalb der Erwartungen lagen. Insbesondere im 4. Quartal wurden Mengen reduziert, sodass die mengenmäßigen Erwartungen an das Jahr 2025 deutlich verfehlt wurden. Der Personalstand am Beginn und am Ende des Jahres war exakt gleich hoch, jedoch wurde der Anteil an eigenen Mitarbeitern reduziert, da pensionsbedingte Austritte durch Leiharbeiter kompensiert wurden.
Der Exportanteil im Jahr 2025 erhöhte sich gegenüber 2024 geringfügig auf ca. 74 % (Vorjahr: 70 %). Dieser Wert ist allerdings dahingehend zu relativieren, dass wesentliche Kunden über eine zentrale Verkaufsgesellschaft, die Hendrickson Commercial Vehicle Systems Europe mit Sitz in Österreich, bedient werden und somit signifikante Umsätze nicht als Export aufscheinen.
Der Produktmix veränderte sich gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig, zum Großteil wurden in Judenburg nur noch Parabellenker produziert. Parabelfedern wurden im Jahr 2025 für zwei Kunden in sehr geringen Mengen produziert.
Der Mix stellt sich für das Jahr 2025 somit wie folgt dar:
| 93 % als Parabellenker | (2024 95 %) |
|---|---|
| 6 % als Parabelfedern | (2024 2 %) |
| 1 % als Federblätter u. sonstige Produkte | (2024 3 %) |
Hauptabsatzmärkte waren Deutschland, Ungarn, Schweden, Niederlande und Österreich.
1.2 Geschäftsergebnis, Ertragslage
Mit 8.781 Tonnen lag die Absatzmenge um 10 % unter dem Wert des Vorjahres (2024: 9.735 Tonnen). Die Umsatzerlöse betragen im Jahr 2025 24,025 Mio. € (2024: 25,573 Mio. €) und sind damit um 6 % gesunken.
Der Betriebserfolg verschlechterte sich gegenüber dem Vorjahr auf -0,186 Mio. € (im Vergleich 2024: -0,102 Mio. €) und ist daher weiterhin negativ.
Das Jahresergebnis betrug -0,267 Mio. € (Vorjahr: -0,146 Mio. €). Der Hauptgrund für dieses negative Ergebnis lag in der schlechten Auftragssituation, welche zu einer Auslastung von lediglich 74% führte. Weiters beeinflussten die weiterhin hohen Energiepreise und eine hohe Krankenstandsrate im Produktionsbereich das Ergebnis negativ.
Analog zum Vorjahr wurden auch im Geschäftsjahr aktive latente Steuern angesetzt. Die angesetzte aktive latente Steuer beträgt 0,290 Mio. € (Vorjahr: 0,290 Mio. €).
Die EBITDA-Marge 2025 lag mit 1,1% unter dem Niveau des Vorjahres (2024: 1,4 %).
1.3 Finanzlage
Der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit betrug 0,544 Mio. € (Vorjahr: 0,220 Mio. €). Die Investitionen in das Anlagevermögen betrugen im Jahr 2025 1,687 Mio. €, wobei der Großteil davon (1,657 Mio. €) auf ein neues automatisches Bearbeitungszentrum entfielen. Mittels dieser Investition wird die mechanische Bearbeitung der Parabellenker durch den Einsatz von Robotern automatisiert und dadurch die Produktivität erhöht.
1.4 Vermögenslage
Zum 31.12.2025 betrug die Bilanzsumme 8,235 Mio. € (Vorjahr: 8,510 Mio. €), die URG- Eigenmittelquote belief sich auf 14,4 % (Vorjahr 17,1 %).
Das Unternehmen weist zum Bilanzstichtag 31.12.2025 Eigenmittel von 1,180 Mio. € (Vorjahr: 1,446 Mio. €) aus.
1.5 Forschung und Entwicklung
Nach der Übernahme der europäischen Federgruppe durch den amerikanischen Hendrickson- Konzern wird insbesondere im Bereich der F&E intensiv zusammengearbeitet. Der durch das wesentlich umfangreichere Produktportfolio der Amerikaner gegebene Know-how Vorsprung wird nun auch auf europäischer Ebene genutzt, um neue Aufträge zu gewinnen. Durch diesen Zugewinn an Entwicklungsstärke erwarten sich die europäische Gruppe und somit auch der Standort Judenburg mittelfristig vermehrt Aufträge aus der europäischen Nutzfahrzeug- und Trailerindustrie.
1.6 Zweigniederlassungen
Die Gesellschaft unterhält keine Zweigniederlassungen.
2. Voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens (Prognosebericht)
Die Auftragssituation am Beginn des Jahres 2026 liegt auf etwas höherem Niveau als 2025, trotzdem liegt die Werksauslastung nur bei ca. 80%.
Dieser Situation wird mit einem angepassten Schichtsystem Rechnung getragen, wobei die Hauptanlagen nicht über die gesamte Woche betrieben werden und die Mitarbeiter daher an unterschiedlichen Maschinen flexibler eingesetzt werden.
Mit der Inbetriebnahme des neuen automatischen Bearbeitungszentrums zu Beginn des Jahres 2026, insbesondere für die absatzstarken Teile, wird die Produktivität des Werkes deutlich verbessert werden, da mit weniger Personal dieselbe Menge produziert werden wird. Eine entsprechende Anpassung des Mitarbeiterstandes wird im Laufe des ersten Halbjahres erfolgen. Darüber hinaus werden die Arbeitsbedingungen in diesem Bereich deutlich verbessert werden, wodurch sowohl die Fluktuation wie auch die Krankenstandsrate in diesem Bereich deutlich verbessert werden sollte.
Durch ein verändertes Transportsystem innerhalb der Parabelwalzanlage Nord werden die Fertigungsmöglichkeiten erweitert, wodurch eine wenig genutzte Anlage stillgelegt werden kann. Damit werden einerseits Reparaturkosten reduziert, wesentlich wichtiger ist aber die Reduktion des Erdgasverbrauches dieser Anlage.
Hinsichtlich Verbesserung der Auftragsbestände gibt es Gespräche mit einem Kunden zur Ausweitung der Geschäftsbeziehungen. Innerhalb des ersten Quartals sollten die entsprechenden Gespräche abgeschlossen werden.
Mit Beginn des Jahres 2026 wurde für einige Highrunner-Produkte eine Materialumstellung umgesetzt, womit die Materialkosten gesenkt werden können. Die Verwendung dieses Materials soll in der Folge auf weitere Produkte ausgeweitet werden. Diesbezüglich laufen Freigabeverfahren mit mehreren Stahllieferanten und auch mit zwei Kunden.
Aufgrund der angeführten Punkte sollte trotz der noch nicht zufriedenstellenden Werksauslastung ein positives Ergebnis im Jahr 2026 erwirtschaftet werden können.
3. Risikoberichterstattung
3.1 Wettbewerbsrisiko und Kundenrisiko
Das Unternehmen befindet sich im Wettbewerb mit anderen Unternehmen, dem wir uns durch intensive Kundenorientierung, aber auch durch Kostensenkungen, Produktivitätssteigerungen, Innovationen und Preisanpassungen stellen müssen.
Im Bereich der Produktion von Parabelfedern und Parabellenker werden üblicherweise Einoder Mehrjahresverträge abgeschlossen, die die Produkte und Konditionen definieren, die Liefermengen für den Gesamtzeitraum aber nicht verbindlich festlegen. Der Abschluss bzw. die Verlängerung von solchen Verträgen hängt von der Wettbewerbsfähigkeit des Zulieferers ab, die primär durch die Preise der angebotenen Produkte, aber auch durch die Lieferfähigkeit, logistische und qualitative Verlässlichkeit und durch die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit dem Kunden bei Neuentwicklungen bestimmt wird.
Kundenrisiken bestehen auch als Bonitätsrisiken und Zahlungsausfallsrisiken. Im Falle der Hendrickson Austria GmbH wird ein Großteil der Lieferungen an die beiden Eigentümergesellschaften fakturiert. Für diese Umsätze ist somit ein pünktlicher Zahlungseingang sichergestellt. Lediglich bei den Kleinkunden wird direkt fakturiert, das Zahlungsausfallsrisiko ist aber zum Bilanzstichtag als gering einzustufen (Durchschnittliche Außenstandsdauer: 15 Tage).
3.2 Technische Risiken
Technologisch bedingte Substitutionsrisiken für Federn sind durch die langen Laufzeiten bei der Entwicklung von LKW-Serien kurzfristig nicht gegeben, langfristig aber durch die Entwicklung neuer Dämpfungs- und Achssysteme möglich und daher durch laufende Beobachtung sowie Teilnahme an der technischen Entwicklung zu kontrollieren.
3.3 Abhängigkeit von der konjunkturellen Entwicklung und politische Risiken
Für die Geschäftsentwicklung von LKW-Komponenten ist die Konjunkturentwicklung in Europa von Bedeutung. Konjunktureinflüsse aus den Exportländern bestehen jedoch für die Komponenten, die eingebaut in LKW in den Nahen und Mittleren Osten sowie nach Russland und Asien exportiert werden. Bei den Exporten in diese Regionen können auch Risiken der politischen Entwicklung schlagend werden. So führte die Krise in der Ukraine mit einhergehenden Sanktionen gegen Russland zu deutlichen Produktionsrückgängen bei einigen Kunden. Aufgrund des großen Marktanteiles und der bestehenden Rahmenverträge mit den LKW-Herstellern wirken sich Nachfrageveränderungen nach LKWs in diesen Märkten unmittelbar und kurzfristig auf den Absatz der Produkte aus und sind kurzfristig kaum beeinflussbar.
Der LKW-Markt hat die Charakteristika eines Investitionsgütermarktes und ist dementsprechend ein zyklischer Markt, der neben den allgemeinen Konjunktureinflüssen die Nachfrage nach Transportdienstleistungen und, derzeit in geringerem Ausmaß, die Entwicklung der Zinsen für Investitionskredite widerspiegelt.
3.4 Umweltrisiken
Wir erfüllen alle umweltrelevanten Auflagen, gesetzlichen Bestimmungen, Verordnungen und Bescheide. Die Mitarbeiter werden über alle Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsbelange umfassend informiert und geschult.
Weiters erfüllen wir alle Auflagen der zuständigen Behörden, die an uns ergangen sind. Durch entsprechende Überprüfungen und Aufzeichnungen wird dies auch dokumentiert. Wenn auch gegenwärtig keine offenen Verfahren zu Umweltthemen gerichtlich oder außergerichtlich anhängig sind, so kann nicht ausgeschlossen werden, dass zukünftige Gesetzesänderungen bzw. die Entdeckung von aus der Vergangenheit herrührenden Umweltrisiken einen nachteiligen Einfluss haben könnten.
3.5 Betriebliche Risiken
Die Produktion von Federn ist im Wesentlichen ein Walz- bzw. Biege- und Vergüteprozess von glühendem Stahl, der mit erhöhten Brandgefahren verbunden ist. Bei all diesen Prozessen gibt es Produktionsausfallsrisiken und Sicherheitsrisiken. Durch Arbeits- und Verfahrensanweisungen, Schulungsmaßnahmen, laufende Instandhaltung und Überprüfung sowie durch den Abschluss von Versicherungsverträgen werden Risiken möglichst minimiert. Außerdem ist es bei Federn und Lenkern möglich, einzelne Produktionsschritte auf andere Standorte zu verlagern.
Die Verfügbarkeit von Stahl wird durch langfristige Lieferantenbeziehungen sichergestellt. Preiserhöhungen beim Stahl sind durch entsprechende Vereinbarungen mit den Kunden zum überwiegenden Teil für ein Jahr abgesichert.
Die Energiekosten haben einen wesentlichen Einfluss auf die Produktionskosten und damit auf die Ertragslage der Gesellschaft. Die Energiebedarfsmengen werden gemeinsam mit unseren Nachbarbetrieben, welche ebenfalls in der Metallindustrie tätig sind, für bis zu drei Jahre im Voraus mengenmäßig und kostenmäßig fixiert. Versorgungsengpässe insbesondere bei Erdgas, das einen wesentlichen Energieträger darstellt, können auftreten, falls es zu Einschränkungen von Gaslieferungen nach Europa kommen würde. Durch die Investition in einen Induktionsofen und dem damit einher gehenden Wegfall eines mittels Erdgases betriebenen Ofen, konnte dieses Risiko deutlich minimiert werden.
Gewährleistungs- und Produkthaftungsrisiken bei Federn, die als sicherheitskritische Teile besonderen Anforderungen und Normen unterliegen, können zu Gewährleistungsansprüchen und Rückrufaktionen der LKW-Hersteller führen.
Diese Risiken werden intern durch Schulungs- und Ausbildungsprogramme, Arbeitsanweisungen, Qualitätskontrollen und Produkttests und extern durch Kundenaudits minimiert und durch eine Produkthaftungsversicherung sowie eine Rückrufversicherung abgesichert.
3.6 Finanzwirtschaftliche Risiken
Aus dem operativen Geschäft ergeben sich finanzielle Risiken, die einen maßgeblichen Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- oder Ertragslage haben können. Zur Sicherung der Liquidität wurde bereits im Jahr 2020 ein Gesellschafterdarlehen der Hendrickson Commercial Vehicle Europe GmbH an die Gesellschaft i.H.v. TEUR 500 ausgegeben. Ebenfalls wurden bereits im Jahr 2022 zwei Gesellschafterdarlehen der Hendrickson Commercial Vehicle Europe GmbH und der BPW Finans A/S in Höhe von jeweils TEUR 250 zur Liquiditätssicherung aufgenommen.
Der Liquiditätsbedarf wurde im Jahr 2025 im Rahmen der Treasury-Funktion der Hendrickson Europe gesteuert und detailliert überwacht. Auch bei einer gegenüber der Vorschaurechnung kurzfristig ungünstigeren Geschäftsentwicklung ist aus heutiger Sicht die erforderliche Liquidität abgesichert.
Judenburg, am 23. März 2026
DL(FH) Armin Gößler