Inhaltsverzeichnis
1. Geschäftsverlauf, Geschäftsergebnis und Lage des Unternehmens
Geschäft und Rahmenbedingungen
Die NAWARO ENERGIE Betrieb GmbH betreibt derzeit eine Kraftwärmekopplungsanlage (KWK-Anlagen oder kurz „Holzkraftwerk“) zur Erzeugung von Strom und Wärme im nördlichen Waldviertel am Standort Göpfritz.
Weiters werden seit 2023 zwei Holzgaskraftwerke an den neuen Standorten Perg und Groß Gerungs betrieben.
Am bestehenden Standort Göpfritz werden seit 2023 in einem neu errichteten Pelletswerk Holzpellets hergestellt.
Die NAWARO, als Teil der Energieproduktionsbranche in Osterreich, muss auf die allgemeinen Rahmenbedingungen der Energiewirtschaft, die nicht nur von inländischen und eu-rechtlichen, sondern vielmehr auch von geopolitischen Entwicklungen bestimmt werden, Bedacht nehmen und sich dementsprechend positionieren. Die für NAWARO bedeutenden Absatzmärkte für Strom und Pellets haben sich im Wirtschaftsjahr 2025/26 nach der hochvolatilen Phase in den Jahren 2021 und insbesondere 2022 wieder beruhigt. Der Pelletsmarkt verzeichnete nach einer sehr langen Seitwärtsbewegung am Ende des Geschäftsjahres einen Aufwärtstrend der Preise. Allerdings war der Beschaffungsmarkt im Geschäftsjahr äußerst herausfordernd. Das dritte Jahr der Rezession der österreichischen Wirtschaft macht sich insbesondere im Rohstoffbereich bemerkbar, da geringere Einschnittmengen der Sägewerke zu weniger Rohstoff (Sägespäne und Industriehackgut) bzw. höheren Rohstoffpreisen geführt haben. Am Strommarkt führten insbesondere in den Sommermonaten negative Strompreise zu betriebswirtschaftlich unrentablen Produktionssituationen und infolge Stillstände der KWK Anlage in Göpfritz. Das wirkte sich aufgrund der geringeren Wärmeproduktion auch negativ auf die Pelletsproduktion aus.
Die Strompreise sind nach dem starken Anstieg im Sommer 2022 wieder deutlich gesunken. Dies ist unter anderem eine Folge des Rückganges des Gaspreises auf den internationalen Märkten. Der Krieg in der Ukraine ist defacto eingepreist. Der Irankrieg Ende Februar führte zu steigenden Strompreisen im letzten Quartal des Geschäftsjahres.
Die im Jahr 2024 ergangene Marktprämienverordnung legte den „anzulegenden Wert“ nach dem Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG) mit 149,90 EUR/MWh (Nachfolgeprämie für Anlagen mit Entnahmekondensationsturbine) fest. Obwohl dieser Wert – trotz hoher Inflation in den vergangenen Jahren – somit unter dem Wert eines Gutachtens aus dem Jahr 2023 lag und die It. EAG geforderte Kostendeckung nicht darstellen kann, legte die im 1. Quartal 2026 neu ergangene Verordnung den Wert noch einmal geringer mit 142,70 EUR/MWh fest. Die beiden KWK-Anlagen in Rastenfeld und Altweitra wurden auch im Geschäftsjahr daher nicht in Betrieb genommen bzw. hat die Geschäftsführung beschlossen den Standort Rastenfeld endgültig zu schließen.
Die Entwicklungen am Pelletsmarkt seit dem Herbst 2022 haben sich im Wesentlichen fortgesetzt. Nach der deutlichen Preisreduktion von Oktober 2022 bis April 2023 sind die Preise bis September 2023 wieder gestiegen und ab dann bis zum März 2024 stetig gesunken. Im laufenden Geschäftsjahr gab es eine Seitwärtsbewegung des Preises mit einem ersten leichten Anstieg im März 2025 und anschließender Seitwärtsbewegung bis zum Winter 2025. Der im Vergleich zu den Vorjahren strengere Winter und eine deutlich geringere Einschnittmenge im Kalenderjahr 2025 führten dazu, dass die im Vorjahr gut gefüllten Läger bei Händlern und Kunden leer sind. Unsere Pelletsproduktion wurde daher vollständig vom Absatzmarkt aufgenommen, allerdings konnte die Planproduktionsmenge auf Grund der schwierigen Bedingungen auf der Beschaffungsseite nicht erreicht werden. Der im Jahr 2024 durch gezielte Förderungen der öffentlichen Hand erreichte Absatzhöchststand von rd. 24.000 Pelletskesseln sank im Jahr 2025 nicht zuletzt wegen der Reduktion der Förderungen auf rd. 18.000 Kessel, womit die Nachfrage nach Pellets weiter entsprechend stimuliert wird.
Geschäftsergebnis und Ertragslage
Die Umsatzerlöse stiegen im Jahresvergleich an, vor allem infolge des viermonatigen Stillstandes auf Grund des Brandes des Bandtrockners im Pelletswerk Göpfritz im Vorjahr. Die geplanten Absatzmengen der Holzpellets konnten jedoch (s. oben) nicht erreicht werden, was aufgrund fehlender Deckungsbeiträge zu negativen Ergebnisabweichungen im Unternehmen führte.
Die Umsatzerlöse werden gem. § 279 Z 2 UGB im Firmenbuch nicht offengelegt.
Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) beläuft sich auf TEUR -4.355 (Vorjahr TEUR -1 525) und resultiert im Wesentlichen aus der negativen Planmengenabweichung der Pelletsproduktion.
Vermögens- und Finanzlage
Das Nettoumlaufvermögen beträgt TEUR 1.512 (Vorjahr TEUR 3.882).
Die Eigenkapitalquote liegt bei 38,9% (Vorjahr 66,6%).
Der vereinfacht ermittelte Cash-Flow auf Basis des Fonds der liquiden Mittel (ohne Einbeziehung passivisch ausgewiesener Bankverbindlichkeiten) des Unternehmens beträgt TEUR -1 144 (Vorjahr TEUR -2.271).
Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände sowie die Zahlungsmittel sind mit Buchwerten ausgewiesen. Dem Ausfallsrisiko wird durch ausreichende Wertberichtigungen Rechnung getragen.
Die Stromlieferungen werden über den Stromhandel der Wien Energie GmbH abgerechnet. Der bestehende Kontokorrentkreditrahmen wurde im Herbst 2025 erstmals in Anspruch genommen und Ende Mai 2026 wieder zur Gänze zurückgeführt, sodass auch für das laufende Geschäftsjahr ausreichend Liquidität zur Verfügung steht.
2. Weitere Angaben
a) Voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens
Das Unternehmen erstellt regelmäßig mehrjährige integrierte Unternehmensplanungen. Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen und Planungsprämissen ist für das derzeit laufende Wirtschaftsjahr von keinem positiven Jahresergebnis auszugehen, da die ursprünglich für das Berichtsjahr geplante Investition des Holzgaskraftwerkes am Standort Göpfritz auf Grund langwieriger Behördengenehmigungen erst im Geschäftsjahr 2026/27 realisiert werden wird und die Inbetriebnahme 2027/28 erfolgen wird. Für die nachfolgenden Jahre ergeben die aktuellen Planungen, die in Szenarien (Base-/Worst-/Bestcase) erstellt wurde, wieder positive Ergebnisse in allen drei Szenarien.
b) Forschung und Entwicklung
Im Bereich Forschung und Entwicklung ist unser Unternehmen nicht unmittelbar aktiv tätig.
c) Bestehende Zweigniederlassungen der Gesellschaft
Das Unternehmen betreibt Kraftwerksanlagen in Göpfritz, Perg und Groß Gerungs sowie ein Pelletswerk am bestehenden Standort in Göpfritz. Am Standort Altweitra wurden die Unterlagen für das gewerbe- und das baubehördliche Genehmigungsverfahren für das im Jahr 2022 übernommene unvollendete Pelletswerk eingebracht. Die Genehmigungsbescheide sind mittlerweile erteilt worden.
Am Standort Göpfritz ist die Errichtung eines Holzgaskraftwerkes geplant, welches deutliche Synergien am Standort Göpfritz bringen sollte. Die bau- und gewerbebehördlichen Genehmigungsverfahren sind Ende Jänner 2026 abgeschlossen worden und die Genehmigungsbescheide liegen vor Die Umsetzung des Holzgaskraftwerkes ist im Geschäftsjahr 2026/27, die Inbetriebnahme im Jahr darauf geplant.
Der Standort in Rastenfeld wird geschlossen.
d) Allgemeine Beschreibung der wesentlichen Risiken und des Risikomanagements
Absatzmarkt
NAWARO platziert den Großteil der Stromproduktion über einen Stromhändler am freien Markt. Die Abrechnung erfolgt gemäß Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG). Ein diesbezüglicher Vertrag wurde mit der EAG – Abwicklungsstelle im Vorjahr abgeschlossen.
Seit März 2023 werden im Pelletswerk in Göpfritz Pellets produziert und über Händler verkauft. Aufgrund der oben beschriebenen Rahmenbedingungen konnte die gesamte Produktion abgesetzt werden. Da die Nachfrage unverändert sehr hoch ist, wird das Absatzrisiko aktuell als gering eingeschätzt.
Beschaffungsmarkt
Der Beschaffungsmarkt ist generell durch eine hohe Volatilität, hohe Preise, eine starke Nachfrage und Witterungsabhängigkeit gekennzeichnet. Der Rohstoffeinkauf hat daher unter dem Gesichtspunkt einer kontinuierlichen, ausreichenden Versorgung der Anlagen mit Brennstoff zu auskömmlichen Preisen zu erfolgen.
Den Risiken wird Rechnung getragen, indem ein Mix aus langjährigen Lieferantenbeziehungen mit Rahmenverträgen und immer wieder neuen Lieferanten mit kurzfristigen Verträgen gestaltet wird. Dem Witterungsrisiko wird durch eine regionale Streuung der Lieferanten und deren Forstreviere sowie einer entsprechenden Steuerung der Lagerbestände Rechnung getragen. Der Schadholzanfall ist im laufenden Wirtschaftsjahr aufgrund höherer Niederschläge und niedrigerer Temperaturen geringer geworden. Die konjunkturelle Situation wirkt sich auf die Absatzmöglichkeiten der Holzindustrie und auf deren Rundholzeinkauf und damit auf die Verfügbarkeit der für NAWARO relevanten Holzsortimente aus.
Im Wesentlichen werden Sägespäne und Sägehackgut von Sägewerken für die Produktion der Pellets eingesetzt. Der Rohstoffeinkauf für das Pelletswerk war vor allem durch die konjunkturelle Situation (s. oben) im Sommerhalbjahr nicht zufriedenstellend. Eine kontinuierliche Rohstoffbeschaffung konnte nicht durchgängig – zu akzeptablen Preisen – sichergestellt werden. Produktionsmindermengen im Vergleich zum Plan und negative Ergebnisauswirkungen waren die Folge. Im Winterhalbjahr war die Rohstoffverfügbarkeit gegeben. Der Winter war allerdings im Vergleich zu den Vorjahren unüblich kalt und vor allem feucht. Das führte zu höheren Wassergehalten im Rohstoff. Diese Tatsachen führten dazu, dass die Durchsatzmenge am Bandtrockner des Pelletswerkes technisch bedingt geringer war, was in Folge zu einer geringeren Pelletsproduktion führte Die Kosten und Verfügbarkeit des Rohstoffes sind ein wesentlicher Hebel für die Ertragskraft der NAWARO.
Anlagentechnik
Etwaige technische Risiken, wie z.B. ungeplante Anlagenstillstände, werden durch eine vorausschauende Instandhaltungsstrategie in Abstimmung mit den Herstellern und Serviceunternehmen möglichst hintangehalten. Es bestehen für alle Werke Maschinenbruchund Betriebsunterbrechungsversicherungen.
Rechnungswesen und Controlling
Im Unternehmen sind ein angemessenes Rechnungswesen und ein Controlling implementiert. Monatlich erfolgt ein standardisiertes Reporting aus allen Unternehmensbereichen über wesentliche Vorkommnisse und Entwicklungen. Ebenso wird monatlich ein Soll-Ist-Vergleich und eine Hochrechnung auf das Jahresergebnis, sowie eine Liquiditätsplanung erstellt.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Die im Jänner 2026 in Kraft getretene Marktprämienverordnung zum EAG lässt einen betriebswirtschaftlich sinnvollen Betrieb der KWK Anlagen in Rastenfeld und Altweitra ohne Wärmenutzung nicht zu. Für das Kraftwerk in Rastenfeld konnte trotz intensiver Bemühungen keine Wärmenutzung dargestellt werden. Daher wird das Kraftwerk geschlossen. Das Kraftwerk in Altweitra wird bei einem positiven Business Case mit dem geplanten Pelletswerk Altweitra, welches die Wärme des Kraftwerkes nutzen soll, wieder aktiviert werden.
3. Ausblick
Ab dem Winter 2025 sind die Pelletspreise kontinuierlich gestiegen, um sich auf einem geringfügig niedrigeren Niveau zum Berichtserstellungszeitpunkt saisonbedingt zu stabilisieren. Aufgrund der weiterhin volatilen Märkte, der Auswirkungen der Kriege in der
Ukraine und im Iran sind die zukünftige Mengen- und Preisentwicklung schwierig zu prognostizieren.
Zudem sind etliche Gesetzesmaterien, wie z.B. das angekündigte Erneuerbaren Wärme Gesetzes, das Erneuerbaren Ausbau Beschleunigungs Gesetz sowie eine Novellierung des Erneuerbaren Ausbau Gesetztes noch offen. Wir erwarten Regelungen, welche das Ziel des Ausbaus von „erneuerbarer Energie" unterstützen.
Für den Pelletsabsatz ist überwiegend der Absatz von Pelletskesseln der relevante Treiber. Das aktuelle staatliche Förderprogramm bis 2030 soll den Tausch auf nachhaltige Heizsysteme anreizen. Für 2026 sind rd. 16.000 Neuinstallationen von Pelletskesseln prognostiziert, was ein Marktwachstum um rd. 80.000 to Pellets bedeutet. Vorsichtige Schätzungen gehen bis 2030 von jährlich rd. 12-14.000 neuen Pelletskesseln und damit von einem weiteren Marktwachstum aus.
Die Planungen für das laufende Wirtschaftsjahr sind unter den angenommenen Prämissen negativ, so dass wir für 2026/27 von einer weiteren negativen Entwicklung des Jahresergebnisses, des Cash Flows und des Eigenkapitals aber auf deutlich geringerem Niveau im Vergleich zum abgelaufenen Geschäftsjahr ausgehen.
Die Gesellschafter unterstützen die zukünftigen Investitionen, die in der Mittelfristplanung abgebildet sind und haben zur Liquiditätsstärkung der Muttergesellschaft ein Gesellschafterdarlehen iHv 2,3 Mio. EUR im Mai 2026 gewährt. Zusätzlich wird die Investition in das Holzgaskraftwerk in Göpfritz in der Muttergesellschaft mit 1,8 Mio. EUR Eigenkapital unterstützt werden.
Die Gesellschaft hat über die bereits umgesetzten Investitionen hinaus verschiedene strategische Szenarien entwickelt. Aktuell werden mehrere Investitionsprojekte evaluiert, wobei insbesondere die Nutzung der Wärme der bestehenden Holzkraftwerke im Vordergrund steht. Entscheidungen über die Umsetzung erster Projekte sollen im laufenden Geschäftsjahr fallen.
Die Errichtung eines Holzgaskraftwerks am Standort Göpfritz wird im laufenden Geschäftsjahr umgesetzt.
Die Umsetzung der geplanten Projekte wird gemäß der aktuellen Mittelfristplanung das Unternehmen wieder zurück auf einen positiven Ergebnispfad führen.
Generell wird an der Strategie des Ausbaus der Geschäftsfelder im Bereich „erneuerbarer Energie“, nicht nur im Rahmen der grundlastfähigen Stromproduktion, sondern auch der CO2 neutralen Holzpellets- und als Kuppelprodukt Pflanzenkohleproduktion, die CO2 bindet, festgehalten. Wir erwarten weiterhin einen steigenden Trend der „Energiewende", welchen das Unternehmen vollständig unterstützt.
Zwettl, am 30. Juni 2026
Geschäftsführung