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Lagebericht 2024

Binder + Co AG

Original-PDF

Stichtag 31. Dez. 2024 · Eingereicht am 25. Sep. 2025

Inhaltsverzeichnis

binder+cơ

D

Rahmenbedingungen

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) spricht in ihrem Ende 2024 veröffentlichten Bericht von einer – trotz großer Schocks – in den letzten Jahren erstaunlich resilienten Weltwirtschaft. 2024 ist das globale Wachstum stabil geblieben, während die Inflation weiter nachgelassen hat. Der Welthandel erholt sich ebenfalls. Daher geht die OECD von anhaltend stabilen Verhältnissen aus und projektiert das globale BIP-Wachstum in 2025 mit voraussichtlich 3,3 %. Hinter dieser soliden Gesamtentwicklung verbergen sich jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern und Regionen.

Der Euroraum – der für die Binder+Co Gruppe wichtigste Markt – zeigte mit 0,7 % ein sehr gedämpftes Wirtschaftswachstum. In Deutschland – der wichtigste Exportmarkt für Einzelmaschinen der Binder+Co AG - geht man gar nur von 0,1 % aus. Die Prognosen für das Jahr 2025 bewegen sich zwischen 1,0 % und 1,3 %. Hingegen war das Wachstum in den Vereinigten Staaten (2,6 %) und Spanien (2,8 %) robust.

Asien wird – wie schon in den Jahren zuvor – maßgeblich zum Wachstum der Weltwirtschaft beitragen. In China wird von einer Wachstumsrate von 4,5 % für 2025 ausgegangen und Indien steht im Vergleich mit 6,8 % noch besser dar.

Große Unterschiede zeigen sich aber nicht nur regional, sondern auch branchenspezifisch. So hat sich die Bauwirtschaft 2024 zur Gesamtwirtschaft deutlich schlechter entwickelt und dieser Trend wird auch 2025 anhalten. Komplementär dazu die Entwicklungen im Recycling von Wertstoffen: Es wird erwartet, dass der weltweite Abfall- und Recyclingmarkt in den nächsten Jahren ein schnelles Wachstum erlebt. Während die Europäische Union die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft vorantreibt, um sicherzustellen, dass ein geringerer Anteil unserer Ressourcen auf der Deponie oder in der Energieerzeugung landet und mehr davon recycelt, wiederverwendet und reduziert wird, führen auch andere Länder eine auf die Kreislaufwirtschaft ausgerichtete Politik ein. Im Schnitt wird der weltweite Markt bis 2030 um mindestens 5 % pro Jahr wachsen.

Mit seiner hohen Exportquote von 95,7 % kann sich auch Binder+Co diesen globalen Entwicklungen nicht entziehen. Zum einen bilden der EU-Raum, Asien und Nordamerika die wichtigsten Märkte, zum anderen sinkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit durch stark gestiegenen Lohnstückkosten in Österreich. Für die Binder+Co Unternehmensgruppe spricht aber ein ausbalanciertes Geschäftsmodell, das auf den drei Säulen Aufbereitungstechnik, Umwelttechnik und Verpackungstechnik sowie auf einem starken Servicegeschäft beruht.

Die bereits seit 2023 stark nachlassende Baukonjunktur hat unmittelbaren Einfluss auf den Bedarf an Primärrohstoffen und führt zu einem rückläufigen Geschäft im Bereich Aufbereitungstechnik. Der Trend zur nachhaltigen Nutzung von wertvollen Ressourcen – besonderes im EU-Raum – hält die Investitionen in Recyclingtechnologien hoch und damit auch das Wachstum im Bereich Umwelttechnik. Nachhaltigkeit bedeutet aber auch, die über Jahrzehnte angewachsene und am Markt operierende Maschinenbasis der Binder+Co in Stand zu halten: eine Aufgabe, die durch unser stetig wachsendes After Sales Serviceteam international wahrgenommen wird.

Das Geschäftsmodell von Binder+Co, sowohl auf innovativen Maschinenbau als auch auf ein anspruchsvolles, prozessorientiertes System- und Anlagengeschäft zu setzen, hat sich auch in den letzten Jahren gut bewährt. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten sind kundenseitige Investitionsentscheidungen stark von technischen und betriebswirtschaftlichen Kriterien wie Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Amortisationszeit geprägt. Mit einer mehr als 70-jährigen Markterfahrung der Binder+Co Gruppe in der Aufbereitung von Primärund Sekundärrohstoffen werden Werte wie Verlässlichkeit, Beständigkeit und hohe Qualität von Maschinenund Anlagenbau hochgeschätzt.

Berichterstattung/Konsolidierungskreis

Die Binder+Co AG hält 50,7 % der Anteile an der Statec Binder GmbH, in die 2008 das Geschäftsfeld Verpackungstechnik der Binder+Co AG eingebracht wurde. Damit wird die Gesellschaft im Konzernabschluss von Binder+Co voll konsolidiert. Die Umsätze und Ergebnisse der Statec Binder GmbH werden dem Segment Verpackungstechnik/Sonstiges zugerechnet.

2011 gründete die Binder+Co AG in Zusammenhang mit der Akquisition der Comec S.p.A. ein neues Tochterunternehmen in Italien, das als Comec-Binder S.r.l. zu 100 % in die Binder+Co Gruppe eingegliedert ist. Umsatz und Ergebnis dieses voll konsolidierten Tochterunternehmens werden dem Segment Aufbereitungstechnik zugeordnet.

Ebenfalls zu 100 % im Eigentum der Binder+Co AG steht die seit 2016 operativ tätige Binder+Co USA, Inc. Die Umsätze dieser Tochtergesellschaft werden je nach bedienter Branche entweder dem Segment Aufbereitungs- oder dem Segment Umwelttechnik zugeordnet.

Marktumfeld

In einem weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Umfeld ist die Bautätigkeit in Europa 2024 mit 2,1 % noch etwas stärker zurückgegangen als im Jahr zuvor. Für die kommenden rechnet man bestenfalls mit einer moderaten Erholung. Damit sind auch die Investitionen für Maschinen und Anlagen in der Primärrohstoffindustrie stark zurückgegangen, was in weiterer Folge im Bereich Aufbereitungstechnik das zweite Mal in Folge zu rückläufigen Auftragseingängen geführt hat. Zusätzlich hat sich auch das Service- und Ersatzteilgeschäft in diesem Segment leicht rückläufig gezeigt: Viele der in der DACH-Region betriebenen Aufbereitungsanlagen wurden, der sinkenden Nachfrage nach Rohstoffen folgend, mit deutlich reduzierten Betriebsstunden betrieben.

Kreislaufwirtschaft ist wiederum das treibende Thema im Bereich Umwelttechnik. Maschinen und Anlagen von Binder+Co gewährleisten nicht nur höhere und effizientere Ausbringung von wertvollen Rohstoffen, sondern finden ihren Einsatz auch in der Rückgewinnung von Wertstoffen aus dem Recyclingprozess. Mit dem Fokus auf sensorgestützte Sortierung von Glas, Metallen und Bauschutt setzt Binder+Co auf stark wachsende Märkte mit einem hohen Technologiebedarf.

Die Verpackungstechnik, und damit die Statec Binder GmbH, hat ihre größten Märkte in Asien. Asien weist nach wie vor eine über dem OECD-Schnitt liegende, sehr robuste Konjunktur auf. Allerdings ist auch hier festzustellen, dass der Wettbewerbsdruck durch regionale Wettbewerber steigt.

Grundsätzlich haben sich die internationalen Lieferengpässe für sämtliche Gesellschaften der Binder+Co Gruppe entspannt, dennoch bleibt die Gesamtsituation hinsichtlich Lieferzeiten, Materialpreise und Investitionsfreudigkeit gebremst. Zum überwiegenden Teil ist das nach wie vor den andauernden weltweiten Krisenherden in Russland und dem Nahen Osten zuzuschreiben.

Geschäftsentwicklung

Ein erfreulich hoher Auftragsstand zu Beginn des Geschäftsjahres ermöglichte der gesamten Gruppe, trotz der angespannten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der DACH-Region, einen guten Start.

Je nach Branchenschwerpunkt haben sich im Geschäftsjahr 2024 auch die einzelnen Unternehmen der Binder+Co Gruppe gut entwickelt. Die Binder+Co AG verzeichnete, getrieben durch die sinkende Baukonjunktur, im vergangenen Jahr einen Rückgang der Auftragseingänge um ca. 8 %. Im Gegensatz dazu konnte Comec-Binder S.r.l., die mit ihren Maschinen und Anlagen zur Gänze im Bereich Baurohstoffe tätig ist, einen Zuwachs im Auftragseingang um knapp 22 % erreichen. Auch bei der Statec Binder GmbH konnte im Vergleich zum Vorjahr ein um ca. 6 % höherer Auftragseingang erzielt werden. Mit einer Erhöhung von 30 % zeigte sich auch ein deutlicher Zuwachs im Geschäft von Binder+Co USA.

Die nunmehr über drei Jahre andauernden Russland-Sanktionen haben nachhaltige Auswirkungen, insbesondere auf das Geschäftsfeld der Kalisalztrocknung. Mit grob 10 bis 15 % jährlichem Anteil am Auftragseingang vor Ausbruch des Russland-Ukraine-Kriegs ist ein über Jahre wichtiger Markt im Segment Aufbereitungstechnik weggebrochen. Dennoch konnte mit zwei Aufträgen für Kalisalztrockner im GUS-Raum in dieser Branche wieder ein deutliches Lebenszeichen gesetzt werden.

Mit EUR 70,89 Mio. lag der Auftragsstand der Gruppe am Ende des Geschäftsjahres um 17,1 % unter dem sehr guten Vorjahreswert. Mit diesem Auftragsstand besteht auch für das Geschäftsjahr 2025 eine solide Ausgangsbasis.

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 4
UmsatzEBT
15,00
150,00150,5013,69
130,15128,1411,6711,58
125,00
10,00
100,00
75.00
50,005,00
25,00
0.000,00
2022 EUR Mo.20232022 EUR Mio.2023

Exportgeschäft

Die Auslandsumsätze der Gruppe betrugen im Berichtszeitraum 95,7 % des Gesamtumsatzes (2023: 93,0 %) und belegen damit einmal mehr die große Bedeutung des Exportgeschäfts. Mit einem Umsatzanteil von 45,0 % (2023: 42,2 %) stellte EU-Europa (ohne Osterreich) den größten Absatzmarkt dar, gefolgt von Asien/Australien mit 34,0 % (2023: 27,5 %). Aus dem sonstigen Europa einschließlich Russland kamen 6,0 % (2023: 6,9 %), Amerika steuerte 9,0 % (2023: 14,1 %) und Afrika 1,7 % (2023: 2,3 %) bei.

Umsatz nach Regionen

Amerika 9,0 % Österreich 4,3 %

Asien/Australien 34,0 %

EU-Europa 45,0 %

Afrika 1,7 % -

Sonstiges Europa inkl. Russland 6,0 %

Produktsegmente

Aufbereitungstechnik

Geprägt durch die schwierigen Rahmenbedingungen im Baurohstoffbereich zeigte sich das Segment Aufbereitungstechnik im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr stagnierend. Während das Einzelmaschinengeschäft einen leichten Rückgang zu verzeichnen hatte, zeigte sich das Systemgeschäft durch zwei Projekte im Bereich Kalisalztrocknung im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Nach wie vor resilient zeigen sich bei Einzelmaschinen die Leitprodukte, wie die BIVITEC-Siebmaschine sowie die Brechtechnik der Comec-Binder S.r.l. Der Geschäftsbereich Aufbereitungstechnik konnte mit einem Segmentumsatz von EUR 38,63 Mio. (2023: EUR 38,89 Mio.) einen Anteil von 25,67 % (2023: 30,35 %) am Gesamtumsatz erreichen. Der durch den höheren Kostendruck bedingte Rückgang bei innovationsschwächeren Einzelmaschinen führte zu einem geringeren Auftragseingang von EUR 35,81 Mio. im Vergleich zum Vorjahr (2023: EUR 37,76 Mio.).

Umwelttechnik

Die Umwelttechnik konnte von den international günstigen Rahmenbedingungen profitieren und die positiven Impulse aus der Kreislaufwirtschaft in ein erneutes Umsatzwachstum auf EUR 56,63 Mio. (2023: EUR 47,30 Mio.) umsetzen. Das entspricht einem Anteil von 37,63% (2021: 36,91 %) am Gesamtumsatz im Jahr 2024. Speziell im Glasrecycling hält sich die Nachfrage auf konstant hohem Niveau. Profitiert davon hat nicht nur das Einzelmaschinen- und Kleinsystemgeschäft, es kam auch zum Abschluss eines Großprojektes für einen Umbau bzw. eine Erweiterung einer Altglasaufbereitungsanlage in Deutschland. Im Bereich der sensorgestützten Metallsortierung führte ein Pilotprojekt gemeinsam mit einem amerikanischen Kunden nicht nur zum ersten Auftrag in der LIBS-Technologie (Sortierung nach Aluminium- Legierungsklassen), sondern es konnte ein weiterer Großkunde in Nordamerika dafür gewonnen werden. Anhaltend stark ist auch die Nachfrage nach Anwendungen zur Aubereitung von Bauschutt. Neben dem sensorgestützten Sortieren mit CLARITY spielt die BIVITEC-Siebtechnologie im Recycling eine immer stärkere Rolle. In Summe führte dies zu einem Auftragseingang von EUR 55,12 Mio. Damit konnte der Rekordwert des Vorjahres (2023: EUR 56,66 Mio.) in etwa gehalten werden.

Verpackungstechnik/Sonstiges

Im Segment Verpackungstechnik setzte Statec Binder zum wiederholten Male die positiven Entwicklungen der Vorjahre fort. Das Segment erzielte in Summe einen Umsatz von EUR 55,24 Mio. und lag damit deutlich über dem Vorjahresniveau (2023: EUR 41,95 Mio.). Mit einem Auftragseingang von EUR 44,98 Mio. erreichte man abermals einen Wert auf hohem Niveau (2023: EUR 42,44 Mio.). Größere Aufträge konnten in Indien und im arabischen Raum verzeichnet werden. Durch die Fertigstellung einiger Großaufträge aus den Vorjahren ist der Auftragsstand zum Jahresende 2024 mit EUR 31,28 Mio. im Vergleich zum Vorjahr (2023: EUR 41,59 Mio.) deutlich geringer ausgefallen. Dennoch kann die Ausgangslage für 2025 als hervorragend bezeichnet werden.

After Sales Service

Der Umsatzanteil des After Sales Services in 2024 mit 25,7 % (2023: 33,7 %) unterstreicht die Bemühungen der Binder+Co Unternehmensgruppe, mit Kundennähe und Servicefreundlichkeit nachhaltig in den relevanten Branchen und Märkten zu punkten. Der relative Rückgang des Gesamtgeschäftes ist den derzeit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der baustoffnahen Industrie geschuldet. Neue Impulse in diesem Bereich werden künftig durch die Digitalisierung erwartet. So kam es 2024 zum Marktstart der vollumfänglichen Plattform „b-connected". Neben der digitalen Steuerung und Vernetzung von Maschinen und Anlagen wird die Wartungsfreundlichkeit der Maschinen durch systematische Wissensdatenbanken, Servicekalender und einen Online-Shop erweitert.

Nachfrageentwicklung im Wirtschaftsjahr

Binder+Co startete mit einem deutlich hõheren Auftragsstand von EUR 85,51 Mio. (2023: EUR 76,89 Mio.) in das Geschäftsjahr 2024. Während sich die Preise bei Rohmaterialien bereits im Vorjahr normalisiert hatten, beruhigte sich die Inflationsentwicklung innerhalb der EU, speziell aber in Osterreich, erst im ersten Halbjahr des Wirtschaftsjahres. Der Trend der Nachfrageentwicklung aus dem Vorjahr setzte sich auch im Geschäftsjahr weiter fort: Das Interesse und die Nachfrage nach Umwelttechnologien zeigte sich 2024 international ungebrochen stark. Bei größeren Anlagen- und Systemprojekten stellte sich jedoch eine

verzögerte Investitionsbereitschaft ein und nur eine geringe Zahl dieser Großprojekte kamen international zur Entscheidung. Im Gegensatz dazu konnte in der Aufbereitungstechnik die sinkende Nachfrageentwicklung nicht gestoppt werden. Teilweise ging die Nachfrage nach Aufbereitungsmaschinen für die baustoffnahe Industrie um bis zu 25 % im Vergleich zum Vorjahr zurück.

Die Comec-Binder S.r.l. – ausschließlich im Segment Aufbereitungstechnik tätig - bekam den Nachfragerückgang im baustoffnahen Bereich nur zum Teil zu spüren. Zum einen konnte man ein positives Investitionsklima für Einzelmaschinen der Brechtechnik im Nahen Osten und in der nordafrikanischen Region gut nützen, zum anderen wird die Nasstechnologie des Unternehmens (Prozesswasseraufbereitung, Filterpressen) im Sinne einer nachhaltigen Nutzung von Primärrohstoffen (Sand) und natürlichen Ressourcen (Wasser) besonders in der DACH-Region nachgefragt. Wie schon zuletzt konnte auch das After Sales Geschäft wieder an das hohe Niveau der Vorjahre anschließen. Obwohl die kundenseitige Investitionsfreude im zweiten Halbjahr 2024 etwas abebbte, verspricht die generelle Nachfrage auch für 2025 noch ein positives Investitionsklima.

Die im Segment Verpackungstechnik tätige Statec Binder GmbH konnte im Geschäftsjahr 2024 den positiven Trend der Vorjahre fortführen. Seit Jahren zeigt sich die Nachfrage nach Verpackungs- und Palettiertechnik als nachhaltig stabil. Traditionell zu einem großen Anteil in den asiatischen Märkten tätig, konnte das dort vorherrschende positive Wirtschaftsklima genutzt werden. Im Branchenmix (Petrochemie, Nahrungs- und Futtermittel, Düngemittel, Agrarprodukte, Chemie) ist die Statec Binder GmbH breit aufgestellt. Dennoch steigt der Wettbewerbsdruck durch regionale Anbieter in und aus Asien, die von deutlich geringeren Kostensteigerungen in den letzten Jahren betroffen waren. Mit einem hohen Auftragseingang hat die Verpackungstechnik dennoch eine gute Ausgangsbasis für 2025 geschaffen.

Im Geschäftsjahr setzte sich die positive Grundstimmung bei Investitionen in das Glasrecyclinggeschäft in den USA weiter fort. So konnte die Binder+Co USA, Inc. im Segment Umwelttechnik nicht nur Maschinen und Schlüsselkomponenten verstärkt verkaufen, auch das Service-Geschäft zeigte ein deutliches Wachstum. Nachdem bereits im Vorjahr wichtige Weichen im Bereich der sensorgestützten Metallsortierung gestellt wurden, konnten im Geschäftsjahr mehrere Projekte erfolgreich umgesetzt und damit neben dem Glasrecycling ein zweites starkes Standbein geschaffen werden.

Mit Ende des Geschäftsjahres 2024 konnte die Binder+Co Gruppe einen Auftragsstand von EUR 70,89 Mio. erzielen (17,1 % unter dem Vorjahreswert) und so eine weiterhin gute Auftragsbasis für das Geschäftsjahr 2025 legen.

Produktion

Die Binder+Co Gruppe verfügt an ihren Firmenstandorten in Gleisdorf und in Badoere di Morgano, Italien, über eigene Produktionskapazitäten, die auf die Herstellung der Kernprodukte und -komponenten ausgerichtet sind. Die in Louisville (Colorado, USA) ansässige Binder+Co USA, Inc. hingegen ist eine reine Vertriebs- und Serviceniederlassung mit angemieteten Büroräumlichkeiten. Die Ersatzteillogistik wird über ein zentrales Fulfillment-Center gesteuert.

Beschaffung

Die meisten Gruppenunternehmen verfügen über eigene Einkaufsabteilungen, die neben den Vormaterialien für die Herstellung von Maschinenteilen auch Stahlbauteile und untergeordnete Maschinenbaukomponenten weltweit zukaufen. Der Einkauf erfolgt vornehmlich in Europa, aber auch in den jeweiligen Zielmärkten Asien, Afrika und Nordamerika.

Investitionen

Die größten Investitionen des Geschäftsjahres 2024 konzentrierten sich wiederum auf den Standort Gleisdorf. Bei der Binder+Co AG wurden neben der Fertigstellung der neuen Laserschneideanlage mit dem Bau des Sozialgebäudes (Büros, Aufenthalts- und Sanitärräume für die Produktionsmitarbeiter) begonnen, welches voraussichtlich im April 2025 fertiggestellt wird. Die Errichtung der Photovoltaikanlage im Umfang von ca. 1.700 KWp konnte im abgelaufenen Wirtschaftsjahr abgeschlossen werden. Der Anschluss an das örtliche Fernwärmenetz (und damit Austausch des Gas-Heizwerkes) erfolgte ebenfalls im Jahr 2024. Somit kann der Betrieb des Standortes frei von fossilen Energieträgern erfolgen. Die Statec Binder GmbH hatte ihren Investitionsschwerpunkt im Bereich der Betriebs- und Geschäftsausstattung bzw. Software. Am US-Standort beschränkten sich die Investitionen auf Büro- und Geschäftsausstattung.

Finanzierung

Zum 31. Dezember 2024 betrug das Eigenkapital der Binder+Co Gruppe EUR 47,93 Mio. (2023: EUR 43,75 Mio.). Trotz einer höheren Bilanzsumme von EUR 104,73 Mio. (2023: EUR 98,52 Mio.) sowie einer Ausschüttung an die Aktionăre in Hõhe von EUR 3,75 Mio. (2023: EUR 7,50 Mio.) konnte aufgrund des hohen Konzernergebnisses eine Erhöhung der Eigenkapitalquote auf einen Wert von 45,8 % (2023: 44,4 %) verzeichnet werden.

Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten wurden im Geschäftsjahr 2024 um EUR 5,27 Mio. erhõht und betrugen zum 31. Dezember 2024 EUR 12,72 Mio. (2023: EUR 7,45 Mio.), von denen EUR 5,33 Mio. als langfristig und EUR 7,38 Mio. als kurzfristig einzustufen sind. Gleichzeitig haben sich die Barmittel um EUR 13,78 Mio. auf EUR 2,36 Mio. verringert.

Im Geschäftsjahr 2024 wurde mit den finanzierenden Banken eine neue Finanzierungsvereinbarung getroffen, wobei die kurzfristigen Bankverbindlichkeiten bis 31. Dezember 2026 verlängert wurden.

Beim Abschluss der Kreditverträge wurde auf Fristenkongruenz geachtet. Kurzfristiger Finanzierungsbedarf wird auch über Kontokorrentrahmen und Barvorlagen gedeckt.

Bericht über Zweigniederlassungen

Der Konzern verfügt über keine Zweigniederlassungen.

Finanzielle und nichtfinanzielle

Leistungsindikatoren

Finanzielle Leistungsindikatoren – Überblick

IFRS-Kennzahlen Geschäftsentwicklung

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 8
202420232022
UmsatzEUR Mio.150,50128,14130,15
davon AufbereitungstechnikEUR Mio.38,6338,8950,13
davon UmwelttechnikEUR Mio.56,6347,3045,36
davon Verpackungstechnik/SonstigesEUR Mio.55,2441.9534,66
EBITEUR Mio.12,1914,2612,15
EBIT-Marge%8,111,19,3
EBTEUR Mio.11,5813,6911,67
EBT-Marge%7,710,79.0
KonzernergebnisEUR Mio.8,8611,269,06
Konzernergebnis (nach Minderheiten)EUR Mio.7,0610,067,95
Gewinn pro Aktie (unverwässert)EUR1,882,682,12
Gewinn pro Aktie (verwässert)EUR1,882,682,12
Geldfluss aus der operativen TåtigkeitEUR Mio.-4.7519,3110,78
InvestitionenEUR Mio.-6.94-6,12-5,60
MitarbeiterAnzahl zum Stichtag395379383
Umsatz/MitarbeiterTEUR381338340
EBIT/MitarbeiterTEUR313832
AuftragseingangEUR Mio.135,91136,86150,81
davon AufbereitungstechnikEUR Mio.35,8137,7641,95
davon UmwelttechnikEUR Mio.55,1256,6650,60
davon Verpackungstechnik/SonstigesEUR Mio.44,9842,4458,26
AuftragsstandEUR Mio.70,8985,5176,89
davon AufbereitungstechnikEUR Mio.8,7711,5812,87
davon UmwelttechnikEUR Mio.30,8432,3422,94
davon Verpackungstechnik/SonstigesEUR Mio.31,2841,5941,08

IFRS-Kennzahlen Bilanz

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 8
Aktiva202420232022
Langfristiges VermögenEUR Mio.52,9250,7748,48
Kurzfristiges VermögenEUR Mio.51,8147,7549,69
Passiva
EigenkapitalEUR Mio.47,9343,7540,49
Langfristiges FremdkapitalEUR Mio.16,8323,8720,13
davon KreditverbindlichkeitenEUR Mio.5,336.758,77
Kurzfristiges FremdkapitalEUR Mio.39,9730,9037,55
davon KreditverbindlichkeitenEUR Mio.7,380,703,66
BilanzsummeEUR Mio.104,7398,5298,17
Eigenkapitalquote%45,844,441,2
Return on Equity (ROE)ear b626,533,835,0

1) Basis für den ROE ist das Eigenkapital am Jahresantang.

Bericht zu ausgewählten finanziellen Leistungsindikatoren

Umsatz und EBT

Die Binder+Co Gruppe erzielte im Geschäftsjahr 2024 einen Konzernumsatz von EUR 150,50 Mio. (2023: EUR 128,14 Mio.).

Das EBT liegt im Berichtszeitraum mit EUR 11,58 Mio. (2023: EUR 13,69 Mio.) auf einem sehr hohen Niveau, nahe dem Höchststand des Vorjahres, in dem ein positiver Sondereffekt aus der Veräußerung von 100 % der Anteile an der Bublon GmbH sowie der dazugehörenden immateriellen Vermögensgegenstände (Patent- und Markenrechte) enthalten ist.

Kennzahlen nach Geschäftsbereichen – IFRS

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 9
Umsatz
EUR Mio.20242023
Binder+Co AG84,7075,98
Statec Binder GmbH55,2041,90
Comec-Binder S.r.l.10,218,85
Bublon GmbH0,000,58
Binder+Co USA, Inc.5,967,42
Innenumsätze/Sonstige-5,57-6,59
Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 9
EBT
EUR Mio.20242023
Binder+Co AG7,019,09
Statec Binder GmbH4,763,21
Comec-Binder S.r.l.0,51-0,26
Bublon GmbH0,00-0.37
Binder+Co USA, Inc.1,001,17
Innenumsätze/Sonstige-1,700,85

Return on Equity (ROEE87))

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 10
20242023
Binder+Co AG27,535,4
Statec Binder GmbH30,321,7
Comec-Binder S.r.l.11,9-15,7
Bublon GmbH0,0-264,3
Binder+Co USA, Inc.36,861,6
Auftragseingang
EUR Mio.20242023
Binder+Co AG80,3487,02
Statec Binder GmbH44,9442,41
Comec-Binder S.r.l.9,527,77
Bublon GmbH0,000,54
Binder+Co USA, Inc.7,095,47
Innengeschäfte-5,98-6,35
Auftragsstand
EUR Mio.20242023
Binder+Co AG37,1641,59
Statec Binder GmbH31,3341,59
Comec-Binder S.r.l.1,482,17
Bublon GmbH0,000,00
Binder+Co USA, Inc.2,721,55
Innengeschäfte-1,80-1,39

1) Basis für den ROE ist das Eigenkapital am Jahresanfang.

Auftragsstand

Per 31. Dezember 2024 verfügte die Binder+Co Gruppe über einen Auftragsstand von EUR 70,89 Mio. für 2025 und die Folgejahre. Dieser ist um 17,1 % geringerer als der Wert des Vorjahres (2023: EUR 85,51 Mio.). Zum 31. Dezember 2023 fanden sich mehrere Systemprojekte vorwiegend im Bereich der Umwelt- und Verpackungstechnik im Auftragsstand, welche im Geschäftsjahr 2024 erfolgreich ausgeliefert werden konnten. Der Auftragseingang entwickelte sich in den drei Segmenten Aufbereitungstechnik, Umwelttechnik und Verpackungstechnik sehr unterschiedlich, und kam mit EUR 135,91 Mio. in etwa auf dem Niveau des Vorjahres (EUR 136,86 Mio.) zu liegen.

Eigenkapitalquote/-rendite

Zum 31. Dezember 2024 betrug das Eigenkapital von Binder+Co EUR 47,93 Mio. (2023: EUR 43,75 Mio.). Damit errechnet sich auf Basis der gestiegenen Bilanzsumme von EUR 104,73 Mio. (2023: EUR 98,52 Mio.) sowie einer Ausschüttung an die Aktionăre in Hõhe von EUR 3,75 Mio. (2023: EUR 7,50 Mio.) eine Eigenkapitalquote von 45,8 % (2023: 44,4 %).

Die Eigenkapitalrendite (ROEeer) sank von 33,8 % im Jahr 2023 auf 26,5 % im Jahr 2024. Basis für die Berechnung der ROE-Werte ist das Eigenkapital jeweils zu Jahresanfang.

Working Capital

Das Working Capital (kurzfristige Vermögenswerte abzüglich kurzfristiger Verbindlichkeiten) von Binder+Co verringerte sich von EUR 16,85 Mio. im Jahr 2023 auf EUR 11,85 Mio. im Jahr 2024.

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 11
Geldflussrechnung
EUR Mio.20242023
Geldfluss aus dem Ergebnis17,2813,49
Geldfluss aus der operativen Tätigkeit-4,7519,31
Geldfluss aus der Investitionstätigkeit-6.54-2.93
Geldfluss aus der Finanzierungstätigkeit-0,14-13,68

Mitarbeiter

Zum 31. Dezember 2024 beschäftigte die Binder+Co Gruppe 395 Mitarbeiter und damit um 4,2 % mehr als zum Ende des Geschäftsjahres 2023 (379 Mitarbeiter).

Nichtfinanzielle Leistungsindikatoren

Umweltbericht

Binder+Co verfügt über eine eigene Produktion mit einem behördlich genehmigten Abfallwirtschaftskonzept. Ein wesentlicher Umweltaspekt besteht im Bereich Korrosionsschutz. Hier orientiert sich die Binder+Co Gruppe an den behördlichen Bescheiden, die zur Gånze eingehalten werden. Die Erbringung von Montageleistungen am Lieferort erfolgt weitgehend rückstandsfrei. Das in Büros durchgeführte Engineering der Binder+Co Gruppenunternehmen besitzt nur geringe Umweltrelevanz.

Krankenstandsstatistik

Die Krankenstandsstatistik für alle Mitarbeiter zeigt bezogen auf die verfügbaren Arbeitstage ein Niveau von 3,3 % (2023: 3,5 %), wobei dieser Wert bei Angestellten 2,8 % (2023: 2,7 %) und bei Arbeitern 4,3 % (2023: 5,2 %) beträgt.

Human Resources

Binder+Co setzt seit vielen Jahren auf die Strategie, eine Kernmannschaft aus hoch qualifizierten Mitarbeitern an das Unternehmen zu binden. Vor dem Hintergrund des angestrebten internationalen Wachstums wurden Aus- und Weiterbildungsprogramme für Mitarbeiter installiert. Spezielle innerbetriebliche Weiterbildungsmaßnahmen werden seit mehreren Jahren im Angestellten- und im Arbeiterbereich angeboten. Die Ausbildung zielt darauf ab, das Unternehmen in den einzelnen Fachbereichen personell breiter aufzustellen, um auch in neuen Niederlassungen gut ausgebildete, in der Binder+Co Gruppe stabil verankerte Fachkräfte anbieten zu können.

Mit der jährlichen Überprüfung der erreichten Ausbildungsziele werden die weiteren Maßnahmen für das Folgejahr definiert.

Insgesamt liegt der Ausbildungsstand der Mitarbeiter von Binder+Co auf gutem Niveau. 20 % der Angestellten sind Absolventen einer Universität oder Fachhochschule, 48 % verfügen über einen AHS-bzw. BHS- Abschluss. Im Arbeiterbereich sind 84 % als Facharbeiter und 16 % als Werkmeister ausgebildet. Darüber hinaus legt die Binder+Co Gruppe auch besonderen Wert auf die Lehrlingsausbildung. Dementsprechend wurde im Geschäftsjahr 2022 in eine neue Lehrwerkstätte investiert, welche 2023 weiter ausgebaut wurde. Die Binder+Co Gruppe beschäftigt derzeit zwölf Lehrlinge.

Compliance

Binder+Co baut auf respektvolle Beziehungen mit ihren Kunden, Partnern, Lieferanten und Mitarbeitern.

Zudem verpflichtet sich die Unternehmensgruppe zur Einhaltung nationaler Gesetze, wie beispielsweise jenen zur Korruptionsbekämpfung, zur Förderung der Nachhaltigkeit und zum Schutz der Menschenrechte.

Gemäß den Anforderungen des HSchG (Hinweisgeberlnnenschutzgesetz) wurde ein System eingerichtet, welches dem Schutz von Personen (Hinweisgeberinnen/Hinweisgebern) dient, die innerhalb ihres beruflichen Umfelds von fragwürdigen Praktiken (Korruption, Umweltgefährdung etc.) Kenntnis erlangen und Informationen darüber weitergeben.

Einhaltung von Rechtsvorschriften

Als Produzent von Maschinen und Anlagen ist für Binder+Co die Einhaltung aller relevanten Rechtsvorschriften, insbesondere in technischer Hinsicht, unabdingbare Voraussetzung für eine nachhaltig erfolgreiche Tätigkeit. Deshalb vertügt die Unternehmensgruppe auch über regelmäßig überprüfte Betriebsanlagengenehmigungen. Ein wesentlicher Faktor ist auch die Arbeitssicherheit, die in erster Linie von der jeweils zuständigen Assembling- bzw. Fertigungsleitung überwacht und dokumentiert wird. Die Produkte selbst werden durch ein Qualitätsmanagementsystem auf ihre CE-Konformität evaluiert.

Neben der Zertifizierung nach EN ISO 9001:2015 ist die Zertifizierung nach SCC**:2011 und nach EN 1090-1:2009 wesentlicher Bestandteil der Anstrengungen von Binder+Co, stets höchstmögliche Qualitätsanforderungen zu erfüllen.

Voraussichtliche Entwicklung des Konzerns

Ausgehend von einer starken Position als weltweit tätiger, innovativer Technologieanbieter in drei Produktbereichen, setzt die Unternehmensgruppe auf folgende drei Wachstumssäulen: Product Leadership, Market Reach und Operational Excellence.

Der regionale Fokus von Binder+Co umfasst neben EU-Europa und Nordamerika auch ausgewählte Märkte in Asien (Indien, Südkorea, Japan, Thailand, Philippinen) und Südamerika (Chile, Brasilien, Kolumbien, Peru, Ecuador). Im Kernmarkt Europa beliefert Binder+Co verstärkt die Recyclingindustrie, den Industriemineralienbereich, die Bau- und Bauzulieferindustrie sowie im Segment Verpackungstechnik zusätzlich auch die Futtermittel- und chemische Industrie. Die Branchenschwerpunkte in Nord- und Südamerika bilden die Recyclingindustrie und der Bergbau; für Statec Binder auch die Lebensmittelbranche (Reis, Zucker). In Asien wiederum werden in der Aufbereitungstechnik der Kohlebergbau und die Stahl- und Eisenindustrie, in der Umwelttechnik die Recyclingindustrie und in der Verpackungstechnik die petrochemische Industrie bedient. Der Marktzugang erfolgt in dieser Region großteils mit langjährigen, starken Partnern und Lizenznehmern sowie durch direkte Unterstützung aus dem Stammhaus in Gleisdorf.

Europa bildet einmal mehr den wichtigsten Kernmarkt und wird auch in den kommenden Jahren im Fokus der Aktivitäten bleiben. Zudem bieten die eigenen Produktionsstandorte der Binder+Co AG und der Comec-Binder S.r.l. größtmögliche Flexibilität durch eine entsprechende Fertigungstiefe und damit eine gewisse Unabhängigkeit von globalen Lieferketten. Dem folgend wurde an beiden Produktionsstandorten in den letzten Jahren kräftig investiert.

Aufgrund der letzten Prognosen der OECD besteht eine gewisse Erwartungshaltung, dass im Verlauf des Wirtschaftsjahres 2025 der baustoffnahe Sektor die Talsohle durchschreitet. Davon betroffen ist im Wesentlichen die Aubereitungstechnik der Binder+Co AG und der Comec-Binder S.r.l. Während man bei Binder+Co AG davon ausgeht, dass sich die Auftragseingangsentwicklung in der Aufbereitungstechnik auf niedrigem Niveau stabilisiert, gibt es aber auch Chancen: Da die Schonung und nachhaltige Nutzung von Primärrohstoffen besonders in Europa auch von Gesetzgeberseite forciert wird, entstehen zusätzliche Anwendungsgebiete für den Einsatz der Top-Produkte der Binder+Co AG und der Comec-Binder S.r.l. bei Industriemineralien sowie im baustoffnahen Sektor.

Ressourcenschonung ist aber auch ein Thema der Kreislaufwirtschaft und damit der Umwelttechnik. In den letzten Jahren entwickelte sich hier eine Dynamik, die ihre Strahlkraft auch weit über die EU-Grenzen hinaus hat. Neben dem Altglasrecycling setzt die Binder+Co AG verstärkt auf die Branchen Metallrecycling, Bauschuttaufbereitung sowie Wertstoffrückgewinnung aus Kompost. Gerade bei diesen Themen werden die besonderen Stärken des Unternehmens nachgefragt: die Kombination von weltweit anerkanntem siebtechnischem Know-how mit sensorgestützter Sortierung. Auch wenn Teile dieser Branchen im Nischenbereich angesiedelt sind, wird gerade hier in den kommenden Jahren ein nachhaltig starkes Wachstum erwartet.

Die Comec-Binder S.r.l., die ausschließlich im Bereich Aufbereitungstechnik tätig ist, konnte trotz der nicht vorteilhaften wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im baustoffnahen Bereich, die Ergebnisqualität im Berichtsjahr 2024 deutlich verbessern. Mittelfristig wird das Ziel verfolgt, die Comec-Binder S.r.l. zu einem Kompetenzzentrum für Nass- und Prozesswasseraufbereitung auszubauen. Synergien zwischen der Binder+Co AG und der Comec-Binder S.r.l. werden durch starke Vernetzung in den Bereichen Vertrieb und Projektmanagement, aber auch im Austausch von verfahrenstechnischem Know-how genutzt.

Der Vertriebs- und Servicestützpunkt Binder+Co USA, Inc. zeigt seit Jahren eine positive Konstanz in Umsatz und Ergebnis, hauptsächlich basierend auf den Aktivitäten im Bereich Altglasrecycling. Die verstärkten Bemühungen der letzten Jahre mit Metallrecycling einen zweiten Schwerpunkt aufzubauen, wurden im Berichtsjahr mit ersten Erfolgen in diesem Sektor belohnt. Damit wurden gute Voraussetzungen geschaffen, um künftig mit dem Metallrecycling eine zweite starke Säule am nordamerikanischen Markt zu etablieren.

Die Statec Binder GmbH hat in den letzten Jahren ein starkes Wachstum gezeigt und damit das Segment Verpackungstechnik zu einer wesentlichen Säule der Unternehmensgruppe gemacht. Mit der Fertigstellung der Entwicklung STRATOSLINE, die Verpackungs- und Palettierleistungen von bis zu 3.000 Sack pro Stunde ermöglicht, soll die Wettbewerbsfähigkeit besonders in der Petrochemie nicht nur erhalten, sondern auch ausgebaut werden.

In der jüngsten Vergangenheit sind auch die Themen der Digitalisierung für die gesamte Gruppe in den Vordergrund gerückt. Mit „b-connected" schafft Binder+Co ein Produkt, das die digitale Vernetzung von unterschiedlichen Maschinen und Aggregaten in Aufbereitungsanlagen ermöglicht. In diesem Kontext bedeutet Digitalisierung eine intelligente Verknüpfung von Betriebsdaten, nicht nur um die Kommunikation mit den Kunden zu erleichtern, sondern auch um künftig die Produktionsflüsse von Anlagen zu optimieren. In den kommenden Jahren wird auf Basis der Praxiserfahrungen bei Schlüsselkunden im Markt das Angebot und die Serviceleistungen dieses digitalen Produktes weiter ausgebaut.

Die Kombination all dieser Effekte soll auch künftig eine positive Ergebnisentwicklung der Binder+Co Gruppe sicherstellen und mittelfristig für ein nachhaltiges und moderates Wachstum sorgen.

Wesentliche Risiken und Ungewissheiten

Allgemeiner Risikobericht

Binder+Co plant und fertigt Einzelmaschinen und errichtet durch die Kombination von Eigen- und Fremdprodukten sowie Zukaufteilen auch Gesamtanlagen. Aufgrund der hohen Anforderungen an die Ingenieurleistung sind damit technische, Rechts-, Management- und finanzielle Risiken verbunden. So plant und errichtet Binder+Co unter anderem hochkomplexe Anlagen mit hohen Anforderungen an die Ingenieurkapazitäten.

Daher ist auch das damit einhergehende technische Risiko als überdurchschnittlich zu bewerten. Risikoerkennung und Risikomanagement sind somit wesentlicher Bestandteil des Geschäftsprozesses der Unternehmensgruppe.

Angesichts ihrer starken Exportorientierung investiert Binder+Co entsprechend intensiv in den Ausbau ihres Vertriebsnetzes. Derzeit liefert die Unternehmensgruppe ihre Produkte in über 90 Länder und unterliegt damit dem allgemeinen Risiko von Schwankungen in der Weltwirtschaft, die sich negativ auf den Geschäftsverlauf auswirken können.

Darüber hinaus ist die Unternehmensgruppe in einer wettbewerbsintensiven Branche tätig, in der Auftragseingang und Umsatz von wenigen Einzelentscheidungen abhängig sind. So können stärkere, jedoch branchenübliche Schwankungen auftreten. Veränderungen von Gesetzen und sonstigen Vorschriften, die – insbesondere im Umwelt- und Mitarbeiterbereich – höhere Auflagen mit sich bringen, können zu Kostenerhöhungen und damit zu Ertragseinschränkungen führen.

Binder+Co versucht, mõgliche Risiken sowohl durch interne und externe Audits und Reviews als auch durch die Beiziehung von Fachexperten frühzeitig zu erkennen und zu bewältigen. Obwohl die Mitarbeiter der Unternehmensgruppe zu anerkannten Fachkräften in ihren Bereichen zählen, bleibt dennoch ein Restrisiko bestehen.

Uber wesentliche Risiken wird zudem in den regelmäßigen Vorstandssitzungen berichtet. Für die Themen Ertrag, Liquidität, Finanzierung sowie laufende Rechtsstreitigkeiten besteht ein Standardberichtsformat. Entscheidungen werden entweder direkt in Projektbesprechungen oder in Vorstandssitzungen getroffen und protokolliert.

Das hohe Risikopotenzial erfordert eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Risikoüberwachung. Diese wird sich auch weiterhin auf Angebots- und Abwicklungsprozesse und das interne Kontrollsystem konzentrieren, aber auch verstärkt auf die Finanzierungsrisiken der einzelnen Projekte eingehen. Dabei untersucht und bewertet Binder+Co auch spezielle Länderrisiken. Darüber hinaus fordert die EN ISO 9001:2015 von zertifizierten Unternehmen den Aufbau eines umfassenden Risikomanagementsystems, dessen Wirksamkeitsüberprüfung in zukünftigen Audits einen Prüfungsschwerpunkt bilden wird.

Beim Aufbau ihres Risikomanagementsystems unterscheidet Binder+Co strategische, operationale und finanzielle Risiken. Nach der Identifikation und Bewertung der diesen drei Risikokategorien zugeordneten Einzelrisiken werden Maßnahmen zur Risikominimierung oder Risikovermeidung definiert und umgesetzt.

Mithilfe von internen sowie externen Risikoaudits wird der Umsetzungsstatus überwacht und die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen ermittelt, um gegebenenfalls steuernd einzugreifen. Die Ergebnisse dieser Evaluierungen werden in die periodische – interne und externe – Berichterstattung einbezogen.

Spezieller Risikobericht

Preisänderungsrisiko

In Kunden- und Lieferantenverträgen werden regelmäßig Preisänderungsvereinbarungen aufgenommen, um damit ein von der Binder+Co Gruppe nicht beeinflussbares Risiko zu begrenzen. Zudem bemüht sich die Unternehmensgruppe ihrerseits, nur Pauschalaufträge an Lieferanten zu vergeben. Sprunghafte Anderungen von Zukaufspreisen und/oder unplanmäßig erforderliche Lieferantenwechsel können die Ertragssituation aber negativ beeinflussen. Insbesondere im Jahr 2022 zeigten die durch den Russland-Ukraine-Konflikt bedingten enormen Preissteigerungen bei Rohstoffen (vor allem Stahl), Energie und Elektronikbauteilen auch Auswirkungen auf Binder+Co. Trotz Entspannung der Zukaufspreise – bereits in den letzten beiden Berichtsperioden führte eine verzögerte Weitergabe der Einkaufspreiserhöhungen an Kunden zu negativen Abweichungen. Verwerfungen im Welthandel bzw. Anderungen der Zollpolitik einzelner Länder können zu verringerten Umsätzen bzw. Margen auf Ebene der Binder+Co Gruppe führen.

Zahlungsausfallrisiko

Aufgrund ihrer Abhängigkeit von einer kleinen bis mittleren Anzahl von Kunden versucht die Binder+Co Gruppe, die Bildung von Klumpenrisiken zu vermeiden. So lässt es die Unternehmensgruppe nur in Ausnahmefällen zu, dass mehr als 5 % des Jahresumsatzes über einen Auftrag und/oder Kunden erzielt werden. Zusätzlich schränkt Binder+Co das Zahlungsausfallsrisiko durch entsprechende Versicherungen sowie durch Bankgarantien oder Anzahlungen ein.

Liquiditātsrisiko

Zahlungsverzug oder Zahlungsausfall bei einzelnen Großprojekten können einen wesentlichen Einfluss auf den Cashflow der Unternehmensgruppe haben und bergen damit entsprechende Risiken. In den regelmäßigen Vorstandssitzungen wird daher über Zahlungsverzögerungen der wertmäßig wichtigsten Debitoren berichtet und eine Liquiditätsvorschau erstellt. Im Bedarfsfall können so rasch geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Liquidität eingeleitet werden. Zur Verbesserung der Liquidität nutzt die Binder+Co AG seit Ende 2016 zudem auch Factoring.

Der Fokus der Maßnahmen zur Minimierung des Liquiditätsrisikos liegt auf der rollierenden Finanzplanung, der laufenden Uberwachung der Zahlungsflüsse sowie der Absicherung der Kreditlinien.

Das Kapitalmanagement von Binder+Co zielt neben der Sicherung des Geschäftsbetriebs auf die Steigerung des Geschäftswerts sowie auf die Schaffung einer soliden Kapitalbasis ab, die vor allem zur Finanzierung des vom Unternehmen verfolgten Wachstumskurses und zur Sicherstellung der soliden Dividendenpolitik dient. Daneben wird die Einhaltung der konzernweit festgesetzten Mindest-Eigenkapitalquote von 30 % unter Berücksichtigung der lokalen Anforderungen der Konzerngesellschaften im Rahmen des Kapitalmanagements angestrebt.

Zinsänderungsrisiko

Die in der Vergangenheit sehr positive Entwicklung der Fremdkapitalverzinsung für die Binder+Co AG wurde beginnend im Jahr 2022 durch Anhebung der Leitzinssätze für einzelne Finanzinstrumente beendet. Durch periodische Kontrollen werden eine Optimierung und auch Risikominimierung angestrebt. Entsprechende Maßnahmen werden zwischen dem Vorstand und der Abteilung Finanzen & Controlling abgestimmt. Durch die wiederholte Senkung des Leitzinssatzes der EZB entspannte sich die Fremdkapitalverzinsung im Jahr 2024 ein wenig.

Währungsrisiko

Grundsätzlich versucht die Unternehmensgruppe, alle Auslandsgeschäfte in Euro abzuwickeln. Ist das nicht möglich, werden Maßnahmen zur Kursabsicherung, z. B. durch Devisentermingeschäfte, gesetzt.

Länderrisiko

Das Länderrisiko war für Binder+Co bisher von untergeordneter Bedeutung. Aufgrund der über den EU- Raum hinausgehenden Internationalisierungsbemühungen entsteht mittelfristig ein neues Risikopotenzial. Aktuell sind diese Risiken durch das Geschäftsmodell von Binder+Co, dessen Basis das Einzelmaschinengeschäft bildet, allerdings noch von untergeordneter Bedeutung.

Standortrisiko

Die umfangreichen Investitionstätigkeiten an den Produktionsstandorten, insbesondere der Binder+Co AG sowie Statec Binder GmbH, zeigen die hohe Bereitschaft, weiterhin sämtliche Produktions- und Administrationsbereiche an einem Standort zu belassen. Die hohe Inflation der letzten zwei Jahre – auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern – und die entsprechende Berücksichtigung in den Gehalts- und Lohnabschlüssen führten zu hohen Kostenbelastungen, die nicht im vollen Umfang an Kunden weitergegeben werden können. Entgegen gewirkt wird seitens Binder+Co mit dem Ausschöpfen von Effizienzpotentialen bzw. durch intensive Entwicklungsarbeit.

Bericht über Forschung und Entwicklung

Forschung und Entwicklung (F&E) ist ein zentrales Element der nachhaltigen Unternehmensstrategie von Binder+Co. Aktuelle Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Binder+Co Gruppe zielen darauf ab, die Technologieführerschaft in allen Gruppenunternehmen zu festigen und die technische Überlegenheit der Produkte nicht nur zu sichern, sondern laufend weiter auszubauen. So widmete sich die Binder+Co Gruppe im abgelaufenen Geschäftsjahr weiterhin intensiv der Neu- bzw. Weiterentwicklung von Produkten.

Die direkten Forschungsausgaben haben sich in den letzten drei Jahren auf einem Niveau über EUR 2,0 Mio. eingependelt. Im Geschäftsjahr 2024 betrugen die Ist-Aufwendungen EUR 2,06 Mio. (2023: EUR 2,83 Mio.). Darüber hinaus gibt es F&E Projekte, die gemeinsam mit Kunden durchgeführt werden.

Die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten konzentrierten sich im Jahr 2024 unter anderem auf die Erweiterung der Funktionalitäten bestehender Spitzenprodukte, insbesondere hinsichtlich Energieeffizienz und Einsatz künstlicher Intelligenz, sowie auf die Entwicklung neuer Produkte und Verfahren. Realitätsnahe Versuche gemeinsam mit unseren internationalen Kunden und Partnern sehen wir als Eckpfeiler unserer Forschungs- und Entwicklungsstrategie und als wesentliche Grundlage für die Umsetzung neuer Projektanforderungen.

Weitere Fortschritte sind im Bereich der LIBS (Laser Induced Breakdown Spectroscopy) Technologie gelungen. Zum einen wurde die Lasertechnologie weiterentwickelt und somit Output und Qualität verbessert. Darüber hinaus konnte der Dauertestbetrieb eines LIBS-Systems bei einem amerikanischen Kunden erfolgreich abgeschlossen werden, was zu einem Verkauf des Systems führte. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse sind in die Weiterentwicklung eingeflossen und hilfreich für weitere Applikationen von Interessenten. Aktuell wird für einen weiteren Interessenten im amerikanischen Raum eine 6-Spur-LIBS- Lösung entwickelt bzw. gebaut.

Im Geschäftsjahr 2024 wurden die Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Projekt „b-connected" zur digitalen Steuerung und Vernetzung von Maschinen und Anlagen intensiv fortgesetzt und das System gemeinsam mit Kunden und Umsetzungspartnern weiterentwickelt, um unseren Kunden ein Instrument zur maximalen Steuerung ihrer Anlagen sowie zur Sicherstellung der höchstmöglichen Anlagenverfügbarkeit und Ertragskraft anzubieten. Im Jahr 2024 wurde „b-connected" in drei Versionen am Markt eingeführt.

Nach erfolgreicher Entwicklung der STRATOSLINE hat die Statec Binder GmbH im Geschäftsjahr 2024 ein neues intuitives HMI für alle Maschinen entwickelt und abgeschlossen. Neben den Hochleistungsverpackungsmaschinen steigt in den asiatischen und südamerikanischen Märkten auch der Bedarf an großvolumiger Verpackung in Form von Big Bag Befüllanlagen. Um dem gerecht zu werden und auch hier die Marktposition sowie Preis und Ausführung zu optimieren, wurde diese Produktreihe komplett standardisiert.

Wesentliche Merkmale des internen Kontroll- und Risikomanagementsystems

Die Struktur des Risikosystems der einzelnen Geschäftsbereiche von Binder+Co wird nachfolgend dargestellt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Vorstandsmitglieder der Binder+Co AG gleichzeitig Geschäftsführungsbzw. Aufsichtsratsfunktionen in den operativen Unternehmen des Konzerns ausüben und damit neben den genehmigungspflichtigen Geschäften auch direkt in das operative Geschäft eingebunden sind.

Die Einrichtung eines angemessenen internen Kontroll- und Risikomanagementsystems in Hinblick auf den Rechnungslegungsprozess bzw. die Finanzberichterstattung liegt in der Verantwortung des Vorstands. Dazu haben der Vorstand und der Aufsichtsrat sowohl für die wesentlichen Geschäftsrisiken innerhalb des Konzerns als auch für den Finanzberichterstattungsprozess konzernweit verbindlich anzuwendende Regelungen und Richtlinien verabschiedet.

Das Rechnungswesen und die darin integrierte Finanzbuchhaltung sind direkt dem Vorstand unterstellt. Durch entsprechende organisatorische Maßnahmen wird die Erfüllung der gesetzlichen Vorgabe sichergestellt, dass die Eintragungen in die Bücher und die sonstigen Aufzeichnungen vollständig, richtig, zeitgerecht und geordnet erfolgen. Der gesamte Prozess von der Beschaffung bis zur Zahlung unterliegt strengen Regeln und Richtlinien, die jegliche damit im Zusammenhang stehende Risiken vermeiden sollen. Zu diesen Maßnahmen und Regeln zählen u. a. Funktionstrennungen, Unterschriftenordnungen, auf wenige Personen eingeschränkte Zeichnungsermächtigungen für Zahlungen sowie systemunterstützte Prüfungen durch die verwendete Software.

Durch ein standardisiertes, konzernweites Finanzberichtswesen sowie durch sofortige, anlassbezogene Berichterstattung über bedeutende Ereignisse wird der Vorstand laufend über relevante Sachverhalte informiert. Der Aufsichtsrat wird in zumindest einer Sitzung pro Quartal über den laufenden Geschäftsgang, die operative Planung und die mittelfristige Strategie des Konzerns unterrichtet. In besonderen Fällen wird der Aufsichtsrat auch unmittelbar informiert.

Finanzielle Risiken

Überwachung und Management finanzieller Risiken sind integrale Bestandteile des Rechnungswesens und des Controllings innerhalb des gesamten Konzerns. Kontinuierliches Controlling und regelmäßiges Reporting sollen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass größere Risiken früh erkannt und wenn notwendig Gegenmaßnahmen getroffen werden können.

Dennoch gibt es keine Garantie dafür, dass die Uberwachungs- und Risikokontrollsysteme effektiv genug sind. Die wesentlichen Risiken für die Geschäftsentwicklung der Binder+Co Gruppe im Jahr 2024 beziehen sich vor allem auf die Abhängigkeit des Konzerns von der allgemeinen Konjunkturentwicklung, den Erhalt von Großaufträgen und die Erzielung der entsprechenden Umsatzerlöse bei entsprechendem Deckungsbeitrag aus dem Auftragsstand. Die Auswirkungen des Russland-Ukraine-Konflikts auf Beschaffungs- und Absatzmärkte stellte die Binder+Co Gruppe immer noch vor große Herausforderungen. Weitere internationale Krisenherde, Preissteigerungen insbesondere im Personalbereich sowie die plötzliche und vor allem schwer prognostizierbare Konjunkturentwicklung führten im Berichtsjahr 2024 zu belastenden Anstrengungen für unsere Mitarbeiter, vereinbarte Liefertermine sowie Kostenvorgaben erfüllen zu können.

Darüber hinaus stellen bei der Abwicklung von Aufträgen unerwartete Kostensteigerungen und Schwierigkeiten bei der Erreichung der garantierten Leistungsparameter der von Binder+Co gelieferten Produkte wesentliche Risiken dar. Die finanziellen Schwierigkeiten einzelner Euro-Länder sind ebenso ein Risiko für die finanzielle Entwicklung der Unternehmensgruppe.

Weiters ist eine mögliche Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivitäten in den Entwicklungsländern als Risiko für den Konzern anzuführen. Die Wirtschaftsschwäche könnte zu weiteren Verzögerungen oder zur Einstellung laufender oder in Akquisition befindlicher Projekte führen. Die Stornierung bestehender Aufträge könnte den Auftragsstand der Binder+Co Gruppenunternehmen negativ beeinflussen, was sich wiederum negativ auf die Kapazitätsauslastung der Produktionsstätten des Konzerns auswirken könnte. Auch eine vollständige oder teilweise Abschreibung einzelner, im Zuge von Akquisitionen entstandener Firmenwerte könnte die Ergebnisentwicklung der Binder+Co Gruppe beeinflussen, wenn die wirtschaftlichen Ziele für den Konzern nicht erreicht werden können.

Abseits davon besteht jederzeit das Risiko, dass Forderungen aus Lieferungen und Leistungen teilweise oder gänzlich wertberichtigt werden müssen. Das Zahlungsausfallsrisiko von Kunden wird für einen Großteil der Aufträge durch Besicherung von Zahlungen durch Banken sowie durch Abschluss von Exportversicherungen reduziert. Einzelne Zahlungsausfälle können jedoch einen wesentlichen negativen Einfluss auf die Ergebnisentwicklung des Konzerns haben. Das Risiko für Lieferungen in als politisch durchschnittlich riskant oder sehr riskant eingestufte Länder wird üblicherweise ebenfalls in großem Ausmaß versichert.

Zins- und Wechselkursrisiken werden durch die Verwendung von derivativen Finanzinstrumenten, vor allem Devisentermingeschäfte und Swaps, minimiert und gesteuert. Bei in Fremdwährung fakturierten Aufträgen (hauptsächlich solchen in USD) wird die Nettowährungsposition durch den Abschluss von Termingeschäften gesichert.

Cash-Flow-Risiken werden mithilfe von monatlichen Cash-Flow-Berichten sowie Forecast-Berechnungen überwacht. Darüber hinaus werden wöchentlich rollierenden kurzfristige Liquiditätspläne erstellt. Um die finanziellen Risiken weiter zu reduzieren sowie zur besseren Uberwachung, Kontrolle und Bewertung der Finanz- und Liquiditätsposition verbessert Binder+Co laufend ihre Treasury-Richtlinien und - Informationssysteme.

Binder+Co vermeidet es, von einer einzigen Bank abhängig zu sein. Zur Sicherstellung der Unabhängigkeit wird bei allen wichtigen Finanzprodukten (flüssige Mittel, Finanzverbindlichkeiten, Finanzanlagevermögen, Garantien und Derivate) jeweils nur ein bestimmtes Volumen mit einer Bank abgewickelt. Dennoch würde die Insolvenz einzelner oder mehrerer Banken einen wesentlichen negativen Einfluss auf die Ergebnisentwicklung und das Eigenkapital von Binder+Co haben.

Nichtfinanzielle Risiken

Personal

Im Personalbereich sind interessante individuelle Entwicklungsmöglichkeiten, eine leistungsorientierte Entlohnung, flexible Arbeitszeiten und fokussierte Trainingsprogramme wesentliche Voraussetzungen dafür, dass Binder+Co gut ausgebildete und hoch qualifizierte Mitarbeiter anzieht. Hohe Qualitätsstandards im Auswahlverfahren gewährleisten, dass die am besten geeigneten Kandidaten eingestellt werden. Im Rahmen der Nachfolgeplanung werden auf Basis standardisierter Leistungs- und Potenzialbeurteilungen für jede Schlüsselposition interne Nachfolgekandidaten identifiziert, um für kurz- und mittelfristige Nachbesetzungen jederzeit Kandidaten verfügbar zu haben. Auslastungsschwankungen können lokal durch den Einsatz von Leiharbeitskräften ausgeglichen werden. Die in den kommenden Jahren weiter steigende Penisonierungswelle geburtenstarker Jahrgänge sowie der allgemeine Mangel an Facharbeitskräften stellen auch Binder+Co vor große Herausforderungen, auch weiterhin ausreichend und gut ausgebildetes Personal durch geeignete Akquisitions- und Personalbindungsmaßnahmen in unseren Unternehmen zu beschäftigen.

Prozess Offertlegung

Die Angebotserstellung erfolgt auf Basis standardisierter, kommerziell und juristisch überprüfter Textvorlagen. Nach finanziellem Risiko abgestuft, wird neben einer kaufmännischen Prüfung durch einen zeichnungsberechtigten Personenkreis auch eine verfahrenstechnische Prüfung durch eine nach Produktbereichen festgelegte Personengruppe durchgeführt. Im Zuge der verfahrenstechnischen Überprüfung wird eine Risikoanalyse erstellt, aus der bei Bedarf von einer Angebotslegung Abstand genommen oder weiterführende Maßnahmen abgeleitet werden.

Prozess Projektabwicklung

Die Leistungserbringung erfolgt in Teams mit einem Projektleiter. In regelmäßigen Teamsitzungen sowie technischen und kaufmännischen Reviews werden auch bestehende Risiken analysiert, Maßnahmen erarbeitet und Berichte an die Geschäftsleitung erstattet. Uber Risiken mit hohem Bedrohungspotenzial wird die Geschäftsleitung unverzüglich informiert.

Innovation und Entwicklung

Rasche Anderungen der Marktanforderungen fordern eine ständige Neu- und Weiterentwicklung der Produkte. Technologische Anderungen und kurze Lebenszyklen von neuen Produkten können dazu führen, dass sich einzelne Entwicklungsprojekte nicht vollständig amortisieren. Zur Risikominimierung werden vor Beginn eines Entwicklungsprojekts nach Möglichkeit relevante Marktdaten zusammengetragen, der Schwierigkeitsgrad der Entwicklung durch entsprechende Kostenbewertung festgelegt sowie eine Abschätzung der absetzbaren Stückzahl durchgeführt. In Quartalssitzungen wird zu den einzelnen Entwicklungsprojekten neben einem Fortschrittsbericht auch ein Risikobericht an das Management abgegeben. Erforderliche Maßnahmen werden mit dem Vorstand kurzfristig abgestimmt.

Angaben zu Kapital, Anteilsbesitz, Kontrollrechten und damit verbundenen Verpflichtungen

Zusammensetzung des Kapitals

Als Grundkapital ist unverändert gegenüber dem Vorjahr das Nominalkapital der Binder+Co AG mit TEUR 3.750 ausgewiesen. Es ist in 3.750.000 Stück Namensaktien mit einem Betrag von EUR 1,00 je Aktie geteilt.

Qualifizierter Anteilsbesitz

Bis zum Stichtag 31. Dezember 2024 wurden im Zuge der Umwandlung von Inhaber- auf Namensaktien bis auf 556 Stück sämtliche Aktien eingeliefert. Die mit 31. Dezember 2024 im Aktienbuch registrierten Aktionăre hielten somit annähernd 100 % der Anteile.

Die Anzahl der ausgegebenen Aktien entspricht zur Gänze dem Nominalkapital. Die Liaunig Industrieholding AG hält 51,4 % der Aktien, die Treibacher Industrieholding GmbH 17,7 %, auf die Grosso Holding GmbH entfallen 16,9 % sowie 9,1 % auf weitere Kernaktionäre und 2,4 % auf das Management und die Mitarbeiter. Die restlichen 2,5 % der Aktien befinden sich im Streubesitz.

Besondere Kontrollrechte

Besondere Kontrollrechte (die über die gesetzlichen Bestimmungen abgeleiteter Kontrollrechte hinausgehen) sind nicht bekannt.

Bestellung/Abberufung Vorstand und Aufsichtsrat etc.

Sich nicht aus dem Gesetz ergebende Bestimmungen betreffend die Bestellung bzw. Abberufung von Vorstand oder Aufsichtsrat bzw. betreffend Anderungen der Satzung sind dem Vorstand nicht bekannt. Dr. Martin Pfeffer wird jedoch auf eigenen Wunsch per 31. März 2025 vorzeitig ausscheiden und sein Interim- Managementmandat nach mehr als 7 Jahren beenden. Seine Position wird intern nachbesetzt.

Change-of-Control-Klausein

Die im Dezember 2024 mit den finanzierenden Banken der Binder+Co AG getroffene Finanzierungsvereinbarung sieht eine Change-of-Control-Klausel vor.

Entschädigungsvereinbarungen

Entschädigungsvereinbarungen zwischen der Binder+Co AG einerseits und dem Vorstand, dem Aufsichtsrat oder den Arbeitnehmern anderseits für den Fall eines öffentlichen Ubernahmeangebots liegen nicht vor.

Bericht der Binder+Co AG nach österreichischem Unternehmensrecht

In diesem Abschnitt werden wesentliche Angaben betreffend das Mutterunternehmen des Konzerns, die Binder+Co AG, dargestellt, sofern diese wesentlich von den vorangehenden Angaben betreffend den Konzern abweichen.

Finden sich im gegenständlichen Abschnitt zu einzelnen Punkten keine Ausführungen, gelten die vorangehenden Informationen betreffend den Konzern sinngemäß.

Bericht zu ausgewählten finanziellen Leistungsindikatoren

Umsatz/EGT

Mit EUR 74,65 Mio. (2023: EUR 82,97 Mio.) lag der Umsatz der Binder+Co AG unter dem Vorjahresniveau.

Mit einem Ergebnis vor Steuern von EUR 5,61 Mio. konnte das hohe Niveau des Vorjahres (2023: EUR 9,92 Mio.) nicht erreicht werden. Allerdings ist im Vorjahr ein positiver Ergebniseffekt durch die Veräußerung der Anteile an der Bublon GmbH enthalten.

Ergebnisse in den Geschäftsbereichen

In Anlehnung an die Segmentberichterstattung auf Konzernebene werden bei der Binder+Co AG die Auftragseingänge und Umsätze der Geschäftsbereiche Aufbereitungstechnik und Umwelttechnik sowie aus dem sonstigen Bereich (den Hauptbereichen nicht eindeutig zuordenbare Auftrags- und Umsatzwerte) getrennt erfasst.

Im Geschäftsjahr 2024 hat der Bereich Aufbereitungstechnik einen Umsatzbeitrag von EUR 29,23 Mio. (2023: EUR 30,26 Mio.) geleistet, der Bereich Umwelttechnik trug EUR 43,24 Mio. (2023: EUR 50,54 Mio.) zum Gesamtumsatz nach UGB bei. Im sonstigen Bereich konnten 2024 EUR 2,18 Mio. (2023: EUR 2,17 Mio.) als Umsatz verbucht werden.

Der Auftragseingang betrug in Summe EUR 81,60 Mio. (2023: EUR 89,00 Mio.). Davon entfielen auf die Aufbereitungstechnik EUR 27,14 Mio. (2023: EUR 30,52 Mio.), auf die Umwelttechnik EUR 52,66 Mio. (2023: EUR 55,78 Mio.) und auf den sonstigen Bereich EUR 1,80 Mio. (2023: EUR 2,70 Mio.).

Auftragsstand

Der Auftragsstand nach UGB lag zum 31. Dezember 2024 bei EUR 62,25 Mio. (2023: EUR 55,30 Mio.).

Eigenkapitalquote/-rendite

Aufgrund ausgezeichneter Ergebnisbeiträge der Projekte sowie einer Reduktion der Bilanzsumme ist die Eigenkapitalquote von 31,9 % im Jahr 2023 trotz Ausschüttungen an die Aktionäre in Höhe von EUR 3,75 Mio. auf 37,1 % im Jahr 2024 gestiegen. Die Eigenkapitalrendite (ROEesr) betrug 28,5 (2023: 51,4 %). %

Working Capital

Der Wert des Working Capital belief sich per 31. Dezember 2024 auf EUR -1,51 Mio. (2023: EUR 7,38 Mio.).

Geldflussrechnung

Der Geldfluss aus dem Ergebnis belief sich auf EUR 8,47 Mio. (2023: EUR 10,87 Mio.), jener aus der operativen Tätigkeit auf EUR 0,41 Mio. (2023: EUR 13,86 Mio.).

Mit EUR -5,11 Mio. lag der Geldfluss aus der Investitionstätigkeit deutlich über dem Niveau von 2023 (EUR-1,22 Mio.). Der Geldfluss aus der Finanzierungstätigkeit betrug EUR -4,12 Mio. (2023: EUR -8,87 Mio.).

An liquiden Mitteln waren zum 31. Dezember 2024 EUR 4,75 Mio. (2023: EUR 13,56 Mio.) vorhanden.

Mitarbeiter

Der Mitarbeiterstand lag zum 31. Dezember 2024 bei 251 (2023: 244) Mitarbeitern.

Ereignisse von besonderer Bedeutung nach dem Abschlussstichtag

Zwischen dem Ende des Geschäftsjahres und dem Redaktionsschluss dieses Berichts traten keine Ereignisse von größerer Bedeutung ein, die maßgeblichen Einfluss auf den Konzern haben könnten.

Darüber hinaus traten zwischen dem Stichtag des Jahresabschlusses und dessen Freigabe durch den Vorstand keine Ereignisse ein, die wesentliche Auswirkungen auf den (Konzern-)Abschluss zum 31. Dezember 2024 gehabt hätten.

Gleisdorf, am 28. Februar 2025

Dr. Martin Pfeffer Mitglied des Vorstands

Mag. Jörg Rosegger Mitglied des Vorstands

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