Inhaltsverzeichnis
1. Branchenüberblick
Die Transformation der Wiener Zeitung GmbH erfolgte Mitte 2023 und legte den Grundstein für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des Unternehmens. In den Geschäftsjahren 2024 und 2025 stand die Optimierung von Prozessen und Abläufen im Fokus, wodurch Effizienzen nachhaltig gesteigert wurden. Die Organisation arbeitet effektiv zusammen, stärkt den österreichischen Medienmarkt und treibt Innovationen gezielt voran.
Die Medienbranche stand wie in den Vorjahren auch 2025 vor erheblichen Herausforderungen, die durch kontinuierliche Veränderungen im Nutzungsverhalten der User:innen und das Aufkommen neuer Plattformen geprägt waren. Traditionelle Medienhäuser haben zunehmend mit einem Verlust von Kund:innen zu kämpfen, was zu einem Rückgang ihrer Relevanz führt. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, müssen moderne Technologien und datenbasiertes Arbeiten stärker in den Vordergrund treten. Eine digitale, skalierbare Infrastruktur ist dabei unerlässlich, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Besonders in Österreich müssen sich Medienunternehmen an die veränderten Bedürfnisse der User:innen anpassen und in relevante Kanäle und Plattformen investieren, um ihre Zielgruppen zu erreichen. Es fällt auf, dass die Zielgruppe für klassischen Journalismus über Print und lineares TV weiter schrumpft und die Erschließung neuer, junger Zielgruppen essenziell ist.
2. Entwicklung der Wiener Zeitung 2025
Das Jahr 2025 brachte wirtschaftlich für die Wiener Zeitung GmbH ein negatives Jahresergebnis in Höhe von TEUR 708 (2024: ein positives Jahresergebnis in Höhe von TEUR 1.409). Zu berücksichtigen ist hier einerseits, dass es im Jahr 2025 durch gesetzliche Veränderungen (WZEVI-Gesetz) zu Mittelkürzungen und somit zu einem Rückgang der Umsatzerlöse in Höhe von TEUR 5.000 kam. Andererseits wurden durch die thesaurierten Mittel gem. WEVI-Gesetz aus den Vorjahren Passive Rechnungsabgrenzungen gebildet, die im Jahr 2025 in Höhe von rund TEUR 4.600 ergebniserhöhend aufgelöst wurden. Zudem war das Unternehmen nicht nur im Jahr auch im Jahr 2025 von Transformationskosten betroffen.
• Die Eigenmittelquote beträgt 72,97% (2024: 62,56%) • Die liquiden Mittel betragen TEUR 7.570 (2024: TEUR 11.426) • Der Gesamtumsatz beläuft sich auf TEUR 17.065 (2024: TEUR 15.770) • Der Cashflow aus der betrieblichen Tätigkeit beträgt TEUR -4.176 (2024: TEUR -4.649) und aus der Investitionstätigkeit TEUR 320 (2024: TEUR 411) • In Summe ergibt sich ein Mittelabfluss von TEUR 3.856 (2024: Mittelabfluss TEUR 4.238)
Die Angaben betreffend den Cashflow erfolgen, sowohl für das Jahr 2025 sowie das vorherige Geschäftsjahr, in Anlehnung an die indirekte Geldflussrechnung gemäß AFRAC-Stellungnahme 36.
Im Wesentlichen wurden in den einzelnen Geschäftsbereichen folgende Schwerpunkte gesetzt:
2.1. Medium „Wiener Zeitung“ (Kurz: WZ)
Seit 01. Juli 2023 gibt die Wiener Zeitung GmbH die „Wiener Zeitung“ – WZ – unter Bedachtnahme auf hohen journalistischen Qualitätsstandard und Beachtung eines Redaktionsstatuts als Online-Medium gemäß §3 WZEVI-Gesetz heraus. Neben einer Webseite produziert die WZ auch Podcasts und Videos und betreibt diverse Social Media-Kanäle und verschiedene Newsletter. Aus dem gesetzlichen Auftrag ergeben sich die Themenschwerpunkte, wie z.B. Standort Österreich, Wissenschaft, Gesellschaft, Politik, Kultur sowie Europa und Geschichte.
Die WZ hat sich erfolgreich zu einem der innovativsten Medien Österreichs entwickelt. Die digitale Neuausrichtung steigert kontinuierlich Reichweite und Impact, während Formate wie WZ-Engage den direkten Austausch mit der Community fördern und wertvolles Feedback integrieren. Mit multimedialen Inhalten, interaktiven Diskussionen und vertiefenden Analysen setzt die WZ neue Maßstäbe in Demokratiebildung und Medienkompetenz. Der Ausbau digitaler Kanäle und Social-Media-Formate, aber auch neuartiger Event-Formate stärkt ihre Relevanz nachhaltig und unterstreicht ihren Auftrag als moderne, nutzenstiftende Medienmarke. Die Wiener Zeitung hat im Jahr 2025 einen weiteren Baustein ihrer Public- Value-Ausrichtung umgesetzt. Mit der Public-Value-Initiative zu Algorithmen und digitaler Souveränität - „Algokind: Check, was dich steuert!“ werden junge Zielgruppen erreicht, die ihren digitalen Alltag zunehmend in algorithmisch strukturierten Umgebungen verbringen.
2.2. Elektronische Veröffentlichungs- und Informationsplattform EVI
Die Elektronische Veröffentlichungs- und Informationsplattform (EVI) erfüllt seit 01. Juli 2023 ihre Funktion als offizielles Veröffentlichungsorgan der Republik Österreich gemäß WZEVI-Gesetz. Die Zugriffszahlen konnten gegenüber dem Vorjahr (2024) um mehr als 500% gesteigert werden. Dies unterstreicht die rasch steigende Akzeptanz der Plattform und zeigt, dass sich evi.gv.at bereits als eine der wichtigsten Informationsplattformen des Bundes etabliert hat.
2025 wurden weitere Informations- und Veröffentlichungsquellen in die Plattform integriert, darunter Veröffentlichungen und Informationen der Finanzmarktaufsicht (FMA). Die Usability und User Experience der Plattform wurde weiterentwickelt. In Kooperation mit der BRZ-GmbH wurde ein Wissensmanagement-System implementiert und POCs (Proof of Concepts) zur Optimierung von Backend-Prozessen umgesetzt.
2.3. Media Hub Austria
Der Media Hub Austria fördert Pluralität und Innovation am Medienstandort Österreich ganzheitlich und nachhaltig. 2025 wurde das Angebot des Media Hub Austrias weiter ausgebaut. Schwerpunkte lagen auf der Schaffung von Praxismöglichkeiten für Medienschaffende, Know-how Transfer durch Coachings und themenspezifische Workshops, Kooperation mit Medienhäusern und dem Zusammenbringen von Medienschaffenden zum Zwecke des gegenseitigen Austausches.
Im Jahr 2025 hat sich der Media Hub Austria somit weiterhin sehr gut etabliert und ist gewachsen. Neben der laufenden Weiterentwicklung lag ein weiterer Fokus auf der Optimierung zentraler Prozesse. Auch 2026 werden die Initiativen des Media Hub Austria weiter ausgebaut.
Mediengruppe Wiener Zeitung
2.4. Content Agentur Austria
2.4.1. Content Production
Die Content Agentur Austria setzt auf die drei Bereiche (1) Content Strategie, (2) Content Erstellung von Print- und digitalen Produkten und (3) Distribution über relevante Kanäle. ÖOffentliche und halböffentliche Institutionen, aber auch die Privatwirtschaft werden mit fundierten, relevanten und wirksamen Content-Leistungen bedient. Das Geschäft mit Bundesunternehmen konnte im Jahr 2025 substantiell gesteigert werden.
2.4.2. Juristische Redaktion
Im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung zwischen der Wiener Zeitung GmbH und dem Bundeskanzleramt übernimmt die juristische Redaktion unter anderem die Überarbeitung und Qualitätssicherung sowie die Veröffentlichung der von den Bundesministerien übermittelten Texte auf den Internetplattformen Unternehmensserviceportal usp.gv.at sowie der behördenübergreifenden Bürgerinnen- und Bürgerinformationsplattform österreich.gv.at.
Im ersten Halbjahr 2025 konnten zusätzliche Aufträge für den Bund und das Bundeskanzleramt umgesetzt werden. Im Laufe des Jahres 2025 wurde auch KI erstmalig bei der Umsetzung von Features eingesetzt.
3. Risikoberichterstattung
Als österreichisches Medien- und Informationsunternehmen ist die Wiener Zeitung GmbH unterschiedlichsten Risiken ausgesetzt. Risikomanagement ist dabei ein integraler Bestandteil der Führungsstruktur. Die zentral ausgeübten Kontrollfunktionen werden durch die regelmäßige Berichterstattung und das eingerichtete interne Kontroll- und Risikomanagementsystem unterstützt. Im Folgenden wird auf einzelne Risiken, denen die Wiener Zeitung GmbH ausgesetzt ist, eingegangen:
Rechtliche Risiken: Die Wiener Zeitung GmbH unterliegt insofern rechtlichen Risiken, als Veränderungen bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit den gesetzlichen Aufträgen für die Wiener Zeitung, den Media Hub Austria sowie die Elektronische Verlautbarungs- und Informationsplattform des Bundes möglich sind. Derartige Veränderungen könnten wesentliche Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaften haben. Das Risikomanagement der Geschäftsführung widmet sich diesen potenziellen Risiken, ebenso wie anderen allfälligen Ansprüchen, die sich gegenüber der Wiener Zeitung GmbH ergeben könnten.
Liquiditätsrisiko: Das Liquiditätsrisiko ist aufgrund der guten Eigenkapitalquote der Wiener Zeitung GmbH zu vernachlässigen.
Kreditrisiko: Ein Kreditrisiko ist für die Wiener Zeitung GmbH als sehr gering einzuschätzen. Es gibt weiterhin ein sehr gutes und engmaschiges Forderungsmanagement und die Höhe der einzelnen Forderungen ist überschaubar.
Personalrisiken: Die Wiener Zeitung GmbH unterliegt den üblichen Risiken im Bereich Personal (Personalbeschaffung und -entwicklung, Fluktuation, Krankenstände etc.). Die Mediengruppe Wiener Zeitung setzt in den letzten Jahren verstärkt den Fokus auf moderne und zeitgemäße Arbeitsbedingungen und Arbeitsprozesse.
Beteiligungsrisiko: Die Wiener Zeitung GmbH beobachtet laufend die Werthaltigkeit ihrer Beteiligungen.
Währungsrisiko: Die Wiener Zeitung GmbH ist keinem Währungsrisiko ausgesetzt.
Preisänderungsrisiko: In Hinblick auf Lieferantenpreise ist das Preisänderungsrisiko aufgrund der Vielzahl an Lieferanten und der in Verträgen vorgesehenen VPI-Indexierung eher gering einzuschätzen. Zinsänderungsrisiko: Das Zinsänderungsrisiko bezieht sich nur auf das Finanzanlagevermögen. Die Wiener Zeitung GmbH hat keinerlei Kredite bei Bankinstituten.
IT-Risiko: Die gesamte IT-Infrastruktur sowie alle IT-Prozesse des Unternehmens sind bereits seit einigen Jahren basierend auf der ISO-Norm 27001 (1. Zertifizierung im Jahr 2021) sehr gut aufgestellt. Die Sicherheitsstandards gemäß ISO 27001 werden jährlich in einer Rezertifizierung geprüft und sichergestellt. Das Unternehmen ist sich damit der möglichen Folgen von Datenverlust bzw. Ausfall der IT-Systeme bewusst und es gibt ein regelmäßiges strukturiertes Controlling der IT-Risiken. Im Jahr 2025 wurden die Maßnahmen zur Erhöhung der IT-Sicherheit weiter ausgebaut und der Sicherheitsstandard weiter erhöht.
Gesamtbeurteilung der Risiken: Aus heutiger Sicht zeichnen sich keine den Fortbestand der Wiener Zeitung GmbH gefährdenden Risiken ab.
4. Ausblick auf das Jahr 2026
Nach Umsetzung des WZEVI-Gesetzes im Jahr 2023 sowie dem Ausbau des Angebots im Jahr 2025, steht für die Wiener Zeitung GmbH die Weiterentwicklung der Produkte und die Förderung des Medienmarktes sowie der Medienkompetenz im Fokus. Das Medium - WZ - wird sich noch mehr auf die Generierung von Public Value fokussieren. Der Media Hub Austria wird durch seine Initiativen weiter an der Stärkung des österreichischen Medienmarktes arbeiten, wobei der Fokus 2026 ganz intensiv auf die Stärkung und Förderung von Medienkompetenz gelegt wird.
Der Schwerpunkt der Elektronischen Verlautbarungs- und Informationsplattform EVI wird weiter auf der Integration von zusätzlichen Quellen und dem Ausbau der Reichweite liegen.
Wie bereits in den vergangenen Jahren muss wiederholt angemerkt werden, dass Verlagshäuser einem stetigen Wandel unterworfen sind. Auch wenn die Wiener Zeitung Mediengruppe nicht in Konkurrenz mit anderen Verlagshäusern steht, haben diese Branchenentwicklungen auch Auswirkungen auf das Unternehmen. Die unterschiedlichsten Faktoren – sowohl den Print- als auch den Online-Bereich betreffend – führen einerseits dazu, dass Verlagshäuser ihre strategische Ausrichtung regelmäßig überprüfen müssen. Andererseits sind Verlagshäuser permanent gefordert, ihre Kreativität am Markt zu zeigen, um sich den geänderten Rahmenbedingungen wie z.B. zunehmende Digitalisierung oder Nutzerverhalten anpassen zu können.
Mediengruppe Wiener Zeitung
Lagebericht der Wiener Zeitung GmbH für das Geschäftsjahr 2024
5. Allgemeines
Ausdrücklich wird festgehalten, dass die Wiener Zeitung GmbH im Bereich der Forschung und Entwicklung nicht tätig ist. Es wird auch ausdrücklich festgehalten, dass die Wiener Zeitung GmbH keine Zweigniederlassungen betreibt.
Es werden keine derivativen Finanzinstrumente verwendet.
Wien, 20. März 2026
Maftin Fleischhacker, MSc Geschäftsführer)