Inhaltsverzeichnis
1. Geschäftsverlauf und wirtschaftliche Lage
Die Netz Burgenland GmbH (im Folgenden NETZ BURGENLAND) ist als gesellschaftsrechtlich eigenständiges und unabhängiges Unternehmen eine 100 %-Tochter der Burgenland Energie AG.
Geschäftsverlauf
Mengenentwicklung
Die Mengenentwicklung des Geschäftsjahres 2024/25 liegt über dem Vorjahr, jedoch unter dem langjährigen Schnitt.
Die transportierte Menge im gesamten Stromnetz des Burgenlandes (inklusive Netz Güssing) des Berichtsjahres 2024/25 betrug 1.624 GWh. Im Vergleich zum Geschäftsjahr 2023/24 bedeutet dies eine Steigerung um 1,6 %.
Die transportierte Menge im gesamten Gasnetz der Netz Burgenland des Berichtsjahres 2024/25 betrug 1.810 GWh. Im Vergleich zum Geschäftsjahr 2023/24 bedeutet dies eine Steigerung um 5,4 %.
Dazu ist anzumerken, dass Mengenänderungen sowohl im Strom-, als auch im Gasbereich auf das Ergebnis der Netzgesellschaft keine Auswirkungen haben, da mengenbedingte Mehroder Mindererlöse von der Regulierungsbehörde über das Regulierungskonto ausgeglichen werden.
Netztarifentwicklungen Strom
Für die Ermittlung der Systemnutzungsentgelte Strom 2025 wurde der NETZ BURGENLAND seitens der E-Control eine um TEUR 14.883,4 oder 20,9 % höhere Kostenbasis als im Vorjahr für die Netznutzung anerkannt. Im Wesentlichen ist das auf die erhöhte Investitionstätigkeit, die Auswirkungen sinkender Mengen und einer Umstellung der Regulierungssystematik zurückzuführen. Die Netzverlustkostenbasis wurde um TEUR 6.405,1 oder 49,0 % vermindert, was auf eine Reduktion des Preises für die Beschaffung der Netzverlustenergie auf 129,8 EUR/MWh (VJ 180,1 EUR/MWh), eine Reduktion der zu beschaffenden Mengen und die Berücksichtigung des Regulierungskonto Netzverluste zurückzuführen ist.
Netztarifentwicklung Gas
Für die Ermittlung der Systemnutzungsentgelte 2025 wurde der NETZ BURGENLAND seitens der E-Control eine Erhöhung der Kostenbasis für die Netznutzung um TEUR 3.729,2 bzw. 13,9 % zuerkannt. Die Kostensteigerung ist im Wesentlichen auf die Berücksichtigung des Regulierungskontos zurückzuführen. Damit wird unter anderem der mengenbasierte Rückgang der Netznutzungsentgelte 2023 ausgeglichen.
Netzinfrastruktur Gas
Im Geschäftsjahr 2024/25 wurde das Erneuerungsprogramm der PVC-Netze entsprechend dem erarbeiteten Instandhaltungskonzept in reduziertem Umfang weiter fortgeführt. Insgesamt konnten rund 7,2 km Gasleitungen aus PVC erneuert und rund 245 Hausanschlüsse saniert werden.
Biomethaneinspeisung
Im Geschäftsjahr 2023/24 wurde ein Netzzugangsvertrag für die Einspeisung von Biomethan (aufbereitetes Biogas) abgeschlossen. Im September 2025 konnte im Raum Parndorf/Neusiedl erstmals Biomethan in das bestehende Gasnetz übernommen werden. Für das Geschäftsjahr 2025/26 ist der Anschluss einer weiteren Anlage im Bezirk Oberwart geplant.
Netz- und Informationssicherheitsgesetzes (NIS-G)
Als Betreiber kritischer Energieinfrastruktur unterliegt die NETZ BURGENLAND den Vorgaben des Netz- und Informationssicherheitsgesetzes (NIS-G). Zur Erfüllung dieser gesetzlichen Anforderungen wurde ein konzernweites Informationssicherheitsmanagementsystem etabliert, das laufend weiterentwickelt und an aktuelle Bedrohungslagen angepasst wird. Die Geschäftsführung bekennt sich ausdrücklich zur Bedeutung der Informations- und Cybersicherheit für die Versorgungssicherheit und den Geschäftsbetrieb. Zur Umsetzung der NIS-G-Vorgaben werden entsprechende personelle, organisatorische und finanzielle Ressourcen bereitgestellt. Wichtige interne Rollen – insbesondere im Bereich der Informationssicherheitsorganisation – wurden mit qualifizierten Fachkräften besetzt. Darüber hinaus werden externe Spezialisten und Prüfer zur Unterstützung und unabhängigen Bewertung einzelner Maßnahmen beigezogen. Im Jahr 2025 erfolgte die geplante externe Prüfung zur Überprüfung der NIS-G-Compliance. Parallel dazu bereitet sich die Netz Burgenland bereits auf die erweiterten Anforderungen aus der neuen europäischen NIS-2- Richtlinie sowie der nationalen RKE-Verordnung vor, mit dem Ziel, den hohen Sicherheitsstandard weiter auszubauen und die Resilienz der Energieversorgung langfristig zu sichern.
Rahmenbedingungen
In Folge des Krieges in der Ukraine war das Geschäftsjahr weiterhin von volatilen Energiepreisen geprägt. Dies verstärkt einerseits den Trend „Weg vom Gas“, und andererseits den weiteren Ausbau von Erneuerbaren Erzeugungsanlagen.
Die NETZ BURGENLAND gilt als Betreiber von Netzinfrastruktur als natürlicher Monopolist und unterliegt daher dem Regulierungsmodell der E-Control. Kostensteigerungen können entsprechend der Regulierungsformel an Netzkunden weitergegeben werden. Mittel- und langfristig ist damit die wirtschaftliche Entwicklung der NETZ BURGENLAND im Wesentlichen von Preis- und Mengenentwicklungen entkoppelt.
Bericht über die Zweigniederlassungen
Die Gesellschaft hat keine Zweigniederlassungen.
Finanzielle und nichtfinanzielle Leistungsindikatoren
| 2024/25 | 2023/24 | |
|---|---|---|
| Umsatzerlöse | TEUR 159.998 | TEUR 162.862 |
| Betriebsergebnis (EBIT) 1 | TEUR 15.393 | TEUR 11.425 |
| ROACE2 | 2.84% | 2,45% |
| Umsatzrentabilität 3 | 9,62% | 7,02% |
| Gearing Ratio4 | 86,14% | 71,21% |
| EK-Quote3 | 53,72% | 58,41% |
| ROFA | 2,43% | 2,13% |
| ASIDI7 | 13,0 | 16,7 |
Der Betriebserfolg (EBIT) des Geschäftsjahres beträgt TEUR 11.786 und liegt somit um TEUR 346 über dem IST-Wert des Geschäftsjahres 2023/24 der NETZ BURGENLAND.
Das Finanzergebnis liegt bei TEUR -4.907 und hat sich um TEUR 2.187 gegenüber dem Vorjahr verschlechtert.
Das Ergebnis vor Steuern in der Höhe von TEUR 6.879 liegt um TEUR 1.840 unter dem Vorjahreswert von TEUR 8.719.
Gearing Ratio
Der Verschuldungsgrad ist im Vergleich zum Vorjahr von 71,21 % auf 86,14 % gestiegen. Für die Berechnung werden die Baukostenzuschüsse in einen Eigen- bzw. Fremdkapitalteil aufgespalten und ein entsprechend adaptiertes Eigenkapital bzw. Fremdkapital ermittelt.
1 Bereinigt um Einmaleffekte
² ROACE = bereinigtes Betriebsergebnis / Average capital employed (Eigenkapital + entsteuerte BKZ abzüglich liquider Mittel)
3 Umsatzrentabilität = bereinigtes Betriebsergebnis / Umsatz *100
4 Adaptiertes Fremdkapital (Steueranteil BKZ + Verbindlichkeiten + Rückstellungen) / adaptiertes Eigenkapital
(Eigenkapital + entsteuerte BKZ) *100
5 Adaptiertes Eigenkapital (Eigenkapital + entsteuerte BKZ) / Bilanzsumme *100
6 ROFA (Return On Fixed Assets) = bereinigtes Betriebsergebnis / genutztes Anlagevermögen
7 ASIDI = Kundenbezogene Nichtverfügbarkeit des Stromnetzes
EK-Quote
Für die Berechnung der Eigenkapitalquote wurden die Baukostenzuschüsse (unter Abzug einer zukünftigen Steuerbelastung von 23 %) dem Eigenkapital laut Bilanz hinzugerechnet und das so adaptierte Eigenkapital der Bilanzsumme gegenübergestellt.
Vermögenslage
| in TEUR | 2024/25 | 2023/24 |
|---|---|---|
| Anlagevermögen | 634.571 | 537.159 |
| Umlaufvermögen | 60.636 | 107.088 |
| Eigenkapital | 245.530 | 243.173 |
Die Bilanz der NETZ BURGENLAND weist ein Anlagevermögen in der Höhe von TEUR 634.571 aus. Die Erhöhung des Anlagevermögens gegenüber dem Vorjahr kommt vorwiegend aus dem Ausbau der Strominfrastruktur. Das Umlaufvermögen ist vorwiegend aufgrund des Abbaus von Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen gegenüber dem Vorjahr gesunken und liegt bei TEUR 60.636. Die NETZ BURGENLAND weist Aktiva in der Höhe von TEUR 695.207 aus.
Auf der Passiv-Seite widerspiegelt sich
diese Entwicklung vorwiegend in den Verbindlichkeiten. Das Jahresergebnis (TEUR 5.358) erhöht das Eigenkapital.
Kapitalflussrechnung
Unter Heranziehung des gesamten Nettogeldflusses aus laufender Geschäftstätigkeit (TEUR 94.488), des Cashflows aus Investitionstätigkeit (TEUR -137.615) und aus Finanzierungstätigkeit in der Höhe von TEUR 43.008 beträgt der Unternehmens Cashflow TEUR -1.
Aus- und Weiterbildung
Die Burgenland Energie Gruppe hat im vergangenen Geschäftsjahr ihre Investitionen in die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden weiter verstärkt. Das GreenTech-Empowerment Programm wurde erfolgreich fortgeführt und ermöglichte zahlreichen Mitarbeitenden (38) sowie externen Teilnehmer:innen (3) eine gezielte Qualifizierung im Bereich nachhaltiger Technologien. Ergänzend dazu wurde das BE Learning Center für alle ausgerollt und bietet nun ein breites Spektrum an digitalen und Präsenzschulungen für alle Unternehmensbereiche. Zur Förderung der Führungskompetenzen wurde der Leadership Lunch als regelmäßiges Austauschformat für Führungskräfte etabliert. Darüber hinaus wurden verpflichtende Compliance- und Arbeitssicherheitsschulungen sowie Cyber Security-Trainings durchgeführt, um das Bewusstsein für rechtliche und sicherheitsrelevante Themen weiter zu stärken.
Karrieremodelle
Mit der Einführung der BE Expertenkarriere (Expert@BE) wurde ein neues Karrieremodell geschaffen, das Fachlaufbahnen gezielt fördert, Entwicklungsmöglichkeiten abseits der klassischen Führungslaufbahn bietet und zur Flexibilisierung und Mobilisierung der Organisation beiträgt. Der interne Arbeitsmarkt (Entwicklung@Work) eröffnet Mitarbeitenden transparente Entwicklungsperspektiven und erleichtert interne Wechselmöglichkeiten, um individuelle Karrierewege aktiv zu unterstützen.
Workplace & Gesundheit
Das betriebliche Gesundheitsmanagement bleibt ein zentrales Anliegen der Burgenland Energie Gruppe. Neben dem Gesundheitstag mit dem Health Mobil wurden regelmäßige Gesundheitstalks mit dem Arbeitsmediziner angeboten, um aktuelle Gesundheitsthemen praxisnah zu vermitteln. Impfkampagnen und Online-Vorträge zu mentaler Gesundheit, Bewegung, Schlaf und Ernährung ergänzten das Angebot.
Wissensmanagement
Um den unternehmensweiten Wissensaustausch zu fördern, wurde ein Projekttag abgehalten, bei dem Mitarbeitende ihre Erfahrungen und Best Practices aus verschiedenen Projekten präsentierten und diskutierten. Diese Initiative trägt dazu bei, Wissen nachhaltig im Unternehmen zu verankern und die Innovationskraft zu stärken.
Chancengleichheit und Diversität
Die Burgenland Energie Gruppe setzt sich aktiv für Chancengleichheit und Diversität ein. Durch gezielte Maßnahmen, wie die Unterstützung der Special Olympics, wird die Integration und Gleichberechtigung im Unternehmen gefördert.
Zum Weltfrauentag wurde ein gemeinsames Frühstück organisiert, das wieder mit einer inspirierenden Keynote eröffnet wurde.
Frauenanteil
Der weibliche Anteil der Mitarbeitenden (inkl. Lehrlinge) in der NETZ BURGENLAND beträgt 13,5 % zum 30.09.2025.
Arbeitnehmerschutz
Die Rechtsvorschriften des Arbeitsschutzes und der Schutz des Lebens und der Gesundheit der ArbeitnehmerInnen werden unter anderem durch folgende Maßnahmen gesichert:
o Unterweisung der ArbeitnehmerInnen und Förderung des Interesses an Fragen des Arbeitnehmerschutzes o Koordination der Präventivfachkräfte o Koordinierung der Ausbildung von Sicherheitsvertrauenspersonen
Die Arbeitsmedizinische Betreuung wird durch die Koordination zweier Betriebsärzte sowie das Angebot einer arbeitspsychologischen Betreuung gewährleistet.
Der Bereich Arbeitnehmerschutz kümmert sich um die Einhaltung der Rechtsvorschriften betreffend Brandschutz in den Verwaltungsgebäuden und des Konzeptes der Abfallwirtschaft.
Energiesparmaßnahmen
Die Burgenland Energie Gruppe unterstützt die Energiesparmaßnahmen der Bundesregierung weiterhin nach besten Kräften. Definierte Maßnahmen, wie z. B. die energieeffiziente Regulierung der Raumtemperatur, werden umgesetzt und einem regelmäßigen Monitoring unterzogen. Zur kontinuierlichen Steigerung der Energieeffizienz werden laufend entsprechende Maßnahmen umgesetzt. Im aktuellen Geschäftsjahr wurde insbesondere die Umstellung auf Fernwärme intensiv vorangetrieben und wird auch künftig weiterverfolgt. Darüber hinaus wird der Ausbau der E-Mobilität im Unternehmen gezielt gefördert.
2. Voraussichtliche Entwicklung und Risiken des Unternehmens
Voraussichtliche Entwicklung des Unternehmens
Netzkostenentwicklungen
Für die Ermittlung der Systemnutzungsentgelte Strom 2026 wurde der NETZ BURGENLAND die Kostenbasis für die Netznutzung um TEUR 20.292,8 bzw. 23,6 % erhöht. Im Wesentlichen ist das auf die erhöhte Investitionstätigkeit und die Auswirkungen sinkender Mengen zurückzuführen.
Die Netzverlustkostenbasis wird gegenüber dem Vorjahr um TEUR 1.811,6 oder 27,1 % reduziert, was primär auf eine Senkung des Einkaufspreises auf 103,4 EUR/MWh (VJ 129,8 EUR/MWh) für die Netzverlustenergie sowie reduzierte Netzverlustmengen zurückzuführen ist.
Für die Ermittlung der Systemnutzungsentgelte Gas 2026 wurde der NETZ BURGENLAND die Kostenbasis für die Netznutzung um TEUR 2.831,9 bzw. 9,3 % erhöht. Die Kostensteigerung ist im Wesentlichen auf die Berücksichtigung des Regulierungskontos zurückzuführen. Damit wird unter anderem der mengenbasierte Rückgang der Netznutzungsentgelte 2024 ausgeglichen.
Ökostrom-Netzausbaukonzept
Alleine im Geschäftsjahr 2024/25 konnten rund 5.560 neue Photovoltaikanlagen mit einer zusätzlichen Einspeiseleistung von zusätzlich rund 328 MWpeak ( +67 % PV-Einspeiseleistung) in Betrieb genommen werden. Die Abwicklung der Anträge für Erzeugungs- und Speicheranlagen bis maximal 20 kVA erfolgte in einem vereinfachten Verfahren. Aufgrund der Erfahrungen mit einer massiv steigenden Anzahl von Anfragen der letzten Jahre konnte mit der zuständigen Regulierungsbehörde E-Control Austria ein einheitlicher Prozess betreffend die Abwicklung von Anträgen für Erzeugungs- und Speicheranlagen ab 20 kVA abgestimmt werden.
Der massive Ausbau von Erzeugungsanlagen und die damit verbundenen Anschlusspflichten bedingen den laufenden Netz-Ausbau. Damit zusätzliche Netzkapazitäten zur Verfügung gestellt werden können, wird unter anderem eine neuen 110-kV-Freileitungsanlage vom Umspannwerk Oberpullendorf zum Umspannwerk Rotenturm und deren Anbindung an das 380-kV-Netz der Austrian Power Grid errichtet. Der Trassenverlauf der geplanten Stromleitung wurde so gewählt, dass optimal auf die Schutzinteressen von Umwelt und Bevölkerung Rücksicht genommen wird. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2026 geplant. Mit der Austrian Power Grid erfolgt eine intensive Abstimmung zum Ausbau und zur Optimierung der Übertragungskapazitäten zum Übertragungsnetz.
Auch im Mittel- und Niederspannungsbereich werden verstärkt Ausbaumaßnahmen für die Integration zusätzlicher Ökostromerzeugungsanlagen, insbesondere Windkraftanlagen und Photovoltaik, notwendig.
Das Burgenland ist aufgrund der geographischen Lage sehr gut für die Erzeugung erneuerbarer Energie geeignet. In Folge ist die NETZ BURGENLAND in besonderem Ausmaß bei der Bereitstellung der erforderlichen Netzzugänge für Einspeiseanlagen gefordert. Die NETZ BURGENLAND unterstützt die Ziele der Energiewende in vollem Umfang, setzt sich jedoch auch für einen überregionalen Ausgleich der Kosten für die notwendige Infrastruktur ein.
Budgetrahmen der nächsten drei Jahre
| in TEUR | GJ 2026 | GJ 2027 | GJ 2028 |
|---|---|---|---|
| Umsatzerlöse | 179.787 | 198.861 | 215.033 |
| EGT | 10.465 | 12.016 | 14.888 |
Im Budgetrahmen wurden Tariferhöhungen und deutliche Steigerungen bei Investitionen und Kosten berücksichtigt.
Wesentliche Risiken und Ungewissheiten
Die NETZ BURGENLAND gliedert sich in zwei Teilbetriebe: Strom und Gas. In jedem Teilbetrieb wird zwischen technischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Risiken unterschieden, wobei davon ausgegangen wird, dass diese Risikokategorien voneinander nicht streng getrennt werden können und gegenseitige Wechselwirkungen haben.
Technische Risiken
Als wesentliche Risiken werden die Zerstörung bzw. der Ausfall des gesamten Strom- bzw. Gasverteilernetzes im Burgenland oder von Teilen davon gesehen. Gründe dafür können Naturkatastrophen, Wetterkapriolen, Überalterung von Netzanlagen und Probleme bei der Betriebsführung des Netzes sein.
Technische Risiken Bereich Strom
Um das Risiko des Ausfalls des Strom-Verteilernetzes im Burgenland zu minimieren, wurden im Berichtsjahr unter anderem folgende langjährige Maßnahmen fortgesetzt:
• Konsequente Umsetzung der risiko- und zustandsorientierten Investitions- und Instandhaltungsstrategie • Forcierte Entschärfung kritischer 20-kV-Freileitungsbereiche durch geeignete Maßnahmen auf Basis klar definierter technischer und wirtschaftlicher Faktoren („Freileitungsbrennpunktkonzepte“) • Fortsetzung des Austausches von störungsanfälligen 20-kV-Hochspannungskabeln auf Basis klar definierter technischer und wirtschaftlicher Faktoren („Kabelbrennpunktkonzepte“) • Simulationen von Störfällen zur vorausschauenden Festlegung von Eventualmaßnahmen (z. B. Überdeckungsbetrieb, Störungsbeseitigung etc.)
Technische Risiken Bereich Gas
Um das Risiko des Ausfalls von Gasanlagen oder -verteilernetzteilen zu minimieren, wurden laufend Inspektions-, Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten durchgeführt.
Zur Erhöhung der Betriebs- und Versorgungssicherheit wurden Teile des bestehenden Gashochdruckleitungsnetzes umgelegt bzw. erneuert. Konkret wurden die Hochdruckanschlussleitungen Rotenturm und Jabing aufgrund schadhafter Isolierungen erneuert.
Das Gasleitungsnetz des Burgenlandes hat per 30. September 2025 einen Umfang von 2.647 km und 57.368 Hausanschlussleitungen.
Um die Substanz des bestehenden Gasnetzes nachhaltig aufrechterhalten zu können, wurden Maßnahmen entsprechend der „Instandhaltungsstrategie Gasnetz“ fortgeführt. Ziele der Strategie des Gasnetzes sind die Erhaltung des ordnungsgemäßen Zustandes sowie die Gewährleistung der Betriebssicherheit gemäß den jeweils gültigen gesetzlichen Bedingungen. Die Instandhaltungsstrategie beinhaltet den systematischen Austausch von PVC-Leitungen, von Fittingen und von erdverlegten Schraubverbindungen in Ortsrohrnetzen, die nicht dem Stand der Technik entsprechen. Entsprechend dieser Strategie konnten im Geschäftsjahr 7,2 km Gasleitungen aus PVC durch PE-Leitungen ersetzt werden. Im Zuge der Erneuerung wurden auch 245 Hausanschlüsse auf den Stand der Technik gebracht.
Zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit der Gasdruckregel- und Messanlagen werden regelmäßig Anlagen, deren Leistungsgrenze erreicht ist oder bei denen für die verbauten Regel- und Sicherheitseinrichtungen keine Ersatzteile mehr beziehbar sind, erneuert oder umgebaut. Im Geschäftsjahr wurde die Gasdruckregelanlage Eisenstadt III umfassend saniert. Gemeinsam mit den Energienetzen Steiermark GmbH wurde die Raabtalleitung einer Reinigungsmolchung unterzogen. Um den Anforderungen der Gasmarktmodellverordnung hinsichtlich der geplanten Einspeisung erneuerbarer Gase gerecht zu werden, konnte das 2024 eingeführte Brennwertverfolgungssystem erfolgreich zertifiziert werden.
Die Inspektions-, Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten an den Gasleitungsanlagen bestehen im Wesentlichen aus der Überprüfung auf Dichtheit durch Gasspüren, aus den Funktionsprüfungen von Absperr-, Regel- und Sicherheitseinrichtungen in Schieberstationen und Gasdruckregelanlagen, aus dem Austausch von Verschleißteilen und aus der visuellen Kontrolle der Leitungstrassen und Leitungsanlagen. Art und Umfang der Arbeiten sind durch technische Regeln und Richtlinien festgelegt und wurden diesen entsprechend ausgeführt und dokumentiert.
Regulatorische Risiken
Die weitreichenden gesetzlichen Änderungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Liberalisierung des Strom- und Gasmarktes ständiger Beobachtung bedarf. NETZ BURGENLAND führt daher Gespräche mit Vertretern der Parlamentsparteien, Interessensvertretungen sowie der Sozialpartner und bringt sich auch in Arbeitsgruppen von Österreichs Energie (OE), Fachverband Gas Wärme (FGW), Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) und auch auf europäischer Ebene bei Eurelectric (europäischer Verband der nationalen Interessensvertretungen Strom) und Geode (Strom und Gas) aktiv ein, um Rahmenbedingungen mitgestalten bzw. möglichst frühzeitig auf gesetzliche Änderungen reagieren zu können.
Im Bereich Gas läuft die aktuelle Regulierungsperiode bis 31. Dezember 2027. Die Kostenund Tarifentwicklungen sind anhand der festgelegten Parameter gut abschätzbar, das regulatorische Risiko kann damit in diesem Bereich als gering eingestuft werden. Die gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen führen seit dem Geschäftsjahr 2021/22 zu einem Rückgang der Zählpunkte. Eine Stilllegung wesentlicher Netzbereiche ist nur mittel- bis langfristig möglich bzw. sinnvoll. Die Gesamtkosten lassen sich jedoch nicht im gleichen Ausmaß reduzieren. Entsprechend der Regulierungssystematik werden sich damit zukünftig die Tarife der Netzebene 3 erhöhen (je geringer die Anzahl der Haushalts-Zählpunkte/- Abgabemengen, desto höher die Mehrbelastung für die verbleibenden Netzkunden).
Im Strombereich läuft die aktuelle Regulierungsperiode bis 31. Dezember 2028. Die Kostenund Tarifentwicklungen sind anhand der geltenden Regulierungsformeln bis dahin gut abschätzbar und das regulatorischen Risiko damit derzeit als gering einzustufen. Der hohe Investitionsbedarf in den kommenden Jahren führt entsprechend der Regulierungssystematik zu höheren Tarifen.
Wirtschaftliche Risiken Bereich Strom
Das Gesetzespaket des „EAG“ (Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz) umfasst neben neuen Fördersystemen für erneuerbare Energie-Erzeugungsanlagen auch konkrete Regelungen zur Umsetzung von erneuerbaren Energie- und Bürgerenergiegemeinschaften – wodurch die Verteilnetzbetreiber umfassende Aufgaben in Bezug auf die Abrechnungssysteme zu erfüllen haben. Hier wird weiterhin gemeinsam brancheneinheitlich entwickelt und nach konsolidiertem Zeitplan vorgegangen.
Die Netztarifstruktur ist besonders in den niederen Netzebenen (NE7 – Niederspannung Haushaltskunden) stark energieverbrauchsabhängig (bei NETZ BURGENLAND rund 85 % Energie, 15 % Leistung) ausgerichtet. Diese Netztarifstruktur entspricht jedoch nicht der Kostenstruktur eines Netzbetreibers, sind doch die Netzkosten primär leistungsgetrieben. Durch die stark fluktuierende Einspeisung aus PV und die hohen Ladeleistungen der E-Autos steigen die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit des Netzes noch zusätzlich. Um hier Anreize für ein netzdienliches Verhalten (gleichmäßige Auslastung der Netze) zu schaffen, ist die Tarifstruktur Richtung Leistungsorientierung weiter zu entwickeln. Die zwischen der Branchenorganisation OE und der E-Control geführten Gespräche haben bis dato noch zu keiner finalen Lösung geführt.
Die Bundesregierung beabsichtigt die Erlassung eines neuen Bundesgesetzes zur Regelung der Elektrizitätswirtschaft (Elektrizitätswirtschaftsgesetz – ElWG). Die Begutachtungsfrist endete Mitte August 2025. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Lageberichtes befindet sich der ElWG-Entwurf noch in der Phase der politischen Diskussion. Wesentliche Inhalte des vorliegenden ElWG-Entwurfes haben bedeutenden Einfluss auf die Verteilernetzbetreiber, so auch auf NETZ BURGENLAND. Beispielsweise zu nennen sind die Aufteilung der Netzkosten, Berücksichtigung von Speicheranlagen, die Möglichkeit der Spitzenkappung samt deren Kostentragung sowie die Möglichkeit eines flexiblen Netzzuganges.
Wirtschaftliche Risiken Bereich Gas
Erdgas gilt als fossiler Energieträger und steht damit als Mitverursacher der Klimakrise in der Kritik. Auch wenn der gänzliche Ersatz dieses Energieträgers mittelfristig noch nicht als realistisch angesehen werden kann, steht insbesondere die im Burgenland weit verbreitete Verwendung für die Erzeugung von Raumwärme zur Diskussion. In der burgenländischen Klimastrategie wird die Substitution von fossilen Energieträgern für die Wärmebereitstellung durch effiziente erneuerbare Energieträger, die Nutzung von Abwärme und der Einsatz effizienter Technologien als klares Ziel angesehen.
Die Ukraine-Krise hat diesen bereits zuvor bestehenden Trend „Weg vom Gas“ deutlich verstärkt. Seit dem Geschäftsjahr 2022 ist die Anzahl der burgenländischen Gasanschlüsse rückläufig. Es besteht daher das Risiko, dass sich die transportierten Gasmengen rückläufig entwickeln und damit die gut ausgebaute Gasinfrastruktur nicht mehr im bestehenden Ausmaß genutzt werden kann. Diesbezüglich ist ErwGr 33 der RL 2024/1788 zu erwähnen, in dem festgehalten ist, dass Stilllegungen nicht zu Lasten der Endkunden gehen dürfen und diese auch vor steigenden Tarifen aufgrund von Abschreibungen geschützt werden sollen. Auch steigende Tarife aufgrund der schrumpfenden Kundenbasis sollen den Endkunden nicht belasten. Diese Ziele sind auf Basis der derzeitigen Regulierung nicht erreichbar.
Risiken im Zusammenhang mit Finanzinstrumenten
Die von der Gesellschaft verwendeten originären Finanzinstrumente betreffen im Wesentlichen Forderungen und Verbindlichkeiten aus dem Leistungsprozess bzw. sonstige Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen. Das Ausfallsrisiko bei den Forderungen aus dem Leistungsprozess wird durch ein laufendes Monitoring und zeitnahes Mahnwesen reduziert.
Derivative Finanzinstrumente werden nicht eingesetzt.
3. Forschung und Entwicklung
Die Gesellschaft betreibt keine eigene Forschung und Entwicklung, nimmt aber an gemeinsamen Forschungsprojekten unter anderem mit der Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) und Österreichs Energie (OE) teil.
4. IKS und Risikomanagement bzw. Risikoberichtserstattung
Internes Kontrollsystem (IKS)
Das bestehende Interne Kontrollsystem wird laufend weiterentwickelt und verbessert. In Zusammenarbeit mit der Burgenland Energie AG wird an der Verbesserung von Organisationsstrukturen, der Weiterentwicklung von IKS-bezogenen Richtlinien und Anweisungen und der Schaffung von IKS-Standards gearbeitet.
Für das IKS wurde ein softwaregestütztes System zur automatischen, workflowbasierten Abwicklung eingeführt. Mithilfe dieses Systems werden ausgewählte IT-Kontrollen (bspw. Virenschutz-,Patch-, Datensicherungskontrollen) automatisiert durch die Kontrollverantwortlichen durchgeführt. Durch diese Weiterentwicklung des internen Kontrollsystems werden die Risiken aktiv gemanagt, der Kontrollablauf ist sichtbar, nachvollziehbar und transparent.
Risikomanagement
Risiken sind Bestandteile jeder unternehmerischen Tätigkeit. Das frühzeitige Erkennen und die sachgerechte Bewertung dieser Risiken sind daher Teil der Unternehmensführung und in die Entscheidungsprozesse integriert. Das Management der Risiken wird mittels Software unterstützt.
5. Angaben zu Kapital-, Anteils-, Stimm- und Kontrollrechten und damit verbundenen Vereinbarungen
Für das Geschäftsjahr 2024/25 wird voraussichtlich vom Jahresergebnis der Betrag von EUR 2.678.771,24 ausgeschüttet und der Rest auf neue Rechnung vorgetragen.
Eisenstadt, 24. November 2025
Die Geschäftsführung
Signiert von: Florian Johann Josef Martin Pilz Datum: 25.11.2025 09:24:06 TRUST
| Ing. Wolfgang Trimmel, MSc | Mag. Florian Pilz, MSc |
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Die mit dem Dokument verknüpften elektronischen Signaturen decken den Jahresabschluss und Lagebericht ab und können über die Bildmarke im Dokument überprüft werden. Die Rechtswirkung ist durch die elDAS-VO (Art 25 elDAS-VO) sowie das österreichische Signatur- und Vertrauensdienstegesetz (SVG) geregelt.