Inhaltsverzeichnis
Bericht zur Lage des Unternehmens im Jahr 2024
1. Bericht über den Geschäftsverlauf und die wirtschaftliche Lage
A, Geschäftsverlauf
Das Geschäftsjahr 2024 war von einem herausfordernden Umfeld in der verarbeiteten europäischen Industrie geprägt, etwaige Rückgänge in Europa konnte Bussetti durch Neugeschäfte kompensieren. Trotz der nach wie vor herrschenden Unsicherheiten, sowohl aufgrund geopolitischer Ereignisse als auch wirtschaftlicher Faktoren, konnte erneut eine positive Geschäftsentwicklung erfolgen und die erfolgreiche Marktausrichtung der Vorjahre weiter fortsetzt werden.
Die strukturellen und strategischen Änderungen der Vorjahre konnten auch im Geschäftsjahr weiter vorangebracht werden und der Fokus auf die Marktentwicklung außerhalb des europäischen Kernmarktes wurde in den Fokus gestellt. Hierzu konnten neue Kooperationen der Vorjahre erste Erfolge vorweisen, wobei stets die langfristigen Ziele und Marktpotenziale im Auge behalten werden.
Weiterhin sehr aktiv betreibt Bussetti daher auch die Suche nach neuen Märkten und neuen Produkten, die unser Portfolio ergänzen, insbesondere wurden die Aktivitäten in Bereichen nachhaltiger Märkte intensiviert, um die zukunftsträchtige Ausrichtung des Unternehmens in den nächsten Jahren zu gewährleisten. Neben den Bemühungen, die Geschäfte auf den Inlandsmärkten auszubauen bzw. zu halten, liegt der Fokus klar auf dem Export, wo wir den systematischen Aufbau neuer Märkte mit eigenem Personal bzw. Händlern und Vertriebspartner intensiv vorantreiben.
Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten in der Eurozone und schwächerem Wachstum in einigen Kernmärkten blieb Europa unser bedeutendster Markt. Aufgrund teilweise auferlegter oder in naher Zukunft geplanter Konjunkturprogramme in einigen Mitgliedstaaten der EU, ist mit einer Belebung der wirtschaftlichen Industrieaktivitäten im Jahr 2026 zu rechnen. Auch das Überangebot an Chemikalien aus Asien, welche nach Europa exportiert werden, flacht auch aufgrund regulatorischer Eingriffe langsam ab und sollte die produzierende Chemieindustrie in Europa wieder stärken. Asien verzeichnete ein dynamisches Umsatzwachstum, angetrieben durch eine hohe Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen in den Bereichen der
Holzwerkstoff- und Zellstoffindustrie. Diese Marktregion wird auch in den Folgejahren zu wesentlichen Neugeschäften beitragen. In Amerika und Afrika konnten wir unser Geschäft trotz wirtschaftlicher und politischer Herausforderungen ausbauen. Beide Regionen bieten mittel- bis langfristig Potenzial durch die zunehmende Industrialisierung und den Bedarf an Spezialchemikalien, wobei in der langfristigen Prognose davon auszugehen ist, das zunehmend regional für regionale Märkte produziert wird. Bussetti versucht daher globale Produktionsmöglichkeiten aufzubauen und zu nutzen, um das bestehende Know-How auch in Zukunft global vermarkten zu können.
Der Investitionsschwerpunkt im Geschäftsjahr 2024 hat sich auf die Sanierung der Büro- und Betriebsinfrastruktur und die Modernisierung der bestehenden Anlagen gerichtet. Es wurden auch mit dem Ausbau der Produktions- und Lagerkapazitäten begonnen und erste Digitalisierungsprojekte abgeschlossen. Für die Folgejahren ist weiterhin der Neubau bestehender Anlagen geplant, wodurch sowohl die Produktions- als auch die Lagerkapazitäten von Bussetti erweitert werden und die Produktionseffizienz erhöht werden sollen.
Neuerlich sei auf die hohe administrative Belastung hingewiesen, die die Erfüllung rechtlicher Normen und Bestimmungen in der chemischen Industrie mit sich bringt.
Es handelt sich dabei um sechs Aufgabenbereiche:
a) IPPC-Verordnung: (Integrated Pollution Prävention and Control) Die Beschäftigung mit dieser Verordnung brachte 2018 umfangreiche Arbeiten und Abstimmungen mit Behörden nach sich, die in einem Konzept und Maßnahmenpaket zur Modernisierung der Infrastruktur mündeten. Diese Arbeiten und Abstimmungen sind 2021 noch immer im Behördenkontakt anhängig. b) VEXAT- und VbF- Verordnung: laufende Prüfung aller Produkte und Produktionsschritte hinsichtlich Bildung explosionsgeneigter Atmosphären, setzen von Infrastrukturmaßnahmen, organisatorische Abstimmungen und Schulung des Personals. c) CLP-VO EC 1272/2008: Umstellung aller Etikettierungen in verschiedene Sprachen. Dies stellt eine starke Belastung vor allem des Labors dar und erfordert darüber hinaus großen Programmieraufwand im ERP-System. Der Artikel 45 der CLP-VO wurde durch EC 542/2017 geändert, Meldung an die
Vergiftungsinformationszentralen, erfordert eine Projektaufsetzung und umgreifende Anderungen im Chemikalienmanagement des Betriebes.
d) eSDBL – erweiterte Sicherheitsdatenblätter im Gefolge von REACH und CLP-VO. So umfassen manche eSDBLs 2000 DIN-A4 Seiten. Formal müssen für jedes Produkt auf dem Weg von Osterreich z.B. nach Schweden Sicherheitsdatenblätter in der jeweiligen Transportlandessprache mitgeführt werden. e) GewO §82b: Jeder Betrieb ist verpflichtet, seine betriebliche Tätigkeit hinsichtlich Übereinstimmung mit von der Behörde gewährten Genehmigungen zu überwachen. Bei einem Betrieb, dessen Ursprungsgenehmigung aus 1930 stammt, stellt dies eine umfassende Aufgabe dar. f) Ansuchen auf Anderungen der Betriebsanlagengenehmigung, Zusammenstellung notwendiger Einreichunterlagen, Behördenkontakt bei diversen baulichen Anderungen und setzen von Maßnahmen im Bereich der Umwelt, Weiterentwicklung des Chemikalienmanagements, neue wiederkehrende Prüfpflichten in Betrieb umsetzen, CMR-Stoffe und Anderung des Arbeitnehmerschutzes.
Auch im Geschäftsjahr 2024 hat die Einhaltung dieser Bestimmungen beträchtliche Ressourcen gebunden und im Zuge der in die Wege geleiteten Kapazitätserweiterungs- und Infrastrukturmaßnahmen waren eine Reihe von Genehmigungsverfahren und Einreichungen notwendig bzw. vorgeschrieben. Auch wenn alle Behördenmitarbeiter durchwegs Kooperation zeigen, so muss hier auf die hohe finanzielle und personelle Belastung für ein KMU hingewiesen werden, die das Aufrechterhalten der „Legal Compliance“ mit sich bringt, wobei hier vor allem die Kosten für die Nachhaltigkeitsberichtserstattung und die Umsetzung der umweltpolitischen Vorgaben in den Mittelpunkt rücken.
B, Zweigniederlassung
Bussetti hat im Jahr 2024 neben dem Hauptsitz in Wien einen Produktionsstandort in Marchtrenk, an welchem alle wesentlichen Erzeugungen vorgenommen werden. Die im Jahr 2023 gestartete Modernisierungsoffensive wurde im Geschäftsjahr weiter fortgeführt, unter anderem wurden Maßnahmen zur Optimierung des Energiekonzepts getroffen und damit begonnen ein zukunftsfähiges digitalisiertes Standortkonzept zu erarbeiten.
C, Forschung und Entwicklung
Die Steigerung der Forschungstätigkeiten stellt eines der Kernthemen der künftigen strategischen Ausrichtung von Bussetti dar. Hierfür wurden auch im Geschäftsjahr die
Investitionen in die Entwicklungsinfrastruktur gesteigert und mit der Planung modernisierter Forschungsräumlichkeiten begonnen.
Die in den Vorjahren gestarteten
Entwicklungspartnerschaften, insbesondere in den Bereichen der Papier- und Holzwerkstoffindustrie, konnten erfolgreich weitergeführt und erweitert werden.
D, Finanzielle und nichtfinanzielle Leistungsindikatoren
Die wesentlichen finanziellen Leistungsindikatoren entwickelten sich wie folgt:
| 2024 | 2023 | 2022 | 2021 | 2020 | |
|---|---|---|---|---|---|
| TEUR | TEUR | TEUR | TEUR | TEUR | |
| Betriebsleistung | 32.980 | 33.649 | 38.242 | 29.689 | 24.612 |
| EBITDA | 3.094 | 3.697 | 3.543 | 1.715 | 2.353 |
| Eigenkapital | 9.597 | 7.822 | 5.733 | 3.625 | 5.069 |
Die Eigenkapitalquote konnte auf 58,21% (VJ 56,87%) zum Ende des Geschäftsjahres 2024 gesteigert werden, was vor allem auf die positive operative Geschäftsentwicklung zurück zu führen ist.
Die Nettoverschuldung konnte im Geschäftsjahr auf TEUR 498 (VJ TEUR 2.422) gesenkt werden, die Umsatzrentabilität im Jahr 2023 erreichte 7,46% (VJ 8,82%) und die Gesamtrentabilität 10,77% (VJ 15,19%).
II. Ausblick auf das Geschäftsjahr 2026
In der Vorschau auf das Geschäftsjahr 2026 wird mit einem zwischen 60 und 80 USD schwankenden Olpreis und nach einer Stabilisierung mit wieder steigenden Rohstoffpreisen geplant. Für unsere Prognose nehmen wir an, dass der Krieg in der Ukraine andauern, jedoch keinen direkten Einfluss auf die bestehenden Geschäftstätigkeiten haben wird, wobei die weitere Entwicklung des Kriegs in der Ukraine und ihre Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum nach wie vor mit hoher Unsicherheit behaftet sind.
Die gesunkenen Zinsen werden von unserer Seite positiv beurteilt, da angesichts der anstehenden Anlageninvestitionen somit mit geringeren Finanzierungskosten gerechnet wird und ein größerer Investitionsspielraum besteht.
Das Absatzvolumen kann im Geschäftsjahr 2025 stabil gehalten werden, was angesichts der wirtschaftlichen industriellen Flaute in unserem Kernmarkt Europa als Erfolg angesehen wird. Für die Folgejahre erwarten wir aufgrund der bestehenden Kooperationen ein Mengenwachstum, welches vor allem im asiatischen Raum erwirtschaftet wird. Die steigende Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten und nachhaltigen Chemikalien bietet erhebliche Wachstumschancen, welche mit innovativen Produkten genutzt werden sollen.
Aufgrund der bereiten Aufstellung von Bussetti und den Hauptmärkten Biotechnologie, Holzwerkstoffe und Papier werden sich die negativen Auswirkungen wirtschafts- und geopolitischer Konflikte voraussichtlich nur begrenzt auf den wirtschaftlichen Erfolg von Bussetti niederschlagen. Unsere laufende Digitalisierungsprojekte zur Effizienzsteigerung und Automatisierung soll langfristig erhebliche Kosteneinsparungen und Wettbewerbsvorteile generieren.
Wien, am
Rötzergasse 57 1170 Wien / Vienna Die Geschäftsführung der BUSSETTI & CO Gesellschaft m.b.H.