Inhaltsverzeichnis
1. Geschäftsverlauf und Lage der Gesellschaft
Überblick über Geschäftszweig und Unternehmen
Die Putenzucht Miko GmbH bezieht Putenbruteier von Elterntierbetrieben, brütet diese in ihrer Brüterei in Frankenburg aus und verkauft die Eintagsküken unmittelbar nach dem Schlupf an Mastbetriebe im In- und Ausland. Auch das Tochterunternehmen Turkey Experts Kft. wird mit Küken beliefert und mästet diese selbst, während das Tochterunternehmen Miko Polska sp.z.o.o. als Erfüllungsgehilfe ausschließlich für den polnischen Markt tätig ist.
Die Kunden der Putenzucht Miko GmbH – die Mastbetriebe – füttern die Puten über einen Zeitraum von drei bis fünf Monaten und verkaufen sie anschließend an Schlachtbetriebe. Dort werden die Tiere nach der Betäubung geschlachtet, zerlegt und das Fleisch über den Groß- und Einzelhandel vermarktet. Häufig sind Verarbeitungsbetriebe, die das Fleisch zu Wurst- oder Convenience-Produkten veredeln, direkt an die Schlachtunternehmen angeschlossen.
In Osterreich wird etwa die Hälfte des produzierten Putenfleisches über den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) vertrieben, der von vier großen Handelsketten (Spar, Billa, Hofer und Lidl) dominiert wird. Die andere Hälfte wird im HORECA-Sektor (Hotels, Restaurants, Cafés) abgesetzt.
Der Kundenkreis der Putenzucht Miko GmbH erstreckt sich über Österreich (aktuell 47 % des Gesamtumsatzes), die Europäische Union – insbesondere den CEE-Raum – sowie in geringerem Umfang auf Drittländer.
Das Unternehmen liefert Eintagsküken sowohl an konventionelle Mastbetriebe als auch an Biobetriebe. Derzeit ist es der einzige Betrieb in Österreich, der Putenküken ausbrütet.
Konjunktur und Branchentrends
Das Geschäftsjahr 2025/26 wurde international vom Auftreten zweier Geflügelseuchen dominiert. Einerseits der bereits bekannten Vogelgrippe (HPAI) und zusätzlich die Newcastle Disease (ND), auch atypische Geflügelpest genannt. Zweitere war in Polen sehr dominant, zieht sich aber nun auch Richtung Deutschland. Die Auswirkung der beiden Seuchengeschehen sind vielfältig und je nach Produktionsstufe anders, der gemeinsame Nenner ist aber die schlechte Planbarkeit der Produktion. Letztendlich führt diese auf allen Ebenen zu einer Reduktion der Effizienz (schlechter ausgelastete Betriebsanlagen) und einem reduzierten Angebot. Dies ist mittlerweile auch an den Verbrauchsstatistiken messbar. Der Rückgang stammt nicht, wie vermutet werden könnte, von einem geänderten Konsumentenverhalten, sondern eben von reduziertem Angebot, verursacht durch die Tierseuchen. Gleichzeitig ist der Effekt dieser Knappheit an den Preisen auf jeder Ebene zu sehen, speziell sind aber Bruteier und Lebendtiere derzeit die Produkte mit den höchsten Steigerungen innerhalb der Wertschöpfungskette.
Geschäftsverlauf
Die Putenzucht Miko GmbH konnte die für das Geschäftsjahr gesetzten Ziele erreichen. Die österreichische Produktion und damit auch der Kükenverkauf konnten geringfügig gesteigert werden. Auch in den Auslandsmärkten kam es zu erhöhten Umsätzen, was insgesamt zu einer Steigerung des Gesamtumsatzes um 8,1 % führte.
2. Finanzielle Leistungsindikatoren
Vermögensentwicklung
Da es im abgelaufenen Geschäftsjahr keine bedeutenden Investitionen gab, verringerte sich das Sachanlagevermögen durch die Abschreibungen geringfügig und lag am Bilanzstichtag bei 6,4 Mio. €, das entspricht 34,4 % des Gesamtvermögens (Vorjahr: 6,7 Mio. € = 32,0 %).
Es gibt keine nennenswerten langfristigen Lagerbestände; die angelieferten Eier werden innerhalb weniger Tage in den Brutprozess überführt, die fertig geschlüpften Küken werden spätestens einen Tag nach dem Schlupf ausgeliefert. Der Wert der in Brut befindlichen Bruteier und Küken (Bewertung zu Herstellkosten) reduzierte sich im Vorjahresvergleich im Rahmen der normalen Schwankungsbreite.
Das im Vergleich zum Vorjahr höhere Umlaufvermögen liegt bei 4,9 Mio. €, das entspricht 26,3 % der Bilanzsumme (Vorjahr: 3,8 Mio. € = 18,0 %). Grund dafür sind höhere Forderungen zum Bilanzstichtag und Liquidität auf den Bankkonten.
Die deutliche Reduktion der Bilanzsumme von 21,0 Mio. € auf 18,6 Mio. € ist auf die verstärkte Rückführung von Verbindlichkeiten im Jahresverlauf zurückzuführen.
Eigenkapital- und Schuldenentwicklung
Das Eigenkapital erhöhte sich auf 8,4 Mio. €, entsprechend 45,2 % der Bilanzsumme (Vorjahr: 8,0 Mio. € = 38,0 %).
Die Rückstellungen haben sich in den meisten Detailpunkten geringfügig erhöht, liegen aber in Summe weiterhin bei 1,0 Mio. € = 5,5 % (Vorjahr: 0,9 Mio. € = 4,1 %).
Die Verbindlichkeiten sanken sowohl nominell auf 7,9 Mio. € (Vorjahr: 10,8 Mio. €) als auch im Verhältnis zur Bilanzsumme (42,6 % im Vergleich zu 51,6 % im Vorjahr).
Jahresergebnis
Das Ergebnis der Gesellschaft betrug 424.694,19 €, was 2,3 % der Bilanzsumme entspricht und dem Eigenkapital zugeführt wurde. (VJ: 1.173.792,98 € = 5,6 %).
Geldflussrechnung
Der Mittelüberschuss gemäß URG beträgt im Geschäftsjahr TEUR 1.020 (Vorjahr TEUR 1.141). Die erwirtschaftete Liquidität wurde zur zusätzlichen Tilgung von Verbindlichkeiten verwendet.
EBIT und EBITDA
Durch die exorbitant gestiegenen Kosten für Bruteier ist das EBIT der Gesellschaft in den negativen Bereich gerutscht (TEUR -83, VJ: TEUR 482), während sich gleichzeitig das E- BITDA im Geschäftsjahr 2025/26 in Bezug auf das Vorjahr nahezu halbierte: TEUR 682 (Vorjahr: TEUR 1.144). Diese Entwicklung wird sich nach einer zu erwartenden Beruhigung des Bruteiermarktes und nach Abschluss neuer Preisverhandlungen sehr wahrscheinlich wieder normalisieren.
3. Nichtfinanzielle Leistungsindikatoren
Als zentraler „Flaschenhals“ der österreichischen Putenproduktion trägt die Putenzucht Miko GmbH eine besondere Verantwortung für die kontinuierliche Versorgung der Mastbetriebe mit gesunden Eintagsküken. Nur so kann die Wertschöpfungskette – von der Brüterei über die Mast bis hin zum Handel – ohne Unterbrechung aufrechterhalten werden. Sämtliche Produkte dieser Kette werden unter Einhaltung der höchsten europäischen Tierschutzstandards hergestellt.
Zur Sicherstellung einer konstant hohen Produktqualität setzt das Unternehmen auf ein nach ISO 9001 zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem, ein HACCP-Programm sowie eine QS-Zertifizierung.
Darüber hinaus fördert die Putenzucht Miko GmbH die Inklusion benachteiligter Arbeitnehmergruppen aktiv und nachhaltig.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Bereich Nachhaltigkeit: Das Unternehmen verfolgt das Ziel, vollständig von fossilen Brennstoffen unabhängig zu werden. Im Bereich der Stromversorgung ist dies bereits erreicht; ein größeres Stromspeicherprojekt ist in Arbeit, um die Stromkosten künftig senken zu können.
Der Umstieg auf erneuerbare Energien bei der Wärmegewinnung befindet sich in Planung und wird im Geschäftsjahr 2026/27 realisiert. Zudem ist der Großteil der Firmen-PKW-Flotte bereits auf Elektroantrieb umgestellt. Ein internes Incentive-Programm unterstützt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Umstieg auf E-Autos.
4. Forschungsbericht
Eine eigene Forschungsabteilung besteht nicht. Weiterentwicklungen im Brutprozess erfolgen im Rahmen des laufenden Geschäftsbetriebs.
5. Zweigniederlassung der Gesellschaft
• Brütereistandort in Pöttelsdorf (nur Brutkapazitäten, Verwaltung ist in Zipf)
Im Berichtszeitraum wurden keine weiteren Zweigniederlassungen eröffnet oder geschlossen.
6. Risikobericht
Die Putenzucht Miko GmbH ist als Betreiber einer Brüterei den üblichen Risiken eines solchen Betriebs ausgesetzt. Zur Absicherung wurden diverse Versicherungen abgeschlossen, darunter Haftpflicht-, Sach- und Betriebsunterbrechungsversicherung sowie Rechtsschutz- und Transportversicherungen.
Ein internes Kontrollsystem dient der Minimierung betriebsbedingter Risiken. Die Leistungsverrechnung erfolgt in Euro und Zloty (PLN), ohne den Einsatz derivativer Finanzinstrumente. Für Ausleihungen in Forint (HUF) werden Währungsabsicherungsinstrumente verwendet. Zinsrisiken werden durch Zinsabsicherungsinstrumente (Swap) abgedeckt.
Die Putenzucht Miko GmbH setzt auf moderne IT-Infrastruktur, deren Wartung an externe Partner ausgelagert ist, um die ständige Verfügbarkeit betriebsinterner Daten sicherzustellen.
7. Vorgänge von besonderer Bedeutung
Die weltweite Knappheit an Putenbruteiern von Sommer letzten Jahres bis Sommer 2026 macht es für die Putenzucht Miko sehr herausfordernd, alle Aufträge zu erfüllen. Mögliche Zusatzaufträge können nicht angenommen werden, zudem steigt der Preis für Bruteier in bisher nicht gekannte Höhen. Nicht immer ist es möglich, diese Preise weiterzugeben. Beide Punkte führen zu einer reduzierten Rentabilität des Brutgeschäftes, die sich erst bei einer besseren Versorgungslage bei Bruteiern wieder erhöhen wird.
8. Die voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens
Die weiterhin bestehende Bruteierknappheit verhindert kurz- und mittelfristig eine Ausweitung der verkaufbaren Putenküken. Es ist damit zu rechnen, dass durch die Nichtverfügbarkeit von Bruteiern die Umsatzentwicklung eher rückläufig sein wird. Eine Entspannung der Situation wird im Herbst 2026 erwartet und führt idealerweise zu einer besseren Auslastung der Brüterei.
Das Unternehmen plant keine wesentlichen Vertriebserweiterungen außerhalb Europas, sondern konzentriert sich auf den CEE-Raum.
Gemeinsam mit den Partnerbetrieben möchte die Putenzucht Miko GmbH mittelfristig seine Position als Komplettanbieter (Bruteier, Küken, Jungputen u. Schlachtputen) ausbauen und einen messbaren Mehrwert für dessen Kunden bringen.
47-08-7026 Datum Untefschrift