Inhaltsverzeichnis
1. Geschäftsverlauf und wirtschaftliche Lage
Einleitung
Die Suchthilfe Wien gGmbH (SHW), eine Tochtergesellschaft der Sucht- und Drogenkoordination Wien gemeinnützige GmbH (SDW), ist für die operative Umsetzung von Teilen der Wiener Drogenpolitik zuständig und betreibt Drogenhilfseinrichtungen und Gemeinwesenprojekte in Wien.
Die Suchthilfe Wien bietet Beratung, Behandlung und Betreuung suchtgefährdeter und suchtkranker Personen an. Außerdem gibt es zahlreiche Angebote betreffend Präventions-, Weiterbildungs-, Informations- und Aufklärungsmaßnahmen. Darüber hinaus fördert die SHW ein sozial verträgliches Nebeneinander im öffentlichen Raum. Zusätzlich bietet die Suchthilfe Wien Projekte im Bereich der beruflichen (Re-)Integration suchtkranker Menschen.
Die Suchthilfe Wien verfolgt das Ziel, psychische, physische und soziale Probleme von DrogenkonsumentInnen und anderen marginalisierten Menschen zu reduzieren, deren gesellschaftlicher Ausgrenzung entgegenzuwirken, zu ihrer gesundheitlichen, sozialen und beruflichen (Re-)Integration beizutragen oder das soziale Nebeneinander im öffentlichen Raum sowie das subjektive Sicherheitsgefühl der WienerInnen zu fördern.
Geschäftsverlauf
In Anlehnung an das Wiener Drogenkonzept ist die Suchthilfe Wien in sechs Geschäftsbereiche gegliedert.
- Beratung, Betreuung, Behandlung, Wohnen und Versorgung - Suchtprävention - Arbeit und (Re-)Integration - Mobile soziale Arbeit im öffentlichen Raum - regionales Kompetenzzentrum(rKomZ) im Rahmen von Alkohol. leben können (A.LK.) - Suchthilfe vor Ort - Soziallokal
Die Gesamtorganisation konnte auch im Geschäftsjahr 2025 ihre angebotenen Leistungen unter den budgetierten Kosten erbringen. Nach den coronabedingten Einbußen und einem Aufschwung seit dem Jahr 2023 konnte der Bereich Arbeit- und (Re)Integration seine Ertragsziele im Geschäftsjahr 2025 nicht erreichen.
Zweigniederlassungen
Zweigniederlassungen bestehen nicht.
Wesentliche Ereignisse während des Geschäftsjahres
Das wesentliche Ereignis des Geschäftsjahres war die im Herbst 2025 angekündigte Schließung des bisherigen Bereichs Arbeit und (Re-)Integration und Weiterführung von Teilen als Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen. Der im Geschäftsjahr 2023 gestartete, groß angelegte Organisationsentwicklungsprozess wurde im Berichtsjahr weitergeführt und verbreitert. Dieser Prozess wird auch im Zentrum der organisatorischen Tätigkeit abseits des operativen Geschäfts im Geschäftsjahr 2026 stehen.
| Finanzielle Leistungsindikatoren | 2025 | 2024 |
|---|---|---|
| Umsatzerlöse | 32.822 T€ | 29.090 T€ |
| Sonstige betriebliche Erträge | 1.787 T€ | 1.645 T€ |
| Personalaufwand | 26.933 T€ | 23.882 T€ |
| Personalintensität | 77,82 % | 77,70 % |
| MitarbeiterInnen (Jahresschnitt) | 321 | 319 |
| EBIT | 1.604 T€ | 1.214 T€ |
| Bilanzsumme | 12.107 T€ | 9.676 T€ |
| Eigenmittel | 4.798 T€ | 3.241 T€ |
| Eigenmittelquote | 39,63 % | 33,49 % |
| Fremdkapital | 7.309 T€ | 6.435 T€ |
| Fremdkapitalquote | 60,37 % | 66,51 % |
| Flüssige Mittel | 8.539 T€ | 5.936 T€ |
| Operativer Cash-Flow | 2.875T€ | 1.914T€ |
| Netto-Geldfluss aus Investitionstätigkeit | -255T€ | -600 T€ |
| Netto-Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit | -15T€ | 0 T€ |
Die nachfolgenden Indikatoren wurden - in wirtschaftlicher Betrachtungsweise - wie folgt ermittelt:
Personalintensität = Personalaufwand / (Umsatz + Sonstige Erträge)
Eigenmittel = Eigenkapital + Zuschüsse Eigenmittelquote = Eigenmittel / Bilanzsumme Fremdkapital = Bilanzsumme - Eigenmittel Fremdkapitalquote = Fremdkapital / Bilanzsumme
Umwelt- und Arbeitnehmer:innenbelange
Alle in den verschiedenen Betriebsstätten unserer Betriebstätigkeit bestehenden umweltrechtlichen Bestimmungen und Auflagen werden erfüllt. Des Weiteren unterliegen alle Standorte und Anlagen laufenden Überprüfungen, mit dem Ziel der kontinuierlichen Verbesserung.
Die Fortbildung der MitarbeiterInnen ist der Suchthilfe Wien ein besonderes Anliegen, damit sie den hohen Anforderungen, die die Tätigkeiten im Sozial- und Gesundheitsbereich verlangen, gerecht werden. So werden jährlich vielfältige interne und externe Schulungsmaßnahmen angeboten. Großes Augenmerk wird auf die Gesundheit der MitarbeiterInnen – und hier vor allem im Bereich der psychischen Gesundheit – gelegt. Die MitarbeiterInnen können auf ein breites Unterstützungsangebot der Suchthilfe Wien an regelmäßigen und bedarfsmäßigen Einzelsupervision zurückgreifen. Außerdem werden die einzelnen Teams laufend im Rahmen von Teamsupervisionen betreut. Um die Work-Life-Balance der MitarbeiterInnen zu unterstützen, gibt es die Möglichkeit der beruflichen Auszeit, im Jahr 2016 kam die Möglichkeit eines Sabbaticals hinzu. Des Weiteren bietet die Suchthilfe Wien Altersteilzeitmodelle an.
Im Geschäftsjahr 2019 wurde im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung unter Miteinbeziehung der MitarbeiterInnen ein umfassendes Projekt zur Erhebung der Bedürfnisse und Implementierung von gesundheitsfördernden Maßnahmen gestartet und im Geschäftsjahr 2021 unter Berücksichtigung der epidemiebedingten Vorgaben abgeschlossen. Angebote aus diesem Projekt wurden auch im Abschlussjahr 2025 weitergeführt.
2. Entwicklung und die Risiken des Unternehmens
Voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens
Die voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens hängt in erster Linie von der Mittelausstattung durch die Muttergesellschaft ab. Der Jahreskontrakt 2026 ist beschlossen, ebenso gibt es Vereinbarungen mit der MA13 und den ÖBB. Die Förderungen seitens BMSGK sind aktuell beantragt. Bis dato liegt keine Zusage vor. Die kriegerische Auseinandersetzung zwischen Ukraine und Russland hatten bisher keinen wesentlichen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung der Gesellschaft, wir gehen von einer ähnlichen Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr aus. Offen sind die Auswirkungen der aktuellen Krise im Nahen Osten. Durch die bestehenden Förderzusagen und der ansonsten weitgehenden Unabhängigkeit von sonstigen Erträgen ist für das laufende Geschäftsjahr kein Liquiditätsengpass zu erwarten
Wesentliche Risiken und Ungewissheiten (denen das Unternehmen ausgesetzt ist)
Zum Zeitpunkt der Erstellung des Jahresabschlusses lassen sich aus den kriegerischen Handlungen in der Ukraine und im Nahen Osten aktuell keine konkreten und über die gesamtwirtschaftliche Entwicklung hinausgehenden unternehmerischen Risiken ableiten.
Die Suchthilfe Wien ist aufgrund ihrer Finanzierungsstruktur von der allgemeinen Entwicklung der Bundes- und Landesfinanzen abhängig. Darüber hinaus bestehen keine über die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung hinausgehende Preisänderungs-, Ausfall-, Liquiditäts- und Cashflow- Risiken.
Finanzinstrumente, Risiken und Strategien
Das Unternehmen hat keine besonderen Finanzinstrumente (z.B. Derivate) im Einsatz. Es gibt kein Währungsrisiko und mit Forderungsausfällen wird grundsätzlich nicht gerechnet, da Förderungen und Subventionen ein Jahr im Voraus beantragt und beschlossen werden. Die Liquidität der Suchthilfe Wien ist insofern risikolos planbar, da die Muttergesellschaft (deckt mehr als 90% der Finanzierung ab) die Fördersumme gleichmäßig über das Jahr verteilt an die Suchthilfe Wien ausbezahlt. Es ist daher keine Kreditfinanzierung nötig und es wird auch mit keinen Liquiditätsengpässen gerechnet.
3. Forschung und Entwicklung
checkit! betreibt in Kooperation mit dem Klinischen Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik des AKH ein wissenschaftliches Projekt zur Erforschung aktueller Konsummuster und -trends mit besonderem Fokus auf sogenannte Freizeitdrogen und synthetische Substanzen. In der Hepatitis-Ambulanz wird ein innovatives Behandlungskonzept mit den neuen hochwirksamen und nebenwirkungsarmen Medikamenten zur Behandlung der Hepatitis C umgesetzt (DDAs-direct acting antivirals). Patientinnen mit einer chronischen Hepatitis C erhalten im Ambulatorium Suchthilfe Wien täglich sowohl die Substitutionsmedikation als auch die Medikamente gegen ihre Hepatitis-Infektion. Dieses Setting schafft ein hohes Maß an Compliance und bewirkt damit die verlässliche Einnahme der teuren und hochwirksamen Medikamente. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurde zudem ein Pilotprojekt im Bereich der iv-Substitution gestartet, das im Jahr 2026 in den Regelbetrieb überführt werden soll.
Wien, am 22.05.2026
Sónja Grabenhofer, MSc
Geschäftsführerin
DSA Roland Reithafer, MBA Geschäftsführer