Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Die oekostrom AG energy group ist als Konzernmutter maßgeblich von der Entwicklung und Lage Ihrer Tochtergesellschaften im Konzern abhängig, sodass die Lage des Konzerns auch ein möglichst getreues Bild der Lage der Gesellschaft und deren Risiken und Ungewissheiten darstellt. Der folgende Lagebericht entspricht daher inhaltlich dem Lagebericht des Konzerns der oekostrom AG energy goup. Kennzahlen wurden im Kapitel 2.3. und 2.4. um jene für den Einzelabschluss der oekostrom AG energy group ergänzt.
1.1. Geschäftsverlauf, Geschäftsergebnis und Lage des Konzerns
Die oekostrom AG energy group ist eine österreichische Energiegesellschaft mit klarem Fokus auf erneuerbare Energien und nachhaltige Energielösungen. Im Eigentum von mehr als 3.000 Aktionär:innen verfolgt das Unternehmen das Ziel, den Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung voranzutreiben und aktiv zur Dekarbonisierung des Energiesystems beizutragen.
Das Geschäftsmodell der oekostrom AG basiert auf einer integrierten Wertschöpfung entlang der Bereiche Produktion, Handel und Vertrieb. Durch diese Aufstellung verbindet das Unternehmen ökologische Zielsetzungen mit wirtschaftlicher Wertschöpfung und ermöglicht eine aktive Rolle in der Transformation des Energiesystems hin zu einer klimafreundlichen und resilienten Energieversorgung.
Im Geschäftsbereich Produktion entwickelt, errichtet und betreibt die Gruppe Wind- und Photovoltaikanlagen und trägt damit unmittelbar zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien im Stromsystem bei. Der Geschäftsbereich Handel übernimmt die Vermarktung der erzeugten Energie sowie die Integration erneuerbarer Strommengen in die Energiemärkte und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Systemstabilität. Der Geschäftsbereich Vertrieb versorgt Privat-, Gewerbe- und Industriekund:innen mit Strom aus erneuerbaren Quellen und entwickelt darüber hinaus Lösungen zur effizienteren und flexibleren Nutzung von Energie.
Durch die Verknüpfung dieser Geschäftsbereiche ist die oekostrom AG in der Lage, sowohl auf Marktveränderungen als auch auf die steigenden Anforderungen eines zunehmend dekarbonisierten und dezentralen Energiesystems flexibel zu reagieren. Die oekostrom AG fungiert als Holdinggesellschaft und übernimmt zentrale Steuerungsfunktionen innerhalb der Gruppe, insbesondere in den Bereichen Strategie, Finanzierung, Risikomanagement, IT sowie Kommunikation.
1.2. Überblick über das Geschäftsjahr
Das Geschäftsjahr 2025 war von einer fortschreitenden Normalisierung der Energiemärkte nach den außergewöhnlichen Entwicklungen der Jahre 2022 und 2023 geprägt. Gleichzeitig blieb das Marktumfeld herausfordernd und durch eine erhöhte Volatilität der Strompreise sowie durch strukturelle Veränderungen im Energiesystem gekennzeichnet. Dadurch lag die Ergebnisentwicklung deutlich unter dem Niveau des Vorjahres und auch hinter den Erwartungen zurück.
Die wesentlichen Ursachen hierfür liegen in einem Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Dazu zählen insbesondere ein unterdurchschnittliches Windaufkommen, hohe Einkaufspreise, Verwerfungen bei den Ausgleichsenergiekosten sowie ein intensiver Wettbewerb im Endkund:innenmarkt. Darüber hinaus führten gezielte Investitionen in den Ausbau der
Erzeugungskapazitäten sowie in neue Geschäftsmodelle im Energiehandel zu einem temporären Anstieg der Kostenbasis. Damit konnten im Berichtsjahr wesentliche Fortschritte in der Umsetzung der strategischen Ausrichtung des Unternehmens erzielt werden. Der Ausbau des Kraftwerksportfolios, die Weiterentwicklung der Projektpipeline sowie der Aufbau neuer Geschäftsfelder im Energiehandel stärken die langfristige Positionierung der oekostrom AG entlang der energiewirtschaftlichen Wertschöpfungskette.
Die wesentlichen Entwicklungen des Geschäftsjahres lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Unterdurchschnittliche Stromproduktion im Windbereich
Die Stromproduktion lag aufgrund meteorologischer Effekte unter den Erwartungen. Trotz höherer Preise als erwartet, wirkte sich das auf die Ergebnisentwicklung im Geschäftsbereich Produktion aus.
Belastungen im Energiehandel
Gestiegene Ausgleichsenergiekosten sowie Investitionen in neue Handelsstrukturen und
Geschäftsfelder wirkten sich negativ auf das Ergebnis aus.
Sinkende Profitabilität im Vertrieb
Der Vertrieb war im Geschäftsjahr 2025 von einem intensiven Wettbewerb und hohen
Einkaufspreisen geprägt, was zu einem Rückgang der Kund:innenbasis und zu Margendruck führte.
Fortschritte beim Ausbau der Erzeugungskapazitäten
Mehrere Photovoltaik-Großprojekte wurden in die Bauphase überführt, und mit dem Start eines neuen Windparkprojekts wurde die internationale Expansion weiter vorangetrieben.
Aufbau neuer Geschäftsfelder
Mit dem Einstieg in die Flexibilitätsvermarktung und in den Regelenergiemarkt wurden wichtige strategische Grundlagen für zukünftige Erlösquellen geschaffen.
Investitions- und Aufbauphase
Das Geschäftsjahr 2025 ist insgesamt durch eine Phase erhöhter Investitionen und struktureller Weiterentwicklung geprägt, die kurzfristig das Ergebnis belastet, jedoch die Basis für zukünftiges Wachstum darstellt.
1.3. Wirtschaftliches Umfeld und Energiemarkt
Nach den extremen Preisschwankungen der Jahre 2022 und 2023 haben sich die Energiemärkte seit 2024 auf einem strukturell höheren Preisniveau stabilisiert. Im Geschäftsjahr 2025 bewegten sich die Terminmarktpreise für Strom überwiegend in einer Bandbreite zwischen rund EUR 80 und EUR 100 pro MWh. Dieses „neue Normalniveau" liegt nominal weiterhin deutlich über dem Preisniveau vor 2021, während gleichzeitig die Volatilität auf einem erhöhten Niveau verbleibt. Zugleich ist festzuhalten, dass das neue Normalniveau der Strompreise die Vollkosten neuer Erzeugungsanlagen deutlich besser wiedergibt, als dies vor 2020 der Fall war. Ein neues Windkraftwerk in Osterreich benötigt gemäß den Ergebnissen der EAG-Förderauktionen 95 Euro pro MWh über die 20-jährige Laufzeit. Neue Groß-Photovoltaik-Projekte liegen bei rund 70 Euro. Alle fossilen oder nuklearen Kraftwerkstechnologien wären weitaus teurer.
Das neue Preisniveau von 80 bis 100 Euro pro MWh ist also deutlich marktnäher und
volkswirtschaftlich gesünder als das Preisniveau vor 2020, bei dem alle Kraftwerksneubauten –
erneuerbar oder thermisch / nuklear - sehr hohe staatliche Förderungen brauchten.
Durch den fortschreitenden Ausbau der erneuerbaren Energien werden diese zunehmend preissetzend. So sehen wir vor allem in den Frühjahrs- und Sommermonaten aufgrund der starken PV- und Wasserstromerzeugung ausgedehnte Perioden sehr niedriger Strompreise. Im Winter sind die Preise aufgrund der zu geringen Windkapazität häufig durch Stromerzeugung aus Erdgas geprägt und damit teils sehr hoch. Zudem schlagen hohe CO2-Preise bei der Gasverstromung auf das Strompreisniveau durch.
Auf den kurzfristigen Strommärkten zeigten sich im Geschäftsjahr 2025 deutlich ausgeprägte saisonale Unterschiede. Insbesondere im ersten Quartal führten hohe Gaspreise sowie ein unterdurchschnittliches Wind- und Wasseraufkommen zu erhöhten Spotmarktpreisen. In den Frühlings- und Sommermonaten wirkten hingegen hohe Einspeisungen aus Photovoltaikanlagen preisreduzierend auf die Großhandelspreise. Für den österreichischen Strommarkt ergaben sich darüber hinaus spezifische Effekte aus der Preiszonentrennung zwischen Deutschland und Österreich. Insbesondere in Phasen geringer Wind- und Wasserstromerzeugung führte dies zu erhöhten Preisniveaus in Osterreich im Vergleich zum deutschen Markt. Diese Differenzen wirkten sich insbesondere auf die Beschaffungskosten von Stromlieferanten aus und stellten einen wesentlichen Einflussfaktor für die Ergebnisentwicklung im Vertrieb dar.
Neben diesen kurzfristigen Marktentwicklungen verändern sich auch die strukturellen Rahmenbedingungen des Energiesystems zunehmend. Der Ausbau erneuerbarer Energien schreitet europaweit mit hoher Dynamik voran. Gleichzeitig führen dezentrale Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, Elektromobilität sowie Energiegemeinschaften zu veränderten Lastprofilen im Stromsystem. Diese Entwicklungen erhöhen die Anforderungen an Flexibilität, Prognosefähigkeit und intelligente Vermarktungsmodelle im Energiesystem. Gleichzeitig entstehen dadurch neue Geschäftsmodelle, insbesondere im Bereich der Flexibilitätsvermarktung, der Integration dezentraler Energiesysteme sowie der Optimierung von Stromportfolios.
Auch im regulatorischen Umfeld wurden im Geschäftsjahr 2025 mehrere wesentliche energiepolitische Entscheidungen getroffen. Uberwiegend positiv sehen wir den Beschluss des neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetzes. Dieses Gesetz schafft unter anderem neue Rahmenbedingungen für den Netzausbau, die Integration erneuerbarer Energien sowie für den Einsatz von Batteriespeichern und Flexibilitätslösungen im Stromsystem. Trotz dieses insgesamt positiven regulatorischen Impulses stellt die Dauer von Genehmigungsverfahren weiterhin eine wesentliche Herausforderung für den Ausbau erneuerbarer Energien dar. Bisher gesetzte Maßnahmen zur Verfahrensbeschleunigung, wie etwa Anpassungen im
Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz oder temporäre krisenbedingte Regelungen haben in der praktischen Umsetzung bislang noch nicht zu einer nachhaltigen Verkürzung der Realisierungszeiten geführt. Für die Erreichung der im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz verankerten Ausbauziele sind daher weitere Fortschritte erforderlich. Dazu zählen insbesondere eine verstärkte Flächenausweisung und Zonierung durch die Bundesländer sowie ein beschleunigter Ausbau der Netzinfrastruktur. Diese Rahmenbedingungen stellen weiterhin einen wesentlichen Einflussfaktor für die Entwicklung von Erzeugungsprojekten dar. Energie- und volkswirtschaftlich nachteilig wirkt weiterhin der Energiekrisenbeitrag Strom, der ohne nachvollziehbare Grundlage von der Bundesregierung eingehoben wird. Aus unserer Sicht lag auch im Jahr 2025 keine Energiekrise, die eine Sondersteuer der Energiewirtschaft rechtfertigen würde, vor.
1.4. Geschäftsverlauf
Die operative Entwicklung der oekostrom AG-Gruppe im Geschäftsjahr 2025 war durch unterschiedliche Entwicklungen in den drei Geschäftsbereichen geprägt. Während sich die Produktion trotz witterungsbedingter Einschränkungen insgesamt sehr positiv entwickelte, waren der Geschäftsbereich Handel sowie insbesondere der Vertrieb durch ein herausforderndes Marktumfeld und erhöhte Kostenbelastungen gekennzeichnet. Die integrierte Aufstellung der Gruppe ermöglichte es jedoch, die Auswirkungen dieser Entwicklungen teilweise zu kompensieren und die operative Stabilität des Konzerns aufrechtzuerhalten.
Produktion
Der Geschäftsbereich Produktion bildet die Grundlage für den Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung innerhalb der oekostrom AG-Gruppe und ist ein wesentlicher Treiber der langfristigen Wachstumsstrategie. Im Geschäftsjahr 2025 lag die Stromproduktion aus Wind- und Photovoltaikanlagen bei rund 185 GWh und damit unter den Erwartungen. Ausschlaggebend hierfür war ein unterdurchschnittliches Windaufkommen in mehreren europäischen Märkten, das sich insbesondere im ersten Halbjahr negativ auf die Erzeugungsmenge auswirkte.
Demgegenüber entwickelte sich die Stromproduktion aus Photovoltaikanlagen stabil und zeigte im Jahresverlauf eine insgesamt verlässliche Erzeugungsleistung. Die zunehmende Bedeutung der ertragsstabileren Photovoltaik innerhalb des Erzeugungsportfolios trägt dazu bei, die Volatilität der Gesamtproduktion zu verringern. Da die Preisentwicklung zeitweise höher als angenommen war, entsprach das Ergebnis des Geschäftsbereichs Produktion im Geschäftsjahr 2025 insgesamt den Erwartungen.
Ein wesentlicher Schwerpunkt im Geschäftsjahr 2025 lag auf der Umsetzung der bestehenden Projektpipeline. Nach teilweise mehrjährigen Entwicklungs- und Genehmigungsprozessen konnten mehrere größere Photovoltaik-Projekte in Osterreich in die Bauphase überführt werden. Dabei handelt es sich insbesondere um Agri-Photovoltaik- und Hybridprojekte mit einer gesamten installierten Leistung von über 35 MW. Darüber hinaus wurde mit dem Bau des Windparks Erftstadt-Erp in Deutschland begonnen. Dieses Projekt umfasst sechs Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 21,6 MW und soll im Jahr 2026 in Betrieb gehen. Die oekostrom AG ist mit 40% an diesem Projekt beteiligt.
Neben der Umsetzung konkreter Projekte wurde im Berichtsjahr auch die Weiterentwicklung der Projektpipeline vorangetrieben. Dabei standen sowohl neue Standorte in Osterreich als auch potenzielle Projekte in ausgewählten europäischen Märkten im Fokus. Zusätzlich wurden Maßnahmen zur technischen und wirtschaftlichen Optimierung des bestehenden Anlagenportfolios umgesetzt. Dazu zählen insbesondere die Prüfung von Repowering-Möglichkeiten bei bestehenden Windkraftanlagen sowie die verstärkte Integration von Speicherlösungen und Hybridkraftwerkskonzepten. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, die Effizienz der Stromerzeugung zu erhöhen und gleichzeitig die Integration erneuerbarer Energien in das Stromsystem zu verbessern.
Handel
Der Geschäftsbereich Handel übernimmt eine zentrale Rolle innerhalb der integrierten Wertschöpfungskette der oekostrom AG-Gruppe. Er umfasst die Vermarktung der in der Produktion erzeugten Strommengen sowie der Mengen anderer Betreiber:innen von heimischen Okostromanlagen, die Beschaffung von Energie für den Vertrieb und andere Energieversorger
sowie das Management von Markt- und Preisrisiken.
Das Marktumfeld im Energiehandel war im Geschäftsjahr 2025 weiterhin durch eine erhöhte Volatilität geprägt. Die Terminmarktpreise für Strom bewegten sich im Jahresverlauf überwiegend in einer Bandbreite zwischen rund EUR 80 und EUR 100 pro MWh, während die Spotmarktpreise – insbesondere im ersten Quartal – zeitweise deutlich über EUR 120 pro MWh lagen. Diese Rahmenbedingungen stellten hohe Anforderungen an das Risikomanagement sowie an die Prognose- und Steuerungsfähigkeiten innerhalb des Handels.
Im Berichtsjahr 2025 konnte der Geschäftsbereich keinen positiven Ergebnisbeitrag im Konzern leisten. Wesentlicher Einflussfaktor hierfür waren außergewöhnliche Kosten für Ausgleichsenergie in der Direktvermarktung, vor allem aufgrund einiger weniger, wetterbedingter Ereignisse im zweiten Quartal. Außerdem wirkten sich strukturelle Marktveränderungen auf die Handelsaktivitäten aus. Die zunehmende Einspeisung erneuerbarer Energien führt zu häufigeren und stärkeren Preisschwankungen, insbesondere im kurzfristigen Handel. Gleichzeitig gewinnt die Fähigkeit zur flexiblen Steuerung von Erzeugung und Verbrauch zunehmend an Bedeutung.
Vor diesem Hintergrund wurden im Geschäftsjahr 2025 weitere gezielte Investitionen in die Entwicklung der Handelsorganisation sowie der zugrunde liegenden IT-Systeme getätigt. Dies ermöglichte als wesentlichen strategischen Schritt auch den Einstieg in die Flexibilitätsvermarktung sowie die Teilnahme am Regelenergiemarkt im zweiten Halbjahr 2025. Diese Geschäftsfelder gewinnen mit zunehmendem Anteil volatiler erneuerbarer Energien an Bedeutung und bieten mittelfristig zusätzliche Erlöspotenziale.
Darüber hinaus unterstützt der Geschäftsbereich Handel weiterhin die Optimierung der konzernweiten Stromflüsse und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Steuerung der gesamten Gruppe.
Vertrieb
Der Geschäftsbereich Vertrieb ist im österreichischen Endkund:innenmarkt tätig und versorgt Privat-, Gewerbe- und Industriekund:innen mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen sowie ergänzenden Energiedienstleistungen. Zum Ende des Geschäftsjahres 2025 belief sich die Anzahl der belieferten Stromkund:innen auf rund 116.000 Zählpunkte.
Das Marktumfeld im Vertrieb war im Geschäftsjahr 2025 durch eine deutlich erhöhte
Wettbewerbsintensität geprägt. Nach dem Auslaufen staatlicher Unterstützungsmaßnahmen sowie durch regional teilweise steigende Netzgebühren nahm die Preissensibilität der Kund:innen und damit die Wechselbereitschaft im Markt deutlich zu. Gleichzeitig intensivierten sowohl etablierte Energieversorger als auch neue Marktteilnehmer ihre Vertriebsaktivitäten. Insbesondere zu Beginn des Jahres sowie im vierten Quartal führte dies zu einer verstärkten Dynamik im Markt und zu einem erhöhten Wettbewerbsdruck und sinkenden Preisen für Endkund:innen. Gleichzeitig beeinflusste die erhöhte Volatilität der Großhandelspreise die Beschaffungsstrategien, was eine laufende Anpassung der Tarifgestaltung erforderte.
Vor diesem Hintergrund verzeichnete der Vertrieb im Berichtsjahr einen Rückgang der belieferten Kund:innen von rund 5 %. Neben dieser negativen Entwicklung der Kund:innenanzahl wurde das Ergebnis des Geschäftsbereichs durch mehrere marktbedingte Faktoren belastet.
Dazu zählen insbesondere:
Ausgeprägte saisonale Schwankungen erschwerten die Beschaffungsplanung. So lag das Spotpreisniveau im ersten Quartal wetterbedingt zeitweise bei über EUR 125/MWh und führte zu höheren Einkaufskosten.
Die Preiszonentrennung zwischen Deutschland und Osterreich führte zusätzlich zu erhöhten Kosten in Phasen geringer heimischer Wind- und Wasserstromerzeugung.
Ein in den Frühjahrs- und Sommermonaten niedriger Marktwert von Photovoltaikstrom hatte einen äußerst negativen Einfluss auf die Margen aus den Einspeisetarifen für Photovoltaik-Strom.
Eine Häufung von Ausgleichsenergie-Extremstunden mit bis zu € 15.000,-/MWh im ersten Halbjahr erhöhte massiv die Kosten für Ausgleichsenergie.
Insgesamt reichte das Ergebnis des Geschäftsbereichs Vertrieb im Geschäftsjahr 2025 nicht aus, um sich im Konzernergebnis positiv niederzuschlagen.
Um in diesem herausfordernden Marktumfeld weiterhin erfolgreich zu sein, wurden im Vertrieb gezielt Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit umgesetzt. Dazu zählen insbesondere die Weiterentwicklung digitaler Kund:innenservices, eine hochwertige Beratung und individuelle Betreuung im Key Account Bereich, der konsequente Ausbau innovativer Tarifmodelle, sowie die Optimierung interner Prozesse.
Insbesondere dynamische Tarifmodelle sowie Lösungen zur flexiblen Steuerung von
Energieverbrauchern tragen dazu bei, die Integration der Kund:innen in das Energiesystem zu verbessern und neue Differenzierungsmöglichkeiten im Wettbewerb zu schaffen.
1.5. Ertragslage
Die wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns im Geschäftsjahr 2025 wurde durch mehrere Faktoren beeinflusst.
Zu den wichtigsten Einflussfaktoren zählen insbesondere:
ein unterdurchschnittliches Windjahr erhöhte Wettbewerbsintensität im Vertrieb erhöhte Beschaffungskosten infolge sehr hoher Spotmarktpreise im Winter gestiegene Kosten für Ausgleichsenergie Extremer Preisverfall von Photovoltaik-Strom im zweiten und dritten Quartal
Investitionen in neue Geschäftsmodelle im Energiehandel
Diese Faktoren führten insgesamt zu einer deutlich schwächeren Ergebnisentwicklung als ursprünglich erwartet.
Gleichzeitig wurden im Berichtsjahr jedoch wichtige strategische Investitionen getätigt, die die Grundlage für zukünftiges Wachstum bilden.
1.6. Vermögens- und Finanzlage
Die Vermögens- und Finanzlage der oekostrom AG-Gruppe blieb im Geschäftsjahr 2025 insgesamt stabil.
Die Finanzierung der Investitionsprojekte erfolgt weiterhin über eine Kombination aus Eigenmitteln, projektbezogenen Fremdfinanzierungen sowie langfristigen Finanzierungsinstrumenten.
Die Liquiditätslage des Konzerns wird weiterhin als stabil beurteilt und ermöglicht die Finanzierung der laufenden Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien.
1.7. Finanzielle Leistungsindikatoren Konzern
| Kennzahlen in EUR | 2025 | 2024 |
|---|---|---|
| Umsatzerlöse | 119.247.493 | 133.640.027 |
| EBITDA | 9.394.817 | 17.157.711 |
| EBITDA in % | 7,88% | 12,84% |
| EBIT | 2.506.956 | 11.833.420 |
| EK-Rentabilität in % 1 | 0,06% | 11,53% |
| Gesamtrentabilität in % 2 | 0,98% | 5,18% |
| Nettoverschuldung 3 | 47.618.756 | 22.714.721 |
| Eigenkapitalquote in % | 35,17% | 35,30% |
| Nettoverschuldungsgrad in % 4) | 84,99 | 39,73% |
| Schuldentilgungsdauer s) | 16,11 | 3,17 |
1)Eigenkapitalrendite bezogen auf das Konzernergebnis ohne Fremdanteile (ROE)
2) Jahresergebnis mit Fremdanteilen bezogen auf die Bilanzsumme
3) Die Nettoverschuldung ergibt sich aus Verbindlichkeiten gegen- über Kreditinstituten abzüglich liquider Mittel.
4) Der Nettoverschuldungsgrad ergibt sich aus Nettoverschuldung dividiert durch Eigenkapital.
5) Die Schuldentilgungsdauer ergibt sich aus der Division von Fremdkapital minus Cash-Bestand durch den operativen Cash-Flow
Der operative Cashflow beträgt TEUR 5.521, der Finanzierungscashflow TEUR -2.503 und der Investitionscashflow TEUR -23.593.
1.7.1. Finanzielle Leistungsindikatoren Einzelabschluss
| Kennzahlen in EUR | 2025 | 2024 |
|---|---|---|
| Ergebnis vor Steuern | -2.754.763,76 | 12.782.679,71 |
| EK-Rentabilität in % 1) | -5,22 | 31,94 |
| Gesamtrentabilität in % 2) | -4,22 | 27,41 |
| Nettoverschuldung 3) | -672,25 | -8.057.581,25 |
| Eigenkapitalquote in % | 80,83 | 84,52 |
| Nettoverschuldungsgrad in % 4) | 0 | -19,37 |
1) Eigenkapitalrendite bezogen auf das Ergebnis (ROE)
2) Jahresergebnis bezogen auf die Bilanzsumme
3) Die Nettoverschuldung ergibt sich aus Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten abzüglich liquider Mittel
4) Der Nettoverschuldungsgrad ergibt sich aus Nettoverschuldung dividiert durch das Eigenkapital
Der operative Cashflow beträgt EUR -2.874.495,60 der Finanzierungscashflow EUR -2.296.548,47 und der Investitionscashflow EUR -2.967.439.00
1.8. Nicht finanzielle Leistungsindikatoren Konzern
Umweltkennzahlen
| 118.400 |
|---|
| Eingespartes CO2 durch Energieerzeugung in to |
| 316.800 |
| Eingespartes CO2 durch Energieverkauf in to |
| 424.960 |
| Eingespartes CO2 durch Energiehandel in to |
* Zahlen bis inkl. 2024 auf Basis CO2-Emissionen des gesamteuropäischen Strommixes ENTSO-E 2015, ab 2025 auf Basis ENTSO-E 2024
Soziale Kennzahlen
| Anzahl von Mitarbeiter:innen am 31.12.2025 | 102 |
|---|---|
| Frauenanteil am 31.12.2025 ohne Vorstand ohne AR | 46% |
| Frauenanteil in Führungspositionen inkl. Vorstand und AR | 33% |
| Frauenanteil im Aufsichtsrat | 44% |
1.8.1. Nicht finanzielle Leistungsindikatoren Einzelabschluss
Soziale Kennzahlen
| Anzahl von Mitarbeiter:innen am 31.12.2025 | 42 |
|---|---|
| Frauenanteil am 31.12.2025 ohne Vorstand ohne AR | 48% |
| Frauenanteil in Führungspositionen inkl. Vorstand und AR | 44% |
| Frauenanteil im Aufsichtsrat | 44% |
1.9. Gesamtbeurteilung durch den Vorstand
Der Vorstand beurteilt den Geschäftsverlauf des Konzerns im Geschäftsjahr 2025 als von einem herausfordernden Marktumfeld geprägt, wobei die operative Entwicklung insgesamt solide verlief, die Ergebnisentwicklung jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb. Die Ergebnisabweichung ist auf ein Zusammenwirken externer Einflussfaktoren wie Markt- und Witterungseffekte sowie struktureller Entwicklungen in den Geschäftsbereichen mit zusätzlichen Investitionen in den Ausbau neuer Geschäftsmodelle zurückzuführen.
Gleichzeitig wurden im Berichtsjahr wichtige strategische Fortschritte erzielt, insbesondere im
Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion sowie im Einstieg in neue Geschäftsfelder im Energiehandel. Damit befindet sich die oekostrom AG derzeit in einer Phase gezielter Investitionen und struktureller Weiterentwicklung, die die Grundlage für zukünftiges Wachstum und eine langfristig stabile Ergebnisentwicklung schaffen soll.
2. Voraussichtliche Entwicklung des Konzerns (Prognosebericht)
Die oekostrom AG energy group wird ihre strategische Ausrichtung auch in den kommenden Jahren konsequent weiterverfolgen und den Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Weiterentwicklung ihres integrierten Geschäftsmodells vorantreiben.
Das Geschäftsjahr 2025 war durch eine Phase erhöhter Investitionen und struktureller Weiterentwicklung geprägt. Für die kommenden Jahre wird erwartet, dass die daraus resultierenden Effekte die operative Entwicklung weiter stabilisieren sowie wieder zu einer schrittweisen Verbesserung der Ergebnislage führen.
Die Entwicklung des Konzerns wird dabei weiterhin durch externe Einflussfaktoren wie Energiepreise, regulatorische Rahmenbedingungen sowie meteorologische Gegebenheiten geprägt sein.
2.1. Produktion
Im Geschäftsbereich Produktion liegt der Fokus weiterhin auf dem Ausbau der Erzeugungskapazitäten sowie der Weiterentwicklung der Projektpipeline.
Mehrere im Geschäftsjahr 2025 gestartete Photovoltaik- und Windkraftprojekte werden in den kommenden Jahren sukzessive in Betrieb gehen und zur Erhöhung der Stromproduktion beitragen. Parallel dazu wird die Projektentwicklung in den Kernmärkten Osterreich sowie in ausgewählten europäischen Ländern fortgesetzt. Unserer Projektpipeline umfasst derzeit rund 130 MW an Wind-, Photovoltaik- und Batterieprojekten in drei Ländern.
Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf der effizienteren Nutzung bestehender Netzanschlüsse. Dazu setzt die oekostrom AG verstärkt auf Hybridkraftwerke sowie auf die Integration von Batteriespeichern. Diese Ansätze ermöglichen eine bessere Auslastung der Infrastruktur und tragen zur Flexibilisierung der Stromerzeugung bei. Darüber hinaus wird die Weiterentwicklung der Projektpipeline konsequent vorangetrieben, wobei sowohl eigenentwickelte Projekte als auch selektive Akquisitionen geprüft werden.
Die Entwicklungsgeschwindigkeit bleibt jedoch weiterhin von externen Rahmenbedingungen beeinflusst. Insbesondere die Dauer von Genehmigungsverfahren sowie begrenzte Netzkapazitäten stellen weiterhin wesentliche Herausforderungen dar. Vor diesem Hintergrund ist in den kommenden Jahren von einem kontinuierlichen, jedoch projektabhängig verlaufenden Ausbau der Erzeugungskapazitäten auszugehen.
2.2. Handel
Im Geschäftsbereich Handel wird erwartet, dass sich das Marktumfeld weiterhin durch ein strukturell erhöhtes Preisniveau sowie durch eine erhöhte Volatilität auszeichnet.
Der fortschreitende Ausbau erneuerbarer Energien sowie die zunehmende Dezentralisierung der
Stromerzeugung führen zu steigenden Anforderungen an das Management von Stromportfolios sowie an die Bereitstellung von Flexibilität im Energiesystem. Vor diesem Hintergrund wird die oekostrom AG ihre Aktivitäten in der Direktvermarktung sowie im Grünstromhandel weiterentwickeln und ihre Position als integrierter Marktteilnehmer stärken. Das neu gegründete Joint Venture in Deutschland wird im Jahr 2026 die Grundlage für die Direktvermarktung deutscher Kraftwerke legen.
Ein strategischer Schwerpunkt liegt außerdem auf dem weiteren Ausbau des kurzfristigen Handels sowie der Flexibilitätsvermarktung. Der im Jahr 2025 begonnene Einstieg in den Regelenergiemarkt wird in den kommenden Jahren weiter ausgebaut. Ziel ist es, zusätzliche Erlösquellen zu erschließen, die Vermarktung volatiler Erzeugung zu optimieren und einen Beitrag zur Stabilisierung des Energiesystems zu leisten.
Parallel dazu wird die Weiterentwicklung der Handelsorganisation sowie der IT-Systeme fortgesetzt, um die Prognosegenauigkeit zu erhöhen, Risiken effizienter zu steuern und die Integration der Geschäftsbereiche weiter zu verbessern.
2.3. Vertrieb
Für den Geschäftsbereich Vertrieb wird auch in den kommenden Jahren ein intensives Wettbewerbsumfeld erwartet. Gleichzeitig ist von einer anhaltend hohen Preissensibilität im Endkund:innenmarkt auszugehen.
Vor diesem Hintergrund wird die oekostrom AG ihre Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit konsequent weiterführen. Dazu zählen insbesondere der Ausbau digitaler Kund:innenservices als Basis für eine gute Kund:innenbindung, die Weiterentwicklung transparenter und flexibler Tarifmodelle sowie die Optimierung interner Prozesse durch Digitalisierungs- und Effizienzsteigerungsmaßnahmen. Ein weiterer Fokus liegt auf der Weiterentwicklung dynamischer Tarifmodelle sowie auf Lösungen zur flexiblen Steuerung von Energieverbrauchern, insbesondere in den Bereichen Elektromobilität, Wärmepumpen und Batteriespeicher.
Diese Ansätze sollen dazu beitragen, die Integration der Kund:innen in das Energiesystem zu stärken und zusätzliche Differenzierungsmöglichkeiten im Wettbewerb zu schaffen. Darüber hinaus wird die Weiterentwicklung von Beteiligungsmodellen für Kund:innen und Bürger:innen vorangetrieben, um die Bindung an das Unternehmen zu stärken und neue Kund:innengruppen zu erschließen.
2.4. Gesamtbeurteilung und Ausblick
Die oekostrom AG erwartet, dass sich die im Geschäftsjahr 2025 gesetzten Investitionen in den Ausbau der Erzeugungskapazitäten sowie in neue Geschäftsfelder im Energiehandel in den kommenden Jahren zunehmend positiv auf die operative Entwicklung des Konzerns auswirken werden. Die Kombination aus einer wachsenden Stromproduktion, der Weiterentwicklung des Handelsgeschäfts sowie der Anpassung des Vertriebsmodells bildet die Grundlage für eine schrittweise Verbesserung der Ergebnisentwicklung.
Gleichzeitig bleibt das Marktumfeld weiterhin von Unsicherheiten geprägt. Neben der Entwicklung der Energiepreise insbesondere beeinflusst durch geopolitische Einflüsse zählen dazu regulatorische Rahmenbedingungen sowie witterungsbedingte Einflüsse auf die Stromproduktion.
Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass sich die Ergebnisentwicklung in den kommenden Jahren wieder sukzessive verbessern wird, wobei kurzfristige Schwankungen weiterhin nicht ausgeschlossen werden können.
Insgesamt sieht sich die oekostrom AG aufgrund ihres integrierten Geschäftsmodells, ihrer Projektpipeline sowie der eingeleiteten strategischen Maßnahmen gut positioniert, um die aus der Transformation des Energiesystems entstehenden Chancen bestmöglich zu nutzen.
3. Risikoberichterstattung
Die Risikostrategie der oekostrom AG-Gruppe verfolgt das Ziel, potenzielle Risiken und Chancen systematisch zu erkennen, zu bewerten und durch gezielte Maßnahmen zu steuern. Dadurch soll der wirtschaftliche Erfolg und die Reputation des Unternehmens langfristig gesichert werden.
Die Risikostrategie wird vom Vorstand vorgegebenen und legt den risikopolitischen Rahmen in Form von Risikoappetit, -kapital und -tragfähigkeit fest. Im Sinne einer ausreichend hohen Risikotragfähigkeit strebt die oekostrom AG Gruppe eine Eigenkapitalquote von 30 – 35 % an.
Das Risikomanagementsystem der oekostrom AG-Gruppe definiert die Grundsätze, Organisation, Rollen, Verantwortlichkeiten und Prozesse des Risikomanagements einheitlich für alle Unternehmen der Gruppe.
3.1. Allgemeine Beschreibung der wesentlichen Risiken und Ungewissheiten, denen der
Konzern ausgesetzt ist
Die unternehmerische Tätigkeit der oekostrom AG-Gruppe ist auf Gewinnerzielung in einem Markt ausgerichtet, der einerseits nach wie vor durch wenige sehr große Marktteilnehmer:innen sowie andererseits eine beachtliche Anzahl kleiner Wettbewerber:innen bestimmt ist. Um auf diesem Markt nicht nur bestehen zu können, sondern auch zu wachsen, werden unweigerlich Risiken eingegangen. Im Folgenden sind wesentliche Risiken, denen die oekostrom AG-Gruppe ausgesetzt ist, und die ergriffenen Gegenmaßnahmen zusammengefasst.
3.2. Risiken in Finanzanlagen
Die oekostrom AG ist die Muttergesellschaft der oekostrom AG-Gruppe und finanziert sich zu wesentlichen Teilen aus Beteiligungserträgen ihrer Tochtergesellschaften. Die Tochter- bzw. Enkelgesellschaften haben teilweise externe Kreditverträge abgeschlossen, die es den Kreditgeber:innen bei Nichterreichung gewisser Kennzahlen erlauben, Ausschüttungen dieser Tochter- bzw. Enkelgesellschaften zu untersagen. Darüber hinaus kann es aus Gründen der Marktentwicklung oder anderen Gründen dazu kommen, dass die Beteiligungserträge nicht oder nur teilweise an die oekostrom AG ausgeschüttet werden können.
Die Konzernmutter oekostrom AG leistet zudem von Zeit zu Zeit Sicherheiten für Verbindlichkeiten von Tochtergesellschaften und gibt Patronatserklärungen für Projektgesellschaften ab bzw. stellt die Emittentin Finanzierungen zur Verfügung. Im Fall der Insolvenz von Tochtergesellschaften besteht das Risiko, dass diese Verbindlichkeiten bzw. Patronatserklärungen schlagend werden und somit die Bonität der Konzernmutter oekostrom AG negativ beeinflussen.
Überschüssige liquide Mittel werden in Giroguthaben bzw. Festgeldern bei Kreditinstituten veranlagt.
3.3. Finanzwirtschaftliche Risiken
Im Rahmen der langfristigen Finanzierung von Kraftwerksprojekten entstehen
Zinssatzänderungsrisiken. Zur Absicherung des damit verbundenen Risikos werden in fast allen Projektgesellschaften und in der oekostrom AG verschiedene Festzins- bzw.
Swap-Vereinbarungen eingegangen. Die Absicherung erfolgt typischerweise im Umfang von 70 bis 100 % des Kreditvolumens. Währungsrisiken bestehen derzeit ausschließlich bei den Windparkprojekten Protivanov und Oldrisov, da die Einnahmen in Tschechischen Kronen erwirtschaftet werden und die Ausschüttungen an die oekostrom Produktions GmbH in Euro erfolgen.
Die oekostrom AG-Gruppe hatte zum 31.12.2025 einen steuerlichen Verlustvortrag von EUR 854.546.
3.4. Liquiditätsrisiken
Die oekostrom AG-Gruppe sichert Liquiditätsrisiken marktüblich durch das Vorhalten entsprechender Liquiditätsreserven sowie den Abschluss von Kontokorrentkrediten ab. Das Liquiditätsrisiko durch den Stromeinkauf, der dem Stromverkauf zeitlich vorgelagert ist, wird einerseits durch den operativen Cashflow und andererseits durch Vorauskassa oder Ubertragung von Bankgarantien abgedeckt.
Aufgrund der sehr guten Erträge der letzten drei Jahre war die Liquiditätsausstattung der oekostrom AG Gruppe im Jahr 2025 weiterhin gut und wird weiterhin positiv eingeschätzt. Für die Investition in neue Kraftwerksprojekte werden in den kommenden Jahren jedoch zusätzliche Kapitalmaßnahmen erforderlich sein.
3.5. Wettbewerbsrisiken
Alle Geschäftsbereiche sind einem marktüblichen Wettbewerb ausgesetzt.
Im Geschäftsbereich Produktion ist die oekostrom AG-Gruppe in der Entwicklung von erneuerbaren Kraftwerksprojekten tätig. Aktivitäten von Wettbewerber:innen bei der Sicherung von Grundstücksflächen können unsere Projekte negativ beeinflussen oder verzögern. Diesem Risiko begegnen wir unter anderem durch die projektbezogene Kooperation mit anderen Projektentwicklern.
Der Geschäftsbereich Handel kann Vertragskraftwerke und Handelspartner:innen an
Wettbewerber:innen verlieren, wodurch die Ergebnislage negativ beeinflusst werden könnte.
Im Geschäftsbereich Vertrieb ist die oekostrom AG-Gruppe derzeit nur im Inland operativ tätig, wo sie mit einer Vielzahl an Mitbewerber:innen mit bestehenden gefestigten Geschäftsbeziehungen mit Kund:innen sowie deren Preisbildungspolitik zu konkurrieren hat. Die Margensituation in diesem Geschäftsbereich ist abhängig von der Preisbildung am Markt. Eine Verschärfung der Wettbewerbssituation kann eine Verschlechterung der Margen zur Folge haben.
Unsere eingeschlagene Strategie mit einer fairen Produkt- und Preisgestaltung sowie exzellentem Kundenservice und Marketing hat zu den Wachstums- und Ergebniserfolgen der letzten Jahre geführt. Dem seit 2025 spürbaren stärkeren Wettbewerbsdruck begegnen wir durch sukzessive Automatisierung unserer Vertriebsprozesse und dadurch Verschlankung unserer Kostenstruktur.
3.6. Preisrisiken
Die Marktpreise für Energie unterliegen Schwankungen, wobei sich die Energiemärkte nach den extremen Bewegungen in den Jahren 2022 und 2023 seit 2024 auf einem strukturell höheren Preisniveau bei weiterhin hoher Volatilität etabliert haben.
Im Geschäftsbereich Produktion ist die oekostrom AG-Gruppe Strompreisänderungsrisiken ausgesetzt. Für die Wind- und Sonnenenergieprojekte in der oekostrom AG-Gruppe bestehen teilweise garantierte Einspeisetarife, teilweise werden die Stromkapazitäten am freien Markt angeboten. Die Einspeisetarife der Projekte sind in der Regel nicht wertgesichert – das heißt, sie werden bei steigender Inflation nicht erhöht. Dagegen sind in den (Voll-) Wartungsverträgen der Projekte Inflationsanpassungsklauseln vorgesehen. Aufgrund der aktuellen Marktpreise wird ein Großteil der Kraftwerkskapazitäten mittlerweile wieder über die gesetzlichen Einspeisetarife vermarktet. Das führt zu geringeren Erträgen als in der Hochpreisphase. Alle Projekte mit Einspeisetarifen unterliegen außerdem einem gewissen politischen Risiko, dass diese Tarife nachträglich Anderungen unterworfen werden könnten.
In den Geschäftsbereichen Handel und Vertrieb kauft die oekostrom AG-Gruppe einen großen Teil der an ihre Kund:innen vertriebenen Energie direkt von Kraftwerksbetreiber:innen und Handelspartner:innen auf dem Energiemarkt zu. Die Energieeinkäufe erfolgen zu einem erheblichen Teil auf Basis von Terminmarktgeschäften für die folgenden Lieferjahre und müssen durch Bankgarantien bzw. Cash-Hinterlegungen besichert werden. Die Höhe der erforderlichen Besicherungen ermittelt sich dabei üblicherweise einerseits durch einen Basisbetrag und andererseits durch die tägliche Marktbewertung der jeweiligen Terminmarktposition. Aufgrund der hohen Volatilität in den Energiemärkten kann die Höhe der tagesaktuell erforderlichen Besicherung sehr stark schwanken. Insbesondere die durch Energiepreissteigerungen wertmäßig erhöhten Handelsvolumina können zu weiter erhöhten Besicherungsanforderungen führen, die wiederum weiter erhöhte Kapitalbindungen in der oekostrom AG-Gruppe hervorrufen können.
Der Geschäftsbereich Vertrieb beschafft die benötigten Strom- und Gasmengen für seine Privatund Gewerbekund:innen branchenüblich schrittweise über mehrere Quartale. Ein gewisser Teil der für die Jahre 2026 und 2027 benötigten Strommengen wurde bereits beschafft. Die weitere Beschaffung ist jedoch den vorhandenen Marktpreisvolatilitäten ausgesetzt. Sollten die Preise auf den Großhandelsmärkten für Energie schneller als erwartet oder sogar sprungartig sinken, besteht das Risiko, dass Marktteilnehmer:innen zu günstigeren Beschaffungskonditionen in den Markt einsteigen und Kund:innen der Emittentin abwerben, und der Geschäftsbereich Vertrieb dann teuer akquirierte Übermengen zu niedrigeren Preisen verkaufen muss. Sollten die Preise auf den Großhandelsmärkten für Energie schneller als erwartet oder sogar sprungartig steigen, besteht das Risiko erhöhter Beschaffungskonditionen, die nicht sofort an die Kund:innen weitergegeben werden können.
Im Geschäftsbereich Vertrieb werden außerdem Privatkund:innen-Verträge mit einer Preisgarantie von üblicherweise einem Jahr angeboten. Bei steigenden Großhandelspreisen können diese Verträge nach Ablauf der Preisgarantie angepasst werden. Es besteht aber das Risiko, dass Kund:innen in der Folge zu einem anderen Versorger wechseln bzw. dass aufgrund der kompetitiven Marktsituation Preissenkungen früher als beim Mitbewerb bzw. Preiserhöhungen später als beim Mitbewerb weitergegeben werden müssen.
3.7. Energiewirtschaftliche Risiken
Die Mengen- und Preisrisiken in der mittel- bis langfristigen Strombeschaffung werden durch Trancheneinkäufe der langfristig geplanten Energiemengen begrenzt. Die Strompreise im Lieferzeitpunkt werden durch den Trancheneinkauf mittels Cost-Average-Effekt geglättet. Mit dieser Strategie können einerseits kurzfristige Preisschwankungen ausgeglichen und andererseits kann flexibel auf Bedarfsänderungen reagiert werden. Im Bereich der Gewerbekund:innen mit einem Strombezug von mehr als einer Gigawatt- stunde erfolgt zur Absicherung der Preisposition
eine zeitnahe Back-to-Back-Beschaffung.
Im Bereich der Direktvermarktung aus Wasser-, Wind- und Photovoltaikkraftwerken bestehen Mengen- und Preisrisiken durch den Abschluss von Fixpreisverträgen mit Lieferant:innen. Eventuell fehlende Liefermengen aus unterplanmäßiger Produktion seitens der direktvermarkteten Kraftwerke müssen zu Spot-Preisen nachbeschafft werden, eine eventuelle Uberproduktion der direktvermarkteten Kraftwerke muss zu Spot-Preisen verkauft werden. Dies kann insbesondere in Zeiten geringerer Erzeugung (gegenüber der Planerzeugung) zu erhöhten Kosten führen, wenn die Marktpreise höher sind als die unter den Fixverträgen mit den Krafwerksbetreiber:innen kontrahierten Preise. Dies gilt andererseits auch für über Plan liegende Produktionsmengen bei niedrigeren Großhandelspreisen.
Gleiches gilt für Strommengen, die der Geschäftsbereich Produktion in seinen Wind- und Solarkraft-werken produziert und am Terminmarkt verkauft. Auch hier kann eine Unter- oder Überproduktion gegenüber den kontrahierten Mengen zur Notwendigkeit eines kurzfristigen Nachkaufs oder Verkaufs von Strom und somit zu Mehrkosten führen.
Die kurzfristigen Mengen- und Preisrisiken für Spot- und Ausgleichsenergie werden durch eine zeitnahe Prognose der Erzeugungs- und Verbrauchsmengen mitigiert. Um die Ausgleichsenergiekosten niedrig zu halten, werden die Prognosen von Erzeugung und Verbrauch laufend angepasst und optimiert. Zusätzlich werden diese Risiken durch aktives Anlagenmanagement in Form von 24/7-Bereitschaftsdiensten laufend gesteuert.
Aufgrund der Trennung der österreichisch-deutschen Strompreiszone entsteht das Risiko von Mehrkosten, speziell in Phasen, in denen österreichische Flüsse wenig Wasser führen und gleichzeitig wenig Wind geht. Durch entsprechende Absicherungsmaßnahmen (JAO Auktion, Swap) kann dieses Risiko gesteuert werden.
Die in den letzten Jahren zu beobachtenden Anderungen der Verbrauchs-Lastprofile unserer Kund:innen durch das Wachstum an privaten PV-Anlagen, Wärmepumpen sowie der Anzahl an Mitgliedern in Energiegemeinschaften kann zu geringeren Margen pro Zählpunkt führen. Diesem Risiko wird durch gezielte Umstellung der Tarifstruktur angepasst and das Verbrauchsverhalten begegnet.
3.8. Lieferant:innen- und Kund:innenausfallrisiken
Der Geschäftsbereich Produktion bezieht Windkraftanlagen von nur wenigen am Markt tätigen Herstellerunternehmen. Zudem werden mit diesen Herstellern langfristige Vollwartungsverträge abgeschlossen, was zu einer gewissen Abhängigkeit von diesen Unternehmen führt. Viele der bestehenden Windkraftanlagen wurden von etablierten Herstellern (z. B. VESTAS, Enercon) geliefert, einige Windkraftanlagen wurden auch von kleineren Herstellern (z. B. eno energy) errichtet. Bei wirtschaftlichen Problemen bzw. einer Insolvenz eines dieser Herstellerunternehmen besteht daher das Risiko, dass es zu Verzögerungen und Ausfällen bei der Auslieferung von Windkraftanlagen bzw. zu Verzögerungen und Ausfällen im Bereich der Lieferung von Ersatzteilen und Wartungsarbeiten der Kraftwerke kommt. Ahnliches gilt auch im Bereich von Photovoltaik-Anlagen, wenngleich mit geringerer Risikowirkung aufgrund des pluralistischen Komponenten- und Serviceangebots.
In den Geschäftsbereichen Handel und Vertrieb besteht auf der Lieferantenseite das Risiko, dass Kraftwerksbetreiber:innen oder Handelspartner:innen nicht mehr lieferfähig sind oder insolvent werden und die Energie nicht mehr bzw, nicht mehr zum vereinbarten Preis liefern können. In
einem solchen Fall muss die oekostrom AG-Gruppe die bereits eingekauften Energiemengen neuerlich zum aktuellen Marktpreis beschaffen. Sollten die am Großhandelsmarkt erzielbaren Marktpreise höher sein als die Marktpreise der ursprünglich beschafften Energiemengen, entsteht daraus ein Verlust in entsprechender Höhe.
Außerdem besteht in den Geschäftsbereichen Handel und Vertrieb auf der Absatzseite das Risiko, dass Handelspartner:innen bzw. Großkund:innen nicht mehr abnahmefähig sind oder insolvent werden und die Energie nicht mehr bzw. nicht mehr zum vereinbarten Preis abnehmen können. In einem solchen Fall muss die oekostrom AG-Gruppe die bereits verkauften Energiemengen zum aktuellen Marktpreis an andere Kund:innen verkaufen. Sollten die am Großhandelsmarkt erzielbaren Marktpreise niedriger sein als die Marktpreise der ursprünglich beschafften Energiemengen, so entsteht daraus ein Verlust in entsprechender Höhe.
Im Geschäftsbereich Vertrieb kann es bei hohen Preisen zudem zu erhöhten
Forderungswertberichtigungen kommen.
Zur Minimierung der Ausfallrisiken führen die Unternehmen der oekostrom AG-Gruppe regelmäßige Bonitätsprüfungen durch.
3.9. Technische Risiken und Sicherheitsrisiken
Die oekostrom AG-Gruppe verfügt über eine moderne IT-Infrastruktur, die durch spezialisierte externe Partnerfirmen gewartet und betreut wird. Zudem wurde eine laufende automatische state-of-the-art Datensicherung in einem österreichischen Datencenter implementiert. Damit können die Schlüsselkräfte des Unternehmens in einem Feuer- oder Datendiebstahls-Szenario den Vollbetrieb binnen weniger Stunden in einem Notfallraum des Datencenters weiterführen.
Zudem sind infolge des Ukraine-Kriegs in letzter Zeit mehrfach Hackerangriffe auf systemkritische Infrastruktur berichtet worden. Sollte ein Hackerangriff auf die Stromnetze und/oder die Betriebsund Überwachungssysteme der Hersteller:innen von Windkraftanlagen erfolgreich sein, könnte es zu Störungen in der Lieferfähigkeit der Emittentin kommen, was wesentliche negative Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb hätte.
Als Grundlage für ein einheitliches, standardisiertes Informationssicherheits-Management-System (ISMS) beinhaltet die Informationssicherheitspolitik der oekostrom AG-Gruppe unter anderem die Informationssicherheitsstrategie der Gruppe sowie eine Richtlinie für die
Informationssicherheitsorganisation. Seit 2025 sind alle großen österreichischen Unternehmen der Gruppe gemäß ISO/IEC 27001:2022 zertifiziert.
Die oekostrom AG-Gruppe errichtet und betreibt Wind- und Solarkraftwerke. Dabei orientiert sie sich an hohen Sicherheitsstandards. Die betriebenen Wind- und Solarkraftwerke stammen von erfahrenen Herstellerfirmen und unterliegen strengen Sicherheitsstandards und Genehmigungen. Dennoch können physische Risiken (z. B. durch Eiswurf bei Windkraftanlagen) nicht ganz ausgeschlossen werden.
Weiters können unsere Erzeugungsanlagen ungeplant ausfallen, was zu Erlösminderungen führt. Durch langfristige Vollwartungsverträge mit Verfügbarkeitsgarantien sind diese Mindererlöse vor allem bei den neueren Anlagen zu einem guten Teil durch die Hersteller der Anlagen abgesichert.
3.10. Meteorologische Bedingungen
Wesentlichen Einfluss auf die Rentabilität von Betriebsanlagen im Bereich erneuerbarer Energien
hat die tatsächliche meteorologische Situation, die die Menge des erzeugten elektrischen Stroms maßgeblich beeinflusst. In den Jahren 2019 bis 2025 schwankte der Erzeugungskoeffizient der bestehenden oekostrom AG-Kraftwerke (also die tatsächliche Erzeugung in einem Jahr im Verhältnis zur langjährigen Normerzeugung). Bei der Neuanschaffung von Kraftwerken holt die oekostrom AG-Gruppe externe Gutachten namhafter Windgutachter:innen ein, um die zukünftige Erzeugung der Kraftwerke zu prognostizieren. Diese Gutachten werden auf Basis historischer meteorologischer Daten erstellt. Es besteht bei den Gutachten eine Prognoseunsicherheit, die zu Abweichungen der realen von den im Gutachten erwarteten Erzeugungsmengen führen können. Es ist zudem möglich, dass die zukünftigen meteorologischen Gegebenheiten aufgrund von Faktoren, die nicht im Einflussbereich der oekostrom AG-Gruppe liegen (z. B. Abschattungen durch Zubau im Umfeld der Kraftwerke, Klimawandel), negative Auswirkungen auf den Erzeugungskoeffizienten und somit auf die Rentabilität der Kraftwerke haben.
3.11. Regulatorische und Steuer-Risiken
Der Energiemarkt unterliegt gesetzlichen Regulierungen und Verordnungen. Da Osterreich ein Mitgliedstaat der EU ist, ist die oekostrom AG-Gruppe einer Vielzahl von Rechts- und Verwaltungsakten der EU, des österreichischen Gesetz- und Verordnungsgebers und des für den Strommarkt in Osterreich zuständigen Regulators E-Control unterworfen.
Anderungen von für die oekostrom AG-Gruppe oder einzelne Gruppenunternehmen einschlägigen Rechtsvorschriften und/oder des Grades staatlicher Eingriffe und/oder des relevanten Aufsichtsregimes können die Geschäftstätigkeit und die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der oekostrom AG in einem wesentlichen Ausmaß beeinträchtigen.
Einige Bundesländer (u. a. das Burgenland und Oberösterreich) passen ihre Zonierungen für den Ausbau erneuerbarer Energien an. Sollten erforderliche Zonierungen / Flächenwidmungen nicht oder nur in deutlich geringerem Umfang umgesetzt werden, so könnten derzeit geplante Projekte möglicherweise nicht oder nur verspätet umsetzbar sein. Auch Verzögerungen beim Netzausbau können unsere Projekte negativ beeinflussen. Beides könnte wesentliche Einflüsse auf die Werthaltigkeit der Projektentwicklungspipeline der oekostrom AG-Gruppe haben. Staatliche Regulierungen in unseren Tätigkeitsländern, wie zuletzt etwa der Energiekrisenbeitrag-Strom, Einspeisegebühren für Stromerzeuger, Spitzenkappungen für Erneuerbare Energie, können unsere Erträge negativ beeinflussen. Auch kurzfristige, ertragsreduzierende Anderungen dieser Regelungen sind möglich.
Die Möglichkeit von Ertragsminderungen aufgrund weiterer Regulierungen kann nicht ausgeschlossen werden.
3.12. Wesentliche Rechtsstreitigkeiten
Derzeit sind keine wesentlichen Rechtsstreitigkeiten gerichtlich anhängig.
3.13. Personalrisiken
Der Unternehmenserfolg beruht zu einem wesentlichen Teil auf den Kompetenzen, Erfahrungen und Kontakten ihrer Führungskräfte sowie der Führungskräfte ihrer Tochtergesellschaften. Der Verlust solcher Führungskräfte oder anderer Schlüsselmitarbeiter:innen sowie die mangelnde Verfügbarkeit von Facharbeitskräften könnte einen erheblich nachteiligen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit der oekostrom AG-Gruppe haben. Durch regelmäßige Befragungen der Mitarbeiter:innen erfasst die oekostrom AG Gruppe die Stimmungslage und Meinungen innerhalb der Belegschaft und leitet daraus Aktivitäten zur Bindung der Mitarbeiter:innen ab.
3.14. Politische Risiken
Die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine und weiterer regionaler oder globaler Konflikte bergen nach wie vor Risiken für den Energiemarkt und in weiterer Folge für die oekostrom AG-Gruppe. Diese Risiken hatten in den letzten Jahren vor allem aufgrund der Umstellung der europäischen Gasversorgung der vergangenen Jahre in Richtung Flüssiggas (LNG) vorübergehend abgenommen, sind durch den Krieg im Iran mittlerweile aber wieder gestiegen.
Die möglichen Auswirkungen der aktuellen Eskalation im Nahen Osten auf die internationalen Energiepreise sind derzeit noch schwer abschätzbar. Grundsätzlich hängt die weitere Entwicklung stark davon ab, ob und in welchem Ausmaß es zu längerfristigen Störungen im globalen Handel mit Öl und Gas kommt.
Die Energiepreiskrise der Jahre 2022 und 2023 hat dazu geführt, dass in Europa und Osterreich rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen bzw. geschärft wurden, die bei außergewöhnlichen Marktverwerfungen ein rasches regulatorisches Eingreifen ermöglichen. Dazu zählen etwa temporäre Preiseingriffe oder marktstabilisierende Instrumente gemäß Elektrizitätswirtschaftsgesetz (EIWG). Dafür ist allerdings ein hoher Preisanstieg über mehrere Monate hinweg Voraussetzung. Derzeit sind wir noch weit von dem entfernt, was wir in der Ukraine-Krise 2022 als Höchstpreise gehabt haben. Als einziges Land der EU führt Osterreich den Energiekrisenbeitrag Strom, den die EU 2022 ermöglicht hat, derzeit fort und hat ihn sogar bis 2030 festgeschrieben, offenkundig nicht mehr zur Bewältigung von Energiepreissteigerungen nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine, sondern zur Sanierung des ausufernden Staatsbudgets. Wir erachten diese Sondersteuer für die Energiewirtschaft als grundlos und ungerechtfertigt.
Wir beobachten die Entwicklungen auf den Energiemärkten sehr genau und steuern unsere offenen Positionen am Strommarkt weiterhin konsequent über definierte Limits und Absicherungsmechanismen. Vor diesem Hintergrund gehen wir derzeit davon aus, dass die oekostrom AG gut aufgestellt ist, um mögliche Auswirkungen eines solchen geopolitischen Konflikts zu bewältigen.
3.15. Gesamtrisiko
Bei Gesamtabwägung sind die Risiken, denen die oekostrom AG-Gruppe ausgesetzt ist, als beherrschbar zu bewerten. Der kumulierte Eintritt von Risiken, deren Auswirkungen den Fortbestand des Konzerns gefährden könnten, ist unwahrscheinlich. Auch aus den aktuellen makroökonomischen Entwicklungen erwarten wir keine über die oben angeführten Risiken hinausgehende wesentliche negative Auswirkungen.
3.16. Internes Risikomanagementsystem
Die oekostrom AG-Gruppe verfügt über ein internes Risikomanagementsystem. Dieses sorgt dafür, dass Risiken in sämtlichen wichtigen Bereichen des Unternehmens fortlaufend nach den folgenden Grundsätzen überprüft und bewertet werden:
Proaktive Risikoerkennung Transparenz und Nachvollziehbarkeit Flexibilität und Anpassungsfähigkeit Integration in Geschäftsprozesse Verantwortungsbewusstsein Risikodeckung Reibungsloser Geschäftsablauf
4-Augen-Prinzip
Limitierung
Das strategische Risikomanagement gewährleistet eine regelmäßige Betrachtung der Risiken in allen relevanten Unternehmensbereichen. Zur Risikoidentifikation werden innerhalb der oekostrom AG-Gruppe jährliche Workshops durchgeführt. Darüber hinaus liegt es in der Verantwortung der Geschäftsführungen und Bereichsverantwortlichen, jederzeit Risiken zu melden, die bisher nicht oder nur unzureichend betrachtet wurden.
Ergebnis der Risikoidentifikation ist eine Liste identifizierter Risiken (Risikokatalog), die auf ihre Ursachen und Auswirkungen hin beschrieben sind. Jedes Einzelrisiko wird anhand der beiden Bewertungskriterien Schadenspotenzial und Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet. Für alle Risiken, die eine gewisse Risikotoleranzschwelle übersteigen, werden konkrete Bewältigungsstrategien sowie Risikoeigner festgelegt. Diese definieren und implementieren Risikosteuerungsmaßnahmen und überwachen laufend deren Wirksamkeit.
Die Berichterstattung zum strategischen Risikomanagement erfolgt auf Basis des aktuellen Risikokatalogs quartalsweise an Vorstand und Aufsichtsrat. Zusätzlich ist ein Risikokomitee als zentrales Gremium insbesondere für das strategische Risikomanagement installiert, an das ausgewählte Risikoeigner regelmäßig berichten.
Das operative Risikomanagement ergänzt das strategische Risikomanagement auf täglicher Basis. Hier werden weiterführende Instrumente angewandt, beispielsweise das Risikohandbuch für den Energiehandel oder die Richtlinie für Informationssicherheits-Risikomanagement, welche in das Prozess- und Qualitäts-Managementsystem der oekostrom AG energy group eingebunden sind. Dieses umfasst zahlreiche weitere Arbeitsanweisungen und Prozessmodelle, welche laufend ergänzt, überarbeitet und optimiert werden. Mit dieser Prozessdokumentation werden unternehmensinterne Regeln geschaffen, die neben externen Gesetzen und Verordnungen die Basis für ein effektives und effizientes Risikomanagement sind. Vor allem die operativen Risiken, die durch Fehlverhalten von Menschen, Prozessen oder Systemen dem Unternehmen Schaden zufügen können, werden durch die Standardisierung von Arbeitsprozessen reduziert.
Wien, am
Dr. Ulrich Streibl Dr. Jan Häupler Vorstand der oekostrom AG energy group
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Jan Häupler #ic15e7eb · 2026-05-07 14:01:28 UTC
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