Inhaltsverzeichnis
1. Geschäftsverlauf, Geschäftsergebnis und Lage des Unternehmens
1.1. Geschäftsverlauf und Rahmenbedingungen
Gas Connect Austria GmbH hat in den vergangenen Jahren enorme Herausforderungen bewältigt. Der Stopp der Gastransporte durch die Ukraine führte zum Wegfall der Hauptbezugsquelle. Dies brachte nicht nur eine angespannte Versorgungslage für Österreich mit sich, sondern auch den Verlust der zentralen Einnahmequelle des Unternehmens. Durch die Umstellung auf West-Ost-Transporte konnte die Versorgung jedoch weiterhin sichergestellt werden. Die vollständige Umstellung des bisherigen Ost- West-Transportsystems auf einen reinen West-Ost-Transport am 1. Januar 2025 wurde trotz erheblicher technischer Herausforderungen erfolgreich umgesetzt.
Die kalten Wintermonate im Frühjahr 2025 in Österreich und Europa wirkten sich in Form von höheren Gasflüssen im Netz der Gas Connect Austria GmbH aus, vor allem, um die geleerten Speicher im Sommer wieder zu befüllen.
Die Umsätze aus verkauften Transportkapazitäten in der Fernleitung im Jahr 2025 erhöhten sich zwar im Vergleich zur Berichtsperiode des Vorjahres, allerdings verbleiben aufgrund der höheren Ausgleichszahlungen innerhalb des Marktgebiets davon nur die Hälfte bei der Gas Connect Austria GmbH. Die Kosten für den Transport, vor allem im Zusammenhang mit dem Brenngaseinsatz für den Betrieb der Verdichter in West-Ost-Richtung, erhöhten sich aufgrund der beschriebenen Marktbedingungen im Vergleich zum Vorjahr.
Die aktuelle Regulierungsperiode für die Fernleitung umfasst die Jahre 2025 bis 2027. Ab dieser Regulierungsperiode tragen die Fernleitungsnetzbetreiber wie Gas Connect Austria GmbH kein Mengenrisiko aus Mindervermarktung mehr (analog zur Regulierung im Verteilnetz). Allerdings beschied die E-Control im Zuge der Umstellung auch Reduktionen der Kostenbasis, die in Teilen von der Gas Connect Austria GmbH im Rahmen einer Bescheidbeschwerde vor dem Bundesverwaltungsgerichtshof bekämpft wird; das Verfahren ist anhängig.
Die Regulierungsmethodik für das Verteilnetz wird unverändert seit 1. Jänner 2023 bis Ende 2027 angewandt. Es findet eine jährliche Kostenprüfung statt.
Das Geschäftsergebnis der „at-equity“-konsolidierten Beteiligung an der TAG fiel im Wesentlichen wie erwartet aus.
Mit der Netzentwicklungsplanung wird die Zukunft der Erdgasdrehscheibe Baumgarten gesichert. Gas Connect Austria GmbH hat ihre Projekte aus der Netzentwicklungsplanung auch in den TYNDP 2026 (Ten Year Network Development Plan) fristgerecht eingemeldet. Dadurch sind die formalen Voraussetzungen für eine potenzielle Aufnahme in die folgende PCI-Liste (Projects of Common Interest) gegeben.
Langfristig plant Gas Connect Austria GmbH das Standbein Wasserstoffkernnetz parallel zu Erdgas zu etablieren: Mit dem Projekt „H2 Backbone WAG + Penta-West“ zielt Gas Connect Austria GmbH darauf ab, die West-Austria-Gasleitung (WAG) sowie die Leitung Penta-West für den künftigen Transport von Wasserstoff umzurüsten. Das zukunftsweisende Projekt wurde im Rahmen der 7. PCI List erneut bestätigt und auf der Unionsliste der Vorhaben von gemeinsamem Interesse aufgenommen.
1.2. Eigene Anteile
Die Gesellschaft verfügt über keine eigenen Anteile.
1.3. Zweigniederlassungen
Die Gesellschaft verfügt über keine Zweigniederlassungen.
1.4. Finanzielle Leistungsindikatoren
Das Betriebsergebnis 2025 betrug 39,9 MEUR (2024: -128,2 MEUR). Eine geringere Kostenanerkennungen im Zuge der notwendigen Umstellung des Regulierungssystems für die Fernleitung ab 01.01.2025 begründete im Vorjahr außer-planmäßige Abschreibungen des Anlagevermögens in Höhe von MEUR 151,1.
Das Finanzergebnis betrug -7,0 MEUR (2024: -10,5 MEUR). Im Wesentlichen ist die Veränderung auf den Rückgang des Zinsaufwandes aufgrund der Refinanzierung der Gesellschafterdarlehen im Dezember des Vorjahres begründet.
Es wurden keine Finanzinstrumente eingesetzt.
Der erwirtschaftete Cash Flow in MEUR setzte sich folgendermaßen zusammen:
| 2025 | 2024 | |
|---|---|---|
| Operativ | 38,7 | 36,1 |
| Investitionen | -43,2 | -34,8 |
| Finanzierung | 4,5 | -1,8 |
Das Eigenkapital beträgt zum 31. Dezember 2025 179,8 MEUR (2024: 154,3 MEUR). Die Eigenkapitalquote (Eigenkapital / Bilanzsumme) zum 31. Dezember 2025 beträgt 33,3% (2024: 29,9%).
Die Investitionen der Gas Connect Austria GmbH betrugen im Jahr 2025 40,1 MEUR (2024: 41,0 MEUR).
Im Cash Flow aus Finanzierung ist ein Rückgang der Forderung aus dem Konzern-Cashpooling mit -4,5 MEUR (2024: -88,2 MEUR) enthalten.
Der Anteil des Anlagevermögens an der Bilanzsumme beträgt zum 31. Dezember 2025 81,02% (2024: 85,6%). Der Deckungsgrad des Anlagevermögens durch Eigen- und langfristiges Fremdkapital beträgt per 31.12.2025 109,3% (2024: 102,0%).
Im Segment der Fernleitung war der Fokus auf der Modernisierung der Maschinensteuerungen in den Kompressor-Stationen mit Schwerpunkt auf der WAG in Baumgarten.
Im Segment des Verteilnetzes wurden vor allem notwendige Ersatzinvestitionsprojekte zur Erhaltung und den sicheren Betrieb des bestehenden Gasnetzes realisiert.
Die oberste Priorität lag aber klar auf der Weiterentwicklung des Projekts „WAG Loop 1“. Mit dem ersten Teil-Loop wird der rund 40 km lange Abschnitt von Oberkappel bis Bad Leonfelden mit einer parallelen Leitung, zusätzlich zur bestehenden Leitung, ausgebaut. Hauptschwerpunkt 2025 war der Prozess der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) als auch der Optionseinkauf für die erforderlichen Wegerechte sowie Beschaffungsaktivitäten für Material und Leistungen, um einen Baustart 2026 zu ermöglichen.
1.5. Nicht finanzielle Leistungsindikatoren
1.5.1. Vermarktete Transportmengen
Mit einer Rate von durchschnittlich 24 Auktionen pro Stunde, also rd. 217.000 Auktionen pro Jahr, wurden 2025 ähnlich viele Kapazitätsauktionen auf den Buchungsplattformen PRISMA und RBP (Regional Booking Platform) wie im Jahr 2024 durchgeführt.
Die maximale technische Transportkapazität konnte im Jahr 2025 uneingeschränkt zur Verfügung gestellt werden. Die Verfügbarkeit des Maschinenparks (der Verdichtereinheiten) lag im Jahr 2024 bei 95%. Die behördlichen und gesetzlichen Instandhaltungsvorgaben konnten 2025 zu 100% durchgeführt werden. Erweitert auf alle Instandhaltungspläne der Gas Connect Austria GmbH ergibt sich für 2025 ein Erfüllungsgrad von 97%. Die WAG wird seit Anfang April mit maximaler technischer Kapazität betrieben.
Die Dispatchings (kommerziell und physikalisch) der Gas Connect Austria GmbH sorgen rund um die Uhr für eine reibungslose und zuverlässige Abwicklung der Transporte in den Leitungssystemen. Neben den Aufgaben als Netzbetreiber werden für eine Reihe externer Kund:innen Dienstleistungen erbracht. Damit kann ein wesentlicher Beitrag für einen funktionierenden und effizienten Gasmarkt und zur Versorgungssicherheit in Österreich geleistet werden.
Die Herausforderungen der stark veränderten und teils volatilen Gasflüsse seit dem Ausbruch des Konflikts zwischen der Ukraine und Russland konnten bisher gut gemeistert werden.
Mit der Teilnahme an groß angelegten Krisenübungen zu verschiedenen Szenarien wird die Resilienz weiter verbessert.
1.5.2.Umweltbelange
Als Gasfernleitungsnetzbetreiber steht für die Gas Connect Austria GmbH die sichere und zuverlässige Versorgung an oberster Stelle. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, arbeitet das Unternehmen mit strengen Sicherheits- und Qualitätsvorgaben. So baute die Gas Connect Austria GmbH bereits vor Jahren zur Qualitätssicherung ein integriertes Managementsystem in Übereinstimmung mit internationalen ISO-Normen auf, welches auch regelmäßig von einer externen Zertifizierungsstelle überprüft wird.
Die Gas Connect Austria GmbH führt seit Jahren laufend Maßnahmen zur Reduktion von Methanemissionen durch. Seit 2024 ist die Verordnung (EU) 2024/1787 EU-RL „Verringerung der Methanemissionen im Energiesektor“ zu erfüllen, wodurch die bereits bestehenden Reduktionsmaßnahmen nochmals verstärkt wurden. Bei Instandhaltungsarbeiten an den Gasleitungen des Fernleitungs- bzw. Primärverteilsystems- wurden Rekompressionseinheiten eingesetzt, um die Leitungen für die Arbeiten ohne große Mengen an Methanemissionen drucklos zu machen. Eine erste mobile Rekompressionseinheit der Gas Connect Austria GmbH ist bereits im Einsatz, zwei weitere Einheiten wurden bestellt und befinden sich derzeit in der finalen Engineering Phase mit geplanter Auslieferung Mitte 2026. Des Weiteren wurden die vorgeschriebenen Messkampagnen zur Dichtheitsprüfung mit einem externen Dienstleister umgesetzt. Für die erforderlichen Nachmessungen nach Instandsetzungsarbeiten wurden an den Anlagen zusätzliches mobiles Messequipment (FID = Flammen-Ionisations-Detektor) angekauft.
Darüber hinaus nimmt die Gas Connect Austria GmbH freiwillig am internationalen Umweltprogramm der Vereinten Nationen teil, welches in der Oil and Gas Methane Partnership (OGMP)-Initiative mündete. Im Jahr 2025 ist es Gas Connect Austria GmbH bereits zum fünften Mal in Folge gelungen den Gold Standard (höchste Berichtsqualität) gemäß OGMP 2.0 erfolgreich aufrecht zu erhalten. Doch nicht nur das Berichtswesen spielt hier eine zentrale Rolle, sondern auch Vermeidungs- und Reduktionsmaßnahmen stehen klar im Fokus. Hierbei werden die Synergien zur EU-Methanverordnung betreffend Reduktionsmaßnahmen, wie bereits beschrieben, genutzt.
Das Gasnetz der Gas Connect Austria GmbH führt durch unterschiedliche Landschaftsräume in Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und Wien. Je nach Region, Klima, naturräumlichen Gegebenheiten und menschlicher Nutzung finden sich entlang der Leitungstrassen unterschiedliche Trassentypen wie z. B. Wald, Grünland oder Ackerland. Die Leitungstrassen sind gleichzeitig ein wertvoller Lebensraum für Fauna und Flora.
In der Planungsphase für die Errichtung neuer Leitungstrassen wird grundsätzlich versucht, die Trassen außerhalb sensibler Bereiche (Naturschutzgebiete, Vogelschutzgebiete, Biotope, Sicherung von Naturund Bodendenkmälern etc.) zu führen. Sofern dies nicht möglich ist, werden mit Sachverständigen aus verschiedenen Fachbereichen umfangreiche Maßnahmen zur Verminderung von Eingriffen in Natur und Umwelt festgelegt, z B., Einbindung Bundesdenkmalamt, ökologische Baubegleitung, Einhaltung der Richtlinien für die sachgerechte Bodenrekultivierung, Ersatzaufforstungen, behördliches Monitoring, Neophytenbekämpfung, Zieselumsiedelungen und Wildschneisen.
1.5.3.Arbeitnehmerbelange
Gas Connect Austria GmbH bietet Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viele Möglichkeiten, Aktivitäten für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu setzen. 2025 wurde neben unterschiedlichen Bewegungsprogrammen, zusätzlich eine Reihe von Gesundheitsvorsorgeprogrammen - teilweise online - angeboten. Des Weiteren steht die Betriebsärztin regelmäßig für Konsultationen zur Verfügung.
Um nicht nur die gesundheitlichen Belange abzudecken, gibt es Tools wie Augen-Auf Meldungen sowie das Ideenmanagement, das es Mitarbeiter:innen ermöglicht, eigene Ideen, aber auch unsichere Betriebszustände und -prozesse, zu melden.
Bezüglich ihres Arbeitnehmerschutzmanagementsystems ist Gas Connect Austria GmbH nach ISO 45001 zertifiziert.
Gas Connect Austria GmbH hatte keinen Arbeitsunfall (LTI) bei eigenen Mitarbeiter:innen seit 2017. Sicherheit ist kein Zufall – sie ist das Ergebnis von Verantwortung, Aufmerksamkeit und gelebten Werten. Gas Connect Austria GmbH wird diesen erfolgreichen Weg insbesondere beim WAG Loop Projekt fortsetzen.
Die Gas Connect Austria GmbH handelt auf Basis klarer Werte wie Verantwortung, Fairness und Weitblick und fördert ein respektvolles, wertschätzendes Arbeitsumfeld. Mit der Initiative „Faktor Fair“ setzt das Unternehmen gezielt auf Gleichstellung, Vielfalt und Chancengleichheit. Das Faktor-Fair-Team befasst sich kontinuierlich damit, bestehende und potenzielle Angebote zu erfassen, systematisch zu bewerten und weiterzuentwickeln, um den aktuellen Bedürfnissen der Organisation gerecht zu werden und wirksame Maßnahmen sicherzustellen. Durch gezielte Maßnahmen – wie Schulungen für Führungskräfte und Mitarbeitende sowie die Weiterentwicklung interner Prozesse – wird das gemeinsame Verständnis für faire Teilhabe und gleichberechtigte Entwicklungsmöglichkeiten nachhaltig gestärkt. Die Initiative ist fest in den Unternehmenszielen verankert und leistet einen wesentlichen Beitrag zur langfristigen Weiterentwicklung der Unternehmenskultur.
Die Personalentwicklung der Gas Connect Austria GmbH umfasst neben der Aus- und Weiterbildung auch ein entsprechendes Talente-Management. Das Talente-Management dient der Identifizierung von Talenten und deren Weiterentwicklung.
Mit der Karriere- und Nachfolgeplanung wird die frühzeitige Planung von Schlüsselpositionen und deren Nachbesetzung sichergestellt und mit der Lehrausbildung in technischen Berufen für einen frühzeitigen Wissenstransfer gesorgt.
In der Gas Connect Austria kommt der Kollektivvertrag für Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen zur Anwendung.
1.5.4.Sonstige nicht finanzielle Leistungsindikatoren
Die Gas Connect Austria GmbH hat die Zufriedenheit ihrer Kund:innen stets im Blick und arbeitet laufend daran, Produkte und Dienstleistungen an die Bedürfnisse des Marktes anzupassen. So gestaltet die Gas Connect Austria GmbH die nationalen und europäischen Rahmenbedingungen für eine optimierte Vermarktung dieser Produkte und Dienstleistungen proaktiv mit. Die Gas Connect Austria GmbH setzt dabei auf ein personalisiertes Customer Relationship Management, um die besten Optionen zur Optimierung des Leistungsportfolios ihrer Kund:innen zu identifizieren sowie auf maßgeschneiderte E-Commerce- Systeme zur Automatisierung der Verkaufs- und Abrechnungsprozesse.
Mittels regelmäßiger Kund:innenzufriedenheitsstudien wird die Leistungsqualität biennal überprüft, um anschließend Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung einzuleiten. Mit einer Note von 1,48 aus den letzten beiden Befragungen weist die Gas Connect Austria GmbH dabei eine stabile Kund:innenzufriedenheit auf sehr hohem Niveau aus.
2. Voraussichtliche Entwicklung und Risiken des Unternehmens
2.1. Voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens
2.1.1.Erläuterung der erwarteten Entwicklung wesentlicher externer und interner Einflussfaktoren Die Gas Connect Austria GmbH wird auch 2026 an Lösungen arbeiten, um die Versorgungsicherheit Österreichs und der Region zu gewährleisten. Mittelfristig wird sie durch das Entwickeln entsprechender Logistikoptionen das Anzapfen alternativer Bezugsquellen forcieren.
Die bevorstehenden Initiativen und Rahmengestaltungen auf europäischer und auch auf nationaler Ebene werden die Herausforderungen für die Gasinfrastruktur im Allgemeinen und die Rolle der Gas Connect Austria GmbH in der Energiewende, insbesondere im Hinblick auf eine künftige Wasserstoffund CCUS-Wirtschaft (Carbon Capture, Utilization and Storage), am Weg zur Dekarbonisierung bis 2040 bzw. 2050 definieren. Unterschiedliche Studien zeigen eindrucksvoll, dass die Nutzung von Pipelines die kostengünstigste Möglichkeit für den Transport von Gasen (Biogas, Wasserstoff, CO2, synthetischem Methan) innerhalb Europas darstellt. Bei der Verwendung bestehender Leitungen ist der Transport nochmals um 50% effizienter. Das Netz der Gas Connect Austria GmbH kann unterschiedliche erneuerbare Gase transportieren und ist damit nicht per Definition fossil, sondern im Gegenteil eine jetzt schon existierende Transportmöglichkeit für erneuerbare Energien.
Gas Connect Austria GmbH bekennt sich zur Energiewende und arbeitet aktiv daran mit (Emissionsreduktion, E-Kompressoren, Wasserstofftauglichkeit, etc).
Erneuerbare Gase wie Biogas und Wasserstoff aus „grünem“ Strom und synthetisches Methan (auch aus Importen) werden in diesem Zeitrahmen bis 2050 einen zusätzlichen Beitrag zur Auslastung der Gasinfrastruktur leisten. Weiterhin gilt es für die Gas Connect Austria GmbH aufgrund des Transitcharakters ihrer Leitungen, auch die Klima- und Energiepläne der Nachbarländer im Blick zu haben. Dadurch wird gewährleistet, dass die entsprechenden Angebote (für eine sich im Zeitverlauf ändernde Nachfrage) zur Verfügung stehen. Auch das derzeit ungenutzte Potenzial der Kohlenstoffabsonderung (Carbon Capture and Storage) am Verbrauchsort kann hier an Bedeutung gewinnen. Die Mitgestaltung der zukünftigen Rolle der Gasinfrastruktur in einem dekarbonisierten Umfeld, auch im Rahmen der internationalen Gasinfrastrukturvereinigungen wie ENTSOG, ENNOH und GIE sowie national im Fachverband Gas und Wärme (Teil der Wirtschaftskammerorganisation) und im ÖVGW, wird für die Gas Connect Austria GmbH weiterhin ein Schwerpunkt in den kommenden Jahren sein.
Gasförmige Energie hat heute in Form von Erdgas, aber auch in Zukunft in Form von erneuerbaren Gasen, eine wichtige Funktion für die Versorgungssicherheit. Gas wird in Haushalten, in Betrieben, der energieintensiven Industrie und im Bereich der Mobilität eingesetzt. Es deckt über 20% des heimischen Energiebedarfs und steht verlässlich 24 Stunden 365 Tage im Jahr zur Verfügung. Gas ist in großen Mengen speicherbar, kann somit die Schwankungen von Sonnen-, Wind- und Wasserkraft ausgleichen und entlastet bei Bedarf die Stromnetze. Gas kann in Form von Biogas, synthetischem Methan oder als grüner Wasserstoff auch erneuerbar produziert werden. Auch in Zukunft wird gasförmige Energie unverzichtbar für die chemische Industrie und die Stahlindustrie sein. Die Gas Connect Austria GmbH arbeitet aktiv daran, das Gasnetz für den Transport erneuerbarer Gase zu erhalten und fit zu machen.
2.1.2. Erläuterung der voraussichtlichen Auswirkung der in 2.1.1. erläuterten Erwartungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage (Zeithorizont zumindest 1 Jahr)
Die Transitflüsse durch die Ukraine nach Österreich endeten am 01.01.2025. Dies führte zu einem vollständigen Lieferstopp russischer Mengen über die Ukraine nach Baumgarten und in Folge zu einer stärkeren Nutzung der Importverbindungen aus Deutschland. Auf der Verbraucherseite ist mit weiterhin hohen Energiepreisen an den Großhandelsplätzen zu rechnen.
Durch die neue Tarifmethode wurde das Mengenrisiko auf das Nutzerkollektiv überwälzt. Abweichungen vom prognostizierten Tarifmengengerüst werden folglich über ein Regulierungskonto ausgeglichen. Analog zum Verteilnetz werden in der Fernleitung jährliche Kosten- und Mengen von der Regulierungsbehörde genehmigt. Durch den Mengenrückgang im Marktgebiet wurden Fernleitungstarife 2026 von der Regulierungsbehörde angehoben.
Gas Connect Austria untersucht die potenzielle Eignung und Nachnutzung ihres Netzes für den Transport Erneuerbarer Gase wie Wasserstoff. Zu diesem Zweck werden Studien und Untersuchungen mit geringem finanziellen Aufwand durchgeführt.
2.2. Wesentliche Risiken und Ungewissheiten
Ein stärkeres oder schnelleres Forcieren alternativer Energieträger (erneuerbarer Strom, Geothermie) oder erhöhte Energieeffizienz könnten das Geschäft der Gesellschaft negativ als auch positiv (Wasserstoff, Gas- statt Kohlekraftwerke) beeinflussen.
Hohe Erdgaspreise könnten die Nachfrage von Industrie, Gewerbe oder Haushalten signifikant abschwächen.
Geänderte gesetzliche Rahmenbedingungen können den Zugang zu öffentlichen Förderungen bzw. Anlagengenehmigungen, den Ausbau und Erhalt der Gasnetze oder Transportentgelte beeinflussen. CO2– Abgaben, Energiesteuern/-abgaben oder ähnliche Maßnahmen können Erdgas gegenüber erneuerbaren Energieträgern verteuern.
Im Oktober 2017 wurde von E-Control ein Missbrauchsverfahren gegen die Gas Connect Austria GmbH eingeleitet, dessen Gegenstand die Bewertung der Rechtsmäßigkeit der Tarifverrechnung der Gas Connect Austria GmbH mit einem Kunden ist. Dieses Verfahren wurde zwar in erster Instanz gewonnen, die Behörde hat jedoch am 13.6.2023 ordentliche Revision eingelegt, Gas Connect Austria hat fristgerecht die Revisionsbeantwortung eingebracht. Der Bundesverwaltungsgerichtshof hat am 12.06.2025 mit Erkenntnis entschieden, dass die Gas Connect Austria GmbH dem Kunden für Zeiträume ab 28.7.2021 ein Netznutzungsentgelt verrechnen muss, für davor liegende Zeiträume jedoch nicht. Dieses Erkenntnis hat die Gas Connect Austria GmbH entsprechend umgesetzt, womit das Missbrauchsverfahren ohne Strafe beendet wurde. Gegen diese Erkenntnis hat der Kunde allerdings Erkenntnisbeschwerde an den Verfassungsgerichtshof erhoben und verloren. Der Fall ist damit beendet.
Gegen den Bescheid des Vorstandes der Energie-Control Austria vom 30.10.2025, V KNEP G 01/24/6, zugestellt am 31.10.2025, hat Gas Connect Austria GmbH am 27.11.2025 fristgerecht Beschwerde gemäß Art 130 Abs 1 Z 1 B-VG an das Bundesverwaltungsgericht erhoben, wobei der Bescheid zur Gänze angefochten wird. Hauptgrund hierfür war die gänzliche Ablehnung des eingereichten KNEP aufgrund der Nicht- Genehmigung einzelner Projekte. Das Verfahren ist anhängig.
Bezüglich des Unfalls in Baumgarten im Dezember 2017 hat das Strafverfahren im Dezember 2021 begonnen.
Das erstinstanzliche Urteil im Baumgarten Unfall 12.12.2017 wurde am 18.05.2022 mündlich verkündet. Die beschuldigten Gas Connect Austria Mitarbeiter sowie der Verband Gas Connect Austria wurden freigesprochen. Der Staatsanwalt hat am 28.12.2022 eine Berufung beim OLG Wien eingebracht. In der Berufungsverhandlung vor dem OLG Wien am 17.12.2025 wurde das erstinstanzliche Urteil bestätigt und den Berufungen nicht stattgegeben. Die Freisprüche der GCA und ihrer beschuldigten Mitarbeiter sind sohin rechtskräftig.
Gas Connect Austria GmbH hat gegen den Kostenbescheid der Regierungsbehörde gem. § 82 GWG 2011 vom 29.5.2024 am 26.6.2024 das Rechtsmittel der Bescheidbeschwerde an das Bundesverwaltungsgericht erhoben, das Verfahren ist anhängig.
Als Antwort auf die negativen Auswirkungen des Ukraine-Konflikts auf die Konjunktur und resultierende finanzielle Risiken für Gas Connect Austria GmbH und deren Kunden kann Gas Connect Austria GmbH auf ein ständig eingerichtetes Credit Risk Management System zurückgreifen. Das Risiko finanzieller Schäden durch Zahlungsausfälle in Folge der Verwerfungen auf dem Energiemarkt wird laufend überwacht. Ausreichende Speicherstände und die Versorgung über nicht-russische Gasquellen sorgen trotz kalter Wintermonate und trotz des Ausfalls des Ukrainetransits seit 1.Jänner 2025 für einen stabilen Gaspreis, allerdings auf hohem Niveau.
Potenzielle Lieferstopps bzw. Zahlungsstopps betroffener Kunden haben eine wesentliche Auswirkung auf die Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft. Um die Deckung des Gasbedarfs bzw. die Wiederbefüllung der Gasspeicher auch künftig ohne Russland sicherzustellen, stehen für alternative Bezugsquellen die Routen über Deutschland kommend von West nach Ost (WAG Leitung) oder über Italien vom Süden kommend offen.
Der Regulator hat dem unsicheren Umfeld, in dem sich die Gesellschaft befindet, mit dem Umstieg ab Jänner 2025 auf ein Tarifsystem ohne Preisobergrenze Rechnung getragen.
2.3.Finanzielle Risiken
Bei den Verbindlichkeiten gegen Verbund bzw. AS Gasinfrastruktur GmbH besteht ein Zinsänderungsrisiko.
Die Gesellschaft wickelt den überwiegenden Teil ihrer Geschäfte in Euro ab. Somit besteht kein materielles Währungsänderungsrisiko.
Zur Reduzierung des Ausfallsrisikos werden Bonitätsprüfungen und ein laufendes Monitoring der Ratings von Kund:innen und Lieferanten durchgeführt.
Entsprechend den Transportkapazitätsverträgen sind Sicherheiten in Form von Bankgarantien oder Deposits vereinbart. Es werden nur Garantien solcher Banken akzeptiert, die ein Mindestrating erfüllen, das laufend überwacht wird.
3. Forschung und Entwicklung
Die Gas Connect Austria GmbH arbeitet kontinuierlich an neuen und innovativen Lösungen zur Verbesserung des Status quo. Daher werden laufend neue Technologien und Konzepte zur Erhöhung der Sicherheit, Verfügbarkeit und Effizienzsteigerung übernommen.
Sicherheit
Zur Erhöhung des Schutzniveaus von Netz- und Informationssystemen erließ das europäische Parlament eine Richtlinie, die in Österreich durch das Netz- und Informationssystem-Sicherheitsgesetz (NISG) umgesetzt wurde.
Das NISG stellt dabei weitreichende technische und organisatorische Anforderungen, deren Erfüllung von einer qualifizierten Stelle (QuaSte) überprüft und der Behörde bescheinigt werden müssen.
Nachdem das NIS2 nicht vom Gesetzgeber verabschiedet wurde, fand 2025 bei Gas Connect Austria GmbH die lt. NISG verlangte Prüfung statt. Diese konnte ohne festgestellte Abweichungen absolviert werden, die Ergebnisse wurden an die Behörde übermittelt. Alle erforderlichen Maßnahmen zu den Feststellungen und Empfehlungen wurden definiert und werden entsprechend dem erarbeiteten Umsetzungsplan abgearbeitet.
Seit mehreren Jahren hält die Gas Connect Austria GmbH eine Zertifizierung nach ISO 27001, wodurch die Wirksamkeit des Betriebes eines entsprechenden ISMS (Informationssicherheitsmanagementsystems) jährlich von unabhängiger Stelle bestätigt wird.
Das zur weiteren Erhöhung der Sicherheit etablierte Awareness-Programm, das für alle Mitarbeiter:innen des Unternehmens verpflichtend zu absolvieren ist, wurde optimiert. Es sind nun zielgruppenorientierte Trainings und Überprüfungen enthalten, sowie speziell auf die Gas Connect Austria GmbH, bzw. der Branche zugeschnittene Inhalte.
Es ist zu erwarten, dass die umzusetzenden Maßnahmen zur Erfüllung der Anforderungen zu internen Mehraufwänden und erhöhten Betriebskosten führen.
Beitrag zur Energiewende
Die Gas Connect Austria GmbH arbeitet schon seit Jahren daran, ihr Leitungsnetz für den Gastransport der Zukunft fit zu machen. Bereits vor fast zehn Jahren begann sie sich im Rahmen einiger Projekte mit den Themen wie Blending, Deblending oder der Umwandlung von grünem Strom in Wasserstoff zu beschäftigen. Durch diese langjährige und fundierte Erfahrung kann sich Gas Connect Austria GmbH heute in zahlreiche Projekte einbringen (z.B.: H2REAL, H2EU+ Store, SoutH2Corridor). Der Gas Connect Austria GmbH ist es ein Anliegen, dass alle Verantwortlichen am Energiemarkt sektorübergreifend denken, integrierte Planungen vornehmen und die Möglichkeit haben, technologieoffen in alle Richtungen zu forschen.
Ein weiterer zentraler Schwerpunkt lag in der Entwicklung eines Finanzierungskonzepts für den Wasserstoffhochlauf in Österreich sowie in der aktiven Vermittlung des Modells an politische Entscheidungsträger und innerhalb der Branche mit dem Ziel, die Verankerung des angestrebten Modells in der Gesetzgebung für Wasserstoff sicherzustellen bzw. entsprechend vorzubauen.
Gas Connect Austria GmbH schloss sich zudem mit anderen Netz- und Speicherbetreibern sowie Erzeugern zum Projekt H2EU+Store zusammen, das erneuerbaren Wasserstoff in der Westukraine erzeugen und via Pipeline durch die Slowakei nach Österreich bringen soll, mit Speicherung in Österreich und Weiterleitung an die deutsche Industrie. Damit ist die gesamte Wertschöpfungskette Erzeugung – Transport – Verbrauch in einem Projekt vereint.
Via H2Global, einer deutschen Wasserstoffinitiative, soll auch die Finanzierung für Erzeuger und Verbraucher von Wasserstoff durch langfristige Abnahmeverträge gesichert werden. Außerdem ist Gas Connect Austria GmbH Mitglied des Projekts H2REAL, welches im Mai 2023 startete. Im Rahmen des Projekts soll ein Hydrogen Valley (das sind geografisch eingegrenzte Gebiete, in denen klimaneutraler Wasserstoff lokal produziert und auch wieder verbraucht wird) in Ostösterreich entwickelt und die gesamte Wertschöpfungskette von Wasserstoff abgebildet werden. Ziel ist es, Konzepte und Strategien zu realisieren, die einen Hochlauf der regionalen Wasserstoffwirtschaft sowie einen proaktiven, koordinierten Infrastrukturausbau mit allen regionalen Key-Playern ermöglicht.
Zuletzt wurde eine (grenzüberschreitende) Erweiterung des Valley-Netzwerks immer konkreter. Dabei sollen vor allem die Länder Ungarn und Slowakei eine Rolle spielen.
Mit dem Projekt „H2 Backbone WAG + Penta-West“ konnte Österreich als wichtige Drehscheibe in zwei der fünf Wasserstoffkorridore etabliert werden. Der SoutH2Corridor zielt darauf ab, Wasserstoff aus Nordafrika bzw. per Schiff via Italien nach Österreich zu bringen. Der Ostkorridor erlaubt die Anlieferung aus der Ukraine bzw. über den Balkan nach Österreich. Um diese Korridore und deren Wertschöpfungsketten zu orchestrieren, schlossen sich VERBUND als Gründungsmitglied und die Gas Connect Austria GmbH der HIAA (Hydrogen Import Alliance Austria) an.
Die HIAA ist eine Initiative von acht führenden österreichischen Energieunternehmen, Netz-betreibern und Wasserstoffabnehmern vor allem aus der Industrie. Die Mitgliedsunternehmen verstehen den Import von grünem Wasserstoff als wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele und zur Sicherung des Industriestandorts Österreich. Sie verfolgen das gemeinsame Ziel, Wasserstoffimporte nach Österreich via Pipelines ab2030 zu ermöglichen und damit die signifikant steigenden Bedarfe an grünem Wasserstoff langfristig decken zu können. Die HIAA-Unternehmen unterstützen Aktivitäten entlang der Wertschöpfungskette, um den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Österreich zu ermöglichen, die nationale Wasserstoffstrategie umzusetzen und eine sichere und diversifizierte Versorgung zu gewährleisten.
4. Bericht über IKS (Internes Kontrollsystem) und RMS (Risikomanagementsystem) im Hinblick auf den Rechnungslegungsprozess
Für die Uberwachung des Rechnungslegungsprozesses sind Mindestkontrollanforderungen mittels Risiko- und Kontrollmatrizen definiert, die in regelmäßigen Abständen auf Funktionsfähigkeit und Wirksamkeit hin analysiert werden. Bei Bedarf werden Anpassungen durchgeführt beziehungsweise Maßnahmen daraus abgeleitet und festgelegt.
Für die Überprüfung der Einhaltung von Mindestkontrollanforderungen stehen Instrumentarien wie Spot- Checks und interne Audits zur Verfügung.
Die Gesellschaft verfügt über ein Risikomanagement, dessen Tauglichkeit regelmäßig von externen Prüfern beurteilt wird.
Zum IKS und Risikomanagement wird im Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates regelmäßig berichtet.
Wien, am 12. Februar 2026
Mag. Dr. Valerie Hackl
Geschäftsführerin
Hopul
Ing. Mag. Stefan Wageghıófer
Geschäftsfy hrer