Inhaltsverzeichnis
1. Grundlagen des Unternehmens
Die Lebenshilfe Vorarlberg GmbH ist ein professionell geführtes Sozialunternehmen und in Vorarlberg das größte gemeinnützige Dienstleistungsunternehmen für Menschen mit Behinderungen.
An rund 60 Standorten (Werkstätten, Fachwerkstätten, Kantinen, Wohnhäuser, offene Wohnverbünde etc.) begleiten und fördern wir Menschen mit fein abgestuften und durchlässigen Angeboten in den Lebensbereichen „Arbeiten“ und „Wohnen". Darüber hinaus unterstützen wir innerhalb und außerhalb der Familie mit unserem Familienservice, informieren, beraten und bieten ein Freizeitangebot. Aktuell nehmen über 850 Menschen mit Beeinträchtigungen unsere Dienstleistungen in Anspruch.
2. Wirtschaftsbericht
Rahmenbedingungen
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Jahres 2025 waren europaweit von einer moderaten Konjunkturerholung, restriktiver US-Zollpolitik sowie einem starken Fokus auf Budgetkonsolidierung geprägt.
Das ausgabenseitige Sparpaket der Bundesregierung in Osterreich im Rahmen des Doppelbudgets dämpfte die Wirtschaftsentwicklung und führte zu knappen öffentlichen Mitteln. Noch ist offen, ob diese Sparziele erreicht werden können, da auch die Länder hohe Defizite aufweisen. Die Regierung hat einige – wenn auch sehr problematische – Maßnahmen gesetzt. Durch Einsparungen beim Klimaschutz, im öffentlichen Verkehr, Aussetzung der Valorisierung der Sozial- und Familienleistungen, geringere Pensionserhöhung, der Einschränkung des Arbeitslosengeldes für geringfügig Beschäftigte und die Abschaffung des Klimabonus werden vor allem untere Einkommen und insbesondere Familien, Pensionist*innen und Arbeitslose wesentlich stärker belasten.
Diese Vorhaben erschweren Verhandlungen über eine ausfinanzierte Valorisierung von Förderungen und Subventionen für soziale Träger. Die steigenden Sach- und Betriebskosten (z.B. Energie) müssten bei den Leistungsverträgen mit den Ländern und Gemeinden kompensiert werden, da Sozialorganisationen diese Kostensteigerungen nicht an ihr Klientel weitergeben können.
Auch führt die anhaltende konjunkturelle Stagnation zu einer erhöhten Nachfrage nach Beratungs-, Betreuungs- und Unterstützungsleistungen. Besonders betroffen sind vulnerable Gruppen, wie Altere, Langzeitarbeitslose und Menschen mit Behinderungen.
Die Arbeitslosigkeit steigt zwar insgesamt an, aber der Pflegesektor und die soziale Betreuung leiden weiterhin unter einer gravierenden Knappheit an qualifiziertem Personal.
Auch in Vorarlberg sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für soziale Organisationen weiterhin von starken Budgetbelastungen, Strukturreformen und angespannten Verhandlungen geprägt. Das Land Vorarlberg und die Gemeinden haben 2025 einen umfassenden Strukturprozesses für den Sozialfonds gestartet, der zu massiven Einsparungen und Veränderungen geführt hat und führen wird. Dies belastet nicht nur die Träger, sondern wird auch zu Einschränkungen der Leistungen führen.
Die Organisationen stehen vor der Herausforderung, auf eine alternde Bevölkerung, steigende psychosoziale Belastungen sowie komplexe Lebenslagen zu reagieren, während die finanziellen Ressourcen stark reglementiert sind. Die soziale Arbeit muss diese Mehraufwendungen bei gedeckelten Budgets bewältigen. Die Einrichtungen kämpfen weiterhin für ausfinanzierte Rahmenbedingungen, um Leistungskürzungen, lange Wartezeiten, Qualitätseinbußen oder die Einführung von Selbstbehalten für Betroffene abzuwenden.
Auch für die Lebenshiffe Vorarlberg war das vergangene Jahr geprägt von großen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen. Die vom Land Vorarlberg beschlossenen Sparmaßnahmen bzw. Kürzungen trafen uns mit voller Wucht und stellten uns als Organisation, aber vor allem Menschen mit Behinderungen sowie ihre Angehörigen und Mitarbeitende vor Herausforderungen.
Anfang Dezember 2024 hat das Land Vorarlberg uns mitgeteilt, dass im Jahr 2025 Einsparungen in der Höhe von EUR 1,7 Millionen primär im ambulanten Bereich umzusetzen sind. Nach vielen internen Analysen, schwierigen Entscheidungen und Abstimmungsgesprächen mit dem Land haben wir dann Mitte Mai die Tangente und Tarife für das Jahr 2025 erhalten. Gleichzeitig mussten aber schon Maßnahmen umgesetzt werden, um das Einsparungsziel erreichen zu können.
Es gab einerseits standortbezogene Maßnahmen, wie die Zusammenlegung von zwei Werkstätten in Hörbranz sowie die Schließung von zwei Standorten der Kantine.L. Zu den leistungsbezogenen Maßnahmen zählen die Einführung von Herbstschließzeiten, die Abschaffung von Aktivtagen sowie die Streichung der Kostenübernahme von Mobilitätstickets von Klient"innen. Im Geschäftsbereich Arbeiten & Beschäftigen wurde ein Betreuungsschlüssel-Tool entwickelt, mit welchem die notwendige Mitarbeiter*innen-Ausstattung passgenau auf die Anzahl der Klient"innen und deren Hilfebedarf angepasst werden kann. Weitere Projekte zu Einsparungsmaßnahmen sind noch am Laufen.
Geschäftsverlauf
Das Ergebnis vor Steuern beläuft sich auf EUR 502.150,57. Im Jahr davor lag dieses bei EUR 589.173,16.
Die Umsatzerlöse lagen bei EUR 52.837.825,77 und somit um 0,31 % bzw. EUR 162.873,55 über jenen des Vorjahres (EUR 52.674.952,22).
Bei den Erlösen aus Begleitung konnten wir ein Ergebnis von EUR 46.725.948,01 erreichen. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies nur eine Veränderung von 0,05 % bzw. EUR 24.387,59 bei einem Personalkosten-Index von 3,50 %.
Aufgrund der Einsparungsmaßnahmen des Landes wurden die Tarife im Arbeitsbereich sowie die Anzahl der möglichen Verrechnungstage durch die Einführung von Herbstschließzeiten reduziert. Dadurch wurde die Tangente (Deckelung bei den Betreuungserlösen) nur minimal angehoben. Dies hatte zur Folge, dass wir eine Tangentenüberschreitung von über EUR 252.000 hatten. Das Land hat diese Leistungen zwar alle bezahlt, aber mit dem Zusatz, dass diese Uberzahlung für Leistungen im Jahr 2026 verwendet wird, wenn die Lebenshiffe Vorarlberg GmbH beim Jahresabschluss ein positives Ergebnis aufweist. Da dies der Fall ist, mussten die Betreuungserlöse um diesen Betrag „gekürzt" werden.
Bei den Verkaufs- und Leistungserlösen konnten wir einen Wert von EUR 1.167.381,31 (2024: EUR 1.120.502,16) erzielen, was eine Steigerung von 4,18 % bzw. EUR 46.879,15 - trotz der nicht unbedingt guten allgemeinen Wirtschaftslage - bedeutet. Die höchsten Steigerungsraten konnten wir bei den Erlösen in den Brockenhäusern und im Loackerhuus mit einem Plus von EUR 68.082,11 verzeichnen.
Bei den „Erlösen aus Verpflegung und Unterkunft“, welche durch die Kantine.L erreicht werden, konnten wir mit EUR 2.069.907,24 das Vorjahresergebnis halten (2024: 2.066.101,66).
Die Sonstigen betrieblichen Erträge zeigen im Vergleich zum Vorjahr eine Erhöhung von EUR 86.440,71 auf, was auf die volle Gewährung des Mietzuschusses der Muttergesellschaft - trotz geringerer Erträge bei den Subventionen (Energiekostenzuschuss sowie Covid-Förderungen im Vorjahr) - rückzuführen ist.
Für Materialien und sonstige bezogene Herstellungsleistungen wurden EUR 2.847.538,99 ausgegeben. Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich eine Abnahme von EUR 103.504,03 (2024: EUR 2.951.043,02). Beim Materialaufwand, Verpflegungsaufwand sowie den übrigen Aufwendungen (wie z.B. Ferienaktionen) zeigen sich einige Einspareffekte durch Standortschließungen sowie Leistungseinstellungen.
Beim Therapieaufwand sowie bei den Fahrtkosten Busunternehmer sind wir im Vergleich zum Vorjahr höher.
Die Aufwendungen für das Personal erreichten eine Höhe von EUR 42.557.912,34 und waren somit um EUR 812.015,12 bzw. 1,95 % höher als 2024 mit EUR 41.745.897,22. Diese Steigerung liegt somit unter dem KV-Index für 2025.
In den Personalaufwendungen sind neben der jährlichen Indexierung der Löhne und Gehälter sowie den Veränderungen durch die Annualsprünge auch alle personalrelevanten Subventionen und Auswirkungen aus dem Kollektivvertrag enthalten. Die Zahlungen für die Einspring- Zulage und die Samstagszulage schlagen sich zwar in den Kosten nieder, werden aber über die Tarife vom Land rückerstattet. Ebenso werden die Kosten aus dem Entgelterhöhungs- Zweckzuschussgesetz (EEZG), d.h. der Pflegebonus des Bundes an das Pflege- und Betreuungspersonal, vom Bund über eine Auszahlung des Landes refundiert.
Die Rückstellungsberechnungen bei nicht konsumierten Urlauben und Gleitzeit ergeben in Summe eine Zuweisung von EUR 17.820,04 (Vorjahr Zuweisung von EUR 89.359,41).
Bei den Aufwendungen für Abfertigungen kam es während des Jahres zu Abfertigungsauszahlungen aufgrund von Pensionierungen in Höhe von EUR 278.927,15. Durch diese Pensionierungen ist die Anzahl der Arbeitnehmer*innen im Abfertigungssystem alt auf 67 Mitarbeiter’innen gesunken. Die Neuberechnung der Abfertigungsrückstellung mit einem Nettozinssatz von 0,47% (Vorjahr 0,61%) ergab schlussendlich eine Zuweisung von EUR 103.811,74 (Vorjahr Zuweisung von EUR 229.797,08).
Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen liegen mit EUR 8.264.408,10 um EUR 217.058,52 unter dem Vorjahreswert von EUR 8.481.466,62. Die einzelnen Kostenblöcke zeigen Zu- wie auch Abnahmen auf. Beispielsweise haben sich die Aufwendungen für Instandhaltung, Wartung und EDV um EUR 129.324,29 erhöht. Der Hauptgrund für den Rückgang liegt aber in der Position „uneinbringliche Forderungen" (abgewiesenes Nachtragsbegehren 2023 Sozialfonds) im Vorjahr.
Im Jahr 2025 arbeiteten 758,00 Mitarbeiter*innen (551,00 Vollzeitäquivalente) in der Lebenshilfe Vorarlberg GmbH, inklusive SOB (Schüler*innen Sozialbetreuungsberufe), aber ohne Mitarbeiter"innen mit Unterstützung, die die Dienstleistung JobKombi in Anspruch nehmen oder einen integrativen Arbeitsplatz innehaben.
Zusätzlich unterstützen Zivildienstleistende und ehrenamtlich tätige Mitarbeiter”innen den laufenden Betrieb.
Lage
a) Ertragslage
Die finanzielle Situation bleibt weiterhin eng. Die Ertragslage hat sich zwar aufgrund der neu kalkulierten Tarife verbessert und es sollte – in Absprache mit der Abteilung IVa des Landes - auch ein Rücklagenaufbau möglich werden, aber die Sparmaßnahmen des Landes mit der Reduzierung einzelner Tarife haben dieser Entwicklung wieder einen großen Dämpfer gesetzt. Zudem kann dieses Ergebnis nur mit Unterstützung des Vereins Lebenshilfe Vorarlberg in Form von Investitions- und Mietzuschüssen erreicht werden.
In den Gesprächen mit dem Hauptfinancier – Sozialfonds des Landes Vorarlberg – wird von den Verantwortlichen die Notwendigkeit einer Fortführung der Lebenshilfe Vorarlberg GmbH immer wieder signalisiert und zugesichert.
Kennzahlen zur Ertragslage
| 2025 | 2024 | 2023 | |
|---|---|---|---|
| Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) | 502.150,57 | 585.680,35 | -960.811,43 |
| Umsatzrentabilität | 0,95% | 1,11% | -2,05% |
b) Finanzlage
Die Finanzlage ist halbwegs zufriedenstellend. Mit Hilfe der Akonto-Zahlungen des Landes Vorarlberg kann den Zahlungsverpflichtungen mehrheitlich nachgekommen werden, aber kleine Verzögerungen in der Abrechnungsbearbeitung führen zu unterjährigen Liquiditätsengpässen. Grundsätzlich ist die finanzielle Situation immer noch als angespannt zu bezeichnen.
Das Forderungsmanagement wird regelmäßig durchgeführt. Im Jahresabschluss 2025 wurden alle bestehenden Forderungen überprüft, klassifiziert und einzelwertberichtigt. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen werden möglichst innerhalb der Zahlungsfrist beglichen und konnten noch ohne Inanspruchnahme von Krediten erfüllt werden.
Kennzahlen zur Vermögens- und Finanzlage
| 2025 | 2024 | 2023 | |
|---|---|---|---|
| Eigenkapitalquote (Equity Ratio) | 17,18% | 13,40% | 9,21% |
| Eigenkapitalquote inkl unv RL und BKZ | 26,38% | 24,06% | 22,91% |
Menschen brauchen
Cash-flow Kennzahlen
| 2025 | 2024 | 2023 | |
|---|---|---|---|
| Cash-flow aus laufender Geschäftstätigkeit | -159.968,59 | 939.150,48 | -701.751,23 |
| Cash-flow aus der Investitionstätigkeit | -237.300,59 | -328.423,20 | -428.983,71 |
| Cash-flow aus der Finanzierungstätigkeit | 0,00 | 0,00 | 750.000,00 |
| Nettogeldfluss gesamt | -397.269,18 | 610.727,28 | -380.734,94 |
| Finanzmittelbestand am Beginn der Periode | 3.040.427,05 2.429.699,77 | 2.810.434,71 | |
| Finanzmittelbestand am Ende der Periode | 2.643.157,87 3.040.427,05 2.429.699,77 | ||
3. Prognosebericht
Das Hauptaugenmerk des Managements der Lebenshilfe Vorarlberg GmbH ist weiterhin auf die finanzielle Absicherung des Unternehmens gerichtet. Zu den finanziellen Sorgen kommt aber ein weiterer Aspekt hinzu, der unsere volle Aufmerksamkeit fordert: Die Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen und deren Angehörigen - möglichst ohne Qualitätseinbu- Ben - auf dem erforderlichen Maß zu halten.
Die Strategie des Sozialfonds 2030 des Landes Vorarlberg und der daraus resultierende Strukturprozess mit einer neuen Finanzierungslogik wird viele Veränderungen mit sich bringen, die wir aktiv mitgestalten wollen. Noch ist unklar, wie sich diese Finanzierungslogik genau gestaltet. Mit Hilfe von Produktclustern sollen über Normkostentarife ab 2027 einheitliche Angebote und eine übersichtliche Tarifstruktur geschaffen werden.
Im Angesicht dieser veränderten und unsicheren Rahmenbedingungen und aufgrund bevorstehender Pensionierungen wichtiger interner Entscheidungsträger, wurde ein Organisationsentwicklungsprozess mit externer Begleitung gestartet. Unter dem Motto „Gemeinsam.Wirken – Miteinander in die Zukunft“ arbeiten wir daran, die Lebenshilfe Vorarlberg GmbH zukunftsfit und agil aufzustellen, um für kommende Anforderungen gerüstet zu sein.
Neben den finanziellen und strukturell-organisatorischen Herausforderungen ist eine Weiterarbeit an wichtigen strategischen Themen unabdingbar. Eine zentrale Aufgabe wird die Weiterarbeit an der Umsetzung unseres „Nordsterns" – die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention – sein.
Auch das Thema Mobilität generell und die Regelung der Fahrdienste wird weiterhin ein Thema bleiben, da die Abteilung IVa des Landes den sozialen Organisationen einen neuen Vorschlag unterbreitet hat, der auf seine Umsetzbarkeit hin überprüft werden muss.
Der Personalmangel, vor allem im Bereich Wohnen, ist nach wie vor groß. Und das in einem Arbeitsfeld, in dem qualitativ hochwertige Arbeit so entscheidend ist, weil es um Menschen und ihre würdige Begleitung und Versorgung geht. Es gelingt uns immer noch nicht, ausreichend Fachkräfte zu gewinnen und daher stellen wir viele Quereinsteiger"innen ein. Zwei philippinische Fachkräfte bereichern seit Ende des Jahres unser Team, zwei weitere werden 2026 folgen.
Die demografische Entwicklung, die Pensionierung langgedienter Mitarbeiter"innen und Führungskräfte und der generell ausgetrocknete Arbeitsmarkt sind nach wie vor eine große Herausforderung für uns. Deshalb setzen wir auch weiterhin auf zahlreiche Maßnahmen in der Mitarbeiter*innen-Gewinnung und Mitarbeiter"innen-Bindung.
Unser Ziel muss sein, dass Menschen, die einen Bedarf an einer Dienstleistung haben, diese auch erhalten und wir nicht aufgrund von Personalnot oder den Einsparvorgaben Absagen erteilen müssen. Wir sind uns der massiven Belastung zahlreicher Angehöriger sehr bewusst Die lange Warteliste im Bereich Wohnen bereitet uns große Sorgen. Neben entsprechenden Wohnangeboten müssen auch familienentlastende Maßnahmen entsprechend ausgebaut werden, was in der aktuellen Situation sehr schwierig ist.
Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen müssen wir stets den Kernauftrag der Lebenshiffe ins Zentrum stellen: Es geht um die Begleitung von Menschen mit Beeinträchtigungen und um ihre Lebensqualität. Hier gilt es, die Entwicklungen im Auge zu behalten und entsprechend der Anforderungen der Personen die Dienstleistungen anzupassen – bei älteren Menschen oder Menschen mit einem hohen Unterstützungsbedarf aufgrund von Pflege oder Verhaltensauffälligkeiten. Veränderungswünschen betreffend der Arbeits- oder Wohnsituation ist stets personenzentriert zu begegnen. Dabei wollen wir uns künftig noch stärker auch der Qualifizierung und Vermitlung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt widmen und unsere erfolgreichen Arbeitsmodelle und -projekte weiter ausbauen.
4. Risikobericht
Ein uns immer begleitendes Risiko ist die finanzielle Abhängigkeit vom Vorarlberger Sozialfonds (60 % Land Vorarlberg, 40 % Gemeinden) als Hauptkostenträger. Der derzeitige Sparkurs mit strengen Budgetsanierungen der öffentlichen Hand, damit einhergehenden strukturellen Finanzierungslücken und auch neue Vorgaben des Bundes mit z.B. hohen Steuerbelastungen auf den Faktor Arbeit verschärfen diese Abhängigkeit immer mehr.
Aber dennoch sehen wir diese Abhängigkeit weiterhin als Chance. Die Lebenshilfe Vorarlberg übernimmt im Auftrag des Landes die im Chancengesetz festgelegten Aufgaben und organisiert die Begleitung von mehr als 850 Menschen mit Behinderungen in Vorarlberg und deckt somit einen großen Bedarf an Betreuung ab. Es ist somit auch im Interesse des Landes, dass die Lebenshilfe Vorarlberg GmbH auch in den nächsten Jahren diesen Auftrag wahrnehmen kann, was auch laufend von Vertreter"innen des Landes bestätigt wird.
Unser Fokus muss weiterhin verstärkt auf einem stringenten Kostenmanagement und der Beibehaltung einer konservativen und disziplinierten Ausgabenpolitik liegen. Aber es müssen auch die Marktchancen im Bereich der Produktionserlöse (Verkauf von Eigenerzeugnissen, Lohnarbeiten) neu bewertet und alternative Möglichkeiten gesucht werden.
Qualifizierte und engagierte Mitarbeiter"innen sind eine entscheidende Voraussetzung für den Unternehmenserfolg. Schwierigkeiten bei der Rekrutierung, Einstellung und Bindung von dringend benötigten Fachkräften auch in Hinblick auf den Wettbewerb unter Arbeitgebern sowie bei der Weiterentwicklung von Mitarbeiter*innen können erhebliche negative Auswirkungen auf die künftige Unternehmensentwicklung haben. Der vorherrschende Fachkräftemangel stellt somit ein wesentliches Risiko dar, sowohl für die zukünftige Dienstleistungsentwicklung wie auch in einer Überlastung bestehender Mitarbeiter*innen.
Die fehlenden Mitarbeiter*innen sind aber nicht nur ein Thema innerhalb der Lebenshilfe. Sollten einzelne Begleitangebote aufgelassen werden müssen, sind auch die Angehörigen stark gefordert, da sie die Betreuung ihrer Kinder selbst leisten müssen. Auch warten unzählige Personen auf eine Aufnahme in ein Wohnhaus, was derzeit aufgrund der knappen Personalausstattung nicht sichergestellt werden kann.
Es ist davon auszugehen, dass der Verein Lebenshiffe Vorarlberg auch in der Zukunft mit Investitions- und Mietzuschüssen und bei Projekten finanzielle Unterstützung leisten wird müssen.
Liquiditätsrisiken
Wir bemühen uns, ausreichend Barmittel zu halten, um den Zahlungsverpflichtungen zeitgerecht nachzukommen. Bei liquiden Engpässen wird mit Akontozahlungen des Landes gearbeitet und es besteht die Bereitschaft von Seiten des Landes, den Anforderungen prompt nachzukommen. Es gibt einen Kontokorrentkredit, welcher aber nach Möglichkeit nicht in Anspruch genommen wird.
Wir bleiben in finanzieller Hinsicht weiterhin wachsam und engagiert, achten stets auf ausreichende Liquidität und sehen unseren gesellschaftlichen Auftrag und das Wohl der uns anvertrauten Menschen an erster Stelle. Wir setzen auch in Zukunft auf Zuschüsse von Kostenträgern zur Sicherung sozialer Teilhabe.
Beschaffungsrisiko / Lieferantenrisiken
Im Bereich der Beschaffung werden laufend neue Kooperationen gesucht und Preisverhandlungen geführt. Benötigen mehrere Standorte das gleiche Produkt, werden die Anfragen gebündelt, um aufgrund des Volumens Preisnachlässe zu erhalten. Wir bemühen uns laufend, eine Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten zu vermeiden und unsere Beschaffungskanäle breiter aufzufächern.
Versicherungsrisiken
Wir sind mit den branchenüblichen Versicherungsleistungen ausgestattet und überprüfen diese sowie deren Kosten in regelmäßigen Abständen. Neben den Sachversicherungen und einer Rechtsschutzversicherung wird auf eine angemessene Betriebshaftpflicht sowie eine Unfallversicherung für Menschen mit Behinderungen geachtet.
5. Zweigniederlassungen
Die Gesellschaft unterhält keine Zweigniederlassungen, die Betreuungstätigkeit erfolgt aber an mehreren Standorten in Vorarlberg.
1. Wanne traito
gez. Mag. Michaela Wagner-Braito Geschäftsführerin der Lebenshilfe Vorarlberg GmbH 1. Juni 2026