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Lagebericht 2024

Linde Hydrogen FuelTech GmbH

Original-PDF

Stichtag 31. Dez. 2024 · Eingereicht am 14. Jän. 2026

Inhaltsverzeichnis

1. Bericht über den Geschäftsverlauf und die wirtschaftliche Lage

1.1. Tätigkeit der Gesellschaft

Die Linde Hydrogen FuelTech GmbH („LHF“) wurde im Januar 2019 gegründet und nahm ihren Betrieb mit 22.02.2019 auf. Sie ist entstanden aus dem Carve-Out des Teilbetriebs der Linde Gas GmbH am Standort Wien, dem „Anwendungstechnisches Zentrum Wien“ („ATZ“). Der Carve Out wurde realisiert mittels eines Transfers der Aktiva (Anlagen, Vorräten, Forderungen), der Passiva (Verbindlichkeiten, Rückstellungen), dem Personal, den Kunden und Lieferanten. Das Unternehmen ist eine 100%ige Tochter der Linde GmbH, mit Sitz in Deutschland.

Unternehmensgegenstand der LHF ist die Konzeptionierung, Entwicklung, Fertigung und Inbetriebnahme von Wasserstoffbetankungs-Systemen für brennstoffzellen-betriebene Fahrzeuge aller Art (Pkw, Busse, Nutzfahrzeuge, Züge, etc.). Dieses Geschäft wird begleitet durch Wartungen, Reparaturen und dem Handel mit Ersatzprodukten für und an den in Betrieb genommenen Systeme.

1.2. Wirtschaftliches Umfeld und Branchenentwicklung

Wasserstofftechnologien erfahren als Katalysatoren einer nachhaltigen Energiewende auf Basis erneuerbarer Energien stetig steigende Anerkennung aus Wirtschaft und Politik. In Umweltprogrammen weltweit und auch in Österreich nimmt Wasserstoff als Energielieferant einen wichtigen Teil ein. Dies hatte in den vergangenen Jahren zu einer hohen Investitionsbereitschaft vieler großer Unternehmen unterschiedlicher Industrien (z. B. Shell, OMV, Verbund, Engie, Siemens, Air Liquide, Linde, Toyota, Hyundai) in diesem Bereich geführt. Während die Projekte mit Wasserstoffbetankungstechnologien im letzten Jahrzehnt vorrangig den Charakter von Demonstrationsprojekten, Forschungs- und Versuchsträgern hatten, stehen nun Ressourceneffizienz, Qualität, Verfügbarkeit und Sicherheit im Rahmen von kommerziellen Mobilitätsangeboten im Vordergrund. Die Produkte der LHF im Jahr 2024 wurden zu einem überwiegenden Anteil an Tankstellenbetreiber ausgeliefert und in Betrieb genommen und sind nun Bestandteil der öffentlichen, durch den Privatkunden bedienbaren Betankungsinfrastruktur. Zudem bedienen die Betankungssysteme der LHF Bus- und Taxiflotten, Gabelstapler und Flurfahrzeuge in Intralogistikprozessen.

Während vor allem in der EU zwar Ankündigungen zu künftigen Investitionen getätigt werden, ist eine Verlangsamung der tatsächlichen Kommerzialisierung zu beobachten, Investitionen werden verzögert, auch aufgrund unklarer Förder- und

Finanzierungsmöglichkeiten. Auch in den Märkten Korea und Kalifornien ist eine zunehmende Kommerzialisierung der Wasserstoffmobilität zu beobachten, jedoch ebenfalls mit langsamer tatsächlicher Realisierung der angekündigten Investitionen.

1.3. Geschäftsverlauf 2024

Zum 01.01.2024 wurden in der Umsetzung befindliche Projekte mit einem Auftragswert von EUR 97.478m aus dem Vorjahr übernommen.

Im Laufe dieses Berichtsjahres 2024 sind weitere Aufträge im Wert von EUR 8.682m eingegangen. Hauptsächlich Erweiterungen von Betankungsanlagen sowie Wartungs-, Reparatur- und Engineering-Projekte.

1.4. Entwicklung des Ergebnisses

Das Betriebsergebnis im Jahr 2024 weist einen Verlust nach Steuern von EUR 8,080m bei einem Umsatz von EUR 33,785m aus. 8 Wasserstoff-Betankungsanlagen wurden im Berichtszeitraum realisiert und an den Kunden übergeben. Der Verlust vor Steuern betrug somit EUR 10,607m. Das vorangegangene Geschäftsjahr 2023 wurde mit einem Verlust vor Steuern i.H.v. EUR 11,637m abgeschlossen, was auf niedrigen Auftragseingang im Vorjahr und entsprechend niedrigem Umsatz in 2024 zurückzuführen ist.

Das Geschäftsjahr 2024 war weiterhin davon geprägt, die Organisation auf die verlangsamte und reduzierte Markterwartung vorzubereiten. Die damit einhergehende Reduktion der Organisationsgröße wurde mit entsprechender Rückstellung für fällig werdende Abfertigungen berücksichtigt.

1.5. Personal und Sozialwesen

Am 01.01.2024 zählte das Unternehmen 106 MitarbeiterInnen. Im Laufe des Jahres 2024 wurden weitere 2 MitarbeiterInnen angestellt, 2 MitarbeiterInnen verließen das Unternehmen. Mit 31.12.2024 waren im Unternehmen 106 Mitarbeiter, davon 87 männliche und 19 weibliche angestellt.

Das Unternehmen ist dem Kollektivvertrag metallverarbeitendes Gewerbe zugeordnet.

1.6. Beurteilung der wirtschaftlichen Lage

Wesentlicher Indikator für die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage ist der Auftragseingang, der als Frühindikator für Umsatz gilt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024 wurde ein Auftragseingang von EUR 8,682m erreicht. Dies entspricht einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr von 78,2% (Auftragseingang 2023: EUR 39,843m). Die Bestellungen im Jahr 2024

umfassen unter anderem Projekte im Bereich Customer Service im Wert von EUR 6,095m sowie Erweiterungs- und Umbauaufträge bestehender Anlagen in Höhe von EUR 2,587.

Um die Leistungen der LHF in den Hauptmärkten vor Ort zu stärken und um Kunden vor Ort besser bedienen zu können, wurden mit Linde-Schwesterunternehmen Kooperationen für Sales, Project-Management und Servicing eingegangen. So arbeiten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Linde-Unternehmen in den USA, in Südkorea und China für die LHF.

1.7. Umweltbelange

Durch den Auftrag, Wasserstoff-Tankstellen-Systeme für die Betankung von allen Arten von Fahrzeugen mit Wasserstoffantrieb zu entwickeln, zu produzieren und in Betrieb zu setzen, positioniert sich die LHF mit ihren Produkten nachhaltig für die globale Reduzierung von klima- und gesundheitsbeeinträchtigenden CO2-Emissionen im Anwendungsbereich Mobilität.

Das Material, das für die Produktion der Anlagen verwendet wird, besteht vorwiegend aus Metall und Legierungen, sowie zu einem kleineren Teil aus Kunststoff und Kautschuk (Schläuche). Der größte Teil des Materials wird aus europäischen Ländern bezogen. Ein kleiner Teil aus dem Fernen Osten und den USA, um spezifische, lokale technische Standards zu erfüllen.

Der Transport der Anlagen zu den Kunden erfolgt mit LKWs und für die Überseeländer mit Schiffen. Die Inbetriebnahme und Instandhaltung der Anlagen weltweit erfolgt seit 2021 durch regional in den Kernmärkten spezialisierte und lokal angestellte Mitarbeiter, um die Projekte lokal begleiten und Inbetriebnahme und Instandhaltung vor Ort durchzuführen, was neben den Kosten vor allem auch den CO2-Footprint dieser Aktivitäten erheblich verringert. Das Unternehmen ist neben der DIN ISO 9001 auch DIN ISO 14001 zertifiziert und hat das im April 2023 durchgeführte, entsprechende Überwachungsaudit erfolgreich absolviert.

2. Bericht über die Forschung und Entwicklung

Die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten der LHF fokussieren sich zum einen auf die Erweiterung des Produktportfolios zum anderen auf der Optimierung existierender Produkte und Technologien. Neben technischen Neu-Entwicklungen zur Leistungs- und Effizienzsteigerung, sind daher Verbesserungen bzgl. Qualität, Haltbarkeit und vor allem Sicherheit wesentliche Bestandteile der Forschungs- und Entwicklungsarbeit.

Im Jahr 2024 wurden wesentliche Meilensteine bei der erfolgreichen Weiterentwicklung unserer Produkte gesetzt: im Bereich von Tankstellen für die Verdichtung von Flüssigwasserstoff wurden unzählige Verbesserungen an der Systemarchitektur mit dem

Fokuspunkt auf der Effizienz umgesetzt. Darüber hinaus wurden weiterentwickelte Wasserstoffsysteme für emissionsfreie Bus-, PKW- und LKW-Flottenbetriebe erfolgreich in Betrieb genommen, welche unter höchsten Verfügbarkeitsanforderungen betrieben werden. In Zusammenarbeit mit dem LKW-Hersteller Daimler Truck entwickelt die LHF eine neuartige Betankungstechnologie, die es ermöglicht große Mengen an Wasserstoff in kurzer Zeit für eine möglichst hohe Reichweite des Schwerlastfahrzeugs zu betanken. Weiterhin verringert sich die benötigte Fläche der Tankstelle als auch die elektrische Anschlussleistung gegenüber dem derzeitigen Stand der Wasserstofftankstellen. In diesem Jahr wurden maßgebliche Fortschritte in der Entwicklung und Erprobung der Technologie am firmeneigenen Teststand erzielt.

Mit sechs Mitarbeitern im Bereich Forschung und Entwicklung ist ein signifikanter Bestandteil der Gesamtbelegschaft von 106 Mitarbeitern für die erfolgreiche Weiterentwicklung der Produkte verantwortlich. Weitere achtspezialisierte Mitarbeiter der Linde Gruppe, vor allem vom Standort Pullach in Deutschland unterstützen die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der LHF.

3. Bericht über die voraussichtliche Entwicklung und die Risiken des Unternehmens

3.1. Voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens

Im Geschäftsjahr 2024 wurde ein geringerer Auftragseingang gegenüber dem Vorjahr 2023 (EUR 8,682m) erreicht. Ein signifikanter Wettbewerbsdruck, vor allem hervorgerufen durch spezialisierte mittelständische Maschinenbauunternehmen sowie Start-Ups, ist spürbar und treibt die LHF-Maßnahmen zur Kostensenkung weiter voran. Ein Hebel für das Unternehmen ist hierbei die Standardisierung und Modularisierung des Produkt- und Komponentenportfolios, die zunehmende Lokalisierung der vor Ort in den Kernmärkten zu erbringenden Leistungsbestandteile wie Vertrieb, Projektmanagement, Installation und Inbetriebnahme, sowie eine Kommerzialisierung des Projekteinkaufs. Dies wird nicht nur durch eigenen Kapazitäten erreicht, sondern auch durch Partnerschaften mit lokalen Anbietern.

Das Berichtsjahr 2024 ist somit geprägt von dem beschriebenen Wettbewerbsdruck und der Vorbereitung auf eine Restrukturierung, die Ende des Jahres 2024 angekündigt wurde und im Jahr 2025 zur deutlichen Reduktion des Personalstandes führt. In der zukünftigen Organisation sollen technische Kompetenzen erhalten werden, während unterstützende Funktionen mit anderen Einheiten innerhalb des Linde Konzerns enger integriert werden. So kann die Kernkompetenz der LHF erhalten bleiben, während von den im Linde Konzern existierenden Ressourcen in beispielsweise Vertrieb, Service und Administration profitiert

werden kann. Um die künftige Finanzierung der Gesellschaft zu sichern, wurde von der Linde GmbH eine harte Patronatserklärung abgegeben.

Im Jahr 2025 konnte eine Einigung mit einem US-amerikanischen Kunden erzielt werden, der zuvor die Forderungen für ein Großprojekt nicht beglichen hatte. Hierfür wurden in den vorangegangenen Geschäftsjahren Rückstellungen für überfällige Forderungen gebildet, die nun aufgelöst werden konnten.

3.2. Wesentliche Risiken und Ungewissheiten

Diversifizierung

Die Abhängigkeit von einzelnen Kunden und Großprojekten führt zu Ausfallrisiken, die im Berichtsjahr 2022 zur Bildung von Rückstellungen für überfällige Forderungen im Zusammenhang mit Projekten in den USA geführt haben. Um diesem Risiko zu begegnen, wird der Fokus auf Diversifizierung von Kunden und Märkten gestärkt.

Förderlandschaft

Die LHF ist sich bewusst, dass öffentliche Förderung die Kommerzialisierung und die Etablierung von Wasserstoff-Mobilität unterstützen kann, die Technologien aber mittelfristig auch ohne diese Unterstützung eine wettbewerbsfähige Alternative zu anderen Mobilitätsangeboten sein müssen.

Die Bewilligung von Förderprogrammen dediziert für Wasserstoff-Technologien in mehreren Staaten über die letzten Monate und Jahre, z. B. auch in Österreich, zeigen, dass Politik und Öffentlichkeit konsequent auf Wasserstoff als eine der vielversprechendsten nachhaltigen Mobilitäts- und Transportalternativen setzen. Die unklare politische Lage kann dennoch zu verzögerten Investitionsentscheidungen von Kunden führen. Mögliche Sanktionen auf importierte Waren, die beispielsweise durch die Vereinigten Staaten verhängt werden können, erhöhen die Unsicherheit im Markt.

Die LHF analysiert die aktuelle Entwicklung, gerade in den Kernmärkten für Wasserstoff- Mobilität genau, um gegebenenfalls schnell korrigierende Maßnahmen treffen zu können.

Weitere finanzielle Risiken

Weitere finanzielle Risiken, z. B. Währungsrisiken, können geringgehalten werden. Verträge werden mit Kunden auf EUR-Basis abgeschlossen und Komponenten und Materialien werden vorrangig aus dem Euro-Raum bezogen. Da die LHF 100% durch den Gesellschafter finanziert ist (keine Fremdkapitalfinanzierung), und durch die Einbindung in den Cash Pool der Linde Gruppe im Bedarfsfall mit Liquidität versorgt ist, werden auch Zins- und Bonitätsrisiken auch in Zeiten eines wirtschaftlichen Abschwungs als gering bewertet. Die Linde GmbH hat weiterhin eine harte Patronatserklärung abgegeben, um die künftige Finanzierung der Gesellschaft zu sichern.

4. Zweigniederlassungen

Im aktuellen Geschäftsjahr bestanden keine Zweigniederlassungen. Aktivitäten im Ausland werden durch die in den Ländern vertretenen Gesellschaften der Linde Gruppe realisiert und innerhalb der Gruppe verrechnet.

Wien, am 18. Dezember 2025

Die Geschäftsführung

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