Inhaltsverzeichnis
der Geschäftsführung zum Geschäftsjahr 2024
Geschäftsverlauf und Lage der Gesellschaft
Das Geschäftsjahr 2024 verlief in wirtschaftlicher Hinsicht abwechslungsreich und herausfordernd: Die ersten Monate des Jahres waren von ungewöhnlich milden Temperaturen geprägt, die Oster-Feiertage fielen bei strahlendem Frühlingswetter in die letzte März-Woche. Die Eintrittserlöse kletterten in der ersten Jahreshälfte auf ein neues Rekordniveau.
Ab dem Sommer setzte jedoch ein markanter Abwärtstrend ein: Eine Hitzewelle folgte der anderen, der Sommer ging als der heißeste Sommer seit Messbeginn in die Geschichte ein. Zwischen den Hitzetagen brachten heftige Sommergewitter mehrfach Sturm und Schäden, aber keine Abkühlung.
Der September bescherte uns - anders als in den Vorjahren - leider keinen „goldenen Herbst": Stattdessen waren weite Teile Osterreichs - insbesondere Niederösterreich und Wien - massiv von verheerendem Hochwasser betroffen. Der Tiergarten Schönbrunn verzeichnete zum Glück nur leichte Schäden, war aber an mehreren Tagen für Besucherinnen und Besucher nicht oder kaum erreichbar. Nach dem Herbst war der Vorsprung bei den Besucherzahlen und Eintrittserlösen vollständig aufgebraucht.
Den guten Ergebnissen, die in den letzten Wochen des Jahres, insbesondere während der Weihnachtsfeiertage, erzielt werden konnten, ist es zu verdanken, dass die Besucherzahlen die 2-Millionen-Marke schlussendlich doch nur knapp verfehlten: Insgesamt wurden 1.981.274 Besucherinnen und Besucher gezählt, 3 % weniger als im Vorjahr (2023: 2.052.410). Es wurden rund 91.000 Jahreskarten verkauft, nur 1 % weniger als im Vorjahr (2023: rund 92.000 Jahreskarten), die im Schnitt für rund 5,0 Besuche in den Zoo genutzt wurden (2023: 5,1). Die Touristenquote erhöhte sich deutlich und betrug, bezogen auf die Zahl der Tageseintritte, rund 46 % (Vorjahr: rund 41 %).
Das wirtschaftliche Ergebnis, das im Geschäftsjahr 2024 trotz der durchwachsenen Wetterbedingungen erzielt werden konnte, war bemerkenswert: Mit über 5,5 Millionen Euro wurde der dritthöchste Gewinn seit Gründung der GmbH erzielt (2023: 7,6 Millionen Euro), der operative Cashflow, den die Gesellschaft aus rein betrieblicher Tätigkeit (ohne Spenden) erwirtschaften konnte, lag bei über 4 Millionen Euro (2023: 5 Millionen Euro). Auch die Eigenfinanzierungsquote war mit 119,3 % beachtlich (2023: 128,3 %).
Bautätigkeit
Wie das Vorjahr war auch das Geschäftsjahr 2024 von reger Bautätigkeit geprägt:
Bereits im ersten Quartal konnte die umfassende Umgestaltung des Bereichs Neptuneingang erfolgreich abgeschlossen werden. Das Ergebnis der aufwendigen Arbeiten kann sich sehen lassen: Der gesamte Eingangsbereich wirkt attraktiver, offener und einladender und bietet Besucherinnen und Besuchern des Schlossparks sowie Gästen des Lokals freie Sicht auf die Nashörner.
Zu den wichtigsten weiteren im Jahr 2024 fertiggestellten Projekten gehört die neu errichtete
Aqua-Forschungsstation auf den ehemaligen "Steinmetzgründen" in der Maxingstraße 13c. Während der Bauzeit des Artenschutz-Aquariums werden die meisten Bewohner des alten Aquariums in der neuen Forschungsstation optimal untergebracht sein. Langfristig wird die Station für wissenschaftliche Projekte sowie den Aufbau und Erhalt von sogenannten „Reserve-Populationen" besonders gefährdeter Arten genutzt. Hunderte hochbedrohte und zum Teil in der Wildbahn bereits ausgerottete aquatische Arten sollen dort gehalten und gezüchtet werden.
Ein weiteres Großprojekt, an dem im Jahr 2024 intensiv gearbeitet wurde, ist die Felsenanlage für asiatische Gebirgstiere auf dem ehemaligen Areal der Mähnenspringer sowie dem angrenzenden Gehege der Himalaya-Tahre. Die neue 1.400 Quadratmeter große Gebirgslandschaft konnte im Jahr 2024 erfolgreich in Betrieb genommen werden und wird bereits von einer großen Gruppe trittfester Himalaya-Tahre bewohnt. Ab dem Jahr 2025 sollen dort zum ersten Mal in der Geschichte des Tiergartens auch Goldtakine zu sehen sein.
Abgesehen von diesen aufwendigen Bauprojekten konnten im Jahr 2024 auch mehrere kleinere Umgestaltungs- und Modernisierungsprojekte erfolgreich abgeschlossen werden.
Anfang August übersiedelten die ältesten Bewohner des Tiergarten Schönbrunn, die beiden Seychellen Riesenschildkröten, aus dem Terrarienhaus des Zoos in ihre neu errichtete Anlage im Wüstenhaus vor den Toren des Tiergartens. In mehreren Monaten Bauzeit wurde dort ein neues Schildkröten-Paradies geschaffen: Die 270 Quadratmeter große Anlage bietet den Tieren ideale Bedingungen mit sonnigen und schattigen Bereichen, einem großen Wasserbecken und einer beheizbare Lavastein-Felsnische. Die Ubersiedlung der Riesenschildkröten bringt aber nicht nur den Tieren eine spannende Neuerung und Verbesserung, sondern auch den Besucherinnen und Besuchern des Tiergarten Schönbrunn: Ab August 2024 beinhaltet die Tiergarten-Jahreskarte erstmals auch den Eintritt in das Wüstenhaus.
Nachdem Mitte September das Panda-Paar aus der ersten Kooperation nach China zurückgekehrt war, wurde die Panda-Anlage innerhalb weniger Monate umfangreich adaptiert. Die Umgestaltung stellte nicht nur aufgrund des kurzen Zeitfensters bis zur Ankunft der neuen Pandas, sondern auch aus Sicht des Denkmalschutzes eine große Herausforderung dar. Trotz der komplexen Voraussetzungen gelang es, die Innenanlage des Männchens um etwa ein Drittel zu erweitern. Der Innenbereich des Pandahauses, insbesondere die Besucherhalle, wurde gemeinsam mit einer chinesischen Firma neugestaltet und mit vielen original chinesischen Bau- und Dekorationselementen versehen. Die Außenanlage wurde mit neuen Wasserflächen und Klettereinrichtungen ausgestattet und um die ehemalige Anlage der Roten Pandas erweitert. Durch diese Umgestaltung können die Besucherinnen und Besucher die Großen Pandas ab sofort auch direkt vom Kaiserpavillon aus in ihrer Außenanlage beobachten.
Die Roten Pandas, die die nunmehrige Erweiterungsfläche der Großen Pandas bisher bewohnten, übersiedelten im November in ein neugestaltetes Gehege zwischen Regenwaldhaus und Eisbärenwelt. Kurz darauf zogen auch die Zwergotter als neue Mitbewohner der Bären in die Anlage ein. Das neue Gehege der Roten Pandas ist doppelt so groß wie ihre bisherige Anlage und wurde mit Klettergerüsten und Bäumen perfekt an die Bedürfnisse der kletterfreudigen Bären angepasst. Für die Zwergotter hingegen wurden Bademöglichkeiten und eigene Innenbereiche, in denen sie sich an kalten Tagen aufwärmen können, geschaffen. Bisher bewährt sich die neue Form der Gemeinschaftshaltung der Roten Pandas mit den Zwergottern ausgesprochen gut.
Am 23. September kündigte der Tiergarten Schönbrunn das größte Bauprojekt seiner Geschichte an: Im Rahmen einer Pressekonferenz im Beisein von Generalsekretärin Eva Landrichtinger als
Eigentümervertreterin wurde das Konzept des neuen “Artenschutz-Aquariums Schönbrunn" erstmals der Offentlichkeit präsentiert. Das neue Aquarium wird mit rund 2 Millionen Litern das größte Haibecken Osterreichs beinhalten und soll nach rund zweieinhalbjähriger Bauzeit im Jahr 2029 seine Tore öffnen.
Veranstaltungen
Den Besucherinnen und Besuchern wurde im Tiergarten Schönbrunn auch im Jahr 2024 ein buntes und abwechslungsreiches Programm geboten.
Am 12. Juni fand der 11. Wiener Zoolauf im Tiergarten Schönbrunn mit über 1.500 zoo- und laufbegeisterten Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Der Reinerlös kommt wie in jedem Jahr zu gleichen Teilen dem Tiergarten Schönbrunn und dem Verein "PH Austria – Initiative Lungenhochdruck" zugute.
An vier Freitagen im Juni und Juli öffnete der Tiergarten Schönbrunn seine Pforten bis 21 Uhr und bot im Rahmen der "Tierischen Sommerabende“ wieder außergewöhnliche "tierische" Acts von farbenfrohen Stelzengehern und Künstlern in barocken Tierkostümen bis zur akrobatischen Einlage einer Trapezkünstlerin vor der Löwenanlage, gastronomische Highlights und ein abwechslungsreiches Musikprogramm. Anlässlich der erfolgreichen Fortsetzung der Panda-Kooperation stand der zweite "Tierische Sommerabend" ganz im Zeichen Chinas und der Großen Pandas: Die Besucherinnen und Besucher konnten unter anderem einen traditionellen Löwen- und Drachentanz bestaunen. Ehrengast war die chinesische Botschafterin QI Mei. Allen Fußballbegeisterten, denen die Wahl zwischen den Spielen der Europameisterschaft und einem abendlichen Zoo-Besuch schwerfiel, wurde die Entscheidung leicht gemacht: Das Gruppenspiel Osterreich – Polen und das EM-Viertelfinale Spanien - Deutschland wurden im Rahmen der Tierischen Sommerabende in der Tiergarten ORANG.erie und im Gasthaus Tirolergarten live übertragen.
Ende August/Anfang September fanden zum bereits 18. Mal die „Artenschutztage“ im Tiergarten Schönbrunn statt. Zwei Tage lang bot der Zoo seinen Besucherinnen und Besuchern gemeinsam mit 29 Tier-, Natur- und Artenschutzorganisationen die Möglichkeit, Wissenswertes über bedrohte Tierarten und Artenschutzaktivitäten zu lernen.
Zoologischer Bericht / Tierbestand
Bei den Burchell-Zebras kamen im März innerhalb weniger Tage gleich zwei Fohlen zur Welt. Bei den Vosseler-Zweihornchamäleons schlüpften 4 winzige Jungtiere, auch bei den Capybaras sowie den Weißrüssel-Nasenbären gab es 4-fachen Nachwuchs - bei den Nasenbären war es der erste Nachwuchs auf der neuen Anlage.
Zum ersten Mal in der Geschichte des Tiergarten Schönbrunn freuten wir uns auch über Straußen-Nachwuchs: Eine ganze Schar aufgeweckter Küken bei den von der Ausrottung bedrohten Rothalsstraußen hielt unsere Tierpfleger im Frühjahr auf Trab.
Bei den Königspinguinen sowie den stark gefährdeten Felsenpinguinen gehört der Tiergarten Schönbrunn zu den wenigen Zoos weltweit, in denen die Nachzucht seit vielen Jahren regelmäßig gelingt. Optimale Bedingungen in der Anlage, eine passende Zucht-Gruppe und ein erfahrenes Pflegerteam sind Grundlagen dieses Erfolgs.
Anfang September konnte der Tiergarten Schönbrunn nach vierjähriger Pause erstmals wieder die erfolgreiche Nachzucht von Rosa Flamingos verkünden. Die Gründe für diesen lange erwarteten
Zuchterfolg waren vielfältig: So gab es im vergangenen Winter erstmals keine behördlich vorgeschriebene Stallpflicht aufgrund der Vogelgrippe, was den Biorhythmus der Tiere positiv beeinflusste. Neue Flamingos aus dem Zoo Bratislava unterstützten zudem die Bildung passender Brut-Paare.
Im Oktober verstarben innerhalb eines kurzen Zeitraums fünf Bisons im Tiergarten Schönbrunn in Folge einer Infektion mit einem Schafherpesvirus. Das verbliebene Bison-Kalb wurde aus Tierschutzgründen und zur Minimierung von Ansteckungsrisiken eingeschläfert. Die Ouessantschafe des Streichelzoos, die als mögliche Uberträger in Frage kommen, wurden umgehend an geeignete Haltungen abgegeben.
Mitte November kam eine Netzgiraffe zur Welt. Von Beginn an war das Jungtier deutlich schmächtiger als vergleichbare Giraffen-Jungtiere. Trotz des enormen Einsatzes des Tierpfleger-, Tierärzte- und Kuratorenteams verstarb es nach zwei Wochen. Aufgrund dieses traurigen Ereignisses und ähnlicher Vorfälle bei den Giraffen in den letzten Jahren wurde beschlossen, Spezialuntersuchungen durch internationale Experten durchführen zu lassen. Zudem wurde festgelegt, dass in dieser Herdenkonstellation vorerst keine weiteren Zuchtversuche unternommen werden.
Ebenfalls im November kam ein Zweifingerfaultier zur Welt. Es ist bereits das 14. Jungtier unseres Faultierpaares im Vogelhaus. Nur wenige Wochen später freuten wir uns zum ersten Mal seit acht Jahren wieder über Nachwuchs bei den Nacktmullen. Kurz vor Weihnachten gab es zum ersten Mal in der Geschichte des Tiergarten Schönbrunn Nachwuchs bei den Kirk-Dikdiks. Kirk-Dikdiks gehören zu den kleinsten Antilopen Afrikas und erreichen ausgewachsen gerade einmal die Größe eines Feldhasen.
Auch in der Wildbahn konnte der Tiergarten Schönbrunn im Jahr 2024 viel zum Artenschutz beitragen: 43 Nördliche Batagur-Flussschildkröten schlüpften in vom Tiergarten Schönbrunn aufgebauten Stationen in Bangladesch aus ihren Nestern. 41 dieser von der Ausrottung bedrohten Reptilien wurden 2024 in geschützten Teichen wiederangesiedelt.
Einen wichtigen Beitrag leistete der Tiergarten Schönbrunn im Jahr 2024 auch zum Erhalt der einzigen heimischen Schildkrötenart. Aufgrund von Bauarbeiten im Nationalpark Donau-Auen konnten die im Nationalpark heimischen Europäischen Sumpfschildkröten nicht wie üblich am Gewässergrund überwintern. Sie wurden daher in den Tiergarten Schönbrunn übersiedelt, dort bei konstanten Temperaturen in Klimaschränken überwintert und vom erfahrenen Pfleger-Team überwacht und betreut. Im Frühjahr 2024 kehrten 38 fitte Sumpfschildkröten nach der Überwinterung in den Nationalpark Donau-Auen zurück.
Im Rahmen des EU-LIFE Projekts zur Wiederansiedlung des Waldrapps, dessen Leitung der Tiergarten Schönbrunn im Jahr 2022 übernommen hat, wurde im Jahr 2024 ein wichtiger Meilenstein erreicht. Zum ersten Mal brüteten die einst in Europa ausgerotteten Zugvögel wieder selbstständig in einer natürlichen Felsnische bei Überlingen am Bodensee. Dazu animiert wurden sie durch zwei Waldrapp-Attrappen, die im Zuge unserer Kooperation mit dem Naturhistorischen Museum Wien (NHM) mittels 3D-Drucker hergestellt und vom Förderverein Waldrappteam in über zwanzig Metern Höhe in einer Felsnische angebracht wurden.
Seit 2003 zählt der Tiergarten Schönbrunn zu den wenigen zoologischen Gärten weltweit, in denen Große Pandas gehalten werden. Ende Juni 2024 wurde die erfolgreiche Kooperation mit der China Wildlife Conservation Association (CWCA) zur Haltung der Großen Pandas um 10 weitere Jahre verlängert. Mitte September übersiedelten die beiden "Schönbrunner Pandas", Yang Yang und Yuan Yuan, mittlerweile stolze 24 und 25 Jahre alt, in ihre Heimat China. Die Besucherinnen und Besucher des Tiergarten Schönbrunn mussten danach nicht lange auf Große
Pandas verzichten. Ein neues junges Panda-Paar zog bereits im April 2025 in den Tiergarten Schönbrunn ein (siehe "Ausblick auf das Geschäftsjahr 2025").
Forschung und Entwicklung
Forschung gehört neben Erholung, Artenschutz und Bildung zu den vier Hauptaufgaben zeitgemäßer Tiergärten. Der Tiergarten Schönbrunn ist auch gesetzlich angehalten, Tiere nach dem neuesten Stand tiergärtnerischer Erkenntnisse zu halten und wissenschaftliche Forschung auf allen Gebieten der Tiergartenbiologie zu ermöglichen. Für Aufwendungen für Forschung und experimentelle Entwicklung nimmt die Gesellschaft jedes Jahr die Forschungsprämie in Höhe von 14 Prozent der Forschungsaufwendungen in Anspruch.
Im Jahr 2024 konnten erneut wichtige neue Erkenntnisse gewonnen und publiziert werden. So konnte ein Forscherteam des Tiergarten Schönbrunn in Zusammenarbeit mit der Brown University erstmals zeigen, dass Titicaca-Riesenfrösche unter sauerstoffarmen Bedingungen besonders häufig „Unterwasser-Liegestütze“ machen. Das "Liegestütz-Verhalten" verbessert vermutlich den Gasaustausch zwischen der Haut, über die die Frösche hauptsächlich atmen, und dem Wasser, da die sauerstoffarme Grenzschicht um die Hautfalten unterbrochen wird. Die Ergebnisse wurden im Juni 2024 im renommierten Fachjournal „Behavioural Processes" publiziert.
Eine der wichtigsten Forschungsstätten mitten im Tiergarten Schönbrunn ist der auffällige Winkerfrosch-Container. Seit über 15 Jahren finden in Zusammenarbeit mit US-amerikanischen Forschungspartnern Versuche mit Winkerfröschen statt, die regelmäßig neue Erkenntnisse zu Tage bringen. Im Sommer 2024 wurde in Zusammenarbeit mit Studierenden der Brown University und dem Smith College zum einen der Einfluss von unterschiedlichen Hormonen auf das multimodale Signal von Winkerfröschen in unterschiedlichem sozialem Kontext getestet. Zum anderen wurde erstmals auch das Winkverhalten von Jungfröschen untersucht.
Ein __ wichtiger Citizen Science- und Citizen Conservation-Schwerpunkt betrifft Grundlagenforschung zu bedrohten heimischen Arten, wobei der Fokus auf den Amphibien liegt, die weltweit als die am stärksten von der Ausrottung bedrohte Wirbeltiergruppe gelten. Der Pilz Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) könnte eine starke Bedrohung für heimische Schwanzlurche darstellen. Mit dem Ziel, die potentielle Gefahr und den Infektionsstatus österreichischer Salamander und Molche einschätzen zu können, werden unter Projektleitung des Tiergarten Schönbrunn jedes Jahr stichprobenartig Untersuchungen an Feuersalamandern durchgeführt. Im Jahr 2024 wurden an 16 Standorten in 7 Bundesländern Hautabstriche von 5 Schwanzlurcharten genommen. Insgesamt wurden 282 Schwanzlurche beprobt, davon 147 Feuersalamander und 126 Alpensalamander.
Seit dem Jahr 2024 verfügt der Tiergarten Schönbrunn als einer von wenigen Zoos weltweit über ein eigenes Pathologie-Labor. Kleinere Tiere bis ca. 50 kg können seither direkt auf dem Areal des Tiergartens untersucht werden. Wir erwarten uns dadurch raschere Befundungen und Diagnosen sowie gegebenenfalls konkrete Handlungsanweisungen für die Haltung der Tiere. Gleichzeitig wird in dem Labor aber auch aktiv Forschung betrieben: Das Labor wird vom Parasitologen David Ebmer geleitet, der sich seit mehreren Jahren leidenschaftlich der Erforschung von Parasiten verschrieben hat. Sein aktuelles Forschungsziel ist die weltweit erstmalige Entwicklung einer nicht-invasiven Methode zum Nachweis respiratorischer Milben bei verschiedenen Robbenarten in zoologischen Gärten. Gleichzeitig soll von bereits konserviertem Material die Morphologie der Milben sowie ihre mögliche Vektorfunktion für verschiedenste bakterielle Erreger untersucht werden. Die Ergebnisse wären entscheidend für das Tierwohl und
die Erweiterung der veterinärmedizinischen Routinediagnostik in Zoos. Gleichzeitig würden aber auch wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden, die helfen können, den Milbenbefall bei freilebenden Tieren besser zu verstehen. Die herausragende Kompetenz des Schönbrunner Parasitologen David Ebmer fand vor kurzem auch internationale Anerkennung: Im September 2024 wurde er von der European Association of Zoo and Wildlife Veterinarians (EAZWV) mit dem Rudolf Ippen Young Scientist Award als einer der vielversprechendsten jungen Wissenschaftler aus den Bereichen Wildtiermedizin, Conservation Medicine sowie Zootiermedizin ausgezeichnet.
Beteiligungen und Tochtergesellschaften
Der Tiergarten Schönbrunn führt gemeinsam mit den ÖOsterreichischen Bundesgärten das „Wüstenhaus“ in Form der „ARGE Sonnenuhrhaus“ und hält Beteiligungen an der Tiergarten Schönbrunn Gastronomie GmbH (100 %) und der Dipl. Tzt. Thomas Voracek KG (75 %).
Im „Wüstenhaus“ vor den Toren des Tiergarten Schönbrunn wurden 2024 rund 200.000 Besucher gezählt, 2 % mehr als im Vorjahr. Damit konnte nicht nur das Vorjahresergebnis übertroffen, sondern auch das beste Besucherergebnis seit über 20 Jahren erzielt werden. Aufgrund der höheren Besucherzahlen konnte auch eine Umsatzsteigerung erzielt werden (+ 4 %). Insgesamt errechnet sich für das Jahr 2024 ein Gewinn von Tsd € 362 (Vorjahr: Tsd € 378).
Die Tiergarten Schönbrunn Gastronomie GmbH, die 100%ige Tochter der Schönbrunner Tiergarten-Ges.m.b.H., konnte im Jahr 2024 trotz durchwachsener Bedingungen ein positives Ergebnis erzielen. Der Umsatz konnte im Vergleich zum Vorjahr um 5 % gesteigert werden, gleichzeitig kam es aber auch bei den Personalaufwendungen und den sonstigen betrieblichen Aufwendungen zu deutlichen Erhöhungen. Insgesamt erzielte die Gastronomie-Tochter einen Gewinn in Höhe von Tsd € 561 (Vorjahr: Tsd € 642).
Die Dipl. Tzt. Thomas Voracek KG, die tierärztliche Ordination, an der der Tiergarten Schönbrunn als Kommanditist mit 75 % beteiligt ist, konnte ihre Umsätze im Jahr 2024 ebenfalls steigern (+ 9%). Aufgrund höherer Aufwendungen für Material und Personal verringerte sich der Gewinn von Tsd € 203 im Vorjahr auf Tsd € 191 (vorläufiges Ergebnis); der (vorläufige) Anteil des Tiergartens am Gewinn betrug Tsd € 44 (Vorjahr: Tsd € 58).
Finanzielle Leistungsindikatoren der Schönbrunner Tiergarten-Ges.m.b.H.
In Zahlen stellt sich der wirtschaftliche Erfolg des Jahres 2024 wie folgt dar:
Ertragskennzahlen
Die Umsatzerlöse des Jahres 2024 betrugen Tsd € 31 234. Damit konnte das Rekordniveau des Vorjahres (Tsd € 31 238) trotz der durchwachsenen Wetterbedingungen in etwa gehalten werden. Die geringfügig gesunkenen Eintrittserlöse und Einnahmen aus zoopädagogischen Veranstaltungen spiegeln den leichten Rückgang der Besucherzahlen wider, bei den Pachterträgen aus Shop und Gastronomie wurden trotz der schwierigen Voraussetzungen sogar Steigerungen erzielt.
Die sonstigen betrieblichen Erträge haben sich im Vergleich zum Vorjahr hingegen deutlich verringert (-20,4 %). Der Rückgang ist insbesondere auf Einmaleffekte im Vorjahr (insbesondere Erlöse aus dem Verkauf der Züge) sowie etwas geringere Einnahmen aus Verlassenschaften und Spenden zurückzuführen. Im Jahr 2024 betrugen die Einnahmen aus Verlassenschaften Tsd €
1 036 (Vorjahr: Tsd € 1 164). Die Spenden und Patenschaften verringerten sich von Tsd € 1 047 (Vorjahr) auf Tsd € 985 (2024).
In Summe wurden betriebliche Erträge (Umsatzerlöse und sonstige betriebliche Erträge) von Tsd € 33 716 erzielt, d.s. 1,9 % weniger als im Vorjahr (Tsd € 34 356).
Die Materialaufwendungen, die im Wesentlichen die Futterbeschaffung betreffen, verringerten sich im Vergleich zum Vorjahr geringfügig (-0,3 %).
Der Personalaufwand des Jahres 2024 stieg im Vergleich zum Vorjahr um 9,5 %. Dieser deutliche Anstieg erklärt sich primär durch die Inflation im vorangegangenen Geschäftsjahr und den damit einhergehenden hohen Gehaltsabschluss für 2024 (9,1 %). In einzelnen Bereichen kam es darüber hinaus zu Aufstockungen sowie zu vorübergehenden "Doppelbesetzungen" in Zusammenhang mit der Pensionierung wichtiger Führungskräfte. Ziel war es, den Nachfolgern die Möglichkeit zu geben, mehrere Monate mit ihren Vorgängern zusammenzuarbeiten, um einen reibungslosen Übergang der Führungsaufgaben zu gewährleisten.
Bezogen auf die Summe der betrieblichen Erträge beträgt der Anteil der gesamten Personalaufwendungen 43,8 % (Vorjahr: 39,3 %). Der angestrebte Richtwert für diese Kennzahl von 50 % wurde somit - trotz des kräftigen Anstiegs - erneut sehr deutlich unterschritten.
Die Abschreibungen sind im Vergleich zum Vorjahr aufgrund der Fertigstellung der Asiatischen-Gebirgstiere-Anlage sowie der Aqua-Forschungsstation signifikant gestiegen (18,2 %).
Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen weisen nur einen geringen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr aus (2,3 %). Die Instandhaltungsaufwendungen sind aufgrund einiger dringender Sanierungsarbeiten zwar kräftig gestiegen, auch die Reinigungsaufwendungen haben sich deutlich erhöht. Im Gegenzug sind jedoch die Aufwendungen für Energie erstmals wieder gesunken. Auch bei den Aufwendungen im Zusammenhang mit den Großen Pandas kam es aufgrund der Rückkehr der Pandas nach China zu einem merkbaren Rückgang der Kosten.
In Summe betrugen die betrieblichen Aufwendungen des Jahres 2024 (einschließlich Personal und Abschreibungen) Tsd € 29 180. Sie liegen damit um 6,9 % über dem Vorjahr (Tsd € 27 295).
Als Folge der geringfügig gesunkenen Erträge und der deutlich gestiegenen Personalaufwendungen und betrieblichen Abschreibungen fallen das Betriebsergebnis und das EBIT im Vergleich zum Vorjahr etwas geringer aus. Mit einem Betriebsergebnis von Tsd € 4 536 und einem EBIT von Tsd € 5 699 (Vorjahr: Tsd € 7 061 bzw. Tsd € 7 801) konnten jedoch erneut sehr solide und erfreuliche wirtschaftliche Ergebnisse erzielt werden.
Das Finanzergebnis (Tsd € 1 111; Vorjahr: Tsd € 679) beinhaltet im Wesentlichen die Zinserträge aus den Bankguthaben, den Zinsaufwand der Personalrückstellungen sowie die Beteiligungsergebnisse aus der Voracek KG und der ARGE Sonnenuhrhaus. Die auffällige Verbesserung spiegelt im Wesentlichen den deutlichen Anstieg des Zinsniveaus und die hohen Zinsergebnisse, die in Folge aus diversen Festgeldveranlagungen erzielt werden konnten, wider.
Nach Einbeziehung des Finanzergebnisses sowie der Steuern errechnet sich ein Jahresüberschuss von Tsd € 5 549 (Vorjahr: Tsd € 7 556). Damit konnte das drittbeste Ergebnis seit Gründung der Gesellschaft erzielt werden. Die Eigenfinanzierungsquote1 betrug 119,3 %
(Vorjahr: 128,3 %).
Auch die Rentabilitätszahlen verdeutlichen die weiterhin solide Gewinnsituation: Es errechnen sich eine Umsatzrentabilität2 von 18,25 % (Vorjahr: 24,97 %), eine Eigenkapitalrentabilität3 von 13,93 % (Vorjahr: 23,46 %) und eine Gesamtkapitalrentabilitäta von 10,64 % (Vorjahr: 16,76 %).
1 Verhältnis sämtlicher Erträge zu sämtlichen Aufwendungen des Jahres ² EBIT / Umsatzerlöse 3 Ergebnis vor Steuern / Eigenkapital am Anfang des Geschäftsjahres 4 EBIT / Gesamtkapital am Anfang des Geschäftsjahres
Kennzahlen zur Vermögenslage
Die Liquidität der Gesellschaft hat sich im Geschäftsjahr trotz der hohen Investitionsausgaben nicht wesentlich verändert (siehe Cashflow). Die flüssigen Mittel betragen zum 31.12.2024 nach wie vor ein Vielfaches des verzinslichen Fremdkapitals: Es liegt somit wie im Vorjahr keine (Netto-)Verschuldung vor. Auch das Nettoumlaufvermögen (Working Capital)s ist Ausdruck der hohen Liquidität und beträgt zum 31.12.2024 Tsd € 32 135 (Vorjahr: Tsd € 31 208). Die Eigenkapitalquote® hat sich im Vergleich zum Vorjahr erhöht: Sie liegt mit 79,08 % weit über dem gesetzlich geforderten Wert von 8 % (Vorjahr: 75,71 %).
5 Differenz zwischen Umlaufvermögen inkl. kurzfristiger Rechnungsabgrenzungsposten und kurzfristigem Fremdkapital inkl. kurzfristiger Rechnungsabgrenzungsposten • Eigenkapital / Gesamtkapital
Cashflow-Kennzahlen
Der operative Cashflow, den der Tiergarten im Jahr 2024 ohne Berücksichtigung von Spenden und Verlassenschaften erwirtschaftete, war erneut beträchtlich: Insgesamt wurden Tsd € 4 056 (Vorjahr: Tsd € 5 401) aus dem laufenden Betrieb vereinnahmt.
Damit konnte der Großteil der Investitionsausgaben, die im Jahr 2024 besonders hoch ausfielen, durch den Mittelüberschuss aus dem operativen Bereich des Jahres gedeckt werden. Insgesamt wurden im Jahr 2024 liquide Mittel in Höhe von Tsd € - 6 633 (Vorjahr: Tsd € - 4 397) für Investitionstätigkeiten eingesetzt; die größten Teile davon flossen in die Arbeiten an der Aqua-Forschungsstation und der neuen Asiatischen-Gebirgstiere-Anlage.
Zusätzlich wurden im Jahr 2024 Mittel aus der Außenfinanzierung vereinnahmt: Diese umfassten im Wesentlichen Einnahmen aus privaten Spenden und Erbschaften in Höhe von Tsd € 1 690. Im Vorjahr fielen diese Einnahmen aufgrund des Eingangs bedeutender Forderungen aus Erbschaften wesentlich höher aus (Vorjahr: Tsd € 3 584). Die Gesellschaft erhielt im Jahr 2024 wie im Vorjahr keinen Gesellschafterzuschuss.
Insgesamt hat sich der Stand der liquiden Mittel trotz der erheblichen Investitionsausgaben nicht wesentlich verändert: Er verringerte sich von Tsd € 35 303 auf Tsd € 34 553 (- Tsd € 750; Vorjahr: + Tsd € 4 587). Damit ist eine solide Basis für die weiteren anstehenden Investitionen – wie insbesondere das neue Artenschutz-Aquarium – nach wie vor gegeben. Die gute Ausstattung mit liquiden Mitteln bietet dem Tiergarten Schönbrunn auch den dringend notwendigen „Sicherheitspolster“ für unvorhersehbare Krisensituationen (s.u.).
Wesentliche Risiken und Ungewissheiten
Der verantwortungsvolle Umgang mit Risiken aller Art gehört zu den wichtigsten Aufgaben der
Geschäftsführung und der leitenden Angestellten. Zu diesem Zweck sind bereits seit vielen Jahren zahlreiche Kontrollen, Vorbeuge- und Überwachungsmaßnahmen in Verwendung. Im Jahr 2016 wurde mit externer Unterstützung ein den gesamten Betrieb umfassendes Risikomanagementsystem als weiterer Baustein unseres Integrierten Managementsystems eingeführt, 2018 erfolgte die letzte umfassende Aktualisierung.
Die COVID-19-Krise hat die Risikoeinschätzung der Gesellschaft ab dem Jahr 2020 massiv verändert. Trotz genauer Beobachtung der Risikolandschaft waren die Auswirkungen dieser Krise für niemanden vorhersehbar gewesen – und sind es bis heute nicht. Die weiteren Entwicklungen und die Wahrscheinlichkeit einer ähnlichen globalen Krise können zum derzeitigen Zeitpunkt nach wie vor nicht seriös prognostiziert werden. Der massive Umsatzentgang während der in Summe mehr als 7-monatigen Schließung des Tiergartens hat uns das mögliche Ausmaß dieses Risikos jedenfalls drastisch vor Augen geführt. Die Geschäftsführung legt den Fokus seither (noch) stärker auf die Liquiditätssteuerung, um das Risiko der Zahlungsunfähigkeit in Folge eines Lockdowns zu verringern.
Auch das Risiko von Einschränkungen im Reiseverkehr musste angesichts der Ereignisse der letzten Jahre (Covid-19-Krise und Ukraine-Krieg) neu bewertet werden. Aktuell hält der Krieg in Europa Gäste aus Übersee von einer Reise nach Osterreich ab. Auch bei den Nachbarländern, aus denen besonders viele der Gäste des Tiergarten Schönbrunn anreisen, besteht das Risiko, dass es im Fall des Ausbrechens einer Pandemie wieder zu spürbaren Einbrüchen kommen könnte.
Ein weiteres wichtiges Risiko, mit dem wir uns aufgrund der jüngsten Entwicklungen intensiv beschäftigen, betrifft die Versorgung mit Wärme und Strom. Wir arbeiten kontinuierlich daran, unsere Energieabhängigkeit zu verringern - auch um für drohende Energieengpässe, sog. "Brownouts", bis hin zum Eintritt eines kompletten "Blackouts", so gut es geht, gewappnet zu sein. Oberstes Ziel ist, in einem solchen Fall zumindest das Überleben besonders bedrohter im Tiergarten gehaltener Tiere sichern zu können und dadurch dramatische, monetär jedoch schwer zu bewertende Schäden bestmöglich zu verhindern. Zum derzeitigen Zeitpunkt lassen sich die bisher gewonnenen Erkenntnisse und Schlussfolgerungen (noch) nicht in Zahlen fassen, da die Rahmenparameter noch nicht vollständig fixiert sind.
Zu den wichtigsten in den vergangenen Jahren identifizierten Risiken gehören externe und nur begrenzt beeinflussbare Faktoren, wie anhaltende Schlechtwetterphasen, das Freizeitverhalten der Menschen, die konjunkturelle Entwicklung, unerwartete Anderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie das Risiko, dass öffentliche Mittel für den Tiergarten Schönbrunn aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen gekürzt oder gestrichen werden. Zu den „Top-Risiken“ zählen aber auch spezifische Zoo-Risiken wie auf unseren Tierbestand übergreifende Tierseuchen oder die unwahrscheinliche Möglichkeit eines Tierausbruchs eines besonders gefährlichen Tieres. Das Risiko, dass Krankheiten durch Besucher oder wildlebende Tiere eingeschleppt werden, konnte in der Vergangenheit kaum reduziert werden. Als Maßnahme zur Begrenzung dieses Risikos wurde im Jahr 2021 ein Außenzaun rund um den Tiergarten fertiggestellt, um in Zukunft insbesondere Füchse wirksam abzuhalten. Dadurch soll verhindert werden, dass wertvolle Tiere einem Beutegreifer zum Opfer fallen, und der Tierbestand gleichzeitig vor eingeschleppten Krankheiten und Seuchen wie zB der Staupe geschützt werden. Der Außenzaun wird regelmäßig evaluiert und bei Bedarf überarbeitet.
Aufgrund der Ereignisse in anderen europäischen Städten wird auch dem Risiko, Ziel eines Terrorakts zu werden, Aufmerksamkeit beigemessen. Zur Begrenzung dieses Risikos hat unser
Nachbar, die Schloß Schönbrunn Kultur- und BetriebsgesmbH, bereits vor einiger Zeit ein umfassendes Sicherheitskonzept für das Gesamtareal Schönbrunn erstellt, das regelmäßig gemeinsam mit uns überprüft wird. Unser eigener Notfall- und Evakuierungsplan wurde im Jahr 2021 unter Einbeziehung eines externen Sicherheitsexperten in zwei internen Arbeitsgruppen vollständig überarbeitet. Unsere Sicherheitskonzepte werden seither regelmäßig mit externen Sicherheitsbehörden (Polizei und Feuerwehr) evaluiert und abgestimmt.
Abgesehen von den strategischen „Top-Risiken" gibt es eine Reihe „kleinerer", operativer Geschäftsrisiken, bei denen durch das Etablieren entsprechender Richtlinien und vorbeugender Kontrollmechanismen eine Reduzierung sowohl der Eintrittswahrscheinlichkeit als auch der Auswirkung erreicht wird. Mit unseren Großlieferanten und wesentlichen Kunden verbinden uns zu einem großen Teil langjährige Geschäftsbeziehungen, langfristige Verträge werden durchwegs mit fixierten und daher kalkulierbaren Preisklauseln versehen. Auch das Risiko von Währungs- und Zinsschwankungen wird durch ausreichende Kontrollen überwacht. Unsere bestehenden Verträge sind mit Ausnahme der Vereinbarung über die Überlassung der Großen Pandas auf Euro-Basis abgeschlossen, durch die nach wie vor sehr gute Liquidität gab es auch im Geschäftsjahr 2024 keinen Bedarf an verzinslichem Fremdkapital. Für die Absicherung von Währungs- und Zinsschwankungen sind keine Finanzinstrumente eingesetzt.
Ausblick auf das Geschäftsjahr 2025
In den ersten Monaten des Jahres 2025 freuten wir uns über mehrere außergewöhnliche "tierische" Neuzugänge:
Bereits im Juni 2024 konnte die Kooperation zum Schutz der Großen Pandas zwischen dem Tiergarten Schönbrunn und seinem chinesischen Partner um weitere zehn Jahre verlängert werden. Am 23. April 2025 traf das lange erwartete neue Panda-Paar schließlich aus China im Tiergarten Schönbrunn ein. Die beiden Tiere verbrachten zur Quarantäne und Eingewöhnung vier Wochen in der Innenanlage und wurden im Mai 2025 im Rahmen einer feierlichen Willkommenszeremonie, an der neben dem österreichischen Bundespräsidenten und Bundeskanzler auch hochrangige chinesische Würdenträger teilnahmen, offiziell "begrüßt" und der Offentlichkeit vorgestellt.
Mitte Februar übersiedelte ein junges Sibirisches Tiger-Weibchen aus dem niederländischen AquaZoo Leeuwarden in den Tiergarten Schönbrunn. Das Weibchen wurde im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes (EEP) als neue Partnerin für unser Männchen ausgewählt. Der Tiergarten Schönbrunn hofft nun wieder auf Nachwuchs bei dieser stark gefährdeten Art. Anfang Mai gab es bei den Borneo-Orang-Utans einen männlichen Neuzugang: In Abstimmung mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm übersiedelte ein neunjähriges Zucht-Männchen aus dem niederländischen Tierpark Apenheul in den Tiergarten Schönbrunn.
Im April 2025 wurde das neue "Artenschutzhaus" im ehemaligen "Haus der Schrecken" feierlich eröffnet. Das Artenschutzhaus ist nicht nur eine spannende neue Attrak ktion für Tiergartenbesucherinnen und -besucher, sondern sensibilisiert auch für wichtige Themen - den Kampf gegen den illegalen Wildtierhandel und die wichtige Rolle, die der Tiergarten Schönbrunn dabei seit Jahren übernimmt.
Ende März 2025 wurden in einigen Nachbarländern Osterreichs mehrere Fälle der hochansteckenden Maul- und Klauenseuche (MKS) bestätigt. Der Tiergarten Schönbrunn traf in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden umgehend umfassende Vorsichtsmaßnahmen
zum Schutz des Tierbestandes: Unter anderem wurden der Streichelzoo sowie Teile des Tirolerhofes geschlossen und Desinfektionsmatten an den Eingängen ausgelegt. Ende Mai gaben die Behörden erfreulicherweise weitgehend Entwarnung: Nachdem seit über einem Monat kein neuer Fall in den Nachbarländern (und im gesamten Zeitraum kein einziger Fall in Osterreich) aufgetreten war, können nun auch die Schutzmaßnahmen im Tiergarten Schönbrunn Schritt für Schritt zurückgenommen werden.
Bei den Pflegern der Afrikanischen Elefanten steigt derzeit die Spannung: Eine unserer Elefantenkühe ist seit 2 Jahren trächtig. Wenn auch die letzten Wochen der langen Tragzeit nach Plan verlaufen, wird Mitte August 2025 ein kieiner Elefant geboren werden. Es wäre der erste natürlich gezeugte Elefantennachwuchs im Tiergarten Schönbrunn seit über 20 Jahren.
Das Wetter bot in den ersten Monaten des Jahres 2025 leider nicht gerade tiergarten-ideale Ausflugstemperaturen, aktuell liegen die Einnahmen daher in allen Bereichen deutlich hinter den Vorjahreszahlen zurück. Die aktuellen Besucherzahlen belegen aber nicht nur die hohe Wetterabhängigkeit, sondern beweisen auch eindrucksvoll, dass der Tiergarten Schönbrunn bei passenden Wetterbedingungen nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat: So wurden wir in der gesamten Osterwoche bei strahlendem Sonnenschein von täglich knapp 10.000 Besucherinnen und Besuchern aus Osterreich und den Nachbarländern gestürmt, sodass zumindest ein kleiner Teil des Rückstands aus den ersten drei Monaten wieder aufgeholt werden konnte.
Wir blicken den zoologischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der nächsten Monate somit mit Vorfreude und großer Zuversicht entgegen und sind überzeugt, dass wir unseren erfolgreichen Kurs auch im Jahr 2025 fortsetzen und die vielen anstehenden Projekte erfolgreich umsetzen können.
Wien, am 30.05.2025
Dr. Sephan Hering-Hagenbeck Geschäftsführer