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Lagebericht 2025

Verkehrsverbund Vorarlberg Gesellschaft mbH

Original-PDF

Stichtag 31. Dez. 2025 · Eingereicht am 11. Sep. 2026

Inhaltsverzeichnis

1. Allgemein

Der Auftrag der Verkehrsverbund Vorarlberg GesmbH (VVG) besteht laut Gesellschaftsvertrag in der Einrichtung und Förderung sowie dem Betrieb eines Verkehrsverbundes im Gebiet des Landes Vorarlberg sowie der Wahrnehmung von Aufgaben im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs im Rahmen der verkehrspolitischen Vorgaben der Vorarlberger Landesregierung. Dazu gehören:

a) die Mitwirkung bei der Sicherstellung einer angemessenen Bedienung im öffentlichen Personennahverkehr (OV), b) die Weiterentwicklung des Tarif- und Leistungsangebotes des öffentlichen Personennahverkehrs einschließlich seiner bedarfsgesteuerten Angebotsformen und c) die Sicherung der langfristigen Finanzierbarkeit des öffentlichen Personenverkehrs in Vorarlberg.“

2. Wichtige Arbeitsschwerpunkte im Geschäftsjahr 2025

Das Geschäftsjahr 2025 war durch eine Reihe wegweisender strategischer Projekte geprägt, die die Weiterentwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs in Vorarlberg nachhaltig gestalten. Im Vordergrund standen dabei die Dekarbonisierung der Busflotte, die Vorbereitung einer umfassenden Tarifreform sowie die Erarbeitung eines neuen Finanzierungssystems für den Vorarlberger ÖPNV.

Dekarbonisierung der Busflotte – Projekt VERDE

Im Rahmen des Projekts VERDE (Vorarlberger E-Busse für Regionale DEkarbonisierung) konnten bis Ende 2025 rund 125 der geplanten 141 batterieelektrischen Linienbusse in Betrieb genommen werden. Die verbleibenden Fahrzeuge wurden planmäßig bis Mai 2026 ausgeliefert. Die Gesamtförderung für VERDE beläuft sich auf rund € 53 Mio. Im Oktober 2025 stellte die VVG zudem einen weiteren Förderantrag im Programm EBIN II (VERDE V) für 69 zusätzliche E-Busse, der mittlerweile positiv beschieden wurde und den Ausbau auf insgesamt 210 batterieelektrische Linienbusse bis 2029 sichert.

Projekt Finanzierung NEU

Im Geschäftsjahr 2025 wurde intensiv an einer grundlegenden Neugestaltung der Finanzierungsstrukturen des öffentlichen Straßenpersonenverkehrs in Vorarlberg gearbeitet. Ziel des Projekts, das gemeinsam von Land Vorarlberg, Gemeindeverband Vorarlberg und der VVG getragen wird, ist eine transparentere, wirkungsorientierte und zukunftsfähige Finanzierung des OPNV – auch in Umsetzung wesentlicher Empfehlungen des Rechnungshofes. Das Projekt befindet sich zum Zeitpunkt der Berichtslegung kurz vor Fertigstellung.

Tarifreform – Neue VMOBIL Tarifwelt ab 1. Juni 2026

Bereits zu Beginn des Geschäftsjahres 2025 wurden die Vorbereitungen für eine grundlegende Tarifreform aufgenommen. Ziel war eine Vereinfachung des Tarifsystems für Gelegenheitsfahrgäste bei gleichzeitiger Stärkung der Stammkundenbindung und der Eigenfinanzierungsbasis. Mit 1. Juni 2026 wurde die neue VMOBIL Tarifwelt eingeführt: Statt 94 bisheriger Tarifzonen gibt es künftig nur noch drei klar verständliche Zonen – LOKAL, REGIO und MAXIMO.

Weitere Schwerpunkte

• VMOBIL on: Im Herbst 2025 wurde eine einheitliche digitale Buchungsplattform für bedarfsgesteuerte Rufangebote (Anrufbus Unterland, Nachtrufbus YoYo, Rufbus Oberes Rheintal, Anrufsammeltaxi go&ko) eingeführt.

• 4 Länder Mobil GmbH: Die VVG war Gründungsgesellschafterin der 4 Länder Mobil GmbH, die die grenzüberschreitende OV-Zusammenarbeit im Bodenseeraum in einer dauerhaften Rechtsform bündelt. Die formelle Gründung erfolgte am 5. Dezember 2025. • Follow-Up Rechnungshofbericht: Mitte 2025 wurde ein Zwischenbericht an den Rechnungshof übermittelt, in dem ein Teil der Empfehlungen bereits als erledigt ausgewiesen werden konnte. Wesentliche verbleibende Empfehlungen werden im Rahmen des Projekts Finanzierung NEU umgesetzt. • HR-Projekt „VMOBIL HR Business Partner": Das Projekt zur Gewinnung von Buslenker:innen und Busmechaniker:innen wurde fortgeführt. Die Lage auf dem Personalmarkt hat sich – auch infolge der konjunkturellen Entwicklung – spürbar entspannt.

3. Bericht über den Geschäftsverlauf und die wirtschaftliche Lage

Der Vermögens- und Ertragslage des abgelaufenen Geschäftsjahres 2025 ist dem Jahresabschluss sowie den Abschnitten 2, 4 und 5 dieses Lageberichtes zu entnehmen.

Der vorliegende Bericht bietet einen umfassenden Uberblick über die wesentlichen Entwicklungen im Geschäftsjahr 2025. Zentral dabei sind die Auswirkungen der anhaltenden, wenngleich im Jahresverlauf moderierenden Teuerung auf die laufenden Aufwände, die positive Erlösentwicklung sowie die daraus resultierende Reduktion des Zuschussbedarfs der Finanzierungspartner Land und Gemeinden.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr stiegen die laufenden Aufwände gegenüber dem Vorjahr weiter an. Insbesondere hohe Indexsteigerungen – vor allem des Tariflohnindex – wirkten sich aufgrund nachlaufender Effekte auf die Gesamtkosten des OPNV aus. Gleichzeitig konnte die Verkehrsverbund Vorarlberg GmbH durch eine Kombination aus moderaten Tarifanpassungen und anhaltenden Nachfragesteigerungen eine bedeutende Steigerung der Erlöse erzielen. Die Umsatzerlöse stiegen von € 56,5 Mio. im Jahr 2024 auf € 63,8 Mio. im Geschäftsjahr 2025.

Aufgrund der positiven Erlösentwicklung konnte der Zuschussbedarf der Finanzierungspartner (Land und Gemeindeverband) im Vergleich zum Budgetansatz von je € 3.655.315 um je € 583.045 auf je € 3.072.270 reduziert werden. Diese Entwicklung entlastet die öffentlichen Finanzierungspartner in einer Zeit zunehmenden Spardrucks und stärkt die Eigenständigkeit des Unternehmens.

Nach Berücksichtigung der erhaltenen Zuschüsse beläuft sich das Ergebnis der Verkehrsverbund Vorarlberg GmbH vor Ertragssteuern im Geschäftsjahr 2025 auf € 55.975,09. Demgegenüber lag das Ergebnis im Vorjahr (2024) bei € 38.312,19. Diese Verbesserung des operativen Ergebnisses reflektiert die erfolgreiche Bewältigung des inflationären Umfelds und unterstreicht die nachhaltige Geschäftsstrategie des Unternehmens.

Die im Geschäftsjahr 2025 erzielten Ergebnisse belegen eine nachhaltige Geschäftsentwicklung, selbst unter der Voraussetzung gestiegener Kosten. Vor dem Hintergrund eines zunehmenden Spardrucks seitens der Finanzierungspartner wird erwartet, dass diese Entwicklungen auch das Geschäftsjahr 2026 sowie zukünftige Perioden maßgeblich beeinflussen werden. Die positive Dynamik in der Erlösentwicklung und die gleichzeitig konsequente Kostenoptimierung stellen entscheidende Wettbewerbsvorteile dar, auf denen in den kommenden Jahren weiter aufgebaut werden kann.

4. Kennzahlen der Ertrags-, Finanz und Vermögenslage gem. KFS/BW3

Kennzahlen zur Ertragslage

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 2
20252024
Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) T€5638
Kapitalrentabilität
Eigenkapitalrentabilität (ROE)2,8%1.9%
Gesamtkapitalrentabilität (ROI)0,1%0,1%

Kennzahlen zur Vermögens- und Finanzlage

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 3
20252024
Nettoverschuldung (Net Debt) T€-35.336-36.679
Nettoumlaufvermögen (Working Capital) T€649518
Eigenkapitalquote (Equity Ratio)4,8%4,8%
Nettoverschuldungsgrad (Gearing)-1.691,9%-1.804,1%

Kennzahlen zur Geldflussrechnung

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 3
20252024
Cash Flow aus betrieblicher Geschäftstätigkeit T€- 7681.057
Cash Flow aus Investitionstätigkeit T€-575256
Cash Flow aus Finanzierungstätigkeit T€00

5. Investitionen

Im Jahr 2025 wurden Investitionen im Gesamtwert von € 1,535 Mio. getätigt.

6. Tätigkeiten im Bereich Forschung und Entwicklung

Die Gesellschaft verfügt aufgrund ihres Tätigkeitsbereiches über keine nennenswerten Forschungsund Entwicklungsaktivitäten.

7. Bestehende Zweigniederlassungen der Gesellschaft

Die Gesellschaft verfügt über keine Zweigniederlassungen.

8. Vorschau Geschäftsjahr 2026

Umsatzentwicklung

Der vorliegende, im Juni 2026 erstellte Lagebericht spiegelt die nachfolgend erläuterten Entwicklungen auf der Einnahmen- und Ausgabenseite wider. Im Zeitraum Jänner bis April 2026 stiegen die Einnahmen aus Fahrscheinen und Jahreskarten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,8 %. Dieser moderate Zuwachs ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass die mit 1. Jänner 2026 wirksam gewordene Tarifindexierung (siehe weiter unten) bereits in diesen Zahlen enthalten ist, die strukturellen Auswirkungen der grundlegenden Tarifreform zum 1. Juni 2026 jedoch noch nicht. Es ist daher davon auszugehen, dass sich die Einnahmenentwicklung im weiteren Jahresverlauf – insbesondere nach Einführung der neuen VMOBIL Tarifwelt – positiver gestalten wird. Besonders erfreulich entwickelt sich weiterhin der digitale Vertriebskanal FAIRTIQ, der im Vergleichszeitraum ein Wachstum von 31,8 % verzeichnete.

Im Bereich der Verkehrsdiensteverträge erfolgt die Wertsicherung überwiegend nachträglich, sodass für das laufende Jahr mit weiteren Kostensteigerungen zu rechnen ist. Angesichts des im Vergleich zu den Vorjahren normalisierten Teuerungsniveaus wird mittelfristig eine Stabilisierung der laufenden Aufwendungen erwartet.

Investitionen

Im Geschäftsjahr 2026 sind Investitionen in Höhe von netto € 1,317 Mio. (brutto € 1,817 Mio.

abzüglich € 400 T Refinanzierung) vorgesehen. Wesentliche Schwerpunkte umfassen:

• Busbetrieb (Fahrzeugausstattung für 20 neue Fahrzeuge, Bordtechnik, TFT-Busscreens) • Fahrgastinformation (FGI an 30 Haltestellen, Hintergrundsystem DFI)

• Digitalisierung (Kundenportal, Vertriebsstruktur, Tarifverwaltung neu, Web-App, MaaS VMOBIL) • Systempaket E-Mobilität (Lizenzen IVU.fleet.electric) • Anpassungen zur Umsetzung der Tarifreform 2026

Tarifentwicklung

Mit 1. Jänner 2026 wurde eine Wertsicherung der bestehenden Tarife vorgenommen. Die Einzel-, Tages-, Wochen- und Monatskarten wurden um ca. 6,38 % erhöht, während bei den KlimaTickets ein moderaterer Aufschlag von ca. 3,19 % zur Anwendung kam. Mit 1. Juni 2026 trtritt die neue VMOBIL Tarifwelt in Kraft (siehe weiter oben). Ziel dieser Reform ist neben der Vereinfachung des Tarifsystems auch eine Stärkung der Eigenfinanzierungsbasis sowie die Erschließung bislang ungenutzter Nachfragepotenziale.

Fortbestandsprognose

Aufgrund der stabilen finanziellen Situation der Verkehrsverbund Vorarlberg GmbH ist der Fortbestand des Unternehmens nicht gefährdet. Für die absehbaren erlös- und aufwandseitigen Entwicklungen wurde im Jahresbudget 2026 eine ausreichende Vorsorge getroffen.

9. Risikobericht

Wesentliche Risiken für die Entwicklung der Gesellschaft ergeben sich in erster Linie aus den aktuell herrschenden Rahmenbedingungen für die Umsatz- und Aufwandsentwicklung, aus den laufenden und bevorstehenden Vergabeverfahren sowie aus der noch ausstehenden Umsetzung des neuen Finanzierungssystems.

Kosten- und Erlösrisiken

Da in den für die Verkehrsdienstebestellungen relevanten Aufwandsbereichen weiterhin nachlaufende Kostensteigerungen – insbesondere aus tarifgebundenen Lohnanpassungen – zu erwarten sind, bleibt eine erlöswirksame Anpassung der Tarife im Rahmen der Inflationsrate ein zentrales Steuerungsinstrument, um ein sprunghaftes Ansteigen der Zuschussbedarfe zu vermeiden. Die mit 1. Juni 2026 eingeführte neue VMOBIL Tarifwelt stellt in diesem Zusammenhang die größte Tarifreform seit 2014 dar. Die damit verbundenen Veränderungen im Nachfrage- und Nutzungsverhalten der Fahrgäste wurden im Vorfeld detailliert analysiert; aus heutiger Sicht ist von einem positiven Umsatzeffekt auszugehen. Gleichwohl werden Nachfrage- und Umsatzentwicklung laufend gemonitort, um alfällige Abweichungen frühzeitig erkennen und gegensteuern zu können.

Vergaberisiken

Die VVG nimmt als ausschreibende Stelle Vergaben von Verkehrsdiensteverträgen für Bus- Linienverkehre im Gesamtumfang von rund € 80 Mio. vor. Diese Risiken können durch eine bewährte Vergabesystematik abgefedert werden, die durch mehrere verwaltungsgerichtliche Erkenntnisse – darunter zuletzt zwei höchstgerichtliche Erkenntnisse des Verwaltungsgerichtshofes – gestützt wird. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Neuvergabe in der Region Großes Walsertal im Mai 2026 stehen als nächste Vergaben der Landbus Oberes Rheintal sowie der Stadtbus Feldkirch an, mit einem geplanten Betriebsstart im Dezember 2027.

Projekt Finanzierung NEU

Die Umsetzung des neu erarbeiteten Organisations- und Finanzierungsmodells für den öffentlichen Straßenpersonenverkehr in Vorarlberg erfordert in einem nächsten Schritt die Erzielung der wesentlichen inhaltlichen Einigungen sowie entsprechende Beschlüsse auf Ebene des Landtages sowie der Gemeinden bzw. Gemeindeverbände. Die Vorbereitungen dazu sind im Laufen; das ambitionierte Ziel ist eine Umsetzung zum 1. Jänner 2027. Sollte dieses Ziel nicht erreicht werden, ist eine Einführung zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen, wobei das bestehende Finanzierungssystem bis dahin unverändert weitergeführt wird.

Politisches und finanzielles Umfeld

Das politische Umfeld ist derzeit von Konsolidierungsbestrebungen der öffentlichen Hand geprägt. Wie einschneidend die daraus resultierenden Maßnahmen für den OPNV sein werden, ist zum Zeitpunkt der Berichtslegung nicht abschließend absehbar. Die Bemühungen konzentrieren sich

derzeit vorrangig auf die Stärkung der Einnahmenbasis; Leistungsrücknahmen im OPNV-Angebot sind jedoch nicht grundsätzlich auszuschließen und werden im Rahmen der laufenden Planungsund Budgetprozesse beobachtet.

Dr. Christian Hillbrand Geschäftsführer Feldkirch, am 15. Juni 2026

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