Inhaltsverzeichnis
1. Bericht über den Geschäftsverlauf und die wirtschaftliche Lage
Wirtschaftliche Lage
Der globale CAD/CAM-Markt für zahnmedizinische Anwendungen wurde im Jahr 2024 auf rund USD 2,8 Milliarden geschätzt und dürfte im Jahr 2025 auf etwa USD 3,1 Milliarden anwachsen. Für die kommenden Jahre wird weiterhin ein nachhaltiges Marktwachstum mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 8 % bis 9 % erwartet. Europa stellt weiterhin einen bedeutenden Absatzmarkt dar, während die USA das größte Einzelmarktsegment bilden.
Der Markt für zahnmedizinische Geräte und Verbrauchsmaterialien wird unverändert durch strukturelle Wachstumstreiber getragen. Dazu zählen insbesondere die steigende Prävalenz von Zahnerkrankungen, die demografische Entwicklung hin zu einer älteren Bevölkerung sowie eine weiterhin hohe Nachfrage nach ästhetischen Behandlungen. Parallel dazu schreitet die Digitalisierung der Zahnmedizin weiter voran, wodurch CAD/CAM-Systeme, 3D-Drucktechnologien und digitale Scanlösungen zunehmend integraler Bestandteil moderner Behandlungsprozesse werden.
Seit dem Jahr 2023 wurde die Marktentwicklung jedoch durch makroökonomische Einflussfaktoren gedämpft. Insbesondere das erhöhte Zinsniveau, inflationsbedingte Kaufkraftverluste sowie geopolitische Unsicherheiten führten zu einer zurückhaltenden Investitionsbereitschaft bei Zahnarztpraxen und Dentallaboren, vor allem im Bereich kapitalintensiver Systeme. Gleichzeitig zeigte sich eine temporäre Nachfrageverschiebung hin zu medizinisch notwendigen Behandlungen, während ästhetische Leistungen teilweise zurückgestellt wurden.
Obwohl sich das Inflationsumfeld im Jahr 2025 graduell stabilisierte, blieb die Preissensibilität der Kunden auf erhöhtem Niveau, was insbesondere Anbieter im Premiumsegment belastete. Gleichzeitig besteht eine wachsende Nachfrage nach integrierten digitalen Gesamtlösungen. Insgesamt zeigt der Markt trotz eines herausfordernden Umfelds weiterhin eine positive strukturelle Entwicklung.
Geschäftsverlauf 2025
Im Jahr 2025 verzeichnete die Gesellschaft einen leichten Umsatzanstieg von insgesamt €0,8m von €93,4m auf €94,2m. Hauptgrunde für den Anstieg war das starke Wachstum in Nord Amerika.
Das Berichtsjahr war geprägt durch die Fortführung des im Vorjahr ausgelösten Transformationsprozesses, welcher auf der Kostenseite zu signifikanten operativen Einsparungen führte. Gleichzeitig fielen im Berichtsjahr im Zuge der Transformation Einmalkosten im hohen einstelligen Millionenbereich an.
Per Mitte 2024 konnte auf Gruppenstufe eine längerfristige Neuregelung der Gesamtfinanzierung mit den kreditgebenden Banken getroffen werden. Für weiterführende Informationen dazu wird auf die Angaben im Anhang (Punkt „V. Sonstige Angaben) verwiesen.
Im Geschäftsjahr 2025 als auch im Vorjahr bestanden keine Zweigniederlassungen.
Ergebnis- und Bilanzanalyse
Die Amann Girrbach AG erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von TEUR 94.178 (Vorjahr TEUR 93.406). Die Betriebsleistung belief sich auf TEUR 95.436, was einem Anstieg um TEUR 4.567 bzw. 5% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die sonstigen betrieblichen Erträge erhöhten sich von TEUR 1.667 im Vorjahr auf TEUR 3.108. Aus diesem Grund ist die Vergleichbarkeit der Bruttomarge (Rohertrag im Verhältnis zur Betriebsleistung) erschwert.
Der Personalaufwand sank um 3,5% bzw. TEUR 720 (TEUR 20.427 gegenüber TEUR 21.148 im Vorjahr). Der durchschnittliche Personalstand belief sich im Geschäftsjahr auf 227 Vollzeitmitarbeiter (Vorjahr 232 FTE). Insgesamt waren 10 Lehrlinge in Ausbildung. Die durchschnittliche Fluktuationsrate sank von 11,0% im Geschäftsjahr 2024 auf 9,0% im Geschäftsjahr 2025. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen sanken um TEUR 6.461 auf TEUR 22.776.
Die Abschreibungen auf das immaterielle Anlagevermögen sowie Sachanlagen lagen mit TEUR 4.227 (Vorjahr TEUR 6.019) um 30% unter dem Vorjahreswert. Das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) belief sich auf TEUR 4.319 (Vorjahr TEUR -13.279). Die Entwicklung ist im Wesentlichen auf den Anstieg der Umsatzerlöse und Kosteneinsparungen zurückzuführen.
Im Jahr 2025 fielen keine einmaligen Wertberichtigungen auf dem Buchwert der Beteiligungen und Anteilen an verbundenen Unternehmen (Vorjahr TEUR 3.422) an.
Die Umsatzrentabilität (Verhältnis Ergebnis vor Steuern zu Umsatzerlösen) lag bei +1,1% nach -19,8% im Jahr 2024. Die Eigenkapitalrentabilität (Ergebnis vor Steuern durch Eigenkapital) zum Bilanzstichtag beträgt +12,3% (Vorjahr -116,6%). Die Gesamtkapitalrentabilität beträgt zum Bilanzstichtag 1,3% (Vorjahr -23,3%). Der Jahresgewinn betrug TEUR 955 (Vorjahr TEUR -15.854). Die operative Verbesserung, die Optimierung der Kostenstruktur und die im Jahr 2024 durchgeführte Restrukturierung und Rekapitalisierung im Bereich der Finanzierung, sind eine solide Basis für die zukünftige positive Entwicklung aller drei Rentabilitätsgrößen.
Das Vorratsvermögen erhöhte sich um TEUR 1.719 auf TEUR 16.204 (Vorjahr TEUR 14.485). Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen reduzierten sich um TEUR 1.217 auf TEUR 8.142 (Vorjahr TEUR 9.359). Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen verringerten sich um TEUR 2.560 auf TEUR 3.883 (Vorjahr TEUR 6.443). Das Working Capital (kurzfristiges Umlaufvermögen abzüglich kurzfristigem Fremdkapital) erhöhte sich um TEUR 6.032 auf TEUR -15.613 (Vorjahr TEUR -21.645). Die Liquidität belief sich auf TEUR 3.485 (Vorjahr TEUR 5.473). Die Nettoverschuldung (liquide Mittel nach Abzug des verzinslichen Fremdkapitals) beträgt zum Bilanzstichtag TEUR -55.242 (Vorjahr TEUR - 43.806). Die Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr ist auf den Anstieg des Darlehens gegenüber der Amann Girrbach Holding zurückzuführen. Die Eigenkapitalquote erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 6,4% auf nunmehr 10,2% (Vorjahr 9,68%). Die Entwicklung ist auf das positive Jahresergebnis zurückzuführen.
Der Cashflow aus der operativen Geschäftstätigkeit beträgt für das Geschäftsjahr 2025 TEUR -8.287 (Vorjahr TEUR -3.237). Die Veränderung resultiert im Wesentlichen aus dem Anstieg des Working Capital. Der Cashflow aus der Investitionstätigkeit beläuft sich auf TEUR -1.175 (Vorjahr TEUR -5.838). Der Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit beträgt TEUR 7.474 (Vorjahr TEUR 12.409).
Nicht Finanzielle Leistungsindikatoren
Soziale Auswirkungen stehen im Mittelpunkt des Geschäftskonzepts von Amann Girrbach, da das Unternehmen innovative Produkte herstellt, die die Mund- und Zahngesundheit von Menschen auf der ganzen Welt verbessern. Amann Girrbach setzt sich insbesondere für die Qualität und Sicherheit seiner Produkte ein und findet neue Wege, um die Kreislaufwirtschaft zu verbessern und seinen ökologischen Fußabdruck zu verringern.
Aus ökologischer Sicht legt man Wert auf Langlebigkeit, Recyclingfähigkeit, Wiederverwendbarkeit und Reparierbarkeit. Die Recyclingquote der Produkte liegt bei über 50%. Das Unternehmen bietet Rücknahme-, Reparatur- und Aufarbeitungsdienste an. Investitionen in Technologie zur
Kommunikation mit Kunden und die Entwicklung von Prozessen zur Verbesserung der Wiederverwertbarkeit von Materialien sind Beispiele dafür, wie das Unternehmen Umweltfaktoren einbezieht. Das neue, moderne Gebäude erfüllt umfassende Nachhaltigkeitskriterien und wurde nach dem neuesten Stand der Technik errichtet. Dadurch konnte insbesondere durch die Umstellung von Gasheizungen zu einem effizienten Wärmepumpensystem im Jahr 2025 eine Reduktion von 50% im Gasverbrauch erzielt werden und somit die direkten Emissionen deutlich gesenkt werden. Insgesamt führten diverse Maßnahmen zu einer Reduktion der betrieblichen Treibhausgasemissionen von etwa 7% gegenüber Vorjahr. Die Beschaffung von Strom aus erneuerbaren Energien bleibt mit 93% hoch. Mit neuen Erkenntnissen über die Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist das Unternehmen in der Lage, zusätzliche Reduktionsziele festzulegen.
In Bezug auf soziale Aspekte stellt Amann Girrbach sicher, dass alle Produkte höchsten Sicherheits- und Qualitätsanforderungen entsprechen. Grundlage dafür sind ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem, transparente Reklamationsprozesse sowie die konsequente Einhaltung der REACH- und RoHS 2-Verordnungen. Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen spiegelt sich in der rückläufigen Zahl an Kundenbeschwerden um 15% im vergangenen Jahr wider. Die laufenden Initiativen orientieren sich an anerkannten Standards und zukünftigen regulatorischen Anforderungen. Im Jahr 2025 wurde insbesondere an einer Stärkung des Lieferkettenmanagement gearbeitet. Im kommenden Jahr liegt der Fokus weiterhin auf der Konzeptionierung einer Nachhaltigkeitsstrategie sowie der fortlaufenden Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsberichterstattung auf Basis etablierter Berichtsstandards.
2. Bericht über die voraussichtliche Entwicklung und Risiken des Unternehmens Die globale wirtschaftliche Situation im Jahr 2025 war weiterhin von geopolitischen Spannungen, erhöhter Unsicherheit sowie einer insgesamt verhaltenen konjunkturellen Dynamik geprägt. Trotz dieser Rahmenbedingungen zeigt sich der Dentalmarkt insgesamt robust und weist weiterhin eine positive strukturelle Wachstumsdynamik auf. Für den relevanten Markt wird für die kommenden Jahre ein durchschnittliches jährliches Wachstum im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich erwartet.
Das CAD/CAM-Segment hat sich auch im Jahr 2025 weiterhin dynamischer als andere Teilbereiche entwickelt und seinen Anteil am Gesamtmarkt weiter ausgebaut. Die zunehmende Verbreitung digitaler Technologien, insbesondere in entwickelten Märkten, unterstützt diese Entwicklung, da CAD/CAM-Systeme Effizienzsteigerungen sowie verbesserte Präzision in zahnmedizinischen
Anwendungen ermöglichen. Zu den wesentlichen strukturellen Wachstumstreibern zählen weiterhin die demografische Entwicklung, steigende Anforderungen an Ästhetik sowie die fortschreitende Digitalisierung dentaler Workflows.
Gleichzeitig unterliegt der Markt weiterhin einem erhöhten Preisdruck, insbesondere im Bereich der Verbrauchsmaterialien. Zudem bleiben Investitionsentscheidungen auf Kundenseite aufgrund makroökonomischer Unsicherheiten und erhöhter Finanzierungskosten teilweise zurückhaltend. Regulatorische Rahmenbedingungen sowie nationale Erstattungssysteme beeinflussen die Marktentwicklung zusätzlich und führen zu regional differenzierten Entwicklungen. Auf Basis der bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Stärkung der Vertriebsstruktur sowie zur Steigerung der operativen Effizienz geht das Management davon aus, dass die Amann Girrbach Gruppe auch künftig im Marktvergleich überdurchschnittlich wachsen wird. In Kombination mit einer konsequenten Optimierung der Kostenstruktur wird eine nachhaltige Verbesserung der Profitabilität erwartet.
Risikomanagement
Die Amann Girrbach Gruppe verfügt über ein konzernweites Internes-Kontroll-System (IKS), welches im Jahr 2020 neu aufgesetzt und systemgestützt betrieben wird. Dies dient zur Identifizierung von finanziellen Risiken, die sich aus der Rechnungslegung oder Finanzberichterstattung ergeben könnten und deckt die 7 Bereiche Einkauf, Verkauf, Logistik, Finanzen, Anlagenbuchhaltung, IT, sowie Lager und Produktion konzernweit ab. Etwaige Risiken werden in einem Katalog gelistet und entsprechende Kontrollmaßnahmen eingeführt. Durch regelmäßige Überprüfungen des Kontroll-Systems wird die Aktualität und vollständige Erfassung aller Risiken und der zugrundliegenden Kontrollen gewährleistet. Zur Risikovermeidung und -bewältigung wird bewusst nur auf Risiken im operativen Geschäft eingegangen, welche dabei immer im Verhältnis zum möglichen Gewinn analysiert werden.
Das Chancen- und Risikomanagement (Enterprise Risk Management) wird regelmäßig in Zusammenarbeit zwischen den Führungskräften und dem Vorstand diskutiert, um ein umfassendes, integratives und wirksames Management aller wesentlichen Chancen und Risiken sicherzustellen.
Ziel des Risikomanagements ist es, Risiken, die die Erreichung der Unternehmensziele gefährden könnten, sowie Chancen, die das Erreichen dieser Ziele begünstigen, frühzeitig zu identifizieren und entsprechende Maßnahmen zur Zielerreichung einzuleiten. Daher ist auch die Definition der Ziele ein zentraler Bestandteil des Chancen- und Risikomanagementsystems. Um die effektive Umsetzung sicherzustellen, wurde es an die Anforderungen eines international anerkannten Rahmens für unternehmensweites Risikomanagement und interne Kontrollsysteme angepasst.
Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Risiko, dass die Erfüllung aller Standards, die in den regelmäßig stattfindenden technischen und medizinischen Audits überprüft werden, nicht vollständig gewährleistet werden kann. Diese Audits spielen eine entscheidende Rolle, um die Einhaltung von Sicherheits- und Qualitätsanforderungen sicherzustellen. Ein Versäumnis in diesem Bereich könnte erhebliche Konsequenzen für das Unternehmen haben, einschließlich regulatorischer Sanktionen, Qualitätsminderungen oder Schäden am Unternehmensruf. Daher ist es essenziell, diese Risiken sorgfältig zu überwachen und rechtzeitig geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Erfüllung aller relevanten Standards zu gewährleisten. Dieses Risiko wird laufend durch die Qualitätssicherungsabteilung überwacht und Feststellungen werden an das Management berichtet. Für Amann Girrbach sind die Mitarbeiterlnnen die wertvollste Ressource des Unternehmens. Daher ist es selbstverständlich, sie sowohl zu schützen als auch zu fördern. Die Arbeitsbedingungen und Qualifikationen der Mitarbeiterlnnen beeinflussen nicht nur die Leistung in Entwicklung und Produktion, sondern auch den Erfolg im Vertrieb. Gut ausgebildete Mitarbeiterlnnen tragen entscheidend zur Geschäftsentwicklung bei. Ein bedeutendes Risiko besteht nicht nur im Verlust von Schlüsselpersonal, sondern auch in der Herausforderung, ausreichend gut qualifizierte und motivierte Mitarbeiterlnnen zu finden, zu rekrutieren und langfristig zu binden. Amann Girrbach agiert in einem dynamischen Wettbewerbsumfeld, in dem sich die Anforderungen an das Unternehmen und die Mitarbeiterlnnen hinsichtlich Flexibilität, Mobilität und Anpassungsfähigkeit stetig verändern. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, investiert Amann Girrbach systematisch in die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiterlnnen, optimiert kontinuierlich den Recruiting-Prozess und legt besonderen Wert darauf, in einem hart umkämpften Arbeitsmarkt gut ausgebildete und flexible Mitarbeiterlnnen zu gewinnen und zu halten.
Als global agierendes Unternehmen ist die Amann Girrbach Gruppe verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Risiken ausgesetzt. Veränderungen im politischen oder regulatorischen Umfeld und geopolitische Spannungen können das Investitions- und Konsumverhalten der Kunden negativ beeinflussen. Auch im Jahr 2026 sind weltweit politische und gesellschaftliche Unsicherheiten zu erwarten.
Der anhaltende Konflikt in der Ukraine, die Krise im Iran und weitere Unruhen im Nahen Osten verdeutlichen diese Risiken. Zusätzlich haben die politische Situation in den USA und die zusätzlichen Einfuhrzölle auf Importe aus der Europäischen Union die Exportbedingungen weiter verschärft und die Unsicherheit erhöht.
Die wesentlichsten finanziellen Risiken sind unzureichende Liquidität und Finanzierung. Die bestehende Liquiditätsvorschau erfolgt auf 21 Wochen und wird regelmäßig aktualisiert. Im Rahmen des Working Capital Management werden die Umschlagskennzahlen der Forderungen, des Lagers und der Verbindlichkeiten eng bewirtschaftet, um die verfügbare Liquidität laufend zu optimieren. Im Rahmen der Neuregelung der Gesamtfinanzierung per Mitte 2024 und 2026 wurde die Gruppe mit frischer Liquidität ausgestattet, welche gemäß aktueller Finanzplanung die Liquidität unter Berücksichtigung einer angemessenen Planungsreserve bis zur Erreichung der nachhaltigen Gewinnzone sowie umfangreiche Investitionen in das Produktportfolio, Wachstum und Produktion sicherstellt. Neben der kurzfristigen Liquiditätsvorschau wird auch die Liquiditätsentwicklung im Vergleich zur Finanzplanung laufend überwacht.
Im Zuge der Neuausrichtung der Kapitalstruktur und dem vollständigen Entfall externer Finanzverbindlichkeiten von Kreditinstituten wurden die bestehenden Finanzverbindlichkeiten von den Gesellschaftern der Amann Girrbach Gruppe übernommen. Zum Aufstellungszeitpunkt wurde für den wesentlichen Teil der übernommenen Finanzverbindlichkeiten im August 2026 eine Schuldübernahme durchgeführt, wodurch die entsprechenden Verbindlichkeiten der Gesellschaft entfallen sind und das Eigenkapital erhöht wurde. Der verbleibende Teil der übernommenen Finanzverbindlichkeiten wurde in ein langfristiges Gesellschafterdarlehen überführt. Anfallende Zinsen können kapitalisiert werden, wodurch Zins- und Tilgungsleistungen erst zum Laufzeitende fällig sind. Financial Covenants haben daher keine unmittelbare Relevanz für die Liquiditätssteuerung der Gruppe . Durch diese Maßnahme wurde das Eigenkapital der Gruppe nachhaltig gestärkt sowie die Finanzverbindlichkeiten deutlich reduziert. Darüber hinaus hat der Gesellschafter eine Einzahlung in die Kapitalrücklage der Amann Girrbach Holding GmbH in Höhe von TEUR 5.000 geleistet. Das Liquiditätsrisiko wird daher primär durch eine konservative Liquiditätsplanung und ein laufendes Monitoring der Zahlungsströme gesteuert. Hierzu erfolgt eine fortlaufende, prospektive Überwachung der Liquiditätsentwicklung auf Basis rollierender Forecasts, um jederzeit die Zahlungsfähigkeit der Gruppe sicherzustellen.
Aus der tatsächlichen bzw. drohenden Nichteinhaltung von im Kreditvertrag vereinbarten Covenants resultierte zeitweise ein mögliches Recht der finanzierenden Banken zur eventuellen vorzeitigen Fälligstellung der Finanzierungen.
Im Zusammenhang mit den zum Stichtag bestehenden Unsicherheiten hinsichtlich der Einhaltung der Finanzierungsvereinbarungen sind Verbindlichkeiten im Rahmen der Finanzierung als kurzfristig ausgewiesen. Eine Fälligstellung erfolgte nicht. Infolge der Übernahme der Finanzverbindlichkeiten durch die Gesellschafter und der Vereinbarung einer echten Stundung besteht ein entsprechendes Risiko nicht mehr.
Auf Kundenforderungen besteht ein Kredit- bzw. Ausfallrisiko im marktüblichen Umfang. Die offenen Forderungen werden eng überwacht. Zahlungsausstände aus der Vergangenheit werden laufend abgebaut. Gleichzeitig wird die Bonität und Zahlungsmoral der Kunden bei der Entgegennahme von neuen Bestellungen konsequent beurteilt, um das Ausfallrisiko zu minimieren.
Das Preisänderungsrisiko auf der Absatz- und Beschaffungsseite wird laufend beobachtet. Die Erkenntnisse fließen in die Pricing-Strategie und in das Lieferanten-Management ein.
Für versicherbare Risiken besteht ein globales Versicherungsportfolio, welches in Zusammenarbeit mit externen Fachleuten laufend überwacht und angepasst wird.
Die eingesetzten originären Finanzinstrumente sind in der Bilanz ersichtlich. Derivative Finanzinstrumente werden nicht verwendet.
3. Bericht über Forschung und Entwicklung
In der F&E Abteilung waren zum Stichtag 34 Personen beschäftigt. Die Gesellschaft verfügt über zahlreiche Patente und Schutzrechtsanmeldungen, womit die starke technologische Wettbewerbsposition gesichert wird. Im Jahr 2025 wurden zwei neue Patentanmeldungen eingereicht. Im Jahr 2025 gab es in den drei Schwerpunktbereichen folgende wesentliche Entwicklungen:
Bereich Equipment
Im Bereich Equipment wurden zahlreiche Entwicklungsaktivitäten durchgeführt, um das bestehende Maschinenportfolio besser an die Anforderungen und Bedürfnisse des Marktes zu adaptieren.
Mit der Ceramill Matron Core wurde eine kompakte Maschine entwickelt, die speziell für den Einstieg in die Hartmetallbearbeitung in Dentallaboren ausgelegt ist. Sie adressiert Labore, die bisher nicht in die Bearbeitung von Cobalt Chrom und Titan eingestiegen sind. Die Ceramill Matron Core basiert auf der Plattform der bereits im Jahr 2023 eingeführten Ceramill Matron. Das Produkt wurde fristgerecht im April 2025 entwicklungsseitig fertiggestellt und ab Mai 2025 verkauft.
Um im wettbewerbsstarken Einstiegssegment für dentale Fräsgeräte präsent zu sein, wurde im Rahmen des Projekts „Pfänder” eine kostengünstige, kompakte Trockenfräsmaschine für Zirkonoxid (das wichtigste Material im dentalen CAD/CAM-Bereich) entwickelt. Durch das preislich attraktive Einstiegsgerät können erstmals Kundengruppen erreicht werden, die bisher aufgrund hoher Investitionskosten ausgeschlossen waren. Zur Reduzierung der Produktionskosten wurde u. A. ein neuartiges Achssystem entwickelt, welches teure Rotationsachsen durch zwei präzise Linearachsen, die eine Schwenkbewegung realisieren, ersetzt. Diese Erfindung wurde zum Patent angemeldet. Die Produktrealisierung wurde fristgerecht im Dezember 2025 abgeschlossen und das Produkt wird unter dem Namen: Ceramill Motion Air seit Ende 2025 verkauft.
Im Bereich Komponentenentwicklung wurde ein neuartiges Schrittmotorensystem mit magnetischen Encodern entwickelt. Entsprechende Motorsysteme kommen in allen Fräsgeräten von Amann Girrbach zur Bewegung des Achssystems zum Einsatz. Pro Gerät werden bis zu fünf dieser Motorsysteme benötigt. Neben der Verbesserung der Zuverlässigkeit konnte eine Kostenreduzierung von > 50 % (ursprünglich 55,00 € auf 27,00 € pro Stück) erreicht werden. Dadurch steigert sich sowohl die Profitabilität als auch die Wettbewerbsfähigkeit im Gerätegeschäft. Das System wird zunächst in der Ceramill Motion Air eingesetzt und nach erfolgreicher Markterprobung für das gesamte Amann Girrbach Geräteportfolio eingeführt.
Bereich Verbrauchsmaterial
Im Bereich Materialentwicklung lag der Fokus in 2025 auf der Erweiterung der Zirkonoxid-Portfolios. Hierzu wurde ein neuer Multilayer-Zirkonoxid-Rohling entwickelt, welcher die Anforderungen von Fertigungszentren und Zahnärzten durch chromatisch präzisere Farbgebung adressiert. Zudem wurden neue Rohstoffmaterialien eingesetzt, um die Produktionskosten zu reduzieren und somit die Preispositionierung zu verbessern. Die Produktentwicklung wurde planmäßig im Dezember 2025 abgeschlossen, sodass die Produktpalette unter dem Namen: Zolid Lunaris im Januar 2026 eingeführt werden kann.
Weiterhin wurden neue Sinterzyklen entwickelt, die das Sintern von Zirkonoxid weiter beschleunigen. Hier wurden mittlerweile Sinterzeiten von < 20 Minuten (ursprünglich 8 bzw. 2 Stunden) erreicht. Darüber hinaus wurde ein neues, technologisch universell einsetzbares Werkzeugportfolio für die Verarbeitung dentaler Werkstoffe entwickelt.
Durch die Neuentwicklung konnte die bisher eingesetzte Werkzeugvielfalt von 22 unterschiedlichen Werkzeugen auf neun materialübergreifend nutzbare Werkzeuge reduziert werden. Zudem wurde die Standzeit der Werkzeuge teilweise verfünffacht. Dadurch ergeben sich sowohl Kosten- als auch Zeitvorteile in der Produktion, was die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärkt. Die Produkte wurden im Juli 2025 eingeführt.
Bereich Software und Workflows
Zum stetigen Ausbau des Kundennutzens des Ceramill CAD/CAM Systems wurde eine Vielzahl digitaler CAD-Anwendungen umgesetzt, CAM-seitige Entwicklungen durchgeführt und zahlreiche neue Software-Lösungen implementiert.
Zum weiteren Ausbau der CAD/CAM-basierten Herstellung von implantatgetragenem Zahnersatz wurde ein durchgängiger Workflow zur Herstellung von innovativen, weitspannigen Hybridrestaurationen (Materialkombination: Titan-Gerüst und Zirkonoxid-Überkonstruktion) entwickelt. Das System bietet eine Kombination aus signifikant reduziertem Frakturrisiko, hoher ästhetischer Qualität und vereinfachtem Workflow. Das entsprechende Softwareprodukt wurde unter dem Namen: Split Denture im Oktober 2025 released.
Zudem wurde ein System zur vollständig nacharbeitsfreien Übertragung von, auf Basis von Intraoralscandaten, 3D-gedruckten Modellen in Artex-Artikulatoren ermöglicht. Diese Lösung adressiert einen schnell wachsenden Markt, da digitale Intraoralscans zunehmend die Grundlage für modernen Zahnersatz bilden. Damit wurde eine zentrale Lücke in digitalen Workflows geschlossen. Zum Schutz der Erfindung wurde eine Patentanmeldung eingereicht. Das Produkt wurde fristgerecht im Mai 2025 unter dem Namen: Ceramill Print & Click eingeführt.
Weiters wurde eine App zur Überwachung und teilweisen Steuerung von zahlreichen Amann Girrbach Fräsmaschinen entwickelt. Hierdurch wird das Maschinenportfolio um digitale Services erweitert und der Nutzungskomfort gesteigert. Durch die Möglichkeit, den gesamten Produktionsprozess der jeweiligen Fräsmaschinen jederzeit mittels mobiler Endgeräte zu überwachen, verbessert die App die Effizienz und Produktivität der Anwender deutlich und stärkt damit gleichzeitig die Marktposition. Die App wurde unter dem Namen Ceramill Go im April 2025 zur Nutzung bereitgestellt.
Amann Girrbach AG JAHRESABSCHLUSS 2025
LAGEBERICHT
Neben den Kernentwicklungsprojekten liefen noch zahlreiche begleitende Nebenprojekte, die ebenfalls wichtige Beiträge zur Gesamtentwicklung geleistet haben.
Im Geschäftsjahr 2025 fielen Aufwendungen in Höhe von TEUR 5.125 (Vorjahr TEUR 5.476) für Forschung und Entwicklung an, was einer Quote in Prozent vom Nettoerlös von 5,4% (Vorjahr 5,9%) entspricht.
Mäder, 17.09.2026
Amann Girrbach AG
Der Vorstand