Inhaltsverzeichnis
der Polymer Competence Center Leoben GmbH zum 31.12.2025
1 Ausgangslage
Das PCCL trägt als vorwettbewerbliche, wirtschaftsnahe Forschungsgesellschaft zur stetigen Weiterentwicklung und Umsetzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Kunststofftechnik und Polymerwissenschaften und verwandter Gebiete bei und arbeitet hierbei im Gesamtinteresse der österreichischen Volkswirtschaft. Ziel des PCCL ist es, durch Forschungsprojekte gemeinsam mit wissenschaftlichen Partnern und Partnerunternehmen den Wissenstransfer in die Wirtschaft zu erhöhen, die eigene Forschungskompetenz sowie die der wissenschaftlichen Partner kontinuierlich weiterzuentwickeln und einen Beitrag zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu leisten. Damit einhergehend ist auch der angestrebte Aus- und Aufbau von F&E-Netzwerken aus Industrie und Wissenschaft sowie von Personalressourcen und wissenschaftlich-technischer Infrastruktur in den relevanten Kompetenzfeldern.
Ein erklärtes Ziel des PCCL ist es, aktiv zur Lösung aktueller globaler Probleme beizutragen, die mit der Herstellung, Anwendung und Entsorgung von Produkten auf Polymerbasis zusammenhängen, und Antworten mit hohem sozioökonomischem Impact zu liefern, wie z. B. das Recycling und die Wiederverwendung von Polymeren, die Steigerung der Energieeffizienz und Materialeinsparungen in Produktionsprozessen, die Verbesserung der Lebensdauer und Haltbarkeit von Polymerprodukten, die Anwendung biobasierter Polymere in technischen Produkten und der Einsatz des maschinellen Lernens zur Anwendung von künstlicher Intelligenz (KI) sowie die Modellierung und Simulation zur Steigerung der Produktivität in der einschlägigen Industrie. Mit einer aktiven Rolle im Themenbereich Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit von Polymeren will das PCCL seinen Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen und dem Europäischen Green Deal in den kommenden Jahren erhöhen. Durch das Erreichen dieser Ziele wird das PCCL auch seine Position als international anerkannter Akteur in ausgewählten Bereichen der Polymerwissenschaft und -technik festigen.
Generelles Ziel des COMET-Kompetenzzentren-Programms ist die Zusammenführung von vorhandenen Kompetenzen universitärer und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen mit den einschlägigen Kompetenzen der Wirtschaft zur Sicherung des Wirtschaft- und Forschungsstandortes Osterreich im internationalen Wettbewerb.
Die Aktivitäten des PCCL werden in zwei Bereiche unterteilt:
(1) Im COMET-K1-Bereich wird das im Rahmen des K1-Förderantrages beschriebene und in einem Agreement zwischen den wissenschaftlichen Partnern und Partnerunternehmen definierte Forschungsprogramm bearbeitet.
Im COMET-K1-Bereich werden zwei Projektkategorien unterschieden: Im Rahmen von multilateralen Projekten wird gemeinsam mit einem oder mehreren Partnerunternehmen an vorwettbewerblichen Problemstellungen auf dem Gebiet der Kunststofftechnik und Polymerwissenschaften geforscht. Darüber hinaus wird in strategischen Projekten gemeinsam mit wissenschaftlichen Partnern (Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen) an grundlagennahen und für die künftige Ausrichtung des Zentrums bedeutsamen Problemstellungen sowie der Weiterführung wissenschaftlicher Erkenntnisse gearbeitet. Insbesondere ist der strategische Bereich mit nicht vordefinierten Projektvo-
lumen („free space“) versehen um flexibel auf neue Fragestellungen, die sich während einer Förderperiode ergeben können, reagieren zu können. Dies macht es möglich sich auch kurzfristig neuen Themen wissenschaftlich vertieft zu widmen.
(2) Im sogenannten Non-COMET-Bereich werden die Ziele der Gesellschaft durch Auftragsforschung für die Wirtschaft, (sonstig) geförderte Forschung oder durch die Abhaltung von wissenschaftlichen Veranstaltungen zur Dissemination von Forschungsergebnissen verfolgt.
Die zwei COMET-Module „Repairtecture“ und „Battlab“ werden ebenfalls dem Non-COMET-Bereich zugeordnet, wobei das per 01.01.2024 begonnene Modul “Repairtecture - Innovative repair concepts for polymer-based materials and components along their lifetime” darauf abzielt innovative Simulations-, Design- und Materialkonzepte für eine Kreislaufwirtschaft von polymerbasierten Produkten und Verbundstrukturen, die ihre Funktionalität, Leistung und Attraktivität über eine längere Lebensdauer beibehalten, bereitzustellen. Das ebenfalls per 01.01.2024 begonnene Modul „Battlab - High performance battery systems driven by polymer science and virtual material engineering“ kombiniert die Methoden der Werkstoffsimulation mit den Grundlagen der Polymerwissenschaft, um die Basis für die Hochleistungsbatteriesysteme der Zukunft zu schaffen.
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Geschäftsverlauf
Das Geschäftsjahr 2025 bildete das 1. Geschäftsjahr der ersten COMET-K1-Förderperiode, die mit einem maximalen Gesamtbudget in der Höhe von 22.666.666 EUR für 4 Jahre (Jänner 2025 bis Dezember 2028) von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft mbH (FFG) im Rahmen des Kompetenzzentren-Programmes COMET genehmigt wurde. Dieses Jahr war geprägt mit der Auflagenerfüllung zur Auszahlung der Startraten seitens der Fördergeber, dem Abschluss der Konsortial- und Kooperationsverträge und der Einwerbung von neuen Unternehmenspartnern, da nach der Genehmigung einige ihre getätigten Zusagen, zumeist aus wirtschaftlichen Gründen, zurückgezogen hatten. Im Non- COMET-Bereich verlief das Geschäftsjahr in operativer Hinsicht durch ein hohen Aktivitätsniveau der beiden COMET-Module und weiterer geförderter Projekte auf hohem Aktivitätsniveau.
Projektbearbeitung im COMET-K1-Bereich
Im COMET-K1-Bereich wurde die Förderperiode 2025 bis 2028 mit insgesamt 11 multilateralen Projekten mit einem Volumen von 15,6 Mio. EUR und 5 strategischen Projekte mit einem Volumen von 3,5 Mio. EUR gestartet.
Eine wesentliche Auflage zur Auszahlung der Startrate seitens der FFG war die Erweiterung von Projektinhalten zur Schärfung der Alleinstellungsmerkmale (USPs) des PCCLs. Für diese zusätzlichen Projekte mit Leuchtturmcharakter wurden nachfolgende Stärkefelder in den Forschungsbereichen identifiziert:
• New recycling concepts relying on vitrimers • Physics of degradation based on data science • Polymers for hybrid systems focused on microelectronics • Robot-assisted characterization of haptic surfaces
Als erstes Leuchtturmprojekt wurde das Projekt „Mechanical recycling of thermoplastics supported by in-line quality monitoring” ausgewählt, da es die Stärkefelder „Physics of degradation based on data science“ und „New recycling concepts” verbindet.
Projektbearbeitung im Non-COMET-Bereich
Im Non-COMET-Bereich wurde im Geschäftsjahr 2025 ein Auftragseingang von 49 Projekten (Vorjahr: 70) mit einem Auftragswert von 2.268 TEUR (Vorjahr: 11.061 TEUR) verzeichnet. Der Auftragseingang setzte sich im Geschäftsjahr 2025 zu rund 269 TEUR aus Projekten der Auftragsforschung, und zu ca. 1.954 TEUR aus sonstig geförderten Projekten (FFG, EU) zusammen, wobei dies jeweils unter Berücksichtigung der Ko- bzw. Eigenfinanzierungsmöglichkeiten des Unternehmens erfolgte. Der Erfolg bei der Gewinnung sonstig geförderter Projekte kann auch als Maßzahl für die Wettbewerbsfähigkeit der F&E-Tätigkeiten des Unternehmens gesehen werden, als diesen sonstig geförderten Projekten jeweils externe Begutachtungen durch internationale Experten vorangehen.
Personal
Per 31.12.2025 waren 79 MitarbeiterInnen/Vollzeitäquivalent 66,05 (Vorjahr: 103/VZÄ: 85) im Unternehmen beschäftigt.
Von der Gesamtmitarbeiteranzahl entfielen per Stichtag 31.12.2025 57 MitarbeiterInnen auf den wissenschaftlichen Bereich (inkl. studentischer Mitarbeiter), 11 auf den technischen Bereich (ChemielaborantInnen, HTL-TechnikerInnen) und 11 auf die Verwaltung inkl. Geschäftsführung.
Neben den direkt am PCCL beschäftigten MitarbeiterInnen wirkten im Geschäftsjahr 2025 rund 50 Experten der wissenschaftlichen Partner und mindestens ebenso viele Experten der Partnerunternehmen an Projekten des PCCL mit.
3 Finanz- und Ergebnissituation
Ertragslage
Die Polymer Competence Center Leoben GmbH erzielte im Geschäftsjahr 2025 ein Bilanzergebnis von 14.782,03 EUR (Vorjahr: -170,2 TEUR), das dem Jahresüberschuss entspricht. Die Umsatzerlöse setzen sich im Wesentlichen aus den Finanzierungsbeiträgen der Partnerunternehmen im COMET-K1-Bereich in der Höhe von 2.296.128,42 EUR (Vorjahr: 2.666,4 TEUR) sowie Projekt- und sonstigen Erlösen aus dem Non-COMET-Bereich in der Höhe von 725.928,34 EUR (Vorjahr: 806, TEUR) zusammen. An Förderungen sowohl für den COMET-K1- als auch für den Non-COMET-Bereich wurden 6.330.764,12 EUR (Vorjahr: 5.880,5 TEUR) vereinnahmt. Gemeinsam mit den sonstigen betrieblichen Erträgen in der Höhe von 407.549,73 EUR (Vorjahr: 640,2 TEUR) ergibt sich eine Betriebsleistung von 9.675.229,43 EUR (Vorjahr: 10.086,3 TEUR).
Der Aufwand für bezogene Leistungen und Material betrug 2.350.144,61 EUR (Vorjahr: 2.544,4 TEUR) und der Personalaufwand betrug 5.770.704,71 EUR (Vorjahr: 6.114,0 TEUR).
Im Geschäftsjahr 2025 betrugen die Abschreibungen 375.995,31 EUR (Vorjahr: 354,5 TEUR), die sonstigen betrieblichen Aufwendungen 1.262.216,38 EUR (Vorjahr: 1.346,1 TEUR).
Das Finanzergebnis weist einen Wert von 99.113,61 EUR (Vorjahr: 103,0 TEUR) auf.
Vermögenslage
Der Buchwert des Anlagevermögens hat sich im Geschäftsjahr 2025 auf 1.056.575,15 EUR reduziert. (Vorjahr: 1.224,5 TEUR).
Die Gewinnrücklage weist per 31.12.2025 einen Wert von 5.115.842,24 EUR (Vorjahr: 5.286,1 TEUR) auf und dient weiterhin zur Sicherung zukünftiger Forschungsvorhaben und Schwerpunktsetzungen sowie zur Aufrechterhaltung der laufenden Liquidität. Als Bilanzergebnis steht ein Betrag von 14.782,03 EUR (Vorjahr: -170,2 TEUR) zu Buche, der auf die neue Rechnung vorgetragen wird.
Das Eigenkapital des Unternehmens hat sich im Geschäftsjahr 2025 auf 5.330.624,27 EUR (Vorjahr: 5.315,8 TEUR) erhöht, die Eigenkapitalquote per 31.12.2025 sinkt jedoch geringfügig auf einen Wert von 56,00 % (Vorjahr: 56,22 %).
Finanzlage
Im Geschäftsjahr 2025 ergaben sich zahlungswirksame Veränderungen des Finanzmittelbestandes von in Summe 1.794.524,25 EUR. Der Finanzmittelbestand weist somit zum 31.12.2025 einen Wert von 6.405.089,62 EUR (Vorjahr: 4.610,6 TEUR) auf.
| Cashflow 2025 | ||
|---|---|---|
| Ergebnis vor Steuern | 15.282,03 | |
| + Abschreibungen ohne GWGs | 346.507,67 | |
| -/+ Gewinne/Verluste aus Abgang von Anlagevermögen | 12.202,15 | |
| Netto-Geldfluss aus dem betrieblichen Ergebnis | 373.991,85 | |
| Erhöhung Vorräte - noch nicht abrechenbare Leistungen | 85.141,18 | |
| + Verminderung Forderungen aus Lieferungen und Leistungen | 209.910,01 | |
| + Verminderung Forderungen gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht | 168,00 | |
| - Erhöhung Sonstige Forderungen und Vermögensgegenstände | 1.266.294,20 | |
| - Erhöhung Aktive Rechnungsabgrenzung | 1.946,05 | |
| - Zunahme der Vorräte, der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie andere Aktiva | 1.563.459,44 | |
| + Erhöhung Sonstige Rückstellungen | -33.906,23 | |
| - | Verminderung erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen | -81.392,50 |
| - Verminderung Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen | 530.417,37 | |
| + Erhöhung Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht | -386.328,55 | |
| + Erhöhung Sonstige Verbindlichkeiten | 231.376,54 | |
| + Erhöhung Passive Rechnungsabgrenzungsposten | -211.811,19 | |
| + Zunahme der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Passiva | 48.355,44 | |
| Netto-Geldfluss aus der betrieblicher Tätigkeit vor Steuern | .985.806,73 | |
| - Zahlungen für Ertragsteuer | -500,00 | |
| Netto-Geldfluss aus der betrieblichen Tätigkeit | 1.985.306,73 | |
| + Einzahlungen aus Anlagenabgang (ohne Finanzanlagen) | 295,00 | |
| - Auszahlungen für Anlagenzugang (ohne Finanzanlagen) | -191.077,48 | |
| Netto-Geldfluss aus der Investitionstätigkeit | -190.782,48 | |
| +/- Finanzierungstätigkeit | 0,00 | |
| Netto-Geldfluss aus der Finanzierungstätigkeit | 0,00 | |
| zahlungswirksame Veränderung der Zahlungsmittel(äquivalente) | 1.794.524,25 | |
| Zahlungsmittel am Beginn der Periode | 4.610.565,37 | |
| Zahlungsmittel am Ende der Periode | 6.405.089,62 | |
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Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte
Forschungsprogramm
Das Forschungsprogramm im COMET-K1-Bereich ist in folgende 3 Schwerpunktbereiche („Areas“) gegliedert:
Area 1: Sustainability and Circularity
• Area 2: Functionality and Reliability • Area 3: Digital Solutions in Polymer Technology
Dabei stehen folgende Fragestellungen im Fokus: das Recycling und die Wiederverwendung von Polymeren, die Steigerung der Energieeffizienz und Materialeinsparungen in Produktionsprozessen, die Verbesserung der Lebensdauer und Haltbarkeit von Polymerprodukten, die Anwendung biobasierter Polymere in technischen Produkten und der Einsatz datengesteuerter und KI-gestützter Methoden sowie Modellierung und Simulation zur Steigerung der Produktivität der polymerbezogenen Industrie.
Innerhalb des COMET-K1-Forschungsprogramms werden in den Schwerpunktbereichen vorwettbewerbliche Forschungsthemen bearbeitet, die durch wettbewerbliche Forschung und sonstige forschungsrelevante Tätigkeiten im Non-COMET-Bereich ergänzt werden.
Besonders erwähnenswert sind im Non-COMET-Bereich folgende, größere Projekte, die im Geschäftsjahr 2025 gestartet worden sind:
• AT-C3: “Austrian Chips Competence Centre” mit einem Gesamtvolumen von 8 Mio. EUR und einem PCCL-Budget von 550 TEUR. • SHINE PV: “Sustainable, High-throughput, Industry-ready, Next-generation technology for European manufacturing leadership in PV”, HORIZON-CL5-2024-D3-01, mit einem Gesamtvolumen von 14 Mio. EUR und einem PCCL-Budget von 450 TEUR
Inhaltlich konzentrieren sich die Forschungsarbeiten des PCCL auf folgende Themenschwerpunkte:
• Funktionspolymere • Elastomer- und Oberflächenchemie • Material- und Prozessentwicklung für den Spritzguss • Elastomere Werkstoffe und Elastomer-Technologie • Optische und haptische Werkstoffeigenschaften • Simulation, Modellierung und KI gestützte Methoden • Faserverbundwerkstoffe • Werkstoffprüfung und Bruchmechanik • Alterungsverhalten von Kunststoffen • Polymerwerkstoffe für den Einsatz in Elektronik, Elektrotechnik und Photovoltaik • Polymere und Polymercomposite für Anwendungen unter extremen Bedingungen • Circular Economy von Kunststoffen, insbesondere Recycling
Sonstige wissenschaftlich relevante Tätigkeiten
Für den Wissens- und Technologietransfer und die Reputation des PCCL, aber auch zur Erfüllung der im COMET-K1-Förderantrag vorgesehenen „Target Values“, sind die Publikationstätigkeit, die Abhaltung von und die Teilnahme an Konferenzen und Weiterbildungsveranstaltungen sowie die Vernetzung mit internationalen Forschergruppen von zentraler Bedeutung. Hervorzuheben ist für das Geschäftsjahr 2025 das 33. Leobener Kunststoffkolloquium an der Montanuniversität am 20. und 21. November 2025.
Im Geschäftsjahr 2025 konnten am PCCL 3 (Vorjahr: 6) Dissertationen, 2 (Vorjahr: 6) Masterarbeitenund Bakkalaureatsarbeiten abgeschlossen werden. Zum 31.12.2025 waren weiterhin 16 (Vorjahr: 20) Dissertationen und 3 (Vorjahr:9) Master- und Bakkalaureatsarbeiten in Bearbeitung. Die hohe Anzahl an akademischen Arbeiten, die von MitarbeiterInnen des PCCL verfasst werden, verdeutlicht die enge Kooperation mit den universitären, wissenschaftlichen Partnern, welche die akademische Betreuung dieser Arbeiten sicherstellen.
In der internationalen Vernetzung wurden zahlreiche Kontakte mit Forschungsgruppen in Australien, Belgien, Brasilien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Slowenien, Ungarn, Italien, China und den USA geknüpft. Diese Vernetzungen werden zum Teil durch formalisierte Kooperationen im Rahmen von Projekten sowie durch Personalaustausch gestärkt.
5 Weitere Entwicklung
Die Polymer Competence Center Leoben GmbH (PCCL) hat sich in den vergangenen Jahren zum führenden österreichischen Zentrum für kooperative Forschung im Bereich Kunststofftechnik und Polymerwissenschaften entwickelt. PCCL forscht auf international wettbewerbsfähigem Niveau und beschleunigt die Innovationsfähigkeit der Industrie ("From Research to Industry"). Ein erklärtes Ziel des PCCL für die weitere Entwicklung ist es, aktiv zur Lösung aktueller globaler Probleme beizutragen, die mit der Herstellung, Anwendung und Entsorgung von Produkten auf Polymerbasis zusammenhängen, und Antworten mit hohem sozioökonomischem Impact zu liefern. Mit einer aktiven Rolle in der Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit von Polymeren wird das PCCL zu den UN-Nachhaltigkeitszielen und dem Europäischen Green Deal beitragen und weiterhin die hohe Nachfrage der Kunststoffwirtschaft nach einem weiteren Aus- und Aufbau vorwettbewerblicher Forschungsaktivitäten zur Umsetzung bestehender Marktpotentiale mit dem wissenschaftlichen Anspruch eines international anerkannten Forschungsprogramms verbinden.
Weitere zukunftsträchtige Forschungsthemen, wie die Entwicklung von umweltverträglichen Polymeren und die Verbesserung des Sortiergrades im Recyclingprozess werden in zahlreichen Non-COMET Projekten des PCCL in den nächsten Jahren eine tragende Rolle einnehmen. Hierzu zählen nicht nur die Anwendung von Biopolymeren in Industrieprodukten, sondern auch die Verwendung von rezyklierten thermoplastischen Polymeren in Struktur-Anwendungen. Hiermit leistet PCCL einen wesentlichen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und zur Öko-Kompatibilität von Kunststoffen. Auch Projekte zum Einsatz von Polymerkomponenten in Photovoltaikmodulen tragen zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen bei.
Im Non-COMET-Bereich wird vor allem basierend auf der Genehmigung weiterer Forschungsvorhaben (insbesondere im Bereich der EU-Projekte), der Einschätzung einer steigenden Auftragsentwicklung in der Auftragsforschung und der Abarbeitung der COMET-Module mit einer etwa gleichbleibenden Umsatzentwicklung gerechnet. Im Herbst 2026 steht die Einreichung neuer COMET-Module an, wofür die Themenfindung derzeit im Laufen ist.
PCCL ist weiterhin bestrebt sich an internationalen Projekten zu beteiligen. Im Jahr 2025 wurde das EU-Projekt SHINE-PV mit einem PCCL-Volumen von rund 450 TEUR gestartet. Somit werden derzeit zehn Projekte, die mit EU-Förderung ausgestattet sind, am PCCL bearbeitet und vier weitere Projekte befinden sich in der Evaluierungsphase.
Eine Herausforderung stellt weiterhin die Aufbringung der erforderlichen Eigenmittel bei nicht vollständig finanzierten geförderten Projektvorhaben im Non-COMET-Bereich dar, sodass dem laufenden Monitoring dieser Eigenmittelverpflichtungen ein hohes Augenmerk gewidmet wird. Insbesondere wird weiterhin auch ein Auswahlverfahren für Projektanträge mit Eigenmittelbedarf durchgeführt, sodass sichergestellt werden kann, dass etwaige Eigenmittel nur für oben genannte Themenschwerpunkte mit entsprechender Gewichtung eingesetzt werden. Zusätzlich werden auch die Anstrengungen verstärkt werden, um eine Finanzierung durch die am jeweiligen Projekt beteiligten industriellen Partner zu erreichen und die Eigenmittelverpflichtungen zu minimieren.
6
Risikoberichterstattung
Die Kunststoffindustrie steht derzeit vor einer Reihe von Herausforderungen, die sich direkt auf die Entwicklung und Durchführung von Forschungsvorhaben auswirken können. Eine Risikoabschätzung für Forschungsthemen in diesem Bereich erfordert eine sorgfältige Betrachtung der wirtschaftlichen, politischen und technologischen Rahmenbedingungen, die die Branche beeinflussen. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage sind insbesondere nachfolgende Faktoren für das PCCL von Bedeutung.
Finanzierung durch Unternehmenspartner und Fördergeber
In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und potenzieller Rezessionen sinkt die Nachfrage nach vielen Kunststoffprodukten, was zu einer Reduzierung der Investitionen in Forschung und Entwicklung führen kann. Unternehmen, die mit einem starken Wettbewerbsdruck und sinkenden Margen zu kämpfen haben, sind möglicherweise weniger geneigt, große Ressourcen in langfristige Forschungsprojekte, wie der COMET-Programmschiene, oder in die Ausfinanzierung von anderen Forschungsprojekten, zu investieren. Ein bedeutendes Risiko für das Forschungsinstitut stellt die Unsicherheit bei der Auszahlung von Drittmitteln dar. Verspätete Zahlungen oder gar Ausfälle von Unternehmenspartnern und Fördergeber könnten die Liquidität beeinträchtigen und die Forschungsvorhaben gefährden. Änderungen in der politischen Landschaft und bei der Vergabe von Fördermitteln können die Finanzierungsmöglichkeiten des PCCL verringern. Die Einführung neuer gesetzlicher Vorschriften zur Forschungsförderung könnte ebenfalls zu Anpassungsaufwänden führen.
Risiken, denen das Unternehmen demnach in seiner Geschäftstätigkeit ausgesetzt ist, konzentrieren sich aufgrund des dominierenden Umfanges des COMET-K1-Bereiches und der gestarteten COMET- Module im Wesentlichen auf die Bearbeitung des COMET-K1-Bereiches und der COMET-Module. Hierbei können drei Risiken identifiziert werden:
a) Nicht-Abschluss oder Nicht-Erfüllung der Förder- und Kooperationsverträge b) Verschiebungen in den vertraglich vereinbarten Förderquoten c) Mittel- und langfristige Weiterführungsszenarien nach dem Ende der laufenden K1- Förderperiode
Ad Punkt a) Nicht-Abschluss oder Nicht-Erfüllung der Förder- und Kooperationsverträge
Langjährige Geschäftsbeziehungen mit den Partnerunternehmen lassen nur ein sehr geringes Ausfallsrisiko bzw. ein geringes Risiko der Ziehung der vertraglich vorgesehenen Ausstiegsoption in bedeutendem Ausmaß erwarten. Die vereinbarte Zahlungsweise der Cash-Finanzierungsbeiträge als jährliche Vorauszahlung reduziert das Ausfallsrisiko zusätzlich und gewährleistet eine ausreichende Liquiditätssicherung. Das zum Zeitpunkt der Erstellung des Lageberichtes) offene Partnerbeitragsvolumen in CO- MET-K1 von ca. 2 Mio. EUR gilt es schnellstmöglich aufzufüllen, da sonst das Risiko einer Finanzierungslücke für die Overheadaufwände und die strategischen Forschungsprojekte besteht.
Ebenso stellen die Kooperationen mit den wissenschaftlichen Partnern einen zentralen Baustein in der Positionierung des Unternehmens dar. Hierbei ist es für die erfolgreiche Weiterentwicklung dieser Kooperationen erforderlich, dass sich auch für die wissenschaftlichen Partner die Rahmenbedingungen einer Mitwirkung an derartigen Kooperationen im Rahmen des COMET-Programms weiterhin vorteilhaft darstellen. Da die zentralen wissenschaftlichen Partner des PCCL auch Gesellschafter des Unternehmens sind, wird diesen Kooperationsbeziehungen eine langfristige Orientierung zum Wohle des Unternehmens beigemessen. Der Pflege dieser langjährigen Kooperationsbeziehungen ist grundsätzlich von allen Mitarbeitern des PCCL größte Aufmerksamkeit zu schenken.
Ad Punkt b) Verschiebungen in den vertraglich vereinbarten Förderquoten
Ein Abweichen von den vertraglich vereinbarten Maximal-Förderquoten hat eine Kürzung der öffentlichen Förderungen zur Folge. Daher wird im Unternehmen besondere Sorgfalt auf die Steuerung der Förderquoten gelegt, die durch ein kontinuierliches Projektcontrolling, aber auch durch die regelmäßigen Berichte an bzw. Prüfungen durch die FFG sichergestellt wird.
Ad Punkt c) Mittel- und langfristige Weiterführungsszenarien nach dem Ende der COMET-K1-Förderperiode
Aufgrund der Bedeutung der COMET-Förderprogramme für den Umfang der Unternehmenstätigkeit stellt deren Befristung jeweils eine zentrale Herausforderung in der mittel- und längerfristigen Planung dar. Das Projektvolumen wird am Anfang der Förderperiode mit den jeweiligen Kooperationspartnern vertraglich fixiert und somit besteht durch die geringe Flexibilität ein Risiko auf unerwartete Ereignisse (z.B. ungeplante Kostensteigerungen) während der vierjährigen Laufzeit entsprechend reagieren zu können.
Ein weiteres Instrument zur mittelfristigen Risikominderung eines K1-Förderperiodenendes sind die beiden FFG COMET-Modulprojekte „Repairtecture“ und „BattLab“, die erfolgreich durchgeführt werden. Diese Projektvorhaben wurden mit Jänner 2024 gestartet, haben eine Laufzeit von jeweils vier Jahren, und tragen wesentlich dazu bei die mittelfristige Weiterführungsstrategie zu unterstützen.
Ein zusätzliches Instrument zur mittel- und langfristigen Risikominderung eines K1-Förderperiodenendes ist die verstärkte Einreichung auf EU-Projektebene (z.B. Horizon Europe). Durch diese Internationalisierungsmaßnahme wird die Sichtbarkeit des PCCL als attraktiver Forschungspartner hervorgehoben, was zur Bildung von Netzwerken und zur Einwerbung von weiteren Non-COMET-Mitteln beiträgt. Der verstärkte Präsenz auf internationaler Ebene erhöht zudem die Häufigkeit der Einbindung in Konsortien und somit die Erfolgsaussichten auf EU-Fördermittel.
Aufgrund des bedeutenden Umfanges der Geschäftstätigkeiten im COMET-K1-Programm und den CO- MET-Modulen wird den angeführten strategischen Überlegungen, operativen Vorbereitungen aber auch den damit verbundenen Risikoabschätzungen in den Organen (Generalversammlung, Aufsichtsrat, Geschäftsführung) des Unternehmens ein besonderes Augenmerk geschenkt und diese werden in den Sitzungen kontinuierlich und intensiv behandelt.
Weitere finanzielle Risiken
Risikobehaftete Finanzinstrumente und allfällig damit verbundene Währungs- und Zinsrisiken sind am PCCL nicht im Einsatz. Die Gesellschaft verfügt über eine ausreichende Liquidität.
Regulatorische Anforderungen und Nachhaltigkeit
In der aktuellen wirtschaftlichen Lage ist das Thema Nachhaltigkeit ein zentrales Anliegen der Kunststoffindustrie. Angesichts des wachsenden Umweltbewusstseins und zunehmender gesetzlicher Anforderungen (z.B. Verbote von Einwegplastik, erweiterte Recyclingvorgaben) müssen Forschungsthemen oft auf die Entwicklung umweltfreundlicherer Materialien und Recyclingprozesse ausgerichtet werden. Diese regulatorischen Veränderungen stellen sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance dar. Die Unsicherheit über zukünftige Gesetzgebungen und Marktanforderungen erhöht jedoch das Risiko für Forschungsinvestitionen, da Unternehmen in diesem Umfeld möglicherweise zögerlicher sind, neue, risikobehaftete Technologien zu entwickeln.
Geopolitische Situation
Die geopolitische Situation ist weiterhin von zunehmender Fragmentierung der Weltwirtschaft, handelspolitischen Spannungen und kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt. Für das PCCL könnten sich daraus insbesondere Risiken in den Bereichen der Energiekosten und Materialverfügbarkeit ergeben. Die Entwicklungen führen insgesamt zu einem angespannten, jedoch beherrschbaren Umfeld.
Gleichzeitig ergeben sich aus der aktuellen Situation auch antizyklische Effekte im Hinblick auf Forschungspartner aus dem Industriebereich. In wirtschaftlich und geopolitisch angespannten Phasen steigt erfahrungsgemäß der Bedarf an Effizienzsteigerungen in Produktion und Materialeinsatz, Substitution kritischer Rohstoffe und Innovationen im Bereich Recycling und Kreislaufwirtschaft. Dies kann zu einer stabilisierten bzw. erhöhten Nachfrage nach anwendungsnaher Forschung und Entwicklung
führen, insbesondere bei bestehenden Unternehmenspartnern, die unter Kosten- und Transformationsdruck stehen.
Vor dem Hintergrund struktureller Veränderungen, z.B. in der Automobilindustrie (Transformation zur Elektromobilität, Kostendruck, rückläufige Entwicklungsbudgets), ist eine strategische Diversifizierung des Forschungsprogramms erforderlich. Ziel ist es, bestehende Kompetenzen im Kunststoffbereich auf wachstumsstarke Branchen zu übertragen und neue Anwendungsfelder zu erschließen. Beispielsweise stellt die Medizintechnik ein stabiles und wachsendes Anwendungsfeld für Hochleistungskunststoffe dar.
Technologische Entwicklung und Innovation
Trotz der Herausforderungen bieten die wirtschaftliche Lage und die sich verändernden Marktbedingungen auch Chancen für Innovationen. Die Notwendigkeit, nachhaltigere, kostengünstigere und effizientere Produktionsmethoden zu entwickeln, kann den Druck auf Unternehmen erhöhen, neue Technologien zu erforschen. Dies betrifft insbesondere Bereiche wie die Entwicklung von biobasierten Kunststoffen, den Ausbau von Recyclingkapazitäten und die Verbesserung der Energieeffizienz in der Produktion. Forschungsthemen, die diese Trends adressieren, können langfristig Wettbewerbsvorteile verschaffen. Jedoch besteht das Risiko, dass technologische Durchbrüche nicht schnell genug erreicht werden, um auf den sich schnell verändernden Marktbedingungen zu reagieren.
Fachkräftemangel
Nach der Coronakrise hat sich gezeigt, dass sich die Rekrutierungslage für qualifizierte Arbeitskräfte zunehmend verschärft hat. PCCL sieht sich zum einem mit sinkenden Studierenden- und AbsolventInnenzahlen in den technischen Studiengängen und zum anderen mit der Änderung der generellen Einstellung zum Arbeitsalltag (z.B. stärkere Gewichtung auf Work-Life-Balance) konfrontiert. Um einem drohenden Personalmangel entgegenzutreten, verstärkt PCCL seine Anstrengungen hinsichtlich der Personalrekrutierung (z.B. gezielt geschaltete Jobinserate, Auftritt auf Karrieremessen, Kooperation mit neuen internationalen, wissenschaftlichen Partnern zur frühzeitigen Einbindung von Studierenden) und der Personalentwicklung (z.B. Möglichkeit zur flexiblen Arbeitszeitgestaltung, Weiterbildungspläne, Organisation von Social Events). Eine hohe Anzahl von KunststofftechnikstudentInnen an der Montanuniversität ist die wichtigste Basis für die Gewinnung von wissenschaftlichem Nachwuchs am PCCL. Deshalb wird das PCCL die Montanuniversität weiterhin bei der SchülerInnen- und Studierendenwerbung aktiv unterstützen.
7 Zweigniederlassungen
Das Unternehmen betreibt keine Zweigniederlassungen.
8 Aufsichtsrat
Der Aufsichtsrat hat im Geschäftsjahr 2025 viermal getagt.
Leoben, 22.04.2026
E. damus
DI Dr. Elisabeth Ladstätter
(Geschäftsführerin)