Inhaltsverzeichnis
Zur Offenlegung gekürzt analog § 278 UGB
Berichterstattung über den Geschäftsverlauf, das Geschäftsergebnis und die Lage des Unternehmens 2024
Der Luftfahrtsektor war 2024 nach wie vor mit multiplen Herausforderungen konfrontiert. Die Nachwirkungen von Covid-19, der Ukraine Krieg, der Konflikt Israel-Hamas, die allgemeine Teuerung und ein rezessives Wirtschaftsumfeld wirken auf die gesamte Luftfahrtindustrie nach. Sieht man sich die europäische Luftfahrt an, so sind großen Hubs und touristische Ballungszentren mit hohem Low-Cost - Anteil weiterhin die Gewinner in diesem Jahr. Andere Regionalflughäfen hinken in der Entwicklung noch hinterher. In diesem Umfeld hat sich der Graz Airport 2024 gut geschlagen, denn die prognostizierten Verkehrszahlen und schlussendlich auch Umsatz und Gewinn konnten übertroffen werden. Die Weiterführung der Stationierung eines Eurowings-Flugzeugs und der damit einhergehende Ausbau des Portfolios war ein großer und wichtiger Schritt in die Zukunft. Im Sommerflugplan konnten insgesamt 7 Linien und 15 Charterdestinationen sowie zahlreiche Kurzketten und Sonderflüge angeboten werden. Die Reiselust nach den Coronajahren ist nach wie vor sehr hoch, wovon vor allem der Ferienflugbereich profitiert hat, während die Geschäftsreisen noch eine verhaltene Entwicklung zeigen. Es ist davon auszugehen, dass Videokonferenzen und die damit einhergehende Einsparung von Reisekosten sowie die aktuell herausfordernde Situation der Wirtschaft und Industrie auch in der Zukunft dieses Segment mitbestimmen wird.
Insgesamt hat sich das Jahr 2024 über Budget entwickelt und konnte schließlich mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen werden. Das Ziel von 810.000 Fluggästen wurde um rund 10.000 Passagier:innen übertroffen. Insgesamt durfte der Graz Airport im Jahr 2024 819.273 Passagier:innen betreuen, was einem Plus von rund 12 % im Vergleich zu 2023 entspricht.
613.644 Fluggäste haben einen Linienflug für ihre Geschäfts- oder auch Urlaubsreise gewählt. Das Ergebnis von 2023 konnte damit um 6,5 % gesteigert werden. Per Charter sind 205.629 Fluggäste in den Urlaub geflogen, 48.760 oder 31 % mehr als noch 2023.
Insgesamt 10.251 Starts- und Landungen und somit ein Plus von 596 Bewegungen oder 6,2 % im Vergleich zu 2023 wurden 2024 verzeichnet.
General Aviation:
Im Bereich der General Aviation kam es nach dem Zuwachs im Vorjahr von 6,6 % zu einem Rückgang um rund 8,3 % oder 2.783 Bewegungen. In diesem Bereich haben die Trainings- und Schulungsflüge um rund 15,7 % abgenommen. Die gewerblichen General Aviation Flüge sind mit 3,3 % zum Vorjahr zurückgegangen, die Privatflüge leicht um 3,4 % gestiegen.
Non-Aviation:
Der Anstieg des Flugverkehrs bzw. die gute Passagierentwicklung haben sich natürlich auch positiv auf das Non-Aviation-Segment ausgewirkt.
Die Anzahl an Veranstaltungen, die am Flughafen 2024 durchgeführt wurde, ist wieder auf dem Niveau von 2019. Im Umweltbereich produziert seit Dezember die zweite eigene PV-Anlage Strom, weitere sind in Vorbereitung. Mit der neuen Anlage am Parkhausdach stehen dem Graz Airport nun insgesamt 507 kWp zur Verfügung. Mit der Umstellung von Diesel auf HVO 100 und der Errichtung von fixen Bodenstromversorgungspunkten für die Flugzeuge wird die konsequente Reduzierung des CO2-Ausstoßes weiter fortgeführt. Der neue Self-Service-Corner von cafe+co im Ankunftsbereich bietet eine qualitätsvolle Versorgung rund um die Uhr.
Fracht
Die Fracht lag mit 18.674 Tonnen um 3,6 % unter dem Rekordwert des Vorjahres.
Airline-Ranking
Mit 288.339 Fluggästen hat die Air Dolomiti die meisten Fluggäste befördert. Eurowings folgt mit 221.050 Passagier:innen auf Platz zwei, danach Austrian Airlines (98.973 Passagier:innen) und Deutsche Lufthansa (53.218 Passagier:innen).
Auf Platz fünf lag Swiss mit 45.793 Passagier:innen, gefolgt von Sun Express (38.886 Fluggäste) .
Beteiligungsmanagement
Die Flughafen Graz Bodenservices GmbH (FGS) erledigt als Subagent die Verkehrsabfertigung für alle Luftfahrtgesellschaften und damit die Betreuung aller abfliegenden Gäste am Standort. Das Beteiligungsausmaß der Flughafen Graz Betriebs GmbH beträgt 93%. Mit dem wiederkehrenden Flugverkehr erholt sich aufgrund des steigenden Verkehrsaufkommens auch deren operatives Geschäft wieder. Im Jahr 2023 war das Jahresergebnis der FGS jedoch durch Einmaleffekte wie die Wertberichtigung des Verlustersatzes III und die sehr hohen Zuführungen zu langfristigen Sozialkapitalrückstellungen negativ.
Mit 85 % ist die Flughafen Graz Betriebs GmbH an der Airport Parking Graz GmbH (APG) beteiligt, die seit 1. Jänner 2003 für die Parkraumbewirtschaftung auf dem Flughafen Graz verantwortlich zeichnet.
49 % beträgt die Beteiligung der Flughafen Graz Betriebs GmbH an der Flughafen Graz Sicherheitsdienste GmbH (FGSG), die mit der Durchführung von Sicherheitskontrollen gemäß Luftfahrtsicherheitsgesetz (LSG) beauftragt ist.
Ebenso 49 % hält die Flughafen Graz Betriebs GmbH am Cargo Joint-Venture Swissport Cargo Services Graz GmbH (SCSG), die seit Februar 2016 gemeinsam mit der Swissport Cargo Services Austria GmbH besteht. Ergebnisbedingt wurde die Beteiligung im Jahr 2020 zur Gänze abgewertet. Der Effekt im Ergebnis des Jahres 2023 durch die einmalige hohe Zuführung zu langfristigen Sozialkapitalrückstellungen aufgrund des außergewöhnlich hohen Kollektivvertragsabschlusses war im Jahresabschluss 2024 nicht mehr gegeben.
Investitionen / Großinstandhaltungen
Nach der Corona Pandemie und mit steigendem Flugverkehr mussten auch wieder zurückgehaltene Instandhaltungen nachgeholt werden, daher ergibt sich hier für 2024 ein Anstieg von rd. + 41 % gegenüber dem Vorjahr.
Im Geschäftsjahr wurde ein neuer öffentlicher Parkplatz (P5) mit Ladeinfrastruktur für E-PKW in Betrieb genommen und auch die PV Anlage am Parkhausdach mit 440 kWpeak fertiggestellt. In Bau befand sich zum Stichtag die neue Hold Baggage Screening Anlage und die Bodenstromversorgung von Luftfahrzeug Abstellpositionen.
Auch 2024 mussten verschiedene Sicherheits-, Bodenabfertigungs- und IT-Geräte ausgetauscht werden, die am Ende ihrer Nutzungsdauer angekommen sind, bzw. wurde das IT-Equipment erweitert, um den Anforderungen der digitalen Kommunikation noch besser nachkommen zu können.
Human Resources
Mit Stichtag 31.12.2024 waren 151 (2023: 145) Arbeitnehmer:innen beschäftigt, davon 47 Damen und 104 Herren. Die durchschnittliche Beschäftigtenanzahl lag bei 149 Mitarbeiter:innen (2023: 142).
Analyse des Geschäftsverlaufes, einschließlich des Geschäftsergebnisses und der Lage des Unternehmens mittels der wichtigsten finanziellen Leistungsindikatoren und deren Erläuterung
| Verkehrsentwicklung im Linien- und | |||
|---|---|---|---|
| Charterverkehr | 2022 | 2023 | 2024 |
| Passagieraufkommen | 561.535 | 733.146 | 819.273 |
| Bewegungen Linie & Charter | 8.603 | 9.655 | 10.251 |
| Bewegungen General Aviation | 31.412 | 33.496 | 30.714 |
| MTOW in Tonnen | 210.194 | 250.884 | 262.042 |
| Luftfracht und Trucking in Tonnen | 5.444 | 7.142 | 6.932 |
In der Verkehrsentwicklung macht sich ein Aufwärtstrend bemerkbar, obwohl die Passagierzahlen noch mit rd. -21 % zum Stand vor Pandemiebeginn zurückliegen. Eine Erholung auf das Niveau 2019 wird für 2027/2028 zu erwarten sein.
| Ertragslage (in TEUR) | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|
| Ergebnis vor Steuern | 310 | 1.841 | 3.182 |
|---|---|---|---|
| Ergebnis vor Zinsen und Steuern | 399 | 1.943 | 3.320 |
| Eigen kapitalrentabilität | 0,57% | 3,29% | 5,42% |
| Gesamtkapitalrentabilität (ROI) | 0,59% | 2,76% | 4,43% |
Die Kennzahlen zur Ertragslage spiegeln die Verkehrsentwicklung wieder.
| Vermögens- u. Finanzlage (in TEUR) | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|---|---|---|
| Nettoverschuldung | 7.576 | 7.439 | 7.561 |
| Nettoumlaufvermögen (Working Capital) | 13.637 | 12.562 | 13.496 |
| Eigenkapitalquote (ab 2024 ohne Investitionszuschüsse) | 80,27% | 78,68% | 77,90% |
| Nettoverschuldungsgrad | 13,89% | 13,30% | 12,88% |
Das verzinsliche Fremdkapital der Gesellschaft bestand zum 31.12. ausschließlich aus Rückstellungen für Sozialkapital wie Abfertigungs-, Jubiläumsgeld-, und Pensionsverpflichtungen.
| Cash flow (in TEUR) | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|---|---|---|
| Cash flow aus laufender Geschäftstätigkeit | 4.344 | 7.241 | 5.921 |
| Cash flow aus der Investitionstätigkeit | -4.227 | -5.700 | -7.063 |
| Cash flow aus der Finanzierungstätigkeit | 37 | 0 | 7 |
| Veränderung der liquiden Mittel | 154 | 1.541 | -1.135 |
| Anfangsbestand der liquiden Mittel | 887 | 1.041 | 2.582 |
| Endbestand der liquiden Mittel* | 1.041 | 2.582 | 1.447 |
* der Ausweis Cashpooling erfolgt unter Investitionstätigkeit (AFRAC 36)
Forschung und Entwicklung
Im Geschäftsjahr wurden keine Investitionen in Forschung und Entwicklung getätigt.
Zweigniederlassungen
Im Geschäftsjahr wurden keine Zweigniederlassungen betrieben.
Risiko- und Prognosebericht - voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens
a. Risiken
Der Klimawandel wird künftig noch stärker Druck auf die Luftverkehrswirtschaft und die Luftfahrtindustrie ausüben. Damit auch auf den Graz Airport, der bereits seit vielen Jahren an seiner CO2-Reduktion arbeitet, aber keinen Einfluss darauf hat, welche Maßnahmen „über den Wolken“ getroffen werden. Der Druck, immer sparsamer und ökologischer zu fliegen, wird zunehmen. Laut Experten wird an technischen Lösungen zwar mit Nachdruck gearbeitet, es ist aber derzeit weder elektrisches Fliegen serienreif noch sind synthetische Kraftstoffe in ausreichender Menge vorhanden.
Für einen Regionalflughafen hat naturgemäß auch die lokale wirtschaftliche, demographische und touristische Entwicklung im Einzugsgebiet einen maßgeblichen Einfluss auf die Verkehrsentwicklung. Für den Großraum Graz werden diese Einflussfaktoren für die kommenden Jahre als positiv beurteilt. Ein weiteres typisches Risiko der Branche sind Änderungen in den regulatorischen Rahmenbedingungen, die unter Umständen hohe Investitionen bedingen können. Aktuelle Themen sind auch die Energiepreisentwicklungen und ein schwieriges gesamtwirtschaftliches Umfeld. Auch wenn der Flughafen nicht zu den energieintensiven Unternehmen zählt, haben die Energiepreise auch indirekten Einfluss auf die Kosten für unterschiedlichste Materialien.
Maßnahmen: Diesen Entwicklungen kann das Unternehmen nur mit straffem Kostenmanagement und der flexiblen Überarbeitung des Leistungsangebots entgegenwirken. Entsprechende Maßnahmen sind bereits in Umsetzung und werden unter Einbeziehung der wichtigsten Stakeholder wie Fluglinien, Reiseveranstalter und –büros, Interessensvertretungen und Tourismusorganisationen laufend evaluiert und verstärkt. Hinsichtlich des Klimawandels arbeitet der Graz Airport bereits seit Jahren kontinuierlich an der CO2-Reduktion, um langfristig einen CO2-freien Flughafenbetrieb sicherzustellen. Strategisch ist der Graz Airport weiterhin auf die Attraktivierung als Wirtschafts- und Tourismusdrehscheibe in der Area South fokussiert und arbeitet zudem an neuen regionalen Geschäftsideen wie dem Thema ökologischer Energiegewinnung im Non-Aviation-Bereich.
b. Prognose
Die Verkehrseinbrüche der letzten Jahre im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie und aktuelle externe Einflüsse wie etwa der Ukraine Krieg, der Konflikt Israel-Hamas, die allgemeine Teuerung und ein rezessives Wirtschaftsumfeld wirken auf die gesamte Luftfahrtindustrie nach. So konnte auch der Graz Airport das Verkehrsergebnis des Jahres 2019 noch nicht erreichen. Jedoch lag die Entwicklung des Verkehrs am Graz Airport 2024 mit einem Passagierwachstum von 11,8 % deutlich über dem Jahr 2023 und auch der Ausblick auf das Jahr 2025 ist, getragen vom Privatreisesegment, ebenfalls positiv. Es wird derzeit davon ausgegangen, dass das Passagieraufkommen ab 2027/2028 wieder das Vorkrisenniveau erreichen wird.
Feldkirchen, 13. Februar 2025
Die Geschäftsführung
Wolfgang Grimus, EMBA
Mag. Jürgen Löschnjğ
GRAZ