← Zurück zum Firmenprofil

Lagebericht 2025

Vorarlberger Kinderdorf gemeinnützige GmbH

Original-PDF

Stichtag 31. Dez. 2025 · Eingereicht am 28. Sep. 2026

Inhaltsverzeichnis

1. Geschäftstätigkeit, Geschäftsverlauf und Geschäftsergebnis

1.1 Geschäftstätigkeit

Die Vorarlberger Kinderdorf gemeinnützige GmbH unterstützt Familien, in denen das Kindeswohl gefährdet oder beeinträchtigt ist. Dabei bietet sie achtsame Beziehungsangebote und vielfältige Hilfestellungen im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe des Landes Vorarlberg an. Im Bereich des Kinderund Jugendschutzes ist die Vorarlberger Kinderdorf gem. GmbH der größte Dienstleister in Vorarlberg und in einigen Fachbereichen der einzige Anbieter der entsprechenden Leistung. Als solcher setzt sich das Unternehmen mit ganzer Kraft für Kinderschutz, Kinderrechte und -beteiligung, für die Stärkung von belasteten Familien und für die Errichtung und Bewahrung kindgerechter Lebensräume ein.

Die Vorarlberger Kinderdorf gem. GmbH umfasst folgende Fachbereiche:

Kinderdorf Kronhalde inkl. Auffanggruppe, Paedakoop, Ambulanter Familiendienst, Pflegekinderhilfe, Netzwerk Familie, Familienimpulse. Diese setzen folgende Tätigkeitsschwerpunkte um:

Im Kinderdorf Kronhalde leben Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 19 Jahren (in Ausbildung bis max. 21 Jahre), für die das Wohnen daheim aus der Perspektive des Kinderschutzes nicht möglich ist. In familiären Wohngruppen wird ein geborgenes Zuhause nach Möglichkeit als Ergänzung zu den familiären Wurzeln geboten. In täglicher Beziehungsarbeit werden neue Entwicklungsräume geschaffen und die Kinder/Jugendlichen auf ein Leben in Selbständigkeit bestmöglich vorbereitet.

Die Auffanggruppe bietet Soforthilfe in akuten Krisensituationen und bei Gefährdung des Kindeswohls für Kinder bis 14 Jahre. Sie unterstützt auch Eltern, die vorübergehend Entlastung brauchen. Mit Beteiligung der Kinder und deren Eltern werden mit professioneller Unterstützung und in Verantwortung der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe neue Zukunftsperspektiven zeitnah gemeinsam entwickelt.

Das Paedakoop widmet sich mit seinen Wohngruppen, seiner lebensweltorientierten Betreuung und seiner Privatschule jenen Kindern und Jugendlichen im Pflichtschulalter, die in ihrer schulischen und persönlichen Entwicklung intensive Unterstützung brauchen. Ebenso finden Eltern oder Erziehungsberichtigte Hilfe bei erheblichen Erziehungsproblemen, entwickeln Fähigkeiten und gewinnen zunehmend Sicherheit in ihrer Erziehungsverantwortung und Elternschaft.

Der Familiendienst bietet vielfältige Dienstleistungen und Unterstützungsangebote für belastete Kinder, Jugendliche und Familien im ambulanten Bereich, zum Beispiel Beratung und Begleitung, alltagspraktische Unterstützungen, Erziehungscoaching oder Haushaltstraining. Mit Kindern wird in sozialpädagogischen Gruppenangeboten mit Schwerpunkten (Sucht, Gewalt, psychische

Vorarlberger Kinderdorf Vir tra gen Sorge.

Erkrankung der Eltern) gearbeitet. Im Zentrum stehen die Bedürfnisse der betroffenen Kinder ebenso wie die gezielte Stärkung der Potenziale und Fähigkeiten der Familie.

Die Pflegekinderhilfe sucht liebevolle Pflegepersonen, die mit Freude und Engagement die Betreuung benachteiligter Kinder für einen begrenzten Zeitraum oder langfristig übernehmen. Pflegepersonen werden sorgsam ausgewählt, geschult und professionell in ihrer Aufgabe begleitet. Der Dienst ist zudem Bindeglied zwischen dem Pflegekind und seinen beiden Familien.

Netzwerk Familie stärkt auf freiwilliger Basis junge Familien. Werdende Eltern und Familien mit Säuglingen und Kleinkindern bis 3 Jahren finden in belastenden Lebenssituationen frühzeitig und unbürokratisch Unterstützung, bei Bedarf auch für einen längeren Zeitraum. Fachpersonen werden für das Thema laufend sensibilisiert.

Der Bereich Familienimpulse fokussiert auf Präventivangebote. Er unterstützt belastete Familien, oft ohne soziales Netz, unbürokratisch durch organisierte Nachbarschaftshilfe. In einzelnen Familien wird bei Bedarf zudem mit dem Team Schnellhilfe Plus professionelle Hilfe geleistet. In ausgewählten sozialen Siedlungsbauten bietet FamilienimpulseMobil in Kooperation mit der Kommune und dem Wohnbauträger niederschwellige Sozialarbeit an. Mit der Vortragsreihe Wertvolle Kinder werden Fachimpulse gesetzt und die breite Bevölkerung sensibilisiert.

Die Hauptniederlassung des Vorarlberger Kinderdorfes und die Fachbereiche Dorf Kronhalde und Familienimpulse liegen in Bregenz in Kronhaldenweg 2. Weitere Standorte liegen in mehreren Gemeinden Vorarlbergs:

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 2
StationäreAmbulante
OrtFachbereich/eWohnformenDienstleistungenSchule
Dorf KronhaldeX
BregenzFamiliendienstX
FamilienimpulseX
PflegekinderhilfeX
BludeschPaedakoopX
DornbirnFamiliendienstX
Netzwerk FamilieX
EggFamiliendienstX
StationäreAmbulante
OrtFachbereich/eWohnformenDienstleistungenSchule
FeldkirchPaedakoopXXX
PflegekinderhilfeX
LochauDorf KronhaldeX
LustenauFamiliendienstX
RankweilPflegekinderhilfeX
SchlinsPaedakoopXXX
WolfurtDorf KronhaldeX
PaedakoopXX

Unter Einbeziehung des familiären, schulischen und sozialräumlichen Umfelds der Kinder und Jugendlichen betreuten die Mitarbeiter:innen der Vorarlberger Kinderdorf gem. GmbH 2.870 Kinder und Jugendliche in folgenden Bereichen:

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 3
Anzahl betreute Kinder
Fachbereich
und Jugendliche
Dorf Kronhalde129
Paedakoop85
Familiendienst886
Pflegekinderhilfe240
Netzwerk Familie901
Familienimpulse629

1.2 Geschäftsverlauf

Alle Fachbereiche verzeichneten im Jahr 2025 eine sehr gute und sehr hohe Auslastung. Für das in der Vergangenheit nicht kostendeckend finanzierte Krisenangebot „Auffanggruppe“ reagierte das Land als Auftraggeber im Sommer 2025. Eine zusätzliche Tangentenerhöhung wurde für die zweite Jahreshälfte 2025 gewährt und ab Januar 2026 ein kostendeckender Tarif zugesagt. Der Fachbereich „Kinderdorf Kronhalde“ erhielt zusätzliche, finanzielle Mittel für das Angebot in der fokussierten Betreuung. Der Fachbereich „Familienimpulse“ startete ein neues, drittmittelfinanziertes Projekt im Bereich der Prävention im Sozialraum.

Zudem war und ist erfreulich, dass die hohe Auslastung der Produktangebote von den Mitarbeitenden im Rahmen ihrer regulären Arbeitszeit bewältigt werden konnte, sodass keine neuen Zeitguthaben aufgebaut werden mussten. Es war sogar im Lauf des Jahres möglich, Zeitguthaben und Alturlaube abzubauen. Dies führte im Jahresabschluss zu einer deutlichen Senkung der jeweiligen Rückstellungen und zu einem sehr erfreulichen Jahresergebnis.

1.3 Geschäftsergebnis (Ertragslage, Finanzlage)

Der Umsatz erhöhte sich von 2024 auf 2025 von 24.405 T€ auf 25.863 T€, was einer Erhöhung von rund 5,9 % entspricht. 3,5 % davon machte die Indexsteigerung der mit dem Land vereinbarten Tarife aus. Die restliche Umsatzsteigerung hing vorrangig zusammen einer Tangentenerhöhung für die Auffanggruppe, deutlich mehr fokussierter Betreuung als im Vorjahr und einem neuen, drittmittel-finanzierten Projekt im Fachbereich „ Familienimpulse“.

/orarlberger rdorf Sorge.

Die Rückstellung für die Abfertigung alt reduzierte sich um 134 T€, und die Rückstellungen für nicht konsumierte Urlaube/Zeitguthaben und nicht konsumierten Sabbat reduzierte sich in Summe um 126 T€. Die höheren Erlöse gekoppelt mit der Auflösung von Rückstellungen führten letztendlich zu einem positiven Geschäftsergebnis in Höhe von 564 T€.

Das Eigenkapital erhöhte sich somit absolut von 642 T€ auf 1.206 T€, und die Eigenkapitalquote stieg von 11,8 % auf 21,6 %. Das Working Capital war und ist weiterhin ausreichend, um die laufenden Verpflichtungen zu decken. Auch der Cashflow aus der betrieblichen Tätigkeit war weiterhin positiv.

Die folgende Tabelle zeigt weitere Kennzahlen aus dem Jahresabschluss:

Angaben aus dem Lagebericht, Originalseite 4
20252024
Jahresgewinn/-fehlbetrag in T€564-153
Jahresgewinn/-fehlbetrag in % zur Betriebsleistung2,18 %-0,63 %
Eigenkapital in T€1.206642
Eigenkapitalquote in %21,6 %11,8 %
Verschuldungsgrad in %363 %746 %
Working Capital in T€1.9781.433
Cash Flow aus der betrieblichen Tätigkeit in T€989469
Cash Flow aus der Investitionstätigkeit in T€-209-277
Cash Flow aus der Finanzierungstätigkeit in T€00

2. Forschung und Entwicklung

Die Vorarlberger Kinderdorf gemeinnützige GmbH betreibt keine Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten.

3. Risiken

Die Vorarlberger Kinder- und Jugendhilfe beauftragt ca. 90 % der Dienstleistungen und Angebote der Vorarlberger Kinderdorf gem. GmbH. Damit besteht eine hohe Abhängigkeit gegenüber dem Hauptauftraggeber, dem Land Vorarlberg. Demgegenüber ist zu erwähnen, dass das Vorarlberger Kinderdorf als größte Kinder- und Jugendschutzeinrichtung einzelne Leistungen konkurrenzlos anbietet (wie beispielsweise Pflegekinderhilfe, Krisenunterbringung von Kindern unter 15 Jahren, Netzwerk

Familie). Mit dem Land bestehen für die einzelnen Fachbereiche Rahmenverträge, die mit jährlicher Kündigungsfrist abgeschlossen sind. Ende Oktober wurden ohne Abstimmung mit Sozialträgerschaften vom Land Vorarlberg Tarifkürzungen für alle ambulanten Angebote vorgegeben. In der Vorarlberger Kinderdorf gem. GmbH sind davon die Bereiche Familiendienst, Pflegekinderhilfe und Netzwerk Familie im Ausmaß von 10-15 % betroffen, gültig ab 1.1.2026. Aufgrund unserer klaren inhaltlichen Positionierung, unserer spezifischen Angebotsstruktur sowie der langjährigen, stabilen Zusammenarbeit gehen wir, trotz aktueller Tarifkürzungen und allgemeiner Sparmaßnahmen, insgesamt dennoch von einem geringen Risiko einer kurzfristigen Vertragskündigung aus. Forderungen über vereinbarte Leistungen werden vom Land Vorarlberg in der Regel beglichen, das Ausfallsrisiko ist sehr gering.

Die Nachfrage seitens der Kinder- und Jugendhilfe war auch 2025 gut, wobei doch immer wieder der Eindruck entsteht, dass die Bezirkshauptmannschaften als zuweisende Stellen eher vorsichtig agieren. Die Leistungsmenge ist aufgrund vereinbarter Tangenten mit dem Land beschränkt. Bei hoher Nachfrage müssen immer wieder Sonderkontingente bzw. Einzelfallfinanzierungen mit der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe verhandelt werden, um das Risiko zu minimieren, dass außerhalb der Tangenten erbrachte Dienstleistungen nicht abgerechnet werden können.

Dank einer detaillierten Verbuchung der Geschäftsfälle auf Fachbereiche und Kostenstellen ist die wirtschaftliche Entwicklung gut und zeitnah dokumentiert. Dank regelmäßiger Soll-Ist-Vergleiche und diverser Analysen werden mögliche Fehlentwicklungen im Normalfall rasch erkannt, sodass zeitnah entsprechend gegengesteuert werden kann.

4. Die voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens

Die bisherige Auslastung der Angebote ist weiterhin sehr hoch, lediglich die Krisenauffanggruppe liegt in den ersten Monaten etwas unter ihrer Sollauslastung.

Allerding trübt die vom Land Vorarlberg erst Ende Oktober 2025 verlautbarte Tarifkürzung in den ambulanten Bereichen in Höhe von ca. 10-15 % ab Januar 2026 die Ergebniserwartungen 2026 deutlich. Erste Maßnahmen, um Kosten einzusparen, wurden bereits per Ende 2025 umgesetzt, so z.B. die Schließung der regionalen Büros in Egg (Fachbereich Familiendienst) und Bludenz (Fachbereich Netzwerk Familie). Mittelfristig kostenentlastend wirkt sich der Umzug von gemieteten Räumen in Rankweil in eigene Büroräumlichkeiten in Feldkirch und Bregenz für den Fachbereich Pflegekinderhilfe im Herbst letzten Jahres aus. Weiters wurden bereits umfassende Maßnahmen zur Kostenreduktion und Ergebnisstabilisierung für das Geschäftsjahr 2026 umgesetzt. Diese umfassen insbesondere die natürliche Verringerung der Teamgrößen sowie gezielte Einsparungen bei Sach- und Personalaufwendungen (wie beispielsweise Ausgaben für Klausuren und externe Fortbildungen, mit Ausnahme von kollektivvertraglich verpflichtenden Maßnahmen).

Darüber hinaus erfolgten strukturelle Anpassungen auf Organisationsebene, unter anderem durch personelle Reduktionen (Assistenz der Geschäftsführung, Anpassungen von Stellenprozenten) sowie der

Vorarlberger Kinderdorf Wir tragen Sorge.

bewusste Verzicht auf einmalige bzw. nicht zwingend erforderliche Ausgaben. Ergänzend wurden klare interne Steuerungsmaßnahmen eingeführt, insbesondere zur konsequenten Planung und Kontrolle von Leistungsstunden sowie zur vorausschauenden Urlaubssteuerung. Trotz der bereits gesetzten sowie laufend ergänzten Maßnahmen ist aus heutiger Sicht davon auszugehen, dass im Geschäftsjahr 2026 kein positives Jahresergebnis erzielt werden kann. Nach aktuellem Stand wird mit einem negativen Ergebnis in der Größenordnung von rund 150 T€ gerechnet.

Trotz Sparvorgaben ist die Anfragensituation sowohl im stationären Bereich als auch im ambulanten Bereich durchgehend sehr hoch. In Anbetracht diverser Studien, welche die zunehmende psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen und deren überforderten Familien belegen, ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach stationären und ambulanten Dienstleistungen des Vorarlberger Kinderdorfes ebenfalls hoch bleibt.

Eine Tendenz, die sich bereits in den letzten Jahren bemerkbar gemacht hat und zunehmend deutlicher wird, zeigt sich in grenzüberschreitendem und gewaltbereitem Verhalten von Kindern und Jugendlichen in Verbindung mit psychiatrischen Diagnosen. Für diese Kinder und Jugendliche sind die Basisangebote nicht mehr ausreichend. Manche dieser Kinder sind in einem Gruppensetting überfordert und benötigen, zumindest über einen gewissen Zeitraum, eine Zusatz- oder sogar eine 1:1-Betreuung. Für dieses Thema wurde eine Arbeitsgruppe installiert, um adäquat künftigen Herausforderungen begegnen zu können.

In Bezug auf unsere Angebote sind wir aufgefordert laufende Adaptierungen vorzunehmen und hoch flexibel auf die Bedarfe unseres Klientels in allen Fachbereichen bestmöglich zu reagieren. Das Land setzt in Bezug auf Sozialleistungen auf eine neue sozialraumorientierte Struktur auf kommunaler und regionaler Ebene. Hierzu gibt es Bezugspunkte zu unserem über Drittmittel finanzierten Modellprojekt ,Sofi’ (Fachbereich Familienimpulse). Das Projekt in der Regio Walgau schafft ein gutes Praxis-Modell für sozialraumorientierte, aufsuchende Familienarbeit, die hauptamtliche und ehrenamtliche Angebote vor Ort verknüpft. Es ist ein Modell, das in unterschiedlichen, bedarfs- und ressourcenorientierten Formen auch in anderen Städten und Gemeinden umgesetzt werden kann. Zum Projekt gibt es politisches Interesse.

Im Weiteren laufen im Rahmen der überarbeiteten Sozialfondsstrategie verschiedene Arbeitsgruppen in Zusammenarbeit mit den Sozialträgerschaften und dem Gemeindeverband. Der Prozess soll bis Mitte des Jahres abgeschlossen und richtungsweisend für die Kosten- und Steuerungsentwicklung der Sozialleistungen im Land sein.

Bregenz, 30, April 2026

Mag. Alexandra Maria Wucher Geschäftsführerin

Dr. Simon Burtscher-Mathis Geschäftsführer

Wir verwenden Cookies, um grundlegende Funktionen der Plattform sicherzustellen und anonymisierte Nutzungsstatistiken zu erfassen. Durch einen Klick auf "Akzeptieren" stimmst du der Verwendung dieser Cookies zu.