Inhaltsverzeichnis
1. KAPITAL- UND ANTEILSRECHTE
Das Stammkapital der Gesellschaft beträgt 135,0 Mio. € und ist zur Gänze einbezahlt. Die Stammeinlagen wurden von der Konzernmutter, der voestalpine AG (99 %), Linz, und der Donauländischen Baugesellschaft m.b.H. (1 %), Linz geleistet.
2. MARKT- UND UMSATZENTWICKLUNG
Entwicklung der Absatzmärkte
Im Jahr 2025 war die europäische Stahlindustrie erneut von einer schwachen Nachfrage geprägt. Das Marktumfeld blieb herausfordernd, da sich die konjunkturelle Erholung langsamer entwickelte als erwartet. Für 2026 prognostiziert die CRU eine anhaltend schwache Entwicklung der europäischen Stahlnachfrage mit einem Rückgang von 1,2 %, während für 2027 ein deutlicher Nachfrageanstieg von 4,8 % erwartet wird1 . Das stetig zunehmende Interesse an grünem Stahl führt in allen Segmenten zu steigenden Mengenbedarfen an greentec steel.
Automobilindustrie
Die europäische Automobilindustrie war im Geschäftsjahr 2025/26 aufgrund der allgemeinen Wirtschaftsschwäche und steigender Autoimporte aus China erneut von einem Rückgang der PKW- Produktion gekennzeichnet. Die europäische PKW-Produktion sank 2025 um 2 % und auch 2026 wird von keiner deutlichen Erholung ausgegangen2 . Ab 2027 wird eine Phase mit stabilen, bis leicht steigenden Produktionsmengen erwartet. Diese Entwicklung wird durch eine verbesserte Konjunktur sowie durch zunehmende Technologieklarheit bei Neufahrzeugen unterstützt. Wachstumschancen ergeben sich aus der proaktiven Begleitung chinesischer Original Equipment Manufacturers (OEMs) und ihrer Zulieferer in Europa.
Auch in der Nutzfahrzeugindustrie zeigte sich im Geschäftsjahr 2025/26 ein leichter Rückgang der Stahlnachfrage, bedingt durch niedrigere Produktions- und Verkaufszahlen. Für die nächsten Jahre wird jedoch ein Anstieg der europäischen Nutzfahrzeugproduktion prognostiziert3 . Neue Modellreihen sowie die zunehmende Elektrifizierung der Antriebskonzepte eröffnen attraktive Einstiegsmöglichkeiten.
Elektroindustrie
Im Geschäftsjahr 2025/26 war die Elektroindustrie von einem deutlichen Überangebot an Elektroband geprägt, bedingt durch hohe Importe aus Asien sowie neue Produktionsanlagen in der EU. Ab 2026 wird infolge des Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) und der erwarteten Post-Safeguard
¹ 1 CRU Steel Sheet Products Market Outlook, Mär. 2026
2 ² GlobalData – Global Light Vehicle Production Forecast, Apr. 2026
3 ³ GlobalData – Global Commercial Vehicle Forecast, Q1 2026
Regelungen für die europäische Stahlindustrie ein spürbarer Rückgang der Importe erwartet. Parallel dazu wird bis Geschäftsjahr 2030/31 mit einem starken Bedarfsanstieg aus verschiedenen Industriesegmenten gerechnet, insbesondere aufgrund des anhaltenden Wachstums bei Wind- und Hydrogeneratoren sowie des weiterhin erwarteten Anstiegs der Elektromobilität.
Hausindustrie
Im Geschäftsjahr 2025/26 zeigte die Hausindustrie insgesamt ein verhaltenes Bild. In der Bauindustrie führten schwache Bedarfe, besonders in Deutschland und Österreich, zu einer gedämpften Nachfrage. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich auch die Hausgeräteindustrie im Geschäftsjahr 2025/26 rückläufig. Hohe Herstellungskosten, zunehmende Importe von Fertigprodukten aus Asien sowie fortschreitende Konsolidierungen prägen das Marktumfeld. In der Folge sind Werksschließungen und Produktionsverlagerungen in kostengünstigere Länder zu erwarten.
Im Gegensatz dazu zeigte sich die Haustechnik-Branche im Geschäftsjahr 2025/26 etwas stabiler. Die Stahlnachfrage verbesserte sich speziell in der Beschlägeindustrie leicht. Im Subsegment Heizung/Lüftung/Klimatechnik blieb die Nachfrage im Geschäftsjahr 2025/26 zwar stabil, jedoch konnten prognostizierte Wachstumsraten aufgrund von Verzögerungen bei der Energiewende nicht erreicht werden. Mittelfristig wird die Energiewende dennoch als klarer Wachstumstreiber wirken. Die Ladungsträgerindustrie zeigt sowohl im Geschäftsjahr 2025/26 als auch im Ausblick eine stabile Entwicklung.
Verarbeitende Industrie
Im Bereich SSC und Stahlhandel zeigte sich die Nachfrage im Geschäftsjahr 2025/26 stabil. Fehlende Importe lassen die Versorgungslage von Steel und Service Center-Unternehmen und Stahlhändlern enger werden, wodurch sich Chancen für europäische Stahlwerke ergeben.
Demgegenüber setzte sich im Bereich Kaltwalzer und Verarbeiter im Geschäftsjahr 2025/26 die rückläufige Marktentwicklung fort. Aufgrund des schrittweisen Ausstiegs der Automobilindustrie aus Verbrennungsmotoren werden die Bedarfe der Kaltwalzer weiter abnehmen.
Die Rohr- und Profilindustrie verzeichnete im Geschäftsjahr 2025/26 ein insgesamt stabiles Marktumfeld, das sich voraussichtlich auch langfristig fortsetzen wird. Rückläufige Bedarfe aus dem Bau- und Konstruktionssektor werden zunehmend durch die wachsende Solarindustrie ausgeglichen.
3. ERTRAGSLAGE
Die voestalpine Stahl GmbH erzielte im Geschäftsjahr 2025/26 bei einem Umsatz von 4.892,7 Mio. € (Vorjahr: 4.944,3 Mio. €) einen Betriebserfolg vor Abschreibungen und Amortisation (EBITDA) von 344,8 Mio. € (Vorjahr: 301,9 Mio. €), einen Betriebserfolg (EBIT) von 164,0 Mio. € (Vorjahr: 120,7 Mio. €) und ein Ergebnis vor Steuern von 338,5 Mio. € (Vorjahr: 292,7 Mio. €).
Der Jahresüberschuss betrug 321,1 Mio. € (Vorjahr: 287,1 Mio. €).
Weitere Kennzahlen und ihre Entwicklung im mehrjährigen Vergleich siehe „voestalpine Stahl GmbH – Kennzahlen“.
4. RISIKOMANAGEMENT
Aktives Risikomanagement, wie es in der voestalpine Stahl GmbH verankert ist, dient der langfristigen Sicherung des Unternehmensbestandes sowie der nachhaltigen Wertsteigerung und stellt einen wesentlichen Erfolgsfaktor dar. Vorgaben zum Risikomanagement sind in Form einer konzernweit gültigen Verfahrensanweisung verankert, das Risikomanagementsystem wird laufend aktualisiert und weiterentwickelt. Um Unternehmensziele bestmöglich zu erreichen, unterstützt der strukturierte Risikomanagementprozess das Management, Risiken frühzeitig zu identifizieren, deren potenzielle Auswirkungen zu bewerten und angemessene Vorsorgemaßnahmen zur Abwendung oder Vermeidung von Gefahren einzuleiten. Als integraler Bestandteil einer verantwortungsbewussten, nachhaltigen und wertorientierten Unternehmensführung ist Risikomanagement fest in Entscheidungs- und Geschäftsprozesse aller Unternehmensbereiche und Hierarchieebenen eingebettet und beinhaltet auch einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen und der Umwelt unter Beachtung regulatorischer Anforderungen. Risikomanagement erstreckt sich sowohl auf die strategische als auch auf die operative Ebene. Risikomanagement ist maßgebliches Element für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg und leistet einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen Umsetzung der Unternehmensstrategie und zur Erreichung der daraus abgeleiteten Zielsetzungen.
Das strategische Risikomanagement dient der Evaluierung und Absicherung der strategischen Unternehmensplanung. Die Strategie wird auf Konformität mit dem Zielsystem überprüft, um wertsteigerndes Wachstum durch bestmögliche Ressourcenallokation sicherzustellen. Im Risikomanagementprozess aufgezeigte Chancen werden aufgegriffen und im Strategieprozess berücksichtigt und weiterverfolgt. Das operative Risikomanagement, im Zuge dessen auch auf entsprechende Strategiekonformität geachtet wird, folgt einem konzernweit einheitlichen, mehrmals jährlich zu durchlaufenden Prozess („identifizieren und analysieren, bewerten, bewältigen, dokumentieren und überwachen“).
» » » » Zur Risikoidentifikation steht ein unterstützender und umfangreicher Fragenkatalog zur Verfügung, der regelmäßig auf Aktualität geprüft und bei Bedarf entsprechend angepasst wird. Die Bewertung identifizierter Risiken erfolgt anhand einer Neun-Felder-Bewertungsmatrix mit Beurteilung der möglichen Schadenshöhe und Eintrittswahrscheinlichkeit. Insbesondere werden Betriebs-, Markt-, Beschaffungs-, Technologie-, Finanz-, Personal-, Compliance-, IT- und Umweltrisiken sowie weitere Nachhaltigkeitsrisiken auf strategischer und operativer Ebene erfasst. Maßnahmen zur Risikobewältigung verfolgen unter Berücksichtigung von Risikoaffinität und -tragfähigkeit unterschiedliche Strategien (wie „vermeiden“, „vermindern“, „sichern“ sowie Kombinationen daraus und, sofern aus wirtschaftlichen Überlegungen keine weiteren Maßnahmen sinnvoll erscheinen, „tragen“ des Risikos). Die Festlegung und Umsetzung geeigneter Maßnahmen liegen in der Verantwortung des lokalen Managements. Der Risikomanagementprozess wird durch eine webbasierte IT-Anwendung unterstützt, welche die Dokumentation und das Monitoring gewährleistet.
In den operativen Einheiten der voestalpine Stahl GmbH sind Risikomanager:innen nominiert, die in Abstimmung mit dem jeweiligen Management den Risikomanagementprozess in deren Einheiten aktiv vorantreiben und auch dezentral verantworten. Erkenntnisse des Risikomanagementprozesses werden regelmäßig an die Unternehmensleitung berichtet.
Der Prüfungsausschuss der voestalpine Stahl GmbH befasst sich unter anderem kontinuierlich auch mit Fragen zum Risikomanagement, zum Internen Kontrollsystem und dessen Überwachung. Sowohl Risikomanagement als auch Internes Kontrollsystem sind in der voestalpine Stahl GmbH integrale Bestandteile bestehender Managementsysteme. Die Interne Revision prüft wesentliche Betriebs- und Geschäftsabläufe und die damit verbundenen Risiken sowie das Interne Kontrollsystem (IKS) und agiert bei der Wertung der Prüfungsergebnisse wie auch in der Berichterstattung als unabhängiger und weisungsfreier unternehmensinterner Bereich. Die Funktionsfähigkeit des eingerichteten Risikomanagementsystems wird wiederum jährlich durch externe Auditor:innen überprüft und beurteilt (Regel 83 ÖCGK). Dem Prüfungsausschuss wird jährlich zum Risikomanagement berichtet. In allen 4 Aufsichtsratssitzungen wird über das Interne Kontrollsystem informiert.
BESCHREIBUNG WESENTLICHER RISIKOFELDER
Die im Vorjahresgeschäftsbericht dargestellten wesentlichen Risikofelder und deren Vorsorgemaßnahmen haben nach wie vor Gültigkeit:
» GEOPOLITISCHE KONFLIKTE, POLITISCHE UNSICHERHEITEN UND DEREN AUSWIRKUNGEN
Auch im abgelaufenen Geschäftsjahr war das Unternehmensumfeld weiterhin von geopolitischen Konflikten und Spannungen geprägt. Geopolitische Entwicklungen werden kontinuierlich beobachtet, um auch künftig potenzielle Auswirkungen auf die voestalpine Stahl GmbH frühzeitig zu erkennen und möglichen Risiken mit einer robusten und nachhaltigen Organisation in einem sich ständig wandelnden
geopolitischen Umfeld proaktiv entgegenzuwirken. So haben zum Beispiel die im Zuge des Ukraine- Krieges etablierten Maßnahmen zur Aufrechterhaltung und Sicherung der Versorgung mit relevanten Rohstoffen sowie zur Gasversorgung weiterhin ihre Gültigkeit und sind im Kapitel „Rohstoffverfügbarkeit, Energieversorgung“ angeführt. Weiters werden angesichts des seit Ende Februar 2026 andauernden Iran- Krieges bestehende Vorkehrungen zur Versorgungssicherheit laufend auf ihre Wirksamkeit geprüft und bei Bedarf entsprechend angepasst.
Neben geopolitischen Konflikten beeinflussen auch (geo-)politisch motivierte Eingriffe in Märkte, wie in Form von Zöllen, Gegenzöllen beziehungsweise Sanktionen, das Wirtschaftswachstum. So war die voestalpine Stahl GmbH von US-Zöllen auf Stahlimporte beim Export aus dem EU-Raum in die USA betroffen. In einem weiterhin herausfordernden konjunkturellen Umfeld werden potenzielle Folgen aus globalen (Handels-)Konflikten sowie veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen laufend beobachtet. Dabei wird auch die US-Zollpolitik weiterhin bestmöglich berücksichtigt. Reorganisationsprogramme sowie generelle Effizienzmaßnahmen werden auch unter diesen Aspekten konsequent weiterverfolgt.
» RISIKEN DER DEKARBONISIERUNG / KLIMASCHUTZPROGRAMM greentec steel
Die voestalpine Stahl GmbH bekennt sich zum Pariser Klimaabkommen und sieht in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie vor, Netto-Null Emissionen bis 2050 im Einklang mit dem Zielpfad des EU- Emissionshandels zu erreichen. Um der Herausforderung der Dekarbonisierung der Stahlerzeugung unter Wahrung der Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu begegnen, hat der voestalpine-Konzern das Klimaschutzprogramm greentec steel als wesentliches Kernelement des konzernalen Klimaübergangsplans entwickelt, welches den schrittweisen Umstieg auf neue Technologien vorsieht. Die technische Umstellung der bestehenden Produktionsverfahren auf emissionsarme Technologien sowie drohende Kostensteigerungen aufgrund der CO2-Bepreisungsmechanismen in der EU, wie das EU- Emissionshandelssystem (ETS) und der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM), stellen wesentliche transitorische Risiken für die voestalpine Stahl GmbH dar.
» ROHSTOFFVERFÜGBARKEIT, ENERGIEVERSORGUNG
Zur langfristigen Absicherung der Rohstoff- und Energieversorgung in den erforderlichen Qualitäten und Mengen verfolgt die voestalpine Stahl GmbH seit vielen Jahren eine den erhöhten politischen und wirtschaftlichen Risiken dieses globalisierten Marktes entsprechende diversifizierte Beschaffungsstrategie. Diese wird auch aufgrund der unterschiedlichen Dekarbonisierungsaktivitäten sowie zusätzlich durch geopolitische Entwicklungen und den Erfahrungen der Corona-Pandemie bekräftigt.
So wurden zu Beginn des Ukraine-Krieges alternative Bezugsquellen und Transportwege aktiviert, um die Versorgung der Produktion mit relevanten Rohstoffen, wie zum Beispiel Eisenerz, Erzpellets, Einblaskohle und Legierungen sicherzustellen. Das Halten von Vorräten an kritischen Rohstoffen, wie Eisenerz und metallurgischen Kohlen, trägt ergänzend dazu bei, kurzfristige Versorgungsengpässe zu überbrücken.
Weiters hat sich der voestalpine-Konzern seit mehreren Jahren eigene Gasspeicherkapazitäten vertraglich gesichert, um die Gasversorgung insbesondere für die Wärmebehandlung und für die Walzwerke an den österreichischen Standorten sicherzustellen. Mit dem per März 2026 bestehenden Gasspeichervorrat der voestalpine Stahl GmbH von ca. 0,4 TWh kann im Ernstfall bei völligem Ausfall der externen Versorgung annähernd eineinhalb Monate lang der Vollbetrieb beziehungsweise in Abhängigkeit von der jeweiligen Produktionsfahrweise ein Teilbetrieb über mehrere Monate aufrechterhalten werden. Bei einem möglichen Gasengpass würden zudem Notfallpläne in Kraft treten, bei denen nach Ausschöpfung des eigenen Erdgasspeichervolumens im worst case die Produktion schrittweise an die verfügbaren Energiemengen angepasst werden könnte. Durch die Anpassungsfähigkeit der Versorgungs- und Logistikprozesse an neue Herausforderungen können Engpässe vermieden werden.
Langfristige Lieferbeziehungen und Lieferverträge, die überlegte Ausweitung des Lieferant:innen- Portfolios sowie Optimierungen in der Eigenversorgung und der Kreislaufwirtschaft bilden die Kernelemente einer diversifizierten Beschaffungsstrategie.
Entwicklungen zur Rohstoff- und Energieversorgung werden im Hinblick auf die geopolitischen Entwicklungen weiterhin laufend beobachtet und im regelmäßigen Austausch zwischen Expert:innen und Vorstand bewertet. Aus aktueller Sicht und insbesondere auch aus dem aktuellen Iran-Krieg wird in der Versorgung der Weltmärkte von keinen physischen Engpässen in der Verfügbarkeit ausgegangen. Speziell im Bereich der für die voestalpine Stahl GmbH relevanten Erdgasversorgung ging man in der Vergangenheit von Überkapazitäten im LNG-Angebot und damit einhergehend von tendenziell rückläufigen Preisniveaus aus. Wird weiterhin mengenmäßig von einer kapazitativen Deckung der Bedarfe bedingt durch den Iran-Krieg ausgegangen, sind projizierte Preisentwicklungen unter den veränderten Rahmenbedingungen mit erhöhter Unsicherheit behaftet. Damit verbunden ist unter anderem auch von Preissteigerungen im Transportbereich auszugehen. Weitere mittel- und langfristige Auswirkungen des Iran-Kriegs zum Beispiel auf Preisentwicklungen aber auch auf die gesamtwirtschaftliche Konjunktur sind abhängig von der Dauer und vom Ausgang des Konfliktes schwer einschätzbar und Teil laufender Analysen und Marktbeobachtungen.
Im Bereich der Energieversorgung wird die Erschließung alternativer Energieressourcen weiterhin laufend untersucht und vorangetrieben. Neben dem Ausbau eigener Erneuerbarer-Kapazitäten und dem Bezug von erneuerbarer Energie über langfristige Power Purchase Agreements (PPAs) stehen zahlreiche Forschungs- und Demonstrationsprojekte in den Bereichen Wasserstoff, Biogas und Biomasse im Fokus. Weitere Vorhaben in alternativen Eisen- und Stahlherstellungstechnologien wie „H2FUTURE“ (Wasserstoffpilotanlage), „Hy4Smelt“ als Weiterentwicklung der HYFOR-Technologie (Hydrogen-Based Fine-Ore Reduction) kombiniert mit der Smelter-Technologie sowie „SuSteel“ (Sustainable Steelmaking) werden vorangetrieben. Die fortlaufende Optimierung der Energieeffizienz in Produktionsprozessen wird ebenfalls laufend untersucht und vorangetrieben. Ergänzend werden Forschungsaktivitäten im Bereich
CO₂-Abscheidung, -Nutzung und -Speicherung (Carbon Capture, Utilization and Storage, CCUS) fortgeführt. Die industrielle Speicherung von Energie stellt ein mögliches Betrachtungsfeld der Zukunft dar. Erste Evaluierungen sind im Gange.
» ROHSTOFF- UND ENERGIEPREISABSICHERUNG
Ziele, Grundsätze, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten sowie Methodik, Abläufe und Entscheidungsprozesse für den Umgang mit Rohstoff- und Energiepreisrisiken sind in einer internen Richtlinie festgelegt. Darauf aufbauend und unter Berücksichtigung individueller Besonderheiten des Geschäftsmodells der voestalpine Stahl GmbH werden Preissicherungen in Form von kurzfristigen Lieferverträgen mit Fixpreisvereinbarung oder in Form von derivativen Finanzkontrakten vorgenommen. In diesem Fall ist es das Ziel des Risikomanagements, die kalkulierten Deckungsbeiträge der Verkaufsverträge abzusichern. Dem Rohstoffrisiko- und Energierisiko-Management unterliegen Eisenerz, Koks, Kokskohle, Zink, Nickel, CO2, Kobalt und Energien (Strom, Erdgas). Die umfassenden Maßnahmen tragen dazu bei, finanzielle Stabilität zu gewährleisten und die Resilienz des Unternehmens gegenüber volatilen Märkten zu stärken und relevante Risiken mit der erforderlichen Flexibilität effektiv zu managen.
» STÖRUNGEN VON LOGISTIK- UND LIEFERKETTEN
Generell können globale Lieferketten durch geopolitische Konflikte wie den Iran- oder Ukraine-Krieg, durch Handelskonflikte und damit verbundene Produktionsverlagerungen oder durch andere Ereignisse wie Pandemien oder Epidemien beeinträchtigt werden. Dabei kann es kunden- beziehungsweise lieferantenseitig durch Störungen in den Transportwegen sowie durch etwaige Sanktionen und Embargos oder Handelsbarrieren zu Einschränkungen und Umlenkungseffekten kommen. Die Fokussierung auf weniger anfällige Lieferketten und die gleichzeitige Verbreiterung der logistischen Optionen haben bereits in der Vergangenheit sowie aktuell die Ausfallsicherheit zum Beispiel bei Rohstofftransporten und die Widerstandsfähigkeit unserer Logistik- und Lieferketten deutlich erhöht. Abhängig von der Dauer und dem Ausgang des Iran-Kriegs ist im Logistik- und Transportbereich von Preissteigerungen auszugehen, welche aus heutiger Sicht schwer abschätzbar sind. Diversifizierte Beschaffungsstrategien und Lieferketten stärken die Resilienz gegenüber unvorhergesehenen Ereignissen.
» AUSFALL VON PRODUKTIONSANLAGEN, ERGÄNZENDE BETRIEBLICHE RISIKEN
Zur Minimierung von Ausfallrisiken bei kritischen Anlagen wurden und werden einerseits erforderliche Modernisierungs- sowie Ersatzinvestitionen langfristig geplant und umgesetzt sowie andererseits gezielte und umfangreiche Investitionen in technische Optimierungen der sensiblen Aggregate getätigt. Um die Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit der Anlagen laufend zu verbessern und das Ausfallrisiko weiter zu minimieren, werden weitere ergänzende Maßnahmen gesetzt. Dies sind beispielsweise eine konsequente, systematische sowie vorbeugende Instandhaltung, eine risikoorientierte Vorhaltung kritischer Reserveteile sowie entsprechende arbeitsplatzbezogene Schulungen betroffener Mitarbeiter:innen. Darüber hinaus sind für wesentliche Anlagen entsprechende Notfallpläne zur Minimierung etwaiger Risiken festgelegt.
Bezüglich einer plötzlichen ungeplanten Unterbrechung der Stromversorgung („Blackout“) sind an den wesentlichen Standorten kritische Anlagen und Prozesse mit Notstromaggregaten abgesichert. Diese können für einen eingeschränkten Teilbetrieb, für Notfahrweisen sowie im Extremfall für ein kontrolliertes Herunterfahren der Anlagen genutzt werden. Zusätzlich betreibt die voestalpine Stahl GmbH ein eigenes Kraftwerk inkl. „Schwarzstartfähigkeit“. Dafür stehen interne Sondernetze mit eigenen, in sich geschlossenen, abgeschotteten Bereichen zur Verfügung. Es erfolgen regelmäßige Übungen zu unterschiedlichen Szenarien, um im Ereignisfall bestmöglich vorbereitet zu sein. Etwaige Schäden an Anlagen, welche durch unterschiedliche Blackout-Szenarien verursacht werden können, werden regelmäßig analysiert sowie bewertet und entsprechende Vorsorgemaßnahmen getroffen. Vorhandene Notfallpläne werden von den jeweiligen Expert:innen für unterschiedliche Szenarien regelmäßig bewertet und bei Bedarf an neue oder geänderte Gegebenheiten angepasst.
Am Standort der voestalpine Stahl GmbH in Linz wird mit Geschäftsjahr 2026/27 planmäßig ein neues Produktionsplanungssystem in Betrieb gehen und das bestehende System ablösen. Dieses zentrale System ist essenziell für sämtliche Planungen und Abläufe im Produktionsbereich. Wird in der sukzessiven Inbetriebnahme-/Umstellungsphase ein gewisser Punkt überschritten, kann nicht mehr auf das abzulösende System zurückgeschaltet werden. Das Restrisiko eines möglichen Produktionsausfalls im Zuge der Inbetriebnahme des neuen Produktionsplanungssystems wird mit einer Vielzahl an Maßnahmen, wie zum Beispiel Priorisierung umzusetzender Maßnahmen, Berücksichtigung unterschiedlicher Szenarien, ausführliches Testmanagement, minimiert.
Im Bereich von Großprojekten und Bauvorhaben werden verstärkt auch Fremdfirmen beauftragt. Dabei besteht das Restrisiko von möglichen Compliance-Verstößen seitens beauftragter Fremdfirmen und insbesondere von Verstößen gegen das Ausländerbeschäftigungsgesetz durch diese Fremdfirmen. Diesem Restrisiko beziehungsweise einem damit verbundenen Reputationsrisiko wird durch entsprechende Maßnahmen wie beispielsweise vertragliche Absicherung, Unterweisungen, Schulungen sowie Monitoring entgegengewirkt.
» IT-SICHERHEIT, AUSFALL VON IT-SYSTEMEN
Serviceleistungen für Geschäfts- und Produktionsprozesse, die hauptsächlich auf komplexen IT-Systemen basieren, werden durch eine zu 100 % im Eigentum der voestalpine AG befindliche IT-Tochtergesellschaft (voestalpine group-IT GmbH) erbracht. Aufgrund der hohen Bedeutung von IT-Sicherheit und IT- Verfügbarkeit sowie zur weiteren Minimierung möglicher IT-Ausfalls- und IT-Sicherheitsrisiken sind sicherheitstechnische IT-Mindeststandards inkl. Vorgaben zum Business Continuity Management verfügbar, welche regelmäßig an neue Gegebenheiten angepasst werden und deren Einhaltung jährlich in Form von internen und externen Audits überprüft wird. Das hoch qualifizierte Security Operation Center (SOC) sorgt für die laufende Erkennung und Behebung von sicherheitsrelevanten Vorfällen und trägt so auch zur Prävention bei. Um das Risiko unberechtigter Zugriffe auf IT-Systeme und Anwendungen zu reduzieren, werden ergänzende Penetrationstests durchgeführt. Auch im abgeschlossenen Geschäftsjahr
erfolgten wieder breit angelegte Onlinekampagnen zur weiteren Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung der Mitarbeiter:innen hinsichtlich IT-Sicherheitsthemen, insbesondere für die Gefahren durch Phishing- Angriffe. Weiters ist eine IT Security Roadmap in Umsetzung, um die Sicherheit über technische Maßnahmen kontinuierlich weiter zu erhöhen. Dazu gehört unter anderem die Weiterführung der Netzwerksegmentierung. In einer internen Arbeitsgruppe werden Informationen über etwaige Cyber- Fraud-Angriffe regelmäßig gesammelt, wie zum Beispiel Social Engineering, CEO-Fraud, Zahlungsund/oder Lieferumleitung, Phishing und dagegen Präventivmaßnahmen entwickelt sowie bestehende Maßnahmen auf deren Wirksamkeit geprüft und gegebenenfalls angepasst. Zur Abwendung möglicher Cyber-Fraud-Angriffe werden auch zu diesen Themen entsprechende Onlinekampagnen durchgeführt und unter anderem simulierte Phishing-Awareness-Programme und spezielle E-Learnings angeboten, die ebenfalls zur Sensibilisierung der Mitarbeiter:innen beitragen. Risiken aus der Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) wird durch Nutzungs- und Sicherheitsvorgaben bestmöglich entgegengewirkt. Beispiele dafür sind eine KI-Konzernrichtlinie, eine konzernweite KI-Organisation, themenbezogene und verpflichtende Schulungen sowie E-Learnings und ein Prüfungs- und Freigabeprozess von KI-Systemen als Bestandteil des IT-Demand-Prozesses. Alle diese Maßnahmen zielen darauf ab, das Risiko und die Ausfallszeiten von IT-Systemen aufgrund von Cyber-Angriffen, menschlichem Versagen, Manipulation, Hardwaredefekten und ähnlichen Ursachen bestmöglich zu reduzieren.
» PERSONALRISIKEN
In der voestalpine Stahl GmbH stellen Mitarbeiter:innen mit ihrer Kompetenz und ihrem Einsatz einen maßgeblichen Erfolgsfaktor dar. Die Positionierung der voestalpine Stahl GmbH als attraktive Arbeitgeberin einerseits sowie vielfältige Maßnahmen zur Mitabeiter:innenbindung andererseits sollen die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften im erforderlichen Ausmaß sicherstellen. Laufende Aus- und Weiterbildung, attraktive Arbeitsbedingungen und -konditionen, eine moderne Arbeitsumgebung sowie vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten sind einzelne diesbezügliche Aspekte. Weitere Schwerpunkte stellen auch die interne Lehrlingsausbildung und das Programm „Frauen & Produktion“ dar.
» WISSENSMANAGEMENT/PROJEKTMANAGEMENT
Zur nachhaltigen Sicherung des vorhandenen Wissens, insbesondere zur Absicherung vor Know-how- Verlust, wurden Projekte initiiert, die konsequent angewandt und weiterentwickelt werden. Neben einer permanenten Dokumentation des vorhandenen Wissens werden neue Erkenntnisse aus wesentlichen Projekten, aber auch aus ungeplanten Vorfällen im Sinne von „lessons learned“ entsprechend umgesetzt. Detaillierte Prozessdokumentationen, insbesondere auch im IT-gestützten Bereich, tragen ebenfalls zur Sicherung des vorhandenen Wissens bei.
Etwaigen Risiken aus Projekten wird durch den Einsatz unterschiedlichster Projekt-Management-Tools, durch ein entsprechendes Projekt-Monitoring und je nach Größe des Projektes auch durch regelmäßige Projektaufsichtssitzungen unter Einbindung des Top-Managements entgegengewirkt. Dies betrifft insbesondere auch etwaige Hochlauf- beziehungsweise Kostensteigerungsrisiken. Erkenntnisse aus
früheren Aktivitäten werden ebenfalls gesammelt und bilden die Basis der kontinuierlichen Weiterentwicklung bestehender Werkzeuge zur konsequenten Anwendung auch bei künftigen Vorhaben.
» COMPLIANCE-RISIKEN
Compliance-Verstöße wie zum Beispiel Kartell- und Korruptionsverstöße stellen ein erhebliches Risiko dar und können zu nachteiligen Auswirkungen sowohl in Bezug auf finanzielle Schäden als auch zu Reputationsschäden führen. Durch ein konzernales Compliance Management System soll diesen Risiken und insbesondere etwaigen Kartell- und Korruptionsverstößen entgegengewirkt werden. Themenbezogene Präsenzschulungen wie auch E-Learnings sind Teil dieses Systems.
» RISIKEN DER VERLETZUNG DATENSCHUTZRECHTLICHER BESTIMMUNGEN
Eine Verletzung datenschutzrechtlicher Bestimmungen kann sich finanziell nachteilig auswirken und auch zu Reputationsschäden führen. Basierend auf den konzernweit gültigen Datenschutzrichtlinien ist auch eine Datenschutzorganisation eingerichtet, welche das Management der voestalpine Stahl GmbH darin unterstützt, seine Verantwortung wahrzunehmen, gesetzliche und konzerninterne Datenschutzvorschriften einzuhalten. Ein themenbezogenes E-Learning stellt eine ergänzende Maßnahme dar.
» RISIKEN AUS ELEMENTAREREIGNISSEN, PHYSISCHE KLIMARISKEN
Im Zuge von regelmäßigen Übungen, dem Test bestehender Notfallpläne sowie durch Begehungen und „risk-surveys“ mit Versicherungsunternehmen werden vorhandene Vorsorgemaßnahmen auf Aktualität und Vollständigkeit geprüft und bei Bedarf an neue Gegebenheiten angepasst. Der bestehende Versicherungsschutz zu Elementarereignissen sowie weiteren Risiken wird gemeinsam mit unserem internen Versicherungsunternehmen (voestalpine Insurance Broker GmbH) regelmäßig auf Aktualität geprüft. Die Wirksamkeit der implementierten Maßnahmen wird fortlaufend überwacht, um eine angemessene Risikosteuerung sicherzustellen und dem Voranschreiten des Klimawandels bestmöglich entgegenzusteuern.
» WEITERE RISIKEN DER NACHHALTIGKEIT
Mögliche weitere Nachhaltigkeitsrisiken und damit verbundene Themen wie Klima- und Umweltschutz, Sozial- und Arbeitnehmer:innenbelange, Achtung der Menschenrechte und Bekämpfung von Korruption werden inklusive ihrer Auswirkungen und im Einklang mit der konzernalen Nachhaltigkeitsstrategie auf allen Ebenen berücksichtigt. Darüber hinaus ist die voestalpine Stahl GmbH gemäß dem Branchenstandard für Nachhaltigkeit „ResponsibleSteel“ zertifiziert.
» STRUKTURWANDEL IN DER EUROPÄISCHEN INDUSTRIE
Politische Spannungen auf europäischer Ebene, hohe Energie- und Arbeitskosten, strenge Umweltanforderungen, bürokratische Hürden sowie regulatorische Unsicherheiten belasten den Standort Europa weiterhin. Dies kann unter anderem zu einer zunehmenden Abwanderung der Produktion und auch der Investitionen, zu einem Anstieg bei Insolvenzen und zu deutlichen Wettbewerbsnachteilen infolge
einseitiger Regulierungen führen. In diesem Umfeld sind Schutzmaßnahmen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität der europäischen Industrie von erheblicher Bedeutung.
» RISIKEN AUS DEM FINANZBEREICH
Betreffend Richtlinienkompetenz, Strategiefestsetzung und Zieldefinition ist das finanzielle Risikomanagement zentral organisiert. Das bestehende Regelwerk beinhaltet Ziele, Grundsätze, Aufgaben und Kompetenzen sowohl für das Treasury als auch für den Finanzbereich der Gesellschaft. Finanzielle Risiken werden ständig beobachtet und – wo sinnvoll – abgesichert. Die Strategie im Bereich des Fremdwährungsrisikomanagements zielt insbesondere auf die Erzielung von Natural Hedges und bei den anderen Risiken (Zinsen und Rohstoffe) auf eine Verminderung der Schwankungen der Cashflows und der Erträge sowie eine Absicherung der Deckungsbeiträge ab. Die Absicherung der Marktrisiken erfolgt zu einem hohen Anteil mit derivativen Finanzinstrumenten, die ausschließlich in Verbindung mit einem Grundgeschäft verwendet werden.
Im Einzelnen werden Finanzierungsrisiken durch folgende Maßnahmen abgesichert:
» Liquiditätsrisiko
Liquiditätsrisiken bestehen im Allgemeinen darin, dass ein Unternehmen möglicherweise nicht in der Lage ist, den finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Die bestehenden Liquiditätsreserven versetzen die Gesellschaft in die Lage, auch in Krisenzeiten ihre Verpflichtungen fristgerecht zu erfüllen. Wesentliches Instrument zur Steuerung des Liquiditätsrisikos ist neben der Liquiditätsreserve eine exakte Finanzplanung, die quartalsweise revolvierend erstellt wird. Der geplante Liquiditätsbedarf der nächsten zwölf Monate soll durch eine Liquiditätsreserve abgedeckt sein. In der Bankenpolitik wird auf eine Streuung der Finanzpartner:innen Wert gelegt, um Klumpenrisiken zu vermeiden. Es wird weiterhin hoher Wert auf die Steigerung der internen Finanzierungskraft gelegt.
» Bonitätsrisiko
Das Bonitätsrisiko bezeichnet Vermögensverluste, die aus der Nichterfüllung von Vertragsverpflichtungen einzelner Geschäftspartner:innen entstehen können. Das Bonitätsrisiko der Grundgeschäfte ist durch einen hohen Anteil an Kreditversicherungen und bankmäßigen Sicherheiten (Garantien, Akkreditive) weitestgehend abgesichert. Das Ausfallrisiko für das verbleibende Eigenrisiko wird durch definierte Prozesse der Bonitätsbeurteilung, Risikobewertung, Risikoklassifizierung und Bonitätsüberwachung gemanagt. Durch den Ukraine-Krieg kam es in der Vergangenheit in den einzelnen Kundensegmenten zu keinen nennenswerten Kürzungen von Limits durch die Kreditversicherungen und zu keiner Häufung an Forderungsausfällen.
» Währungsrisiko
Vorrangiges Ziel des Fremdwährungsrisikomanagements ist es, durch Bündelung der Cashflows einen Natural Hedge (Cross Currency Netting) im Konzern zu erzielen. Eine Absicherung erfolgt dabei zentral durch den Abschluss von derivativen Sicherungsinstrumenten durch das Konzern-Treasury. Die
voestalpine AG sichert die budgetierten Fremdwährungszahlungsströme (netto) mit einem Horizont von bis zu zwölf Monaten ab. Längerfristige Absicherungen werden nur bei kontrahierten Projektgeschäften durchgeführt. Die Sicherungsquote liegt zwischen 25 % und 100 % der budgetierten Zahlungsströme innerhalb der nächsten zwölf Monate, wobei die Sicherungsquote mit der Laufzeit abnimmt.
» Zinsrisiko
Die Zinsrisikobeurteilung erfolgt für den gesamten Konzern zentral in der voestalpine AG. Hier wird insbesondere das Cashflow-Risiko (Risiko, dass sich der Zinsaufwand oder Zinsertrag zum Nachteil verändert) gemanagt.
» Preisrisiko
Eine Preisrisikobeurteilung findet ebenfalls in der voestalpine AG statt, zur Quantifizierung des Zins- und Währungsrisikos werden insbesondere Szenario-Analysen eingesetzt.
» Risiko Wirtschaftskriminalität
Zur bestmöglichen Vermeidung von betrügerischen Handlungen ist in der voestalpine Stahl GmbH ein umfassendes Internes Kontrollsystem eingerichtet, das darauf abzielt, die mit Geschäftsprozessen in Zusammenhang stehenden Risiken auf ein Minimum zu reduzieren. Mit dem IKS sollen Vermögens- und Imageverluste, verursacht durch vermögensschädigende Handlungen wie zum Beispiel unrechtmäßige Bereicherung in Form von Diebstahl, Betrug, Untreue, Urkundenfälschung und Unterschlagung, Vorteilnahme oder Begünstigung zur Erlangung persönlicher oder sonstiger Vorteile, bestmöglich vermieden werden. Das IKS ist von allen Mitarbeitenden und von allen Führungskräften gleichermaßen anzuwenden und einzuhalten. Umsetzung und Einhaltung werden wiederum von zentralen Funktionen wie zum Beispiel von der Konzernrevision geprüft. Das Interne Kontrollsystem in der voestalpine Stahl GmbH orientiert sich an den international anerkannten Regelwerken von COSO (Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission).
» KONJUNKTURELLE RISIKEN
Basierend auf Erkenntnissen aus Wirtschafts- und Finanzkrisen der Vergangenheit und deren Auswirkungen auf die voestalpine Stahl GmbH wurden in den vergangenen Jahren zusätzliche, vor allem unternehmerische, Maßnahmen zur Risikominimierung gesetzt. Deren konsequente Anwendung und Weiterverfolgung zielt insbesondere darauf ab,
» die negativen Folgen selbst einer rezessiven Konjunkturentwicklung auf das Unternehmen durch entsprechende planerische Vorkehrungen zu minimieren, » die hohe Produktqualität bei gleichzeitiger permanenter Effizienzsteigerung und laufender Kostenoptimierung aufrechtzuerhalten, » die Versorgungssicherheit bestmöglich sicherzustellen und etwaige Engpässe auch durch die internationale Ausrichtung bestmöglich zu kompensieren,
» Preisvolatilitäten, insbesondere bei Energien und Rohstoffen, durch geeignete Werkzeuge und Maßnahmen bestmöglich abzufedern und auch an Kund:innen weiterzugeben, » ausreichend finanzielle Liquidität auch im Falle enger Finanzmärkte zur Verfügung zu haben, » das innerbetriebliche Know-how im Hinblick auf den langfristigen Ausbau der Qualitäts- und Technologieführerschaft noch effizienter als bisher abzusichern.
Für die in der Vergangenheit festgestellten Risiken wurden konkrete Absicherungsmaßnahmen erarbeitet und umgesetzt. Diese Maßnahmen zielen auf eine Senkung der potenziellen Schadenshöhe und/oder auf eine Verringerung der Eintrittswahrscheinlichkeit ab. Es ist festzuhalten, dass die operativen Risiken abgesehen von globalen Krisen und deren Auswirkungen aus heutiger Sicht begrenzt und überschaubar sind und den Fortbestand des Unternehmens nicht gefährden.
5. INVESTITIONEN
Die Investitionen in immaterielle Vermögensgegenstände und Sachanlagen beliefen sich im Geschäftsjahr 2025/26 auf 460,8 Mio. €.
Vom Gesamtaufwand entfielen auf die Bereiche:
| ■ Bramme | 237,9 Mio. € |
|---|---|
| ■ Band | 39,0 Mio. € |
| ■ Technischer Service | 134,6 Mio. € |
| ■ Sonstige | 49,3 Mio. € |
Investitionsschwerpunkte
Im Geschäftsjahr 2025/26 lag der Investitionsschwerpunkt hauptsächlich im Bereich der Umsetzung des Investitionsprogramms TransMet als Teil des konzernalen Dekarbonisierungsprojekts greentec steel am Standort Linz. Darüber hinaus wurden wirtschaftliche Einzelvorhaben sowie substanzerhaltende Maßnahmen konsequent weiter umgesetzt.
Im Aufsichtsrat der voestalpine Stahl GmbH wurden im März 2025 folgende größere Investitionsvorhaben genehmigt:
■ Forschungskooperation Hy4Smelt ■ Neuanschaffung Kran 1420 (4. Gießkran) ■ Legierungslager Neu ■ Automatisierung Beschickung Stoßofen 6 und 7 ■ Erneuerung Infrastruktur Wahringerbahnhof
■ Ersatzinvestition Bearbeitungszentrum ■ Ersatzinvestition Prüftechnik & Analytik
Im Berichtsjahr lagen die Schwerpunkte auf folgenden Vorhaben:
Investitionsprogramm TransMet (greentec steel)
Die Massivbauarbeiten für die Prozessanlage (Elektrolichtbogenofen) wurden Ende März 2026 abgeschlossen. Die Stahlbauarbeiten für die einzelnen Bauabschnitte wurden planmäßig umgesetzt. Auch mit der Montage der Fassade der Produktionshalle wurde begonnen. Die Vergaben für die Montageleistungen in den Bereichen Mechanik, Elektrik & Automation wurden durchgeführt. Auch im Teilprojekt Sekundärmetallurgie 5 erfolgte der Baubeginn planmäßig mit September 2025. Hier wurden die Ausschreibungen und ein Teil der Vergaben bereits durchgeführt.
Der Bau des Microtunnels für die 220-kV-Stromversorgung des Elektrolichtbogenofens sowie die Umbaumaßnahmen bei den Umspannwerken „UW Hütte Süd“ und „UW Hütte LD3“ befinden sich in Umsetzung. Auch die Teilprojekte zur übergeordneten Infrastruktur sowie Schrottlagerplatz und HBI- Versorgung werden ebenfalls planmäßig umgesetzt. Die Inbetriebnahme des Elektrolichtbogenofens ist mit Frühjahr 2027 vorgesehen.
Lebensdauerverlängernde Maßnahmen Kokerei Stufe 3 (Programm Linz 2020)
Die Zielsetzung dieses längerfristig angelegten Vorhabens ist die nachhaltige Verlängerung der Lebensdauer der Kokerei. Im Berichtsjahr lagen die Schwerpunkte insbesondere auf der Erneuerung der Ofenrahmen und der Koksüberleitmaschinen sowie auf weiteren Maßnahmen zur Sicherstellung der Anlagenverfügbarkeit.
E-Windmaschine Hochofen A
Mit den Massivbauarbeiten wurde im Sommer 2025 gestartet. Die Inbetriebnahme ist für das zweite Quartal 2027 geplant.
Forschungskooperation Hy4Smelt
Die offizielle Spatenstichfeier erfolgte am 25.09.2025. Der Projektschwerpunkt lag 2025 im Bereich Engineering, Ausschreibung und Beschaffung für den Massiv- und Stahlbau sowie der Prozessanlage.
Adaptierung der bestehenden Feuerverzinkungsanlagen 2-5 (TRANSVER)
Das Vorhaben wird über mehrere Jahre bis 2030 umgesetzt. Die Umsetzungen an der Feuerverzinkungsanlage 2 konnten bereits abgeschlossen werden. Die Feuerverzinkungsanlage 4 soll im Sommer 2026 erneut umgebaut werden. Die Planungen für die Anpassungen der Feuerverzinkungsanlage 3 zur Verarbeitung größerer Bandbreiten wurden abgeschlossen.
FVZ 3 - Modernisierung Elektrik
Im vierten Umbaustillstand im Winter 2025 lag der Schwerpunkt in der Umsetzung von Maßnahmen im Bereich der Antriebstechnik, Bandlenkung und Sicherheitstechnik. Der fünfte und letzte Umbaustillstand ist im Winter 2026 geplant.
FVZ 1 - Modernisierung Elektrik
Der erste Umbaustillstand konzentrierte sich auf den Austausch von Transformatoren, die Stromverteilung sowie Vorbereitungsarbeiten für das neue Prozessleitsystem. Der nächste Umbaustillstand ist für Sommer 2026 geplant.
Kontiglühe 1 Revamp Elektrik, Sicherheitstechnik
Das Ofenmodell der Anlage wurde weiter optimiert und die Ofenverkabelung erneuert.
Zusätzlich konnten Verbesserungen im Bereich Elektrik und Steuerung umgesetzt werden. Das Projekt wurde mit März 2026 abgeschlossen.
BREF-/BAT-Maßnahmen4 Unternehmensbereich Band
Das erforderliche Umsetzungskonzept wurde mit den zuständigen Behörden abgestimmt. Der Schwerpunkt der Teilprojekte liegt auf Maßnahmen im Bereich der Luftreinhaltung sowie Abwasserbehandlung an unterschiedlichen Produktionsanlagen im Unternehmensbereich „Band“. Das Gesamtvorhaben soll bis November 2026 abgeschlossen werden.
Neubau Kraftwerksblock 08
Im Berichtsjahr lag der Schwerpunkt in der Umsetzung in den Bereichen Kessel, Turbine sowie unterstützenden Komponenten und Hilfssystemen. Die Inbetriebnahme der Turbine erfolgte mit Oktober 2025. Der Blocktransformator wurde im Februar 2026 geliefert und erfolgreich in Betrieb genommen. Die Gesamtinbetriebnahme ist im Frühjahr 2026 geplant.
6. ORGANISATION
Im Rahmen des Umbaus zur schrittweisen Dekarbonisierung der Stahlerzeugung am Standort Linz wurde im vergangenen Geschäftsjahr der organisatorische Aufbau des Hybridstahlwerks in den Bereichen Schmelzmetallurgie und Anlagentechnik gestartet. Parallel dazu laufen Recruiting- und Auswahlmaßnahmen für das zukünftige Betriebs- und Instandhaltungspersonal des Elektrostahlwerks. Zusätzlich werden für die Belegschaft maßgeschneiderte interne und externe Qualifizierungsmaßnahmen als Vorbereitung für die Inbetriebnahme 2027 umgesetzt.
4 ⁴ BREF = best available techniques Reference / BAT = best available techniques
Dabei handelt es sich um EU-Vorgaben zur Vermeidung von Umweltrisiken.
Mit Hy4Smelt entsteht in Linz die weltweit erste Demonstrationsanlage zur grünen Roheisenerzeugung, die wasserstoffbasierte Direktreduktion und einen elektrischen Schmelzprozess kombiniert. Als größtes Klimaschutz-Forschungsprojekt Österreichs befindet sich die Anlage derzeit im Bau. Die organisatorischen Strukturen für den zukünftigen Betrieb sind definiert und werden in die bestehende Hochofenorganisation integriert. Die Inbetriebnahme der Anlage ist für Ende 2027 geplant.
Im Rahmen der Weiterentwicklung der „Operativen Exzellenz“ (OEx) wurde im vergangenen Geschäftsjahr die Reifegraderhebung abgeschlossen. Darauf basierend wurden Maßnahmen definiert, die eine kontinuierliche Prozessverbesserung in den Unternehmensbereichen als festen Bestandteil etablieren.
Im abgeschlossenen Geschäftsjahr wurden die in der Taskforce-2025-Initiative ausgearbeiteten Maßnahmen zur Kostenreduktion und Mengensteigerung konsequent umgesetzt, um dem angespannten wirtschaftlichen Umfeld zu begegnen. Die unternommenen Anstrengungen zeigten entsprechende Wirkung und werden zum Teil auch im kommenden Geschäftsjahr weitergeführt.
Mit der Einführung einer „Operational Technology (OT)“-Strategie wurde die IT-Landschaft neu strukturiert und in funktional klar abgegrenzte Bereiche gegliedert. Während die "Enterprise IT" als standardisierter Kern fungiert, unterstützen produktionsnahe IT- und OT-Bereiche gezielt die operativen Prozesse. Der Schwerpunkt liegt nun auf dem Aufbau einer entsprechenden OT-Organisation sowie der zugehörigen Prozesse, um die steigenden Herausforderungen in der IT-Security auch hier zu adressieren.
7. MITARBEITER:INNEN
Zum Ende des Geschäftsjahres 2025/26 beschäftigte die voestalpine Stahl GmbH 7.202 Personen (ohne Lehrlinge). Das entspricht gegenüber dem Vorjahr (7.118 Beschäftigte) einem Anstieg um 84 Beschäftigte. Mit 31. März 2026 bildete das Unternehmen 455 Lehrlinge aus. Neben Stammmitarbeiter:innen und Lehrlingen beschäftigte die voestalpine Stahl GmbH zum 31. März 2026 579 Zeitmitarbeiter:innen (31. März 2025: 511).
Die positive Beurteilung im Rahmen von Auditierungen zu Themen wie Compliance zeigt die Bedeutung und Wirksamkeit der umgesetzten Programme zur Stärkung der Unternehmenskultur. So wird im Rahmen des Programmes WIR eine Kultur der Achtsamkeit und des verantwortungsvollen Zusammenhaltes gefördert.
Die Initiativen zur Frauenförderung unterstützen die Diversität in allen Ebenen. Mit dem Projekt Frauen & Produktion wird der Frauenanteil in der Arbeiter:innenschaft stetig erhöht. Bei LeadHERship steht die Entwicklung von weiblichen Führungskräften im Fokus. Erste Pilotveranstaltungen zur Führungs- und Kommunikationskompetenz unter dem weiblichen Blickwinkel wurden erfolgreich durchgeführt.
Ergänzend richtet das Personalmarketing einen verstärkten Fokus auf Frauen, um die voestalpine Stahl GmbH als attraktive Arbeitgeberin zu positionieren.
Mit den Maßnahmen für einen systematischen Onboarding-Prozess „WILL.KOMMEN, um zu bleiben!“ konnte ein professioneller Einarbeitungsprozess etabliert und ein wertvoller Beitrag zur frühzeitigen und dauerhaften Bindung neuer Mitarbeiter:innen geleistet werden.
8. UMWELT
Das Klimaschutzprogramm greentec steel, mit dem die voestalpine Net-Zero-Emissionen bis spätestens 2050 erreichen will, befindet sich plangemäß in Umsetzung der ersten Ausbaustufe. Der politischregulatorische Rahmen für die weiteren Etappen bleibt aber in wesentlichen Bereichen nach wie vor offen. Im Kern geht es darum, die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Industrien bei gleichzeitiger Unterstützung der Transformation sicherzustellen.
Politischer Rahmen
Im Rahmen des „Clean Industrial Deal“ wurden von der EU-Kommission im Berichtszeitraum eine Vielzahl an Legislativvorschlägen, Plänen und Strategien vorgelegt, vor allem in den Bereichen Energie und industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Zuletzt wurde etwa der „Industrial Accelerator Act“ (IAA) präsentiert, der die Stahlindustrie zwar als strategisch bedeutenden Sektor identifiziert, wesentliche Weichenstellungen wie etwa zur Incentivierung „grüner“ Leitmärkte aber noch nicht ausreichend klar regelt. Analog zu anderen Materien befindet sich dieser Rechtsakt im Trilog zwischen Kommission, Rat und Parlament und steht somit weiterhin im Fokus der Stahlbranche.
Trotz fehlender Rahmenbedingungen für die Transformation in zentralen Bereichen wie Energie, Rohstoffen, Wettbewerb und Handelsschutz, bedingt durch unterschiedliche Interessenlagen der Mitgliedstaaten, wurden die politischen Zielvorgaben erneut verschärft. Das neue und verbindliche Klimaziel 2040 sieht mit einer Reduktion der Treibhausgasemissionen um 90 % de facto eine um 10 Jahre vorgezogene Klimaneutralität vor. Positiv ist, dass Parlament und Rat, nicht zuletzt auf Initiative der österreichischen Bundesregierung, dieses Ziel an eine Reihe von Bedingungen als verbindlichen Bestandteil der Einigung geknüpft hat.
Dazu zählt neben Carbon Management insbesondere die vom voestalpine-Konzern intensiv vertretene Forderung nach einer Reform des Emissionshandels. Konkret soll das Gesamtsystem des Zertifikatehandels über 2039 und der Freizertifikate über 2034 hinaus verlängert werden. Im März 2026 hat der Europäische Rat, getrieben von einer Länderallianz unter der Führung Österreichs, den diesbezüglichen Auftrag an die EU-Kommission bekräftigt und den Zeitplan dazu konkretisiert. Im Juli soll demnach ein erster Vorschlag von der Kommission präsentiert und in weiterer Folge vom Rat weiter diskutiert werden. Darüber hinaus
arbeitet die Kommission an weiteren Verbesserungen, etwa zu Änderungen bei Benchmarks für die Freizuteilung. Aus jetziger Sicht ist eine Emissionshandelsreform aber weder inhaltlich noch zeitlich bis zu einer endgültigen Einigung im Trilog einzuschätzen, weil sowohl in der Kommission als auch bei Mitgliedsstaaten und im Parlament große Widerstände zu überwinden sind.
Nach dreijähriger Probephase trat am 1. Jänner 2026 der CO2-Grenzausgleichsmechanismus (Carbon Border Adjustment, CBAM) in Kraft. Politisches Ziel ist eine vergleichbare Behandlung von Importen bestimmter Produkte, unter anderem aus Stahl, in die EU. Während Verfahrenserleichterungen durch den beschlossenen „Omnibus“ für große Unternehmen irrelevant blieben, sind substanzielle Reparaturen, etwa bei der Benachteiligung bei Exporten, unverändert ausständig.
Auf österreichischer Ebene wurde eine neue „Industriestrategie“ mit Zielhorizont 2035 beschlossen, die im Unterschied zum IAA nicht auf energieintensive Grundstoffindustrien ausgerichtet ist und bei jenen Themen, die diese betreffen, an der Umsetzung zu messen ist. Dazu zählen die Umsetzung der bis 2029 verlängerten Strompreiskompensation und ein bis dahin auf 3 Jahre befristeter Industriestrompreis. Gegenwärtig stehen viele dieser Themen allerdings noch unter Budgetvorbehalt. Was die ausreichende Dotierung von Transformationsförderungen, eine Zweckbindung von ETS-Einnahmen und die Beibehaltung geltender Energiebesteuerungsregelungen betrifft, bleibt das geplante Doppelbudget, das derzeit in Vorbereitung ist und vom Nationalrat zu beschließen ist, abzuwarten.
Sowohl die auf EU- als auch auf nationaler Ebene erwähnten Themen bleiben auch im neuen Geschäftsjahr im Fokus der voestalpine Stahl GmbH, um die tatsächliche Umsetzung der Transformationspläne, die Erreichung der Netto-Null Emissionen bis spätestens 2050, zu ermöglichen.
Der Schwerpunkt der operativen Umwelttätigkeit der voestalpine Stahl GmbH im abgelaufenen Geschäftsjahr lag in der Umsetzung des Projektes greentec steel.
9. FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG
Forschung und Entwicklung (F&E) und Innovation tragen maßgeblich zur langfristig gesteigerten Wettbewerbsfähigkeit und damit zur Wertsteigerung der voestalpine Stahl GmbH bei und sind somit auch integrale Bestandteile des Geschäftsmodells. Um die Anforderungen der Kund:innen und die Herausforderungen des globalen Markts zu erfüllen, wird das aus hoch- und höchstqualitativen Stahlgüten bestehende Produktportfolio stetig weiterentwickelt. Neben Produktentwicklungen sind insbesondere Prozessinnovationen, vor allem im Kontext der Dekarbonisierung und der Kreislaufwirtschaft, im Fokus der F&E. Im Geschäftsjahr 2025/26 liegt der IST-Aufwand aus F&E der voestalpine Stahl GmbH bei 83,0 Mio. €.
Strategische Forschungsschwerpunkt
Die Forschungsschwerpunkte der voestalpine Stahl GmbH und der entsprechenden Bereiche leiten sich direkt aus den strategischen Stoßrichtungen des Unternehmens sowie den technologischen Anforderungen der Betriebe ab. Die zugehörigen F&E-Aktivitäten sind in den sogenannten Innovations- Roadmaps abgebildet, die die zentralen Entwicklungsprogramme und -projekte mit einem Planungshorizont von 10 bis 15 Jahren darstellen. Darüber hinaus wurde im abgeschlossenen Geschäftsjahr die konzernweite F&E- und Innovationsstrategie 2030+ erarbeitet und verabschiedet, welche einen strategischen Rahmen für die F&E-Aktivitäten der einzelnen Divisionen und Business Units vorgibt.
Entwicklung Produktportfolio
In der Produktentwicklung konzentrieren sich die F&E-Aktivitäten auf die kontinuierliche Weiterentwicklung hochfester und ultrahochfester Stahlgüten sowie auf neue Technologien und Anwendungen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung von Oberflächen- und Beschichtungstechnologien. Dazu zählen beispielsweise Maßnahmen zur Verbesserung der Außenhautqualität und neue Beschichtungssysteme zur Reduktion von Prozessschritten. Im Bereich der High-Performance- Elektrobandgüten werden unter anderem neue Legierungskonzepte und angepasste Wärmebehandlungen untersucht, um diese wirtschaftlich herstellen zu können.
Prozessentwicklungen
Im Themenfeld der Prozessentwicklungen stehen die kontinuierliche Optimierung der gesamten Produktionskette sowie die Weiterentwicklung digitaler und modellbasierter Simulations- und Steuerungsansätze im Fokus. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Verbesserung der Ressourceneffizienz und der Prozessstabilität.
Dekarbonisierung und Kreislaufwirtschaft
Im Bereich der Dekarbonisierung wird insbesondere der Übergang zur Elektrolichtbogenofenroute im Rahmen von TransMet intensiv begleitet. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf dem Umgang mit variierenden Begleitelementgehalten im Einsatzmaterial, die sich aus der stärkeren Nutzung von Sekundärrohstoffen ergeben. Mit werkstoffbasierten Modellen, prognosegesteuerten Prozesseingriffen und dynamischem Legieren werden Produktionsweisen entwickelt, um Eigenschaftsstreuungen zu minimieren und die Serienfertigung absichern zu können. Ergänzend dazu wird auch die Prüftechnik stetig weiterentwickelt und optimiert.
Parallel dazu wurden die vorbereitenden F&E-Aktivitäten für den dritten Schritt der Dekarbonisierung, die vollständige klimaneutrale Stahlproduktion, im abgelaufenen Geschäftsjahr weiter intensiviert. Die Wasserstoffelektrolyseanlage „H2FUTURE“ wird im Folgeprojekt „H2FUTURE Follow-up“ hinsichtlich der Reinigung, Verdichtung und Speicherung von Wasserstoff weiterentwickelt. Der resultierende hochreine Wasserstoff kann in der Folge für die Versorgung von Pilot- und Demonstrationsanlagen eingesetzt
werden. Im Herbst 2025 wurde der Spatenstich für die Demonstrationsanlage „Hy4Smelt“ gesetzt, die erstmalig eine direkte Verbindung des HYFOR‑ mit dem Smelter‑Prozess ermöglicht und damit die Herstellung von grünem Roheisen aus ultrafeinen Eisenerzen ohne vorhergehende Agglomeration erlaubt. Im größten Forschungsprojekt Österreichs werden die Grundlagen für einen möglichen industriellen Einsatz dieser Technologie gelegt, die eine hohe Rohstoffflexibilität bietet und den Einsatz global verfügbarer Eisenerzqualitäten mit Eisengehalten zwischen 50 und 70 % ermöglicht.
10. AUSBLICK
Das Geschäftsjahr 2026/27 beginnt zu einer Zeit, die deutlich stärker noch als das vergangene von geopolitischen Spannungen und handelspolitischen Unstetigkeiten dominiert ist. Insbesondere der Ende Februar eskalierte Konflikt rund um den Persischen Golf und die damit einhergehenden Preiserhöhungen für Öl und Gas setzen die europäische Industrie stark unter Druck.
In Summe sieht sich der europäische Stahlmarkt mit mehreren preistreibenden Faktoren konfrontiert:
» Steigende Energie- und Transportkosten als Folge der Sperre der Straße von Hormus » Die Erwartung an strengere Importquoten und erhöhte Importzölle: Diese sollen als wirksamer Schutz vor globaler Überkapazität, ab voraussichtlich Juli 2026, dienen. Ein aktueller Vorschlag der EU- Kommission sieht um 47 % geringere Importquoten als 2024 und 50 % Out-of-Quota Importzölle vor. » CBAM-bedingte Zusatzkosten: Diese konkretisieren sich schrittweise mit der Veröffentlichung der länderspezifischen Default-Werte und des ersten offiziellen Zertifikatpreises im April 2026.
Prognosen gehen daher von einem Anstieg der Stahlpreise für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 aus, wobei die Entwicklung maßgeblich von der Situation im Iran abhängt.
Die Prognosen des Internationalen Währungsfonds zum globalen Wachstum haben sich trotz US-Zöllen, die erst nach Veröffentlichung der letztjährigen Prognosewerte eingeführt wurden, für 2025 bewahrheitet (+3,3 %). Die Prognosewerte für 2026 und 2027 wurden wie üblich Mitte Jänner veröffentlicht (+3,3 % beziehungsweise +3,2 %). Mitte April wurde die Prognose für 2026 aufgrund des Iran-Konflikts und der damit einhergehenden Auswirkungen auf Rohstoffmärkte, Inflationserwartungen und Finanzierungsbedingungen noch nach unten auf +3,1 % korrigiert. Für die EU wurden die Prognosen für 2026 auf ein Wachstum von 1,3 % statt des Jänner-Forecasts von 1,5 % gesenkt, da die Region als Netto- Energieimporteur von den steigenden Energiekosten ebenfalls betroffen ist. Allen Prognosen liegt die Annahme zugrunde, dass der Krieg Mitte 2026 endet und in Intensität sowie Umfang begrenzt bleibt.
Der Dachverband der europäischen Stahlindustrie EUROFER rechnet für 2026 erneut mit einem leichten Anstieg des Stahlverbrauchs in Europa in Höhe von 1,3 % (Vorjahr +2,4 %). Der positive Ausblick soll sich für 2027 mit einem Wachstum von 1,4 % fortsetzen, sofern sich die Prognosen für die europäische Industrie verbessern und globale Spannungen nachlassen.
Verbraucherseitig wird für 2026 und 2027 über alle Branchen von einem moderaten Wachstum von 1,9 % beziehungsweise 2,2 % ausgegangen. In der Automobilbranche wird nach zwei rückläufigen Jahren nun von einer leichten Erholung ausgegangen (+0,9 % für 2026), wobei die Branche mit chinesischen Importen und US-Zöllen für den Export zu kämpfen hat. Für die Baubranche wird ein Wachstum in Höhe von 2,4 % für 2026 prognostiziert, das durch geldpolitische Lockerungen und EU‑Fördermaßnahmen im Bauwesen gestützt wird.
Ein weiterer positiver Impuls könnte vom derzeit diskutierten Industrial Acceleration Act (IAA) der EU ausgehen. Die europäische Stahlindustrie soll dabei als „strategischer Sektor“ durch Grünstahlquoten und Local-Content-Vorgaben unterstützt werden. Insbesondere wird über Vorgaben für die öffentliche Beschaffung und öffentliche Förderinstrumente diskutiert. Nach erster Einschätzung des europäischen Stahlverbandes EUROFER bedarf es jedoch deutlich ambitionierterer und umfassenderer Kriterien, damit der IAA tatsächlich zu einer spürbar erhöhten Nachfrage nach europäischem grünem Stahl führt.
Absatzseitig hat das Jahr 2026/27 positiv begonnen. Die Auftragssituation lag bislang auf gutem Niveau und führte zu einer stabilen Auslastung in der Produktion. Gleichzeitig zeigt sich die generelle Nachfrage am europäischen Stahlmarkt derzeit verhalten. Vor dem Hintergrund der Krise im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt hat sich der weitere Ausblick etwas eingetrübt und ist mit erhöhter Unsicherheit behaftet. Allerdings wird auf Basis der oben genannten Einflussfaktoren von steigenden Preisen in allen Segmenten ausgegangen.
Trotz unsicherem Umfeld und steigender Importe aus China, wird im Automobilsegment von einem leichten Anstieg der Produktionsmengen europäischer OEMs für 2026 ausgegangen. Ähnlich stabil verhält sich die Nachfrage im Segment Elektroindustrie, getrieben durch die voranschreitende Elektrifizierung der europäischen Flotten. In den Segmenten Verarbeitende Industrie und Hausindustrie bewegt sich die Nachfrage auf einem stabil guten Niveau. Die Segmente Maschinenbau und Energie sehen sich mit verhaltenen Bedarfen und einer aggressiven Preislandschaft konfrontiert.
Linz, am 20. Mai 2026
Der Vorstand
Zajicek Gruber Mitterdorfer Seidermann
Ein weiterer positiver Impuls könnte vom derzeit diskutierten Industrial Acceleration Act (IAA) der EU ausgehen. Die europäische Stahlindustrie soll dabei als „strategischer Sektor“ durch Grünstahlquoten und Local-Content-Vorgaben unterstützt werden. Insbesondere wird über Vorgaben für die öffentliche Beschaffung und öffentliche Förderinstrumente diskutiert. Nach erster Einschätzung des europäischen Stahlverbandes EUROFER bedarf es jedoch deutlich ambitionierterer und umfassenderer Kriterien, damit der lAA tatsächlich zu einer spürbar erhöhten Nachfrage nach europäischem grünem Stahl führt.
Absatzseitig hat das Jahr 2026/27 positiv begonnen. Die Auftragssituation lag bislang auf gutem Niveau und führte zu einer stabilen Auslastung in der Produktion. Gleichzeitig zeigt sich die generelle Nachfrage am europäischen Stahlmarkt derzeit verhalten. Vor dem Hintergrund der Krise im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt hat sich der weitere Ausblick etwas eingetrübt und ist mit erhöhter Unsicherheit behaftet. Allerdings wird auf Basis der oben genannten Einflussfaktoren von steigenden Preisen in allen Segmenten ausgegangen.
Trotz unsicherem Umfeld und steigender Importe aus China, wird im Automobilsegment von einem leichten Anstieg der Produktionsmengen europäischer OEMs für 2026 ausgegangen. Ahnlich stabil verhält sich die Nachfrage im Segment Elektroindustrie, getrieben durch die voranschreitende Elektrifizierung der europäischen Flotten. In den Segmenten Verarbeitende Industrie und Hausindustrie bewegt sich die Nachfrage auf einem stabil guten Niveau. Die Segmente Maschinenbau und Energie sehen sich mit verhaltenen Bedarfen und einer aggressiven Preislandschaft konfrontiert.
Linz, am 20. Mai 2026
Der Vorstand
Zajicek
Mitterdorfer