Inhaltsverzeichnis
Pilkington Austria GmbH Geschäftsjahres 2023/24
1. Rahmenbedingungen
Bauglas in Österreich:
(Auszug aus der Marktanalyse Branchenradar – Bauglas in Österreich – www.branchenradar.com)
Marktanalyse: Die Nachfrage nach Bauglas schrumpft im Jahr 2023 um -13,6% geg. VJ auf 4,63 Millionen Quadratmeter. Der Rückgang lässt sich in allen Produktgruppen und Kundensegmenten verorten, insbesondere aber der Fenster- und Fassadenbau. Die Verkaufspreise wachsen indessen nochmals signifikant, auf Ebene der Warengruppen im Schnitt um +5,5% geg. VJ.
Die rückläufige Nachfrage trifft alle relevanten Anbieter. Vergleichsweise stabil halten sich bspw. Interpane und Pilkington. Beide Unternehmen bauen den Marktanteil aus.
Die Marktentwicklung in Österreich hat sich auch im Wesentlichen in unserem Geschäftsjahr 23/24 niedergeschlagen.
Die Aktivitäten im Geschäftsjahr 23/24 konzentrierten sich zum einen auf Kostensenkungsmaßnahmen um die Einflüsse aus dem Marktrückgang abzufedern und zum anderen den weiteren Ausbau der Value Added Produkte sowie Maßnahmen um die Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu verbessern.
Die wichtigsten Maßnahmen können wir wie folgt zusammenfassen:
- Installation einer neuen Brauchwasseraufbereitungsanlage zur Reduzierung des Frischwasserbedarfs um 80% - Umrüstung der Isolierglaslinie auf einen neuen 2 Komponenten Dichtstoff zur Kostenreduzierung - Einrichtung eines neuen Qualitätslabors - Installation einer neuen Laseranlage zur Herstellung von beheizbaren Gläsern
2. Leistungskennzahlen
Umsatz
Die ausgewiesenen Umsatzerlöse zeigen einen Rückgang um 3% zum Vorjahr. Dieser Rückgang steht in direktem Zusammenhang mit dem Marktrückgang, wobei der Umsatzrückgang deutlich geringer als der generelle Marktrückgang gehalten werden konnte. Die Betriebsleistung je Dienstnehmer lag mit rd. 205 T€ um 2,6% über dem Vorjahresniveau.
Betriebserfolg, Finanzerfolg
Der Betriebserfolg verzeichnete gegenüber dem Vorjahr aus den nachstehend genannten Gründen eine Verbesserung um 600 T€ auf rd -1,0 Mio€ (VJ: -1,6 Mio€).
In Prozent der Betriebsleistung lag der Betriebserfolg damit bei -4,1% gegenüber -6,0% im Vorjahr.
Der Finanzerfolg ergab aufgrund aufzulösender Wertberichtigungen von Wertpapieren einen Ertrag in der Höhe von +87 T€ (Vorjahr -169 T€).
Die Gründe für die verbesserte Ergebnissituation lagen hauptsächlich an folgenden Punkten:
- Reduzierter Aufwand für Altersversorgung (Pensionen) - Geringerer Materialaufwand durch gesunkene Glaseinkaufspreise als Resultat gefallener Gaspreise für die Glasherstellung
Eigenkapital
Die sich aus der Vorjahresbilanz ergebende Eigenkapitalquote von 7,5% konnte nach Abzug des negativen Jahresergebnisses sowie Zurechnung eines im März 24 erhaltenen weiteren nicht rückzahlbaren Zuschusses der Großmuttergesellschaft (1,6 Mio€) nunmehr zum 31.3.2024 auf 11,0% gesteigert werden.
Working Capital
Die Position Working Capital weist unter Einbeziehung von Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen einen positiven Saldo von 992 Tsd€ (VJ Tsd€ 50) auf. Die Geschäftsführung geht weiterhin davon aus, dass diese Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen nicht zur Unzeit fällig gestellt werden. Zudem liegt eine Patronatserklärung vor, welche einen Zeitraum von 12 Monaten ab Genehmigung des Jahresabschlusses abdeckt.
In Prozent der Betriebsleistung lag das Working Capital somit bei +3,9% gegenüber +0,3% im Vorjahr.
Cash Flow
Der Cash Flow nach der Praktiker-Methode (Jahresüberschuss + Abschreibungen + Veränderung langfristiger Rückstellungen) liegt im Geschäftsjahr bei -0,4 Mio€ (VJ: +50 Tsd€ €).
Der sich nach Finanzierungstätigkeit (i.W. Konzerndarlehen) sowie nach Investitionstätigkeit ergebende Gesamt-Cash-Flow ist leicht negativ und führt zu einem Finanzmittelbestand von rd 30 Tsd€ (VJ: 0,3 Mio€).
3. Allgemeine Risikosituation
Preissituation
Die gestiegenen Energie und Personalkosten konnten zum Teil über Preiserhöhungen an die Kunden weitergegeben werden.
Die Glaseinkaufspreise sind auf Grund der geringeren Herstellungskosten (geringerer Gaspreis) gefallen.
Eine positive Veränderung des Produktmixes hin zu höherwertigen Produkten, hat den Durchschnittserlös um rd. 6% zum Vorjahr erhöht.
Marktlage
Der Markt im Baubereich zeigte im Kalenderjahr 2023 deutliche Rückgänge in der Nachfrage. Die Abkühlung des Marktes, besonders der private und geförderte Wohnungsbau, liegt stark an den gestiegenen Baukosten, gestiegenen Zinsen sowie an den geänderten Bedingungen für die Kreditvergabe der Banken.
Wir verzeichnen trotz des Rückgangs im Wohnungsbau bei hochwertigen Isoliergläsern und hochwertigen Sicherheitsgläsern wie Verbundsicherheitsgläsern aus teilvorgespannten Gläsern eine starke Nachfrage. Unsere neu entwickelten Produkte im BIPV-Bereich (Building Integrated Photovoltaik) zeigen im Zuge des Klimawandels und der Energiewende ebenfalls ein steigendes Marktpotenzial.
Dennoch wird sich insgesamt die angespannte Konjunkturlage im Baubereich fortsetzen und es ist nach den letzten Konjunkturprognosen erst im Kalenderjahr 2025 wieder mit einem geringen Marktwachstum zu rechnen. Das von der Regierung bekanntgegebene Förderungspaket („Wohnbaumilliarde“) zeigt noch keine Wirkung am Markt.
Die Exportquote hat sich auf knapp 21% reduziert.
Produktion
Unsere Produktionsanlagen entsprechen grundsätzlich dem aktuellen Stand der Technik. Vorbeugende Wartungsprogramme sowie regelmäßige Investitionen in Erneuerung und Erweiterung stellen sicher, dass die Erwartungen unserer Kunden in Bezug auf höchste Qualität und Liefertreue optimal erfüllt werden können.
Die durchgeführten Automatisierungsmaßnahmen waren eine technisch anspruchsvolle Herausforderung, wurden aber letztendlich erfolgreich umgesetzt und sind essenziell, um zum einen die Risiken der Abhängigkeit und Verfügbarkeit von qualifiziertem Produktionspersonal nachhaltig zu reduzieren, und zum anderen die Produktivität zu erhöhen und damit die Produktionskosten zu senken. Durch die allgemein schwächere Konjunkturlage hat sich die Verfügbarkeit von Hilfskräften verbessert.
Liquidität
Die Finanzierung des Unternehmens ist, insbesondere unter Einbeziehung des Rückhaltes aus dem Konzern, weiterhin als gesichert zu bezeichnen.
Um diesem Rückhalt Rechnung zu tragen wurde seitens des Konzerns eine Patronatserklärung zu unseren Gunsten ausgestellt. Diese lautet im Original-Wortlaut wie folgt:
“We refer to your request that we provide you with comfort in respect of the provision of financial support to you by NSG UK Enterprises Limited, to assist you in meeting your liabilities as and when they fall due, but only to the extent that money is not otherwise available to you to meet such liabilities.
We confirm that we have the ability to provide such support and we will provide this support to you, to the extent outlined above, for a period of at least 12 months from the date of approval of your balance sheet.”
Wie mit den Eigentümern abgestimmt, werden die Konzernumlagen nur im Falle ausreichender Liquidität zur Zahlung kommen.
Wir können daher davon ausgehen, dass die Liquidität aufgrund der Umsatz- und Liquiditätsplanungen, die bis zum Geschäftsjahr 2026/27 reichen, sowie der vorliegenden Patronatserklärung als gesichert angesehen werden kann.
Forderungsausfallrisiko
Die Pilkington Austria GmbH. verfügt über ein straffes, auf die Prävention von Ausfällen und die Kooperation mit dem NSG Kreditversicherer AIG ausgerichtetes Forderungsmanagement. Darüber hinaus sind dem Vorsichtsprinzip entsprechende ausreichende Wertberichtigungen vorhanden.
Es gibt keine wesentlichen Preisänderungs-, Währungs-, Ausfalls- oder Liquiditätsrisiken im Zusammenhang mit Finanzinstrumenten.
4. Personal
Der durchschnittliche Personalstand liegt mit 123 Personen unter dem Vorjahr (131 Personen). Der Personalaufwand je Dienstnehmer liegt mit rd. 64 T€ um etwa 4,5% unter dem Vorjahreswert, nicht zuletzt unter Einbeziehung gesunkener Aufwendungen für Pensionen. Der Personalaufwand in % der Betriebsleistung liegt mit 31,1% um 2,3%Punkte unter dem Niveau des Vorjahres.
5. Investitionen
Im Geschäftsjahr wurden Investitionen im Umfang von rd. 0,6 Mio€ getätigt, dies ausschließlich in betriebliche Anlagen.
6. Forschung und Entwicklung
Unser Unternehmen verfügt über keine eigene F&E Abteilung, F&E erfolgt auf Konzernebene in zentralen Labors und Forschungseinrichtungen. Die Ergebnisse dieser F&E Aktivitäten kommen damit jedoch stets direkt auch unserer Gesellschaft zugute.
7. Ausblick
Die in den letzten Jahren durchgeführten Investitionsprojekte sind eingelaufen und bringen nun die erwarteten Leistungen. Speziell die mit der Automatisierung umgesetzte Personalreduzierung, bei gleichzeitiger Kapazitätserhöhung, bildet die Basis für die Zukunft.
Für das Geschäftsjahr 2024/25 und darüber hinaus erwarten wir, dass die Bautätigkeit auf reduziertem Niveau stagniert, deren Ursachen in den hohen Baukosten, Zinssituation und Regelungen der Kreditvergabe liegen. Wir verzeichnen im Geschäftsjahr 2024/25 eine Steigerung im Absatz gegenüber dem Vorjahresniveau, allerdings mit Rückgang im Durchschnittserlös.
Die schon 2024 durchgeführten Kapazitätsreduzierungen bei den Europäischen Glasherstellern führten im Frühjahr 2025, begleitet von gestiegener Glasnachfrage, zu deutlichen Erhöhungen in den Basisglaspreisen. Diese Erhöhungen wurden auch in unserer Marktstufe zeitnah an die Kunden mit mehreren Preiserhöhungen weitergegeben, sodass sich eine Trendwende in den Durchschnittserlösen zeigt. Wir rechnen 2025 mit einer weiteren eingeschränkten Glasverfügbarkeit im Europäischen Umfeld, welche sich im Laufe 2025 und drüber hinaus in weiter steigende Marktpreise niederschlagen wird.
Bei den Energiekosten verzeichneten wir für das 4. Quartal im Geschäftsjahr 2024/25 und darüber hinaus einen Anstieg durch die Erhöhung der Netzkosten.
Die Entwicklung der Personalkosten ist mit den im Juni 24 greifenden kollektivvertraglichen Lohn- und Gehaltsabschlüssen von rd.6% (6,0% IST/6,5% KV) im erwarteten Bereich.
Im Einklang mit der beschriebenen Geschäftsentwicklung stehend dürfen wir dennoch aus heutiger Sicht davon ausgehen, dass keine Gefährdung des Fortbestands des Unternehmens („Going Concern Prämisse“) vorliegt.
Trotz des schwierigeren Marktumfeldes rechnen wir mit einer stabilen Entwicklung im hochwertigen Glas- und Fassadenbau, da die Rückgänge vorrangig den Fensterbau und damit das einfache Isolierglasprodukt betrifft. Deutliche Steigerungen verzeichnen und erwarten wir bei den gebäudeintegrierten Photovoltaik- Produkten.
Durch einen konstant hohen Lieferservice, sehr guter Qualitätsleistung, sowie durch die Automatisierungsmaßnahmen reduzierten Lieferzeiten, gehen wir von einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit aus.
Das Geschäftsjahr 2024/25 weist durch die gesunkenen Durchschnittserlöse einen leichten Rückgang im Umsatz sowie einen Ertragsrückgang aus.
Die Auswirkungen des Russland/Ukraine Krieges zeigen sich primär in einer allgemeinen angespannten Konjunkturlage und Kaufzurückhaltung. Konkrete Auswirkungen auf das Unternehmen zeigen sich nicht.
Die zwischenzeitlich zu beobachtende anhaltend schwache Konjunkturentwicklung und die daraus zu erwartenden verschärften Marktbedingungen werden die Ertragssituation noch belasten, sodass die geplante Ertragsverbesserung erst in den darauf folgenden Geschäftsjahren zu realisieren sein wird.
8. Finanzinstrumente
Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden keine derivativen Finanzinstrumente eingesetzt.
9. Zweigniederlassungen
Das Unternehmen besitzt eine Zweigniederlassung in Brunn am Gebirge.
Bischofshofen, 31. Juli 2025
GF Hubert Schwarz