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Lagebericht 2024

Pollmann Austria GmbH

Original-PDF

Stichtag 31. Dez. 2024 · Eingereicht am 18. Sep. 2025

Inhaltsverzeichnis

1. Entwicklung der Automobilbranche 2024

Die Pollmann Austria GmbH produziert hybride Kunststoff-Metall-Bauteile für die Automobilindustrie. Der Großteil der Abnehmer befindet sich in Europa.

Die Automobilbranche stand im Jahr 2024 vor erheblichen Herausforderungen, die sowohl Hersteller als auch Zulieferer betrafen. Ein signifikanter Umsatzrückgang prägte die Branche: Im ersten Halbjahr 2024 erzielte die Autoindustrie (ohne Zulieferer) einen Umsatz von rund 269,5 Milliarden Euro, was einem Minus von 4,7 % gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres entspricht.

Die Automobilindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, geprägt von technologischen Umbrüchen wie Elektromobilität und autonomem Fahren. Diese Entwicklungen stellen sowohl Hersteller als auch Zulieferer vor große Herausforderungen, erfordern jedoch auch Anpassungen und neue Strategien, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Für die kommenden Jahre wird eine uneinheitliche Entwicklung der Pkw-Märkte in den verschiedenen Weltregionen erwartet, wobei insgesamt eine zunehmende Wettbewerbsintensität prognostiziert wird.

2. Bericht über den Geschäftsverlauf und die wirtschaftliche Lage

Die Pollmann Austria GmbH hat im Geschäftsjahres 2024 ein positives operatives Ergebnis von EUR 0,35 Mio. erwirtschaftet.

Es wurden Maßnahmen zur Verbesserung der Ergebnis- und Vermögenslage, Reduktion der Fremdfinanzierung und Steigerung der Eigenkapital-Quote seitens der Geschäftsführung und des Managementteams evaluiert und mit den betroffenen Stakeholdern wie den Finanzierungspartnern und dem Management der Pollmann Austria GmbH besprochen und umgesetzt.

Die Pollmann Gruppe hat alle notwendigen Engineering- und Fertigungskompetenzen, um dem technologischen Wandel im Automobilsektor folgen zu können. Neue Kunden im Bereich Elektromobilität und die in diesem Bereich gewonnen Neuaufträge beweisen, dass die Pollmann Gruppe ein kompetenter Ansprechpartner hierfür ist.

2.1. Umsatz

Der Umsatz betrug im Geschäftsjahr 2024 84,1 Mio. EUR (2023: 76,8 Mio. EUR).

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 2
20242023
Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 2
• Door Solutions • Sunroof Solutions• Sunroof Solutions• Door Solutions
• Engine Compartment • Powertrain• Engine Compartment • Powertrain
• Other• Other
in TEUR20242023Veränderungin %
Sunroof Solutions14.65815.127-469-3,10%
Door Solutions31.10926.4954.61417,41%
Engine Compartment12.52915.917-3.388-21,29%
Powertrain3.7252.4941.23149.36%
E-Mobility1.0731.045282,68%
Other6.9505.8351.11519,11%
Serienumsatz70.04466.9133.1314.68%

Die Projektumsätze, welche einen reinen Handelsumsatz darstellen und zur Gänze von der Pollmann Gruppe zugekauft werden, stiegen 2024 auf 6,61 Mio. EUR (2023: 4,9 Mio. EUR).

Die ausgewiesenen Materialverkäufe bestehen überwiegend aus Schrotterlösen. Bedingt durch die steigenden Materialpreise, erhöhten sich die Erlöse von 3,3 Mio. EUR auf 4,1 Mio. EUR.

Die Erlöse aus Weiterverrechnungen stammen zur Gänze aus der Weiterverrechnung diverser Leistungen an die Pollmann International GmbH und reduzierten sich von 1,6 Mio. EUR in 2023 auf 1 Mio. EUR in 2024.

2.2. Entwicklung der Ertragslage

Die Bestandsveränderung an Halbfertig- und Fertigerzeugnissen beträgt 1,29 Mio. EUR (2023: 2,8 Mio. EUR). Die aktivierten Eigenleistungen betreffen Leistungen für aktivierte Anlagen und Maschinen 17 Tsd. EUR (2023: 1 Tsd. EUR)

Die Gesamtleistung der Pollmann Austria GmbH beträgt im aktuellen Geschäftsjahr 85,39 Mio. EUR. Dies entspricht einer Verbesserung von 7,31% gegenüber dem Vorjahr.

Der Materialaufwand stieg von 50,13 Mio. EUR in 2023 um rund 2,93 Mio. EUR (5,84%) auf 53,1 Mio. EUR in 2024. Hiervon entfallen 3,3 Mio. EUR auf Handelswaren und Fremdleistungen der Pollmann International GmbH (2023: 7 Mio. EUR).

In 2024 ergibt sich ein Rohertrag von 33,2 Mio. EUR gegenüber 32,6 Mio. EUR in 2023. In Relation zur Gesamtleistung entspricht das einem Rohertrag von 38,46% (2023: 39,4%) bei einem gestiegenen Gesamtumsatz.

Der Personalaufwand liegt mit 20,53 Mio. EUR um 11,60% höher als im Vorjahr (18,4 Mio. EUR). Der Personalaufwand in Relation zur Gesamtleistung stieg von 22,2% auf 23,8%.

Im sonstigen Aufwand sind insgesamt 10,22 Mio. EUR (2023: 11,2 Mio. EUR) angefallen. Diese bestehen aus weiterverrechneten Kosten der Pollmann International GmbH von 6,4 Mio. EUR (2023: 6,4 Mio. EUR) und fremden Aufwendungen von 3,8 Mio. EUR (2023: 4,8 Mio. EUR).

Daraus resultiert ein positives Betriebsergebnis von 0,35 Mio. EUR (2023: 1 Mio. EUR). Damit sank die EBIT-Marge von 1,28% im Vorjahr auf 0,42 % im Geschäftsjahr 2024. Das Finanzergebnis blieb mit -1,2 Mio. EUR konstant (2023: -1,2 Mio. EUR). Das negative Finanzergebnis resultiert aus erhöhten Zinsaufwendungen des Geschäftsjahres.

Aufgrund eines negativen steuerlichen Ergebnisses im Geschäftsjahr 2024 ist bei den Ertragssteuern die Mindestkörperschaftsteuer von 1.750,00 EUR ausgewiesen. Aus der latenten Steuer und deren Wertberichtigung ergibt sich ein Steuerbetrag in Höhe von 0,03 Mio. EUR.

2.3. Entwicklung der Vermögens- und Finanzlage

Das Eigenkapital reduzierte sich im Geschäftsjahr 2024 um 0,9 Mio. EUR und betrug zum Bilanzstichtag 31.12.2024 4,83 Mio. EUR (2023: 5,7 Mio. EUR). Die Eigenkapitalquote sank von 11,3% auf 9,98%. Die Nettofinanzverschuldung konnte von 2023 17,3 Mio. EUR auf 9,73 Mio. EUR in 2024 reduziert werden.

Die Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen erhöhten sich um 2,2 Mio. EUR. Davon betrugen die Forderungen gegenüber der Pollmann International GmbH 0,036 Mio. EUR (2023: 0,3 Mio. EUR), Pollmann CZ S.r.o. 2,3 Mio. EUR (2023: 1,1 Mio. EUR), Pollmann de Mexico 1,6 Mio. EUR (2023: 0,3 EUR) und Pollmann Mechatronics (Kunshan) Co, Ltd. 0,78 Mio. EUR (2023: 0,046 Mio. EUR). Hinzu kommen Forderungen gegenüber der Pollmann Werkzeugbau GmbH mit 0,2 Mio. EUR (2023: 0,041 Mio. EUR) und der Maxxom Automation GmbH mit 0,1 Mio. EUR (2023: 0,030 Mio. EUR).

Die Vorräte sind von 16,2 Mio. EUR auf 15,5 Mio. EUR gesunken. Die Lagerreichweite der direkten Bestände hat sich im Dezember 2024 auf 39 Tage reduziert.

2.4. Mitarbeitende

Die durchschnittliche Anzahl der Mitarbeitenden (Vollzeitäquivalent) betrug im Geschäftsjahr 2024 331 Beschäftige. Dies bedeutet eine Erhöhung von Beschäftigten.

3

2.5.Kennzahlen der Pollmann Austria GmbH

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 4
Erfolgskennzahlen20242023
Mio. EURMio. EUR
Umsatz84,1076,80
Betriebsleistung86,2282,74
Betriebserfolg (EBIT)0,350,99
Ergebnis vor Steuern-0,86-0,21
Investitionskennzahlen20242023
Mio. EURMio. EUR
Investitionen2,351,22
Anlagenabgänge0,012,61
Abschreibungen inkl. Finanzanlagen2,061,99
Liquiditätskennzahlen20242023
Mio. EURMio. EUR
Cashflow aus der Betriebstätigkeit9,935,88
Cashflow aus der Investitionstätigkeit-2,350,78
Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit-7,59-7,92
Veränderung der liquiden Mittel-0,01-1,26
Anfangsbestand liquide Mittel0,551,81
Endbestand liquide Mittel0,540,55
Kapitalstruktur20242023
Mio. EURMio. EUR
Eigenkapital4,835,66
Eigenkapital in %9,98%11,33%
Sozialkapital4,264,03
Nettofinanzverschuldung9,7317,32
Nettofinanzverschuldungsgrad1201,35%305,78%

¹ Nettofinanzverschuldungsgrad setzt die Nettofinanzverbindlichkeiten in Verhältnis zum Eigenkapital.

2.6. Nichtfinanzielle Leistungsindikatoren

Im Geschäftsjahr 2024 konnten Neuaufträge mit einem künftigen, durchschnittlichen jährlichen Serienumsatz von 4,13 Mio. EUR gewonnen werden (2023: 3,8 Mio. EUR). Der Auftragseingang an Projekterlösen betrug 2,15 Mio. EUR (2023: 4,5 Mio. EUR).

In der Serienproduktion lag die Lieferperformance im Geschäftsjahr 2024 bei 98,6% (Vorjahr: 98,7%).

Pollmann ist nach ISO IATF 16949 zertifiziert, nach ISO 14001 umweltzertifiziert und hat im Mai 2024 auch das TISAX (Trusted Information Security Assessment Exchange) Assessment bestanden. Dabei handelt es sich um ein Prüf- und Austauschverfahren für Informationssicherheit in der Automobilindustrie. Der Fokus liegt auf dem Schutz der Daten, auf ihrer Integrität sowie auf deren Verfügbarkeit sowohl während des Herstellungsprozesses als auch während des Betriebs der Fahrzeuge.

3. Zweigniederlassungen

Im Herbst 2016 wurden innerhalb der Pollmann Gruppe zwei mexikanische Gesellschaften gegründet. Die Pollmann de Mexico, S.A. DE C.V. und die Pollmann Servicios, S.A. DE C.V.. An diesen beiden Gesellschaften ist die Pollmann Austria GmbH direkt mit je 0,002% beteiligt. Die verbleibenden Anteile von 99,998% hält die Pollmann International GmbH.

Es bestehen noch folgende Schwestergesellschaften:

• Pollmann CZ S.r.o. • Pollmann Mechatronics (Kunshan) Co. Ltd. • Maxxom Automation GmbH • Pollmann Werkzeugbau GmbH

4. Bericht über die voraussichtliche Entwicklung und die Risiken

4.1. Voraussichtliche Entwicklung in der Automobilbranche

Im Jahr 2024 befindet sich die Automobilbranche in einem dynamischen Wandel, der durch technologische Innovationen, sich verändernde Verbraucherpräferenzen und strenge Umweltauflagen geprägt ist. Die fortschreitende Elektrifizierung der Fahrzeuge bleibt ein zentrales Thema, da immer mehr Hersteller ihre Produktpaletten auf Elektrofahrzeuge umstellen. Diese Entwicklung wird durch staatliche Förderprogramme und ein wachsendes Bewusstsein für Nachhaltigkeit unterstützt. Nachdem die Länder unterschiedliche Förderprogramme aufgesetzt haben, entwickelt sich die Nachfrage sehr unterschiedlich und stellt für die Hersteller und deren Zulieferer eine große Unsicherheit und somit Risiko dar.

Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen hat im vergangenen Jahr erheblich zugenommen, was zu einem Anstieg der Produktionskapazitäten und Investitionen in die Batterietechnologie geführt hat. Zulieferer spielen eine entscheidende Rolle in dieser Transformation, indem sie innovative Lösungen und Komponenten bereitstellen, die den Anforderungen der neuen Fahrzeugtechnologien gerecht werden. Für die Pollmann-Gruppe stellt diese Veränderung allerdings nur bedingt ein Risiko dar, da das Portfolio zum überwiegenden Teil antriebsunabhängig ist und sein wird.

Ein weiterer wichtiger Trend ist die Digitalisierung der Automobilindustrie. Die Integration von Softwarelösungen und vernetzten Technologien in Fahrzeuge eröffnet neue Geschäftsmöglichkeiten und verändert die Art und Weise, wie Fahrzeuge genutzt und gewartet werden. Zulieferer müssen sich anpassen, um digitale Komponenten und Dienstleistungen anzubieten, die den Anforderungen der Automobilhersteller und der Endverbraucher entsprechen. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob sich diese Anforderungen auch bis zum Pollmann-Portfolio fortführen wird.

Zusätzlich zu diesen technologischen Entwicklungen sehen wir auch eine zunehmende Globalisierung der Lieferketten. Die geopolitischen Herausforderungen und die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie haben die Notwendigkeit einer resilienten und flexiblen Lieferkette verdeutlicht. Zulieferer sind gefordert, ihre Strategien zu überdenken und sich auf lokale Beschaffungsquellen sowie alternative Logistiklösungen zu konzentrieren, um Engpässe zu vermeiden. Die bestehenden Konflikte, die insbesondere von den drei Ländern USA, China und Russland ausgehen können innerhalb kurzer Zeit bei Halbleitern, Rohstoffen und elektronischen Komponenten sowie Software zu bedeutenden Störungen auf dem Weltmarkt führen.

Insgesamt zeigt die Automobilbranche im Jahr 2024 eine positive Entwicklung, die von Innovation, Nachhaltigkeit und Anpassungsfähigkeit geprägt ist. Zulieferer, die proaktiv auf diese Trends reagieren und ihre Produkte sowie Dienstleistungen entsprechend anpassen, werden in der Lage sein, sich erfolgreich im Markt zu positionieren und von den Chancen, die sich aus diesen Veränderungen ergeben, zu profitieren.

4.2. Voraussichtliche Entwicklung der Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage

Im ersten Halbjahr 2024 waren der Umsatz und die Betriebsleistung über jenen der Vorjahresperiode und zeigt das die in Ende Q2/2023 eingeleiteten Maßnahmen erfolgreich umgesetzt wurden.

Die Pollmann Austria GmbH hatte im ersten Halbjahr 2024 ein positives operatives Ergebnis, welches auf Grund der guten Abrufsituation besser als im Budget vorgesehen war.

Basierend auf den Kundenabrufen für die nächsten Monate ist von einem positiven operativen Ergebnis und einer geringeren Verschuldung der Pollmann Austria GmbH auszugehen.

Seit 1. Februar 2024 gibt es eine neue Organisation der Pollmann International mit den beiden Hauptzielen: stärkere Kundenorientierung und effiziente sowie effektive globale Zusammenarbeit. Diese Ziele umfassen auch Optimierungen im Produktionsprozess, sowie in der Qualität und Verschlankung der Unternehmensprozesse.

4.3. Risiken und Ungewissheiten des Unternehmens

Im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit ist die Pollmann Austria GmbH einer Vielzahl von Risiken ausgesetzt. Das Risikomanagement ist ein integraler Bestandteil der Strategie und aller Geschäftsprozesse. Die für Automobilzulieferer notwendigen Zertifizierungen wie IATF 16949:2016 und ISO 14001:2015 sehen Regelungen für das Risikomanagement vor, deren Einhaltung auch durch externe Audits überwacht wird.

Folgende wesentliche Risikofelder können identifiziert werden:

UNTERNEHMENSSPEZIFISCHE RISIKEN

a. Marktrisiko und Absatzrisiko

Die globale und im Besonderen die europäische Automobilindustrie sind aktuell und in der mittelfristigen Zukunft mit einer deutlichen Veränderung der Rahmenbedingungen konfrontiert. Einerseits, dass in der EU ab 2035 keine neuen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren zugelassen werden und die Elektromobilität gefördert wird sowie andererseits Themen wie autonomes Fahren und neue Mobilitätskonzepte. Allerdings kommen die OEM’s und Tier1 aktuell mit teils sehr unterschiedlichen Technologien auf den Markt und es ist noch nicht absehbar, welche sich durchsetzen wird. Diese Veränderungen bieten für die Pollmann Austria Chancen, da die Fertigungskompetenzen von hybriden Bauteilen sowohl in der Elektromobilität als auch für das autonome Fahren gefragt sind. Die Pollmann Gruppe ist dabei, sich mit Innovationen und verstärkten Vertriebsaktivitäten klar zu positionieren.

Es ist auch mit einer verstärkten Konsolidierung in der Automobilzulieferindustrie zu rechnen, welche es auch für die Pollmann Gruppe zu nutzen gilt. Die letzten Jahre haben gezeigt, wie volatil die Branche auf höhere konjunkturelle und geopolitische Risiken reagiert. Es besteht daher das Risiko, dass diese Unsicherheiten auch noch in den nächsten Jahren die Automobilindustrie negativ beeinflussen werden.

b. Volumenrisiko

Aufgrund der Volatilität der Nachfrage bzw. aus der nicht planmäßigen Entwicklung der abgerufenen Stückzahlen kann dieses Risiko entstehen. Der Zulieferer ist abhängig von der Absatzmenge des Fahrzeugs, für das er zuliefert, ohne diesen Absatzerfolg selbst beeinflussen zu können. Es kann daher sowohl bei zu hohen als auch zu niedrigen Abrufen zu Problemen kommen. Niedrigere Abrufe führen zu Auslastungsproblemen, die eine Fixkostenunterdeckung zur Folge haben können. Während bei zu hohen ungeplanten Abrufen Kapazitätsengpässe die Folge sein können, die zu Lieferverzögerungen und somit zu Reputationsschäden führen können. Die Krisen der letzten Jahre und die technologischen Veränderungen in der Branche haben die Abrufprognosen sehr schwierig gemacht. Seitens der Pollmann Austria wird die Entwicklung der standortspezifischen Abrufsituation der Werke Karlstein und Vitis sowie das Marktgeschehen sehr genau verfolgt. Auf wesentliche Veränderungen der Lieferabrufe muss kostenseitig, aber auch mit berechtigten Forderungen durch Mehrkosten aus der Unterschreitung von vereinbarten Planmengen reagiert werden.

c. Beschaffungsmarktrisiko

Der Beschaffungsmarkt 2024 war geprägt von Anstiegen der Rohstoff- und Energiepreise.

Pollmann ist als kunststoff- und metallverarbeitende Unternehmensgruppe entsprechenden Marktrisiken ausgesetzt. Diesen Risiken wird soweit möglich mit Materialgleitpreisklauseln in den offengelegten Kalkulationen entgegengewirkt. Einige Materialien und Zukaufteile werden vom Kunden mit dem Lieferanten direkt verhandelt und somit ist das Preisrisiko direkt beim Kunden. Im Engineering werden auch verstärkt Alternativmaterialien und deren Einsatzmöglichkeiten geprüft.

d. Personal

Der demographische Wandel in Europa und der daraus resultierende Mangel an Fachkräften stellt ein Risiko in allen Unternehmensbereichen dar.

Aufgrund der geographischen Lage war die Pollmann Austria GmbH bereits in der Vergangenheit gefordert, Fachkräfte zu gewinnen und zu entwickeln. Seitens der Pollmann Austria GmbH gibt es eine eigene Lehrwerkstätte mit der Möglichkeit eine Vielzahl von Berufen zu erlernen. Hier sind auch Doppel- Lehren und auch Lehre mit Matura möglich. Darüber hinaus gibt es

Kooperationen mit Schulen und Universitäten. Für das bestehende Personal gibt es Möglichkeiten für individuelle Ausbildungs- und Qualifizierungsprogramme.

e. Investitionsrisiko

Das Bilanzbild der Pollmann Gruppe ist durch hohe Investitionstätigkeit in den letzten Jahren geprägt, woraus sich ein entsprechendes Investitionsrisiko ergibt. Basierend auf Kundenaufträgen werden Investitionen in Maschinen oder notwendigen Werksausbau getätigt. Aufgrund der volatilen Abrufsituation kann es zu geringeren Cash-Flows kommen und somit zu einer längeren Amortisationsdauer der Investitionen führen. Um dieses Risiko zukünftig etwas zu reduzieren, wurde ein erstes Pay-per-Use Finanzierungs-Modell umgesetzt. Seitens der Pollmann Gruppe erfolgen die Investitionen in den letzten Jahren verstärkt in die Digitalisierung und Cyber-Security.

f. Produktionsrisiko

Die Produktionsrisiken betreffen die Risiken im gesamten Herstellungsprozess. Diese können längere Produktionszeiten je produziertes Stück sein und somit zu Produktionsengpässen und damit verbundenen Lieferverpflichtungen gegenüber den Kunden führen. Ein weiteres Risiko ist die fehlerhafte Qualität, welche zu Produktrückrufen und Reputationsschäden beim Kunden führen können.

Die Standorte der Pollmann Gruppe minimieren dieses Risiko, indem sie kontinuierliche Verbesserungsprozesse und umfassende Qualitätsprozesse implementiert haben und im Falle einer erheblichen Produktionsstörung die Pollmann Austria unterstützen können.

FINANZIELLE RISKEN

a. Kreditrisiko

Als Automobilzulieferer ist die Pollmann Austria dem Bonitätsrisiko der Automobilindustrie ausgesetzt.

Die Automobilzulieferindustrie hat üblicherweise keine hohe Anzahl von Kunden, daher ist es innerhalb der Pollmann Gruppe auch ein permanentes Ziel, ein entsprechend diversifiziertes Kunden- und Produkt-Portfolio zu haben. Der Begriff Kunde kann mehrere verbundene Unternehmen umfassen.

Die Entwicklung der offenen Forderungen wird permanent verfolgt und die vereinbarungsgemäße Bezahlung von Forderungen eingefordert. Der Großteil der Kunden sind systemrelevant für die Automobilbranche. Das Ausfallrisiko wird daher als gering eingeschätzt.

b. Liquiditätsrisiko

Das Liquiditätsrisiko wird aktiv gesteuert und erfolgt in enger Abstimmung mit den Beteiligungsgesellschaften wie auch die vorzeitige Refinanzierung endfälliger Finanzverbindlichkeiten. Eine kurzfristige Fälligstellung von Krediten seitens der finanzierenden Kreditinstitute ist nicht zu erwarten.

c. Währungsrisiko

Die Umsätze werden fast ausschließlich in EURO fakturiert. Die Lieferantenfakturen sind ebenfalls fast ausschließlich in EURO ausgestellt. Das Währungsrisiko ist daher in der Pollmann Austria GmbH von untergeordneter Bedeutung.

d. Zinsänderungsrisiko

Der Großteil der langfristigen Finanzierungen sind variabel mit einem 3-Monats- Euribor verzinst. Aus diesem Grund bestehen mehrere Zinsabsicherungsgeschäfte mit Laufzeiten bis 2028 bzw. 2030. Basierend auf der Tilgungsstruktur der langfristigen Finanzierungen wurden zuletzt 2024 Zinsderivate wie Convertible Swap und Zins-Collar mit einer fünfjährigen Laufzeit vereinbart.

SONSTIGE RISKEN

a. Cyber Crime

Cyber Crime-Attacken sind ein erhebliches latentes Risiko. Es wurden verschiedene technische Maßnahmen umgesetzt und laufend geprüft. Ebenso erfolgen regelmäßig Schulungen und Maßnahmen zur Sensibilisierung der Mitarbeiter in Bezug auf Cyber Risiken. Die Ergebnisse daraus werden evaluiert und in laufenden Maßnahmen berücksichtigt.

b. Klimarisiken

Seitens der Pollmann Austria wurden keine direkten Klimarisiken identifiziert. Der globale Klimawandel erfordert die Energie- und Ressourceneffizienz zu verbessern und deren Verbrauch zu begrenzen. Der Automobilbranche kommt hier insbesondere innerhalb der EU eine besondere Bedeutung zu. Der „European Green Deal" hat zur Folge, dass die Nachfrage nach Verbrennungsmotoren sinkt und der Anteil an elektrischen Antrieben steigt. Für die Pollmann Austria bietet dieser Wandel auch Chancen, da die Fertigungskompetenzen im Bereich der Elektromobilität besonders gefragt sind. Die Pollmann Gruppe konnte mittlerweile einige Aufträge für mehrere Produktionsstandorte sowie neue Kunden im Bereich der E-Mobilität gewinnen.

c. Ukraine Krise

Aufgrund des Kriegsausbruchs Ende Februar 2022 kam es zu weiteren Energiepreissteigerungen sowie Engpässen bei der Verfügbarkeit von Rohstoffen, welche zu massiven Preiserhöhungen und somit einer ansteigenden Inflation führten. Die Leitzinsen stiegen in den jeweiligen Volkswirtschaften mit dem Ziel die Nachfrage zu reduzieren.

d. Inflation

Mittlerweile ging die Inflation in den vergangenen Monaten deutlich zurück, die hohe Teuerung wird 2025 ein Thema bleiben und sich negativ auf die Entwicklung der Weltwirtschaft auswirken. Das Konsumverhalten wird weiterhin zurückhaltend bleiben. Wesentlicher Unsicherheitsfaktor in Europa ist die zukünftige Energieversorgung und vor allem die damit verbundene Preisgestaltung.

e. Sonstige wesentliche Risiken:

Sonstige wesentliche Verpflichtungen und Risiken, die im vorliegenden Jahresabschluss nicht entsprechend gewürdigt oder in den Erläuterungen angeführt wurden, sind dem Management nicht bekannt.

Das Management verfolgt die globalen Entwicklungen sehr genau und überprüft die Risiken aus dem Risikokatalog regelmäßig. Basierend auf der Risikoevaluierung wurden zahlreiche Maßnahmen eingeleitet, welche ebenfalls regelmäßig auf ihre Wirksamkeit überprüft werden, um negative finanziellen Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.

In Bezug auf die Entwicklung der Zölle mit den Vereinigten Staaten von Amerika besteht ein Unsicherheitsfaktor.

5. Bericht über Forschung und Entwicklung

Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sind organisatorisch in der Pollmann International GmbH angesiedelt. Die Pollmann Austria GmbH unterstützt und stellt neben Personal auch Produktions- sowie Messmaschinen für Versuche im Rahmen der Anwendungsentwicklungen zur Verfügung.

Neben laufenden Aktivitäten im Bereich der Spritzguss- und Stanztechnologie unterstützt die Pollmann Austria auch Entwicklungsaktivitäten in Richtung alternativer Antriebstechnologien und Batteriemodule.

Für die weiterhin bestehenden Produktgruppen (wie zum Beispiel Türschlösser) wurden Entwicklungen für neue, kostengünstigere Materialkombinationen vorangetrieben und Verarbeitungstechnologien vorangetrieben.

Neben den Produktinnovationen wurden auch neue Fertigungslösungen entwickelt, die zur Effizienzsteigerung und auch Qualitätsverbesserungen beigetragen haben.

Karlstein, am 10.06.2025

Signiert von:

Robert Stubenberger . 345 BEF 20877433. Ing. Robert Stubenberger, MBA

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