Inhaltsverzeichnis
für das Geschäftsjahr 2024
European Recycling Platform (ERP) Austria GmbH
1. Wirtschaftsbericht
Beschreibung des wirtschaftlichen Umfelds
Die European Recycling Platform (ERP) Austria GmbH (im Folgenden: ERP Austria) ist eine Tochtergesellschaft der Landbell AG für Rückholsysteme in Mainz, Deutschland. Die Landbell AG betreibt gemeinsam mit Ihren Tochtergesellschaften Rückholsysteme in den europäischen Märkten in den Bereichen Elektroaltgeräte, Batterien und Verkaufsverpackungen und bietet zudem Beratungsleistungen und Speziallösungen an. Die Landbell-Gruppe hat 2024 auch Textilien in ihr Portfolio der Rückholsysteme aufgenommen. Zuerst in den Niederlanden, langsam aber ausweitend auf weitere EU-Mitgliedsstaaten wie diese die Textilverordnung in ihre nationalen Rechtsmaßnahmen umsetzen. Die mittelbar 100 %-ige Tochtergesellschaft European Recycling Platform (ERP) ist in den Geschäftsbereichen Erfassung und Recycling von Elektroaltgeräte, Batterien und Verkaufsverpackungen tätig. Der Hauptsitz der ERP ist in Paris, und es werden Tochtergesellschaften und unselbständige Büros in mehr als 20 europäischen Ländern unterhalten (u.a. in Österreich mit der ERP Austria).
Eigentümerstruktur der ERP Austria - Konzernzugehörigkeit
Die Gesellschaft ist eine 100%-ige Tochtergesellschaft der topengi Deutschland GmbH, Mainz (Mutterunternehmen). Der Jahresabschluss der Gesellschaft wird in den Konzernabschluss der Landbell Aktiengesellschaft für Rückhol-Systeme, Mainz, als Muttergesellschaft der topengi Deutschland GmbH einbezogen. Der Konzernabschluss der Landbell Aktiengesellschaft für Rückhol- Systeme wird im Bundesanzeiger veröffentlicht.
Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen
Die ERP Austria ist als Sammel- und Verwertungssystem (SVS) gemäß § 29 AWG 2002 tätig. Die ERP Austria erbringt als Drittbeauftragte für externe Kunden und interne Konzerngesellschaften Leistungen zur Erfüllung des Gesetzes über die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektroaltgeräten, Batterien und Verpackungen in Österreich inklusive Beratungs- und Entsorgungsdienstleistungen. Sie agiert als Bevollmächtigte für ausländische Hersteller und In-Verkehr- Bringer im Sinne der Verpackungs-, Elektroaltgeräte- und Batterien VO. Mit den Bescheiden des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) wurde die Genehmigung zum Betrieb von Sammel- und Verwertungssysteme für Elektroaltgeräte (seit 2005), Batterien (seit 2008) und Verpackungen (seit 2015) im Bereich Haushalt und Gewerbe erteilt.
Entpflichtungstarife
Die Entpflichtungstarife werden getrennt für den Haushalts- und Gewerbebereich und für jede Tarifkategorie nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten kalkuliert. Sie richten sich im Sinne der Kostenwahrheit nach dem Aufwand, den die einzelnen Stoffe in Sammlung und Verwertung verursachen, und werden dem BMK angezeigt.
Mit 01.01.2024 wurden die Tarife im Verpackungsbereich Haushaltüberwiegend an die steigenden Kosten angepasst. Im Bereich Elektroaltgeräte mussten die Tarife ebenfalls überwiegend erhöht werden. Die Tarife für den Gerätebatterien konnten auf dem Niveau von 2023 gehalten werden. Für 2024 sind Einnahmen aus der Entpflichtung von Verpackungen in Höhe von 11.877 TEUR (VJ 7.444 TEUR), Batterien in Höhe von 1.102 TEUR (VJ 980 TEUR) und Elektroaltgeräten in Höhe von 3.248 TEUR (VJ 2.585 TEUR) erzielt worden. Sie betrugen in Summe zum 2024 16.227 TEUR (VJ 11.009 TEUR).
Altstofferlöse und operative Aufwendungen
Die Aufwendungen für Sammlung, Erfassung, Sortierung, Verwertung (inkl. der Verwaltungsaufwendungen der Koordinierungsstellen) haben sich im Vergleich zum Vorjahr im Bereich Transport und Behandlung Aufgrund der anhaltend hohen Inflation und einem gesteigerten Mengenaufkommen deutlich erhöht.
Die Altstofferlöse sind im Vergleich zu 2023 aufgrund gestiegener Altpapierpreise höher ausgefallen.
a) Geschäftsverlauf
Die Konjunktur in Österreich hat mittelbar einen gewissen Einfluss auf die geschäftliche Entwicklung der Gesellschaft, da die Anschaffung kurz- und langfristiger Konsumgüter für die ERP Austria grundsätzlich von Bedeutung ist. Auch wenn 2024 wirtschaftlich kein schlechtes Jahr war, waren die Entwicklungen für die ERP Austria anspruchsvoll. Die lizensierten Mengen ist im Bereich WEEE und BATT leicht unterproportional zu den Sammelmengen angestiegen. Die ERP Austria konnte Ihre Marktanteile im Bereich WEEE und BATT überwiegend ausbauen. Die lizensierten Mengen im Bereich Verpackungen sind 2024 gestiegen und ERP Austria konnte von steigenden Marktanteilen profitieren. Allerdings sind die Sammelmengen auch hier gestiegen.
Die durch den Überfall Russlands auf die Ukraine ausgelöste Inflation ist 2024 gegenüber 2023 deutlich gesunken, aber nicht im Bereich der Tariflöhne. Dies hatte zur Folge, dass die Preise im Bereich Transport, Behandlung und Sorterung bei unseren Lieferanten abermals deutlich angepasst werden
mussten. Die Rohstofferlöse insb. für Altpapier haben sich im Laufe des Jahres 2024 langsam wieder erholt.
b) Ertragslage
Die Umsätze 2024 sind gegenüber dem Vorjahr um 6.081 TEUR auf 18.591 TEUR gestiegen.
Die Materialaufwendungen der ERP Austria haben sich um 4.382 TEUR und damit im Verhältnis zu den Umsatzerlösen unterproportional erhöht.
Die Personalkosten sind im Vergleich zum Vorjahr um 283 TEUR auf 1.041 TEUR gesunken, weil nicht alle Stellen das ganze Jahr besetzt waren. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind um 141 TEUR auf 1.974 TEUR gestiegen. Ursache waren neben der allgemeinen Kosteninflation steigende Ausgaben für Kunden- und Lieferantensoftware.
Der Jahresüberschuss im Geschäftsjahr 2024 beträgt 409 TEUR (Vorjahr Jahresfehlbetrag von 1.576 TEUR). Das Ergebnis ist maßgeblich auf profitables Umsatzwachstum zurückzuführen.
c) Finanzbericht
Im Jahr 2024 hat die die ERP Austria weitere Investitionen in die IMAVIDA GmbH getätigt. Darüber hinaus wurden keine nennenswerten Investitionen durch die ERP Austria in 2024 getätigt.
Das Umlaufvermögen inkl. Rechnungsabgrenzungsposten in Höhe von 8.730 TEUR setzt sich aus 8.319 TEUR (VJ 5.335 TEUR) Forderungen/sonstigen Vermögensgegenständen inkl. Rechnungsabgrenzungsposten und 411 TEUR (V) 427 TEUR) liquiden Mitteln zusammen. Die Forderungen haben eine Laufzeit von bis zu einem Jahr und sind aufgrund der guten Kundenbonität werthaltig.
Die ERP Austria nimmt unverändert keine Bankkredite in Anspruch. Zins- oder Währungsderivate werden nicht eingesetzt. Zum Bilanzstichtag ist die Liquiditätslage des Unternehmens mit liquiden Mitteln von 411 TEUR ausreichend, um alle gegenwärtigen finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen.
Der Forderungsbestand ist in der Regel etwa auf dem Niveau der Verbindlichkeiten. Berücksichtigt man noch die liquiden Mittel, ist die Gesellschaft jederzeit in der Lage, ihre finanziellen Verpflichtungen zu bedienen.
Besonders positiv hervorzuheben ist der Anstieg der Eigenkapitalquote von 3,76 % (2023) auf 11,82 % (2024), was auf eine Stärkung der Kapitalstruktur hinweist.
d) Nichtfinanzielle Leistungsindikatoren
Die ERP Austria ermöglicht es ihren Mitarbeitern, sich nebenberuflich weiterzubilden und zu qualifizieren. Dies wird finanziell durch das Unternehmen unterstützt. Intern werden den Mitarbeitern zudem Englischkurse angeboten.
2. Prognose-, Chancen- und Risikobericht
a) Prognosebericht
Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich auf einen Prognosezeitraum von einem Jahr.
Der Planansatz für das Geschäftsjahr 2025 geht von einer weiterhin positiven Erlösentwicklung aus. Für immer mehr Hersteller sind die internationale Ausrichtung, das Wissen über die Umsetzung der Produktverantwortung und die Vielzahl der angebotenen Dienstleistungen entscheidende Gründe, mit der Landbell-Gruppe zusammen zu arbeiten.
Auf Grundlage der Ergebnissituation des Geschäftsjahres 2024 und des bisherigen Geschäftsverlaufs 2025 geht die Geschäftsführung davon aus, dass auch das Geschäftsjahr 2025 mit einem steigenden positiven Ergebnis enden wird.
b) Chancen- und Risikobericht
Die steigenden Anforderungen an die Verwertung von Verpackungen und Elektronikaltgerären in Verbindung mit der weiterin hohe Inflation im Transport- und Lohnbereich wird auch 2025 zu signifikanten Kostensteigerungen führen. Die steigenden Kosten für Transport und Verwertung erfordern eine genaue Steuerung und die ständige Suche nach neuen Verwertungswegen, um die steigenden Kosten zu dämpfen.
Außerdem wird angenommen, dass durch die Einführung eines bundesweiten Pfandsystems für Einweggetränkeverpackungen wie Plastikflaschen und Getränkedosen in Österreich ab 01.01.2025 die Sammelmasse bei LVP-Materialien im Jahr 2025 um ca.15% sinken wird. Im 1. Quartal 2025 fiel der Übergang der PET-Flaschen und Aluminium-Dosen aus unserem System in das Pfandsystem sehr gering aus, jedoch werden ab dem 2. Quartal 2025 die meisten Mengen ins Pfandsystem übergehen.
ERP Austria verfolgt für 2025 weiter folgende Ziele:
SSteigerung des Marktanteils im Bereich Verpackungen, Elektrogeräte und Batterien, SAusbau der Beratungsleistungen und des Serviceangebots für ERP Austria Kunden,
SPrüfung von Optimierungsmöglichkeiten im System zur Erhaltung der Kosteneffizienz.
Im Jahr 2024 trat die neue Batterieverordnung in Kraft, die Änderungen für Hersteller, Händler und Entsorgungsunternehmen mit sich bringt, und in den nächsten zehn Jahren proaktive Maßnahmen entlang des gesamten Lebenszyklus von Batterien erfordert. Auswirkungen werden bereits ab August 2025 erwartet. Österreich implementiert derzeit ein Batteriebegleitgesetz, um die Umgestaltung der EU-Entscheidungen zu ermöglichen. Zu den ersten Änderungen die umgesetzt müssen gehört die Einführung neuer Batteriekategorien; zusätzlich zu den bereits deklarierten Gerätebatterien werden Batterien für leichte Verkehrsmittel (LV) und Batterien für Elektrofahrzeuge (EV) eingeführt. Auch eine detailliertere Berichterstattungspflicht der Hersteller zur chemischen Zusammensetzung einzelner Batterien könnte in Betracht gezogen werden können.
Etwas weiter in der Zukunft der Implementation neuer Regelungen, aber jetzt schon am Horizont, ist die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR - Packaging & Packaging Waste Regulations). Diese wurde im Februar 2025 in der EU übernommen. Ziel ist es, den Einsatz von Primärrohstoffen zu reduzieren, das Recycling aller Verpackungen auf dem EU-Markt bis 2030 wirtschaftlich rentabel zu machen, recycelten Kunststoff sicher in Verpackungen zu integrieren und den Verpackungssektor auf den Weg zur Klimaneutralität bis 2050 zu bringen.
Im Hinblick auf mögliche weitere Gesetzesänderungen und Marktveränderungen sehen wir die nachfolgenden Risiken:
SNeukundengewinnung schwierig aufgrund von steigenden Wettbewerbsbedingungen, S Herausforderung des Erreichens der neuen Recyclingquoten aufgrund fehlender Sortierinfrastruktur,
SWeitere Kostensteigerung in Sammlung und Verwertung.
Finanzwirtschaftliche Risiken sind aufgrund der bestehenden Liquiditätsausstattung der ERP Austria unverändert nur von untergeordneter Bedeutung, insbesondere auch durch die Einbindung als Gruppengesellschaft der Landbell-Gruppe. Da keine Bankkredite in Anspruch genommen werden und nur in sehr geringem Umfang mit Fremdwährungen gearbeitet wird, sind potenzielle Zins- und Währungsrisiken, die die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft beeinflussen könnten, nicht erkennbar.
Zu den im Unternehmen bestehenden Finanzinstrumenten zählen im Wesentlichen Forderungen, Verbindlichkeiten, gruppeninterne Darlehensgewährungen und Guthaben bei Kreditinstituten. Der Kundenstamm der Gesellschaft ist solvent. Darüber hinaus verfügt das Unternehmen über ein adäquates Debitorenmanagement. Verbindlichkeiten werden innerhalb vereinbarter Zahlungsziele gezahlt.
3. Sonstiges
Dieser Lagebericht enthält zukunftsgerichtete Aussagen sowie Erwartungen und Prognosen. Diese basieren auf den uns im Zeitpunkt der Erstellung vorliegenden Informationen, die wir nach sorgfältiger Prüfung als zuverlässig erachtet haben. Aus diesen zukunftsgerichteten Aussagen, Erwartungen und Prognosen haben wir unsere Einschätzungen und Schlussfolgerungen abgeleitet. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass alle unsere auf die Zukunft bezogenen Aussagen mit bekannten oder unbekannten Risiken und Unwägbarkeiten verbunden sind und auf Schlussfolgerungen basieren, die zukünftige Ereignisse betreffen. Diese hängen von Risiken, Ungewissheiten und anderen Faktoren ab, die außerhalb unseres Einflussbereichs stehen. Derartige Entwicklungen können sich unter anderem aus der Veränderung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage, der Wettbewerbssituation, der Entwicklung an den Kapitalmärkten, Änderungen der steuerrechtlichen/rechtlichen Rahmenbedingungen sowie aus anderen Risiken ergeben. Damit können dann tatsächlich in der Zukunft eintretende Ereignisse gegebenenfalls erheblich von unseren in die Zukunft gerichteten Aussagen, Erwartungen, Prognosen und Schlussfolgerungen abweichen. Für deren Richtigkeit und Vollständigkeit beziehungsweise für das tatsächliche Eintreten der gemachten Angaben können wir daher keine Haftung übernehmen.
Wien, am 03.06.2025
Hamily torok
Kamila Horak Geschäftsführung
Uwe Echteler Geschäftsführung