Inhaltsverzeichnis
1. Geschäftsverlauf und wirtschaftliche Lage
Die Finanzierung der erbrachten Leistungen erfolgt über die mit dem Land Tirol vereinbarten Stunden-, Halb- und Tagsätze und richtet sich nach dem jeweiligen Leistungsangebot (aufsuchender Dienst, Wohnen, Tagesstruktur). Im Zuge des Transparenzprozesses wurden für die Einrichtungen verbindliche Qualitätsstandards, Leistungsbeschreibungen sowie ein Normtarifmodell erarbeitet, die im Tiroler Teilhabegesetz (TTHG) verankert wurden. Das TTHG wurde im Dezember 2017 vom Tiroler Landtag beschlossen.
Die Tarife wurden in den Folgejahren entsprechend den Vorgaben des Normtarifmodells angepasst. Im Jahr 2025 wurde aufgrund von Budgeteinsparungen des Landes Tirol erstmals von der regulären Anpassung nach dem Normkostenmodell abgewichen. Die Tarifanpassung wurde mit einer Verzögerung von zwei Monaten umgesetzt. Gleichzeitig führten die gestiegenen Personalkosten sowie die weiterhin hohen Kosten für Energie, Lebensmittel und sonstige Produkte und Dienstleistungen zu erhöhtem wirtschaftlichem Druck und machten eine konsequente Budgetdisziplin erforderlich.
Aufgrund der hohen Auslastung in allen Leistungsbereichen sowie der konsequenten Budgetdisziplin konnte das Geschäftsjahr 2025 mit einem Überschuss abgeschlossen werden.
1.1 Geschäftslage
Die finanzielle Situation der PSP gGmbH ist grundsätzlich gesichert, sofern die Budgetvorgaben eingehalten werden und die Finanzierung durch das Land Tirol auf Basis der vereinbarten Normtarife einschließlich entsprechender Anpassungen gewährleistet bleibt. Insbesondere die kollektivvertraglichen Steigerungen der Personalkosten sowie allgemeine Preissteigerungen wirken sich deutlich auf die Kostenstruktur aus und erhöhen zugleich den Druck auf den Kostenträger. Vor diesem
Hintergrund gestalten sich die Tarifverhandlungen zunehmend anspruchsvoll. Darüber hinaus stellen die materiellrechtlichen Verbesserungen im Kollektivvertrag der vergangenen Jahre, die nicht immer vollständig im Normtarif abgebildet werden können, eine zusätzliche Herausforderung für die Leistungserbringer dar.
Eine weitere Herausforderung stellt die Gewinnung von entsprechend facheinschlägig qualifiziertem Personal dar. Da die Höhe der Tarife in den einzelnen Leistungen an vorgegebene Qualifikationsgrade gebunden ist, besteht ein einnahmeseitiges Risiko, wenn offene Stellen nicht durch entsprechend qualifizierte Bewerberinnen nachbesetzt werden können. Durch ein Bündel an Maßnahmen im Personalmanagement, insbesondere im Bereich Employer Branding, konnten offene Stellen im Berichtsjahr dennoch zeitnah nachbesetzt und die erforderlichen Qualifikationsgrade in allen Leistungsbereichen zu 100 % erfüllt werden.
Der Eigentümer, der Verein „Psychosozialer Pflegedienst Tirol“, wird regelmäßig und transparent über die wirtschaftliche Situation informiert. Zur laufenden wirtschaftlichen Steuerung werden sowohl Finanz- als auch Personalcontrolling eingesetzt. Ergänzend wird eine laufende Liquiditätsprognose erstellt und regelmäßig aktualisiert.
Trotz der Vorgaben des Tiroler Teilhabegesetzes konnten die Rahmenverträge zwischen den Trägern und dem Land Tirol auch im Jahr 2025 noch nicht abgeschlossen werden. Es wird davon ausgegangen, dass die im TTHG vorgesehenen Rahmenverträge im Jahr 2026 unterzeichnet werden können.
Die fachliche und die kaufmännische Geschäftsführung der PSP gGmbH sind weiterhin in wesentlichen Fach- und Interessensgremien vertreten. Insbesondere bei Budgetverhandlungen sowie bei der Weiterentwicklung von Leistungen und Qualitätsstandards hat sich das abgestimmte gemeinsame Auftreten gegenüber dem Land Tirol als wesentlich erwiesen.
1.2 Entwicklung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage
Im Berichtsjahr stiegen die Umsatzerlöse um TEUR 1.283 bzw. 7,11 %. Die Umsatzsteigerung resultiert insbesondere aus den für 2025 angepassten Tarifen sowie aus der hohen Auslastung der Leistungsangebote.
a) Vermögenslage:
Die Bilanzsumme beträgt TEUR 3.122. Das Eigenkapital samt Rücklagen weist einen Wert von TEUR 890 auf, was einem Anteil von 28,5 % der Bilanzsumme entspricht. Der Anteil des Anlagevermögens beträgt 0 %.
b) Ertragserlöse:
Die Umsatzerlöse betragen TEUR 19.342. Die Personalkosten belaufen sich auf TEUR 14.273 und entsprechen damit rund 74 % der Umsatzerlöse.
Bei der PSP gGmbH handelt es sich um eine gemeinnützige Gesellschaft, deren wirtschaftliche Ausrichtung auf Kostendeckung und nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtet ist. Ziel ist es, die laufenden Aufwendungen durch kostendeckende Tag-, Halb- und Stundensätze der Kostenträger, insbesondere des Landes Tirol, zu finanzieren. Klassische Rentabilitätskennzahlen besitzen daher für die Beurteilung der wirtschaftlichen Entwicklung nur eine eingeschränkte Aussagekraft.
Die Tiroler Landesregierung hat in ihrer Sitzung vom 11.03.2025 für die von der PSP gGmbH zu erbringenden Leistungen die nachfolgenden Tarife mit rückwirkender Gültigkeit ab 01.03.2025 festgesetzt.
| PN | Sozialpsychiatrische Einzelbegleitung | € | 95,80 | ||
|---|---|---|---|---|---|
| PABI | Tagesstruktur - Sozialpsychiatrie | € | 63,50 | ||
| PWG | Begleitetes Wohnen exklusive Tagesstruktur - Sozialpsychiatrie | € | 90,40 | ||
| dazugehörige Platzhaltegebühr | € | 72,30 | |||
| PWGG | Begleitetes Wohnen inklusive Tagesstruktur - Sozialpsychiatrie | € | 180,60 | ||
| dazugehörige Platzhaltegebühr | € | 144,50 | |
|---|---|---|---|
| Begleitetes Wohnen inklusive Tagesstruktur – Sozialpsychiatrie | |||
| PWGI | (intensiv) | € | 234,80 |
| dazugehörige Platzhaltegebühr | € | 187,80 |
2. Voraussichtliche Entwicklung und Risiken des Unternehmens
2.1 Prognose und Bedarfslage
Für die zukünftige Entwicklung wird weiterhin von einer hohen Auslastung in allen Leistungsbereichen ausgegangen. Aufgrund des anhaltend hohen Unterstützungsund Betreuungsbedarfs der Klient:innen ist zu erwarten, dass die Nachfrage nach den angebotenen Leistungen auf einem hohen Niveau bleibt.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der kontinuierlichen Steigerung der Effizienz in der Verwaltung. Durch die Optimierung interner Prozesse und Abläufe sowie den gezielten Einsatz unterstützender Software sollen vorhandene Ressourcen bestmöglich genutzt und Verwaltungsaufwendungen nachhaltig begrenzt werden. Für die weitere Geschäftsentwicklung wird insgesamt von einer anhaltend hohen Nachfrage und einer entsprechend stabilen Auslastung ausgegangen. Die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung wird insbesondere von der künftigen Finanzierung der erbrachten Leistungen, der Entwicklung der Personal- und Sachkosten sowie der Verfügbarkeit ausreichend qualifizierter Mitarbeiter:innen beeinflusst.
2.2 Vorgänge nach dem Geschäftsjahr
Nach Ende des Geschäftsjahres wurden gemeinsam mit der ARGE SODiT (Arbeitsgemeinschaft Soziale Dienste Tirol) die -Tarifverhandlungen für das Jahr 2026 geführt. Im Ergebnis wurde eine Tariferhöhung vereinbart, die aufgrund budgetärer Einsparungsmaßnahmen des Landes Tirol unterhalb der allgemeinen Kostensteigerungen liegt. Die daraus resultierenden Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung konnten durch bereits umgesetzte Maßnahmen zur Kostenoptimierung teilweise abgefedert werden.
Darüber hinaus werden gemeinsam mit der ARGE SODiT bereits Tarifverhandlungen für das Jahr 2027 geführt. Deren Ergebnisse werden einen wesentlichen Einfluss auf die zukünftige Entwicklung der Erlös- und Kostenstruktur der PSP gGmbH haben.
2.3 Bestehende Risiken und Risikomanagement
Ein wesentliches Risiko für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung der PSP gGmbH besteht in möglichen weiteren Einsparungsmaßnahmen des Landes Tirol. Insbesondere besteht das Risiko, dass künftige Tarifanpassungen die Entwicklung der Personal-, Sach- und sonstigen betrieblichen Kosten nicht in ausreichendem Umfang abbilden. Eine zunehmende Differenz zwischen Kosten- und Erlösentwicklung könnte die wirtschaftliche Situation der Gesellschaft erheblich belasten.
Ein weiteres wesentliches Risiko stellt die Verfügbarkeit qualifizierten Personals dar. Aufgrund der angespannten Arbeitsmarktsituation besteht das Risiko, dass benötigte Mitarbeiter:innen nicht in ausreichendem Umfang, nicht mit entsprechend hoher Qualifikation oder nicht zeitgerecht rekrutiert werden können. Dies kann sowohl die Leistungserbringung als auch die Erfüllung der vorgegebenen Qualifikationsanforderungen beeinflussen.
Darüber hinaus wird die Entwicklung des Wettbewerbsumfelds laufend beobachtet. Veränderungen bei bestehenden Anbietern sowie das Auftreten neuer Anbieter können Auswirkungen auf die Nachfrage, die Personalgewinnung und damit auf die wirtschaftliche Entwicklung einzelner Leistungsbereiche haben.
Zur frühzeitigen Identifikation und Steuerung wesentlicher Risiken werden unter anderem Szenarioplanungen durchgeführt. Dabei werden unterschiedliche Entwicklungen hinsichtlich Nachfrage, Kosten, Tarifen und Personalverfügbarkeit sowie deren mögliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation der Gesellschaft analysiert. Auf dieser Grundlage können erforderliche Maßnahmen frühzeitig abgeleitet und umgesetzt werden.
Sollten sich einzelne Leistungsbereiche oder Standorte, insbesondere in peripheren Regionen, aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dauerhaft nicht kostendeckend betreiben lassen, werden mögliche Anpassungen des Leistungsangebots bis hin zu einem Rückzug aus einzelnen Gebieten geprüft. Eine entsprechende Entscheidung würde unter sorgfältiger Abwägung der Versorgungssituation, des bestehenden Bedarfs der Klient:innen, der Nachfrageentwicklung und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen getroffen werden.
2.4 Forschung und Entwicklung
Die kontinuierliche fachliche und qualitative Weiterentwicklung der angebotenen Leistungen stellt für die PSP gGmbH einen wesentlichen Schwerpunkt dar. Aus den vom Land Tirol vorgegebenen Qualitätsstandards ergeben sich laufend Anforderungen an die Qualifikation, Schulung und fachliche Weiterentwicklung der Mitarbeiter:innen.
Im Zusammenhang mit dem vom Land Tirol eingeführten Gewaltschutzstandard neu sind sämtliche Mitarbeiter:innen entsprechend zu schulen. Die erforderlichen Schulungsmaßnahmen wurden bereits im Jahr 2025 durchgeführt und werden im Jahr 2026 fortgesetzt. Die Durchführung dieser Schulungen sind mit einem beträchtlichen personellen und zeitlichen Aufwand verbunden.
Darüber hinaus sind neu eintretende Mitarbeiter:innen verpflichtet, innerhalb der ersten zwei Jahre ihrer Tätigkeit den Sozialpsychiatrischen Basiskurs im Umfang von 100 Unterrichtseinheiten (UE) zu absolvieren. Die Sicherstellung dieser umfassenden
fachlichen Qualifizierung ist ebenfalls mit erheblichen personellen und finanziellen Aufwendungen für die Gesellschaft verbunden.
Parallel dazu wird das Qualitätsmanagement der PSP gGmbH kontinuierlich aufgebaut und weiterentwickelt. Bestehende Qualitätsstandards, Prozesse und interne Abläufe werden laufend überprüft, weiterentwickelt und an fachliche sowie regulatorische Anforderungen angepasst. Ziel ist es, eine dauerhaft hohe Qualität der Leistungserbringung sicherzustellen, organisationsweit einheitliche Standards zu fördern und kontinuierliche Verbesserungsprozesse zu etablieren.
Insgesamt ist die PSP gGmbH trotz der herausfordernden wirtschaftlichen und personellen Rahmenbedingungen gut aufgestelt, um die bestehenden Leistungen auch künftig in hoher fachlicher Qualität und unter Wahrung der wirtschaftlichen Stabilität nachhaltig sicherzustellen.
Alleingesellschafter der PSP gGmbH ist der Verein „Psychosozialer Pflegedienst Tirol“.
Jacob Weath define
Nicole Schatz-Derfeser kaufmännische Geschäftsführung
we Role
Mag. Miriam Plaickner fachliche Geschäftsführung