Inhaltsverzeichnis
1. Bericht über den Geschäftsverlauf und die wirtschaftliche Lage 1.1. Geschäftsverlauf
Erläuterungen über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
Die Dorfgemeinschaften Wienerwald gGmbH Tagesstätten und Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen, insbesondere mit komplexem Unterstützungsbedarf.
Das Konzept ist, Orte zu schaffen wo Menschenbegegnungen stattfinden können, nicht begrenzt auf zu begleitende Menschen, sondern offen für alle, die miteinander in Beziehungen treten wollen. Das Dorf als Lebens- und Begegnungsort, sollte alle wichtigen Bereiche (Leben - Arbeit - Kultur), die zu einem Gemeinschaftsleben dazugehören, beinhalten. Die Dorfgemeinschaften arbeiten auf Grundlage der anthroposophischen Heilpädagogik und Sozialtherapie. Anthroposophie bedeutet wörtlich aus dem Griechischen: „Weisheit vom Menschen“ und versteht sich als Anregung zur Entwicklung des Individuums und zur Neugestaltung von Lebens- und Kulturverhältnissen und nicht als System oder Lehre. Dieser Ansatz wird stets weiterentwickelt im Lichte aktueller Konzepte der Sozialbetreuung wie gegenwärtig der Inklusionsgedanke oder die UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, aber auch dem Konzept der Salutogenese.
Spezifische Fragen und Probleme des Geschäftszweiges
Die Dorfgemeinschaften als Lebens- und Begegnungsort basiert auf folgenden Strategien:
> Binnenraum schützen, sowie Offnung nach außen durch Feste & Veranstaltungen > Balance zwischen Individuum & Gemeinschaft wahren > Beitrag an die Welt im Sinne von Kooperationen > regionale Faktoren in der Lebens- und Wirtschaftsraumgestaltung berücksichtigen
Der Herausforderung, unterschiedliche Biografien in der Begleitung von Menschen mit Behinderung zu berücksichtigen wird neben fachlicher Expertise durch Offnung und Vernetzung ermöglicht. Ein Beispiel ist die inklusive Eventgruppe „DG-Event". Bei der DG Event der Dorfgemeinschaft Wienerwald in Breitenfurt handelt es sich um eine inklusive Eventgruppe, die sich aus Menschen mit und ohne Behinderung zusammensetzt. Mittlerweile ist sie anerkannte Ansprechpartnerin der Gemeinden für alles, was mit Veranstaltungen in und rund um die Dorfgemeinschaft Wienerwald zu tun hat. Verschiedenste Veranstaltungen, etwa Theater- und Disco-Veranstaltungen, Konzerte oder Feste, werden entsprechend den Wünschen der Bewohnerinnen und Bewohner der Dorfgemeinschaft geplant und umgesetzt. Durch die Vernetzung mit ortsansässigen Vereinen werden soziale Barrieren abgebaut und Menschen mit Behinderung im Gemeindeleben sichtbar gemacht. Dafür hat sie 2024 den Preis „Vorbild Barrierefreiheit“ der BhW Niederösterreich GmbH gewonnen.
Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister lobte das Engagement, das durch die ausgezeichneten Projekte zum Ausdruck kommt: „Diese Auszeichnung hilft dabei, gelebte Barrierefreiheit selbstverständlich zu machen. Die gekürten Best-Practice-Projekte dienen auch als Impuls und Ideengeber für weitere Projekte in ganz Niederösterreich. Die hier vor den Vorhang geholten Initiativen zeigen auch, dass sich immer mehr Menschen am Abbau von Barrieren und Hürden in unserer Gesellschaft beteiligen. Das Ziel ist die Teilhabe
von allen. Das erfolgreiche Gelingen ist vor allem eine Frage des Bewusstseins und des Wollens." (Auszug aus der Presseinformation des BHW)
Entwicklung des Ergebnisses
Entwicklung der Betriebserträge:
Die Betriebserträge betragen im Geschäftsjahr 2024 TEUR 11.907 (Vorjahr: TEUR 10.863) und haben sich somit gegenüber dem Vorjahr um TEUR 1.044 bzw. 9,61 % verändert.
Entwicklung der Betriebsaufwendungen:
Die Betriebsaufwendungen betragen im Geschäftsjahr 2024 TEUR 11.132 (Vorjahr: TEUR 10.491) und haben sich somit gegenüber dem Vorjahr um TEUR 641 bzw. 6,11 % verändert.
Entwicklung des Betriebsergebnisses:
Das Betriebsergebnis beträgt im Geschäftsjahr 2024 TEUR 775 (Vorjahr: TEUR 371) und hat sich somit gegenüber dem Vorjahr um TEUR 404 bzw. 108,89 % verändert.
Wichtige Ereignisse während des Geschäftsjahres
Die Impulse durch den neuen Standort Irenental und strukturelle Anderungen, wie eine andere Gestaltung der individuellen Begleitungszeiten, halfen das Betreuungsangebot, insbesondere für Personen mit hohem Unterstützungsbedarf zu erweitern bzw. zu vertiefen.
Das Streben nach einer laufenden Entwicklung der Beziehungsdienstleistung sichert stabile Vertragsverhältnissen im Außen und Innen.
Damit wurde die Grundlage für die Bewältigung der Hochwasserkatastrophe im Herbst 2024 geschaffen, die einen Notbetrieb am Standort Purkersdorf erforderlich machte.
Diese Grundlagen haben die Rahmbedingungen für eine Harmonisierung der langfristigen Verbindlichkeiten geschaffen. Daraus erwächst auch die Fähigkeit Projekte zur strategischen Zielerreichung umzusetzen. Gemeinsam mit Vertragspartner:innen, Unterstützer:innen, Angehörigen und zahlreichen Spender:innen gelang es den Schaden zu minimieren notwendige Investitionen vorzubereiten.
Die Hochwasserkatastrophe im Herbst 2024 verursachte am Standort Purkersdorf neben der Notwendigkeit eines Notbetriebs für zwei Wochen auch einen erheblichen Schaden an der Haustechnik. Die Schäden können durch Förderungen aus dem Katastrophenfonds des Landes Niederösterreich und dem laufenden Betrieb ausgeglichen werden.
1.2. Lage der Gesellschaft
Struktur des Unternehmens
Die Dorfgemeinschaften Wienerwald gGmbH ist an drei Standorten in Breitenfurt, Purkersdorf und im Irenental tätig.
Insgesamt sind 142 VZA beschäftigt. In den Tagesstätten (Werkstätten) konnte 112 Personen Teilhabe am Arbeitsleben ermöglicht werden. In Breitenfurt und Purkersdorf werden neben Werkstätten auch hochwertige Wohneinheiten vorgehalten, durchschnittlich 103 Personen genutzt haben.
Die Dorfgemeinschaften Wienerwald gGmbH ist eine 100% Tochter des Karl Schubert-Bauverein – Dorfgemeinschaft Breitenfurt, die im Jahr 2023 gegründet wurde. Zu diesem Zweck hat der Verein eine 100% Einbringung vorgenommen.
Finanz-, Vermögens- und Ertragslage
Das Eigenkapital der gGmbH beträgt TEUR 3.028, die Eigenmittelquote beträgt 25,80 % (Vorjahr 21,80 %)
Ermittlung der Eigenmittelquote gemäß § 23 URG:
| 2024 | 2023 | ||
|---|---|---|---|
| EUR | EUR | ||
| Eigenkapital laut Bilanz | 3.028.201,23 | 2.472.126,69 | |
| Gesamtkapital (§224 Abs. 3 UGB) | 14.595.685,88 | 14.282.046,48 | |
| - | von den Vorräten absetzbare Anzahlungen | 0,00 | 0,00 |
| - | Investitionszuschüsse | -2.141.843,57 | -2.209.224,94 |
| - | noch nicht widmungsgemäß verwendete Zuwendungen für das | ||
| Anlagevermögen | -725.136,02 | -756.937,69 | |
| Gesamtkapital | 11.728.706,29 | 11.315.883,85 |
Eigenmittelquote gemäß § 23 URG:
| Eigenkapital x 100 | |
|---|---|
| 25,80% Gesamtkapital | 21,80 % |
Ermittlung der fiktiven Schuldentilgungsdauer gemäß § 24 URG:
| 2024 | 2023 | ||
|---|---|---|---|
| EUR | EUR | ||
| Rückstellungen | 668.084,00 | 749.401,98 | |
| + | Verbindlichkeiten | 7.788.239,28 | 7.888.991,58 |
| - | sonstige Wertpapiere und Anteile | 0,00 | 0,00 |
| - | von den Vorräten absetzbare Anzahlungen | 0,00 | 0,00 |
| - liquide Mittel | -883.025,98 | -286.093,94 | |
| effektives Fremdkapital | 7.573.297,30 | 8.352.299,62 | |
| Jahresüberschuss | 556.074,54 | 155.177,64 | |
| + | Abschreibungen auf das Anlagevermögen und Verluste aus dem | ||
| Abgang von Anlagevermögen | 549.723,43 | 532.525,03 | |
| - Zuschreibungen zum Anlagevermögen und Gewinne aus dem | |||
| Abgang von Anlagevermögen | 0,00 | 0,00 | |
| - | Auflösung Investitionszuschüsse und noch nicht widmungsgemäß | ||
| verwendete Zuwendungen für Anlagevermögen | -99.183,04 | -142.001,76 | |
| +/- Veränderung langfristiger Rückstellungen | 9.252,00 | 12.066,00 | |
| Mittelüberschuss | 1.015.866,93 | 557.766,91 | |
Fiktive Schuldentilgungsdauer gemäß § 24 URG:
| (effektives) Fremdkapital | 7,5 Jahre | 15,0 Jahre |
|---|---|---|
| Mittelüberschuss |
Die kollektivvertragliche Anpassung der Gehälter um 9,20% und Leistungen aus dem Entgelterhöhungszweckzuschussgesetz belasten hier. Im Bereich der Materialkosten sind vor Allem Lebensmittel ein Treiber. Neben der deutlichen Preiserhöhung - teilweise über die Inflationsrate - wurden Aufwendungen zu Gunsten einer verbesserten Vorratshaltung getätigt.
Durch die Erhöhung der Tagsätze um rund 10% und gleichzeitig verbesserten Personaleinsatz konnte das Betriebsergebnis deutlich verbessert werden.
Der Geldfluss 2024 betrug in Summe € 596.932,04 und setzt sich zusammen aus dem Netto-Geldfluss aus der laufenden Geschäftstätigkeit von € 1.357.250,71 dem Netto-Geldfluss aus der Investitionstätigkeit von € - 274.829,18 und dem Netto-Geldfluss aus der Finanzierungstätigkeit von € - 485.489,49.
1.3. Vorgänge von besonderer Bedeutung nach Schluss des Geschäftsjahres
Es gab keine Vorgänge von besonderer Bedeutung nach Schluss des Geschäftsjahres.
1.4. Forschung und Entwicklung
Es wird keine Forschung und Entwicklung in der gGmbH betrieben.
2. Bericht über die voraussichtliche Entwicklung und die Risiken der Gesellschaft
2.1. Entwicklung
Wesentliche Änderungen im Unternehmen
In den letzten Jahren wurden Strukturen und Prozesse an äußere und innere Erfordernisse angepasst. Während technologische und gesellschaftliche Entwicklungen, wie die Digitalisierung auch Einzug in den Sozialbereich halten, gilt es die Balance angesichts von Informationsfülle und Dokumentationsanforderungen zu waren. Die Integration der neuen Zuständigkeiten und Abläufe verlangt die Steuerung von Information und Möglichkeit zur Beteiligung bzw. Gestaltungsmöglichkeit einzelner Themen. „Der Mensch im Zentrum aller Bestrebungen“ ermöglicht und limitiert Entwicklung.
- Personal
Neben der Weiterführung von Maßnahmen zur Betrieblichen Gesundheitsförderung in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat, wurde die vorgesehene Bildungsoffensive gestartet. Mit einer jährlichen Erhöhung des Fortbildungsbudgets um 33% für die kommenden 3 Jahre, erfolgte eine Investition in die Zukunft.
- Investitionen
Die IT-Infrastruktur wurde mittels Serverupgrade und Hardwaretausch grundlegend erneuert. Mit einer Glasfaserverbindung wurden die Systeme optimal ans Datennetz angebunden.
Das neue Zeiterfassungssystem wurde implementiert. Es ermöglicht eine tagesaktuelle Auswertung und erfüllt damit alle Anforderungen der Behörden. Die Erneuerung des Dokumentationssystem wurde im Herbst 2024 begonnen und wird 2025 abgeschlossen. Daneben ist ein Projekt zur elektronischen Eingangsrechungsverarbeitung gestartet worden.
- Finanzierung
Freigewordene Mittel - aufgrund des Auslaufens von Wohnbauförderungsdarlehen – wurden zur
Rückzahlung eines Darlehens reserviert. Insgesamt sind dafür TEUR 150 vorgesehen.
Entwicklung von Umsatz und Ergebnis
Der Gesamtumsatz ist maßgeblich von der Valorisierung der Mittel durch die öffentliche Hand abhängig. Für das Jahr 2025 wurden die Tagssätze für die Betreuung um 5,7% erhöht. Der zur Anwendung kommende Kollektivvertrag hat im gleichen Zeitraum die Gehälter um 4% angehoben.
Aktuelle fachliche Schwerpunkte liegen im Bereich der Gewaltprävention bzw. Krisenintervention. Diese Stärkung ist auch Voraussetzung um eine Person mit Sonderunterstützungsbedarf erfolgreich durch mehrere Kurzzeitunterbringungen zu begleiten.
Die laufende Entwicklung verläuft leicht positiv gegenüber Plan. Erhaltene Förderzusagen für Projektfinanzierungen sorgen für die notwendige Entwicklungsunterstützung
2.2. Risiken des Unternehmens
Aufgrund (geo-)politischer Rahmenbedingungen ist auch der Bereich der österreichischen Sozialwirtschaft von wirtschaftlichen Entwicklungen beeinflusst. Eine schwache Konjunkturlage und ein Spar-Budget der Bundesregierung weisen in Richtung Konsolidierung auf Landesebene. Trotzdem kann man aufgrund der historischen Entwicklung davon ausgehen, dass die Differenz zwischen den Erhöhungen der Tagsätze und der kollektivvertraglichen Erhöhung der Löhne und Gehälter ausgeglichen ausfallen wird.
Der hohen Abhängigkeit von öffentlichen Mitteln und einer entsprechenden Flexibilität in der Begleichung offener Forderungen durch die Kostenträger, wird durch laufendes Liquiditätsmonitoring und Pufferbildung in der Höhe eines Gehaltslaufs begegnet.
Als gemeinnütziger Dienstleister wird Risiko, als auch Erfolg wesentlich durch einen möglichen Personaleinsatz bestimmt. Neben alternativen Recruting-Strategien, sind Mitarbeiterbindung, als auch Qualifizierungsmaßnahmen wesentlich. Maßnahmen zur
Die Möglichkeit variabel in der Energieversorgung zu bleiben, ist neben dem Finanz- und dem Personalbereich der dritte Schlüssel zu einem gelungenen Risikomanagement. Investitionen in die Sanierung der älteren Gebäudeteile, sind mit dem Ausbau erneuerbare Energien eine wesentliche Herausforderung der nächsten Jahre
Datum, Unterschriften der Geschäftsführer
Datum, Unterschriften der Geschäftsführer