Inhaltsverzeichnis
2025 LAGEBERICHT
Kwizda Agro GmbH
Kwizda Agro GmbH Universitätsring 6 1010 Wien
Inhaltsverzeichnis
1 Gesamtwirtschaftliche Entwicklung und Branchen-entwicklung...................................... 2 1.1 Österreich ............................................................................................................... 2 1.2 International ............................................................................................................ 4 2 Geschäftsverlauf und Lage des Unternehmens.............................................................. 6 2.1 Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften .................................................. 9 2.2 Vermögens-, Finanz- und Ertragslage....................................................................10 2.3 Personal.................................................................................................................10 2.4 Weitere Leistungsindikatoren .................................................................................12 2.4.1 Forschung- und Entwicklung ...........................................................................12 2.4.2 Nachhaltigkeit .................................................................................................14 2.4.3 Umwelt............................................................................................................16 2.5 Risiko- und Chancenbericht ...................................................................................18 2.5.1 Chancenmanagement.....................................................................................18 2.5.2 Risikomanagement und Verwendung von Finanzinstrumenten .......................19 2.5.3 Internes Kontrollsystem...................................................................................20 2.5.4 Compliance .....................................................................................................20 2.5.5 Business Continuity.........................................................................................21 3 Ausblick.........................................................................................................................22 3.1 Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen ...................22 3.1.1 Österreich .......................................................................................................22 3.1.2 International ....................................................................................................23 3.2 Voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens ..................................................24
1 Gesamtwirtschaftliche Entwicklung und Branchenentwicklung
1.1 Österreich
Laut Österreichischer Nationalbank (OeNB) hat Österreich die längste Nachkriegsrezession Ende 2024 überwunden. Nach sieben negativen Quartalen setzte im ersten Halbjahr 2025 wieder Wachstum ein. Die OeNB revidierte ihre Prognose für das Gesamtjahr 2025 leicht auf +0,6%. Damit folgte auf die Rückgänge von -0,8% (2023) und -0,8% (2024) eine vorsichtige Stabilisierung, die sich im zweiten Halbjahr jedoch deutlich abschwächte. Die Erholung blieb verhalten und wurde durch externe Risiken wie Euroaufwertung und US-Zölle sowie interne Konsolidierungsmaßnahmen gebremst.
Die Inflationsdynamik drehte entgegen der Entspannung im Jahr 2024 wieder nach oben: Nach 2,9% im Jahr 2024 wurde für 2025 eine HVPI-Inflationsrate von rund 3,6% prognostiziert. Treiber sind das Auslaufen staatlicher Energie-Entlastungen und die Verteuerung von Energie zu Jahresbeginn; auch Dienstleistungen und Nahrungsmittel blieben hartnäckig teuer. Aufgrund der in der Eurozone sinkenden Inflationsraten hatte die EZB den Leitzins im Euroraum 2025 im Juni 2025 auf 2,15% gesenkt und anschließend unverändert belassen.
Die für die Kwizda Agro GmbH relevanten Märkte in Österreich lassen sich in die Segmente „Landwirtschaftliche und Forstwirtschaftliche Produktion“, „Heim & Gartenbedarf“ für Hobbygärtner, „Professionelle Schädlingsbekämpfung“ sowie „Auftragsproduktion Pflanzenschutz“ und die Produktion von „White Lable Biozide“ einteilen.
Der für die Kwizda Agro GmbH in Österreich wichtigste Markt ist die „Landwirtschaftliche Produktion“ mit einem Marktvolumen (ex. Industrie) von etwa 102 Mio. EUR im Jahr 2025. Dies bedeutet eine flache Marktentwicklung, bedingt durch einen leichten Mengenrückgang und nur sehr verhaltene Preissteigerungen zum Vorjahr. Die sehr verhaltende Marktdynamik lässt sich durch folgende Parameter beschreiben:
1. Lagerstände wurden über die gesamte Wertschöpfungskette des Handels, aber auch seitens der Landwirte noch einmal um 40% verringert. In Österreich wird die Reduktion der Lagerstände mit ca. 2 Mio. EUR bewertet. Relativ hohe Finanzierungskosten und eine flache Preisentwicklung führen zu einem erhöhten Bewusstsein seitens der Handelsstufen, sehr vorsichtig mit Lagerbeständen umzugehen. 2. Zusätzlich waren die Landwirte sehr zurückhaltend in Bezug auf Investitionen in ihre Pflanzenbestände. Die Weltmarktpreise für die wichtigsten in Österreich aber auch in
Europa angebauten Commodities (Weizen, Mais und Zuckerrüben) waren weiterhin niedrig und sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur leicht gestiegen. Besonders dramatisch ist die Entwicklung am europäischen Zuckermarkt. Die Preise am EU Binnenmarkt sind innerhalb eines Jahres um über 30% eingebrochen. Neben den regulären zollfreien Importen, die in Freihandelsabkommen vereinbart wurden, belasteten weitere zollfreie Sonderimporte den EU Markt. Als Konsequenz wurde der Zuckerrübenanbau um fast 50% reduziert und Verarbeitungsstätten in Österreich geschlossen.
Aufgrund dieser Entwicklung war auch der Betriebsmitteleinsatz bei den Landwirten im Bereich der hochwertigen Dünger und Pflanzenschutzmittel sehr verhalten.
3. Weitere Einschränkungen im Bereich von Wirkstoffen und die sehr verzögerten Zulassungsverfahren im Bereich des chemisch synthetischen als auch biologischen Pflanzenschutzes verschärfen die unter Punkt 2 angeführte und fehlende Marktdynamik. Wichtige Kulturen wie der Winterraps, die Zuckerrübe aber auch der Obst- und Gemüseanbau sind in Österreich aufgrund fehlender Technologien im internationalen Wettbewerb nicht mehr wettbewerbsfähig
Ganz anders entwickelt sich der Heim- und Gartenbereich sowie die professionelle Schädlingsbekämpfung. Die klimatisch sehr herausfordernden Gegebenheiten haben dazu geführt, dass wie bereits 2024 ein massives Auftreten aller relevanten Schadinsekten beobachtet wurde (Ameise, Wespe, Schaben, Wanzen). Dementsprechend wurde auch in die Stärkung der Garten- und Heimpflanzen sehr viel investiert, was dazu führte, dass dieser Bereich aufgrund der Insektizide wieder zulegen konnte. Regulatorisch bedingte Einschränkungen führten aber dazu, dass der zuletzt sehr starke Internethandel wieder leicht rückläufig war.
Die professionelle Schädlingsbekämpfung, welche vor allem in den Bereichen Hotellerie und Gastronomie eine Rolle spielt, hat aufgrund von regulatorisch bedingten Einschränkungen für nicht professionelle Anwender, ebenfalls wieder stark zulegen können. Trotz dieser kurzfristig beobachtbaren positiven Marktentwicklung, wird auch im Bereich der Schädlingsbekämpfung die Verfügbarkeit von Wirkstoffen in Zukunft sehr stark eingeschränkt werden.
1.2 International
Im Jahr 2025 war das globale wirtschaftliche Umfeld weiterhin von hoher Unsicherheit geprägt. Laut OeNB verlangsamte sich das weltweite BIP-Wachstum (ohne Euroraum) leicht von 3,6% im Jahr 2024 auf prognostizierte 3,5% im Jahr 2025, was insbesondere auf zunehmende politische Unsicherheit und protektionistische Maßnahmen zurückzuführen ist. Auch die Weltbank bestätigte in ihren Global Economic Prospects, dass der Welthandel 2025 von erhöhten Handelsbarrieren und geopolitischer Unsicherheit belastet wurde. Zugleich sendeten große Volkswirtschaften gemischte Signale: Während die USA nach wie vor robust gewachsen ist, verzeichnete China einen weiteren Rückgang des Wachstums – unter anderem aufgrund der anhaltenden Schwäche des Immobiliensektors, des demografischen Wandels und anhaltender Handelsbeschränkungen.
Die globale Inflation ging laut IWF weiterhin zurück, blieb jedoch regional unterschiedlich ausgeprägt. Während die Inflation in vielen asiatischen Volkswirtschaften niedrig blieb, verharrte sie in den USA über dem Zielwert, was zentrale Banken weltweit vor einen Balanceakt zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsrisiken stellte.
Im Euroraum zeigte sich ein differenziertes Bild: Nachdem das Wachstum seit 2023 durch restriktive Finanzierungsbedingungen und Wettbewerbsprobleme gedämpft war, erwartete die EZB für 2025 ein reales BIP-Wachstum von 1,4% - gestützt durch steigende Reallöhne, robuste Arbeitsmärkte, zusätzliche staatliche Ausgaben sowie durch die Wirkung der seit Juni 2024 erfolgten Zinssenkungen.
Die Inflation im Euroraum lag laut EZB im Jahresdurchschnitt 2025 bei 2,0% und damit moderat über dem Zielwert. Wobei für das Jahr 2026 ein weiterer Rückgang erwartet wird. Dies spiegelt sich weiterhin in der hohen Dienstleistungsinflation und der Basiseffekte im Energiebereich wider.
Europaweit haben sich die für die Kwizda Agro relevanten Märkte grundsätzlich analog zu den österreichischen Märkten entwickelt.
Der europaweite Markt an Pflanzenschutzmitteln für die „Professionelle Landwirtschaft“ hat sich 2025 wieder eher flach entwickelt. Die Hauptursachen findet man in den folgenden Tatsachen:
1. Weiterhin sehr starker Abbau von Lagerbeständen auf Händlerebene während der gesamten Saison. Eine Analyse dieser Entwicklung in Ungarn, Rumänien und Deutschland ergibt, dass die Lagerstände in Rumänien um 30 Mio. EUR, in Ungarn um
3 Mio. EUR und in Deutschland um mehr als 50 Mio. EUR zurückgegangen sind. Grund für diesen hohen Druck auf die Finanzierung der Händler sind weiterhin hohe Zinsniveaus und damit gestiegener Finanzierungskosten 2. Geringere Intensität der Anwendungen bei den Landwirten im Bereich der Produktsegmente Blattdünger und Pflanzenschutzmittel aufgrund verhaltener Commodity Preisentwicklungen im Vergleich zum Vorjahr. Die geringere Intensität kann einerseits auf eine Reduktion der eingesetzten Mengen aber auch in einem vermehrten Einsatz von günstigeren Technologien (Generika) zurückgeführt werden. 3. Hitzegestresste Bestände und damit niedrige Ertragserwartungen der Landwirte, vor allem im Südosteuropäischem Raum.
Besonders gravierend haben sich diese Faktoren für die immer wichtiger werdenden landwirtschaftlichen Märkte in den USA ausgewirkt. Verstärkt durch die anhaltenden Zollstreitigkeiten zwischen den USA und China und dem damit verbundenen Wegfall wichtiger amerikanischer Exportmärkte, kam es im US-amerikanischen Markt zu einer massiven Reduktion des Pflanzenschutzmarktes. In den für Kwizda Agro relevanten Soja- und Baumwollmärkten im Südosten der USA, sind die Märkte um fast 30% zurückgegangen.
Eine leichte Erholung der landwirtschaftlichen Märkte lässt sich aufgrund der erhöhten Nachfragemenge im Bereich der Auftragsproduktion prognostizieren. Obwohl aufgrund der Besonderheit des Marktes Vergleichszahlen aus den Vorjahren bzw. Trends fehlen, war die gesamte Industrie mit sehr hohen Auftragsvolumen ab dem zweiten Quartal 2025 konfrontiert.
Auch im Bereich der Biozide (sowohl die Segmente für die professionelle Anwendung als auch der Bereich der Haushalts-Biozide) entwickelten sich die internationalen Märkte im Jahr 2025 wieder positiv. Hier galt, wie auch in Österreich, dass die sehr heißen Sommertage im generellen die Insektenpopulationen sehr stark wachsen hat lassen.
Ein wesentlicher Wachstumsmarkt für die Kwizda Agro ist weiterhin die Forstwirtschaft bzw. die Aufforstung in Europa sowie den USA. Eine steigende Fläche an Wald (Klimaschutz) bringt größere Lebensräume für wachsende Wildpopulationen, die sowohl im Wald als auch im Feld schwere Fraß-Schäden anrichten können. Diese Entwicklung beobachtete die Kwizda Agro schon länger und hat daher die Vermarktung weiter ausgebaut. In Europa wurde für das bereits sehr etablierte Wildverbissmittel Trico der Vertrieb intensiviert. Als weiterer Expansionsschritt wurde Trico auch außerhalb der EU in den relevanten Märkten Nordamerikas registriert und mit der Vermarktung gestartet.
2 Geschäftsverlauf und Lage des Unternehmens
Die Kwizda Agro GmbH ist in verschiedenen Märkten und Segmenten tätig. Dazu zählen der Vertrieb von konventionellen und biologischen Pflanzenschutzmitteln in der Business Unit Crop Solutions in Europa und Nordamerika. In der Business Unit Industrial Solutions werden die Erbringung von Produktions- und erweiterter Dienstleistungen von Pflanzenschutzmittel und Biozid Produkten in der Business Unit Tolling, sowie die Produktion und Vermarktung von Produkten im Bereich Biozide betrieben. Unterstützt werden diese Bereiche durch die Entwicklungsabteilungen (zusammengefasst in Technology & Product Development sowie Global Portfolio und Asset Management), Marketing, Finanz, Projektmanagement und Digitalisierung. Produktion und Supply Chain stellen die Produktverfügbarkeit sicher.
Regionaler Schwerpunkt der Tätigkeiten ist nach wie vor Europa. Mit der Gründung einer Vertriebsgesellschaft für Nordamerika im Jahr 2022 begann die Präsenz im amerikanischen Markt. Aufgrund der schon beschriebenen schwierigen Marktbedingungen lagen 2025 die Verkaufsvolumen des Eigenproduktes Trico USA leicht unter denen des Jahres 2024. Der Fokus der Kooperation mit einem lokalen Distributor ist weiterhin von einer geographischen Ausweitung in den einzelnen Bundesstaaten, einer Verbreiterung der Anwendungen in verschiedenen landwirtschaftlichen Kulturen und des Heim & Garten Marktes geprägt. Die Erkenntnisse der Saison 2025 wurden in einem intensiven Prozess aufgearbeitet und führten dazu, dass die US-Organisation einerseits aus Österreich heraus mit neuen Kompetenzen als auch mit zusätzlichem technischem Verkaufspersonal lokal verstärkt wurde. Die Bearbeitung des kanadischen Marktes wurde ebenfalls mit einem Agenten fortgesetzt.
Nach dem sehr schwierigen Geschäftsjahr 2024, konnte 2025, trotz schwieriger Rahmenbedingungen in den verschiedenen Märkten, wieder ein leichtes Wachstum generiert werden. Dadurch konnte die insgesamt positive Geschäftsentwicklung der Kwizda Agro GmbH der letzten Jahre fortgesetzt werden. Die äußerst herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wie sinkende Preise und weiterer Lagerabbau in allen Handelsstufen führten aber zu einer Verlangsamung des Wachstums. Das Unternehmen konnte mit Ausnahme der USA in allen Geschäftsbereichen und Business Units das Ergebnis leicht ausbauen. Zusätzlich wurden weitere ausgabenseitige Maßnahmen getroffen, um die nachfragebedingten Umsatzrückgänge zu kompensieren.
Dahingehend wurden folgende Maßnahmen im Jahr 2025 umgesetzt:
1. Anpassungen im Overhead der Kwizda Agro und gleichzeitige Stärkung der Verkaufsorganisationen in margenstärkeren Wachstumsegmenten, Geographien und Produktgruppen. 2. Striktes Kostenmanagement in allen Unternehmensbereichen und Realisierung von Einsparungspotentialen.
Mit diesen Maßnahmen konnten die marktbedingten Nachfragerückgänge bzw. gestiegenen Kostenbasis zum Teil kompensiert werden.
Im Bereich Exklusivvertrieb Pflanzenschutz und Spezialdünger (Teil der CROP-Solutions) kam es in sämtlichen Ländern (AT, HU, RO, DE) zu dem bereits erwähnten vorsichtigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Spezialdüngern. Damit konnten die Absatzmengen im Vergleich zum Vorjahr nur leicht gesteigert werden. Im Zusammenhang mit einem rückläufigen Markt konnten aber die Marktanteile in allen Märkten ausgebaut werden.
Der Bereich der Eigenprodukte entwickelte sich geographisch sehr verschieden. Während in den amerikanischen Märkten die fehlende Marktdynamik zu Umsatzrückgängen geführt hat, konnten die europäischen Märkte sowohl an Volumen als auch an Umsätzen zulegen. Die Umsätze von den Produkten Korit und Trico wurden in den verschiedenen europäischen Märkten deutlich gesteigert. Vor allem die Tatsache, dass ein Großteil des französischen Maismarktes nun mit Korit gebeiztem Saatgut bedient wird, hat zu sehr hohen Umsatzzuwächsen im Bereich der vogelrepellenten Beizen geführt.
Durch diesen Portfoliomix konnte die Kwizda Agro GmbH im Bereich Crop Solutions die negativen Auswirkungen der generellen Marktentwicklung im Pflanzenschutz minimieren und den Umsatz leicht steigern.
Im Bereich der Biozide konnte die positive Marktentwicklung genutzt werden, um die Umsätze zu steigern. Zusätzlich zeigt die eingeschlagene Strategie des Aufbaus eines chemisch synthetischen als auch biologischen Portfolios auf Basis einer Formulierungsplattform Wirkung. Die in den letzten Jahren getätigten Investitionen in die Wirkstoffe Acetamiprid, Cyphenothrin und Pyrethrum führen dazu, dass in allen Märkten Europas als auch in einigen Exportmärkten zusätzliche Kunden gewonnen werden konnten. Die Veräußerung des Produktionsstandortes in Val d Íze wurde im ersten Halbjahr 2025 erfolgreich abgeschlossen. Aufgrund des neuen Setups in Produktion und Supply Chain kam es aber in den letzten Monaten des Jahres 2025 vermehrt zu Lieferschwierigkeiten, die zu einer Verschiebung von
einzelnen Lieferungen in das Jahr 2026 geführt haben. Diese Thematik wird von den Teams im „External Manufacturing Services“ intensiv bearbeitet und soll bis zum 2. Quartal des nächsten Jahres entsprechend gelöst werden.
Auch im Bereich der Auftragsproduktion (Tolling) wurde im letzten Jahr erfolgreich in neue Technologien investiert. So konnten die bestehende Granulationsanlagen auf die Verarbeitung der Wirkstoffe Folpet und Captan qualifiziert werden. In den Flüssiganlagen konnte mit dem Wirkstoff Bixlozone eine Reihe von Produktionen von internationalen Industrieunternehmen gewonnen werden. Dadurch konnte die Auslastung der Produktionslinien erhöht werden. Trotz allem muss weiterhin an der Kostenstruktur der Produktion konsequent weitergearbeitet werden. Die durch die Inflation der letzten Jahre in Österreich besonders stark gestiegenen Kosten im Bereich von Energie und Personal können bei einigen Kundensegmenten nicht weitergegeben werden und müssen durch konsequente Kosteneinsparungsmaßnahmen in der Produktion kompensiert werden.
Insgesamt konnte der Umsatz der Kwizda Agro GmbH 2025 um rund 5% gesteigert werden. Der im Vorjahr begonnene konsequenten Abbau der Lagerstände wurde weiter fortgesetzt. Im Vergleich zu den Vorjahren wurde ein wesentlich größerer Teil der Umsätze erst in den letzten beiden Monaten realisiert. Dies führte zu einem einmaligen Anstieg der Kundenforderungen per Jahresende.
Im Bereich der Kosten wurden Einsparungen in verschiedensten Bereichen durchgeführt, um in den Wachstumssegmenten weiterhin investieren zu können. So wurde der Overhead in einzelnen Abteilungen an die aktuellen Marktgegebenheiten angepasst. In den Ausbau von Forschung und Entwicklung wurde weiterhin konsequent investiert, um die zukünftigen Produkte im Bereich Biologika und Biozide zur Marktreife zu bringen. Fortgesetzt wurden in diesem Bereich Entwicklungskooperationen mit europäischen und japanischen Partnern, um gemeinsam verschiedene Geographien und Kulturen gleichzeitig entwickeln zu können. Dazu kommen Investitionen in die Bereiche ESG und Digitalisierung, um die geplanten Umsätze der kommenden Jahre abzusichern.
Im Werk Leobendorf wurden die Investitionen auf die Zukunftsthemen Biologisierung und ESG-Themen gelegt. So wurde die WG1 für die Produktion von biologischen Granulaten umgebaut, um die erwarteten höheren Mengen in den nächsten Jahren abdecken zu können. Das Investitionsvolumen iHv 4,4 Mio. EUR wurde im Vergleich zum Vorjahr stabil gehalten.
Die Produktions- und Konfektionierungsmengen in Leobendorf liegen aufgrund der höheren Nachfrage der Industriekunden im Bereich Tolling um ca. 20% über dem Vorjahr. Die Bereiche
Registrierung und Entwicklung für Eigenprodukte und Dienstleistungen setzten die Arbeiten im Bereich Biologisierung konsequent fort und stellen ihre Kapazitäten auch Industriekunden zur Verfügung. Dabei liegt weiterhin der Fokus auf der Schaffung neuer notwendiger Kompetenzen in der Kwizda Agro. Im Bereich der Digitalisierung wurde die Organisation in Richtung Zielgröße aufgebaut, die vier ersten digitalen KX Services weiterentwickelt und mit dem KX Tracker auch ein erstes Service zur Unterstützung von Eigenprodukten zur Marktreife gebracht.
Zusätzlich zu den Verbesserungen im Working Capital über das gesamte Jahr 2025 sind auch die Finanzierungskosten im Vergleich zum Vorjahr weiter gesunken. Dies führte in Summe zu einer Verbesserung des Finanzerfolgs.
Zusammenfassend führten die steigende Umsätze bei gleichzeitig konsequentem Bestands- , Beschaffungs- und Kostenmanagement zu einer Steigerung des Betriebserfolgs von rund 14% über dem Vorjahr. Das Ergebnis vor Steuern der Kwizda Agro GmbH wurde im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls deutlich verbessert.
2.1 Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften
Die Gesellschaft betreibt in Leobendorf/NÖ einen Produktionsstandort zur Erzeugung und Verpackung von festen und flüssigen Formulierungen.
Zusätzlich verfügt die Kwizda Agro GmbH im Rahmen ihrer Tätigkeit außerhalb Österreichs über Tochtergesellschaften in Ungarn, Rumänien, Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, UK und USA.
In Ungarn und Rumänien werden die komplette Pflanzenschutzpalette sowie Düngemittel und Saatgut vertrieben.
In Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien liegt der Schwerpunkt im Vertrieb der Biozide der Kwizda Agro GmbH, hergestellt in den Werken Leobendorf und Val d’Izé. Das Werk in Val d’Izé (Kwizda France SAS) wurde im Juni 2025 verkauft und operierte ab diesem Zeitpunkt als externer Toller für Kwizda.
Die Gesellschaft in UK dient zur Absicherung der Produktregistrierungen für den Vertrieb in UK nach dem BREXIT. Die Vertriebsgesellschaft in den USA dient zur Vermarktung des eigenen Wildverbissmittels Trico in Nordamerika.
Zweigniederlassungen bestehen nicht.
2.2 Vermögens-, Finanz- und Ertragslage
Der Umsatz ist in Summe von 118,8 Mio. EUR in 2024 auf 125,2 Mio. EUR im Jahr 2025 gestiegen. Im Bereich Landwirtschaft und Haushaltsbiozide in Österreich waren die Umsätze aufgrund der Marktbedingungen im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig. Umsatzzuwächse waren vor allem im Bereich der Eigenprodukte mit Saatgutbeize und Wildverbissmitteln zu verzeichnen. Auch die Vertriebskanäle Tolling und Biocides haben zum Umsatzzuwachs beigetragen. Das Betriebsergebnis der Kwizda Agro GmbH vor Finanzerfolg beläuft sich auf 5,9 Mio. EUR (5,2 Mio. EUR in 2024). Ein verbesserter Produktmix mit höherem Anteil an Eigenprodukten, sowie sinkende Energie- und Rohstoffkosten führten grundsätzlich zu einer Verbesserung der Profitabilität.
Der Finanzerfolg beträgt -0,9 Mio. EUR und ist aufgrund von niedrigeren Zinsaufwendungen und aus Erträgen aus dem Verkauf einer Beteiligung deutlich über dem Niveau des Vorjahres (-1,5 Mio. EUR in 2024). In Summe führt das zu einem Ergebnis vor Steuern von 5,0 Mio. EUR nach 3,6 Mio. EUR im Vorjahr.
Das buchmäßige Eigenkapital beträgt 32,5 Mio. EUR (Vorjahr: 28,4 Mio. EUR). Die Eigenkapitalquote ist aufgrund des deutlich positiven Jahresergebnisses und des moderaten Bilanzsummenwachstums mit 37,1% in 2025 gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen (Vorjahr: 34,6%).
Unter Berücksichtigung des Abbaus der Vorräte, der zum Jahresende gestiegenen Forderungen und der investitionsbedingten leichten Steigerung des Anlagevermögens resultiert ein moderater Anstieg der Bilanzsumme von knapp 6 Mio. EUR auf rund 87 Mio. EUR. Diese Faktoren führen unter Berücksichtigung der gestiegenen Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, sowie eines leichten Anstiegs der Rückstellungen, des erzielten positiven Jahresergebnisses und der getätigten Investitionen iHv 4,4 Mio. EUR zu einem Free Cash-Flow von -1,1 Mio. EUR (nach +1,9 Mio. EUR im Vorjahr).
Die Gesellschaft finanziert sich von anderen Gesellschaften des Kwizda Konzerns.
2.3 Personal
Die nachhaltige Wachstumsstrategie von Kwizda wird weiterhin von fachlich und sozial kompetenten Mitarbeiter*innen getragen und umgesetzt. Eine moderne Führungskultur, eingebettet in die strategische Ausrichtung des Unternehmens, hat dabei höchste Priorität.
Selbständigkeit, Eigenverantwortung und eine Kultur der unternehmerischen Verantwortung bleiben zentrale Elemente, die es Kwizda ermöglichen, rasch und flexibel auf die sich wandelnden Anforderungen von Kund*innen und Märkten zu reagieren.
Im Rahmen der Weiterentwicklung der Unternehmenskultur werden neben Führung Kooperation und Ergebnisorientierung besonders betont. Diese Schwerpunkte fördern eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sowie die konsequente Umsetzung gemeinsamer Ziele in einem dynamischen Umfeld.
Die Leadership-Programme für das Senior- und Middle-Management stärken diese Kultur und befähigen die Mitarbeiter*innen, ihre Potenziale voll auszuschöpfen. Ergänzend begleiten die HR Business Partner kontinuierlich Change-Prozesse, um Transformationen erfolgreich umzusetzen.
Ein wesentlicher Fokus für 2025 und die folgenden Jahre liegt in der Kompetenzentwicklung im Bereich Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Ziel ist es, schrittweise eine wertschöpfende Synergie zwischen Menschen und unterstützenden, intelligenten Maschinen und Algorithmen zu schaffen – mit dem Menschen im Mittelpunkt und in Verantwortung. Diese Entwicklung soll sicherstellen, dass Technologie die Arbeit erleichtert und Innovationen fördert, ohne den menschlichen Faktor zu ersetzen.
Das konzernweite Aus- und Weiterbildungsprogramm „Kwizda4all“ unterstützt alle Mitarbeiter*innen bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung ihrer Fähigkeiten und der Stärkung der Operational Excellence. Maßgeschneiderte Schulungen sowie individuelles Lernen prägen zunehmend die Organisationskultur der Gruppe und fördern eine agile, lernorientierte Arbeitsweise.
Der Arbeitsmarkt bleibt herausfordernd, insbesondere bei der Besetzung von Schlüsselpositionen. Kwizda verstärkt die Anstrengungen zur Gewinnung und Bindung qualifizierter Mitarbeiter*innen durch den Ausbau von Kompetenzen, Ressourcen und den Einsatz von Technologie.
In der Kwizda Agro GmbH wurde das Führungskräfteprogramm „Leading Beyond Growth“ im April 2025 abgeschlossen, in dem sehr stark in die Leadership Kompetenzen der zweiten Führungsebene investiert wurde. Gleichzeitig wurde mit einem Teil des internen Talentepools das Programm „Talent Breakthrough“ durchgeführt. In beiden Programmen wurde, abgestimmt auf die Zielgruppen, mit externer Begleitung in mehreren Interaktionen die Themenbereiche „Selbstführung“, „Führung von Teams“ und „Führung von Organisationen“
erarbeitet. Eine intensive Auseinandersetzung mit strategischen als auch operativen Projekten rundete das intensive Programm ab.
Im Geschäftsjahr 2025 waren im Jahresdurchschnitt in der Kwizda Agro 445 (Vorjahr: 465) Personen angestellt. Davon befinden sich die größten Gesellschaften in Österreich mit 243 (Vorjahr: 240) Mitarbeiter*innen und in Rumänien mit 123 (Vorjahr: 134) Mitarbeiter*innen. Von den 243 Mitarbeiter*innen in Österreich sind 163 Angestellte (Vorjahr: 156) und 80 Arbeiter*innen (Vorjahr: 84).
2.4 Weitere Leistungsindikatoren
2.4.1 Forschung- und Entwicklung
Im Jahr 2017 wurde in der Kwizda Agro GmbH die strategische Entscheidung getroffen, das Portfolio an Eigenprodukten auf 100% biologische Wirkstoffe auszurichten. Schwerpunkt dieser Entwicklungen war in den ersten Jahren die Business Unit New Tech mit einem Fokus auf globale Nischen wie Repellentien, Blattfungizide und Insektizide/Biozide.
2023 wurden auf Basis der Vision der Kwizda Agro „Eine neue und nachhaltige Welt des Pflanzenschutzes und der Schädlingsbekämpfung im Einklang mit einer intakten und produktiven Umwelt“ die strategischen Prioritäten als auch die Entwicklung um den Bereich Digitalisierung ausgeweitet.
Zusätzlich wurde die Business Unit New Tech in die bestehenden Verkaufsstrukturen und Prozesse integriert und eine neue Entwicklungsplattform mit der Bezeichnung „Technology and Product Development“ gegründet. Deren Fokus liegt im Scouting von wirksamen Substanzen, der biologischen Entwicklung, Formulierungsentwicklung, Registrierung und der langfristigen Ausrichtung der Assets.
Die Aktivitäten zur Digitalisierung wurden ebenfalls in einer eigenen Organisationseinheit gebündelt. Ziel ist es, die Beratungsleistung der Kwizda Agro über digitale Medien und Tools skalieren zu können. Eine Skalierung ist dabei über verschiedene Länder, verschiedene Kulturen aber auch über unterschiedliche Betriebsgrößen hinweg geplant.
Die verschiedenen Tools und Dienstleistungen werden dabei über eine neue Marke KX (Kwizda Experience) zusammengefasst und vermarktet. Als erstes Service wurde der „KX Planner“ entwickelt. Dieser dokumentiert die Beratung der Außendienstmitarbeiter*innen, ermöglicht es aber auch den Landwirten selbst einen Kwizda basierten Spritzplan zu
erarbeiten. Komplementiert wird diese erste Dienstleistung mit den Krankheitsprognosemodellen KX Vine und KX Field, welche die wichtigsten Krankheiten in der Zuckerrübe und im Wein abdecken bzw. mit einem digitalen Regenmesser - KX Rain.
Diese verschiedenen Dienstleistungen wurden ab 2025 in allen Distributionsländer der Business Unit Crop Solutions ausgerollt. Mittels Partnerschaften mit österreichischen sowie internationalen Unternehmen wird das notwendige interne Knowhow ergänzt.
Während es möglich ist im Bereich der Digitalisierung innerhalb einer Saison neue Tools zu entwickeln, ist die biologische Entwicklung mit einem mehrjährigen Entwicklungszyklus konfrontiert.
Bereits im Jahr 2022 lag der Schwerpunkt daher in der Ausweitung bzw. Komplettierung von Entwicklungskompetenzen. So wurden die Bereiche Fermentationstechnologie, klassische Synthese, Verpackungsdesign und nachhaltige Rohstoffe entweder mit Eigenpersonal besetzt oder über strategische Partnerschaften abgedeckt.
Im Jahr 2025 wurde die Zusammenarbeit mit universitären Einrichtungen durch Partnerschaften über Forschungsprojekte formalisiert, um
1. bestehende aktive Substanzen auf die zulassungs- und produktionstechnische Skalierung zu überprüfen 2. bestehende mikrobielle Datenbanken mit neuesten Technologien auf mögliche wirksame Aktivitäten zu screenen und 3. Patente auf gemeinsame Entwicklungen hin zu überprüfen und einzureichen.
Die Kwizda Agro GmbH fokussiert sich hier auf die österreichischen Universitäten der TU Graz, VETMED Wien und BOKU Wien. Um den stetigen Bedarf an neuen Kompetenzen und die internen sowie externen, universitären Teams besser zu vernetzen, wurde das Technologiezentrum am AIT Tulln wesentlich vergrößert und die bestehende Mannschaft fast verdoppelt.
In der biologischen Entwicklung nutzt die Kwizda Agro GmbH die Kompetenzen im Bereich der Landwirtschaft weiterhin durch eine enge Verbindung des Entwicklungsteams mit den Produkt Managern der Business Unit Crop Solutions. Versuchsplattformen und Ressourcen werden dabei gemeinsam genutzt, um bereits sehr früh in der Entwicklungsphase sowohl die technische als auch die kommerzielle Positionierung in den relevanten Märkten auszuarbeiten.
Im Bereich Biozide bildet weiterhin das Insektarium in Leobendorf das Zentrum der Entwicklung. Erkenntnisse aus den Versuchen werden laufend in der Kontrolle der Schädlinge eingesetzt.
In den jeweiligen Vertriebsbereichen stehen darüber hinaus die laufende Verbesserung der aktuellen Portfolios und die Indikationsausweitung von Einzelprodukten zur Absicherung der Marktposition im Fokus der Aktivitäten.
2.4.2 Nachhaltigkeit
Für die Kwizda Agro GmbH ist verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln für nachhaltigen ökonomischen Erfolg im Einklang mit Umwelt und Gesellschaft ein übergeordnetes Unternehmensziel. Im Fokus steht dabei die Absicherung der langfristigen Stabilität des Unternehmens unter Berücksichtigung sämtlicher ökologischer, ökonomischer und sozialer Gesichtspunkte.
Dauerhafte, stabile Partnerschaften mit Kund*innen, Lieferant*innen und Mitarbeiter*innen sind eine wesentliche Grundlage für den nachhaltigen Erfolg der Kwizda Agro GmbH.
Die bisherige EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung „Non Financial Reporting Directive“ (NFRD) wird mit der aktuellen „Corporate Sustainability Reporting Directive“ (CSRD) grundlegend reformiert. Die größten Änderungen betreffen den Anwenderkreis, den Berichtsumfang, den Berichtsort und die Prüfpflicht. Die CSRD ist am 28. November 2022 vom Europäischen Rat angenommen worden.
Sie wird nach der Umsetzung in nationales Recht für zahlreiche Unternehmen zu einer umfangreichen und verbindlichen Nachhaltigkeitsberichterstattung führen.
Die Europäische Kommission veröffentlichte im Februar 2025 das erste Omnibus-Paket. Die darin enthaltene „Stop-the-Clock“-Richtlinie verschiebt das Inkrafttreten der CSRD für bilanzrechtlich große Unternehmen sowie börsennotierte KMU um zwei Jahre. Folglich sind für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2027 beginnen, alle großen Kapitalgesellschaften und haftungsbeschränkten Personengesellschaften im Sinne des UGB berichtspflichtig. Für die Kwizda Unternehmensgruppe bedeutet dies eine Verschiebung der Berichtspflicht auf das Geschäftsjahr 2027 mit Berichtslegung im Jahr 2028 im Rahmen des Lageberichts.
Die Kwizda Agro GmbH, als Teil der Kwizda Unternehmensgruppe, nimmt ihre Nachhaltigkeitsverantwortung im Sinne einer langfristig erfolgreichen Zukunft aktiv wahr.
Bezugnehmend darauf, wurde im Rahmen des Group Sustainability Managements 2023 eine interne „Sustainability Organisationstruktur“ aufgebaut. Damit wird die operative Umsetzung, sowohl gesetzlicher Anforderungen gruppenweit als auch freiwilliger strategischer Ziele divisionsspezifisch, sichergestellt.
Dazu wurden im Jahr 2025 bestehende Prozesse zielgerichtet optimiert. Schwerpunkte dabei waren umfassende Workshops zur Identifikation wesentlicher Auswirkungen, Risiken und Chancen (sog. IROs) gemäß ESRS, die Ableitung von Zielen und Maßnahmen sowie die Ausarbeitung einer Dekarbonisierungsroadmap für direkt verursachte Treibhausgasemissionen durch die Kwizda Gruppe. Zudem wurden erhebliche Fortschritte in der ESG-Datenerhebung erzielt: Die konzernweite Datenqualität verbessert sich sukzessive, die Erhebung ist in einen jährlichen Prozess überführt und weist klar definierte Verantwortlichkeiten sowie Prüfsicherheit auf.
Des Weiteren wurden, aufbauend auf der internen Wesentlichkeitsanalyse themenspezifisch definierte ESG-Kennzahlen erhoben. Der Corporate Carbon Footprint der Kwizda- Unternehmensgruppe dient als Basis für weitere Maßnahmenfindung zur CO2- Emissionsreduktion des Unternehmens. Durch die österreichweite Umstellung auf Ökostrom in den letzten Jahren konnte bereits eine große Menge an CO2-Emissionen reduziert werden. In den nächsten Jahren soll die Berechnung des Corporate Carbon Footprint immer genauer durchgeführt und aufbauend darauf Reduktionsziele definiert werden.
Die Kwizda Gruppe hat 2025 erhebliche Fortschritte bei der Vorbereitung zur Nachhaltigkeitsberichtserstattung ab 2026 gemäß der „Corporate Sustainability Directive“ (CSRD) erzielt. Der Fokus für 2025 liegt dabei insbesondere auf der systematischen Verankerung der Kennzahlenerhebung in Prozessen, der Auswahl und Einführung einer prüfsicheren Datenlösung.
Neben der Einbindung in die gruppenbezogenen Nachhaltigkeitsthemen, hat die Kwizda Agro die Verfolgung von sechs übergeordneten Zielen für die Agro basierend auf einer Materialitätsanalyse festgelegt:
1. Ökosystem & Biodiversität: Durch Biologisierung und Digitalisierung sollen die Ökosysteme und die Biodiversität gefördert werden. 2. Reduzierung des CO2 Fußabdruckes: Dies soll vor allem durch nachhaltige Stromversorgung und Energieeffizienz erreicht werden.
3. Abfallreduktion und Recycling: Optimierter Materialeinsatz und Initiativen zur Kreislaufwirtschaft stehen hier im Fokus. 4. Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz über die regulatorischen Anforderungen hinaus. So sind 2025 beispielweise umfassende Angebote am Arbeitsplatz für körperliche und mentale Gesundheit initiiert worden, sowie ein verpflichtendes Fahrtraining eingeführt worden. 5. Engagement in der Gemeinschaft: 2025 liegt der der Fokus auf Projekten zur Förderung von MINT-Berufen und Aktionen zur Förderung von Umweltprojekten und Sozialprojekten die gemeinsam von Beschäftigten durchgeführt wurden. 6. Transparenz und Sichtbarkeit: Dies wird durch effektive Governance-Strukturen, Zertifizierungen, freiwillige Standards und externem Dialog erreicht.
Nachhaltigkeit wird bei der Kwizda Agro durch die regelmäßige Verfolgung der Nachhaltigkeitsziele in den operativen Strukturen, sowie durch die starke Verzahnung mit der Strategie gefördert.
In 2025 hat die Kwizda Agro seine Strategie, Vision und Werte weiter in die Belegschaft getragen und sichergestellt, dass Nachhaltigkeit als zentraler Bestandteil der „Strategie 2040“ bei über 75% der neu angestoßenen strategischen Projekte eingebunden ist.
Zudem hat die Kwizda Agro verstärkt in den Bereich Wissens- und Kompetenzaufbau, sowie interne Kommunikation in Bezug auf Nachhaltigkeit investiert.
2.4.3
Umwelt
Die Geschäftstätigkeit der Kwizda Agro GmbH ist mit dem Ausstoß von klimarelevanten Emissionen, sowie dem Verbrauch von Rohstoffen und Materialien verbunden, und hat durch den Vertrieb von Pflanzenschutzmitteln und Spezialdüngern sowie Bioziden einen direkten Einfluss auf die Biodiversität und Natur. Im Bewusstsein darüber und der Verantwortung gegenüber der Umwelt und ihrer Erhaltung für alle zukünftigen Generationen, wird in unterschiedlichen Bereichen daran gearbeitet, die Belastungen für die Umwelt durch die Geschäftstätigkeit der Kwizda Agro GmbH weiter zu verringern.
Biologisierung und Digitalisierung sind in den Bereichen Forschung & Entwicklung, sowie im Vertrieb und der Auftragsproduktion im Jahr 2025 weiter vorangeschritten. Details dazu wurden in den vorhergehenden Kapiteln beleuchtet.
Beträchtlicher Fokus liegt weiterhin auf dem Thema Klimaschutz und damit einhergehend der Reduktion von CO2-Emissionen. Die Umstellung auf erneuerbaren Strom für die österreichischen Standorte erfolgte 2023.
Die im 4. Quartal 2023 in Betrieb genommene Photovoltaik Anlage im Werk Leobendorf mit einer Maximalleistung von 760 kWp ist seither ganzjährig in Betrieb. Eine Erweiterung der Kapazitäten wird geprüft.
Im Bereich e-Mobilität hat die Kwizda Agro beträchtliche Fortschritte erzielt. So setzen nicht nur die Werke auf völlige e-Mobilität beim internen Werksverkehr – 100% der neu zugelassenen Fahrzeuge in Österreich waren 2025 Elektrofahrzeuge, so dass die Gesamtrate der e-Mobilität in Österreich bei >35% liegt. Eine Ausweitung in andere Länder wird laufend in Abhängigkeit der vor Ort gegeben Ladeinfrastruktur geprüft.
Im Bereich der Versorgung der Produktionsanlagen mit Prozessenergie (Strom, Warmwasser, Dampf) ist ein Energie-Monitoringsystem konzipiert worden, um Energieeffizienzpotenziale aufzuzeigen. Die Implementierung wurde im Jahr 2025 vollständig umgesetzt. Daraus resultierende Maßnahmen zur Senkung des Primärenergieverbrauches (Strom, Gas) werden sukzessive in den nächsten Jahren umgesetzt.
Im Bereich Ressourceneffizienz liegt der Fokus auf der Reduktion der Abwassermengen, Abfallmengen, und der Steigerung der Recycling Raten in der Verpackung, sowie die Wiederverwendung von Gebinden.
Im Bereich des Verpackungseinsatzes ist die Kwizda Agro GmbH bestrebt, ihren CO2- Fußabdruck möglichst gering zu halten. Umstellungen im Bereich Sekundärverpackungen sind bereits systematisch erfolgt. Optimierte Primärverpackungen (Gewicht, Stapelfähigkeit, Recyclinganteil) werden seit 2024 Schritt für Schritt eingeführt. Eine gesamthafte Umstellung der Eigenverpackungen gemäß den Vorgaben der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) ist in der Umsetzung. Bis 2027 sollen PPWR-konforme Alternativen verfügbar sein.
Mit der Zertifizierung des Produktionsstandortes in Österreich nach ISO 14001 werden bewährte Management-Werkzeuge genutzt, um die Umweltauswirkungen zu bewerten und zu verbessern. Die detaillierte Darstellung der bereits erbrachten Umweltleistungen sowie der zukünftig geplanten Umweltmaßnahmen und Aktivitäten werden 2026 in einem gemeinsam veröffentlichten Umweltbericht der KWIZDA Holding erscheinen. Durch die Veröffentlichung
dieser Zahlen wird ein offener und transparenter Kommunikationsprozess mit den Anrainer*innen und allen anderen Stakeholdern verfolgt.
Das externe Audit des Werkes Leobendorf wurde 2025 erneut erfolgreich absolviert und die Gültigkeit der Zertifikate gemäß ISO 9001:2015, ISO 14001:2015 und ISO 45001:2018 ausgestellt. Zudem wurden Maßnahmen aus dem Energieaudit 2024 für das Werk Leobendorf erfolgreich umgesetzt.
Die Kwizda Agro nimmt regelmäßig an freiwilligen Nachhaltigkeitsratings teil, wie beispielsweise EcoVadis. Im Rahmen der EcoVadis-Bewertung im Jahr 2025 erzielte das Unternehmen eine Platzierung unter den besten 35% aller teilnehmenden Unternehmen und wurde dafür mit der Bronze-Medaille ausgezeichnet.
Kwizda Agro setzt sich für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ein, speziell für Großgebindeverpackungen. Durch umgesetzte Initiativen werden Materialien aus gebrauchten Gebinden wiederverwendet und Rezyklat gezielt für neue Gebinde eingesetzt. Seit der Umstellung konnten hier bereits 30 Tonnen CO₂ eingespart werden – ein wichtiger Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung in der Branche.
2.5 Risiko- und Chancenbericht
Als österreichisches Pflanzenschutzunternehmen, das auf internationalen Märkten agiert, ist die Kwizda Agro GmbH einer Vielzahl externer Entwicklungen und Ereignissen ausgesetzt, die das Erreichen der finanziellen und nichtfinanziellen Ziele beeinflussen können. Die kontinuierliche Bewertung dieser Chancen und Risiken ist ein integraler Bestandteil der Unternehmenssteuerung.
2.5.1 Chancenmanagement
Chancen zu analysieren, zu identifizieren und zu bewerten ist ein integraler Bestandteil des jährlichen strategischen Planungsprozesses. Chancen werden dabei als externe Potenziale gesehen, die sich positiv auf die Geschäftstätigkeit auswirken können. Der Pflanzenschutzmarkt, auf dem die Kwizda Agro GmbH agiert, bietet als dynamischer Markt vielfältige Chancen, die es im Rahmen des unternehmerischen Umfeldes eingehend zu beobachten gilt, um ein erfolgreiches Chancenmanagement zu ermöglichen.
2.5.2 Risikomanagement und Verwendung von Finanzinstrumenten
Die Kwizda Agro GmbH ist aus ihren unternehmerischen Tätigkeiten verschiedensten Risiken ausgesetzt.
Im Finanzbereich sind dies das Liquiditäts-, Zins- und Währungsrisiko und im operativen Bereich das Forderungsausfallsrisiko.
Die Absicherung von Risiken sowie die Finanzierung des Konzerns basiert auf einer festgeschriebenen Risiko- wie auch Finanzpolitik.
Grundsätzlich werden zur Risikoabsicherung ausschließlich allgemein anerkannte, handhabbare Instrumente von geringer Komplexität verwendet. Die Instrumente werden ausschließlich zur Absicherung von Grundgeschäften eingesetzt.
Die Liquidität des Konzerns und damit auch der Gesellschaft ist durch das Eigenkapital, durch längerfristige Finanzierungen, v.a. durch ein Schuldscheindarlehen, und durch ausreichende Kreditzusagen von Banken sowie durch zwei Factoringprogramme gesichert. Die Fristenkongruenz der Finanzierungen ist dabei wesentliche Grundlage der Finanzierungspolitik.
Die Zinsabsicherung erfolgt im Rahmen der Notwendigkeiten durch das branchenspezifische Risiko und das sich verändernde Zinsumfeld. Auf eine der Zinssensitivität der Geschäftsmodelle angemessene Verteilung auf fixe und variable Zinsen wird geachtet.
Grundsatz der Fremdwährungsabsicherung ist, dass das operative Geschäft vor FX- Schwankungen geschützt wird. Dem entsprechend werden ausschließlich Positionen aus dem Grundgeschäft abgesichert.
Im Bereich des Forderungsmanagements wird auf eine risikoadäquate Absicherung geachtet. Das Kreditrisiko bei Ausleihungen und Forderungen gegenüber Kund*innen wird als gering eingeschätzt, da Forderungen gegenüber einzelnen Kund*innen jeweils nur einen sehr kleinen Anteil am gesamten Forderungsvolumen ausmachen und somit eine breite Risikostreuung gegeben ist. Zusätzlich wird das Ausfallsrisiko mittels systematischem Berichtswesen, Beobachtung der Bonitäten und eines Mahnwesens limitiert. Verbleibende Risiken werden über Wertberichtigungen berücksichtigt.
Die Umsätze werden zum Großteil über Kreditversicherungen abgesichert.
Auch die Beteiligungen unterliegen einem laufenden Berichtswesen und strengem Monitoring, wodurch die Risiken in diesem Bereich aktuell überwacht werden.
Aus heutiger Sicht weist die Kwizda Agro GmbH keine bestandsgefährdenden Risiken mit nennenswerter Eintrittswahrscheinlichkeit auf.
2.5.3 Internes Kontrollsystem
Zur Reduktion des unternehmerischen Risikos, Schutz des Unternehmensvermögens, Regulierung der Unternehmensläufe und eindeutigen Zuordnung der Verantwortlichkeiten ist seit vielen Jahren ein internes Kontrollsystem eingerichtet, das regelmäßig geprüft und überarbeitet wird. Schwerpunkt ist, die wesentlichen Fragen Investitionen und Aufwendungen einer Prüfung zu unterwerfen. Fehlentscheidungen, Irrtum und Betrug sollen damit vermieden und ein Einhalten der gesetzlichen Bestimmungen gesichert werden.
2.5.4 Compliance
Die Kwizda Agro GmbH legt einen hohen Wert auf Integrität und gesetzeskonformes Verhalten. Das Compliance System der Kwizda Agro GmbH hat zum Ziel, das rechtmäßige und verantwortungsbewusste Handeln der Mitarbeiter*innen sicherzustellen. Im Jahr 2025 wurden gezielt Compliance-Schulungstrainings für Mitarbeiter*innen durchgeführt, wobei diese schwerpunktmäßig im Themenbereich des Kartell- und Wettbewerbsrechts stattfanden.
Mit 1.1.2023 wurde erstmals ein Compliance Officer für die Kwizda Unternehmensgruppe bestellt, der unter anderem die aktuelle Compliance-Organisation auditiert, analysiert und laufend neu ausrichtet bzw. an neue Gegebenheiten anpasst. Beginnend mit 2024, hat das Management der Kwizda Unternehmensgruppe konkret beschlossen, ein konzernübergreifendes Compliance Management System einzuführen, das in drei Phasen umgesetzt werden soll. Während der ersten beiden Phasen standen die Analyse und Bewertung der Abläufe im Fokus, die für die Einhaltung von Compliance Richtlinien relevant sind. Phase eins, die Analyse und Dokumentation der Ist-Situation und Phase zwei, die Risikoanalyse, wurden zeitgerecht abgeschlossen. In der dritten Phase geht es darum, allfällige Korrekturmaßnahmen festzulegen und Folgeaktivitäten anzustoßen. Durch diese und ähnliche Maßnahmen sollen schon im Vorfeld potenzielle Complianceverstöße erkannt und systematisch unterbunden werden.
Als weiterer wichtiger Meilenstein wurde im ersten Quartal 2025 der gruppenweite Code of Conduct implementiert. Dieser stellt das zentrale Regelwerk für ethisches und rechtlich
einwandfreies Handeln innerhalb der Kwizda Unternehmensgruppe dar und gilt für alle Mitarbeiter*innen sowie Geschäftspartner weltweit. Der Code of Conduct definiert dabei insbesondere die grundlegenden Werte und Verhaltensstandards in den Bereichen Compliance, Wettbewerbsrecht, Datenschutz und Nachhaltigkeit.
Insgesamt leistet das Compliance System einen wesentlichen Beitrag zur Einhaltung der rechtlichen, unternehmensinternen und branchenüblichen Vorgaben und Prozessen in der Kwizda Agro GmbH.
2.5.5 Business Continuity
Die Kontinuität der Geschäftstätigkeit der Kwizda Agro GmbH wurde durch die bestehende technische Infrastruktur (Hard- & Software), die kontinuierliche Weiterentwicklung der organisatorischen Rahmenbedingungen sowie ein angemessenes Risikomanagement in Verbindung mit der Ableitung notwendiger Maßnahmen sichergestellt.
Da die Kwizda Agro GmbH seitens des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung als kritisches Infrastrukturunternehmen eingestuft wird, ist ein professionelles Business Continuity Management ein wesentlicher Aspekt der Geschäftstätigkeit. Dieser findet sich in der gesamten Prozessdokumentation der Gesellschaft wieder und wird auch im Rahmen eines Notfallplans für verschiedene Szenarien in jährlichen Übungen getestet.
Aufgrund dieser Einstufung als kritische Infrastruktur wurden auch die Voraussetzungen für die Erfüllung der NIS2-Anforderungen geschaffen.
Das im September 2023 in Betrieb genommene Gefahrgutlager mit 8.800 Palettenplätzen, welches auf höchstmöglichem Stand der Sicherheitstechnik errichtet wurde, konnte auch in diesem Jahr ohne Vorkommnisse betrieben werden. Alle technischen und organisatorischen Maßnahmen erfüllten die Annahmen und Erwartungen für einen sicheren Betrieb.
Die Maßnahmen zur Grundwassersanierung werden – gemäß der im Jahr 2024 getroffenen Vereinbarung mit der zuständigen Wasserrechtsbehörde – zum Zwecke laufender Beobachtung weitergeführt.
3 Ausblick
3.1 Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene
Rahmenbedingungen
3.1.1 Österreich
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet die OeNB für Österreich mit einem moderaten BIP- Wachstum von 0,6%. Im darauffolgenden Jahr wird eine etwas stärkere Erholung von 1,1% (2027) erwartet.
In Österreich geht die OeNB für 2026 von einer Inflation von insgesamt rd. 3,2% (HVPI) aus, 2027 soll die Inflation auf 2,4% sinken. Damit liegt Österreich weiterhin deutlich über dem Euroraum-Durchschnitt. Da sich die Inflationsraten im gesamten Euroraum dem Inflationsziel der EZB annähern, senkte die EZB den Leitzins bereits 2025 in mehreren Schritten auf 2,15%. Auch im Euroraum führte der Energiepreisschock im Jahr 2026 zu einem vorrübergehenden Wiederanstieg der Inflation. Vor diesem Hintergrund verfolgt die EZB weiterhin einen datenabhängigen geldpolitischen Kurs und richtet ihre Entscheidungen an der Entwicklung von Inflation und Wirtschaftswachstum aus.
Nach dem über zwei Jahre andauernden Lagerabbau 2024 und 2025 auf allen Handelsstufen, den sich abzeichnenden Entspannungen im Handels-/Zollstreit zwischen den USA und China, sowie erster Verbesserungen im Bereich der Commodity Preise darf von einer leichten Erholung in der Landwirtschaft, Forstwirtschaft und einem leichten Wachstum im Heim & Garten Segment im Jahr 2026 ausgegangen werden. Einzelne Bereiche weisen aber nach wie vor hohe Unsicherheiten auf, die sich auch negativ auf das Investitionsverhalten der Landwirte auswirken könnten.
Dazu zählen:
1. Der starke Verfall des Zuckerpreises und der damit verbundene Rückgang des Zuckerrübenanbaus um bis zu 40%. 2. Die anhaltende Absatzschwäche des österreichischen Weines (und hierbei besonders der Rotwein), welche viele Winzer beschäftigt, und die Investitionsbereitschaft gegebenenfalls bremsen könnte.
3.1.2 International
Die OeNB erwartet eine moderate Entwicklung des Wirtschaftswachstumes im Euroraum von 0,8% (2026) bzw. 1,2% (2027). Die Wachstumsraten der US-Wirtschaft sind mit 2,3% (2026) sowie 2,2% (2027) etwas höher als jene der Eurozone. Das globale BIP-Wachstum (ohne Euroraum) wird mit prognostizierten 3,0% (2026) sowie 3,2% (2027) annähernd auf dem moderaten Niveau der 3,6% von 2025 verharren. In diesen erwarteten Wachstumsraten spiegelt sich auch ein etwas stärkeres Wachstum von China und Indien wider
Die geopolitische Unsicherheit bleibt auch 2026 hoch. Neben den weiterhin andauernden Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten nennt der Internationale Währungsfonds eine zunehmende globale Fragmentierung, protektionistische Maßnahmen und verschärfte Handelsspannungen als wesentliche Abwärtsrisiken für die Weltwirtschaft. Insbesondere neue oder ausgeweitete Zölle großer Volkswirtschaften erhöhen die Gefahr einer weiteren Störung globaler Lieferketten und könnten die wirtschaftliche Entwicklung spürbar belasten.
Nach einer weitgehenden Annäherung der Inflation im Euroraum an das EZB-Ziel von 2% im Jahr 2025 wird für 2026 aufgrund der höheren Energiepreise und geopolitischen Unsicherheiten ein vorübergehender Anstieg der Inflation erwartet. Die Inflation im Euroraum dürfte nach den aktuellen Projektionen des Eurosystems 2026 durchschnittlich 3,0% und 2027 2,3% betragen. Vor diesem Hintergrund erhöhte die EZB im Juni 2026 die Leitzinsen um 25 Basispunkte und verfolgt weiterhin einen datenabhängigen Ansatz. Weitere Zinsschritte sind derzeit nicht vorab angekündigt.
Die globale Inflation bleibt erhöht und dürfte sich nach Einschätzung des internationalen Währungsfonds (IWF) vorübergehend wieder beschleunigen. Nach 4,1% im Jahr 2025 wird für 2026 eine globale Inflationsrate von 4,7% erwartet, bevor sie 2027 auf 3,9% zurückgehen soll. Hauptreiber sind höhere Energie- und Nahrungsmittelpreise infolge geopolitscher Spannungen sowie anhaltende Unsicherheiten im internationalen Handel. Gleichzeitig bieten Investitionen in künstliche Intelligenz und technologische Innovationen Chancen für zusätzliche Produktivitätsgewinne und ein höheres langfristiges Wachstum. Trotz fortschreitender Disinflation in einzelnen Regionen bleibt das globale Preisniveau über dem Vorkrisentrend, wodurch eine weiterhin vorsichtige Geld- und Fiskalpolitik erscheint.
Auch international kann 2026 von leichten Markterholungen ausgegangen werden. Trotz allem muss mit sehr hoher Volatilität geplant werden, da folgende Rahmenbedingungen noch immer zu verhaltenden und/oder verzögerten Kaufentscheidungen führen könnten:
1. Massive Überbestände der chinesischen generischen Produzenten drücken weltweit auf dem Markt und könnten Druck auf bestehende Preissysteme ausüben. 2. Die schwer vorhersehbaren Positionen in den Handelsstreitigkeiten verschiedener Marktteilnehmer. 3. Die noch immer allgemein verhaltene Investitionsbereitschaft, die sich aufgrund der allgemeinen politischen als auch gesellschaftlichen Diskussion ableiten lässt. 4. Zusätzlich kann vor allem in Europa von einem Rückgang der Maisfläche ausgegangen werden. Die sehr trockenen und heißen Sommer der letzten Jahre haben sich in Zentral- und Osteuropa vor allem auf die Erträge im Mais negativ ausgewirkt.
Ausnahmen für die Kwizda Agro GmbH sind die wichtigen Märkte der Forstwirtschaft und der Biozide. Hier ist davon auszugehen, dass sich speziell die Märkte im Bereich der Forstwirtschaft weiterhin sehr positiv entwickeln, da durch vermehrte Aufforstungsprogramme, die für die Kwizda Agro GmbH relevanten Waldflächen in der EU wie auch in den USA stark zunehmen bzw. professioneller bewirtschaftet werden. Zusätzlich wird auch der Wilddruck aufgrund der milderen Winter ansteigen und somit den Bedarf von Repellentien forcieren. Im Bereich der Biozide bewirkt der Klimawandel und die damit verbundenen höheren Temperaturen ein vermehrtes Aufkommen von Insekten und anderen Schädlingen, die es zu kontrollieren gilt.
Die möglichen Folgen des andauernden Angriffskrieges seitens Russland gegenüber der Ukraine haben aus heutiger Sicht keine direkten negativen Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit der Kwizda Agro GmbH. Eventuelle Kosteneffekte können über bestehende Kostensenkungsprogramme abgefedert werden.
3.2 Voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens
Aufgrund der rückläufigen Lagerentwicklungen in der Landwirtschaft und erster Signale einer Markterholung für das Jahr 2026 kann generell in den Geschäftsmodellen der exklusiven Distribution als auch der Auftragsproduktion ein kleiner Aufwärtstrend gesehen werden.
Im Bereich Auftragsproduktion wird aus derzeitiger Sicht mit höheren Produktionsmengen geplant. Die gesicherten neuen Technologien im chemisch synthetischen Bereich als auch
eine sehr hohe Anzahl von Entwicklungsprojekten im biologischen Pflanzenschutz unterstützen diesen Trend. Die Forecasts der internationalen Industrie sind aber noch immer sehr hohen Schwankungen ausgesetzt.
In der exklusiven Distribution gilt es die bereits sehr hohen Marktanteile in den Ländern Rumänien, Ungarn und Österreich abzusichern und den deutschen Markteintritt nun auch zum Erfolg zu bringen. Diese Marktanteile weiter auszubauen, gestaltet sich aufgrund der hohen Wettbewerbsintensität jedoch als schwierig. Positive Impulse erhofft sich die Kwizda Agro durch eine Weiterentwicklung der digitalen Dienstleistungen, die eine Intensivierung der Nachfragegenerierung ermöglichen. Der positive Trend kann sowohl durch ein wettbewerbsfähiges Portfolio als auch durch eine sehr schlagkräftige Verkaufsmannschaft verstärkt werden.
Im Bereich der Eigenprodukte „Schutz vor Wildverbiss und Vogelfraß“ und im Bereich Biozide kann aufgrund des sehr wettbewerbsfähigen Portfolios von einem weiteren Umsatzwachstum im Jahr 2026 ausgegangen werden. Dieses Wachstum wird vor allem durch geographische Expansion und Optimierung des Portfoliomix erfolgen.
Im Geschäftsfeld Biozide gilt es weiterhin das Alleinstellungsmerkmal im Bereich der chemisch synthetischen Wirkstoffe zu optimieren. 2026 werden auch Neuentwicklungen auf Basis von biologischen Formulierungen in den Markt gebracht, welche den im Jahr 2026 auslaufenden Wirkstoff AMP ersetzen.
Im Bereich der biologischen Eigenprodukte gilt es die geplanten Produkt-Launches in den zentral- und osteuropäischen Märkten erfolgreich durchzuführen und weiter vorzubereiten. Oberste Priorität ist dabei die erfolgreiche Einführung des Eigenproduktportfolios kombiniert mit Fremdprodukten in Tschechien, der Slowakei, Polen und Slowenien. Dies gilt auch für Deutschland, wobei hier durch den weiteren Ausbau der Vertriebsorganisation die Nachfragegenerierung und Beratung verstärkt wird.
In den USA und Kanada gilt es die Vertriebskanäle für das Wildverbissmittel Trico weiter auszubauen und die flächenmäßige Ausdehnung zu forcieren. Aufgrund von sehr hohen aktuellen Lagerbeständen wird aber nur mit stabilen Verkaufsmengen gerechnet. Die intensive Marktbearbeitung dient zur Absicherung des geplanten Wachstums ab 2027.
Der Schwerpunkt für die in den letzten Jahren aufgebaute Supply Chain Organisation liegt weiterhin auf der Hebung von Einsparpotentialen.
Die Entwicklungsintensität im Bereich der biologischen Produkte als auch digitalen Dienstleistungen bleibt weiterhin hoch, kombiniert mit ersten Pre-Launch Aktivitäten.
In Summe wird aufgrund der derzeitigen Vorhersagen in Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich und den internationalen Märkten für das Jahr 2026 eine leichte Steigerung im Umsatz geplant.
Wien, am 28. September 2026
Die Geschäftsführer
Dkfmyr. Johann F. Kwizda
he forsk
Dipl.-Ing. Ronald Hamedl