Inhaltsverzeichnis
1 Geschäftsverlauf, Geschäftsergebnis und Lage des Unternehmens 1.1 Geschäft und rechtliche Rahmenbedingungen
Die Wiener Staatsoper GmbH ist zu 100 % im Eigentum der Bundestheater-Holding GmbH, welche selbst zu 100 % im Eigentum des Bundes steht.
Der kulturpolitische Auftrag gemäß § 2 Abs. 1 BThOG nach dem die Wiener Staatsoper GmbH zu führen ist, umfasst nachstehende Aufgaben:
1. Pflege der klassischen deutschsprachigen und internationalen Theaterkunst und Kultur. 2. Förderung des Zeitgenössischen und innovativer Entwicklungen unter besonderer Berücksichtigung österreichischen Kunstschaffens und dessen Stärkung im internationalen Vergleich. 3. Gestaltung der Spielpläne in die Richtung, dass diese ein innovatives und pluralistisches Angebot in Form und Inhalt sowie auch künstlerisch risikoreiche Produktionen beinhalten und den Aspekt der Kunstvermittlung besonders bei Kindern und Jugendlichen berücksichtigen. 4. Schaffung von Zugangs- und Nutzungsmöglichkeiten für das gesamtösterreichische Publikum auch durch den Einsatz von elektronischen und anderen Massenmedien unter Berücksichtigung neuer medialer Entwicklungen. 5. Internationale Repräsentation österreichischer Bühnenkunst.
Gemäß § 2 Abs. 2 BThOG sind folgende Grundsätze zwingend:
1. Es ist ein ganzjähriger, der jeweiligen Sparte entsprechender Spielbetrieb mit angemessenen Spielbetriebspausen, die in Summe zwei Monate nicht übersteigen dürfen, zu gewährleisten. 2. Die Theater sind als Repertoiretheater zu führen, wobei das Repertoire durch eine entsprechende Anzahl von jährlichen Neuinszenierungen zu erweitern und durch Neueinstudierungen und Wiederaufnahmen zu pflegen ist. 3. Die mit Monatsvertrag an den Musiktheatern engagierten Solisten sollen verpflichtet werden, sowohl an der Staatsoper als auch an der Volksoper aufzutreten. 4. Beim künstlerischen Personal ist das Ensembleprinzip zu pflegen. Gäste können ergänzend im Sinne der Erhöhung des künstlerischen Niveaus engagiert werden.
5. Die Vorstellungen sind grundsätzlich in den eigenen Häusern nach einem festgelegten Spielplan durchzuführen; darüber hinaus können zeitlich befristet zusätzlich Bühnen zu Spielstätten bestimmt werden, wenn dadurch ein künstlerischer und/oder wirtschaftlicher Nutzen zu erwarten ist. 6. Die Theaterleitung hat nach den Erfordernissen einer wirtschaftlichen, zweckmäßigen und sparsamen Gebarung unter Bedachtnahme auf die verfügbaren Mittel gemäß § 7 BThOG zu erfolgen. 7. Die Kooperation mit anderen künstlerisch führenden Veranstaltern ist anzustreben. 8. Die Durchführung von Gastspielen an anderen Bühnen, bei Festivals oder an anderen Spielstätten, insbesondere in den Bundesländern, ist anzustreben; die Aufrechterhaltung des Theaterbetriebes muss in diesen Zeiträumen sichergestellt sein.
Der für die Wiener Staatsoper maßgebliche Absatz 4 lautet:
„Die Wiener Staatsoper ist als repräsentatives Repertoiretheater für Oper und Ballett mit umfassender Literatur zu führen. Ihre Stellung im Kreis der international führenden Häuser ist zu erhalten und weiter auszubauen. Beim Repertoire ist auf die Einbeziehung zeitgenössischer künstlerischer Ausdrucksformen Rücksicht zu nehmen. Fallweise sind auch andere Formen des Musiktheaters als die Oper zu pflegen. Dem Ballett ist im Spielplan der Staatsoper ausreichend Raum zum Ausbau eines selbständigen Profils zu geben; dies gilt sowohl für das Ballett auch für das moderne Tanztheater. Weiters hat die Staatsoper im Rahmen der Ballettschule für die Ausbildung junger Tänzer im Ballett und im modernen Tanz sowie für die Aus- und Fortbildung von Ballettlehrern zu sorgen und den Wiener Opernball zu veranstalten. Ein wesentliches Element der künstlerischen Qualität ist das im internationalen Maßstab herausragende Orchester, das in höchster Qualität in dem dafür erforderlichen Umfang aufrechtzuerhalten ist.“ Die ART for ART Theaterservice GmbH ist zu 16,3 % im Eigentum der Wiener Staatsoper GmbH.
Zwischen der ART for ART Theaterservice GmbH und der Wiener Staatsoper GmbH bestehen Rahmenvereinbarungen über die Erbringung von Werkstätten Leistungen (Dekorationsbau, Kostüme) und einigen zentralen Dienstleistungen (Gebäudetechnik, EDV, Kartenvertrieb).
1.2.1 Spielplan und künstlerische Bilanz
Waren die letzten Spielzeiten kontinuierlich vom Beschreiten neuer Wege, von Erkundungen und dem Erobern zusätzlicher Publika geprägt, so gilt das in einem sogar noch verstärkten Maße für die Saison 2024/25. Denn mit der Eröffnung einer neuen Spielstätte – dem NEST (Neue Staatsoper) – gelang es, einen Theaterort, ganz speziell für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und auch für Familien zu schaffen. Damit präsentiert sich die Wiener Staatsoper nicht nur noch vielfältiger und einladender, sondern ermöglicht Projekte und Programme, die bisher nicht umzusetzen waren. Die Notwendigkeit eines solchen Theaterraums war freilich schon seit Langem ein Faktum. Eine Erweiterung der Aufführungszahl im Haus am Ring war aus Kapazitätsgründen undenkbar, bisherige Staatsopern-Spielorte für Kinder- und Jugendprojekte boten aus unterschiedlichen Gründen keine längerfristige Zukunftsperspektive. Dass sich, nur wenige Gehminuten von der Staatsoper entfernt, im Künstlerhaus ein Ort fand, der alle Möglichkeiten und Chancen bot, um die zahlreichen Ideen und Wünsche zu verwirklichen, kann nur als außerordentliches Theaterglück bezeichnet werden. Dass auch noch ein Mäzen gewonnen werden konnte, der die Spielstätte überhaupt erst möglich machte, ebenso. Und so entstand in der Kulturzone Karlsplatz, neben dem Wien Museum und dem Musikverein, ein Theaterneubau, der technisch auf dem modernsten Stand ist und eine ideale Stätte für selbst höchstfliegende Ideen bietet.
Am 7. Dezember 2024 wurde das Theater mit einer Kinderopern-Uraufführung (Sagt der Walfisch zum Thunfisch von Thierry Tidrow) eröffnet. Unmittelbar darauf zeigte sich die große künstlerische Spannweite des NEST: Die Theatertruppe Nesterval brachte einen von Richard Wagners Der Ring des Nibelungen inspirierten immersiven Abend zur Uraufführung, der Umweltwie gesellschaftliche Fragestellungen eröffnete und sich an ein erwachsenes und nicht nur opernaffines Publikum wandte. Zahlreiche weitere Premieren und Uraufführungen, Konzerte, Workshops, Diskussionsrunden und vieles mehr rundeten den Spielplan ab – bereits in der ersten, verkürzten Spielzeit fast 130 Veranstaltungen.
Selbstverständlich, und das braucht nicht erwähnt zu werden, wurde auch das Haus am Ring mit gleichbleibender Auslastungsdichte bespielt. »Klassiker« des Repertoires wie Giuseppe Verdis Don Carlo, Wolfgang Amadeus Mozarts Die Zauberflöte oder Richard Wagners Tannhäuser wurden von international umworbenen Regisseurinnen und Regisseuren neu befragt und zur
Diskussion gestellt. Zudem wurde das bestehende, große Opernrepertoire konsequent erweitert: Durch die Staatsopern-Erstaufführung des zeitgenössischen Musiktheater-Marksteins Fin de partie von György Kurtág, durch die im Haus am Ring bisher ausschließlich unter Gustav Mahler gespielte Tschaikowski-Oper Iolanta sowie durch Vincenzo Bellinis Norma – eine Oper, auf deren szenische Aufführung das Staatsopern-Publikum 45 Jahre warten musste. Dass am Dirigentenpult – in Premieren, Wiederaufnahmen und an den Repertoireabenden – zentrale Persönlichkeiten des internationalen Musiklebens standen, ist für das Haus am Ring ebenso selbstverständlich wie die sorgfältige Balance zwischen den führenden Sängerinnen- und Sängernamen und der Präsentation neuer, außergewöhnlicher Stimmen. Ebenso selbstverständlich ist ein umfangreiches begleitendes Programm, das von Kammermusik-, Ensemble- und Solokonzerten, Veranstaltungen des Opernstudios und der Opernschule bis zu Gesprächsveranstaltungen und Einführungsmatineen reichte. Hervorgehoben werden müssen weiters die zahlreichen Veranstaltungen der Outreach-Abteilung sowie des Offiziellen Freundeskreises der Wiener Staatsoper, die die Saison mit zahlreichen außergewöhnlichen Veranstaltungen bereicherten und gleichermaßen ein neues wie opernverliebtes Publikum ansprachen.
Martin Schläpfers letzte Saison als Ballettdirektor des Wiener Staatsballetts bestand aus einem vielfältigen Spielplan, der sich nicht nur aus zeitgenössischen Handlungsballetten, mehrteiligen Produktionen und Repertoire-Klassikern zusammensetzte, sondern auch diverse Ballett- und Tanzhandschriften präsentierte.
Die erste Premiere – Christopher Wheeldons The Winter’s Tale – fand am 19. November 2024 statt. Der britische Choreograf, der zu den führenden seiner Generation zählt, ist einer der großen Geschichtenerzähler im Ballett der Gegenwart und hat mit seiner choreografischen Adaption von William Shakespeares Das Wintermärchen bewiesen, dass das Handlungsballett auch in einem zeitgenössischen Ballettkanon etabliert werden kann. Die Österreichische Erstaufführung von The Winter’s Tale zur Musik des britischen Komponisten Joby Talbot regte bildgewaltig zum Staunen an und verzauberte zugleich das Publikum.
Am 9. April 2025 fand die zweite Premiere des Wiener Staatsballetts statt, in der mit George Balanchine und Merce Cunningham nicht nur zwei der bedeutendsten Choreografen des 20. Jahrhunderts auf der Bühne vereint wurden, sondern die auch Martin Schläpfers letzte Kreation für das Ensemble ins Zentrum stellte. Pathétique – nach Piotr I. Tschaikowskis 6. Symphonie mit jenem Beinamen, die Schläpfer als musikalische Basis für seine Uraufführung wählte – zeigte noch einmal seine Handschrift als Chefchoreograf, aber auch als kuratierender Ballettdirektor:
Divertimento Nr. 15 ist eines der duftigsten Ballette George Balanchines und eine kongeniale Auseinandersetzung mit der Musik Wolfgang Amadeus Mozarts, während mit Merce Cunninghams sprungfreudigen Summerspace im Design Robert Rauschenbergs und zu den Klavierklängen Morton Feldmans erstmals eine Choreografie des wichtigen Vertreters des Modern Dance in der Wiener Staatsoper zu sehen war. Schläpfer hat sich dagegen von den emotionalen Höhenflügen und tiefen Einbrüchen in Tschaikowskis Komposition inspirieren lassen. Mit einer ungebändigten Kraft handelte Pathétique von der Vergänglichkeit der Träume und brennenden Fragen des Lebens – und führte über Tschaikowskis Partitur hinaus mit einer Händel-Arie in eine sublime Heiterkeit. Einer mit Standing Ovations aufgenommenen Premiere folgten von den Zuseherinnen und Zusehern gefeierte Vorstellungen.
Zwei weitere Uraufführungen Schläpfers entstanden außerdem in der neu eröffneten Spielstätte NEST, für die der Choreograf Sergej Prokofjews musikalisches Märchen Peter und der Wolf als Ballett für die ganze Familie getanzt von der Jugendkompanie der Ballettakademie der Wiener Staatsoper kreierte, und anlässlich des 67. Wiener Opernballs, für dessen Eröffnung Schläpfer den Kaiserwalzer von Johann Strauß (Sohn) wählte und das Ensemble in Kostümen der Schweizer Designerin Ida Gut tanzen ließ.
Im Repertoire waren weiterhin Rudolf Nurejews Schwanensee (anlässlich des 60. Jubiläums dieser Choreografie), der Dreiteiler Shifting Symmetries mit Werken von Hans van Manen, William Forsythe und George Balanchine sowie John Neumeiers Die Kameliendame zu sehen. Zum Ende der Saison programmierte das Wiener Staatsballett noch einmal Schläpfers Dornröschen, das sich über drei Jahre zu einem Publikumserfolg entwickelte und nahm die Eröffnungspremiere seiner Direktion Mahler, live mit van Manens Videoballett Live und Schläpfers erster Wiener Kreation 4 für zwei Vorstellungen wieder auf.
Auf einer Tournee im Mai 2025 präsentierte das Ensemble am Teatro Real in Madrid einen Doppelabend mit van Manens Concertante und Schläpfers 4. In vier Vorstellungen begeisterten die Tänzerinnen und Tänzer das spanische Publikum.
Neben Werkeinführungen und Einführungsmatineen wurden auch die bereits etablierten Vermittlungsprogramme in der Saison 2024/25 fortgesetzt: Die Diskussionsreihe Tanzpodium im Gustav Mahler-Saal, die wöchentlich stattfindende Open Class sowie die – in Kooperation mit den Wiener Kinos Filmcasino und Filmhaus – DANCE MOVIES. Neben den von der Outreach Abteilung geleiteten Tanzlaboren fanden im NEST die neuen Formate Physical Introduction und Tanzkaraoke statt.
Für die musikalischen Partner im Orchestergraben setze Schläpfer seine intensive und gute Zusammenarbeit mit verschiedenen Dirigenten für seine letzte Wiener Saison fort: Christoph Koncz und Christoph Altstaedt dirigierten die beiden Premieren. Im Repertoire kollaborierte das Wiener Staatsballett erneut mit Paul Connelly, Matthew Rowe, Robert Reimer, Markus Lehtinen und Patrick Lange.
Der Premierenüberblick stellt sich wie folgt dar:
| Anzahl | Sitzplatz- | Einnahmen | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Werk | Datum | Besucher:innen | |||
| Vorstellungen | EUR auslastung % | ||||
| Don Carlo | 26.09.2024 | 9 | 19.022 | 99,99% | 1.663.804,27 |
| Fin de Partie | 16.10.2024 | 5 | 9.211 | 95,21% | 477.646,73 |
| The Winter’s Tale | 19.11.2024 | 9 | 18.990 | 99,97% | 1.279.804,68 |
| Die Zauberflöte | 27.01.2025 | 10 | 21.317 | 99,99% | 1.774.556,18 |
| Norma | 22.02.2025 | 10 | 21.093 | 100,00% | 1.598.634,45 |
| Iolanta | 24.03.2025 | 5 | 10.627 | 100,00% | 833.404,09 |
| Pathétique | 09.04.2025 | 11 | 22.739 | 100,00% | 1.253.294,27 |
| Tannhäuser | 22.05.2025 | 5 | 10.476 | 100,00% | 929.549,73 |
| Sagt der Walfisch zum | |||||
| Thunfisch | 07.12.2024 | 17 | 4.112 | 98,44% | 66.534,45 |
| Nestervals | |||||
| Götterdämmerung | 13.12.2024 | 5 | 741 | 100,00% | 23.238,18 |
| Peter und der Wolf | 26.01.2025 | 18 | 4.375 | 98,71% | 81.729,00 |
| Consistent Fantasy Is | |||||
| Reality | 21.03.2025 | 7 | 1.289 | 75,16% | 25.323,64 |
| Lee Miller in Hitler’s | |||||
| Bathtub | 01.06.2025 | 7 | 1.261 | 73,31% | 24.202,73 |
1.2.2 Wirtschaftliche Entwicklung
1.2.2.1 Umsatzerlöse
Der Umsatz der Wiener Staatsoper GmbH lag im Geschäftsjahr 2024/2025 mit TEUR +5.546,8 um +9,3 % über dem Vergleichswert des Vorjahres (VJ).
In den einzelnen Umsatzgruppen ergaben sich nachfolgende Veränderungen:
Umsatzsteigerungen gab es bei den Umsatzerlösen aus dem Kartenverkauf TEUR +553,9 (+1,3 %). Auf der Hauptbühne der Wiener Staatsoper fanden 286 (VJ: 302) Vorstellungen statt. Die Sitzplatzauslastung der Vorstellungen betrug im Berichtsjahr 99,71 %, im Jahr davor waren es 99,84 %. Die Auslastung für Oper, Operette und Ballett betrug 99,86 % (VJ: 99,94 %).
Weitere Umsatzsteigerungen gab es bei den Einnahmen der Führungen TEUR +493,3 (+23,0 %), den Sponsor- und Förderbeiträgen TEUR +1.093,3 (+26,4 %), den Umsatzerlöse verbundene Unternehmen TEUR +250,2 (+11,7 %), den Umsätzen aus auswärtigen Gastspielen TEUR +123,0 (+47,2 %), den Einnahmen des Opernballs TEUR +1.708,5 (+37,6 %), bei den Entlehnungen TEUR +1.329,1 (+811,2 %), den sonstigen Umsatzerlösen TEUR +33,9 (+72,0 %) sowie den Umsätzen aus Miet- und Pachteinnahmen TEUR +464,9 (+33,1 %).
Umsatzrückgänge waren bei den Umsätzen aus Programmheften TEUR -15,0 (-4,2 %) zu verzeichnen. Aufgrund der im aktuellen Berichtsjahr neuen Kontierungsrichtlinie gab es eine Umgliederung zwischen den Erlöspositionen Opernball sowie Rundfunk- und Fernsehübertragungen TEUR -793,3 (-73,0 %).
1.2.2.2 Basisabgeltung
Die Basisabgeltung betrug im GJ 2024/2025 81,6 Mio. EUR, der Vorjahreswert betrug 79,9 Mio. Euro.
1.2.2.3 Personalaufwand
Der Personalaufwand betrug im GJ 2024/2025 108,0 Mio. EUR (Vorjahr 98,8 Mio. EUR).
Der Anstieg ist auf die allgemeine Bezugserhöhung zurückzuführen. Bei der Abfertigungsrückstellung nach versicherungsmathematischem Gutachten kam es zu einer Aufwandskürzung von TEUR -180,9 und bei der Jubiläumsgeldrückstellung zu einer Aufwandsminderung TEUR -312,9. Bei der Urlaubsrückstellung und Zeitguthabenrückstellung erhöhte sich der Aufwand inkl. Lohnnebenkosten um TEUR +349,1.
1.2.2.4 Investitionen
Die Investitionen in Neuproduktionen betrugen im GJ 2024/2025 11,0 Mio. EUR.
Die restlichen Investitionen betrugen im GJ 2024/2025 5,9 Mio. EUR.
Technische Investitionen betreffen insbesondere die durch den Aufsichtsrat zusätzlich genehmigten Investitionen in die Erneuerung der Hubbodensteuerung sowie den weiteren
Ausbau der neuen Kälteanlage und Investitionen in die Bühnentechnik (Beleuchtung, Akustik), sowie eine Vielzahl kleinerer Projekte.
1.2.3 Ertragslage 1 1
Die Gewinn- und Verlustrechnung stellt sich wie folgt dar:
| Komprimierte Gewinn- und Verlustrechnung | 2024/2025 in TEUR | 2023/2024 in TEUR |
|---|---|---|
| Umsatzerlöse | 64.975 | 59.428 |
| Basisabgeltung | 81.589 | 79.894 |
| Aktivierte Eigenleistungen | 861 | 767 |
| Sonstige betriebliche Erträge | 1.547 | 2.932 |
| Material- und Leistungsaufwand | -9.426 | -6.163 |
| Personalaufwand | -107.993 | -98.837 |
| Abschreibungen | -12.827 | -10.134 |
| Sonstige betriebliche Aufwendungen | -24.328 | -26.106 |
| Betriebsergebnis | -5.603 | 1.780 |
| Finanzergebnis | 629 | 925 |
| Ergebnis vor Steuern | -4.975 | 2.706 |
| Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag | -4.975 | 2.706 |
| Veränderung Rücklagen | 4.975 | -2.706 |
| Jahresgewinn | 0 | 0 |
| Gewinn-/Verlustvortrag | 0 | 0 |
| Bilanzgewinn | 0 | 0 |
1 Aus rechentechnischen Gründen können in den Tabellen bei der Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage Rundungsdifferenzen in Höhe von +/- einer Einheit (TEUR, %) auftreten.
Aufgrund der neuen Kontierungs- und Bilanzierungsrichtlinie des Bundestheaterkonzerns, die seit dem 1.9.2024 gültig ist, kommt es im Jahresvergleich zu Verschiebungen zwischen GuV- Positionen, v.a. von den Sonstigen betrieblichen Aufwendungen zum Material- und Leistungsaufwand. Ziel ist die präzisere Trennung von Aufwendungen, die unmittelbar mit der Erstellung und dem Verkauf von Veranstaltungen in Verbindung stehen, vom übrigen betrieblichen Aufwand.
Die Abweichungen der Umsatzerlöse zum Vorjahr wurden bereits unter Punkt 1.2.2.1 erläutert. Die sonstigen betrieblichen Erträge liegen um TEUR -1.385,4 unter dem Vorjahreswert und resultieren im Wesentlichen aus Auflösung von Erträgen aus Vorperioden im vorherigen Berichtsjahr.
Die Veränderung im Materialaufwand liegt um TEUR +3.263,0 über dem Vorjahreswert und ergibt sich im Wesentlichen aus der Umgliederung in Zusammenhang mit der neuen Bilanzierungs- und Kontierungsrichtlinie. Positionen des sonstigen Aufwands wurden in das Material umgegliedert, sowie spielplanbezogene sonstige künstlerische Leistungen.
Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen liegen um TEUR -1.777,6 unter dem Wert des Vorjahres und resultiert aus der oben angeführten Umgliederung aus dem übrigen Aufwand in den Materialaufwand für die Positionen Instandhaltung Produktionen, Materialgebühren, Tantiemen und Lizenzen. Weiters sind in dieser Position umsatzbezogene Mehraufwendungen (z.B. Disagio etc.) und allgemeine Preissteigerungen enthalten.
Das Betriebsergebnis beträgt im aktuellen Geschäftsjahr TEUR -5.603,2 (Vorjahr TEUR +1.780,8) und ist im Wesentlichen auf die sehr hohe Auslastung und den damit verbundenen Karteneinnahmen zurückzuführen. Weiters wurden Mehreinnahmen in allen Erlöspositionen erwirtschaftet.
Das Finanzergebnis verschlechtert sich auf Grund der aktuellen Zinspolitik und damit verbundenen niedrigeren Veranlagungserträge auf TEUR -628,6 (Vorjahr: TEUR +925,2).
Im aktuellen Geschäftsjahr wurde eine freie Rücklage in der Höhe von TEUR -4.974,6 aufgelöst.
1.3 Finanz- und Vermögenslage
1.3.1 Finanzlage
Die Finanzlage wird durch nachstehende Kennzahlen dargestellt:
| Cash Flow | 2024/2025 in TEUR | 2023/2024 in TEUR |
|---|---|---|
| Cash-Flow aus dem Ergebnis | 12.356 | 14.450 |
| Cash-Flow aus der laufenden Geschäftstätigkeit | 14.832 | 18.082 |
| Cash-Flow aus der Investitionstätigkeit | -16.878 | -24.243 |
| Veränderung des Bestands an liquiden Mitteln | -2.045 | -6.161 |
Vermögenslage
Die Bilanz stellt sich in komprimierter Form wie folgt dar:
| Komprimierte Bilanz | 31.08.2025 in TEUR | 31.08.2024 in TEUR |
|---|---|---|
| AKTIVA | ||
| Anlagevermögen | 41.354 | 37.331 |
| Umlaufvermögen | 38.851 | 40.765 |
| Rechnungsabgrenzung | 22.230 | 22.715 |
| Bilanzsumme | 102.435 | 100.811 |
| PASSIVA | ||
| Eigenkapital | 35.241 | 40.216 |
| Investitionszuschüsse | 5.762 | 792 |
| Kurzfristige Rückstellungen | 9.485 | 8.601 |
| Langfristige Rückstellungen | 11.198 | 11.692 |
| Kurzfristige Verbindlichkeiten | 27.926 | 22.703 |
| Langfristige Verbindlichkeiten | 0 | 0 |
| Rechnungsabgrenzung | 12.822 | 16.807 |
| Bilanzsumme | 102.435 | 100.811 |
| Kennzahlen | 31.08.2025 | 31.08.2024 |
|---|---|---|
| Eigenmittelquote1 | 36,5% | 40,2 % |
| Eigenmittel in % d. Anlagevermögens2 | 99,2 % | 109,8 % |
| Eigendeckungsgrad3 | 43,5 % | 45,0 % |
| Fiktive Schuldentilgungsdauer in Jahren4 | 1,6 | 0,2 |
2 Nichtfinanzielle Leistungsindikatoren
2.1 Arbeitnehmerbelange
Die Gesellschaft beschäftigte im Geschäftsjahr 2024/2025 insgesamt durchschnittlich 1.032,3 Dienstnehmer:innen.
| Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter insgesamt | 2024/2025 | 2023/2024 |
|---|---|---|
| Vertraglich Bedienstete | 68,2 | 71,2 |
| Vertraglich Bedienstete mit Bühnenarbeitsvertrag | 66,3 | 72,9 |
| Vertragsbedienstete | 3,0 | 3,0 |
| Bühnenarbeitsverträge | 411,5 | 396,1 |
| Angestellte | 433,3 | 410,3 |
| Ausbildungsverträge | 42,5 | 45,4 |
| Lehrlinge | 7,5 | 6,9 |
| Gesamt | 1.032,3 | 1.005,8 |
1 1 (Eigenkapital) / (Gesamtaktiva - Investitionszuschüsse)
2 2 (Eigenkapital + nicht rückzahlbare Investitionszuschüsse) / Anlagevermögen (Anlagevermögen = Immaterielle
Vermögensgegenstände + Sachanlagen + Finanzanlagen)
3 3 Eigenerlöse /Summe der betrieblichen Aufwendungen
(Eigenerlöse = Betriebserträge - Basisabgeltung und sonstige Subventionen - AMS- und sonstige behördliche Zuschüsse - Erträge aus Vorperioden - Erträge aus Beteiligungen - Einmaleffekte wie z.B. Immobilienveräußerungen.
Summe der betrieblichen Aufwendungen = Material + Personal + Abschreibungen + sonstige betriebliche Aufwendungen + Aufwendungen aus Finanzanlagen und aus Wertpapieren des Umlaufvermögens + Zinsen und ähnliche Aufwendungen) ⁴ 4 Nettoverschuldung / Mittelüberschuss aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
(Nettoverschuldung = Rückstellungen + Verbindlichkeiten – liquide Mittel) Mittelüberschuss = EGT – darauf entfallende Steuern vom Einkommen + Abschreibungen auf das Anlagevermögen – Auflösung Investitionszuschuss – Zuschreibungen zu
Anlagevermögen + Verluste (- Gewinne) aus dem Abgang von Anlagevermögen + Erhöhung (- Verminderung) der langfristigen
Rückstellungen)
⁵ 5 Rundungsdifferenzen in der Aufstellung aufgrund Vollzeitäquivalente möglich
2.2 Sonstige für die Geschäftstätigkeit wichtige nichtfinanzielle Kennzahlen
Die folgenden Angaben beziehen sich auf alle Veranstaltungen in sämtlichen Spielstätten.
| Wiener Staatsoper GmbH | 2024/2025 | 2023/2024 |
|---|---|---|
| Anzahl der Besucher:innen | 643.397 | 648.035 |
| Anzahl der Vorstellungen | 584 | 457 |
| Anzahl der Neuproduktionen (Anzahl Repertoire) | 13 (58) | 10 (54) |
| Gastspiele | 2 | 1 |
| Sitzplatzauslastung in % pro Spielstätte | 2024/2025 | 2023/2024 |
| Wiener Staatsoper GmbH gesamt | 98,88% | 99,41% |
| Wiener Staatsoper | 99,71% | 99,84% |
| davon Oper, Operette und Ballett | 99,86% | 99,94% |
| Gustav Mahler Saal (GMS) | 94,46% | 95,63% |
| Sonderveranstaltungen | 95,91% | 92,95% |
| NEST | 88,14% | 0,00%* |
*Das NEST wurde erst in der Spielzeit 2024/25 eröffnet
3 Berichte aus dem Geschäftsjahr 2024/2025
3.1 Forschung und Entwicklung
Die Gesellschaft betreibt weder Forschung noch Entwicklung.
3.2 Zweigniederlassungen
Die Gesellschaft verfügt über keine Zweigniederlassungen.
4.1 Allgemeine Beschreibung der wesentlichen Risiken und Ungewissheiten, denen die Wiener Staatsoper GmbH ausgesetzt ist:
Die finanzielle Absicherung der Österreichischen Bundestheater, die Hochkultur produzieren und daher naturgemäß auf Förderungen der öffentlichen Hand angewiesen sind, stellt immer wieder eine Herausforderung dar. Die Bildung von Rücklagen in den vergangenen Geschäftsjahren, eine erfreuliche Entwicklung der Kartenerlöse und nicht zuletzt die mehrmalige Erhöhung der Bundessubvention (zuletzt 2025 auf rd. 203,8 Mio. EUR) haben dazu geführt, dass sowohl das Berichtsjahr als auch das laufende Geschäftsjahr 2025/2026 finanziell abgesichert sind, wobei einzelne Bundestheatergesellschaften bereits 2024/2025 Rücklagen auflösen mussten, um ausgeglichen bilanzieren zu können. Auch in diesem Geschäftsjahr wird es voraussichtlich zur Auflösung von Rücklagen kommen müssen, um wiederum ausgeglichene Bilanzen vorlegen zu können. Mittelfristig fehlt jedoch – bei jährlich steigenden Kosten – nicht nur eine Valorisierung der Bundessubvention, sondern die allgemeine wirtschaftliche Lage lässt sogar befürchten, dass es zu einer Kürzung dieser Basisabgeltung kommen könnte.
Die Kostensteigerung aus der kollektivvertraglichen Anpassung der Personalbezüge, die rund drei Viertel des Gesamtbudgets ausmachen, und der Inflation, die sich in den Sachkosten niederschlägt, führen aber zu einem jährlichen Mehrbedarf an finanziellen Mitteln, der durch steigende Erlöse nicht kompensiert werden kann – so müssten die selbst erwirtschafteten Einnahmen (Karten-, Gastspiel-, Sponsoringerträge etc.), die maximal ein Drittel des Gesamtbudget ausmachen, jährlich um ein Vielfaches der Inflation erhöht werden, was naturgemäß nicht möglich ist.
Zumindest für die Abdeckung der Personalkosten wäre eine Werterhaltung der Basisabgeltung in Form einer jährlichen Valorisierung also ein dringendes Erfordernis. Würde es jedoch sogar zu einer Kürzung der Subvention kommen, müssten unmittelbar erste Maßnahmen in Richtung einer Abweichung vom kulturpolitischen Auftrag und massiver Betriebseinschränkungen mit entsprechenden Auswirkungen auf Programm und Personal erfolgen. Da für die Geschäftsjahre ab 2026/2027 teilweise bereits fertige und vertraglich fixierte künstlerische Planungen vorliegen (andernfalls das gewohnt hohe Niveau und damit das Image dieser Institutionen nicht zu halten wären), würde das nicht nur zu finanziellen Einbußen – fehlenden Einnahmen und Zusatzkosten durch die Verpflichtung zur Auszahlung abgeschlossener Verträge ohne Gegenleistung – führen,
sondern auch zahlreiche Arbeitsplätze gefährden und einen wahrscheinlich irreversiblen Imageschaden für die Bundestheaterinstitutionen bedeuten.
4.2 Finanzinstrumente
Gemäß § 243 Abs. 3 Z 5 UGB (Verwendung von Finanzinstrumenten) verfügt die Wiener Staatsoper GmbH ausschließlich über originäre Finanzinstrumente, wie zum Beispiel den Bundestheater-Spezialfonds, Kassenbestände und Forderungen. Ein etwaiges Ausfallrisiko ist aufgrund der risikoaversen Veranlagungsstrategie als äußerst gering einzustufen.
5 Voraussichtliche Entwicklung der Wiener Staatsoper GmbH (Prognosebericht)
Die Saison 2025/2026 wurde am 3. September 2025 mit Die Zauberflöte eröffnet. Am 7. September fand das erste Opern Air im Burggarten statt, wo ungefähr 10.000 interessierte Besucher:innen vor Ort waren und bis zum 28. Oktober bereits ein weitester Seherkreis von 1.427.690 auf ORF III, ORF ON, Stream der Wiener Staatsoper, ARTE concert und ARTE TV verwirklicht werden konnte (auf ORF ON und ARTE concert ist das Opern Air weiterhin verfügbar). Der weitere Saisonstart 2025/26 war durch eine Wiederaufnahme geprägt: Pelléas et Melisande am 27. Oktober und zwei Premieren Die verkaufte Braut am 28. September und Kallirhoe am 19. Oktober.
Nicht nur die Wiederaufnahmen und die Premieren waren sehr erfolgreich, auch das gespielte Kernrepertoire (Genre Oper und Ballett) brachte der Wiener Staatsoper in den ersten drei Monaten ein sehr gutes Einspielergebnis, das sich in nachfolgenden Zahlen widerspiegelt: Sitzplatzauslastung 99,58 % und finanzielle Auslastung 83,87 % (per Stichtag 30.11.2025 für Oper, Ballett).
Weiters wurde am 10. Oktober die Uraufführung Strauss 2225: Dances for the future, sowie am 3. Dezember die erste Saisonpremiere mit Musketiere! im NEST gefeiert. Aktuell arbeitet die Wiener Staatsoper an der Umsetzung von diversen Förderprojekten für die Sanierung der Lüftungsanlage sowie für den Austausch von Scheinwerfern im Bereich der Klimafitten Kulturbetriebe, sowie den Opernball als Green Event zu zertifizieren. Die Kartenerlöse des
laufenden Jahres liegen über Plan, auch die Verkaufssituation für den Opernball am 12. Februar 2026 stellt sich bislang optimal dar. Abhängig von der Verteilung der Basissubvention ist aus heutiger Sicht auf Gund der aktuellen Hochrechnung mit einer Ergebnisverbesserung zu rechnen. Dennoch müssen, um ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen, für das Geschäftsjahr 2025/2026 Rücklagen aufgelöst werden.
Wien 15. Jänner 2026
Die Geschäftsführer:
gez.
Dr. Bogdan Roščić
Dr. Petra Bohuslav