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Lagebericht 2025

Gemeinschaftskraftwerk Inn GmbH

Original-PDF

Stichtag 31. Dez. 2025 · Eingereicht am 25. Aug. 2026

Inhaltsverzeichnis

1. Geschäftsgrundlagen

Rechtliche Struktur

Die Gemeinschaftskraftwerk Inn GmbH mit Sitz in Innsbruck und Zweigniederlassung Martina (Schweiz), Gemeinde Valsot ist im Firmenbuch des Landesgerichts Innsbruck unter FN 277806 p und die Zweigniederlassung im Handelsregisteramt Kanton Graubünden unter der Handelsregister-Nr.: CH-350.9.000.900-1 eingetragen. Das Stammkapital der Gesellschaft beträgt € 200.000 und wurde von den Gesellschaftern, der TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG mit einer Stammeinlage von € 172.000, das entspricht einem Anteil am Stammkapital von 86 % und der Engadiner Kraftwerke Aktiengesellschaft mit einer Stammeinlage von € 28.000, das entspricht einem Anteil am Stammkapital von 14 %, übernommen und eingezahlt.

Die Gesellschaft verfügt derzeit über zwei Geschäftsführer. Auf der Grundlage des vertraglich eingeräumten Rechts hat die TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG, Dipl.-Ing. Thomas Höckner und Dipl.-Ing. Michael Grimm als Geschäftsführer ab dem 01.01.2023 nominiert. Beide Geschäftsführer leiten die Gesellschaft gemeinsam.

In der Gesellschaft ist ein Gesellschafterausschuss, der die Gesellschaft überwacht und Empfehlungen an die Geschäftsführung der Gesellschaft erstattet, eingerichtet. Oberstes Organ der Gesellschaft ist die Generalversammlung, die grundsätzlich Beschlüsse mit absoluter Mehrheit der abgegebenen Stimmen fasst. Vertraglich ist vorgesehen, dass für je ein Euro der übernommenen Stammeinlage eine Stimme gewährt wird.

Unternehmensgegenstand

Der Unternehmensgegenstand ist die Planung, Projektierung, Errichtung und der Betrieb eines Wasserkraftwerks zur Energieerzeugung im Gebiet des Inns zwischen Martina (Schweiz) und Prutz (Österreich).

Da die Nutzung der Wasserkräfte des Inns und seiner Zuflüsse sich im Grenzgebiet zwischen der Republik Österreich und der Schweizerischen Eidgenossenschaft befindet, wurde ein Abkommen zwischen den beiden Staaten abgeschlossen, das am 13.08.2008 im BGBl. III 99/2008 veröffentlicht worden ist. Das Abkommen sieht unter anderem vor, dass jeder Vertragsstaat Anrecht auf einen Teil der Wasserkräfte im Verhältnis zum Gefälle und zu den Wassermengen hat, welche ihm in den genutzten Gewässerstrecken zukommen. Als Grundlage für die Nutzbarmachung der Wasserkräfte wurde auf Basis dieses Abkommens zusätzlich zum Gesellschaftsvertrag einvernehmlich ein Vertrag abgeschlossen, der das Rechtsverhältnis der Gesellschafter untereinander betreffend Gemeinschaftskraftwerk Inn GmbH (im Folgenden: GKI), insbesondere die Einräumung von Strombezugsrechten durch GKI an die Gesellschafter, deren Ausgestaltung und energiewirtschaftliche Umsetzung und die Finanzierung, regelt.

Standorte

Für das österreichisch – schweizerische Wasserkraftwerk am Inn wurde in der Schweiz bei Ovella – zwischen Martina und Kajetansbrücke – ein Wehr zur Wasserfassung errichtet. Durch einen unterirdisch in der orografisch rechten Talseite auf österreichischem Staatsgebiet verlaufenden rund 23 km langen Druckstollen wird das Wasser bis zum Krafthaus in Prutz (Österreich) geleitet und dort Strom erzeugt.

Geschäftsmodell

Wir sind im unregulierten Energiebereich tätig und produzieren Strom aus Wasserkraft, den wir ausschließlich an unsere Gesellschafter zu Jahreskosten abgeben. Konkret haben wir das Wasserkraftwerk Prutz/Ried und das Dotierkraftwerk Ovella, das sich auf der Gewässerstrecke zwischen Martina (Schweizerische Eidgenossenschaft) und Prutz (Republik Österreich) befindet, geplant, projektiert und errichtet. Nach der baulichen Fertigstellung haben wir auf Basis eines Vertrages die TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG beauftragt, die Betriebsführung des Kraftwerks zu übernehmen.

Die Investitionskosten des Kraftwerks wurden durch unverzinsliche, nicht rückzahlbare Baukostenzuschüsse der Gesellschafter finanziert. Darüber hinaus bezahlen die Gesellschafter auch ein Entgelt in Form von Jahreskosten, die sich aus dem Abschreibungsaufwand, Finanzierungskosten, Betriebsführungskosten, Bestandskosten und einer Gewinnkomponente zusammensetzen. Die Baukostenzuschüsse und Jahreskosten werden durch die Gesellschafter anteilig, entsprechend dem Verhältnis der eingeräumten Strombezugsrechte, geleistet. Als Gegenleistung für die Finanzierung haben wir den Gesellschaftern ein Strombezugsrecht an der im Kraftwerk erzeugten Energie auf Dauer des Bestandes des Kraftwerks eingeräumt. Der Umfang des Strombezugsrechts ergibt sich aus dem Anteil, der jedem Gesellschafter am Stammkapital zukommt. Die aufgrund des Strombezugsrechts für jeden Gesellschafter ergebende Energie, wird von den Gesellschaftern vermarktet. Es besteht eine Abnahmeverpflichtung der Gesellschafter.

Steuerungssystem

Die Geschäftsführer leiten eigenverantwortlich im Rahmen des Unternehmensgegenstandes zum Wohl des Unternehmens und unter Berücksichtigung der Interessen der Gesellschafter sowie des öffentlichen Interesses die Gesellschaft. Zur Steuerung des Unternehmens nutzen wir, ausgehend vom Istzustand laut Jahresabschluss, ein Planungs- und Controllingsystem, das einen detaillierten, zeitnahen Einblick in die voraussichtliche und zukünftige Entwicklung unserer Vermögens-, Finanz- und Ertragslage ermöglicht. Auf der Grundlage der Rahmenbedingungen und der erwarteten Entwicklung erstellen wir jährlich unsere Mittelfristplanung, die Budgetwerte für das kommende Geschäftsjahr und Planzahlen für die Folgejahre beinhaltet. Die Geschäftsführung legt in weiterer Folge die Planung dem Gesellschafterausschuss zur Genehmigung vor.

Die Betriebsführung des Kraftwerks selbst erfolgt auf der Grundlage eines Betriebsführungsvertrages mit der TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG. Zur Betriebsführung zählen alle Maßnahmen und Tätigkeiten, die der widmungsgemäßen Erzeugung von elektrischem Strom mit einer entsprechenden Verfügbarkeit unserer Anlagen und der nachhaltigen Bewahrung der Anlagensubstanz dienen. Zur Betriebsführung zählen die Steuerung und Überwachung des Kraftwerks, die Abwicklung der Basisinstandhaltung, die Durchführung der Großinstandhaltungen und die Durchführung der technisch-administrativen Leistungen im Zusammenhang mit Betrieb und Instandhaltung des Kraftwerks. Die Betriebsführung erfolgt kostenoptimiert und unter Beachtung der bestehenden Vorschriften.

Forschung und Entwicklung

Die Gesellschaft betreibt derzeit keine eigene Forschung und Entwicklung.

2. Wirtschaftsbericht

Geschäftsverlauf

Die Stromproduktion erfolgt mit zwei Maschinensätzen, bestehend aus je einer Francisturbine und einem Generator. Die Engpassleitung beträgt rund 97,4 MW. Beim Wehr Ovella befindet sich eine Fischaufstiegs- und -abstiegshilfe sowie eine Dotiermaschine.

Im Geschäftsjahr 2025 war gegenüber den Vorjahren eine deutlich geringere Wasserführung (-12,1 % gegenüber Plan) zu verzeichnen. Aufgrund der geringen Wasserführung sowie der umfangreichen Garantieprüfungen, die gemäß behördlicher Vorgaben verpflichtend im Sommer durchgeführt werden müssen, erzeugten wir im Berichtsjahr insgesamt 326 GWh Strom. Dies entspricht einem Rückgang von 17,5 % gegenüber den geplanten 395 GWh.

Ertragslage

Im Geschäftsjahr 2025 betrug der Umsatz T€ 21.095,1 und lag damit um T€ 737,9 unter dem Vorjahreswert (Vorjahr: T€ 21.833,0). Die Umsatzerlöse setzen sich wie folgt zusammen:

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 3
Veränderung
20252024zum
Vorjahr
T€T€T€%
Auflösung Baukostenzuschüsse15.210,215.153,556,8+0,4
Staatsbezogene Kosten und Weiterverrech-
nungen1.078,3919,1159,2+17,3
Jahreskosten4.806,65.760,4-953,9-16,6
Summe Betriebserträge21.095,121.833,0-737,9-3,4

In den sonstigen betrieblichen Erträgen sind Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen in Höhe von T€ 171,0 (Vorjahr: T€ 422,2) und Weiterverrechnungen in Höhe von T€ 0,0 (Vorjahr: T€ 777,7) enthalten.

Die Betriebsaufwendungen zeigen folgendes Bild:

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 3
Veränderung
20252024zum
Vorjahr
T€T€T€%
Systemdienstleistungen u.dgl.1.182,72.435,0-1.252,3-51,4
Abschreibungen15.210,315.153,556,8+0,4
Fremdleistungen1.258,51.261,4-2,9-0,2
Werkverträge2.210,01.817,8392,2+21,6
Weiterverrechnungen911,21.644,0-732,8-44,6
Sonstige Aufwendungen519,1866,1-346,9-40,1
Summe Betriebsaufwendungen21.291,823.177,8-1.885,9-8,1

Da sämtliche kaufmännisch-administrativen Angelegenheiten im Rahmen der Betriebsführung des Kraftwerks von der TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG erbracht werden, fallen keine Personalaufwendungen an.

Vermögenslage

Die Vermögens- und Kapitalstruktur hat sich im Berichtsjahr wie folgt entwickelt:

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 4
20252024Veränderung
VermögensstrukturT€°/ %T€% /T€% /
Langfristig gebundenes Vermögen553.248,599,6566.733,999,2-13.485,3-2,4
Immaterielles Anlagevermögen595,70,1625,90,1-30,1-4,8
Sachanlagevermögen552.652,899,5566.108,099,1-13.455,2-2,4
Kurzfristig gebundenes Vermögen2.059,10,44.483,70,8-2.424,6-54,1
Forderungen, Abgrenzungen1.938,10,43.976,90,7-2.038,8-51,3
Liquide Mittel121,00,0506,80,1-385,8-76,1
Bilanzsumme Aktiva555.307,6100,0571.217,6100,0-15.910,0-2,8
20252024Veränderung
Kapitalstrukturin T€in %in T€in %in T€in %
Langfristige Finanzierungsmittel553.564,399,7567.041,799,3-13.477,4-2,4
Eigenkapital315,70,1307,90,17,92,6
Baukostenzuschüsse553.248,599,6566.733,899,2--13.485,3-2,4
Kurzfristige Finanzierungsmittel1.743,30,34.175,90,7-2.432,5-58,3
Kurzfristige Rückstellungen399,70,1560,40,1-160,7-28,7
Kurzfristige Verbindlichkeiten und
Rechnungsabgrenzungen1.343,70,23.615,50,6-2.271,8-62,8
Bilanzsumme Passiva555.307,6100,0571.217,6100,0-15.910,0-2,8

Unser aktiviertes Anlagevermögen weist im Geschäftsjahr 2025 Anschaffungs-bzw. Herstellungskosten in Höhe von T€ 605.228,9 (Vorjahr: T€ 603.530,9) aus.

Finanzlage

Der Cashflow und die liquiden Mittel entwickelten sich im Berichtsjahr wie folgt:

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 5
Geldflussrechnung1-12 20251-12 2024
T€T€
Nettogeldfluss aus der betrieblichen Tätigkeit
Ergebnis vor Steuern8,08,0
+/-Abschreibungen/Zuschreibungen auf Vermögensgegenstände des Be-15.210,315.153,5
reichs Investitionstätigkeit
-/+Beteiligungserträge, Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihun--33,8-152,9
gen des Finanzanlagevermögens sowie sonstige Zinsen und ähnliche Er-
träge / Zinsen und ähnliche Aufwendungen
Netto-Geldfluss aus dem betrieblichen Ergebnis15.184,515.008,5
-/+Zunahme / Abnahme der Vorräte, der Forderungen aus Lieferungen und227,5-488,3
Leistungen sowie anderer Aktiva
+/-Zunahme / Abnahme von Rückstellungen-160,7-1.474,4
+/-Zunahme / Abnahme der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistun--2.271,8-3.294,1
gen sowie anderer Passiva
Nettogeldfluss aus der betrieblichen Tätigkeit vor Steuern12.979,49.751,8
-/+Zahlungen / Gutschriften für Ertragsteuern-0,1-0,1
Netto-Geldfluss aus der betrieblichen Tätigkeit12.979,39.751,6
Netto-Geldfluss aus der Investitionstätigkeit
Auszahlungen für Anlagenzugang (ohne Finanzanlagen)-1.724,9-3.230,3
Auszahlungen für Finanzanlagenzugang und sonstige Finanzinvestitionen0,00,0
Einzahlungen aus Beteiligungs-, Zins- und Wertpapiererträgen33,9152,9
Netto-Geldfluss aus der Investitionstätigkeit-1.691,0-3.077,4
Netto-Geldfluss aus der Finanzierungstätigkeit
+/-Sonstige finananzierungsrelevante Einzahlungen / Auszahlungen-11.674,0-6.757,2
Auszahlungen für Zinsen und ähnliche Aufwendungen-0,10,0
Netto-Geldfluss aus der Finanzierungstätigkeit-11.674,1-6.757,2
Zahlungswirksame Veränderung der Zahlungsmittel und Zahlungsmittel--385,8-82,9
äquivalente
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente am Beginn der Periode506,8589,8
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente am Ende der Periode121,0506,8

Wir sind im Cash-Pool unserer Konzernmutter, der TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG, integriert. Über diesen Cash-Pool wird durch die Konzernmutter die kurzfristige Liquidität gesteuert, beschafft und abgesichert.

3. Chancen- und Risikobericht

Unser Jahresabschluss ist im Konzernabschluss unserer Muttergesellschaft, der TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG, zusammengefasst (Vollkonsolidierung gem. §§ 253 ff UGB). Das Mutterunternehmen verfügt über ein Risikomanagementsystem und ein Internes Kontrollsystem, das laufend weiterentwickelt und überwacht wird. Wir sind in diese konzerninternen Systeme eingebunden.

Der wesentliche Werttreiber in unserem Geschäft, der Eigenproduktion von Strom, ist die Hydraulizität, die unmittelbar auf die erzeugte Strommenge wirkt. In einem Trockenjahr wird weniger, in einem Nassjahr mehr Strom erzeugt.

In den Kraftwerksanlagen können durch Störungen, Schäden und Folgeschäden ungeplante Betriebsunterbrechungen auftreten, welche die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens belasten können. Diesen Geschäftsrisiken begegnen wird durch hohe technische Sicherheitsstandards, laufende Instandhaltungsmaßnahmen, regelmäßige Qualitäts- und Wartungskontrollen sowie angemessene Versicherungen.

Rechts- und Regulierungsrisiken können durch Rechtsstreitigkeiten entstehen. Diesen Risiken begegnen wir durch eingehende Analysen und Bewertungen der Sachverhalte und durch Bildung entsprechender Rückstellungen aus möglichen Inanspruchnahmen. Seit 2025 sind wir der Haftpflichtversicherung für Talsperren im Kanton Graubünden beigetreten. Durch diese Pool-Versicherung sind nun Schäden aus einem möglichen Anlageversagen bis zu einem Höchstbetrag abgesichert.

4. Ausblick

Die Produktionsmengen sind maßgeblich von den Zuflussverhältnissen abhängig und können damit von uns nicht unmittelbar beeinflusst werden. Eine Optimierung der Produktionsverhältnisse ist unser Kerngeschäft. Nachdem die erwarteten technischen Anlaufschwierigkeiten weitgehend abgeschlossen sind, wird für die kommenden Jahre mit einer weitgehend planbaren Verfügbarkeit der Anlage und damit einer stabilen Produktion gerechnet. Instandhaltungsmaßnahmen werden fristgerecht geplant und mit den Anteilseignern im Rahmen der Budgetplanungen abgestimmt. Im kommenden Geschäftsjahr werden wir das laufende UVP-Abnahmeverfahren in Österreich und die Kollaudation in der Schweiz gesetzeskonform abarbeiten. In Abstimmung mit den Sachverständigen haben wir der UVP-Behörde bereits entsprechende Überlegungen zur weiteren Verbesserung der Schwall-Sunk-Situation vorgelegt – eine Rückmeldung steht derzeit noch aus. Im Rückstaubereich der Kraftwerksanlage haben sich auf Schweizer Staatsgebiet höhere Geschiebeanlandungen als geplant ergeben. Wir haben die Schweizer Behörden informiert; diese haben den Sachverhalt zur Kenntnis genommen und temporäre Schutzmaßnahmen genehmigt. Wir erwarten keine Belastungen, die über die im Budget vorgesehenen Mittel hinausgehen.

Die Geschäftsführung

Dipl.-Ing. Thomas Höckner

Dipl.-Ing. Michael Grimm

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