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• S IWIP LON
SIMPLON Fahrrad GmbH
1. Unternehmen
Das 1961 von Josef Hämmerle und seinen Söhnen Kurt und Heinz gegründete Familienunternehmen SIMPLON mit Sitz im österreichischen Hard ist heute weltweit bekannt für hochwertige Premiumfahrräder. Das Unternehmen liegt direkt am Bodensee im Länderdreieck der D-A-CH-Region. Der gleichnamige Schweizer Alpenpass stand Pate für den Unternehmensnamen SIMPLON. In der Fahrradbranche gilt die Firma als Vorreiter in der Entwicklung von besonders leichten Aluminium- und Carbon-Rädern. Wegen der hohen Spezialisierung bei gleichbleibender Spitzenqualität entwickelte sich SIMPLON im Lauf der Jahre zur Traditionsmarke mit Kultfaktor.
SIMPLON ist Authentizität. Das technische Know-how und permanente Neuentwicklungen sind in hohem Maße der Erfahrung der eigenen Belegschaft geschuldet. Zum SIMPLON-Knowhow gehören eine perfekte – ausschließlich „inhouse“ entwickelte – Rahmentechnologie, permanente Neuentwicklungen und das gelebte Manufakturkonzept in Verbindung mit einer bis ins Detail möglichen Individualisierung der Räder. Jedes Rad wird nach den Erfordernissen des Kunden komplett in der SIMPLON-Manufaktur in Hard zusammengebaut. Qualitätsmerkmale wie diese sind der Grund, dass SIMPLON seit vielen Jahren zu den Besten in der High-End-Liga der Radmarken zählt.
Heute produziert SIMPLON rund 12.000 Fahrräder jährlich. Eine Besonderheit ist das Baukastenprinzip: Der Kunde kann sich im qualitätsbewussten Fachhandel sein Rad individuell zusammenstellen lassen. Hochwertige Mountainbikes, Renn-, Freizeit-, Reiseräder und nunmehr ein weit überwiegend großer Anteil E-Bikes, sowie hoch spezialisierte Räder für den Triathlon und den Rennsport gehören zum Angebot von SIMPLON. Das Qualitätsbewusstsein und Design-knowhow der Firma wird immer wieder mit renommierten Designpreisen und Auszeichnungen belohnt. Die Produkte gehen außer in den Heimatmarkt zu 80 Prozent in den Export. SIMPLON liefert vorwiegend nach Österreich, Deutschland, Schweiz und auch in die Beneluxstaaten.
2. Geschäftsverlauf
Als Resultat der weltweiten Krise in der Fahrradindustrie geprägt von einer Kaufzurückhaltung von Seite der europäischen Märkte und eine durch hohe Lagerbestände ruinöse Rabattwelle hat SIMPLON am 25. September 2024 einen Insolvenzantrag gestellt. Das beantragte Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung wurde in weiterer Folge am 12. Dezember 2024 von Gericht und Gläubigern bestätigt.
Um den Fortbestand von Simplon zu ermöglichen, wurde mit der SOL Capital Management ein Investor gefunden, der 100% der Anteile an der Simplon Gruppe übernommen hat.
Durch eine entsprechende Kapitalzuführung wurde die Voraussetzung für die Erfüllung der benötigten 30% Quote geschaffen. Im Februar 2025 wurde die erste Quote plangemäß an die Gläubiger überwiesen, die zweite Quotenzahlung folgte im Dezember 2025.
2.1 Finanzielle Leistungsindikatoren
Ergebnis vor Zinsen und Steuern
(Earnings before Interest and Tax - EBIT)
| Ergebnis vor Steuern | 15.544.124,19 | -15.121.481,06 | -8.755.347,04 |
|---|---|---|---|
| + Zinsen und ähnliche Aufw endungen | |||
| gem. § 231 Abs 2 Z 15 bzw . Abs 3 Z 14 UGB | 83.509,54 | 2.105.149,75 | 1.422.781,74 |
| = Ergebnis vor Zinsen und Steuern | 15.627.633,73 | -13.016.331,31 | -7.332.565,30 |
Umsatzrentabilität (Return on Sales - ROS)
| Ergebnis vor Zinsen und Steuern | 47,83 % | -29,13 % | -12,87 % |
|---|---|---|---|
| Umsatzerlöse |
Eigenkapitalrentabilität (Return on Equity - ROE)
| Ergebnis vor Steuern | negativ | negativ | negativ |
|---|---|---|---|
| Eigenkapital *) |
*) Eigenkapital am Beginn des GJ
Gesamtkapitalrentabilität (Return on Investment - ROI)
| Ergebnis vor Zinsen und Steuern | 51,07 % | -31,64 % | -16,42 % |
|---|---|---|---|
| Gesamtkapital *) |
*) Gesamtkapital am Beginn des GJ
Nettoverschuldung (Net Debt)
| verzinsliches Fremdkapital *) | 421.664,01 | 36.934.243,47 | 32.640.257,72 |
|---|---|---|---|
| - flüssige Mittel | 2.210.736,72 | 382.573,67 | 582.968,57 |
| = Nettoverschuldung | -1.789.072,71 | 36.551.669,80 | 32.057.289,15 |
| *) Abfertigungs-, Jubiläumsgeldrückstellung, Verbindlichkeiten ggü. Kreditinstituten, | |||
| verzinsliche Verbindlichkeiten ggü. verbundenen Unternehmen |
| Nettoumlaufvermögen (Working Capital) | EUR | EUR | EUR |
|---|---|---|---|
| Umlaufvermögen, Rechnungsabgrenzungsposten | 14.787.516,46 | 23.857.700,84 | 36.042.450,42 |
| - langfristiges Umlaufvermögen | 0,00 | 0,00 | 0,00 |
| = kurzfristiges Umlaufvermögen | 14.787.516,46 | 23.857.700,84 | 36.042.450,42 |
| - kurzfristiges Fremdkapital | 6.812.762,89 | 42.130.439,85 | 14.864.297,34 |
| = Nettoumlaufvermögen | 7.974.753,57 | -18.272.739,01 | 21.178.153,08 |
| Eigenkapital *) | 12,44 % | -41,00 % | 1,26 % |
| Gesamtkapital |
Equity Ratio (Eigenkapitalquote)
*) Eigenkapital am Ende des GJ
Nettoverschuldungsgrad (Gearing)
| Nettoverschuldung | -87,96 % | -290,43 % | 7164,52 % |
|---|---|---|---|
| Eigenkapital *) |
*) Eigenkapital am Ende des GJ
2.2 Geldflussrechnung
Die Ermittlung der Cash-Flow-Kennzahlen erfolgte nach AFRAC 36 in der Fassung von Juni 2020.
Der Netto-Geldfluss aus der betrieblichen Tätigkeit beträgt TEUR -115 (Vj: -1.459) und resultiert im Wesentlichen aus dem Ergebnis reduziert um nicht-zahlungswirksame Sanierungsgewinne sowie der Abnahme des Working Capital.
Der Netto-Geldfluss iHv. TEUR 4.006 (VJ TEUR -881) aus Investitionstätigkeit resultiert im Wesentlichen aus Auszahlungen für Anlagenzugänge.
Der negative Netto-Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit beträgt TEUR -2.063 (VJ: TEUR 2.174) und reflektiert im Wesentlichen die Reduzierung von Bankverbindlichkeiten im Zuge der Sanierung.
3. Wesentliche Risiken und Ungewissheiten
Das Risikomanagement des Unternehmens ist darauf ausgerichtet potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen, um mit geeigneten gegensteuernden Maßnahmen und Kontrollen drohenden Schaden für das Unternehmen abzuwenden und eine Bestandsgefährdung ausschließen zu können. Als Risiko wird hierbei die Gefahr bezeichnet, ein Unternehmensoder Geschäftsbereichsziel zu verfehlen.
Die Grundlage für den transparenten und angemessenen Umgang mit Risiken bilden für das Unternehmen einheitliche Grundsätze. Dazu zählen unter anderem die
• Ausrichtung des Risikomanagements an den Unternehmenszielen • Einhaltung von Regeln (Compliance) unter Berücksichtigung der Geschäftsordnung • Angemessenheit des Risikomanagements in Bezug auf Art, Umfang, Komplexität und Risikogehalt der konkreten Geschäftstätigkeit und des Geschäftsumfelds • regelmäßige Überprüfung des Risikomanagements auf Effektivität und Effizienz.
Als Unternehmen mit einer internationalen Geschäftstätigkeit ist SIMPLON Risiken ausgesetzt, die ihre Ursache einerseits in den spezifischen Geschäftstätigkeiten des Unternehmens und andererseits in den regionalen Rahmenbedingungen haben und die Finanz- und Ertragslage des Unternehmens wesentlich beeinflussen können.
Die sechs wesentlichen Risiken, die der Konzern zu bewältigen hat, sind
• Risiko der Produktivität • konjunkturelles Risiko • Forderungsmanagementrisiko • Bestandsrisiko • Gewährleistungs- und Haftungsrisiko • Wechselkursrisiko
3.1. Risiko der Produktivität
Ein wesentliches Risiko liegt in der Produktivität der eigenen Fahrradproduktion in Hard. Die spezifischen und komplexen handwerklich notwendigen Fähigkeiten und die aktuelle Situation am Arbeitsmarkt in Vorarlberg und umliegenden, grenznahen Regionen mit wenig verfügbaren motivierten Fachkräften limitieren den Produktionsausstoß signifikant. Zudem kehrt die Fahrradbranche wieder mehr in die Saisonalität zurück wodurch in den Spitzenmonaten um bis zu 35% mehr Ausstoß gefordert ist. Mit einem verbesserten Produktionsablauf und abgestimmter Mitarbeitendenplanung wurde versucht den Gegebenheiten am Markt zu entgegnen.
3.2. Konjunkturelles Risiko
Hier sind insbesondere die Auswirkungen von gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen der einzelnen Volkswirtschaften, in welchen SIMPLON operativ tätig ist, anzuführen. Als Anbieter hochwertiger Premium-Produkte im sportiven Freizeitsegment ist SIMPLON vor allem von der Konsumneigung abhängig.
3.3. Forderungsmanagementrisiko
SIMPLON beliefert rund 370 Fachhandelskunden wobei ein wesentlicher Bestandteil eines erfolgreichen B2B Geschäftsmodells der Zielverkauf ist, d.h. die Finanzierung wird durch unser Haus bereitgestellt. Typisches Merkmal des Fahrradhandels sind mehrheitlich kleine Unternehmen mit einer traditionell geringen Eigenkapitalausstattung. Ständiges Monitoring der Zahlungsströme sowie ein regelmäßig durchgeführtes Mahnwesen sind erfolgreich eingesetzte Instrumente des Forderungsmanagements. Als unterstützendes Instrument wurde in 2025 Factoring mit der Raiffeisen Factoring Bank (RFB) eingeführt, um einerseits den Liquiditätszufluss zu beschleunigen aber andererseits weiterhin den Fachhandelskunden Zahlungsziele zu gewähren. Weiterhin wird eine Vielzahl der Kunden über Bankeinzug abgewickelt, was zeitgerechte Zahlungseingänge sicherstellt und das Ausfallrisiko minimiert.
3.4. Bestandsrisiko
Ein wesentliches Risiko ist das Bestandsrisiko der auf Lager liegenden Komponenten und Teile. Dieses Risiko ergibt sich zwingend aus der Geschäftsphilosophie, welche die rasche Verfügbarkeit individuell nach dem Baukastenmodell gefertigter Produkte als ein Schlüsselelement der Geschäftsstrategie von SIMPLON definiert.
Die kurzfristige Verfügbarkeit von SIMPLON Fahrrädern resultiert in einem adäquaten Lagerbestand an Komponenten und Teilen, der trotz der damit einhergehenden Kosten (gebundenes Kapital) und Risiken zwingend für ein erfolgreiches Agieren am Markt notwendig ist.
3.5. Gewährleistungs- und Haftungsrisiko
Gewährleistungs- und Haftungsrisiken können entstehen, wenn Produkte oder Leistungen nicht den gesetzlichen, üblichen oder vertraglich vereinbarten Zustand haben. Das Unternehmen versucht bestmöglich, diese Risiken durch ein effizientes Qualitätsmanagement zu vermeiden und in den letzten Jahren ist es gelungen, Aufwendungen aus diesem Titel gering zu halten.
3.6. Wechselkursrisiko
Wechselkursrisiken können auf der Einkaufs- und Verkaufsseite entstehen. Da wesentliche Teile des Waren- und Teileeinkaufs in Fremdwährungen stattfinden, ist eine Absicherung der laufenden Geschäfte mittels Devisentermingeschäften grundsätzliche Strategie von SIMPLON. Die ständige Überwachung und Entwicklung der Wechselkurse erfordert besondere Aufmerksamkeit.
4. Forschung und Entwicklung (F&E)
Auch im Wirtschaftsjahr 2024/25 präsentierte SIMPLON neue Produkthighlights für die aktuelle und folgende Saison. Herausragend ist dabei sicher die Entwicklung der neuen
Gravelbikeserie (Grid) als Modelloption mit oder ohne E-Motor Unterstützung. Die Grid-Serie konnte bei zahlreichen Tests als Sieger hervorgehen und das Feedback von Fachhändlern und Endverbrauchern ist dementsprechend positiv.
5. Finanzinstrumente
Das Unternehmen setzt Finanzinstrumente ausschließlich zur Absicherung von Währungsrisiken ein (vgl. Punkt 3.5. Wechselkursrisiko). Im Berichtsjahr wurden keine Absicherungen durchgeführt.
6. Zweigniederlassungen
Es bestehen keine Zweigniederlassungen.
7. Ausblick Wirtschaftsjahr 2025/26
Das Wirtschaftsjahr 2024/25 war geprägt vom Insolvenzprozess im ersten Quartal gefolgt vom Start der Umsetzung des Sanierungs- und Restrukturierungsplans.
Neben dem Fokus auf das Kostenmanagement und eine Effizienzsteigerung in der Produktion gilt das Hauptaugenmerk der deutlichen Steigerung der Vertriebsaktivitäten.
Ein wesentlicher Bestandteil wird das Outsourcing von Produktionsmengen zu einem externen Partner nach Rumänien bilden. Somit können die saisonal bedingten Bedarfsspitzen besser bedient werden.
Das Produktportfolio wurde optimiert, um wettbewerbsfähig agieren zu können. Augenmerk wird auf die Positionierung der Marke SIMPLON im Premiumsegment gelegt und dementsprechende Marketingmaßnahmen werden in die Wege geleitet. Dabei wird mehr
Fokus auf Brand- und Trademarketing gesetzt, um den Kunden am PoS besser abzuholen und für SIMPLON zu begeistern.
Auf Produktseite wird die Optionsvielfalt weiterhin überarbeitet, um die kurzfristige Lieferfähigkeit deutlich zu erhöhen und als Folge daraus wieder deutlich an Attraktivität für den Handel zu gewinnen.
Für 2025/26 wird mit einem positiven Betriebsergebnis gerechnet. Auf Basis der aktuellen Prognoseberechnungen kann eine stabile Liquidität abgebildet werden. Auf Seite der Zulieferer konnten bereits erste positive Rückmeldungen verzeichnet werden, indem wieder Zahlungsziele eingeräumt werden.
Aktuelle Marktdaten gehen von einer Erholung der Fahrradindustrie (Normalisierung der Lagerbestände und stabile Verkaufszahlen) im zweiten Halbjahr 2026 aus. Für 2027 wird bereits wieder ein stabiles Wachstum prognostiziert.
Hard, 17. April 2026
Christoph Mannel Geschäftsführer