Inhaltsverzeichnis
1. Das Unternehmen
Grafenegg Kulturbetriebsgesellschaft m.b.H. (kurz „GRAF”) ist eine mehrheitliche Tochtergesellschaft der NÖ Kulturwirtschaft GesmbH. Die Gesellschafter und deren Anteile an der Gesellschaft sind: NÖ Kulturwirtschaft GesmbH. (70,00 %), Tassilo Metternich-Sandor 26,00%), Marktgemeinde Grafenwörth am Kamp und Marktgemeinde Grafenegg (je 2,00 %).
Die Grafenegg Kulturbetriebsgesellschaft m.b.H. veranstaltet (vorwiegend) klassische Konzerte auf der Open-Air-Bühne Wolkenturm, im Auditorium, (nach Fertigstellung des Umbaus bzw. Sanierung), in der alte Reitschule (ab 2026 mit dem neuen Rudolf-Buchbinder-Saal) und im Schlosshof. Als Gastgeber verschiedener Ensembles, Großveranstaltungen (wie Grafenegg Advent, Familientag) sowie temporäre Vermietungen stehen darüber hinaus das Schloss (Prunkräume und Probenräume), Alte Scheune, Gartenpavillon sowie das gesamte Parkareal zur Verfügung. Die ehemalige Schlosstaverne, der Picknickpavillon, die open-Air-Bar „Wolke 7“ sowie die Cottages werden zur Bewirtschaftung an einen professionellen Betreiber weiterverpachtet. Sämtliche Liegenschaften sind langfristig (bis 2070) gepachtet.
Weiters betreibt die Gesellschaft neben der Verkaufsstelle Grafenegg ein Kartenbüro in Wien (Herrengasse 10, 1010 Wien), in dem Karten für Eigenveranstaltungen und Fremdveranstaltungen von GRAF, Eigenveranstaltungen der Festspiele Reichenau und des Tonkünstler Orchesters Niederösterreich vertrieben werden.
2. Das Geschäftsjahr der GRAF
2.1. Rahmenbedingungen
Die Gesellschaft finanziert sich über Eigenerlöse und Förderungen, die zum überwiegenden Teil vom Land Niederösterreich gewährt werden (neben Förderungen des Bundes, der Gemeinde Grafenegg und sonstiger Förderungen).
Die rechtliche Grundlage für die Landesförderung bildet ein unbefristeter Fördervertrag der NÖKU- Gruppe mit dem Land Niederösterreich, der ausgehend von einer fixierten Basissumme der Förderung, die Modalitäten für Aufstockungen der Fördersumme (Indexierungen, außerordentliche Erhöhungen) und die Bildung von finanziellen Reserven (Rücklagen, Vortrag nicht verbrauchter Fördermittel) enthält. Dieser Fördervertrag ermöglicht der NÖKU-Gruppe mittelfristig zu planen und mehrjährige Verpflichtungen einzugehen, wie sie im Kunst- und Kulturbetrieb unerlässlich sind. Die Fördermittelzuteilung aus diesem zentralen Fördervertrag obliegt der NÖKU-Holding, die diese auf Basis der Mittelfristplanung und der dort abgestimmten Sonderprojekte in Abstimmung mit der Gesellschaft im jeweiligen Konzern-Budget festlegt.
Die Eigenerlöse stammen überwiegend aus dem Kartenerlös für Eigenveranstaltungen. Traditionell ist auch der Anteil an Sponsoringerlösen sehr hoch. In den letzten Jahren hat sich zunehmend auch der Vermietungsbereich (für Fremdveranstaltungen) sehr dynamisch entwickelt.
Das Geschäftsjahr war insbesondere durch die Sanierung der alten Reitschule geprägt, wodurch die bislang für Vermietungen bestgebuchte Location ganzjährig nicht zur Verfügung stand. Und selbst
das Auditorium, die größte Indoor-Spielstätte, stand durch den baulichen Anschluss drei Monate nicht zur Verfügung. Um für die im Schlosshof regelmäßig angesetzten kammermusikalischen Formate eine Schlechtwetteralternative anbieten zu können, mussten umfangreiche technische Anpassungen in den Prunkräumen und Proberäumen des Schlosses umgesetzt werden.
2.2. Geschäftsentwicklung
2.2.1. Bericht über den Geschäftsverlauf und finanzielle Leistungsindikatoren
In der nachfolgenden Tabelle ist die Zusammensetzung der Eigenerlöse ersichtlich.
| Zusammensetzung Eigenerlöse (in €) | 2025 | 2024 |
|---|---|---|
| Erlöse Kartenverkauf | 2.766.499,53 | 2.504.180,04 |
| Erlöse Leistungsverrechnung | 151.804,79 | 120.846,77 |
| Erlöse Projektbegleitend | 69.867,53 | 80.746,64 |
| Erlöse Produktionskostenbeteiligung | 107.500,00 | 115.898,21 |
| Erlöse Vermietungen | 1.315.034,14 | 1.541.435,35 |
| Erlöse Handelswaren | 3.720,22 | 2.226,75 |
| Erlöse Sponsoring | 1.055.011,08 | 1.017.033,34 |
| Erlöse Sonstige Verrechnungen | 350.716,86 | 323.207,37 |
| Umsatzerlöse | 5.820.154,15 | 5.705.574,47 |
| sonst. Erträge (exkl. Aufl. RL Zuschuss f. getätigte Invest.) | 436.062,58 | 159.465,11 |
| Eigenerlöse | 6.256.216,73 | 5.865.039,58 |
| Beiträge der öffentlichen Hand | 5.506.442,25 | 6.788.026,31 |
| Eigendeckung | 52% | 46% |
Die Erlöse aus dem Kartenverkauf erreichten im Geschäftsjahr den höchsten Wert der Unternehmensgeschichte. Getragen wurde dieser Erfolg vor allem durch Rekordbesuche beim Grafenegg Festival und beim Grafenegg Advent.
Durch eine gezielte Vermarktung der Open-Air-Bühne Wolkenturm für Fremdveranstaltungen konnte der Erlösausfall bei Vermietungen durch den Umbau alten Reitschule, der am häufigsten genutzten Spielstätte, weitgehend kompensiert werden.
Insgesamt konnten so die Umsatz- und Eigenerlöse auf einen historischen Höchststand gesteigert werden.
Der betriebliche Aufwand 2025 liegt mit € 12.924.047,27 um € 816.166,86 unter dem Vorjahr. Dies entspricht einer Reduktion um rd. 5,9%, welche Großteils auf eine Sonderdotierung des Reparaturfonds im Jahr 2024 zurückzuführen ist.
Die Eigendeckung steigt somit sowohl durch Steigerung der Eigenerlöse, also auch durch eine Reduktion des betrieblichen Aufwandes auf 52%.
2.2.2. Bericht über die wirtschaftliche Lage
Die wirtschaftliche Lage der Gesellschaft ist – trotz sich verschlechterndem Marktumfeld – insgesamt weiterhin sehr solide und hat sich dank der vorsichtigen Planungen der letzten Jahre, aber nicht zuletzt durch das weiterhin intakte Commitment der Kulturpolitik als krisenfest herausgestellt.
Für die Instandhaltungsverpflichtung der Gesellschaft für die gepachteten Immobilien wird mittels einer Rückstellung („Reparaturfonds“) Vorsorge getroffen. Diese wurde 2025 um € 795.887,91 auf € 6.385.887,91 erhöht.
Die GRAF weist per 31.12.2025 außerhalb des Bauprojektes eine passive Rechnungsabgrenzung im Sinne zweckgewidmeter, noch unverbrauchter Fördermittel des Landes NÖ (It. NÖKU Fördervertrag) in der Höhe von € 1.347.102,91 aus. Davon decken € 861.037,03 künftige, aber bereits vorab bezahlte Mieten für Schlossräumlichkeiten, € 236.065,88 noch nicht abgeschlossene Investitionen sowie € 250.000 künstlerische Projekte des Jubiläumsjahres 2026. Darüber wurden für das Bauprojekt ausbezahlte Fördermittel in Höhe von € 3.315.036,06 in das Folgejahr fortgeschrieben.
Die Eigenkapitalquote liegt mit 10,3 % im Rahmen des vertraglich definierten Rahmens (laut Fördervertrag minimale EK-Quote gem. URG 8 %, maximale Eigenkapitalquote von 15 %, VJ: 10,4%)
2.2.3. Nicht-finanzielle Leistungsindikatoren
Im Kalenderjahr 2025 konnten bei Eigenveranstaltungen insgesamt 90.617 Besucher:innen begrüßt werden (VJ: 85.542). 48.771 (VJ: 48.795) besuchten die 38 (VJ: 40) Konzerte. Der Grafenegg Advent zählte 37.719 Besucher:innen (VJ: 31.332).
Die übrigen Besucher:innen interessierten sich für Angebote, die sich an den Nachwuchs des klassischen Konzertbetriebs richtete:
| Die Programme der Exzellenzförderung wie | |
|---|---|
| - | die „Grafenegg Academy“ für junge Berufsmusiker:innen, |
| - | der Composer-Conductor Workshop „,Ink Still Wet“, |
| - | die Talenteschmiede für junge professionelle Kammermusikensembles „European Chamber |
| Music Association“ oder | |
| - | das „Jugendsinfonieorchester NÖ“, |
die ihre musikalischen Fertigkeiten am Standort vertieften und zur Aufführung brachten. Hierbei steht nicht die Besucherquote im Fokus, sondern die Qualität der Arbeit, der nachhaltige Imageaufbau, und eine (internationale) Aufmerksamkeit in Fachkreisen: 179 internationale Bewerbungen auf 5 zu vergebende Plätze bei „Ink Still Wet“ sowie 404 internationale Bewerbungen auf 61 zu vergebende Plätze für die „Grafenegg Academy” im Geschäftsjahr sprechen dazu eine klare Sprache.
Die Vermittlungsprogramme wie
| - | Konzerte für Kinder und Jugendliche sowie |
|---|---|
| - | der jährliche Familientag |
| - | Rahmenprogramme des Grafenegg Advents |
bringen das Publikum von morgen zu den Aufführungsorten der arrivierten Klassik-Interpreten. Darüber hinaus lockten 104 (VJ: 107) Fremdveranstaltungen weitere 96.412 (VJ: 110.709) Besucher:innen nach Grafenegg, 2.505 (VJ. 5.821) besichtigten das Schloss.
Am Standort Grafenegg wurden im Geschäftsjahr somit 189.534 Besucher:innen (VJ: 202.072) registriert, die kulturtouristische Bedeutung geht jedoch aufgrund des frei zugänglichen Schlossparks darüber hinaus.
2.2.4. Bedeutende Umbaumaßnahmen
Im Jahr 2025 wurde der Großteil der Umbaumaßnahmen betreffend alte Reitschule plan- und budgetkonform umgesetzt. Die Übergabe erfolgte am 13.4.2026, die offizielle Eröffnung ist Ende Mai geplant.
2026 sollen weitere Bereiche der Parkmauer saniert werden.
2.3. Bedeutende Personalangelegenheiten
Johannes Neubert wird mit Herbst 2026 die Stelle als künstlerischer Leiter antreten.
2.4. Weitere bedeutende Ereignisse
Es fanden keine Ereignisse von besonderer Bedeutung im Sinne des § 243 Abs 3 Z 1 statt.
2.5. Zweigniederlassungen
Die GRAF verfügt über eine Zweigniederlassung (im Sinne des § 243 Abs 3 Z 4 UGB) in St. Pölten, Kulturbezirk 2.
3. Voraussichtliche Entwicklung und Risiken
3.1. Voraussichtliche Entwicklung - Prognosebericht
Mit der 20. (Jubiläums-)Saison in Grafenegg, der gleichzeitig letzten unter der Federführung des künstlerischen Leiters Rudolf Buchbinder, und der Eröffnung des zu seinen Ehren benannten neuen Rudolf Buchbinder Saals wird Grafenegg 2026 noch einmal in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit rücken.
Danach beginnt eine neue Ära mit neuem künstlerischen Leiter, der sich mit seinem Programm erst am Markt profilieren muss.
Mit dem Umbau der alten Reitschule entsteht neben einem akustisch hervorragenden Kammermusiksaal auch ein großzügiges Foyer und ein neuer Seminarraum. Weitere attraktive historische Räumlichkeiten werden von ihren typischen Funktionen befreit und stehen nun zusätzlich für Besucherfrequenz bzw. Vermietung zur Verfügung.
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3.2. Wesentliche Risiken und Ungewissheiten
Die für einen Kulturbetrieb äußerst gute Eigendeckung durch Kartenverkauf, Sponsoringerlöse und Vermietungen birgt naturgemäß auch höhere Risken und eine stärkere direkte Abhängigkeit von gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen. Die Akquise von Sponsoringmittel gestaltet sich durch eine grundsätzliche Veränderung des Sponsoringmarktes, durch Spardruck in vielen privatwirtschaftlichen Unternehmen sowie durch anhaltende Verschärfung gesetzlicher Bestimmungen immer schwieriger. Es ist daher fraglich, ob dieser (aktuell im Konzern absolut und relativ höchste) Beitrag mittelfristig gehalten werden kann.
Der Konsolidierungsbedarf der öffentlichen Haushalte und die daraus resultierenden Sparpakete werden auch die GRAF treffen. Ab 2026 sinken die Fördermittel des Bundes bereits drastisch, beim Land NÖ ist ab 2027 mit Einsparungsmaßnahmen zu rechnen. In der Mittelfristplanung sind daher bereits Reduktionen des Projektbudgets eingeplant. Da die Planungszyklen im Bereich der klassischen Musik ca. drei bis vier Jahre vorausgehen, müssen budgetäre Entscheidungen somit spätestens zwei Jahre vor einer Veranstaltung getroffen sein.
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In Zeiten des Klimawandels und steigender Energiepreise wächst die Bedeutung einer guten öffentlichen Anbindung. Grafenegg steht für naturnahes Erleben und ist damit nicht direkt an die Metropolen angeschlossen. Dieser Standortnachteil soll zwar mit gezielten Mobilitätsangeboten abgefedert werden, im Falle einer niedrigeren Mobilität der Besucher:innen könnte die Akzeptanz aber nachhaltig sinken.
3.3. Ereignisse von besonderer Bedeutung nach dem Bilanzstichtag
Es gab keine Ereignisse von besonderer Bedeutung nach dem Bilanzstichtag.
4. Bericht über die Forschung und Entwicklung
Die GRAF betreibt keine Forschung und Entwicklung im Sinne des § 243 Abs 3 Z 2 UGB.
5. Bericht über den Bestand sowie den Erwerb und die Veräußerung eigener Anteile Die GRAF über keine eigenen Anteile im Bestand im Sinne des § 243 Abs 3 Z 3 UGB.
Grafenegg, 27. Mai 2026
Simone Bamberg M. A.
MMag. Johannes Sterkl
Die Geschäftsführung der Grafenegg Kulturbetriebsgesellschaft m.b.H.